von David Cohnen
Landwirtschfaftliche Biogasanlage in Deutschland: Fragwürdiger Nutzen, noch fragwürdigere Förderung Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Biogas eine erfolgreiche und günstige Methode sei, den CO2-Ausstoß zu minimieren. Dabei wird unterstellt, dass der CO2-Ausstoß bei Biogas gleich null ist. Aber ist es das? Zunächst muss deutlich ausgesprochen werden: Biogas hat gegenüber „russischem Gas“ beim Verbrennen keinerlei unmittelbaren physikalischen Vorteil. In beiden Fällen wird Methan verbrannt. In beiden Fällen entsteht nahezu die gleiche Menge CO2 pro Kilowattstunde. Es wird kein Gramm CO2 weniger aus dem Schornstein freigesetzt. Biogas ersetzt lediglich die Menge fossilen Gases, die andernfalls verbrannt worden wäre.
Der behauptete Vorteil entsteht ausschließlich durch eine bilanzielle Betrachtung des Kohlenstoffkreislaufs. Pflanzen nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf, daraus entsteht Biomasse, daraus Biogas, und bei der Verbrennung wird das CO2 wieder freigesetzt. Theoretisch ein Kreislauf. Praktisch jedoch entstehen entlang der gesamten Kette zusätzliche Emissionen: Diesel für Aussaat und Ernte, energieintensive Düngemittelproduktion, Lachgasemissionen aus Böden, Transport zur Anlage, Aufbereitung des Gases und mögliche Methanverluste. Institutionen wie das Umweltbundesamt oder das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, auch bekannt als “Weltklimarat”) kommen zwar zu dem Ergebnis, dass Biogas im Durchschnitt günstiger abschneidet als fossiles Erdgas – aber die Differenz ist häufig moderat, nicht fundamental. Von „Null-Emissionen“ kann jedenfalls keine Rede sein. Zudem beruhen diese Berechnungen auf Annahmen: Wie hoch sind die Methanverluste? Wie intensiv wird gedüngt? Welche Erträge werden unterstellt? Bereits kleine Veränderungen dieser Parameter können die Bilanz deutlich verschieben. Es ist daher legitim zu fragen, ob ein Kritiker mit anderen – ebenfalls vertretbaren – Annahmen zu weniger günstigen Ergebnissen gelangen würde.
In vielen Fällen nicht wettbewerbsfähig
Die Überlegenheit von Biogas ist also kein naturgesetzlicher Befund, sondern das Ergebnis eines Modellrahmens. Entscheidend wird die Diskussion jedoch bei den Kosten. Und hier fällt die Bilanz deutlich härter aus. Biomethan ist häufig erheblich teurer als fossiles Erdgas. Je nach Marktphase und Produktionsart kann der Preis im Extremfall bis zum Dreifachen dessen betragen, was fossiles Pipelinegas kostete. Wenn man – wie es Befürworter gerne mit günstigen Annahmen tun – den unteren Bereich der Preisspanne nennt, wirkt der Unterschied moderat. Betrachtet man jedoch den oberen Bereich, also das bis zu Dreifache, wird die wirtschaftliche Belastung deutlich sichtbar. Dass sich Biogas dennoch ausbreiten konnte, lag maßgeblich an politischen Fördermechanismen wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ohne garantierte Einspeisevergütungen und regulatorische Unterstützung wäre es in vielen Fällen nicht wettbewerbsfähig gewesen. Die Mehrkosten verschwinden nicht – sie werden verlagert: auf Verbraucher, Unternehmen oder Steuerzahler.
Damit stellt sich die zentrale Frage: Ist eine moderate, modellabhängige CO2-Reduktion eine Verdreifachung der Kosten wert? In einer wettbewerbsorientierten Volkswirtschaft sind Energiepreise ein Standortfaktor. Dauerhaft höhere Energiekosten schwächen Industrie, Investitionen und Kaufkraft. Eine Energiepolitik, die diese ökonomische Dimension ausblendet, riskiert strukturelle Nachteile. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Biogas ist weder emissionsfrei noch physikalisch überlegen. Sein Vorteil ergibt sich aus bilanziellen Annahmen mit begrenztem Abstand zu fossilem Erdgas. Gleichzeitig kann es – im ungünstigen Fall – bis zu dreimal so teuer sein wie das fossile Vergleichsprodukt. Wer die ökologische Differenz betont, sollte daher ebenso offen die ökonomischen Nachteile benennen. Nur dann entsteht eine ehrliche und vollständige Debatte.
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