von Meinrad Müller

Eher Boomer, GenX oder gar “Ommas und Oppas gegen rechts” als GenZ: Berliner Teilnehmer der gestrigen “Schülerproteste“
Angemeldet waren rund 10.000 Teilnehmer am Brandenburger Tor. Die Polizei nannte am Nachmittag lediglich 5.000. Das ist gerade einmal die Hälfte. Auch die bundesweiten Online-Fantasiezahlen jenseits der 160.000 lagen gewaltig daneben. Quo vadis, Schüler? Wer die Livestreams vom Brandenburger Tor, Köln und Hamburg gesehen hat, musste sich fragen, wo denn die angeblich protestierenden Jugendlichen abgeblieben sind. Die angekündigten Schülerproteste der “Generation Z”, die hier laut Appell “regeln“ wollte, wirkten auf mich wie ein Spaziergang derjenigen, die schon seit Jahren nicht mehr im Klassenzimmer sitzen. Echte Schüler bis 18 Jahre wirkten in den Livestreams eher wie eine Minderheit. Die meisten dürften zu Hause gesessen (und Hausaufgaben gemacht?) haben. Was die Kameras zeigten, sah für mich vielfach deutlich nach jenseits der 30 aus.
Hier war die bekannte Mischung aus erfahrenen Demo-Touristen und Leuten, die „Hoch die internationale Solidarität“ plärrten, was sie noch aus der eigenen Jugend kennen, und Antifanten und Rädelsführer der Linken und anderer NGOs, die so verzweifelt wie vergeblich versuchten, endlich ein bisschen Revolutionsflair zu entfachen und die dröge marschierenden “Demonstrierenden” zu entfesseln, damit die erhofften “französischen Bilder“ entstehen. Zum Glück wurde daraus größtenteils nichts – auch wenn es vereinzelte Ausschreitungen gab.
Die Bundesschülerkonferenz hatte sich schon distanziert
Ausgerechnet in Berlin wurde das deutlich: In Großstädten mangelt es bekanntlich an Auslauf. Der organisierte Protest vor dem Brandenburger Tor diente deshalb wohl manchem als Alternative zum Sofa – mit Palästina-Flaggen, Regenbogen und die üblichen Antifa-Transparenten. Jugendlich wirkte das auf mich nicht. Am Rosenthaler Platz wurde laut Berliner Zeitung später die „Internationale“ angestimmt. Wie auf SPD-Parteitagen. Die musikalische Begleitung war damit schon einmal deutlich älter als die Generation Z.
Das war schon vor dem ersten Redebeitrag bemerkenswert: Die Bundesschülerkonferenz hatte sich von den Protesten distanziert. Unklare Demo-Strukturen und die Sorge vor Vereinnahmung durch Radikale waren bereits im Vorfeld Thema gewesen. Der Eindruck, dass hier vor allem Linke, nicht Schüler den Ton angeben wollten, kam also nicht erst beim Betrachten der Livestreams auf. Ein Schülerprotest ohne Rückhalt der Bundesschülerkonferenz. Auch das muss man erst einmal hinbekommen.
Schade um das gute Sperrholz
Rolex, Gucci, Prada und Adidas: Am Ku’damm standen die Schaufenster großer Marken vorsorglich hinter Holzplatten, als stünden französische Verhältnisse bevor. Einige Geschäfte schlossen frühe, andere machten erst gar nicht auf. Die Plünderungen blieben nach bisherigem Stand in der Hauptstadt weitgehend aus. Das gute Sperrholz kommt vorsorglich ins Materiallager; man weiß ja nie. Auch ohne bürgerkriegsähnliche Zustände wie im Nachbarland fiel ins Auge, dass hier nur wenig Jugendliche am Start waren.
Die mediale Vorab-Erzählung von den empörten Schülern, die gegen kaputte Schulen und Wehrpflicht auf die Straße gehen, passte für mich schlecht zu den gesehenen Bildern. Die Öffentlichkeit wurde an der Nase herumgeführt.
Am Abend flogen dann doch Steine
Ganz ohne Randale ging der Abend allerdings nicht ab; vor allem nachts Ursachen in manchen Städten doch vereinzelt doch noch Chaos und Gewalt aus. In Frankfurt wurde ein Waffengeschäft geplündert, in Halle wurden Polizisten mit Flaschen und Brandsätzen attackiert. Auch in Hamburg und Stuttgart wurden Beamte von den üblichen Hardcore-Krawallmachern angegriffen. Doch insgesamt verlief dieses befürchtete “Halloween des Schreckens” relativ glimpflich. Bei der separaten Berliner Demonstration „Gen Z hat genug!“ flogen laut Polizeisprecher Jörn Iffländer auch Steine. Umliegende Geschäfte wurden mit Eiern beworfen. Zudem gab es Sachbeschädigungen und Festnahmen. Von dieser Abenddemo hatte sich „Gen Z regelt“ bereits vorher distanziert. Laut “Berliner Zeitung” erklärte der Veranstalter die Demonstration um 19.10 Uhr für beendet. Doch die Böllerwerfer hielten sich nicht an den Feierabend.
Der Polizeigewerkschafter Andreas Roßkopf zog am Abend eine gemischte bundesweite Bilanz. Die eigentlichen “GenZ”-Proteste seien sehr friedlich gewesen. Danach sei in mehreren Städten Gewalt von autonomen und teilweise vermummten Gruppen ausgegangen. Massive Sachbeschädigungen seien bisher ausgeblieben. Die Bärte waren da deutlich sichtbarer. Sie gehören definitiv eher zur Lehrergeneration.
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