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Dienstag, 5. Mai 2026

Konzertierter X-Rückzug: Die linksgrüne Blase hält ihr Paralleluniversum sauber von jeglichen störenden Gegenmeinungen

von Daniel Matissek

Prozess der Selbstreinigung: Deutschlands intolerante gesinnungsbolschewistische Linksparteien verlassen X



Der gestrige wohlabgestimmte und geordnete Rückzug der linken Parteien sowie weiter Teile ihres Gefolges von X ist nicht nur der neuerliche Beweis für die antidemokratische und intolerante Grundgesinnung dieser wahrhaftigen Erben des Bolschewismus, sondern eine intellektuelle Kapitulation. Mit identischen Worthülsen, in denen sie beklagen, X sei „in den letzten Jahren im Chaos versunken“, zogen sie gemeinsam in ihr neues Biotop Bluesky um und riefen ihre Anhänger dazu auf, es ihnen gleichzutun. Dort herrschen noch die Spielregeln, die vor der Übernahme durch Elon Musk auch früher auf Twitter galten: Störende Gegenmeinungen werden gemeldet und gelöscht, unliebsame Kanäle zensiert und alles, was irgendwie “rechts” ist, wird nach Herzenslust mit lupenreinster Ausformung der ansonsten stets als Allgemeinplatz gegen politische Gegner bemühten “Hass und Hetze” überschüttet.

Es sind die immer gleichen abgedroschenen Phrasen, die die linken Parteien und ihre Medien abspulen, seit Musk den weltweit bedeutendsten Mikroblogging-Dienst 2022 übernahm, in X umbenannte und dort die volle Meinungsfreiheit wiederhergestellt hat. Aus der bis dahin exklusiven (und exkludierenden) Spielwiese und Echokammer für Linke wurde danach, wenn auch mit Verzögerungen, allmählich eine Plattform für echte Meinungsfreiheit – für das linke Mindset insbesondere in Deutschland, die ihre Hegemonie niemals im freien Ideenwettstreit durch Überzeugung, sondern nur autoritativ und repressiv behaupten können, ein Graus. Waren dort zuvor andere Stimmen attackiert, gelöscht oder in ihrer Reichweite massiv eingeschränkt worden und hatte sich Twitter den anmaßenden EU-Zensurregeln weitgehend widerstandslos gebeugt, räumte Musk hier auf und überantwortete diese finsteren Zeiten endgültig der Vergangenheit. Das Milieu Juste der grünen und linkswoken Klasse kommt darauf bis heute nicht klar. Ohne Gatekeeper und Zensoren macht ihnen Öffentlichkeit keinen Spaß.

Gewöhnt ans Bevormunden und Befehlen

Nachdem die Parteien des linken Einheitsblocks ihre katastrophal gescheiterte Migrations-, Klima- und woke Genderideologie samt ihrer mainstreammmedialen Unterstützerblase nicht verteidigen können und sachlich ohne keine Argumente haben, zumal sie sich in den letzten Jahrzehnten ans Bevormunden und Befehlen gewöhnt haben und alle Abweichler mit diversen Kampfbegriffen von Schwurbler bis Nazi belegt haben, mussten sie schlussendlich einsehen, dass diese Strategie fehlgeschlagen ist; denn all die Vorwürfe an ihre Gegner, die Zensur, Kuratierung, Betreuung und Einhegung kritischer Meinungen angeblich erforderlich mache – besagter Vorwurf der “Hass und Hetze”, “Fake-News” und ”Desinformation” fällt am Ende just auf sie selbst zurück und entfaltete am Ende keine Wirkung; die Nutzer suchten umso mehr den Diskurs, den Widerspruch und die ungehinderte Kritik, die gerade in Deutschland immer seltener zu finden sind, auf X dafür umso mehr.

Die Reaktion des “Haltungslagers“ war, dass ideologisch gleichgeschaltete Teile der “Zivilgesellschaft”, geltungssüchtige Unterhaltungskünstler, Intoleranzmedien und sogar Fußballvereine X theatralisch verließen; teilweise nur, um wenig später wieder zurückzukehren, weil man anderswo eben doch nicht ansatzweise die Reichweite vorfand. Dass nun auch von den linken Elementen des politischen Einheitskartell Grüne und Linkspartei sowie weiten Teilen der SPD die Flucht in diesen Schmollwinkel erfolgt, wird sich in ähnlicher Form für sie als Rohrkrepierer erweisen, da sie damit nur sich selbst schaden – oder fortan dann völlig im eigenen Saft schmoren. Das scheint einigen der vollmundigen Akteure auch insgeheim bewusst zu sein, deren Verlogenheit sich selbst hier wieder offenbart – denn viele haben ihre X-Konten nicht etwa gelöscht, sondern sie kündigen lediglich ihre Weigerung an, diese auch künftig noch zu „bespielen“.

Viel Spaß im Zensur-Himmel Bluesky

Der reale Verlust für die Öffentlichkeit hält sich jedoch in Grenzen, denn das Interesse an den geistigen Ergüssen der Social-Media-Teams dieser Parteien und ihrer Bonzen war ohnehin mehr als überschaubar. Bestenfalls dienten sie zur Selbstentlarvung der grenzenlosen Arroganz und Dummheit dieser abgehalfterten Wichtigtuer und Diskursverweigerer, die nur noch in ihrer eigenen Blase existieren können. Die an der Schwelle zur Bedeutungslos dümpelnde Bluesky-Community dürfte ihnen alsbald als äußerst kläglicher Ersatz für die selbstverdammte Breitenwirkung von X dämmern – zumal dort so dermaßen offensichtliche Exzesse des Linksfaschismus stattfinden, für die natürlich wieder einmal die linksextreme Wichtigtuer Marius Sixtus Pate steht, wie folgende dortigen Einträge von ihm offenbaren:


Seit eh und je üben sich die gouvernantenhaften Verbotslinken in ihrer Paradedisziplin, anzuordnen, was „wir“ aus irgendwelchen irren Gründen zu tun und zu lassen haben, und dann jeden pseudomoralisch anzugreifen, der sich dem verweigert. Dieses üble Spiel ist längst an sein Ende gekommen. Doch immer weniger Menschen lassen sich von diesen Gestalten noch vorschreiben, wie sie zu leben und was sie wie zu sagen haben.

Treibende Kraft hinter der über Monate vorbereiteten linken X-Flucht war Pegag Edalatian, die politische Geschäftsführerin der Grünen. X habe nachweislich an Bedeutung für die politische Auseinandersetzung verloren und sei zu einem „Einfallstor für Desinformation und eine aggressive Debattenkultur“ geworden, behauptete sie. Man wolle zwar weiter aktiv „im digitalen Raum diskutieren und dabei andere Perspektiven sehen und berücksichtigen“. Das sei auf X aber „kaum noch möglich“, so Edalatian. Tatsächlich können und wollen sie und ihre GenossInnen weder diskutieren noch „andere Perspektiven sehen und berücksichtigen“, wozu sie intellektuell gar nicht fähig sind. Alles, was über das Absondern und Herausbrüllen dämlicher Parolen hinausgeht, übersteigt ihre Kapazität. Klar, dass für solche Figuren jede Gegenrede dann automatisch als rassistisch, klima- oder queerfeindlich gebrandmarkt und zu immer neuen Verboten aufgerufen werden muss.

Switch ins Nirwana

Vaya con dios – geht mit Gott, aber geht!, möchte man diesen Verirrten hinterherrufen. Derweil ist X nicht nur nach wie vor, sondern in global immer stärkerem Maße der relevante Austauschplatz für Meinungen. Mit rund einer halben Milliarde monatlichen Nutzern ist er zudem mehr als zehnmal so groß wie Bluesky. Zumindest die SPD hätte dies wissen können, denn sie hatte schon einmal großspurig den X-Exodus praktiziert, nur um vor der letzten Bundestagswahl wieder zurückgekrochen zu kommen; doch für eine Partei, die an der Schwelle zur Einstelligkeit kratzt und in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, passt dieser Switch ins Nirwana geradezu perfekt. „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt spricht denn auch treffend von der ersten Niederlage der Linken im Kulturkampf, der weitere folgen würden: Diese seien zu langedaran gewöhnt gewesen, dass sie ihren „autoritären, linksreaktionären, sozialistischen Moral-Umerziehungsquatsch“ auf allen sozialen Kanälen „einfach so durchstellen“ konnten. Der X-Rückzug sei nun ein selbstgewählter „wunderbarer Offenbarungseid“, so Poschardt. Dem kann man nur zustimmen. Die Linken haben einmal mehr gezeigt, dass sie unter Meinungsfreiheit nur die Freiheit ihrer eigenen Meinungen verstehen.

All das passt wie die Faust aufs Auge zur aktuellen Kampagne der EU-Kommission, die derzeit ironiefrei ganz Europa mit Großplakaten bepflastern lässt, auf denen Slogans wie „Demokratie. Schütze, was zählt“ und „Freie Presse – Schützen, was uns wichtig ist“ zu lesen ist, während sie zugleich das gigantischste Zensurregime der Welt etabliert. Mit Meinungsfreiheit hat diese EU natürlich so wenig gemein wie Goebbels mit Gandhi, aber die Selbstwahrnehmung der Verantwortlichen ist ungetrübt – so wie die unbeirrbare Gesinnung der X-Abtrünnigen, die auf ihrer Geisterfahrt auch vor selbstschädigendem Verhalten nicht haltmachen.


Regierungsretter gesucht

von Rocco Burggraf

Verheerender Auftritt mit verräterischer Körpersprache: Der Lügenkanzler gestern bei Miosga



Im großen Rathaus zu Berlin trägt man völlig unbeirrt schwer verkäuflichen Wind- und Solarstrom wie Luft und Licht in Säcken umher und erklärt der staunenden Welt auch noch inmitten der größten Energiekrise der Nachkriegsgeschichte unverdrossen, dies sei jetzt die Zukunft. Angesichts der an den deutschen Abzapfsäulen aufgerufenen Preise und der genialen Idee der Politdarsteller, den gebeutelten Arbeitgebern die gefällige Lösung des Problems ans Herz zu legen, war es allerdings schon zu ahnen: Auch dem überaus devoten Michel gehen irgendwann die ausgestreckten Regierungsgriffel in der eigenen Geldbörse und die vielen lustigen Aufführungen mal auf die Eier. Für die Schildbürger-Koalition ist jetzt wohl erst mal Schluss mit lustig.

Die dahingehenden Zeichen sind jedenfalls kaum noch zu übersehen. Im Kabinett herrscht Klimakrise. Drohende Megainflation, die kaum noch gedeckte Kriegslüsternheit und die weltweit spürbare Herabstufung der deutschen Kleindarsteller auf diplomatischem Parkett bilden ein toxisches Gemisch. Dank der Orientierung gebenden Brandmauer schießt nun die Ein-Parteien-Opposition durch die Decke. Und schon bekommt der gelernte Ostdeutsche im Staatsfunk die ersten „Aber-ich-liebe-doch-alle-Menschen”-Momente“ zu sehen. Mit der Abschiebung des öffentlich-rechtlichen Nazikeulenschwingers Restles nach Nairobi („neue Herausforderung!“) fing es an. Dann stotterten sich Bas, Buyx, Brosius und Blome durch ihre Rückzugsgefechte. Inzwischen jammert ganz oben schon der Kanzler im zentralen linken Kampfblatt, dass seine dreisten Wahlbetrügereien und der listige Umbau des Grundgesetzes zu einer Art Hausordnung des Brandmauerkollektivs jetzt doch sehr viel weniger nachsichtig bewertet werden als die fiskalische Volksverarsche, die sich seine Vorgänger leisten konnten.

Zum Eierlecken

Sogar der rote Kardinal Klingbeil stimmt ein: Er selbst könne für das 20 Jahre währende „Kaputtsparen“ (unter fast durchgängiger Führung seiner Genossen) nun wirklich nichts. Unwissentlich macht der bisher freizügig verteilende Kassenwart damit natürlich deutlich, dass er so anstrengende Sachen wie Wirtschaft, Steuerreformen oder Haushaltsdisziplin bisher nicht wirklich auf dem Zettel hatte. Klar, die implizite Staatsverschuldung von derzeit drei Billionen war für ihn eher der bescheidene Anfang der großen sozialdemokratischen Schuldensause. Eine Orgie, die nun – verdammte Axt – plötzlich eine Mehrheit im Land offensichtlich nicht mehr widerstandslos zu bezahlen bereit ist. Seine Splitterpartei, die Grünen und die zur Gänze gesichert kommunistischen Linken geben deshalb schon mal vorsorglich bekannt, sich ihre politischen Wunden künftig lieber gegenseitig und dann in moderierten Exklusiv-Blasen lecken zu wollen. In einer digitalen Klarnamen-Welt der endgültigen Wahrheiten, der Faktenchecks und regelmäßig durchgeführten Desinfektionen. Fernab des zornigen Pöbels jedenfalls, der in den schrecklichen sozialen Netzwerken und vor allem im Nachrichtendienst X nun die Deutungshoheit übernommen hat.

Man kann davon ausgehen, dass Merz liebend gern dazukäme. Zum Eierlecken. Aber der „Außenkanzler“ hat sich inzwischen als Außenseiter so gekonnt zwischen alle Stühle gesetzt, dass er wohl selbst als Frühstücksdirektor kaum noch irgendwo unterkäme. Inzwischen schwant es sogar den ersten stoischen Tagesschaurentnern, dass da im Staate Deutschland etwas ganz gewaltig schiefläuft. Die endgültig auf intellektuellen Grund gelaufenen Regierungssäuglinge von Berlin kannst du jedenfalls nur noch auf eine Barge laden und nach möglichst langer Fahrt irgendwo mit Peilsendern aussetzen. Vor dem Einsetzen der Sintflut wäre eine solche Arche auch nichts anderes als ein Gebot der Menschlichkeit. Und wahrscheinlich wäre eine hierzu ins Leben gerufene Crowdfunding-Aktion auch die erfolgreichste aller Zeiten.


Samstag, 2. Mai 2026

Hausverbot für “Nius”-Redakteur: Wenn „Gemeinwohl“ zur Waffe wird

von Daniel Matissek

Raus mit den Nestbeschmutzern…



Es sind oft kleine Szenen, in denen sich größere Verschiebungen offenbaren: ”Nius”-Redakteur Jens Winter erhielt diese Woche bei einer Podiumsveranstaltung mit Kultusministerin Karin Prien (CDU) im Berliner Publix-Haus – dem Sitz von “Correctiv”, aber auch “HateAid” – ein Hausverbot. Nicht wegen Störung oder Beleidigung, sondern weil ihm die Existenzberechtigung als Journalist abgesprochen wurde: Das, was er tue, sei „kein Journalismus“ – und schon gar kein „gemeinwohlorientierter“ (!), wurde ihm wörtlich entgegengeworfen. Dieser Vorfall ist kein bloßer Einzelfall, sondern ein Symptom. Er steht für eine tiefgreifende Veränderung des journalistischen Selbstverständnisses und der Grundlagen der öffentlichen Ordnung. Der entscheidende Satz fiel mit bemerkenswerter Selbstgewissheit: Man lege die Kriterien des „gemeinwohlorientierten Journalismus“ an – und “Nius” falle „klar durch“. Hier wird also nicht mehr nur zwischen handwerklich gutem und schlechtem Journalismus unterschieden, sondern zwischen legitimem und illegitimem Journalismus überhaupt. Das markiert eine qualitative Verschiebung.

Traditionell definierte sich Journalismus durch Verfahren: sorgfältige Recherche, Quellenkritik, die klare Trennung von Nachricht und Meinung sowie die Öffentlichkeit als letztinstanzliche Kontrollinstanz. Ob ein Medium überzeugt, entschied sich im offenen Wettbewerb der Ideen und Quellen – nicht durch eine autoritative Vorabdefinition. Der Begriff „gemeinwohlorientierter Journalismus“ kehrt dieses Modell um. Er ersetzt Methode durch Moral. Nicht mehr das “Wie” der Berichterstattung steht im Zentrum, sondern das “Wozu”. Journalismus wird nicht länger als offener, fehlbarer und kontingenter Prozess verstanden, sondern als normatives Projekt mit vorgegebenem Ziel.

Die neue Instanz: Moral statt Methode

“Correctiv” versteht sich selbst als gemeinwohlorientiert – finanziert durch Stiftungen und getragen von einem spezifischen publizistischen Ethos. Das mag man belächeln oder misstrauisch beäugen, doch auszusetzen daran ist zunächst nichts. Problematisch wird es erst, wenn diese Selbstbeschreibung zum Ausschlusskriterium für andere Akteure gerät. Wenn eine Institution, die selbst aktiv im Medienfeld agiert und von öffentlichen wie stiftungsnahen Mitteln profitiert, darüber entscheidet, wer überhaupt als Journalist gelten darf, verschiebt sich die Ordnung fundamental: Aus pluralistischem Wettbewerb wird Hierarchie, aus offener Öffentlichkeit wird Kuratierung durch selbsternannte Hüter. Das Hausverbot gegen einen Reporter ist in diesem Sinne mehr als die bloße Ausübung von Hausrecht. Es ist ein symbolischer Akt der Grenzziehung im Namen des „richtigen“ Journalismus. Der Begriff des Gemeinwohls dient dabei als moralische Absicherung. Wer könnte schon explizit gegen das Gemeinwohl sein? Gerade seine semantische Unbestimmtheit macht ihn jedoch gefährlich. Das Gemeinwohl ist kein objektiv messbarer oder naturwissenschaftlich feststellbarer Zustand, sondern eine politische und weltanschauliche Konstruktion.

Unterschiedliche Milieus, Ideologien und Interessengruppen verbinden damit jeweils eigene, oft gegensätzliche Vorstellungen. Wird nun eine partikulare Deutung des Gemeinwohls zur Voraussetzung journalistischer Legitimität erhoben, geraten abweichende Perspektiven nicht mehr als legitimer Teil der Debatte, sondern als Verstoß gegen die gesellschaftliche Ordnung. Die Folge ist eine moralische Schließung des Diskurses.

“Erlaubte“ und „unerwünschte“ Öffentlichkeit

Historisch lohnt ein struktureller Blick – nicht zur platten Gleichsetzung der Gegenwart mit totalitären Systemen, sondern zur Klärung der zugrundeliegenden Mechanismen. Totalitäre Regime haben Öffentlichkeit stets normiert: durch Definition dessen, wer sprechen darf, was als legitime Information gilt und welche Perspektiven „verantwortlich“, „konstruktiv“ oder „gemeinwohldienlich“ sind. Im 25-Punkte-Programm der NSDAP hieß es unter Punkt 23 programmatisch: „Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewusste politische Lüge und ihre Verbreitung durch die Presse. […] Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten.“ „Gemeinwohl“ war hier klar als völkisch-rassische und nationalsozialistische Einheit definiert. Nach der Machtübernahme 1933 folgte die rasche “Gleichschaltung der Presse”: Oppositionelle Blätter (kommunistische, sozialdemokratische und viele bürgerliche) wurden verboten oder enteignet, das Schriftleitergesetz von 1934 machte Journalisten zu „Trägern öffentlicher Aufgaben“ im Sinne des Regimes, und Joseph Goebbels’Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda kontrollierte Inhalte zentral. Medien wurden nicht mehr als Kontrollinstanz der Macht verstanden, sondern als Instrument zur Formung des „Volksgeistes“.

Auch in der DDR diente der Begriff des “Gemeinwohls” (bzw. des „gesellschaftlichen Fortschritts“ und der „sozialistischen Gesetzlichkeit“) der Normierung der Medien. Die Presse war „Parteiorgan“ und hatte die Aufgabe, die Linie der SED zu popularisieren und „feindliche“ oder „schädliche“ Stimmen auszuschließen. Abweichende Berichterstattung galt nicht als journalistischer Pluralismus, sondern als Sabotage am Aufbau des Sozialismus. Heute gibt es keine (jedenfalls direkte) staatliche Zensurbehörde und keine formale Gleichschaltung; die strukturelle Parallele liegt jedoch im Anspruch: der Idee, dass es eine moralische, stiftungsfinanzierte oder wissenschaftlich legitimierte Instanz geben müsse, die zwischen „erlaubter“ und „unerwünschter“ Öffentlichkeit unterscheidet – begründet mit Argumenten des “Gemeinwohls” oder der “Wissenschaft”.

Wissenschaft als Legitimationsinstrument

Besonders problematisch ist der Verweis auf eine angeblich „wissenschaftliche Perspektive“, aus der heraus ein Medium „kein Journalismus“ sein soll. Echte Wissenschaft beschreibt, analysiert und differenziert. Sie klassifiziert Phänomene, erhebt aber keinen moralischen Bannstrahl und delegitimiert keine Akteure a priori. Wird wissenschaftliche Autorität jedoch dazu instrumentalisiert, publizistische Grenzen zu ziehen und Legitimität zu entziehen, vollzieht sich ein gefährlicher Übergang: von der Analyse zur Normsetzung. In der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Deutschland ist diese Tendenz besonders ausgeprägt. Das Fach hat eine lange normative Tradition: Es ging aus der Zeitungswissenschaft hervor, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert oft stark weltanschaulich geprägt war. Im Nationalsozialismus wurde sie teilweise zur „Dienstwissenschaft“ des Regimes: Sie lieferte theoretische Begründungen für die Gleichschaltung und die Instrumentalisierung der Presse im Dienste des „Volksganzen“ und des völkischen Gemeinwohls.

Nach 1945 erfolgte eine empirisch-sozialwissenschaftliche Wende (unter anderem beeinflusst durch US-amerikanische Ansätze), doch in den letzten Jahrzehnten hat sich eine erneute “normative Wende” vollzogen. Viele Vertreter des Fachs verstehen ihre Disziplin heute nicht mehr primär als deskriptive, empirische Sozialwissenschaft, die Medienrealität wertfrei untersucht. Stattdessen wird sie zunehmend als normative Unternehmung begriffen, die vorschreibt, wie Journalismus “sein soll”, um „Demokratie zu stärken“, „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ zu fördern, „Hass“ zu bekämpfen oder „gerechte“ Öffentlichkeit herzustellen.

Die Nähe zur alten Versuchung

Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Neutralität wird häufig eine sehr spezifische – oft links-progressive und aktivistische – Vorstellung von „guter Öffentlichkeit“ transportiert, mit klaren Vorstellungen darüber, welche Themen, Akteure und Perspektiven dem Gemeinwohl dienen und welche als „schädlich“ oder „undemokratisch“ auszugrenzen sind. Dies geschieht ganz analog zur Abgrenzung “unserer Demokratie™” von unerwünschter Opposition im politischen Raum. Diese Anmaßung von Normativität ist doppelt problematisch. Erstens verwischt sie die Grenze zwischen empirischer Analyse und politisch-moralischer Agenda: Was als wissenschaftliches Urteil daherkommt, ist oft nur die akademische Überhöhung eines weltanschaulichen Vorurteils.

Zweitens wiederholt sich strukturell eine alte Versuchung: Wissenschaft wird nicht zur kritischen Instanz, sondern zur Legitimationsressource für die Ausgrenzung unerwünschter Stimmen. Historisch zeigte sich dies besonders drastisch im Dritten Reich, wo Teile der Zeitungswissenschaft die pressepolitischen Maßnahmen des Regimes theoretisch unterfütterten. In milderer, aber dennoch bedenklicher Form erscheint heute die Tendenz, abweichende Medien nicht durch Gegenargumente zu widerlegen, sondern sie per „wissenschaftlicher“ Klassifikation als „nicht gemeinwohlorientiert“ oder „kein Journalismus“ zu brandmarken. Der eigentliche Schaden solcher Entwicklungen liegt nicht im Einzelfall eines Hausverbots; er liegt im Signal: Journalismus wird zunehmend nicht mehr durch Offenheit, methodische Redlichkeit und Überprüfbarkeit definiert, sondern durch ideologische Zugehörigkeit zu einem normativen Rahmen. Der Bürger wird nicht mehr als mündiger Rezipient angesprochen, der unterschiedliche Quellen prüft und bewertet, sondern als jemand, der vor „falschen“ oder „gemeinwohlschädlichen“ Medien geschützt werden muss. Das ist eine paternalistische Wende.

Die Freiheit verteidigt sich nicht selbst

Man muss gar kein Anhänger von “Nius” sein, um diesen Vorgang kritisch zu betrachten, befindet Gerd Buurmann auf X. Die zentrale Frage lautet nicht, ob man ein bestimmtes Medium gut oder schlecht findet – sondern wer darüber entscheidet, ob es als Teil der pluralistischen Öffentlichkeit existieren darf. Eine freiheitliche Perspektive beharrt darauf, dass diese Entscheidung nicht von Stiftungen, NGOs, moralischen Gremien oder normativ aufgeladenen Teilen der Wissenschaft getroffen wird, sondern allein im offenen, unzensierten und argumentativen Diskurs.

Pressefreiheit bedeutet nicht, dass alle Medien gleichwertig oder gleich gut sind. Sie bedeutet, dass ihre Qualität und Legitimität nicht vorab durch selbsternannte Hüter des Gemeinwohls definiert werden darf. Der Begriff des „gemeinwohlorientierten Journalismus“ mag gut gemeint sein. In der praktischen Anwendung droht er jedoch zur neuen Zensurformel zu werden – nicht durch direktes Verbot, sondern durch systematische moralische und „wissenschaftliche“ Delegitimation. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr für die offene Gesellschaft.


Montag, 20. April 2026

Hamas-Propaganda und kein Ende: X als antisemitische Hölle

von Mirjam Lübke

Völlige moralische Degeneration: Linke Israelhasser gemeinsam mit Islamisten und arabischen Hamas-Fans



X, früher als Twitter bekannt, mausert sich gerade zum Zentrum des ungehemmten Antisemitismus. Und nein: Damit meine ich nicht sachliche Kritik am Iran-Krieg oder an der Regierung Netanyahu – sondern die richtig üble Sorte, bei der selbst die Karikaturisten des NS-“Stürmers” rote Ohren bekommen hätten. Selbstverständlich behaupten die Urheber dieser abstoßenden Elaborate, bei der Empörung darüber handele es sich nur wieder um die übliche “Antisemitismus-Keule”, eine Replik, die mittlerweile selbst zur Keule geworden ist, um sich einmal so richtig gegen Juden im Allgemeinen und Israelis im Besonderen austoben zu können. Es gibt allerlei Definitionen, wie man berechtigte Kritik von Antisemitismus unterscheiden kann, aber die braucht es in den meisten Fällen nicht mehr; man kann die Bildsprache so überdeutlich erkennen, wie man einen Rosamunde-Pilcher-Liebesfilm von einem Hardcoreporno unterscheiden kann. Derzeit etwa ist das Foto eines israelischen Soldaten im Umlauf, der im Westjordanland in Konflikt mit einer Palästinenserin geraten ist. Es erschien auf dem Cover einer italienischen Zeitung – natürlich ohne Kontext und unter der Schlagzeile “Der Missbrauch” – und wird auf X vielfach antisemitisch verfremdet und kommentiert.


Machen wir es kurz: Der arme Kerl war für die Presse vor allem optisch das ideale Opfer; nicht alle jüdischen Männer haben nun einmal das Glück, wie Michael Douglas oder Harrison Ford in ihren Glanzzeiten auszusehen, zudem zeigt wohl niemand während eines Wutanfalls sein hübschestes Gesicht. Klick – erwischt! Da spielte es auch keine Rolle mehr, dass die Palästinenserin den jungen Mann zuvor bis aufs Blut provoziert hatte – und selbst, nebenbei gesagt, ebenfalls keine Chancen in einem Schönheitswettbewerb hätte.

Normalerweise werden israelische Soldaten darin geschult, wie sie auf Provokationen dieser Art reagieren, denn man weiß um das Bestreben der Gegenseite, unschöne Bilder zu generieren: Dies hält Kinder dazu an, Steine nach den Soldaten zu werfen, weibliche IDF-Soldaten werden immer häufiger auch zum Ziel sexueller Attacken – und das längst nicht mehr nur verbal. Halbwüchsige Jungs werden gern vorgeschickt, um ihnen an den Po zu fassen oder sie als “Huren” zu beschimpfen, immer in der Hoffnung, eine Soldatin könnte ausrasten und körperliche Gewalt anwenden, damit die passenden Bilder eingefangen werden können. Im Westen kann man sich schwer vorstellen, dass Eltern ihre Kinder einer derartigen Gefahr aussetzen würden und ignoriert den Stolz arabischer Mütter auf einen Märtyrertum der eigenen Söhne völlig. Vor Jahren schon wurde Ahed Tamimi, eine hübsche Rothaarige aus einem einschlägigen Terrorclan, zum Teeanger-Idol, deren Charme sogar westliche “Journalisten” wie Tilo Jung verfielen. Ihre Familie hatte zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche Attentate verübt.

Der “Genozid”-Vorwurf zieht immer

Aber warum explodiert gerade jetzt die antisemitische Propaganda in den sozialen Medien, also auch – als hässliche Begleiterscheinung der wichtigen und richtigen Wiederherstellung der Meinungsfreiheit durch Elon Musk – auf X? Nun, zum einen ist es etwas still um den Gaza-Streifen geworden, da sich die Welt auf den Kampf um die Straße von Hormus konzentriert. Längst sind die Supermärkte in den dortigen Städten wieder prall gefüllt – eben auch mit einer Menge israelischer Waren, welche die Europäer gefälligst boykottieren sollen. Zumindest jene, die der Hamas nahestehen, führen ihr gut situiertes Wohlstandsleben weiter und wohnen wieder in den rasch aufgebauten Appartements. Aber das ist nicht das Bild, welches der Westen sehen soll – wie auch nicht die Tatsache, dass die weniger begüterten Gazaner mit falschen Versprechungen auf Lebensmittellieferungen von der Hamas in noch immer umkämpfte Gebiete gelockt werden. Auch damit hofft man auf das Generieren von Opfern für die Kameras. Der “Genozid”-Vorwurf zieht in Europa noch immer, und vor allem für Deutsche, die sich durch allgegenwärtige Holocaust-Gedenkveranstaltungen – so inhaltsleer diese auch sein mögen – getriezt fühlen, sind sie ein Labsal für die Seele.

Doch selbst klügere Zeitgenossen, darunter auch viele Vertreter der kritischen Gegenöffentlichkeit, welche sonst so stolz darauf sind, Kommunikations- und Propagandastrukturen zu durchschauen, fallen regelmäßig auf ebendiese herein, wenn die Gaza-Lobby den Holocaust für ihre Zwecke kapert. Die Hamas braucht diese Grundstimmung – denn der internationale Druck, ihre Waffen abzugeben, wächst zunehmend; da gilt es also, eine Art “Notwehrsituation” zu konstruieren. Das hat schon im Fall des Massakers vom 7. Oktober 2023 hervorragend funktioniert, der von Anfang an propagandistisch als “Befreiungsschlag” verkauft wurde. Viele Europäer weigern sich bis heute, sich die – von der Hamas selbst aufgenommenen – Aufnahmen des Massakers anzusehen, um sich das Bild des “edlen Widerstandskämpfers” nicht verderben zu lassen – wenn sie den Überfall nicht ohnehin für eine “false flag”-Aktion der Israelis halten. Sind eingefleischte “antizionistische” und offen antisemitische Ressentiments stark genug, werden plötzlich auch Islamisten und Dschihadisten zu Unschuldslämmern.

Selbst Anden-Mumien von Indiomädchen der frühen Neuzeit werden instrumentalisiert für die Hamas-Propaganda



Was dank moderner Algorithmen allerdings nicht mehr so reibungslos funktioniert, ist die Trennung zwischen interner und externer Kommunikation der Pro-Palästina-Blase. Früher konnte man sich mangels arabischer Sprachkenntnisse des europäischen Zielpublikums recht gut darauf verlassen, dass niemandem die unterschiedlichen Propagandamechanismen auffielen; heute jedoch werden auch arabische Posts automatisch übersetzt und sind dem Leser daher in ihrer vollen antisemitischen Pracht ungefiltert zugänglich. Wer sich näher mit dem Thema befasst, dem ist schon seit langem das enorme Tempo bewusst, mit dem die Hamas-Blase vom leidenden Opfer auf ausschweifende Vernichtungsphantasien umschalten kann. Während vor allem die europäische Linke damit beschäftigt ist, die Israelis als die “neuen Nazis” zu verkaufen, schwelgt der arabische Nutzer in offener Bewunderung für Adolf Hitler. Man ist sich nur noch nicht einig, um man den Holocaust leugnen soll – wie es die angeblich “gemäßigte” Organisation Fatah um Mahmud Abbas praktiziert – oder sie im Hamas-Stil als eine Art “Präventionsmaßnahme gegen den Zionismus” feiert.

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen, die beim europäischen Publikum gleichfalls Anklang finden: Hitler, so die in diesen Kreisen verbreitete Meinung, war ein zionistischer Agent, der durch den Mord an sechs Millionen Juden die Gründung Israels ermöglichte! Ein Spagat, der es praktischerweise erlaubt, sich zumindest pro forma gegen Hitler auszusprechen und gleichzeitig Antisemit zu sein. Wow… darauf muss man erst mal kommen. Wenn es nicht so makaber wäre, könnte man sich darüber köstlich amüsieren; insbesondere weil jeder glaubt, seine Erklärung sei die einzig plausible.

Viel Verständnis für palästinensischen Terror

Vor diesem Hintergrund wirkt es wie pure Heuchelei, dass sich Europa darüber echauffiert, wenn sich ein israelischer Politiker einen verbalen Ausraster leistet. Smotrich und Ben-Gvir taugen nicht als Sympathieträger, ihre Aussagen über den Umgang mit Palästinensern gelten in Europa als mehr als grenzwertig und werden fleißig verbreitet. Der Doppelstandard lebt: Während die Hamas vielfach als das Produkt der israelischen Politik betrachtet wird, darf es in Israel keine Produkte palästinensischen Terrors geben. Von Israelis wird unendliche Geduld erwartet, egal, ob ihnen von allen Seiten feindliche Raketen um die Ohren fliegen, werden sie in die Pflicht genommen, zu “deeskalieren«. Es gibt viel Verständnis für palästinensischen Terror, aber nur wenig dafür, wenn Israel der Kragen platzt – wie dem unglücklichen Soldaten, der von einer palästinensischen Aktivistin durch Geschrei und gezieltes Auf-die-Pelle-Rücken provoziert wurde.

Man könnte noch viel darüber schreiben, warum die europäischen Palästina-Sympathisanten so ticken, wie sie ticken. Selbst wenn sie in ihren Heimatländern längst begriffen haben, wie arabisch-muslimische Strukturen vor Ort funktionieren: Durch das Delegitimieren von Islamkritik als “Islamophobie”, den Aufbau von NGO-Netzwerken und notfalls eben rohe Gewalt. Linke rechtfertigen das als “Empowerment” der Migrantenszene und sprechen von “Dekolonialisierung”; in diesen Wahngebäuden liegt der Fall klar. Aber was treibt eigentlich Konservative an, welche genau diese Erklärungen bislang als fadenscheinig kritisiert haben, und die sonst für eine “klare Kante” gegenüber den Ausbreitungsbestrebungen des Islams einstehen? Vielleicht ist Israels Kante “zu klar”: In Israel integrierte arabische Bürger fühlen sich dort in der Regel sehr zu Hause, während Terroristen die volle Härte des Staates zu spüren bekommen. Dazu braucht es eben die Bereitschaft, konsequent zu handeln – und die geht den Europäern trotz markiger Worte vielfach ab. Man kann nur hoffen, dass irgendwann die Erkenntnis einsetzt, wie sehr Islamisten – und damit auch die Hamas – die Weltöffentlichkeit und vor allem europäische Intellektuelle mit maßgeschneiderter Propaganda am Nasenring durch die Manege führen.


Samstag, 18. April 2026

Merz, der Job-Killer: 1.000 Arbeitsplätze verschwinden täglich

von Michael Münch

Sag zum Abschied leise Servus: Erst verschwinden die Jobs, dann die Industrie 



Jetzt sind es also mittlerweile schon 1.000 hochqualifizierte Industriejobs, die an jedem einzelnen gottverdammten pro Tag in Deutschland vernichtet werden – in einem Land, wo uns gleichzeitig linksgrüne “Experten” und “Journalisten” wie die Kommunistin Ulrike Herrmann in öffentlich-rechtlichen Talkshows unbeirrt erzählen, der Fachkräftemangel sei riesig und schreie nach viel mehr Zuwanderung. Der rapideste Stellenabbau aller Zeiten hält an und das Wohlstandherz des blutet leise aus, während sie in Berlin die Cents zählen. Nein, es beginnt nicht mit dem Knall einer Explosion, die den Himmel zerreißt, sondern mit stillen, unbestechlichen Zahlen und Daten, die sich Tag für Tag in die Seele des Landes fressen. Eintasend Arbeitsplätze, die verschwinden, als wären sie nie mehr gewesen als flüchtiger Rauch über den Schloten der sterbenden Fabriken. Leute, begreift es und stellt es euch vor: Montag folgt auf Sonntag, Dienstag auf Montag, und die Maschine der Erosion kennt keinen Ruhetag; sie dreht sich weiter rückwärts, gleichmäßig und gnadenlos, derweil draußen in Werkshallen und Industriegebieten, wo einst das Rückgrat der Nation geschmiedet wurde, die industrielle Substanz leise zerbröckelt wie marodes Mauerwerk.

Tausend Jobs pro Tag weniger bedeuten nicht bloß gestrichene Verträge auf weißem Papier; es sind tausend Familien, deren Küchentische abends schwerer werden von der Last der Sorgen und dem Gewicht der ungelösten Zukunftsfragen. Tausend Existenzen, die jeden Tag ins Rutschen geraten wie lose Steine an einem steilen Hang, tausend Lebenspläne, die sich in der Dämmerung verlieren, während die Lichter der Produktionsstandorte eines nach dem anderen erlöschen.

Leises Sterben der Substanz

Und was tut die Merz’sche Bundesregierung? Redet sich die Lage schön und beschränkt sich auf Handlungsplacebos. Während das leise Wegsterben der Substanz die ökonomische und soziale Landschaft verändert, spielt sich hinter den gläsernen Kulissen des politischen Berlin eine surreale, fast schon groteske Parallelwelt ab, in der man mit feierlichem Ernst darüber debattiert, ob man den geplagten Bürger vielleicht um ein paar klägliche Cent bei der Energiesteuer entlasten könnte oder ob man den Unternehmen das vergiftete “Steuergeschenk” einer einmaligen, mitleidigen Tausend-Euro-Gabe machen soll, mit der sie – wohlgemerkt auf eigene, für viele gar nicht mehr erschwingliche Kosten – die Laune ihrer von Existenzverlust bedrohten Noch-Arbeitnehmer aufhellen sollen, damit die noch ein wenig länger ausharren im immer eisigeren Wind. Es ist, als stünde man auf dem Deck eines sinkenden Kreuzfahrtschiffes, dessen dessen Bug sich langsam ins dunkle Wasser neigt, und die Mannschaft streitet über die richtige Anordnung der Liegestühle auf dem Sonnendeck, während die Wellen bereits an den Schuhen lecken.

Der Befund ist so simpel wie unerträglich: Die industrielle Basis dieses Landes – jenes stolze Geflecht aus Stahl, Präzision und unermüdlichem Fleiß, das einst die Welt mit seinen Ideen und Produkten versorgte, schrumpft bis zur Unkenntlichkeit. Nicht in einem einzigen dramatischen Feuersturm, sondern schleichend. Ein Werk hier, das seine Tore schließt, eine Investition dort, die plötzlich in anderen Ländern, aber eben nicht mehr in der Heimat erblüht. Verkauft wird uns diese Entwicklung als harmlose Anpassung, doch in der großen Rechnung ist es eben am Ende nichts anderes ist als stille, unwiederbringliche Abwanderung und Industrieflucht.

Deutsche Steuern in alle Welt

Währenddessen fließen weiterhin, Jahr für Jahr, 30 Milliarden Euro an dem geschundenen Volk abgepresste Steuergelder in “Entwicklungshilfe“, in ferne internationale Projekte, in Hilfen moralische oder “historische” Pseudo-Verpflichtungen, die als notwendige humanitäre, klima- oder sicherheitspolitische Maßnahmen besungen werden; Summen, die umeigenen Land an allen Ecken und Enden fehlen, wenn etwa wieder mal die Substanz des eigenen Hauses verloren geht, wenn die Dauerbaustelle zu keinem Ende kommt, wenn Schulgebäude einsturzgefährdet sind, oder wenn für Kranke und Rentner zu wenig da ist, deren Hände, die einst all die Substanz schufen, müde in den Schoß sinken. Für die eigene, einst hochinnovative Wirtschaft hingegen gibt es nicht mal Abwicklungshilfe. Man kann das alles wollen, man kann es mit Überzeugung vertreten und mit noblen Worten ummanteln; doch man sollte dann nicht zugleich so tun, als bliebe all dies ohne tiefe, schmerzhafte Konsequenzen für jenen Standort, der diese Mittel eigentlich erwirtschaften und tragen soll. Man muss dann klar sagen, was hier geschieht: Wir opfern unsere Zukunft einer Ideologie, einer “Haltung” wegen.

Doch die Wirtschaft gehorcht keiner Haltung und keiner ideologischen Melodie; sie folgt den unbestechlichen, trockenen Gesetzen des Marktes – Angebot und Nachfrage, Anreize, Energie-, Arbeits- und Produktionskosten und Rahmenbedingungen, die sich wie unsichtbare Ketten um die Betriebe legen. Man wollte die Vielfalt, die offenen Grenzen, die Multipolarität, den Freihandel, die internationale Vernetzung – und in einer globalen Wirtschaft bedeutet das eben Wettbewerb der Standortbedingungen. Ein Wettbewerb, in dem Deutschland selbstverschuldet ins Hintertreffen geraten ist.
Industrie- oder Umverteilungsland?

Ein Unternehmen entscheidet nicht aus Sentimentalität oder Patriotismus, sondern aus nüchterner Kalkulation – und diese Kalkulation, die einst in der Gesamtabwägung zugunsten Deutschland ausfiel, fällt nun immer öfter und entschiedener gegen uns aus, – weil ein ganzes System sich über Jahre so eingerichtet hat, dass die hierzulande zu tragenden Lasten nicht mehr durch deutschen Erfindergeist und zähen Willen allein aufgewogen werden können. Deswegen ist der Zug abgefahren; nicht unverhofft und mit Karacho; nein, er setzte sich ganz allmählich in Bewegung, fast unmerklich erst, doch wer heute noch am Bahnsteig steht und glaubt, es handle sich nur um eine vorübergehende Verspätung, der wird morgen feststellen, dass die Gleise leer sind und die Schlussleuchten am Horizont bereits verblassen.

Die entscheidende Frage, die sich uns stellt, ist deshalb keine technische Finesse und auch keine betriebswirtschaftliche Rechenaufgabe; sondern sie ist grundlegend, politisch und existenziell: Wollen wir einen Standort, der seine Industrie noch trägt, ihr die Existenzfähigkeit sichert und sie wachsen und gedeihen lässt – oder wollen wir einen kollektivistischen leistungsfeindlichen Umverteilungsstaat, die letzten verbliebenen Unternehmer nur noch verwaltet, reguliert, ausquetscht, mit immer neuen Zumutungen traktiert und so am Ende in die Pleite oder Flucht treibt? Die Antwort darauf geben nicht die Vorstände von Bosch oder Siemens in ihren fernen Konferenzsälen. Die Antwort geben wir selbst. Jeden einzelnen Tag.


38.000 getötete Frauen in Gaza – Es geht um ganz etwas anderes

 

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Mehrere Medien melden seit gestern, dass im Gazastreifen mindestens 38.000 Frauen und Mädchen getötet worden seien.
Diese Meldung ist in hohem Maße „nicht vertrauenswürdig“.

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Die Meldung in der Die Zeit. Die Nachricht erschien u.a. auch bei ntv, Deutschlandfunk, Der Standard, etc.

• Alle Meldungen gehen auf eine Presseerklärung von „UN Woman“ zurück, die gestern in Genf veröffentlicht wurde. Dazu gibt es eine Presseerklärung und mindestens ein Video der Direktorin Sofia Calltorp – scheinbar bei einer Pressekonferenz – auf YouTube.

• Die Zahlen gehen auf das Gesundheitsministerium im Gazastreifen zurück, also auf die Hamas.

• Diese Berichte wurden dann wiederum von Presseagenturen vervielfältig. (dpa, Reuters, AFP)

• Das bedeutet, weder die Organisation „UN Woman, noch die Presseagenturen, noch die veröffentlichenden Medien waren vor Ort, haben selber Erhebungen erhoben oder können die Angaben prüfen.

• Die offizielle Pressemitteilung durch „UN Woman“ dazu ist für mich derzeit nicht erreichbar, die Anfrage wurde geblockt, der Server verweigert den Zugriff. (Error 403)

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Posting von UN Woman von gestern, 17.04.2026. Link nicht erreichbar.

• Eine zusammengefasste Version ist auf dem Server der UN selber zu erreichen. Darüber hinaus wurde die Meldung auf mehreren UN-Seiten und auf Social Media verteilt.

Screenshot von zwei weiteren Artikeln.

• Die Geschlechterverteilung im Gazastreifen beträgt etwa 50/50.
Bei angeblichen 72.000 Getöteten läge die Zahl von 38.000 getöteten Frauen also etwa im Normalbereich, wenn man von zufälligen Tötungen ausginge.
Die Zahlen, welche die Hamas selber regelmäßig in einer Excell Datei herausbringt, geben das aber nicht her. Hier sieht man eine sehr deutliche Mehrheit getöteter Männer im wehrfähigen Alter.

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• Die Pressemitteilung auf der UN-Seite spricht von 22.000 getöteten Frauen und 16.000 getöteten Mädchen. Dies wurde auch von mehreren Medien so wiedergegeben.
Im Gazastreifen sind jedoch 50% der Einwohner Minderjährig. Geht man von zufälligen Tötungen im Sinne von Kollateralschäden aus, müsste die Verteilung genau umgekehrt sein.

• 38.000 Getötete entsprächen etwa 1,9% der Gesamtbevölkerung nach über zwei Jahren Krieg.

In keiner der Meldungen konnte ich einen Hinweis darauf finden, wie die UN dann letztendlich zu ihrer Schätzung gekommen ist oder auf welchen Grundlagen oder Berechnungen sie genau beruhen.

Vielsagender Hinweis

Aus der Pressemitteilung auf dem UN-Server:
„Wir brauchen die vollständige Umsetzung der Waffenruhe, die uneingeschränkte Einhaltung seiner Bestimmungen, die Achtung des Völkerrechts, eine verstärkte Rechenschaftspflicht und den Schutz von Frauen und Mädchen sowie eine ungehinderte humanitäre Hilfe in großem Umfang.“

In einigen Pressebereichten wird dies ausgebaut:

„Die palästinensischen Gesundheitsbehörden schätzen die Gesamtzahl der Toten bis Ende 2025 auf etwa 71.000. Mitte April lag die Zahl bei mehr als 72.000, weil Israel trotz der Waffenruhe seit Oktober 2025 weiterhin vereinzelt Angriffe durchführe.“
Die Zeit, 17. April 2026, 19:24 Uhr

Eine Waffenruhe bedeutet eine Feuerpause. Es wird nicht mehr angegriffen, beispielsweise um Land zu erobern. Es ist kein Waffenstillstand. Es ist nach wie vor Krieg, ebenso im Libanon.
Werden die IDF angegriffen oder erkennen sie Vorbereitungen zu Angriffen, gehen sie dagegen vor. Das haben die IDF auch mehrfach sehr deutlich so angekündigt und veröffentlicht.

Der tatsächliche Hintergrund

Erst vor zwei Tagen hat auch die Tagesschau über den Gazastreifen berichtet. Ohne konkreten Anlass. Julio Segador berichtete aus Tel Aviv, wie schlimm das Leben im Gazastreifen ist. („Gaza im toten Winkel - der fast vergessene Krieg“)
Der Bericht war „anlasslos“, es gab nichts Aktuelles zu berichten. Zuvor war es medial wochenlang sehr ruhig um den Gazastreifen.

Diese Meldungen passen verblüffend zu einer anderen Information, über die ich bereits im letzten Newsletter berichtet hatte.

Wie die BBC als erste berichtete, hat ein „senior official“ der Hamas bei Verhandlungen in Kairo eine Entwaffnung der Hamas abgelehnt.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um Mohammad Nazzal, der seit 1989 zur Hamas und seit 1996 zum Polit-Büro der Hamas gehört, also zur politischen Führung.

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Screenshot: Mohammed Nazzal (links) im Interview mit Reportern von Reuters am 17.10.2025 in Doha, Katar. Nur eine Woche nach Inkrafttreten der Waffenruhe sagt er sehr deutlich, die Hamas habe der Entwaffnung nicht zugestimmt und wolle im Gazastreifen an der Macht bleiben.

Der Friedensplan der Trump Regierung sah eine Waffenruhe und den Austausch der Geiseln gegen den Rückzug der israelischen Streitkräfte hinter die sog. gelbe Linie vor. Nun sollte die zweite Phase beginnen, über die wohl derzeit verhandelt wird. Und die sah eigentlich eine Entwaffnung der Hamas vor.

Die Hamas hat nun aber neue Forderungen ins Spiel gebracht, die ihrer Meinung nach zur ersten Phase gehört haben.

  • Abschluss des Truppenabzugs

  • Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah und aller Grenzübergänge für Privatpersonen

  • Zulassung der Einfuhr ausreichender Hilfsgüter und Handelswaren

  • Wiederherstellung der Stromversorgung

  • Ermöglichung der Arbeit des Nationalen Komitees für die Verwaltung des Gazastreifens – eines palästinensischen Expertengremiums, das den Gazastreifen vorübergehend verwalten wird

  • Einsatz von schwerem Gerät zur Trümmerbeseitigung Instandsetzung von Krankenhäusern und Betrieb von Bäckereien und Wasserwerken

Diese Forderungen waren nie Teil irgendeiner Verhandlung („Komitee“), gehörten nicht zur ersten Phase (vollständiger Truppenabzug, Trümmerbeseitigung) oder wurden bereits umgesetzt (Hilfsgüter und Handelswaren).

Und genau diese Forderungen und Narrative finden sich nun auch bei der UN und in der Medialen Berichterstattung wieder.

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Lieferungen werden am Grenzübergang Kerem Shalom von zum Teil Bewaffneten in Empfang genommen. 03.12.2025

Meine Interpretation

Meine Interpretation ist, dass in den Verhandlungen Druck auf die Hamas zur Entwaffnung aufgebaut wird. Um diesen Druck zu mindern und die Forderungen nach Entwaffnung durch Nebelkerzen zu verschleiern, werden Argumente aufgebaut, dass die Vereinbarungen der ersten Phase von Israel nicht erfüllt wurden.

Güterlieferungen sind für die Hamas wichtig, da sie darauf „Steuern“ erhebt. Der Grenzübergang nach Ägypten ist wichtig, da darüber Waffen geschmuggelt werden können, die durch die IDF an den Grenzübergängen nach Israel aufgehalten werden.

Um das in der öffentlichen Wahrnehmung zu unterfüttern, gibt die Hamas - genauer: das Polit-Büro der Hamas - Informationen heraus, von denen man weiß, dass die Mechanismen der Agenturmedien diese aufgreifen.

In diesem Fall ist man über die UN gegangen, genauer über UN Woman. Wichtig dabei sind nicht die fragwürdigen Zahlen, sondern dass dies nur ein Baustein ist, über den die Narrative der nicht erfüllten ersten Phase durch Israel und die Forderungen kommuniziert werden.

Die UN verteilt dies, ohne es selber prüfen zu können. Wie so gut wie alles seit dem die IDF gegen die Hamas vorgeht. Dadurch kann sie auf sich aufmerksam machen und Presse produzieren.
Wichtig sind auch die „Snippets“, die kurzen Auszüge, die beispielsweise auf T-Online oder Yahoo auftauchen. So arbeiten alle, die Public Relations machen: Lobbyverbände, Unternehmen, und so weiter.

Die Agenturmedien verbreiten es, weil die Meldung sich gut verkaufen lässt.
Die Medien kaufen sie, weil sie dadurch Klicks generieren und so Werbung und Abos verkaufen können.

Vermutlich werden wir in der kommenden Woche noch mehr solcher Berichte sehen.


Erschienen aus steady.page

Montag, 13. April 2026

Wie tief kann man sinken: Kerkeling missbraucht Buchenwald-Gedenkrede für plumpes AfD-Bashing

von Alexander Schwarz

Früher komisch, heute nur noch peinlich: Kerkeling bei seiner gestrigen, von unpassenden Gleichsetzungen nur so strotzenden Rede

 

Das deutsche Holocaust-Gedenken hat einen weiteren peinlichen Tiefpunkt erreicht. Bei der gestrigen Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald wurde die Rede ausgerechnet vom längst zum Staats- und Systemclown avancierten Hape Kerkeling gehalten – der den Anlass dann natürlich auch prompt dazu missbrauchte, sein mittlerweile sattsam bekanntes, einfältig-aggressives Gefasel abzusondern. Es schmerzt besonders, dass ein einst so lustiger und begnadeter Künstler so dermaßen linkspolitisch verbohrt und linientreu auftritt und Regierungspropaganda nachplappert und verbreitet, statt kritische Distanz zu ihr zu wahren. Während Herbert Grönemeyer schon immer ein arroganter Heuchler war, handelt es sich bei Kerkeling um eine mehr als ärgerliche Verirrung – was es allerdings nicht besser macht.

Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfinde, vergesse, dass diese Erinnerung das einzige sei, „was uns vor einer Zukunft als Täter schützt“, schwadronierte Kerkeling anlässlich des Buchenwald-Gedenktags – und bekundete rituell einmal mehr, zutiefst alarmiert über die politische Entwicklung in Deutschland zu sein. „Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren“, so Kerkeling. Buchenwald sei eine steingewordene Warnung: „Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig.“ Demokratie lebe vom “mutigen Hinsehen”, der Artikel 1 Grundgesetz („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) sei die „direkte Antwort auf Buchenwald, auf Selektion, auf Vernichtung von wertvollen Menschen“. Wer hingegen die Zeit der NS-Herrschaft als „Vogelschiss“ herabwürdigen wolle, greife das Fundament unserer Gesellschaft an. Eine Gesinnung, die ausgrenze und spalte, habe auf dem Boden dieses Landes keine Berechtigung. Demokratie sei ein „Versprechen, das jede Generation gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens“ verteidigen müsse. So etwas wie eine “Gnade der späten Geburt” gebe es nicht, sagte Kerkeling. Wer heute behaupte, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, habe nicht verstanden, „dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind“. Sie warteten darauf, „in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, im dumpfen Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden“, meinte er.

Außer Vogelschiss fällt ihnen nichts mehr ein

Mit der „Vogelschiss“-Anspielung bezog Kerkeling sich natürlich auf den Ex-AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der diese später von ihm selbst bedauerte Formulierung vor über 10 Jahren gebraucht hatte, wenn auch in einem ganz anderen Sinn, als es linke bis heute behaupten. Dieses Zitat, neben Höckes “Mahnmal der Schande” und zwei, drei weiteren Versatzstücken aus AfD-Redebeiträgen, dient bis heute quasi als einziger Beweis für die angebliche “völkisch”-reaktionäre und scheinbar NS-verharmlosende Gesinnung der Partei – was zeigt, wie aberwitzig dünn und haltlos die Unterstellungen gegen die AfD sind, wenn man nichts besseres hat als das (oder bizarr collagierte Verfassungsschutz-“Gutachten” ohne die geringste Aussagekraft). Gauland hatte mit seiner – wenn auch unpassenden – Bemerkung seinerzeit lediglich daran erinnern wollen, dass die deutsche Geschichte sehr viel länger ist und weit mehr beinhaltet als die zwölf Jahre Nationalsozialismus, auf die die Linken sie reduzieren wollen. Für “Festredner” bei Scham- und Schuldanlässen wie gestern Kerkeling, die fast nur noch der Diffamierung von Opposition und Andersdenkenden in der politischen Gegenwart dienen, gehört der “Vogelschiss” natürlich zum fixen Repertoire; überhaupt ist es leider schon lange üblich, dass das Holocaust-Gedenken nur noch ein weiterer Vorwand für völlig abwegige Einlassungen zur Tagespolitik und linke Haltungsfestspiele ist, bei denen die Rückkehr des Nationalsozialismus in Form der AfD heraufbeschworen wird.

Zum real existierenden Antisemitismus in Deutschland, der nahezu ausschließlich ein Resultat der millionenfachen muslimischen Massenmigration ist, hörte man gestern von Kerkeling wie immer kein einziges Wort – weil er sie nicht wahrhaben will. Soviel zur “Bequemlichkeit des Wegsehens”. Gestalten wie dieser System-Hofnarr, aber auch die ihm applaudierenden anwesenden Politiker gefallen sich bei solchen Anlässen in unerträglicher Selbstgefälligkeit und Realitätsverleugnung darin, als ewige Mahner vor imaginären Gefahren aufzutreten, während sie die wahren Bedrohungen für jüdisches Leben und andere Minderheiten der Gegenwart nicht nur unterschlagen, sondern diejenigen, die sie offen adressieren, auch noch als die neuen Nazis brandmarken. Tote Juden dienen ihnen als willkommene Projektionsfläche für die eigenen bräsigen Moralpredigten, während gerade die Kerkelings und die sonstigen „Kulturschaffenden“ dieses Landes entweder wortlos zusehen, wie Juden in Deutschland schikaniert und bedrängt (oder wie in Israel sogar massenhaft abgeschlachtet) werden – und sich sogar noch mit ihren Mördern solidarisieren.

Widerlich: Palästinenser-Aktivisten verhöhnen Holocaust-Opfer

Wie weit dieser Wahnwitz bereits gekommen ist, zeigt die Tatsache, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bei seiner Rede ständig durch Zwischenrufe unterbrochen und unter anderem als „Faschist“ beschimpft wurde; letzteres eine Anspielung darauf, dass er drei linksradikalen Buchhandlungen die staatliche Förderung gestrichen hatte. Vergeblich appellierte Weimer, „die Würde des Tages zu beherzigen“, was natürlich fehlschlug. Diese war jedoch freilich ohnehin nicht gegeben: Bereits am Samstag hatte die als extremistisch eingestufte propalästinensische Gruppe „Kufiyas in Buchenwald“ – trotz eines gerichtlichen Verbots – eine Mahnwache vor dem Konzentrationslager veranstaltet. Man habe sich am Samstag versammelt, „um bei einer Mahnwache auf den derzeitigen Völkermord in Palästina aufmerksam zu machen“, teilte die Gruppe mit. Die Leitung der Gedenkstätte müsse „im Fokus sein und zur Verantwortung gezogen werden für ihre ideologische Unterstützung des israelischen Völkermords“. Diese Geschmacklosigkeit und Pervertierung des Holocausts stört das politische Establishment natürlich nicht. Hier wird ein realer Völkermord dazu missbraucht, um einen propagandistisch herbeigelogenen Völkermord anzuprangern, den diesmal die Nachfahren der damaligen Opfer verübt haben sollen, indem sie sich gegen ihre neuerliche Vernichtung verteidigen – und niemand schreitet gegen diesen Skandal ein.

Es ist eine einzige unerträgliche Pietätlosigkeit, dass die Opfer des Holocaust 81 Jahre nach der Befreiung von der Nazi-Herrschaft nur noch als Staffage für die widerliche Selbstinszenierung abgehobener Millionäre, Politiker und antisemitischer Linksradikaler dienen. Und es wird nicht besser; als künftige Redner bei KZ-Gedenkveranstaltungen stehen vermutlich schon Grönemeyer oder Figuren wie Jan Böhmermann, Sarah Bosetti, Anja Reschke oder Carolin Kebekus ein der Startlöchern. Überraschend wären diese weiteren Tiefpunkte nicht.


Donnerstag, 9. April 2026

Ox Fanzine: Perspektiven eines Ex-Nachrichtendienstlers

 

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Üblicherweise lehne ich Kooperationen mit größeren Medien inzwischen ab: Interviews, Stellungnahmen, Podcast. In meinen Augen ist das ein Verkauf der Integrität für die geringe Chance Fame abzugreifen. Die nur den Medien nutzt.

Ich wurde aber schon Ende des vergangenen Jahres von Daniel Schubert vom Ox Fanzine angefragt. Der auch echt ehrlich interessiert war. Und nicht nur aus meiner geografischen Ecke, sondern auch aus meinem sozialem Hintergrund kommt.
Also habe ich ein Interview gegeben. Das sich über mehrere Gespräche und Mails erstreckte. Erschienen ist es in der ersten Ausgabe des Ox in diesem Jahr.

Ich habe die Erlaubnis, es nun auch zu veröffentlichen.
Viel zu meinem Werdegang, Hintergrund, Arbeit und ich glaube, meine rheinisch-lakonische Schnauze schimmert auch durch. Einige Bilder habe ich eingebaut, die Ox aus Satzgründen nicht veröffentlichen konnte.

Daniel hat auch kein Frage-Antwort-Spiel daraus gemacht, sondern erzählt. Was ich sehr passend fand und hohes Niveau im Medienzirkus ist.

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Perspektiven eines Ex-Nachrichtendienstlers - JOEY HOFFMANN

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Gezielte Desinformation und einseitige Berichterstattung gehören zum Handwerk kriegerischer Konflikte. Mit dem Krieg in der Ukraine und in Gaza ist diese bislang als Binsenweisheit wahrgenommene Floskel für mich als Mitteleuropäer mehr in meinen alltäglichen Erfahrungsraum gehuscht, sowohl was die geografische als auch die politische Nähe angeht. Und verfolgt man die Punk-relevanten Medien, tun sich auch hier Lager, Echokammern und Grabenkämpfe auf. Waffen für die Ukraine? Auf wessen Seite stehst du im Gaza-Konflikt? Insbesondere beim Thema Israel werden auch im Punkrock die Gräben tiefer und die Einstellungen verbitterter.

Ich versuche, mich vielseitig zu informieren, den Überblick zu behalten. Mache den Spagat von Jungle World und taz bis zur FAZ und NZZ, um doch immer wieder festzustellen, dass neben Brauchbarem auf allen Seiten viel Meinungsmache statt Berichterstattung mitschwingt, Analysen sich inhaltlich ähneln, oft Schnellschüsse sind und später widerlegt werden. Über mehrere Kanäle werde ich dann aufmerksam auf Joey Hoffmann und seine Plattform „U.M.“ (Ungesunder Menschenverstand). Ein politisch links stehender Ex-Soldat, Blogger mit militärischem Sachverstand. Ein Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und gleichzeitig ein konstruktiver Kritiker desselben. Der aussieht, als ob für ihn die DROPKICK MURPHYS und MOTÖRHEAD nicht fremd sind. Seine politischen Analysen beziehen sich rein auf militärisches Fachwissen. Eine journalistische Informationsquelle, die ich vorher erstens nicht auf dem Schirm und der gegenüber ich zweitens gewisse Berührungsängste hatte. Aber eine, die einen zusätzlichen Blickwinkel und damit einen Mehrwert in meine Nachrichtenroutine bringt.

Ich sprach mit Joey unter anderem über die Emotionalisierung von Nachrichten, das Problem des Agenturjournalismus und unsere eigene Verantwortung als Nachrichtenkonsument:innen.

Der Weg zum Nachrichtendienst

Wie er zur Bundeswehr kam, will ich wissen. Es war die damals noch geltende Wehrpflicht. Joey wird schlicht eigezogen, eine Woche später kommt die Musterung, keinen Monat später steht er im Trainingsanzug in der Kaserne. Die Grundausbildung macht er in einer Einheit nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Dort absolviert er die Grundausbildung. Anschließend lernt Joey Richtschütze auf dem Leopard II. Die Panzer, die inzwischen an die Ukraine gegeben wurden. Die Ausbilder dort kommen noch aus dem Kalten Krieg. „Das war schon eine harte Truppe. Im Krieg wäre die Einheit eine der ersten gewesen“, erinnert er sich.
Joey fängt an, sich über Berufsausbildungen bei der Bundeswehr zu informieren. Bewirbt sich dann für den Werdegang, der mit der zivilen Ausbildung zum Fotografen verbunden ist, besteht die Auswahl und wird vom Heer zu den Marinefliegern versetzt. Da sitzt er dann, Piloten in Anzügen, startende Tornados, und „von irgendwo hörte ich ständig die Titelmusik von ‚Top Gun‘.“ Alles selbst für einen Panzermann sehr beeindruckend. Mit seinem Ausbilder und späteren Teampartner geht es nach einem Begrüßungskaffee in den ‚Bunker‘. Im Bunker tut sich eine andere Welt auf.

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Aus meinem Archiv: Ich mit meiner ersten Schultüte. 1992

Luftbildauswerteanlagen, Leuchttische, Monitore, Fotos von russischen Schiffen und Häfen. Sein Ausbilder steht vor einer meterhohen Karte der Ostsee und erklärt, dass eine seiner Aufgaben als Mannschafter sein würde, mehrmals am Tag die Schiffspositionen zu plotten. Joey fragt, ob die jetzt da wirklich auch die russischen Schiffe plotten würden. Als Antwort zeigt der Ausbilder lapidar auf ein Zeichen, das beispielsweise eine russische Fregatte wäre, die gerade zurückfährt. Und ein anderes Symbol ein polnisches Schnellboot, das Patrouille läuft. Da packt es Joey. Das ist hier nicht zur Übung. Völlig klar ist das spätestens bei der Überprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst MAD.

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Aus meinem Archiv: Der Bereich der ersten Staffel des MFG 2, der Bunker (Mitte links) unsere LKW (Mitte rechts) und man kann erahnen, dass wir zum Rauchen oder Grillen vor der Tür standen.

Die Laufbahn

Fachlicher Teil an der Offiziersschule der Luftwaffe in Bayern, Sprachenschule in Bremerhaven, Unteroffiziersschule bei Kiel. Später auch in anderen Einheiten, bei der NATO in Belgien. Er besucht Lehrgänge, hält Unterricht, brieft Crews.
„Wenn James Bond im Bunker mit M diskutiert und im Hintergrund schlurft einer mit einem Klemmbrett und einem Kaffee durchs Bild, schreibt etwas an eine Tafel und läuft vor sich hin motzend wieder aus dem Bild – das war ich. Vermutlich am Montagmorgen.“
Er macht eine Ausbildung zum Kaufmann und hängt anschließend an die sechs Jahre Dienst noch mal vier dran. Ein Leben lang Soldat zu bleiben, war aber nie sein Plan. Es sei völlig normal, dass man einen Vertrag für mehrere Jahre unterschreibt und dann ausscheidet. Nur die wenigsten werden Berufssoldaten und blieben das bis zur Pensionierung.

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Aus meinem Archiv: Pressebild meines damaligen Gruppenleiters an einer Luftbildauswerteanlage im Bunker.

Joey ist irritiert über meine Frage, ob er je so etwas wie einen „inneren Konflikt“ verspürt habe durch die unterschiedlichen Lebenswelten im Privaten und Beruflichen. Wir beide sind ähnlich alt und ich erinnere mich daran, dass es in meinem Umfeld bei vielen geradezu verpönt war, zum Bund zu gehen. Bei ihm sei das nicht so gewesen. Wirklich politisiert war keiner, da sei er eher die Ausnahme gewesen. Joey ist heute noch passives Parteimitglied bei den Grünen. Wer von seinen Kumpels verweigert hat, habe das schlicht aus Faulheit getan, um einen lauen Job um die Ecke zu bekommen: „Ich vermute, diese Ablehnung gab es mehr in Akademikerkreisen als bei Schweißern und Malern“, resümiert er.

» POLITISCH LINKS HAT FÜR MICH IMMER BEDEUTET, AUTORITÄTEN ZU HINTERFRAGEN. «

Autoritäten

Ich hake nach, dass viele, die sich politisch links orientieren, oft einen gewissen Antiautoritarismus verinnerlicht haben, so dass ihnen zum Beispiel der nötige Gehorsam in der Armee widerstrebt. Joey entgegnet, Antiautoritarismus sei, wie endgültiger Pazifismus, eine Illusion, die vielleicht jungen Menschen sexy erscheine, die rebellieren müssen. Die Lebensrealität grätsche da aber schnell rein. Es gebe ja nicht nur dienstliche Autoritäten, wie Lehrer, Polizisten oder „den Staat“, sondern auch fachliche Autoritäten, wie Trainer im Sportverein, die Professorin oder den Vorarbeiter. Und persönliche Autoritäten wie die Oma, die einfach weise ist. Antiautoritarismus sei selektiv, weil wir bestimmte Autoritäten akzeptieren und lernen, dass es ohne irgendwie auch nicht geht. Keiner versuche zum Beispiel, die Autorität seiner Zahnärztin zu hinterfragen, wenn sie die Spritze in der Hand hat. Der Mensch sei ein Rudeltier. Und Rudeltiere organisieren sich hierarchisch.
„Ich habe vom 14. Lebensjahr an American Football gespielt. Mit Ghetto-Kindern und Gymnasiasten. Jeder hatte eine bestimmte Position, auf die er spezialisiert war. Und hast du deinen Job nicht gemacht, hat das Team verloren. Hast du Scheiße gebaut, hast du 20 Liegestütze gepumpt.“ Was solle beim Militär also anders sein?

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Aus meinem Archiv: Ja, wir hatten schon Laptops.

Politisch links hat für Joey immer bedeutet, Autoritäten zu hinterfragen. Dass Adel oder Diktatoren nicht machen können, was sie wollen, und dass Macht diversifiziert wird. Nicht sie grundsätzlich abzulehnen. „Wenn mein Football-Trainer vom Platz gegangen ist, war er Müllmann. Man hat nicht gelernt, seine Autorität auf dem Platz zu hinterfragen, sondern in Müllmännern mehr zu sehen als nur Müllmänner.“
Joey findet, es sei ein sehr linker Ansatz, den Menschen zu sehen und zu achten für das, was er ist. Nicht für das, was er darstellt. Ein Militärausbilder habe eine dienstliche Funktion. Aber er wolle die Person nicht beherrschen, sondern denjenigen, der vor ihm steht, zu einem Soldaten machen. Was dessen und andere Leben retten könne.

Die Motivation

In die Rolle als MilBlogger ist Joey reingerutscht. Das Militär war eigentlich längst abgehakt. Aufgrund eines Unfalls erlitt er zwei Schlaganfälle. Während der Genesung fängt er zuerst an, über E-Zigaretten zu bloggen, wird Fachjournalist. Nicht als Influencer, sondern im Bereich „Medien, Wissenschaft, Politik“. Er gibt auch großen Medien Interviews oder berät sie für Beiträge. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine fängt Joey ad hoc an, Leuten auf der Facebook-Fanpage zu erklären, was sie da im Fernsehen sehen und wie Krieg funktioniert. Die Ängste der Leute sind groß, viele denken, der Dritte Weltkrieg stehe vor der Türe. „Ich konnte wohl viele beruhigen und habe bis heute ständig dieses Feedback. Krieg ist in unserer Gesellschaft ja nicht nur etwas Fremdes geworden, es ist etwas quasi Undenkbares. Militär ist etwas Unheimliches, Soldaten gelten als dumme, obrigkeitshörige Roboter“, beschreibt Joey die Situation.
Obwohl Krieg auf dem Rest des Planeten immer noch die Realität darstellt, hätten wir uns jahrzehntelang in einer friedlichen Parallelwelt eingerichtet, wofür Deutschland lieber mit Geld als mit Verpflichtungen bezahle. Das habe uns „friedensverwahrlost“ gemacht.
Es kommen immer mehr Fragen von Leuten, die Recherchen nehmen einen immer größeren Teil seiner Arbeit ein. Daher wurde er geradezu genötigt, dafür Geld zu nehmen. Das Projekt „U.M.“ entsteht, eine Facebook-Fanpage, eine Homepage, und inzwischen schreibt Joey auf Steady, wo man kostenpflichtig Mitglied werden kann. Er sieht das als eine Art Community-Projekt und versucht nach wie vor, das meiste ohne Bezahlschranke zu lassen. Eben wegen der Anfänge.

Der Preis für Sicherheit und Wohlstand

Der polarisierende Begriff „Friedensverwahrlosung“ erinnert mich an den Begriff Wohlstandverwahrlosung. Das klingt für mich nach einer Mitschuld von uns allen. Ob das der Preis der Sicherheit und des Wohlstands ist, will ich wissen.
Joey entgegnet, dass wir zwar eine Verantwortung tragen, aber keine Schuld. Schuld sei ein schwieriges Wort. Niemand sei schuld.
Es gebe seit der Antike nicht einen einzigen Tag, an dem weltweit Frieden herrschte. „Aber wir haben in Europa so lange Frieden wie nie zuvor und eine umgekehrte Söldner-Mentalität entwickelt. Krieg betrifft uns nicht. Darum kümmern sich andere. Diejenigen, die so doof waren, zum Militär zu gehen. Soldat zu sein ist zu einem Job geworden, den man sich ja selber aussucht. Als Ursula von der Leyen Verteidigungsministerin wurde, galt ihre erste Sorge Kindergärten in Kasernen, um den Job attraktiver zu machen, nicht Nachwuchs oder Gewehren. Wir hätten uns aus der Verantwortung geschlichen, uns freigekauft. Vor allem Deutschland.“

Wir seien unfähig geworden, Gefahren zu erkennen oder erkennen zu wollen. Hätten der Selbstverteidigung abgeschworen. Das bräche nun in sich zusammen. Die USA seien nicht mehr bereit, die Verantwortung für andere zu tragen. Europäische Politiker hätten es längst erkannt, wüssten aber noch nicht, wie sie es ihren Wählerinnen und Wählern schonend beibringen sollen.
„Wir waren so geil auf das zweite Auto, dass wir uns mit einem russischen Diktator ins Bett gelegt haben. Und sind dann erschrocken, dass das Öl plötzlich teuer wird, weil der das natürlich eingepreist hat, als er die Ukraine überfallen hat.“
Seit Jahren brenne der Nahe Osten lichterloh und wir seien inzwischen so in einer Massenpsychose gefangen, dass wir Islamisten als Freiheitskämpfer sehen und dem alles andere unterordnen. Weil in Israel genau deshalb gerade Rechtsradikale regieren. Und wir nicht zur Kenntnis nehmen, wie viele in Israel die Demokratie verteidigen, indem sie zu Recht auf die Straße gehen. „Ich hoffe, Europa wird früh genug wach“, schließt er dieses Thema ab.

» NIEMAND WILL JEMANDEN WIE MICH IN DER TALKSHOW ODER DER REDAKTION SITZEN HABEN. «

Warum Blogger?

Ob das einfach sein Ding ist oder Redaktionen zu viele Berührungsängste mit dem Fachgebiet Krieg haben, will ich wissen. Es habe nie den Gedanken gegeben, Journalist in einer Redaktion zu werden. Und heute würde Joey es auch nicht mehr wollen, weil er durch seine Arbeit täglich sehe, wie unsachgemäß Medien berichten würden. Dabei geht es ihm nicht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder „böse“ Journalisten, die zu einer Seite tendieren, sondern um Agenturmedien, Nachrichtenmedien und die Mechanismen, nach denen sie funktionieren.
Joey kommuniziert viel mit Journalist:innen. Er beschreibt sie als nette, offene Menschen, die wissen, was läuft. Aber Informationen seien eine Ware. Und es werde produziert, was sich gut verkaufen lässt. Und wenn das ein israelischer Luftschlag gegen ein Krankenhaus ist, bei dem 500 Menschen sterben, dann werde das produziert. Wenn später rauskäme, dass es eine verirrte Rakete des palästinensischen Dschihad auf einem Parkplatz war, die kaum Menschen getroffen haben kann, sei der Medienzirkus längst weitergezogen. Die Chefredaktionen wollten das so, ebenso die Verlage, die Vorstände. Der einzelne Journalist habe damit, abgesehen von Kompetenzlosigkeit, weil er in Ennepetal Politologie und Sozialwissenschaften studiert hat, wenig zu tun. Einige seien tendenziös. Und die würden dann in Talkshows eingeladen oder live zugeschaltet. Weil es sich verkauft. „Niemand will jemanden wie mich in der Talkshow oder der Redaktion sitzen haben“, zieht er als Fazit.

Die Quellen der MilBlogger

Geheime Quellen seien eine Legende, James Bond und Jason Bourne Quatsch, stellt Joey klar. Was Nachrichtendienste zu weit über 90% machen, sei Informationsverarbeitung aus offenen Quellen. Der Begriff dafür ist OSINT, Open Source Intelligence. „Wir hätten in den 1990ern davon geträumt, dass es offen zugängliche Satellitenbilder von der ganzen Welt gibt. Mit Straßennamen und geografischen Daten.“
Big Brother war gestern, die Zukunft habe uns längst überholt. Über Social Media bezahlen wir ja auch noch freudestrahlend mit unseren Daten für die Illusion gesellschaftlicher Relevanz. Was er macht, könnte grundsätzlich auch jede Redaktion leisten, sagt Joey. Mehr sogar, denn die hätten auch die Kapazitäten, einfach mal aktuelle Satellitenbilder zu kaufen. Aber denen fehle die Kompetenz, das Handwerk. Und aus wirtschaftlichen Gründen der Wille.

» MILITÄR IST ETWAS UNHEIMLICHES, SOLDATEN GELTEN ALS DUMME, OBRIGKEITSHÖRIGE ROBOTER. «

Analyse von OSINT-Quellen

Nach einem Beispiel für seine Quellenarbeit gefragt, nennt Joey den Luftschlag gegen das Al-Ahli-Krankenhaus im Oktober 2023 am Anfang des Gaza-Kriegs. Da wurde von der Hamas gemeldet, Israel hätte das Krankenhaus „bombardiert“ und fast 500 Menschen getötet. Diese Meldung haben Medien weltweit übernommen. Joey erscheint das absurd:
„Selbst wenn man Israel für den Satan hält, hätte das in dieser Phase des Krieges militärisch gar keinen Sinn ergeben.“ Ganz ohne die Moral zu bemühen, die in keinem Krieg eine Rolle spielt. So eine Bombe kostet schließlich locker so viel wie ein Eigenheim in Castrop-Rauxel. Und das, um ein paar Kranke aus dem Bett zu schießen? „Es war so absurd, dass ich spontan lachen musste.“

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Aus meinem Archiv: Teil der Auswertung des angeblichen Luftschlages gegen das Al Ahli Krankenhaus.

Schon morgens seien Pressefotos auf Stock-Plattformen angeboten worden, sogenannte „Wirkungsbilder“. Die Bilder hätten aber nicht nur gezeigt, dass die „Bombe“ eine kleine Rakete war, die auf einem Parkplatz runtergekommen ist, sondern dass sie nicht einmal einen Krater hinterlassen hat und nur ein paar Fenster der Gebäude eingedrückt waren. Selbst ein Krankenwagen 30 Meter weiter sei unbeschädigt gewesen. Joey hat sich diese Satellitenbilder angeschaut und das Ganze vermessen.

Detektivgeschichte: Die Bombe auf das Ahli Krankenhaus
Am frühen Abend des 17.10.2023, in den ersten Tagen des Gazakrieges, detonierte etwas auf dem Parkplatz des Al-Ahli Krankenhauses in Gaza-Stadt. Die Hamas meldete einen…
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Die später von den Israel Defense Forces/IDF veröffentlichten Infrarotbilder hätten dann auch gezeigt, dass sich vorm Einschlag kaum jemand dort aufgehalten hat. Vermutlich weil das der Hintereingang war, ein Mitarbeiterparkplatz. Die Zahl von 500 Toten sei also absurd. Zumal das Krankenhaus zu der Zeit nur 80 Betten hatte. Später kam heraus, dass es sich um eine verirrte Rakete des Islamischen Dschihad in Palästina/PIJ gehandelt hatte. „Solches Friendly Fire hat es zu tausenden gegeben.“
Das also bedeutet OSINT: Man nimmt verfügbare Quellen und spielt Sherlock Holmes. Joey legt Wert darauf, seine Quellen immer sehr transparent zu machen. Die Ergebnisse würden jedoch nicht immer allen passen. „Von irgendwem werde ich immer angefeindet. Sowohl von links als auch von rechts.“

Und die Ukraine?

Angesprochen auf ein OSINT-Beispiel aus dem Krieg in der Ukraine, fällt Joey ein Ereignis von September 2024 ein, als zwei Raketen in ein Gebäude im ukrainischen Poltawa einschlugen. Sofort sei die entsprechende Erregung online da gewesen. Joey habe das Gebäude zunächst auf Satellitenbildern gesucht, es „einorientiert“ und „lokalisiert“. Da er dann die Adresse hatte, konnte er schlicht und einfach auf Google Street View nachschauen. Und tatsächlich gab es ein Bild des Eingangs zu dem Gelände. Mit einem großen Schild in Kyrillisch, dass es sich um das „Poltawa Militärinstitut für Kommunikation“ handelte. Ob man Russland nun möge oder nicht, aber so kam er zu dem Schluss, dass das ein legitimes militärisches Ziel gewesen sei. Und dass Russland hier auch nicht den Double-Tap verwendet habe, sondern einfach zeitnah zwei Marschflugkörper abgefeuert habe. Das würde die Bundeswehr nicht anders machen.

Analyse Luftschlag Poltawa: Krankenhaus? Schule? Universität?
Gestern Vormittag schlugen vermutlich zwei Raketen in ein Gebäude in der ukrainischen Stadt Poltawa ein. Von beiden Seiten werden Informationen verbreitet, die nicht…
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Stellenwert von MilBlogger:innen in der Medienlandschaft

Ob MilBlogger:innen in Deutschland einen geringeren Stellenwert haben als in anderen Ländern, möchte ich wissen. Joey betont, dass „MilBlogger“ ein Kunstbegriff ist und es nur sehr wenige davon gibt. Die meisten sehen sich als „Vlogger“ und Streamer. „Mir ist niemand bekannt, der das im deutschsprachigen Raum in meiner Art macht. Ich nenne mich lieber MilBlogger, um Debatten zu vermeiden.“ Per Definition sei er Journalist. Zu bloggen gebe ihm auch die Freiheit, deutlicher seine Meinung kommunizieren zu können. Und das sei der Grund, warum MilBlogger keinen hohen Stellenwert in den Medien haben.
Die Agenturmedien hätten gar nicht die Zeit und Kompetenz zu prüfen, wer von dem Thema wirklich Ahnung hat und wer nicht. Da würden dann lieber Leute wie Erich Vad eingeladen, der am Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine bei Maibritt Illner vor Millionen prognostizierte, in ein paar Tagen wäre die Sache gelaufen. „Geradlinig in den Generalstab, keine Zeit in der Truppe, bei Merkel offenbar rausgeschmissen, ein Hafensänger par excellence.“ Aber bei dem könnten die Medien dann „Ex-General und Merkel-Berater“ in die Bauchbinde schreiben.
Oder der „NATO-General“ Kujat, der seit 20 Jahren in Pension ist und mit seinen russlandfreundlichen Narrativen inzwischen bis zu kleinen YouTubern durchgereicht worden sei: „Halt irgendwo ein Mikro in die Luft und sag ‚Russland‘, und schon erscheint ein Kujat und spricht hinein.“
Die Frage nach mehr Akzeptanz von MilBlogger:innen in Nachbarländern mit einer anderen Militärtradition wie Frankreich oder Großbritannien verneint Joey. Das sei in fast allen NATO-Staaten gleich, mit Ausnahme der USA, wo die Medienlandschaft und die Nachrichtenmedien tendenziöser seien. In Russland hätten MilBlogger vor dem Hintergrund des nationalistischen Putinismus teilweise eigene Sendungen im Staatsfernsehen.

Berührungsängste mit dem Militär in Deutschland

Die Scheu diesem Themenfeld gegenüber läge in Deutschland vor allem an den politisch mehrheitlich links und grün besetzten Redaktionsstuben. Dabei verortet er sich politisch selbst da, das seien schlicht die Fakten. „Linke studieren Journalismus, Ausdruckstanz oder ‚was mit Menschen‘, Rechte studieren Wirtschaft und Jura.“ Es sei einfach das Bewusstsein für das Militär verloren gegangen. Soldaten seien akzeptiert, wenn Sandsäcke für eine Überschwemmung organisiert werden müssen. „Wie soll eine Journalistin, für die das Militär etwas Unheimliches und Fremdes ist, entscheiden, wen sie interviewen oder für einen Podcast einladen soll?“
Das sei auch sein Grund, eigentlich alle Presseanfragen abzulehnen. Weil die Fragen entweder spürbar auf ein gewünschtes Ergebnis abzielen oder schlicht strunzdämlich seien. Zu diesem Gespräch für das Ox sagt er: „Bei euch habe ich eine Ausnahme gemacht, eben weil ihr aus einer ganz anderen Ecke kommt und du mir ehrlich interessiert erschienst.“
Bei seiner Aussage „Militär ist Handwerk“ dächten die allermeisten ganz sicher ans Schießen. Handwerk bedeutet aber auch Strukturen, Taktik und Abläufe. Die Bundeswehr hat auch Ingenieur:innen, Ärzt:innen und Rechtsanwält:innen. Zur Frage des mutmaßlichen Genozids im Gazastreifen würden irgendwelche Soziolog:innen befragt, anstatt mal Jurist:innen zu befragen, die selber gedient haben. „Die können das, was dort passiert, ganz sicher besser beurteilen als ein Professor in den USA oder eine Organisation von ‚Genozid-Forschern‘, bei der jeder Mitglied werden kann.“

Militär als „Handwerk“

Ich frage nach, ob er die International Association of Genocide Scholars/IAGS meint, von der ich auch schon gelesen habe. Dort kann jede:r ohne Prüfung seiner Qualifikation online gegen eine Gebühr eintreten. Offenbar eine unwissenschaftliche, rein ideologische Veranstaltung. Sind denn seiner Erfahrung nach MilBlogger:innen weniger ideologieanfällig als zivile Kriegsberichterstatter:innen und Journalist:innen? Haben sie mehr Distanz zum Geschehen, wenn Militär „Handwerk“ ist?
Das sei seine feste Überzeugung, zumindest in unseren Gefilden, entgegnet Joey. Bei chinesischen, russischen oder nordkoreanischen Journalist:innen sei das sicher anders. Kriegsberichterstatter machten oft einen guten Job. Aber die gebe es ja so gut wie nicht mehr. Aus Redaktionsstuben geführte Agenturmedien wären so bestimmend, dass die Bundeswehr inzwischen Kurse für Journalisten anbietet, damit die wenigstens rudimentär wissen, wie man sich verhält. Er bringt ein Beispiel:
Ein ziviles Haus wird getroffen. Sofort ist die Aufregung groß. Jemand mit etwas „Handwerk“ sehe aber schnell, wie und womit das Haus beschossen wurde. Einem Panzer, einer kleinen Rakete, einer großen Rakete, einer lasergelenkten Bombe. Und daraus ergebe sich dann ein viel weiterer Horizont, weil bestimmte „Wirkmittel“ für bestimmte Zwecke verwendet werden. Man komme ja auch nicht mit einem Messer zu einer Schießerei.

„Handwerk“ entlarvt Propaganda?

Als Anfang Juli 2025 das Café am Strand von Gaza-City getroffen wurde, sei sofort wieder „Stimmung“ auf Social Media und in den sonstigen Medien gewesen. Weil durch die unsachgemäße mediale Formulierung „Café bombardiert“ und die Propaganda der Eindruck entstehen musste, dass Israel dort einfach ein Restaurant beschossen hätte. „Hätte Israel das aber gewollt, hätte es da einfach einen 4.000-Pfünder reingesetzt und das Strandcafé wäre nur noch Strand.“

Luftschlag gegen das Strand-Café: Hintergründe, Erklärungen,…
Stellen wir uns einen Krimi vor, wie Agatha Christie ihn geschrieben hätte. Ein mutmaßliches Verbrechen, ein Ermittler, ein eingeschränkter Personenkreis, ein paar Tote,…
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Also habe Joey die Informationen ausgewertet und habe zeigen können, dass dort eine lasergelenkte Bombe in einem Präzisionsschlag auf ein dezidiertes Ziel gesteuert wurde. Nämlich auf den Hamas-Kommandeur des Dschabaliya-Bataillons, Hisham Mansour, der den Job von seinem Vater, Ayman Atiya Mansour, übernommen hatte. Der wiederum wurde schon vor dem Krieg von einem Verwandten und Hamas-Mitglied Eid Muhammad Mansour zusammen mit seinem Sohn erschossen. Eine skurrile Geschichte, die aus der Netflix-Serie „Fauda“ stammen könnte.

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Aus meinem Archiv: Hisham Mansour (rechts) mit seinem Vater und vorherigem Kommandeur der Hamas Ayman Atiya Mansour.

„Ich habe erklärt, wie feinteilig eine solche Operation ist, wie viele Menschen daran mitgewirkt haben, dass Mansour wahrscheinlich in dem Café war, um Hamas-Affiliierte bar zu bezahlen, dass deshalb auch zwei ‚Journalisten‘ dort anwesend waren, und und und ...“ Außerdem sei der Treffer neben das Café gegangen. Jemand mit etwas Ahnung sehe das, sehe den Krater, das Ziel, die Tageszeit, und wüsste, was dort los gewesen sei. In der öffentlichen Wahrnehmung werde bleiben: „Café bombardiert“. Joey: „Und wenn die Israelis etwas können, dann ist das beschissene Presse zu produzieren.“

Kann eine Versachlichung vor Fake News schützen?

Joey setzt auf die faktische Versachlichung von Krieg, um diesen zu verstehen. Ich möchte wissen, ob er darin eine Möglichkeit sieht, den Faktor der emotionalen Manipulation der Leser:innen seitens anderer Medien zu minimieren und damit auch Fake News entgegenzuwirken. „Ich bemühe mich. Es ist mein Antrieb, wenigstens ein kleines Sandkorn im Getriebe zu sein. Ich bin nicht illusorisch.“
Der Mensch bevorzuge emotionalisierte Informationen. Das werde auch er nicht ändern. Auch da sei leider wieder Israel ein gutes Beispiel. Vor allem im linken Spektrum habe sich eine mindestens antiisraelische bis antisemitische Haltung längst verfestigt. Das habe bereits mit der Nähe der Studentenbewegung, der APO und der RAF zu den Palästinensern begonnen.

Grundlagen: Linksradikaler Antisemitismus – Die vergessene…
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Damals noch tiefrot, die Fatah sei bis heute eher sozialistisch. Und dafür würden ganz viele Dinge ausgeblendet. Zum Beispiel, dass die Hamas im Gazastreifen eindeutig radikalislamistisch ist und sogar einen gewaltsamen Bürgerkrieg gegen die Fatah geführt hat. Es treibe Blüten wie „Queers for Palestine“, die nicht nur im Gazastreifen vom Hochhaus geworfen würden. Jahrzehnte feministischer Bewegung würden auf den Haufen der Geschichte geworfen, nur weil man Israel als „kolonialistisches Projekt“ des „imperialistischen Westens“ ausgemacht haben will.
Das Gleiche gelte auch für Russland. Viele Leute aus dem linken Spektrum argumentierten bis heute pro Russland, obwohl die nationalistische, ultrarechte Partei Jedinaja Rossija, Vereintes Russland, seit 20 Jahren mit absoluter Mehrheit stramm durchregiert, die Medien gleichgeschaltet habe und gezielt Arme, Kriminelle und Angehörige von Minderheiten als Kanonenfutter ins Artilleriefeuer treibe. Der Jemen und der Sudan, wo derzeit mehr Menschen auf der Flucht sind als in Niedersachsen leben, interessierten die Menschen nicht, weil ihr Schwarzweißdenken da nicht mehr funktioniere. Sie wüssten gar nicht, wer da gegen wen kämpft. „Der Kongo ist größer als Mitteleuropa und alle halbe Stunde wird dort ein Kind vergewaltigt. Ein blinder Fleck der Orientierungslosigkeit, weil dort Rebellen und Milizen kämpfen und der IS mitmischt. Gut und Böse zu unterscheiden wird dort schwer. Da geht man doch lieber zu einer Demo, die ein Ende der Waffenlieferungen an Israel fordert.“ Obwohl es gar kein Verständnis dafür gebe, was überhaupt geliefert wird.

Joeys „Community“ auf der Facebook-Fanpage verspotte ihn dauernd als Don Quijote oder Sisyphus. Aber das sei es, was eine Demokratie fordert: inhaltliche, faktische Auseinandersetzung. Natürlich vertrete er seine Meinung, die grundsätzlich viel differenzierter sei, als Schreihälse es ihm unterstellen. „Ich habe Argumente. Aber Fakten sind die Pfeile, die ich im Köcher habe.“

Die Macht(losigkeit) der Nachrichtenkonsument:innen

Menschen lieben also emotionalisierte Nachrichten und beeinflussen dadurch die Nachrichtenauswahl der Redaktionen. Haben wir als Kund:innen es nicht eigentlich durch unsere Klicks selber in der Hand? Was müsste sich Joeys Meinung nach verändern, damit uns das als Nachrichtenkonsument:innen bewusst wird? Nach der Marktlogik müssten die Redaktionen doch darauf reagieren, oder? Dahinter stehe ein psychologischer Mechanismus, erläutert Joey. Er sei nicht resigniert, sondern Realist. Das werde man nie ändern. Ändern könne man etwas an der Kompetenz in den Redaktionen. Aber dafür gebe es keinen wirtschaftlichen Anreiz. Was er viel entscheidender findet und was viele nicht wüssten:

In Deutschland zählt das Agenturprivileg. Die Hisbollah, der Iran oder Russland zum Beispiel bringen eine Meldung. Agenturmedien greifen diese auf und verkaufen sie in die Welt. Und die veröffentlichenden Medien seien juristisch nicht mehr verpflichtet, sie zu prüfen. Sie müssten noch nicht einmal darunter schreiben, dass sie die Meldung nur gekauft haben. Die Lobby habe das so durchgedrückt. Es gebe in Deutschland Plattformen, auf denen das vollautomatisiert passiere: Übersetzung per KI, andere Überschrift, ein Bildredakteur sucht noch etwas Passendes heraus und schon geht es online. Joey: „Eine Analyse hat gezeigt, dass nur 4% der Berichte zu Gaza in großen englischsprachigen Medien israelische Zahlen wiedergaben, aber 100% die Zahlen der radikalislamistischen Hamas. Von denen auch die UN so tut, als seien es ihre vermeintlich unabhängigen Quellen. 20% der Berichte nannten die Zahlen der Hamas sogar ohne Quellenangabe. Nur 15% enthielten den Hinweis, dass bei palästinensischen Zahlen zwischen getöteten Zivilisten und Kombattanten nicht unterschieden wird.“ Und bloß bei 1% der Berichte würden die Zahlen der Hamas kritisch hinterfragt. Nachzulesen sei das bei „Questionable Counting“ von Andrew Fox, einem britischen Hochschuldozenten und Veteran. „Das soll ausgewogene Berichterstattung sein? Oder gar Berichterstattung zugunsten Israels?“

Warum „ungesund“, wenn Fakten gesund sind?

Musiker:innen soll man eigentlich nicht zu ihrem Bandnamen befragen. Bloger:innen auch nicht zu ihrem Blognamen? Ich will trotzdem wissen, warum Joey seine Plattform „Ungesunder Menschenverstand“ nennt? Fakten sind doch gesund. Joey wird philosophisch.
Bei Aristoteles sei der „gesunde Menschenverstand“ die Fähigkeit gewesen, die Wahrnehmung mit einem Gedanken zu verknüpfen. Schmecke man einen Apfel, habe man wohl in einen Apfel gebissen. Diesen Bedeutungsinhalt finden wir auch im lateinischen „sensus communis“, aus dem der englische „common sense“ wurde. Kant habe daraus aber etwas anderes gemacht: Die Fähigkeit, selber denken zu können. Durch Nachdenken zu Schlüssen zu kommen. Heute verstünden wir darunter, dass jeder Mensch eine Art inneren Mechanismus hat, der ihn automatisch zu den richtigen Ergebnissen kommen lässt. Aber die Meinung, das Fürwahrhalten, sei immer davon abhängig, welche und wie viele Informationen wir vorher haben. Psychologen und Juristen wissen, wie fehlerhaft das Hirn arbeitet. Im Bezug auf die mediale Berichterstattung hätten wir aber häufig nicht alle Informationen. Durch das Netz 2.0 würden unsere Informationen gefiltert. Das Netz sei zum Gegenteil dessen geworden, was man sich damals erhofft hatte. Deshalb sei es damals eine spontane Idee gewesen, das Projekt kurz „U.M.“ zu nennen. „Für den, ironisch, ungesunden Menschenverstand, der versucht, Informationen zu bekommen, bevor er sich eine Meinung bildet.“

Ganz ohne Musik geht es nicht

Wir sind ein Musikzine. Ohne Musik geht es daher nicht. Welche seine fünf Lieblings-Antikriegslieder sind, will ich wissen. „Ich bin auch Soldat geworden, da ich, obwohl Krieg zwar scheiße ist, Pazifismus eben nicht für die Lösung halte. Si vis pacem para bellum.“ Joey mag Antikriegslieder.
Bei „Brothers in arms“ von den DIRE STRAITS dürften auch große Männer Pippi in den Augen haben, findet er. „Gimme shelter“ von den ROLLING STONES und Jimi Hendrix’ Version von „All along the watchtower“ zählt er auch dazu. Sein absoluter Spitzenreiter ist „Fortunate son“ von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, weil es genau sein Gefühl der Zeit widerspiegelt. Und einen besonderen Platz hat für ihn „Born in the USA“ von Bruce Springsteen. Trumps Team habe beim ersten Wahlkampf den Song als Einlaufmusik verwendet, wobei anscheinend keiner verstanden habe, was er wirklich bedeutet.

Linke und Punks in Bundeswehrhosen

Zum Abschluss frage ich Joey noch, woher die Liebe von Punks zu Militärklamotten kommt. Das Phänomen erklärt er damit, dass einst in den USA die Rocker aus Veteranen hervorgegangen seien, die teilweise noch ihre alten Armeeklamotten trugen. Daher kämen sicher auch die „Badges“ auf den Kutten. Der Biker auf dem ikonischen Foto der Hollister Riots von 1947 trägt Klamotten, die schon sehr an die Army dieser Zeit erinnerten. An den Vietnam-Protesten hatten ebenfalls Veteranen teilgenommen, die als Zeichen, dass sie selber in der Scheiße saßen, die Jacken und bestimmte Abzeichen weiter getragen haben.
Also was wäre da näherliegend, als sich eine alte Armeeklamotte zu besorgen und ein paar Badges aufzunähen oder ein A auf den Rücken zu sprühen? „Außerdem gab es überall NATO-Shops, in denen man aus Restbeständen eine M65-Feldjacke oder eine Bundeswehrhose für zehn Mark abgreifen konnte.“

Ox ist ein Fanzine.

Bedeutet, es ist von quasi nicht-Journalisten mit Herzblut gemacht. Die als Fachjournalisten meiner Erfahrung nach professioneller und gewissenhafter arbeiten, als viele große Medien.
Das Interview mit mir war ein Double-Feature in einem Heft mit einem Interview mit Mark Beneke, vielen weiteren Interviews, Reviews und und und. Auf unfuckingfassbaren 174 Seiten.

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