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Sonntag, 25. Januar 2026

Iran: Vorbereitung auf den Ernstfall

von Helena Bauernfeind

Operiert in der Nähe der Krisenregion: Die USS Abraham Lincoln mit ihrer Trägergruppe



Militärische Eskalation, regionale Nervosität und das stille Wirken externer Akteure im Hintergrund: So könnte man die gegenwärtigen Entwicklungen rund um den Iran beschreiben. Die Islamische Republik treibt die militärische Vorbereitung auf eine mögliche direkte Konfrontation mit den Vereinigten Staaten mit bemerkenswerter Konsequenz voran. Im Zentrum dieser Anstrengungen stehen die Revolutionsgarden, die ihre maritimen Offensivkapazitäten im Persischen Golf und insbesondere rund um die Straße von Hormus erheblich ausgebaut haben. Was bislang als Teil einer langfristigen Abschreckungsstrategie galt, wirkt zunehmend wie die operative Vorbereitung auf einen konkreten Ernstfall.

Nach übereinstimmenden militärischen Einschätzungen verfügen die Revolutionsgarden mittlerweile über Tausende schneller, mit Sprengladungen versehener Boote, die gezielt für Schwarmangriffe konzipiert sind. Hinzu kommen die Fähigkeit zur raschen Verlegung von Seeminen, mobile Küstenraketensysteme sowie mit Lenkwaffen ausgerüstete Marineeinheiten. Zusammengenommen ergibt sich ein Arsenal, das weniger auf Seeherrschaft als auf maximale Störung ausgelegt ist – mit einem klaren strategischen Ziel: der zeitweisen oder vollständigen Blockade der Straße von Hormus. Diese Meerenge ist von globaler Bedeutung. Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels wird hier abgewickelt. Jede militärische Eskalation hätte unmittelbare Auswirkungen auf Energiepreise, Lieferketten und die wirtschaftliche Stabilität weit über die Region hinaus.

Droht ein “totaler Krieg”?

Entsprechend sensibel reagieren nicht nur die internationalen Märkte, sondern auch die politischen Führungen der Golfstaaten. In Riad, Abu Dhabi und Doha ist die Sorge groß, zwischen die Fronten eines Konflikts zu geraten, den man weder kontrollieren noch ignorieren kann. Die Führungseliten dieser Staaten verfügen über eigene sicherheitsdienstliche Erkenntnisse, die selten öffentlich werden, intern jedoch als ernstzunehmend gelten. Die Nervosität in den Hauptstädten der Region speist sich weniger aus öffentlichen Verlautbarungen als aus der Einschätzung, dass Teheran seine militärischen Optionen bewusst offenhält – und die Eskalationsschwelle gezielt unscharf gestaltet.

Die Vereinigten Staaten begegnen dieser Entwicklung mit demonstrativer Präsenz: Flugzeugträgerkampfgruppen im östlichen Mittelmeer und im Arabischen Meer sollen Abschreckung signalisieren und zugleich die Bündnispartner beruhigen. Doch militärische Stärke garantiert keine strategische Klarheit. Je dichter der Raum militärisch aufgeladen ist, desto größer wird das Risiko von Zwischenfällen, Fehlinterpretationen und überstürzten Reaktionen. Die Rhetorik aus Teheran verstärkt diesen Eindruck. Wenn Vertreter der Revolutionsgarden öffentlich erklären, man sei in der Lage, amerikanische Flugzeugträger mit modernen Hyperschallraketen zu versenken, ist dies weniger als operative Ankündigung zu verstehen denn als Teil einer kalkulierten Abschreckungskommunikation. Auch die Warnung, selbst begrenzte Angriffe würden als „totaler Krieg“ gewertet, dient vor allem der politischen Eskalationskontrolle nach innen wie nach außen.

China stärker involviert als gedacht?

Gleichzeitig bleibt die Informationslage über konkrete Vorfälle und Opferzahlen undurchsichtig. Veröffentlichte Angaben sind widersprüchlich, teils offensichtlich unvollständig. Dass Beweise vernichtet und Zahlen manipuliert werden, gehört zur bekannten Praxis autoritärer Systeme. Eine verlässliche Rekonstruktion dürfte kaum möglich sein. Sicher ist lediglich, dass die tatsächlichen Dimensionen deutlich über dem liegen könnten, was offiziell eingeräumt wird. Eine zusätzliche, bislang wenig beleuchtete Dimension eröffnet sich durch jüngste Beobachtungen im asiatischen Raum. In den vergangenen Tagen haben sich die militärischen Lufttransportflüge zwischen China und Pakistan deutlich verdichtet. Auffällig ist dabei der Ursprung vieler Maschinen in der chinesischen Provinz Sichuan, einem zentralen Standort der nationalen Rüstungs- und Hochtechnologieindustrie. Offiziell handelt es sich um routinemäßige Logistikbewegungen. In sicherheitspolitischen Kreisen jedoch mehren sich Hinweise, dass Pakistan als Transitkorridor für Lieferungen dienen könnte, deren eigentlicher Bestimmungsort Iran ist.

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre dies geopolitisch von erheblicher Tragweite. China würde sich damit nicht offen, wohl aber faktisch an der strategischen Stabilisierung Irans beteiligen – diskret, indirekt und ohne formale Bündnisbekundungen. Für Washington wäre dies ein weiteres Indiz dafür, dass der Konflikt längst über eine regionale Dimension hinausgewachsen ist. Der Persische Golf befindet sich damit in einem Zustand permanenter latenter Eskalation. Noch ist der offene Krieg nicht ausgebrochen. Doch die militärischen Vorbereitungen, die politische Rhetorik und die zunehmende Einbindung externer Akteure deuten auf eine gefährliche Dynamik hin, in der Abschreckung und Provokation kaum noch zu trennen sind. Gerade darin liegt das größte Risiko: Alle Beteiligten handeln im Glauben, lediglich auf den nächsten Schritt des anderen zu reagieren – und treiben die Eskalation doch gemeinsam voran.


Freitag, 16. Januar 2026

Briefing Iran

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Flugzeugträger USS Lincoln

Ein Luftschlag der USA gegen den Iran wird immer wahrscheinlicher, die militärischen Vorbereitungen laufen. Umso mehr Falschmeldungen geistern durchs Netz, vermengt mit Mutmaßungen und Propaganda.
Ich möchte versuchen ein klares Lagebild zu geben, um daraus dann Rückschlüsse ziehen zu können.

Einige Meldungen kamen in der vergangenen Nacht nach und nach rein.
Das alleine zeigt, dass da Bewegung drin ist. Es ist also insgesamt eine Phase der Vorbereitung, die durch das dynamische Geschehen sehr ernst zu nehmen ist.

• Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte gestern zwei ungenannte europäische Offizielle, dass ein Schlag gegen den Iran innerhalb der nächsten 24St erfolgen könnte.

• Im Iran wurde das Kriegsrecht ausgerufen.

• Die israelische Regierungsmaschine „Wing of Zion“, das Pendant zu den amerikanischen Air Force One, hat gestern Israel verlassen.
Diese Maschine ist auch ein Kommandostützpunkt. Israel hat nur eine solche Maschine. Daher geht sie bei einer Bedrohung in die Luft, so auch vor dem letzten Schlagabtausch mit dem Iran. Das sagt nichts darüber aus, wer dringesessen hat.

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Die israelische „Air Force One“, die Wing of Zion.

• Mehrere Fluggesellschaften ziehen ihr Personal aus Israel ab und haben alle Flüge von und nach Israel gecancelt. Darunter auch die deutsche Lufthansa.

• Batterien des Iron Dome wurden mindestens in Jerusalem in Stellung gebracht.
Das sind Flugabwehrraketen für die niedrigen Höhen, die häufig fälschlich für den gesamten Flugabwehrschirm Israels namensgebend sind.

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Ein Starter des Dystems Iron Dome.

• Bereits seit der vergangenen Woche haben die USA viele Transportmaschinen oder Tanker nach oder über Europa verlegt, darunter mehrere Stratotanker (Boeing KC-135). Diese können lange in der Luft bleiben und Bomber und Jagdbomber im Flug auftanken.

• In den frühen Morgenstunden europäischer Zeit hat der Iran seinen Luftraum gesperrt.

• Die USA haben in der gesamten Region Personal und Material abgezogen bzw. verteilt. Man spricht von „dislozieren“, damit sie schlechter zu bekämpfen sind. So im und aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Oman und Kuweit.
Unter anderem war viel Bewegung auf der Al Udeid Air Base in Katar, so zu sagen vor der iranischen Haustüre. Das ist der größte Flugplatz der Region und der, von dem der Iran beim letzten Mal behauptet hatte, ihn zerstört zu haben.

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Luftbild der Air Base Al Udeid in Katar.

• Ebenfalls in den frühen Morgenstunden kam die Falschmeldung auf, die USA hätten den Flugzeugträger Theodore Roosevelt vorm Iran. Darauf sind auch MilBlogger und hochrangige ehemalige Soldaten reingefallen.
Zum einen spricht man eigentlich nie von einem Flugzeugträger, es ist immer eine Gruppe. Zum anderen handelte es sich um die USS Roosevelt. Ohne „Theodore“. Und das ist ein Zerstörer der Arleigh Burke Klasse.

• Ich habe die Einschätzung gelesen, dass Trump persönlich bei so etwas nur mitmacht, wenn er maximale Sicherheit hat. Er möchte den Friedensnobelpreis, weit wichtiger ist aber, dass er seinen Maga-Wählern keine Verluste erklären muss. Das halte ich für ein sehr kluges Argument.
Um einschätzen zu können, ob oder wann die USA angreifen könnten, muss man sich also anschauen, welche Kapazitäten sie hätten und was da gerade so passiert.

• In Reichweite zum Iran liegen die Zerstörer USS Roosevelt (DDG-80), die USS Mitscher (DDG-57) und die USS McFaul (DDG-74). Alle drei gehören zur Arleigh Burke Klasse.
Das sind so genannte Lenkwaffenzerstörer, die jeweils 90 und mehr Senkrechtstarter haben, aus denen unterschiedliche Raketen abgefeuert werden können.

• Darüber hinaus habe ich von einem vierten Zerstörer und einem Atom-U-Boot gelesen, konnte das aber nicht verifizieren.

• In der Region operieren auch die USS Canberra (LCS-30), die USS Tulsa (LCS-16) und die USS Santa Barbara (LCS-32). Das sind Fregatten der neuen Independence Klasse, die für asymmetrische und küstennahe Kriegsführung und nachrichtendienstliche Aufklärung konzipiert sind.
Das macht Sinn. Denn der Arabische Golf und der Golf von Oman bzw. der indische Ozean sind durch eine Meerenge, die Straße von Hormus, voneinander getrennt. Durch diese Straße von Hormus gehen etwa 25% des weltweiten Öl-Handels. Und der Iran droht immer wieder damit, diese Meerenge zu verminen. Deshalb ist es sehr naheliegend, dass solche Einheiten ständig zur Aufklärung dort unterwegs sind.

• Am frühen Morgen kam dann die Bestätigung, dass die USA die „Battle Group“ des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln (CVN-72) vor den Arabischen Golf beordert haben. (Titelbild) Dazu gehören mindestens (!) die USS Spruance (DDG-111), die USS Michael Murphy (DDG-112) und die USS Frank E. Petersen Jr. (DDG-121). Ebenfalls alles Zerstörer der Arleigh Burke Klasse.

• Zu der Battle Group gehört immer auch mindestens ein Atom-U-Boot, derzeit der Ohio Klasse.
Das sind U-Boote, die ballistische Raketen starten können (SSBN), auch ohne aufzutauchen. Es sind also Drittschlagwaffen für einen Atomkrieg.
Vier Schiffe der Klasse wurden aber zu SSGN umgebaut, zu Trägern für eine große Anzahl von Marschflugkörpern. Diese Schiffe können bis zu 154 Tomahawk Raketen abfeuern.
Ein solches Schiff wurde nun gemeldet.
Für mich unklar ist, ob das nun zur Battle Group gehört, oder bereits vorm Iran liegt. Ob also eins operiert, oder zwei.

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Die SSGN Ohio

• Zu einer solchen Battle Group gehören auch immer Versorger, um die Schiffe „nachladen“ zu können.
Das bedeutet, diese genannten Schiffe können leicht 1000 Raketen verschießen.
Und sie haben verschiedene Möglichkeiten, über die U-Boote, Helikopter und Fregatten Teams für Spezialoperationen abzusetzen.

• Durch das aufgebaute Netz von Tankern ist es, wie beim Schlag gegen das iranische Atomprogramm, zusätzlich möglich, B2 Bomber einzusetzen. Diese können ohne Zwischenstopp aus den USA kommen.

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Ein B2 Bomber in der Einsatzvorbereitung.

• Verschiedene Quellen haben wiedergegeben, die Verlegung der Battle Group würde sechs bis acht Tage dauern. Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, wie man darauf kommt.
Erstens kann eine solche Battle Group locker mit 30 Knoten laufen (ca. 55 km/h). Wir sprechen also über höchstens sechs Tage Anreise aus dem südlichen Chinesischen Meer. Dabei werden aber zwei Faktoren nicht berücksichtigt. Zum ersten wird CENTCOM das nicht veröffentlicht haben, als sie angerufen haben. Die werden sicher längst auf dem Weg gewesen sein. Zudem weiß ja keiner so genau, wo sie waren.
Und zum zweiten hat eine solche Gruppe einen Einsatzradius von 1000 Kilometern. Das ist so ein Pi mal Auge, eine Eselsbrücke. Einige Flugzeuge können das nicht, andere können mehr. Mit Luftbetankung (und deshalb ist die Verlegung und Dislozierung spannend), kann das aber leicht verdoppelt und verdreifacht werden.

Lagekarte

Einschätzung

Ich bin keineswegs sicher, ob ein Luftschlag erfolgen wird.
Es ist wahrscheinlich, man sollte aber auch nicht überrascht sein, wenn er ausbleibt.
Viele Faktoren sind entscheidend. Die USA werden sich nicht nur mit Israel abstimmen, sondern u.a. auch mit Katar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Denn die würden einen Vergeltungsschlag abbekommen.

Spannend ist auch immer Saudi-Arabien. Denn die sind eigentlich der Erzfeind des Irans. Halten sich aber schön aus allem raus. Würde der Iran die Saudis angreifen, kämme es vermutlich zu einem Krieg, der auch Iran-Irak weit in den Schatten stellen könnte.

Wenn es knallt, dann richtig.
Wie ich schon einmal schrieb: Wenn etwas brennt, dann muss es so brennen, dass der Feuerschein im gesamten Iran gesehen wird.

Die Flugabwehr ist nach dem letzten Schlagabtausch nahezu ausgeschaltet. Der Iran verfügt nicht über die Kapazitäten. Die USA könnten – überspitzt – über dem Iran machen, was sie wollen.

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B2 beim Start in den USA.

Gefährlicher sind die Gegenschläge. Denn der Iran verfügt durchaus noch über ausreichend ballistische Raketen, die in Israel oder den Emiraten durchaus etwas anrichten können.

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Iranische Raketen bei einer Übung.

Die USA wird also vermutlich vor allem diese Systeme angreifen. Und erst sekundär dann Kasernen und Einrichtungen der Revolutionsgarden, der Basij-Milizen und Imam Ali Bataillone, die die Bevölkerung terrorisieren und massakrieren. Es sind hochmobile Milizen, mit Gewehren auf Motorrädern. Das wird man nicht aus der Luft erledigen können. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass die Iraner selber das werden erledigen müssen, um das Mullah-Regime zu beenden.

Ein anderer Faktor sollte aber nicht unterschätzt werden.
Der kurze Krieg gegen Israel hat bereits dazu geführt, dass ein immenser Schaden angerichtet wurde. Das, zusammen mit den Problemen überhaupt noch Öl verkaufen zu können, hat zum Einbruch der Währung geführt. Und das war wiederum Auslöser für die derzeitigen Unruhen. (Der Auslöser, nicht der Grund! Das Zünglein an der Waage.)

Dennoch gibt es immer mehr Meldungen, dass die Proteste bereits weitestgehend in sich zusammengebrochen sind. Die Frage wird dann also sein, ob ein Luftschlag ausreicht, die iranische Bevölkerung erneut zu befeuern.


Erschienen auf steady.page

Iran: Nur Mullahs eines „Regimes“? Es sind Islamisten!

von Albrecht Künstle

Sitzt weiter – oder wieder? – fest im Sattel: Oberster Führer Khamenei



Im Zusammenhang mit dem Aufstand großer Teile der Iranerinnen und Iraner gegen “die „Mullahs“ wird in den westlichen Medien, fast verharmlosend, stets vom “Kampf gegen das Regime” gesprochen. Doch Regimes gibt es überall auf der Welt, auch ohne dass diese vergleichbar blutig gegen ihr Volk vorgehen wie im Iran. Der Hauptunterschied liegt darin, dass dieses iranische “Regime” nichts weniger ist als ein islamisches Herrschaftssystem, eine islamische Herrschaftsform auf Grundlage des Koran, und so lautet der Name des Landes seit 1979 auch ganz konkret „Islamische Republik Iran“. “Republik” klingt harmlos, ist es aber nicht – und wurde es erst recht auch nicht dadurch, dass der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier skandalöserweise den dortigen Herrschern zum 40. Jahrestag ihrer islamischen Revolution gratulierte (was sogar berichtete den “Tagesspiegel” erheblich befremdete). Dass Steinmeiers diese Grußbotschaft auch noch “im Namen meiner Landsleute” aussprach, erfüllt eigentlich den Straftatbestand der üblen Nachrede: Zumindest in meinem Namen postete er diese Glückwünsche definitiv nicht. Welche Leute glaubte er diesbezüglich hinter sich zu haben?

In diesem Beitrag soll es um die Ausprägung des iranischen, schiitischen Islam gehen. Während von den rund 1,6 Milliarden Muslimen weltweit rund 85 Prozent Sunniten sind, ist dieses Verhältnis im Iran in etwa umgekehrt. In der Verfassung der “Islamischen Republik” ist die Zwölfer-Schia verankert, zu der weltweit 175 Millionen Muslime gehören sollen. Deren „12 Imame“ sind nicht zu verwechseln mit den 12 Aposteln der „Tafelrunde“ Jesu – und waren auch allesamt weit weniger friedlich als die 12 Jünger. Die Zwölfer-Schiiten gedenken in Trauerzeremonien und mit Selbstgeiselungen an die Imame und andere Angehörigen der Familie des „Propheten“ Muhammad, der sich nicht wie Jesu auf Weissagungen und wundersame Heilungen beschränkte, sondern viele Kriege führte, und seine Glaubensbotschaft nicht mit dem Wort, sondern dem Schwert verbreitete (dies ist bis heute der zentrale Unterschied zwischen Christentum und Islam). Dabei kamen natürlich nicht nur Gegner ums Leben, sondern auch der eine oder andere „Glaubenskrieger“. Die Zeremonien finden ihren Höhepunkt zum „Märtyrertod“ von Imam al-Husain ibn ʿAlī und seiner Verwandten in der Schlacht von Kerbela. Hingegen führte unter den 12 christlichen Apostel Petrus die einzige überlieferte „Schlacht“, als er bei der Verhaftung Jesu einem römischen Soldaten ein Ohr abschlug.

Verschärfte Versorgungslage

Doch wie ist das Verhältnis zwischen dem theoretischen und praktischen Islam im Iran? Spielt die Religion bei diesem Aufstand überhaupt eine Rolle? Den Medien nach gehe es bei den aktuellen Protesten angeblich „nur“ um die laufende Verschlechterung des Wohlstandes, um steigende Inflation und die wirtschaftliche Krise. Dies sind sicherlich gewichtige Faktoren, denn der galoppierende Verfall des Rial in den letzten Wochen hat die mächtigen, bisher das Regime stützenden Basaris veranlasst, aus Protest ihre Geschäfte zu schließen. Die hierdurch noch weiter verschärfte Versorgungslage, eine kaum noch existierende Wasserversorgung in der 15-Millionen-Metropole Teheran und eine relativ gut ausgebildete junge, aber extrem unzufriedene und desillusionierte Generation ohne Berufschancen sind die Gründe für diesen Aufstand, der sich einreiht in frühere Widerstandsaktionen gegen das Regime der jüngeren Vergangenheit. So weit, so richtig; aber es gibt auch Gründe, über die in den Medien nicht berichtet wird.

Die “Islamische Republik Iran” ist ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens prägt. Die Abkehr vom Islam (selbst eine Konversion zum sunnitischen Islam wird so gewertet) kann mit dem Tode bestraft werden. Laut Volkszählung 2011 waren offiziell 99,4 Prozent der Einwohner Muslime, wobei Studien zufolge in den letzten Jahren ein zunehmender Wandel in den religiösen Überzeugungen der Bevölkerung eingesetzt hat: Nur noch ein Drittel verstehe sich einer Umfrage zufolge als schiitisch, was die Mullahs und ihre Revolutionsgarden gleichermaßen auf (dort gar nicht vorhandene) Palmen bringt; 22 Prozent gaben zuletzt sogar an, keiner Religion oder Weltanschauung anzugehören. Weitere 7 Prozent sind Sunniten und 9 Prozent bezeichneten sich als Atheisten. 47 Prozent gaben in anonymen Befragungen (also geheim) an, ihre Religion verloren zu haben. Man könnte sagen, dass den Mullahs ihre Anhänger in ähnlicher Weise davonlaufen wie der SPD ihre letzten gutgläubigen Wähler. Formale Austritte wie aus unseren Kirchen gibt es im Iran natürlich nicht.

Zwei Drittel aller Moscheen geschlossen – doch im verbliebenen Drittel wird immer radikaler gepredigt

Dementsprechend wurde – ganz anders als in Deutschland – im Iran ein starker Rückgang der Moscheebesuche festgestellt: 2023 berichtete ein hochrangiger iranischer Geistlicher, dass 50.000 der landesweit 75.000 Moscheen aufgrund des Rückgangs der Besucherzahlen geschlossen wurden. Das ist sehr aufschlussreich vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in Deutschland gar nicht genug davon gebaut werden können. Der bewusste Geistliche mit dem Namen Doulabi machte dafür unter anderem die Misshandlung der Bevölkerung im Namen der Religion, die Verzerrung religiöser Lehren und die Verwendung religiöser Konzepte zur Bestrafung von Regierungskritikern verantwortlich. All diese Faktoren hätten im Iran zu einem wachsenden Misstrauen nicht nur gegenüber der Regierung, sondern ebenso den geistlichen Institutionen geführt. Und obwohl es keine verifizierten Statistiken über den genauen Grad der Säkularisierung gibt, deutet vieles darauf hin, dass sich immer mehr Iraner von der offiziellen religiösen Identität ihres Landes distanzieren. Deshalb laufen die Mullahs Amok: Sie sehen ihre Felle davonschwimmen. Und das zeigt sich nun auch in den überschießenden extremen Reaktionen auf die Proteste.

In den iranweit 25.000 verbliebenen Moscheen geht es indes umso islamistischer zu: Noch immer wird dort – spätestens am Ende des Freitagsgebets – den „Ungläubigen“ und der halben Menschheit der Tod gewünscht. Die Zahl der schiitischen Islamisten und Unterstützer des Regimes ist immer noch erschreckend hoch. Hingegen ist die Zahl der Juden im Iran auf etwa 10.000 geschrumpft. Dies liegt vor allem an der antizionistischen Politik der iranischen Regierung, durch die iranische Juden zuweilen verdächtigt werden, israelische Spione zu sein. Das Christentum hat in Iran ebenfalls eine lange Geschichte; heute leben in der “Islamischen Republik Iran” etwa 60.000 assyrische Christen sowie die Nachfahren der etwa 300.000 armenischen Christen, die unter den Safawiden ins Land geholt wurden. Des Weiteren gibt es römisch-katholische, anglikanische, evangelische und andere christliche Gemeinden, teilweise mit eigenen Kirchenbauten, vielfach unterdrückt und bedroht. Inwiefern sich Christen am aktuellen Aufstand beteiligen, ist nicht bekannt.

Israel kannte die Schwächen besser als alle anderen

Die iranische Verfassung erkennt Christen und Juden zwar als religiöse Minderheiten an; doch sie müssen die Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit beachten und dürfen nicht missionieren. Für den Abfall vom Glauben droht Muslimen in Iran die Todesstrafe. Konvertiten kommen unter Lebensgefahr in Hauskirchen zusammen. In der Praxis sind alle Angehörigen von religiösen Minderheiten einer subtilen Form der Diskriminierung ausgesetzt wie bei der Arbeitsplatzwahl in der staatlich dominierten Wirtschaft, im Erbrecht oder bei Zeugenaussagen. Auch höhere Ämter wie Minister, Staatssekretäre, Richter und Lehrer an Regelschulen sind ihnen verschlossen. Insofern hätten Christen noch mehr Grund als Muslime, sich gegen die Mullah-Herrschaft aufzulehnen.

Mittlerweile flacht der Aufstand ab. Die Mutigsten sind bereits tot oder warten in Gefängnissen auf ihre Hinrichtung. Israel hätte dem Gemetzel schon längst ein Ende setzen können, zumal dessen Geheimdienste, aufgrund der permanenten Bedrohung Israels durch den Iran und seine Proxy-Terrororganisationen im Nahen Osten, die Strukturen der iranischen Herrscherclique besser kennt als irgendjemand sonst im Westen, auch als die US-amerikanischen Geheimdienste. Die IDF hätten en detail gewusst, wo und wie sie zuschlagen müssen – was aber erwartbar die Hälfte der Staatengemeinschaft sogleich verurteilt hätte (schon heute sind die Anti-Israel-Demonstranten überall in der Mehrheit). Das erhoffte und in Aussicht gestellte Eingreifen der USA ist ausgeblieben, zur riesigen Enttäuschung vor allem der westlichen Diaspora der Exil-Iraner; das Zeitfenster für eine Intervention, die den Sturz des Systems hätte besiegeln können, hat sich geschlossen.

Trump und das verpasste Zeitfenster

Falss Trump doch noch militärisch tätig wird, dürfte es zu spät sein, abgesehen davon, dass er dafür ebenfalls an den Pranger kommen komme (letzteres dürfte ihm indes egal sein, da sein Ruf ohnehin bereits ruiniert ist). Immerhin: Die großangekündigten Hinrichtungen von verhafteten Demonstranten wurden aufgrund der unmissverständlichen Drohung Trumps (noch) nicht begonnen. Dabei hätten die USA durchaus eine Bringschuld: Denn mit ihrer maßgeblichen Hilfe wurde der Schah 1979 gestürzt und durch den Großayatollah Chomeini ersetzt. Doch Schah Reza Pahlavi hatte wenigstens den Anstand, nicht auf das eigene Volk schießen zu lassen, und verließ sein Land. Soviel Anstand kann man von den Mullahs gewiss nicht erwarten, die sich ja als Stellvertreter Allahs auf Erden verstehen.

Und wohin sollten sie gehen? In der Hölle wäre wohl der beste Platz. Vielleicht erbarmen sich aber auch Frankreich, Großbritannien oder natürlich Deutschland? Mir jedenfalls bleibt in der allgemeinen Rat- und Hilfslosigkeit nur noch schwarzer Humor, wie er in dem folgenden Witz aufscheint: Zwei Mullahs, die am Ende doch noch der Teufel holte, streiten sich in der Hölle, ob das angerichtete Blutbad ausreichte oder ob man nicht noch mehr Demonstranten hätte abschlachten sollen. Kommt Allah dazu und meint, das Für und Wider nütze doch jetzt nichts mehr. Sagen diese: Halt Dich raus, Du warst ja bei dem Gemetzel nicht dabei!



Freitag, 19. Dezember 2025

Im Schatten der türkischen Konsolidierung: Israelischer Luftwaffenkommandeur besucht zyprische und griechische Luftstreitkräfte

von Helena Bauernfeind

Israels Luftwaffenkommandant Tomer Bar (M.), hier mit Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant: Austausch mit Griechenland und Zypern über die Sicherheitslage im östlichen Mittelmeerraum



Von außen betrachtet war es ein routinemäßiger Militärbesuch. Doch der Umstand, dass Generalmajor Tomer Bar, der Kommandeur der israelischen Luftwaffe, in diesen Tagen Gespräche mit hochrangigen Offizieren der zyprischen und griechischen Luftstreitkräfte führte, verleiht der Begegnung ein politisches Gewicht, das weit über protokollarische Höflichkeiten hinausgeht. In einer Region, in der Geschichte nicht vergeht, sondern sich schichtet, werden militärische Kontakte zu Seismographen geopolitischer Verschiebungen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit und die Stärkung jener regionalen Koalition Israels mit ausländischen Streitkräften, die sich – so die israelische Darstellung – während der Operation „Amkelavi“ (der erfolgreiche Luftschlag gegen iranische Atomeinrichtungen im Juni dieses Jahres) als belastbar erwiesen habe.

Dass diese Konsultationen ausgerechnet jetzt stattfinden, ist kein Zufall. Sie fallen in eine Phase wachsender türkischer Selbstbehauptung im östlichen Mittelmeerraum, die alte Konfliktlinien neu belebt und vermeintlich stabile Ordnungen infrage stellt. Die Türkei betrachtet Zypern seit Jahrzehnten nicht als souveränen Staat im vollen Sinne, sondern als geteiltes Territorium, dessen nördlicher Teil faktisch unter türkischem Schutz steht. Diese Haltung ist historisch tief verankert und wurde seit der Intervention von 1974 nie aufgegeben. Neu ist jedoch die Schärfe, mit der Ankara seine Ansprüche formuliert und militärisch unterfüttert. Parallel dazu mehren sich türkische Bestrebungen, den eigenen Einfluss auch südlich davon, bis in den Raum Gaza hinein, politisch wie symbolisch auszudehnen. Die türkische Außenpolitik verbindet dabei osmanische Erinnerung mit zeitgenössischem Machtkalkül.

Entstandene Lücken füllen

Für Israel ergibt sich daraus ein strategisches Dilemma. Jahrzehntelang konnte der jüdische Staat im östlichen Mittelmeer auf eine Mischung aus militärischer Überlegenheit, amerikanischer Rückendeckung und regionaler Zersplitterung setzen. Diese Voraussetzungen sind brüchiger geworden. Die Vereinigten Staaten ziehen sich schrittweise aus der Rolle des allgegenwärtigen Ordnungsmacht zurück, während regionale Akteure – allen voran die Türkei – bereit sind, entstandene Lücken zu füllen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Kooperationen mit Griechenland und Zypern eine neue Bedeutung. Beide Staaten teilen nicht nur sicherheitspolitische Interessen mit Israel, sondern auch eine gewisse Skepsis gegenüber der türkischen Politik. Gemeinsame Luftwaffenübungen, abgestimmte Einsatzdoktrinen und der Austausch von Aufklärungskapazitäten sind Ausdruck eines stillen Schulterschlusses, der nicht offiziell gegen Ankara gerichtet ist, faktisch aber eine Balance herstellen soll.

Historisch betrachtet ist diese Konstellation bemerkenswert. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Israel und Griechenland kaum mehr als diplomatische Bekannte, während Ankara als wichtiger regionaler Partner Jerusalems galt. Die Verschiebung dieser Achsen verweist auf die Fluidität von Allianzen im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeer. Sie zeigt zugleich, wie sehr sicherheitspolitische Entscheidungen von langfristigen historischen Erfahrungen geprägt bleiben – von ungelösten Territorialfragen, religiösen Narrativen und dem Gedächtnis vergangener Kriege.

Vorsichtige Neuaufstellung Israels

Generalmajor Bars Besuch kann daher als Teil einer vorsichtigen Neuaufstellung Israels gelesen werden. Nicht als Abkehr von bestehenden Bündnissen, sondern als Ergänzung, vielleicht auch als Absicherung. Israel sucht Anschluss an jene Staaten, die bereit sind, regionale Stabilität nicht nur zu beschwören, sondern militärisch mitzutragen. Die Lehren aus jüngsten Einsätzen haben gezeigt, dass Interoperabilität und politische Verlässlichkeit im Ernstfall entscheidender sein können als formale Verträge.

Ob diese Strategie ausreicht, um den wachsenden Ambitionen der Türkei zu begegnen, bleibt offen. Sicher ist nur, dass sich Israel nicht mehr darauf verlassen kann, dass alte Konflikte eingefroren bleiben. Zypern, Gaza und das östliche Mittelmeer sind keine getrennten Schauplätze, sondern Teile eines zusammenhängenden geopolitischen Raums. Wer hier handlungsfähig bleiben will, muss Geschichte mitdenken – und bereit sein, seine Position neu zu vermessen.


Dienstag, 4. November 2025

Als den Terroristen der Pager im Schritt explodierte - Operation Apollo...

von Thomas Heck...

War es Karma, war es Gott oder war es der Mossad? Der Hizbollah sind am 17. September 2024 alle Pager explodiert. 3.000 verletzte Terroristen, 39 starben. In Syrien wurden 19 Soldaten der iranischen Revolutionsgarden getötet, viele wurden verletzt. 

Es könnte aber auch eine geniale Geheimdienstoperation gewesen sein, bei der die Bestellung und Lieferung von Pagern abgefangen, die Pager manipuliert und unbemerkt an die Hizbollah ausgeliefert wurden.

Wie wir heute wissen war es eine brillante Operation des Mossad, der den Nahen Osten nachhaltig verändert hat. Und die Bilder wirken bis heute nach. Nie wieder wird ein Terrorist an sein Handy, seinen Pager und an sein Walkie Talkie gehen, ohne an diesen denkwürdigen Tag im September 2024 erinnert zu werden. Wie jagt man Terroristen Todesangst ein? Genau so...













Am ersten Tag waren Pager dran, am Tag 2, also am 18. September 2024 ging es mit anderen Geräten weiter: Smartphones, Walkie-Talkies, Autoradios, Funk-Scanner, Solar-Anlagen, Batterien und anderes Equipment wie z.B. elektonische Schlösser. Terroristen mussten sich warm anziehen. Es war Zeit für Vergeltung. Am Ende konnte vielen nicht mal mehr popeln.









Eine Doku in der ZDF-Mediathek beschreibt die Vorgänge und die Vorgeschichte für Verhältnisse des antisemitischen öffentlich-rechtlichen Dreckssenders ZDF ziemlich neutral und ungewöhnlich gut. Es lohnt sich, da mal reinzuschauen. Sie finden alle drei Teile hier verlinkt.


Operation Apollo Teil 1

Operation Apollo Teil 2

Operation Apollo Teil 3


Dienstag, 26. August 2025

Angriff auf den Iran - Eine famose Operation

Der israelische Angriff auf den Iran gehört schon jetzt zu den Annalen der Nahost-Geschichte. Bei allem Erfolg hat sich eine Hoffnung der Israelis noch nicht erfüllt.

von Daniel Frick

Israelische F15-Kampfjets fliegen über dem Iran



In der Nacht zum 13. Juni begann die israelische Luftwaffe den bislang wagemutigsten Einsatz in ihrer Geschichte. Mehr als 200 Kampfflugzeuge flogen die mehr als 1.500 Kilometer in den Iran, um dort die Atomanlagen des Mullah-­Regimes zu zerstören. Ein Schlag, den viele Militär­experten für unmöglich gehalten hatten.

Die vierstündige Offensive war der Auftakt zu einer Operation, die zwölf Tage, bis zum 24. Juni, andauern sollte. Das Resultat: Das Atomprogramm des Iran wurde durch die Zerstörung oder Beschädigung der Anlagen und die Tötung mehrerer Atomwissenschaftler um Jahre zurückgeworfen. Israel schaltete zudem Führungsfiguren des iranischen Militärs aus, darunter den Armeechef und den Chef der Revolutionsgarde, und dezimierte die Luftabwehr des Landes. Der jüdische Staat hat damit seine Abschreckung erhöht, der Iran steht gedemütigt da.

Nach Auffassung der Regierung in Jerusalem hätte der Iran binnen eines Jahres über eine Atombombe verfügt. Besonders nach dem Zusammenbruch der iranischen Achse habe die Revolutionsgarde den Bau vorangetrieben, äußerte der israelische Premier Benjamin Netanjahu Mitte Juli im amerikanischen Fernsehen. Hinzu kommt der Ausbau des Raketenprogramms, mit dem der Iran nicht nur Israel, sondern auch Europa bedrohen kann.

Biblische Ausmaße

Bei historischen Ereignissen ist schnell die Rede von „biblischen Ausmaßen“ – selten ist so eine Zuschreibung passender als hier. Schon der Name der Operation, „Volk wie ein Löwe“, ist aus der Bibel abgeleitet. Der Seher Bileam sagte demnach über die Israeliten: „Siehe, das Volk wird aufstehen wie ein junger Löwe und wird sich erheben wie ein Löwe; es wird sich nicht legen, bis es den Raub verzehrt und das Blut der Erschlagenen trinkt“ (4. Mose 23,24).

Inspiration aus der Bibel schöpfte auch ein israelischer Kampfpilot. Nach seinem Einsatz schilderte er, was er während des zweistündigen Fluges in den Iran gedacht habe. Er sagte, zwischen den anfallenden Routineaufgaben habe er immerzu an die persische Königin Ester gedacht. Laut biblischer Überlieferung nahm sie das Todeswagnis auf sich, ungerufen beim König vorzusprechen, um ihre jüdischen Volksgenossen vor der Vernichtung zu bewahren.

Ihr Onkel Mordechai hatte ihr zuvor gesagt: „Wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“ (Ester 4,14).

Der Pilot erklärte, die Worte Mordechais hätten ihm Mut gegeben. Ihm sei klar geworden: „Ich fliege nicht für mich selbst, sondern durch die Kraft und im Namen meiner Familie, meiner Gemeinschaft, meines Volkes, und für Generationen, die sich nach diesen Augenblicken gesehnt haben, in denen das Buch Ester in unseren Tagen neu geschrieben wird. Ein nationaler, historischer Moment von biblischen Ausmaßen.“

Logistischer Aufwand

Von ebensolchen Ausmaßen waren auch die Vorbereitungen darauf. Bereits im Jahr 2008 übte die Luftwaffe unter dem Namen „Glorreicher Spartaner“ zusammen mit ihrem griechischen Gegenstück die Betankung von Flugzeugen, und seither immer wieder. Israel selbst ist zu klein, um dort so eine Übung durchzuführen.

In den Monaten vor der Operation musste Israel die Tüchtigkeit der Luftwaffe sicherstellen. Es kam zu unangekündigten Inspektionen. Für die bereits alternde Flotte von F-15- und F-16-Kampfjets mussten Ersatzteile her, die längst nicht mehr hergestellt werden. Zum Teil fragten die Israelis bei befreundeten Ländern mit falschen Begründungen um Lieferungen an, teilweise kam der 3D-Drucker zum Einsatz.

Die USA waren besonders hilfreich, wie Armeevertreter im Rückblick betonten. Die Luftwaffe erhielt binnen eines Jahres Munition aus Amerika in einer Menge, die üblicherweise über ein Jahrzehnt zur Verfügung gestellt wird. „Im Grunde führten wir zwei Fünf-Jahres-Pläne zur Aufrüstung in weniger als einem Jahr aus“, sagten israelische Militärs. Der Chef der amerikanischen Streitkräfte, Dan Caine, war dabei so kooperativ, dass es selbst die Israelis überraschte. US-Präsident Donald Trump hatte den 56-Jährigen im Februar aus dem Ruhestand geholt. Auch der Befehlshaber des amerikanischen Nahost-­Kommandos (CENTCOM), Michael Kurilla, hat nach Angaben der Israelis erhebliche Beiträge zu der operativen Zusammenarbeit geleistet.

Präziser Schlag: In der Nacht zum 13. Juni griff die Luftwaffe Ziele im Iran an – darunter hochrangige Militärs und Atomwissenschaftler



Listiges Vorgehen

Neben diesen Vorbereitungen bedienten sich Israel und die USA einer Reihe von Täuschungsmanövern, um die iranische Führung vom bevorstehenden Angriff abzulenken. Die finale Entscheidung traf Netanjahu Berichten zufolge am 9. Juni, dem Montag vor dem Angriff in der Nacht zum Freitag. Er ließ zunächst die Öffentlichkeit wissen, dass er für das kommende Wochenende freinehmen werde, da am Montag die Hochzeit seines Sohnes Avner anstehe. Auch in der Familie wusste niemand, dass Netanjahu die Absage der Hochzeit plante.

Tags darauf ließ die US-Regierung die Welt wissen, dass Trump Netanjahu in einem Telefonat angewiesen habe, kein Wort mehr über einen Angriff auf den Iran zu verlieren. Die Iraner sollten glauben, dass Uneinigkeit zwischen Netanjahu und Trump bestehe. Hinzu kommt, dass für das Wochenende die sechste Verhandlungsrunde zum Atomprogramm in Rom vorgesehen war. Noch wenige Stunden vor dem Eröffnungsschlag verkündete Trump, an einer diplomatischen Lösung interessiert zu sein.

Die List war erfolgreich: Das Regime in Teheran rechnete nicht mit einem Angriff. Hochrangige Militärs schliefen in ihren Wohnungen und wurden damit ein leichtes Ziel für die Angriffe. Israel nutzte sein bereits seit den 1990er Jahren errichtetes Spionage- und Infiltrationsnetzwerk. Damit war es dem Auslandsgeheimdienst Mossad gelungen, im Iran eine geheime Drohnenbasis aufzubauen, die am 13. Juni aktiviert wurde und die Luftabwehr des Landes entscheidend beeinträchtigte.

Die Operation lief in der Folge besser als gedacht: Entgegen der Befürchtungen verlor Israel keinen einzigen Piloten. In Israel starben ein Soldat außer Dienst und 29 Zivilisten, darunter vier Mitglieder einer ukrainischen Familie; Sicherheitskreise hatten mit bis zu 1.400 Todesopfern gerechnet. Neben den USA halfen Frankreich, Großbritannien, Jordanien und – inoffiziell – Saudi-Arabien bei der Abwehr der nach offiziellen Angaben 550 Raketen und mehr als tausend Drohnen, die der Iran bei Gegenschlägen, meist des Nachts, in Richtung Israel feuerte. Für die Israelis bedeutete dies psychische Belastung und Schlafmangel.

Foto: Bei iranischen Gegenschlägen kamen in Israel 30 Menschen ums Leben – das Bild zeigt die Verwüstung nach einem Einschlag in einem Wohnhaus in Bat Jam



Atomprogramm zurückgeworfen

Über die Resultate der Operation gab es zunächst unterschiedliche Bewertungen. Mit der Zeit kristallisierte sich jedoch heraus, dass die nuklearen Anreicherungs- und Verwertungsanlagen erhebliche Schäden davongetragen haben. So sei die Anreicherungsanlage Natanz vollkommen zerstört, die Anlage in Fordo stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Schäden in Fordo waren indes nur durch den Einsatz der USA möglich. Bei der „Operation Mitternachtshammer“ flogen am 22. Juni sieben B-2-Bomber von den USA in Richtung Iran und setzten dort 14 bunkerbrechende Bomben gegen die unterirdische Anlage ein, zudem beteiligte sich ein US-U-Boot vor der Küste des Irans an den Angriffen.

Die USA zerstörten auch eine Anlage in Isfahan, die zur weiteren Produktionskette gehört. Die Umwandlung von angereichertem Uran in Metall zählt zu den Schlüsselschritten beim Bau einer Bombe. Der Leiter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, bestätigte die Zerstörung in einer Anhörung im Senat am 26. Juni.

Die Beteiligung der USA an der Operation gegen den Iran dürfte indes nicht völlig uneigennützig sein. Die zur Schau gestellte Entschiedenheit der USA hat vermutlich auch Eindruck auf China gemacht. Die USA sehen China als politischen, wirtschaftlichen und militärischen Hauptrivalen.

Unvollendete Operation

Eine von Israel gewünschte Entwicklung ist bislang jedoch ausgeblieben: Der Sturz des Regimes. Mitunter beteuerte die Regierung zwar, dass dies nicht ihr Ziel gewesen sei. Doch der persische Social-­Media-Kanal des Außenministeriums war unmissverständlich: Am 17. Juni postete das Team eine iranische Flagge, auf der der goldene Löwe – das traditionelle ­iranische Nationalemblem – das Emblem des islamistischen Regimes zertritt. „Die Erhebung der Löwen für den Triumph des Lichtes über die Finsternis“, hieß es dazu – womit auch klar ist, dass der Name „Volk wie ein Löwe“ nicht nur die Israelis, sondern auch die Iraner meinen soll.

Seit der islamistischen Revolution von 1979 – zu deren 40. Jahrestag im Jahr 2019 übrigens Bundespräsident Frank-­Walter Steinmeier dem Regime herzlich ­gratulierte – droht der Iran mit der Vernichtung Israels, des „kleinen Satans“ neben den USA, dem „großen Satan“. Dieser Umstand hatte die Völkerrechtsexperten, die die Legitimität des israelischen Angriffs lautstark in Frage stellten, zuvor nicht auf den Plan gerufen.

Fest steht: Solange das Regime besteht, wird es weiter gegen den jüdischen Staat agieren. Doch vorerst darf sich Israel die Hoffnung machen, dass der Iran weiter an Einfluss verliert. Länder wie der Libanon und Syrien könnten die Lage nutzen, die Bande zum Iran zu kappen. Beide Seiten haben bereits Andeutungen gemacht, offen für einen Frieden mit Israel zu sein. Auch wenn bei Syrien noch Skepsis angebracht ist: Durch einen geschwächten Iran ist die Gelegenheit größer denn je.


Sonntag, 22. Juni 2025

US-Luftschlag Iran – Erste Auswertung

B-2 Bomber am Boden

Protokollarische erste Auswertung des Luftschlages der USA gegen die Atomanlagen des Iran. Alle Angaben nach jetzigem Stand.
Aufgrund der Brisanz ohne Bezahlschranke.

In der vergangenen Nacht haben die USA einen Luftschlag gegen die Atomanlagen des Iran durchgeführt.

Beteiligt waren u.a. sechs B-2 Bomber, die von der Whiteman Air Force Base in Missouri ohne Stopp gekommen sind.

Acht B-2 auf der Startbahn der Whitman Base.

Insgesamt wurden 12 Bunkerbrecher GBU-57 auf die Anreicherungsanlage Fordo abgeworfen. Zwei weitere auf die Atomanlage Natanz.
Diese Bunkerbrecher sind die größten der Welt. Zum Vergleich: Die größten im Gazakrieg eingesetzten Bomben hatten 2000 Pfund, die GBU-57 hat 30.000 Pfund. (Amerikanische Pfund)

GBU-57 beim Verladen.

Es wurden 30 Tomahawk Marschflugkörper auf die Anlagen Natanz und Isfahan gefeuert.
Abgefeuert wurden sie von der USS Georgia der Ohio Klasse. Dieses Atom-U-Boot ist, wie das Schwesterschiff Ohio, umgerüstet (SSBN auf SSGN) und kann 154 dieser Marschflugkörper tragen. Und sie abfeuern, ohne aufzutauchen.
Diese nuklearfähigen!Tomahawk haben eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern.

USS Georgia

Shaping

In einem Posting auf der Facebook Fanpage und auf X hatte ich kurz angerissen, dass die NATO-Streitkräfte (und damit auch Israel) das so genannte „Shaping“ lieben.
Das bedeutet, vor einem großen Angriff die Rahmenbedingungen zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. „In Form bringen“.

Beispielsweise, indem man Flugabwehr ausschaltet, vorher bereits durch Pioniere Brücken legen lässt, Bereiche vermint, und so weiter.

Daher habe ich nicht damit gerechnet, dass die USA einfach so mal einen großen Angriff fliegen werden. Sondern dass an einzelnen Angriffen vorher abzulesen sein wird, was geplant ist.

In der Nacht vor dem Schlag der USA hat die Israelische Luftwaffe einen großen Angriff geflogen. An diesem Angriff waren 50 Flugzeuge mit etwa 150 Bomben beteiligt. Das ist wirklich massiv.

Nach den jetzt vorliegenden Informationen gehe ich davon aus, dass dieser Angriff mit den USA nicht nur abgestimmt, sondern geplant war. Das war bereits das „Shaping“!
Inzwischen ist bestätigt, dass mindestens die umliegende Flugabwehr der Anlagen Isfahan und Natanz komplett ausgeschaltet wurde.
Dies alles wurde jedoch nicht offiziell öffentlich kommuniziert.

Nuklearforschungszentrum Isfahan

Die überirdische Anlage Isfahan, die zur Gewinnung von Uranium und der Weiterverarbeitung dient, wurde bereits durch mehrere Luftschläge Israels weitestgehend zerstört.
In einem ersten Luftschlag wurden wenige Punktziele getroffen.

Satellitenbild Isfahan, zwei Gebäude wurden sehr genau zerstört.

In dem zweiten, erwähnten Luftschlag in der Nacht vor dem US-Schlag wurde der Großteil der Anlage schlicht entkernt.

Sattelitenbild nach dem zweiten Luftschlag

Anreicherungsanlage Natanz

Die Anreicherungsanlage Natanz wurde bereits im oberirdischen Bereich durch mehrfache Luftschläge stark zerstört.

Sattelitenbild Wirkungsbild Natanz

Bei dem US-Luftschlag wurden auch zwei Bunkerbrecher auf den dazugehörigen Bunker gezielt.
Dieser deutlich geringere Einsatz im Verglich zu Fordo lässt darauf schließen, dass Israel und die USA hier sehr genau wussten, was wo ist und wie man es zerstört.

Sattelitenbild, dass die ganze Anlage und die Bunkereingänge zeigt.

Wirkungsbilder liegen mir derzeit nicht vor.

Anreicherungsanlage Fordo

Der mit Abstand stärkste Angriff ging auf Fordo.

Die stark gebunkerte unterirdische Anlage Fordo wurde laut den USA vollständig zerstört. Der Iran hat sehr früh bekannt gegeben, es seien nur die Eingänge beschädigt.

Beschriftetes Sattelitenbild der Anlage nach dem Luftschlag

Inzwischen veröffentlichte Satellitenbilder lassen jedoch eine Penetration annehmen, wodurch die Eingänge dann von innen heraus verschüttet worden sein könnten. Einschläge an den Eingängen sind nicht zu erkennen.

Aufgrund der veröffentlichten Bilder gehe ich davon aus, dass die Anlage Fordo zerstört ist. Nachhaltig.

Bunkerung

Es wird immer wieder debattiert, dass die GBU-57 diese Tiefe der Bunkerung nicht durchbrechen können. Die Angaben gehen von 60 bis 80 Metern.
Dabei wird ignoriert, dass nicht zwangsläufig das dickste Gestein durchschlagen werden muss. Die Angaben beziehen sich natürlich immer auf den tiefsten Punkt.

Querschnitt durch einen Berg mit einer Bunkeranlage.

Ein Bunkerbrecher entfaltet seine Wirkung erst im Inneren.
Daher sind von außen zumeist keine größeren Schäden zu erkennen.
Auch ausgewertete Videos von Bunkerbrechern auf Tunnel im Gazastreifen zeigen, dass zwar zunächst eine hohe Staubwolge entsteht. Da Erdreich aufgeworfen wird. Die eigentliche Wuchtwirkung jedoch unter der Erde passiert und an der Oberfläche nur wenige Schäden hinterlässt.
Siehe die Eliminierung von Mohammed Deif.

Zu der unterirdischen Wirkung gehört die Druckwelle, der rasante Verbrauch von Sauerstoff sowie das mögliche Freisetzen von Verbrennungsgasen. Eventuell kommen sog. Secondary Explosions hinzu.
Die Leiche von Mohammed Sinwar, dem Burder von Yahya Sinwar, war erst nach Tagen unter dem Europäischen Krankenhaus im Gazastreifen entdeckt worden, er war mit einem Kommandeur im ansonsten unbeschädigten Raum elendig erstickt.

Screenshot des Bunkerraumes

Die Anti-Schiffs-Rakete Kormoran des Tornados der Marineflieger (also meiner alten Bande) war so ausgelegt, dass sie sich im Niedrigstflug (unter 10m über der Wasseroberfläche) dem Ziel nähert, dann aufsteigt und von oben senkrecht auf das Ziel stößt.
Das Schiff sollte aber nicht versenkt werden. Erst im Inneren des Schiffs kam es zur eigentlichen Detonation, welche die Schotts (Türen) aufbricht und zu Secondary Explosions führt. Liegen geblieben ist ein ausgehöhlter Schiffsrumpf. Das bindet wiederum Kapazitäten des Feindes, der diese Reste abschleppen und Reparieren wird.
Über ein einfaches „Booom“ ist man lange hinaus.

Um die Beschädigung der Anlage beurteilen zu können, muss man also wissen, wo sie im Inneren penetriert wurde. Zudem haben die USA nach den Luftbildern jeweils drei der Bunkerbrecher auf eine Stelle gesetzt. Diese können dann, mit minimaler Verzögerung einschlagend, natürlich tiefer penetrieren.

Aufgrund dieser Komplexität traue ich niemandem außerhalb des beteiligten Militärs zu, definitive Aussagen dazu machen zu können! Und die wenigsten werden es seriös einordnen können.

Unter ferner liefen

Des Weiteren wurden in den vergangenen Tagen Nuklearanlagen beschädigt oder zerstört:

  • Schwerwasserreaktor Arak

  • Parchin Militärkomplex

  • Firma zur Herstellung von Zentrifugen zur Anreicherung TESA in Karaj

  • Nukleares Forschungszentrum TNRC in Teheran

  • Gebäudekomplex der Revolutionsgarden zur Nuklearforschung an der Imam Hossein University in Teheran

  • Komplex der Shahid Meisami Group in Karaj, die an dem iranischen Programm für chemische Waffen beteiligt war

  • Unternehmen für die Herstellung von Kohlefaser, welche sowohl für Raketen als auch für Zentrifugen zur Anreicherung benötigt wird, Industriepark Sefidrud

Sattelitenbild Sefirud

Andere militärische Anlagen und Ziele aus dem Bereich der Öl-Industrie würden hier weit den Rahmen sprengen.

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Randnotiz

Im Zuge der Angriffe wurde in der Nacht zum 21. Juni auch Saeed Izadi eliminiert.
Im Iran, nicht im Gazastreifen.

Er war Kommandeur der Quds-Brigaden der Hamas, und vermutlich die wichtigste Kontaktperson zwischen Hamas und dem iranischen Regime.
Er war laut Mossad elementar an der Planung, Finanzierung und Vorbereitung des 10/7 beteiligt.

Saeed Izadi

Einschätzung

Alles hängt nun davon ab, wie der Iran reagiert.
Eine erste Reaktion wird der große Raketenangriff auf Israel heute Morgen gewesen sein. Das war jedoch militärisch eher ein spontanes Zurückschießen. Auch der Iran kennt die Ziele, kann schnell den Befehl geben und auf den Auslöser drücken.
Bisher liegen mir keinerlei Meldungen vor, dass irgendwelche militärischen Ziele in Israel getroffen worden wären.

Iranischer Treffer in Israel, ein ziviler Gebäudekompex ist einseitig abgerissen.

Die Auswirkungen für den Iran werden verheerend sein.
Das ändert aber zunächst nichts daran, dass er nach wie vor Raketen hat und gefährlich ist.
Viele erwarten zu schnell Ergebnisse, ähnlich wie bei Sanktionen gegen Russland. Im Iran leben etwas mehr Menschen als in Deutschland, auf einer Fläche größer als Deutschland, Frankreich, Österreich und die Beneluxländer zusammen.

Die größte Gefahr geht nun von Gegenangriffen aus.
Das der Iran Israel aber immer schwerer erreichen kann, und dabei im Schnitt wirkungsloser wird, könnte er sich andere Ziele suchen. Er hat den USA und anderen (auch Deutschland) bereits gedroht, dass nun alle Einrichtungen der USA und der „Verbündeten“ legitime Ziele seien.

Um den Persischen Golf liegen viele Staaten, die mit den USA verbündet sind, oder diese zumindest dulden. Darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuweit. Der Irak erträgt eher als, er duldet.

Beschriftetes Satellitenbild der Region

Die USA haben die Welt in Zuständigkeitsbereiche unterteilt. Für den Bereich des Nahen Ostens, von Gaza über den Jemen bis zum Iran, ist das CENTCOM in Florida zuständig. Und die unterhalten einen vorgeschobenen Posten in Katar, quasi gegenüber des Irans.
Der Stützpunkt Al Udeid wurde aber bereits evakuiert. Ebenso wie viele Liegenschaften und Botschaften in der Region. Die Abwehr der Botschaft im Irak wurde inzwischen sogar durch irakische Truppen verstärkt.
Der Iran wird wenige Ziele finden, die er wirkungsvoll angreifen kann.

Luftbild des Strützpunktes Al Udeid.

Der große Konflikt, der hinter allem steht, ist zwischen dem weltlich regierten Saudi-Arabien des Hauses Saud und der Theokratie der Mullahs im Iran. Hamas, Hisbollah und der lupenreine Stellvertreterkrieg im Jemen sind auf diesen schwelenden Grundkonflikt zurückzuführen.
Der Iran wäre aber restlos bekloppt, Saudi-Arabien anzugreifen. Das über eine der modernsten Streitkräfte der Welt verfügt und von allen irgendwie ständig vergessen wird.
Das wird in der Denke der Mullahs nicht stattfinden.

Eine größere Gefahr wäre daher, dass der Iran die Straße von Hormus angreift, sperrt oder zivile Schiffe bekämpft.
Das wäre ein suizidales Unternehmen für die iranische Marine, die keinerlei Chance hat, so etwas zu überleben.
Der Iran hat vor allem auf den Krieg mit Israel gesetzt, die iranische Marine ist lachhaft. Als Flaggschiff dient die Shahid Bahman Bagheri, die gerade fertiggestellt wurde. Das ist ein umgebautes altes Containerschiff, das nun als Träger für Drohnen und Helikopter dient.

Luftbild des umgebauten Tankers

Es wäre sicher kein Problem für die Mullahs, die halbe Marine über die Klinge springen zu lassen.
Ein viel größeres Problem ist, dass etwa ein Drittel des weltweiten Öl-Handels durch die Straße von Hormus gehen. Und davon wiederum ein Großteil durch China. Und die sind Kunden des Irans, nicht des Westens des Golfes. Die würden sich schön bedanken.

Grundsätzlich lehnt China aber eine militärische Einmischung ab.
Populistisch wird China gerne als Machtfaktor kommuniziert. Die chinesische Mentalität und vor allem das unausgesprochene Versprechen der kommunistischen Partei ist aber das auf Wohlstand. Alles, was das gefährdet, ist nicht in Chinas Interesse.
China lässt auch Russland am ausgestreckten Arm verhungern, und genauso wird es das mit dem Iran tun.

Zudem führt die asiatische Öl-Route aus dem persischen Golf an Indien vorbei. Und Indien ist nicht nur eine Atommacht mit 1,4 Milliarden Einwohnern, inzwischen vermutlich mehr als China, sondern auch eher mit Israel dicke.

Screenshot Ansprache von Präsident Trump heute morgen

Deshalb gehe ich in der nahen Zukunft von verstärkten iranischen Angriffen auf Israel aus. Im Rahmen der verbleibenden Möglichkeiten. Vielleicht finden einige Angriffe auf US-Einrichtungen statt. Die im Einzelnen sicher für Schlagzeilen sorgen würden, aber im großen Ganzen irrelevant sein werden.
Für die USA wird die Grenze überschritten, wenn es beispielsweise Angriffe auf die ölfördernden Verbündeten wie Katar, Kuweit oder die Vereinigten Arabischen Emirate sieht.

Viele würden das sicher öffentlich als Ausdruck der Stärke kommunizieren.
Setzt man sich mit diesen Zusammenhängen etwas auseinander, erkennt man ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Der Iran hat keine Möglichkeit Israel existenziell zu gefährden, die USA relevant anzugreifen oder sich gegen die Angriffe zur Wehr zu setzen.

Dem überlebensnotwenigen Kindskopf in mir sei zu verzeihen, dass ich hier mein Meme aus den heutigen frühen Morgenstunden zitieren muss.

Bild
Erschienen auf steadyhq