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Üblicherweise lehne ich Kooperationen mit größeren Medien inzwischen ab: Interviews, Stellungnahmen, Podcast. In meinen Augen ist das ein Verkauf der Integrität für die geringe Chance Fame abzugreifen. Die nur den Medien nutzt. | |||
Ich wurde aber schon Ende des vergangenen Jahres von Daniel Schubert vom Ox Fanzine angefragt. Der auch echt ehrlich interessiert war. Und nicht nur aus meiner geografischen Ecke, sondern auch aus meinem sozialem Hintergrund kommt. | |||
Ich habe die Erlaubnis, es nun auch zu veröffentlichen. | |||
Daniel hat auch kein Frage-Antwort-Spiel daraus gemacht, sondern erzählt. Was ich sehr passend fand und hohes Niveau im Medienzirkus ist. | |||
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Perspektiven eines Ex-Nachrichtendienstlers - JOEY HOFFMANN | |||
Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Gezielte Desinformation und einseitige Berichterstattung gehören zum Handwerk kriegerischer Konflikte. Mit dem Krieg in der Ukraine und in Gaza ist diese bislang als Binsenweisheit wahrgenommene Floskel für mich als Mitteleuropäer mehr in meinen alltäglichen Erfahrungsraum gehuscht, sowohl was die geografische als auch die politische Nähe angeht. Und verfolgt man die Punk-relevanten Medien, tun sich auch hier Lager, Echokammern und Grabenkämpfe auf. Waffen für die Ukraine? Auf wessen Seite stehst du im Gaza-Konflikt? Insbesondere beim Thema Israel werden auch im Punkrock die Gräben tiefer und die Einstellungen verbitterter. | |||
Ich versuche, mich vielseitig zu informieren, den Überblick zu behalten. Mache den Spagat von Jungle World und taz bis zur FAZ und NZZ, um doch immer wieder festzustellen, dass neben Brauchbarem auf allen Seiten viel Meinungsmache statt Berichterstattung mitschwingt, Analysen sich inhaltlich ähneln, oft Schnellschüsse sind und später widerlegt werden. Über mehrere Kanäle werde ich dann aufmerksam auf Joey Hoffmann und seine Plattform „U.M.“ (Ungesunder Menschenverstand). Ein politisch links stehender Ex-Soldat, Blogger mit militärischem Sachverstand. Ein Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und gleichzeitig ein konstruktiver Kritiker desselben. Der aussieht, als ob für ihn die DROPKICK MURPHYS und MOTÖRHEAD nicht fremd sind. Seine politischen Analysen beziehen sich rein auf militärisches Fachwissen. Eine journalistische Informationsquelle, die ich vorher erstens nicht auf dem Schirm und der gegenüber ich zweitens gewisse Berührungsängste hatte. Aber eine, die einen zusätzlichen Blickwinkel und damit einen Mehrwert in meine Nachrichtenroutine bringt. | |||
Ich sprach mit Joey unter anderem über die Emotionalisierung von Nachrichten, das Problem des Agenturjournalismus und unsere eigene Verantwortung als Nachrichtenkonsument:innen. | |||
Der Weg zum Nachrichtendienst | |||
Wie er zur Bundeswehr kam, will ich wissen. Es war die damals noch geltende Wehrpflicht. Joey wird schlicht eigezogen, eine Woche später kommt die Musterung, keinen Monat später steht er im Trainingsanzug in der Kaserne. Die Grundausbildung macht er in einer Einheit nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Dort absolviert er die Grundausbildung. Anschließend lernt Joey Richtschütze auf dem Leopard II. Die Panzer, die inzwischen an die Ukraine gegeben wurden. Die Ausbilder dort kommen noch aus dem Kalten Krieg. „Das war schon eine harte Truppe. Im Krieg wäre die Einheit eine der ersten gewesen“, erinnert er sich. | |||
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Aus meinem Archiv: Ich mit meiner ersten Schultüte. 1992 | |||
Luftbildauswerteanlagen, Leuchttische, Monitore, Fotos von russischen Schiffen und Häfen. Sein Ausbilder steht vor einer meterhohen Karte der Ostsee und erklärt, dass eine seiner Aufgaben als Mannschafter sein würde, mehrmals am Tag die Schiffspositionen zu plotten. Joey fragt, ob die jetzt da wirklich auch die russischen Schiffe plotten würden. Als Antwort zeigt der Ausbilder lapidar auf ein Zeichen, das beispielsweise eine russische Fregatte wäre, die gerade zurückfährt. Und ein anderes Symbol ein polnisches Schnellboot, das Patrouille läuft. Da packt es Joey. Das ist hier nicht zur Übung. Völlig klar ist das spätestens bei der Überprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst MAD. | |||
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Aus meinem Archiv: Der Bereich der ersten Staffel des MFG 2, der Bunker (Mitte links) unsere LKW (Mitte rechts) und man kann erahnen, dass wir zum Rauchen oder Grillen vor der Tür standen. | |||
Die Laufbahn | |||
Fachlicher Teil an der Offiziersschule der Luftwaffe in Bayern, Sprachenschule in Bremerhaven, Unteroffiziersschule bei Kiel. Später auch in anderen Einheiten, bei der NATO in Belgien. Er besucht Lehrgänge, hält Unterricht, brieft Crews. | |||
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Aus meinem Archiv: Pressebild meines damaligen Gruppenleiters an einer Luftbildauswerteanlage im Bunker. | |||
Joey ist irritiert über meine Frage, ob er je so etwas wie einen „inneren Konflikt“ verspürt habe durch die unterschiedlichen Lebenswelten im Privaten und Beruflichen. Wir beide sind ähnlich alt und ich erinnere mich daran, dass es in meinem Umfeld bei vielen geradezu verpönt war, zum Bund zu gehen. Bei ihm sei das nicht so gewesen. Wirklich politisiert war keiner, da sei er eher die Ausnahme gewesen. Joey ist heute noch passives Parteimitglied bei den Grünen. Wer von seinen Kumpels verweigert hat, habe das schlicht aus Faulheit getan, um einen lauen Job um die Ecke zu bekommen: „Ich vermute, diese Ablehnung gab es mehr in Akademikerkreisen als bei Schweißern und Malern“, resümiert er. | |||
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Autoritäten | |||
Ich hake nach, dass viele, die sich politisch links orientieren, oft einen gewissen Antiautoritarismus verinnerlicht haben, so dass ihnen zum Beispiel der nötige Gehorsam in der Armee widerstrebt. Joey entgegnet, Antiautoritarismus sei, wie endgültiger Pazifismus, eine Illusion, die vielleicht jungen Menschen sexy erscheine, die rebellieren müssen. Die Lebensrealität grätsche da aber schnell rein. Es gebe ja nicht nur dienstliche Autoritäten, wie Lehrer, Polizisten oder „den Staat“, sondern auch fachliche Autoritäten, wie Trainer im Sportverein, die Professorin oder den Vorarbeiter. Und persönliche Autoritäten wie die Oma, die einfach weise ist. Antiautoritarismus sei selektiv, weil wir bestimmte Autoritäten akzeptieren und lernen, dass es ohne irgendwie auch nicht geht. Keiner versuche zum Beispiel, die Autorität seiner Zahnärztin zu hinterfragen, wenn sie die Spritze in der Hand hat. Der Mensch sei ein Rudeltier. Und Rudeltiere organisieren sich hierarchisch. | |||
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Aus meinem Archiv: Ja, wir hatten schon Laptops. | |||
Politisch links hat für Joey immer bedeutet, Autoritäten zu hinterfragen. Dass Adel oder Diktatoren nicht machen können, was sie wollen, und dass Macht diversifiziert wird. Nicht sie grundsätzlich abzulehnen. „Wenn mein Football-Trainer vom Platz gegangen ist, war er Müllmann. Man hat nicht gelernt, seine Autorität auf dem Platz zu hinterfragen, sondern in Müllmännern mehr zu sehen als nur Müllmänner.“ | |||
Die Motivation | |||
In die Rolle als MilBlogger ist Joey reingerutscht. Das Militär war eigentlich längst abgehakt. Aufgrund eines Unfalls erlitt er zwei Schlaganfälle. Während der Genesung fängt er zuerst an, über E-Zigaretten zu bloggen, wird Fachjournalist. Nicht als Influencer, sondern im Bereich „Medien, Wissenschaft, Politik“. Er gibt auch großen Medien Interviews oder berät sie für Beiträge. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine fängt Joey ad hoc an, Leuten auf der Facebook-Fanpage zu erklären, was sie da im Fernsehen sehen und wie Krieg funktioniert. Die Ängste der Leute sind groß, viele denken, der Dritte Weltkrieg stehe vor der Türe. „Ich konnte wohl viele beruhigen und habe bis heute ständig dieses Feedback. Krieg ist in unserer Gesellschaft ja nicht nur etwas Fremdes geworden, es ist etwas quasi Undenkbares. Militär ist etwas Unheimliches, Soldaten gelten als dumme, obrigkeitshörige Roboter“, beschreibt Joey die Situation. | |||
Der Preis für Sicherheit und Wohlstand | |||
Der polarisierende Begriff „Friedensverwahrlosung“ erinnert mich an den Begriff Wohlstandverwahrlosung. Das klingt für mich nach einer Mitschuld von uns allen. Ob das der Preis der Sicherheit und des Wohlstands ist, will ich wissen. | |||
Wir seien unfähig geworden, Gefahren zu erkennen oder erkennen zu wollen. Hätten der Selbstverteidigung abgeschworen. Das bräche nun in sich zusammen. Die USA seien nicht mehr bereit, die Verantwortung für andere zu tragen. Europäische Politiker hätten es längst erkannt, wüssten aber noch nicht, wie sie es ihren Wählerinnen und Wählern schonend beibringen sollen. | |||
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Warum Blogger? | |||
Ob das einfach sein Ding ist oder Redaktionen zu viele Berührungsängste mit dem Fachgebiet Krieg haben, will ich wissen. Es habe nie den Gedanken gegeben, Journalist in einer Redaktion zu werden. Und heute würde Joey es auch nicht mehr wollen, weil er durch seine Arbeit täglich sehe, wie unsachgemäß Medien berichten würden. Dabei geht es ihm nicht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder „böse“ Journalisten, die zu einer Seite tendieren, sondern um Agenturmedien, Nachrichtenmedien und die Mechanismen, nach denen sie funktionieren. | |||
Die Quellen der MilBlogger | |||
Geheime Quellen seien eine Legende, James Bond und Jason Bourne Quatsch, stellt Joey klar. Was Nachrichtendienste zu weit über 90% machen, sei Informationsverarbeitung aus offenen Quellen. Der Begriff dafür ist OSINT, Open Source Intelligence. „Wir hätten in den 1990ern davon geträumt, dass es offen zugängliche Satellitenbilder von der ganzen Welt gibt. Mit Straßennamen und geografischen Daten.“ | |||
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Analyse von OSINT-Quellen | |||
Nach einem Beispiel für seine Quellenarbeit gefragt, nennt Joey den Luftschlag gegen das Al-Ahli-Krankenhaus im Oktober 2023 am Anfang des Gaza-Kriegs. Da wurde von der Hamas gemeldet, Israel hätte das Krankenhaus „bombardiert“ und fast 500 Menschen getötet. Diese Meldung haben Medien weltweit übernommen. Joey erscheint das absurd: | |||
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Aus meinem Archiv: Teil der Auswertung des angeblichen Luftschlages gegen das Al Ahli Krankenhaus. | |||
Schon morgens seien Pressefotos auf Stock-Plattformen angeboten worden, sogenannte „Wirkungsbilder“. Die Bilder hätten aber nicht nur gezeigt, dass die „Bombe“ eine kleine Rakete war, die auf einem Parkplatz runtergekommen ist, sondern dass sie nicht einmal einen Krater hinterlassen hat und nur ein paar Fenster der Gebäude eingedrückt waren. Selbst ein Krankenwagen 30 Meter weiter sei unbeschädigt gewesen. Joey hat sich diese Satellitenbilder angeschaut und das Ganze vermessen. | |||
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Die später von den Israel Defense Forces/IDF veröffentlichten Infrarotbilder hätten dann auch gezeigt, dass sich vorm Einschlag kaum jemand dort aufgehalten hat. Vermutlich weil das der Hintereingang war, ein Mitarbeiterparkplatz. Die Zahl von 500 Toten sei also absurd. Zumal das Krankenhaus zu der Zeit nur 80 Betten hatte. Später kam heraus, dass es sich um eine verirrte Rakete des Islamischen Dschihad in Palästina/PIJ gehandelt hatte. „Solches Friendly Fire hat es zu tausenden gegeben.“ | |||
Und die Ukraine? | |||
Angesprochen auf ein OSINT-Beispiel aus dem Krieg in der Ukraine, fällt Joey ein Ereignis von September 2024 ein, als zwei Raketen in ein Gebäude im ukrainischen Poltawa einschlugen. Sofort sei die entsprechende Erregung online da gewesen. Joey habe das Gebäude zunächst auf Satellitenbildern gesucht, es „einorientiert“ und „lokalisiert“. Da er dann die Adresse hatte, konnte er schlicht und einfach auf Google Street View nachschauen. Und tatsächlich gab es ein Bild des Eingangs zu dem Gelände. Mit einem großen Schild in Kyrillisch, dass es sich um das „Poltawa Militärinstitut für Kommunikation“ handelte. Ob man Russland nun möge oder nicht, aber so kam er zu dem Schluss, dass das ein legitimes militärisches Ziel gewesen sei. Und dass Russland hier auch nicht den Double-Tap verwendet habe, sondern einfach zeitnah zwei Marschflugkörper abgefeuert habe. Das würde die Bundeswehr nicht anders machen. | |||
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Stellenwert von MilBlogger:innen in der Medienlandschaft | |||
Ob MilBlogger:innen in Deutschland einen geringeren Stellenwert haben als in anderen Ländern, möchte ich wissen. Joey betont, dass „MilBlogger“ ein Kunstbegriff ist und es nur sehr wenige davon gibt. Die meisten sehen sich als „Vlogger“ und Streamer. „Mir ist niemand bekannt, der das im deutschsprachigen Raum in meiner Art macht. Ich nenne mich lieber MilBlogger, um Debatten zu vermeiden.“ Per Definition sei er Journalist. Zu bloggen gebe ihm auch die Freiheit, deutlicher seine Meinung kommunizieren zu können. Und das sei der Grund, warum MilBlogger keinen hohen Stellenwert in den Medien haben. | |||
Berührungsängste mit dem Militär in Deutschland | |||
Die Scheu diesem Themenfeld gegenüber läge in Deutschland vor allem an den politisch mehrheitlich links und grün besetzten Redaktionsstuben. Dabei verortet er sich politisch selbst da, das seien schlicht die Fakten. „Linke studieren Journalismus, Ausdruckstanz oder ‚was mit Menschen‘, Rechte studieren Wirtschaft und Jura.“ Es sei einfach das Bewusstsein für das Militär verloren gegangen. Soldaten seien akzeptiert, wenn Sandsäcke für eine Überschwemmung organisiert werden müssen. „Wie soll eine Journalistin, für die das Militär etwas Unheimliches und Fremdes ist, entscheiden, wen sie interviewen oder für einen Podcast einladen soll?“ | |||
Militär als „Handwerk“ | |||
Ich frage nach, ob er die International Association of Genocide Scholars/IAGS meint, von der ich auch schon gelesen habe. Dort kann jede:r ohne Prüfung seiner Qualifikation online gegen eine Gebühr eintreten. Offenbar eine unwissenschaftliche, rein ideologische Veranstaltung. Sind denn seiner Erfahrung nach MilBlogger:innen weniger ideologieanfällig als zivile Kriegsberichterstatter:innen und Journalist:innen? Haben sie mehr Distanz zum Geschehen, wenn Militär „Handwerk“ ist? | |||
„Handwerk“ entlarvt Propaganda? | |||
Als Anfang Juli 2025 das Café am Strand von Gaza-City getroffen wurde, sei sofort wieder „Stimmung“ auf Social Media und in den sonstigen Medien gewesen. Weil durch die unsachgemäße mediale Formulierung „Café bombardiert“ und die Propaganda der Eindruck entstehen musste, dass Israel dort einfach ein Restaurant beschossen hätte. „Hätte Israel das aber gewollt, hätte es da einfach einen 4.000-Pfünder reingesetzt und das Strandcafé wäre nur noch Strand.“ | |||
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Also habe Joey die Informationen ausgewertet und habe zeigen können, dass dort eine lasergelenkte Bombe in einem Präzisionsschlag auf ein dezidiertes Ziel gesteuert wurde. Nämlich auf den Hamas-Kommandeur des Dschabaliya-Bataillons, Hisham Mansour, der den Job von seinem Vater, Ayman Atiya Mansour, übernommen hatte. Der wiederum wurde schon vor dem Krieg von einem Verwandten und Hamas-Mitglied Eid Muhammad Mansour zusammen mit seinem Sohn erschossen. Eine skurrile Geschichte, die aus der Netflix-Serie „Fauda“ stammen könnte. | |||
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Aus meinem Archiv: Hisham Mansour (rechts) mit seinem Vater und vorherigem Kommandeur der Hamas Ayman Atiya Mansour. | |||
„Ich habe erklärt, wie feinteilig eine solche Operation ist, wie viele Menschen daran mitgewirkt haben, dass Mansour wahrscheinlich in dem Café war, um Hamas-Affiliierte bar zu bezahlen, dass deshalb auch zwei ‚Journalisten‘ dort anwesend waren, und und und ...“ Außerdem sei der Treffer neben das Café gegangen. Jemand mit etwas Ahnung sehe das, sehe den Krater, das Ziel, die Tageszeit, und wüsste, was dort los gewesen sei. In der öffentlichen Wahrnehmung werde bleiben: „Café bombardiert“. Joey: „Und wenn die Israelis etwas können, dann ist das beschissene Presse zu produzieren.“ | |||
Kann eine Versachlichung vor Fake News schützen? | |||
Joey setzt auf die faktische Versachlichung von Krieg, um diesen zu verstehen. Ich möchte wissen, ob er darin eine Möglichkeit sieht, den Faktor der emotionalen Manipulation der Leser:innen seitens anderer Medien zu minimieren und damit auch Fake News entgegenzuwirken. „Ich bemühe mich. Es ist mein Antrieb, wenigstens ein kleines Sandkorn im Getriebe zu sein. Ich bin nicht illusorisch.“ | |||
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Damals noch tiefrot, die Fatah sei bis heute eher sozialistisch. Und dafür würden ganz viele Dinge ausgeblendet. Zum Beispiel, dass die Hamas im Gazastreifen eindeutig radikalislamistisch ist und sogar einen gewaltsamen Bürgerkrieg gegen die Fatah geführt hat. Es treibe Blüten wie „Queers for Palestine“, die nicht nur im Gazastreifen vom Hochhaus geworfen würden. Jahrzehnte feministischer Bewegung würden auf den Haufen der Geschichte geworfen, nur weil man Israel als „kolonialistisches Projekt“ des „imperialistischen Westens“ ausgemacht haben will. | |||
Joeys „Community“ auf der Facebook-Fanpage verspotte ihn dauernd als Don Quijote oder Sisyphus. Aber das sei es, was eine Demokratie fordert: inhaltliche, faktische Auseinandersetzung. Natürlich vertrete er seine Meinung, die grundsätzlich viel differenzierter sei, als Schreihälse es ihm unterstellen. „Ich habe Argumente. Aber Fakten sind die Pfeile, die ich im Köcher habe.“ | |||
Die Macht(losigkeit) der Nachrichtenkonsument:innen | |||
Menschen lieben also emotionalisierte Nachrichten und beeinflussen dadurch die Nachrichtenauswahl der Redaktionen. Haben wir als Kund:innen es nicht eigentlich durch unsere Klicks selber in der Hand? Was müsste sich Joeys Meinung nach verändern, damit uns das als Nachrichtenkonsument:innen bewusst wird? Nach der Marktlogik müssten die Redaktionen doch darauf reagieren, oder? Dahinter stehe ein psychologischer Mechanismus, erläutert Joey. Er sei nicht resigniert, sondern Realist. Das werde man nie ändern. Ändern könne man etwas an der Kompetenz in den Redaktionen. Aber dafür gebe es keinen wirtschaftlichen Anreiz. Was er viel entscheidender findet und was viele nicht wüssten: | |||
In Deutschland zählt das Agenturprivileg. Die Hisbollah, der Iran oder Russland zum Beispiel bringen eine Meldung. Agenturmedien greifen diese auf und verkaufen sie in die Welt. Und die veröffentlichenden Medien seien juristisch nicht mehr verpflichtet, sie zu prüfen. Sie müssten noch nicht einmal darunter schreiben, dass sie die Meldung nur gekauft haben. Die Lobby habe das so durchgedrückt. Es gebe in Deutschland Plattformen, auf denen das vollautomatisiert passiere: Übersetzung per KI, andere Überschrift, ein Bildredakteur sucht noch etwas Passendes heraus und schon geht es online. Joey: „Eine Analyse hat gezeigt, dass nur 4% der Berichte zu Gaza in großen englischsprachigen Medien israelische Zahlen wiedergaben, aber 100% die Zahlen der radikalislamistischen Hamas. Von denen auch die UN so tut, als seien es ihre vermeintlich unabhängigen Quellen. 20% der Berichte nannten die Zahlen der Hamas sogar ohne Quellenangabe. Nur 15% enthielten den Hinweis, dass bei palästinensischen Zahlen zwischen getöteten Zivilisten und Kombattanten nicht unterschieden wird.“ Und bloß bei 1% der Berichte würden die Zahlen der Hamas kritisch hinterfragt. Nachzulesen sei das bei „Questionable Counting“ von Andrew Fox, einem britischen Hochschuldozenten und Veteran. „Das soll ausgewogene Berichterstattung sein? Oder gar Berichterstattung zugunsten Israels?“ | |||
Warum „ungesund“, wenn Fakten gesund sind? | |||
Musiker:innen soll man eigentlich nicht zu ihrem Bandnamen befragen. Bloger:innen auch nicht zu ihrem Blognamen? Ich will trotzdem wissen, warum Joey seine Plattform „Ungesunder Menschenverstand“ nennt? Fakten sind doch gesund. Joey wird philosophisch. | |||
Ganz ohne Musik geht es nicht | |||
Wir sind ein Musikzine. Ohne Musik geht es daher nicht. Welche seine fünf Lieblings-Antikriegslieder sind, will ich wissen. „Ich bin auch Soldat geworden, da ich, obwohl Krieg zwar scheiße ist, Pazifismus eben nicht für die Lösung halte. Si vis pacem para bellum.“ Joey mag Antikriegslieder. | |||
Linke und Punks in Bundeswehrhosen | |||
Zum Abschluss frage ich Joey noch, woher die Liebe von Punks zu Militärklamotten kommt. Das Phänomen erklärt er damit, dass einst in den USA die Rocker aus Veteranen hervorgegangen seien, die teilweise noch ihre alten Armeeklamotten trugen. Daher kämen sicher auch die „Badges“ auf den Kutten. Der Biker auf dem ikonischen Foto der Hollister Riots von 1947 trägt Klamotten, die schon sehr an die Army dieser Zeit erinnerten. An den Vietnam-Protesten hatten ebenfalls Veteranen teilgenommen, die als Zeichen, dass sie selber in der Scheiße saßen, die Jacken und bestimmte Abzeichen weiter getragen haben. | |||
Ox ist ein Fanzine. | |||
Bedeutet, es ist von quasi nicht-Journalisten mit Herzblut gemacht. Die als Fachjournalisten meiner Erfahrung nach professioneller und gewissenhafter arbeiten, als viele große Medien. | |||
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