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Dienstag, 13. Januar 2026

Antifa vs. Migrantifa: Leipzig als Brennspiegel politischer Polarisierung

von Thomas Hartung

Ständige Konfrontationen mit der Polizei, neuerdings auch untereinander: Linksradikales Milieu in Leipzig-Connewitz



Leipzig galt lange als freundliche Studentenstadt mit Bach-Fest und Buchmesse. Heute ist die Stadt ein Brennspiegel: Wer wissen will, wie sich politische Konflikte verdichten, wie Gewalt legitimiert und delegitimiert wird, muss nach Leipzig schauen. Hier trifft linke Militanz auf migrantischen Antisemitismus, eine selbstbewusste jüdische Szene auf eine aggressive Kinder-Kultur, christliche Gemeinden auf eine Buttersäure-Antifa – und einen Staat, der seine Empörung sehr selektiv verteilt. Der jüngste Vorfall wirkt wie eine bittere Pointe: Eine Gruppe von acht Kindern greift das jüdische Café „HaMakom“ an. Zwei Jungen reißen zunächst eine Israelfahne herunter, kehren dann mit Verstärkung zurück, bewerfen eine Mitarbeiterin mit gefüllten Plastikflaschen und verletzen sie, versuchen ins Café einzudringen und beschädigen eine Scheibe. Dabei skandieren sie „Fuck Israel“. Die identifizierten Täter sind zehn und elf Jahre alt, polizeibekannte Intensivtäter mit russischer und südsudanesischer Staatsangehörigkeit; die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Volksverhetzung.

Brisanter könnte der Ort kaum sein: Das angegriffene Café versteht sich als „Ort jüdischen Lebens, Begegnung und persönlicher Aufarbeitung“, Teil einer Ausstellung über jüdisches Leben, Antisemitismus und Holocaust in Leipzig – in einer Stadt, die 2026 unter dem Motto „Tacheles – jüdisches Leben“ an sich selbst arbeitet. Leipzig zeigt hier die neue Konstellation: Antisemitismus ist offiziell geächtet, in der Praxis aber weitgehend importiert und entkoppelt von der Bildsprache „Nie wieder“. Der Feind steht nicht mehr in SA-Stiefeln vor der Synagoge, sondern trägt Kinderjacke, Migrantenbiographie und Smartphone. Der Staat reagiert – aber ohne das Problem wirklich benennen zu wollen, weil es nicht in das Monopolbild vom „Rechtsextremismus“ als Hauptquelle des Judenhasses passt.

Christenverfolgung von links

Keine zwei Kilometer weiter, in einem unscheinbaren Viertel, erlebt eine christliche Gemeinde ebenfalls eine andere Form von Hass: Das „Stay“-Café der Zeal Church wurde seit November 2022 mindestens 22-mal angegriffen: Scheiben wurden eingeschlagen, Farbe, Schmierereien. An Heiligabend 2025 bohren Täter ein Loch in die Frontscheibe und injizieren einen halben Liter Buttersäure – das Café ist nun auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Botschaft ist eindeutig: Ihr seid hier nicht erwünscht. Hier kommen die Täter aus der linksextremen Szene. Auf “Indymedia” begründen sie die Anschläge offen damit, das Café sei von „fundamentalistischen“ und „erzkonservativen“ Christen getragen, stehe für „Queerfeindlichkeit und Misogynie“ und müsse daher „in den Ruin getrieben“ werden. Ziel ist nicht mehr Kritik oder Protest, sondern Vernichtung – eine Wortwahl, die man sonst aus antifaschistischen Aufrufen gegen vermeintlich „rechte“ Läden kennt.

Dasselbe Muster zeigt sich auch andernorts: In Kassel wurde eine Freie Evangelische Gemeinde verwüstet, Fenster zertrümmert, die Parole „218 abtreiben!“ an die Fassade gesprüht. Wer am christlichen Lebensschutz festhält oder nicht zum Regenbogenchor gehört, wird zur „Feindstruktur“ erklärt – und darf nach Ansicht der Szene folgerichtig mit allen Mitteln bekämpft werden. Doch gerade Leipzig steht aktuell exemplarisch für eine neue Form innerdeutscher Christenverfolgung: nicht vom Staat orchestriert, aber von Teilen der linken Szene betrieben und vom bürgerlich-linken Milieu mit bemerkenswerter Gelassenheit hingenommen. Kirchen, die sich nicht zum Zeitgeist bekennen, gelten nicht als Schutzobjekte, sondern als legitime Ziele moralischer Gewalt.

Connewitz: Mythos „antifaschistischer Schutzwall“ – und innerlinker Bürgerkrieg

Der Stadtteil Connewitz ist seit Jahren Projektionsfläche dieses Milieus. In den 1990ern durch Hausbesetzungen von Punks und Autonomen zur „antifaschistischen Hochburg“ stilisiert, bekam er vor fast exakt zehn Jahren seinen Gründungsmythos, als Hunderte Neonazis den Stadtteil überfielen und Läden verwüsteten. 217 wurden am Ende angeklagt, mittlerweile haben fast alle ihr rechtskräftiges Urteil. Ein Verfahren wurde eingestellt, da der Angeklagte verstorben ist. Außerdem gab es zwei Freisprüche. Alle Verurteilten wurden wegen Landfriedensbruchs bestraft, zum Großteil kamen sie mit Bewährungsstrafen davon. Seitdem aber gilt für das dort ansässige linke Milieu: Wir sind die Belagerten – also ist jede Gegenaggression Verteidigung! Doch tatsächlich ist Connewitz längst Ausgangspunkt einer eigenen Gewaltökonomie: Silvesterkrawalle, Angriffswellen auf die lokale Polizeiwache, brennende Barrikaden, gezielte Attacken auf Beamte – all das gehört zur Jahresroutine. Nach dem Urteil gegen die linksextreme Gewalttäterin Lina E. wird Leipzig zum Schauplatz eines „Tag X“, an dem Steine, Flaschen und Molotowcocktails fliegen.

Neu ist nun, dass die Szene sich selbst spaltet – und zwar entlang des Nahostkonflikts: Für den 17. Januar 2026 ist eine Demo „Antifa heißt Free Palestine“ mitten in Connewitz angekündigt: “antiimperialistische” Bündnisse, Gruppen wie “Handala Leipzig”, “Students for Palestine” und “Migrantifa Leipzig” wollen gegen die „antideutsche“ Szene aufmarschieren, die sich ausdrücklich mit dem Staat Israel solidarisiert. Die Organisatoren brandmarken Connewitz in ihrem Aufruf als „weiße Zone“: ein Viertel, in dem die „antideutsche“ Linke proisraelische Hegemonie ausübe und palästinasolidarische Menschen seit dem 7. Oktober 2023 unter Druck setze. Als zentrale Feindorte gelten ihnen das linke Abgeordneten- und Projektbüro „linXXnet“ und der Club “Conne Island” – beides bisher ikonische Orte der Szene. Die Demo-Route wird bewusst an diesen Adressen vorbeiführen. Nach übereinstimmenden Angaben sollen 1.000 Polizisten zum Einsatz kommen, um beide Lager zu trennen.

Linke Gewalt gegen „rechte Firmen“

Damit verschiebt sich der Fokus: Nicht mehr nur Polizei, „Nazis“ oder Immobilienfirmen, sondern neuerdings linke Einrichtungen selbst geraten ins Visier. Die sächsische Links-Landesarbeitsgemeinschaft „Shalom“ ruft ihrerseits zur Gegendemo auf und warnt vor „autoritären und antisemitischen Gruppen“. Juliane Nagel, prominente Linke-Abgeordnete aus Leipzig, sieht ihr Viertel und „linke Räume“ bedroht – und wirft den Palästina-Bündnissen Spaltung im Sinne von Rechten und Staat vor. Während also der linke Bürgerkrieg um die richtige Haltung zu Israel tobt, kommentieren die „Freien Sachsen“ die Palästina-Demo als willkommene Attacke auf die „Antifa-Hochburg Connewitz“. Die einen marschieren gegen „weiße Zonen“, die anderen zur Verteidigung „linker Orte“ – und die Rechten klatschen und halten sich zurück.

Connewitz wird so zur Drehscheibe einer dreifachen Polarisierung. Erstens steht migrantischer und antiimperialistischer Antisemitismus gegen „antideutsche“ Israel-Solidarität. Zweitens hat sich eine autonome Gewaltkultur gegen Polizei, Christen und Unternehmer etabliert. Und drittens findet sich eine rechte Peripherie, die zusieht, wie der Lieblingsfeind sich selbst zerlegt – ohne dass die Stadt eine klare Linie gegen jede Form politischer Gewalt findet. In dieses Bild fügen sich die Anschläge auf sogenannte „rechte Firmen“ ein: Linksextreme zünden die Baumaschinen einer Immobilienentwicklerin an, greifen später eine Mitarbeiterin tätlich an; die Polizei spricht von einer „neuen Qualität linker Brutalität“. Jüngst gehen LKW der Firma Rothkegel in Flammen auf, ein “Indymedia”-Schreiben rechtfertigt dies mit angeblichen Kontakten des Unternehmers zur “rechten Szene”. Das LKA ermittelt wegen politischer Motivation. Und Parallel dazu tritt die wieder sogenannte „Hammerbande“ aus dem Schatten – jenes Netzwerk „Antifa-Ost“, dessen Geschichte exemplarisch zeigt, wie weit sich der linksextreme Gewaltkorridor von Leipzig aus inzwischen erstreckt. Seit Jahren attackiert die Gruppe tatsächliche und vermeintliche „Nazis“ mit Hämmern, Schlagstöcken und vermummten Überfallkommandos; mehrere Opfer erleiden Schädelbrüche und schwere Kopfverletzungen. Die Bundesanwaltschaft wirft den mutmaßlichen Mitgliedern nicht nur gefährliche Körperverletzung, sondern in mehreren Fällen versuchten Mord vor und spricht von einer kriminellen Vereinigung.

Extremistisches Memorandum in der “taz”

Diese Woche beginnt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der nächste Großprozess gegen sechs Angeklagte der Gruppe unter anderem aus Leipzig, denen Angriffe auf Rechtsextreme beim „Tag der Ehre“ in Budapest 2023 sowie ein koordinierter Überfall auf mehrere Thor-Steinar-Läden und Neonazis in Erfurt, Magdeburg, Halle und Schwerin zur Last gelegt werden. Bemerkenswert ist, wie tief die Personalien dieser Szene in das Leipziger Umfeld hineinragen: Unter den Beschuldigten finden sich Personen, die in der Stadtverwaltung, in sozialen Projekten oder im akademischen Milieu andocken konnten und dem staatsgeförderten NGO-Umfeld zuzurechnen sind. Zugleich mobilisiert die linksradikale Szene in Connewitz Solidaritätsdemos, während Ungarn und die USA die „Antifa-Ost“ inzwischen als Terrorgruppe einstufen.

Die “taz” wiederum druckt pünktlich zum Prozessauftakt eine ausführliche Erklärung „einiger der vom GBA verfolgten Antifaschist*innen“, in der der Mordvorwurf als „politisch motivierte Eskalation“ verspottet wird, zugleich aber ein selbstbewusstes Bekenntnis zu militantem Antifaschismus abgelegt wird – als sei die Frage, ob man politischen Gegnern den Schädel einschlagen darf, in erster Linie eine Frage der historischen Perspektive.

„Auch wenn gewaltvoller Widerstand gegen Nazis heute von vielen moralisch abgelehnt wird, kann seine historische Bedeutung nicht geleugnet werden“, heißt es da etwa. Es sei leicht, moralische Urteile über jene zu fällen, die Gewalt anwenden. Doch vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen „ist die Frage, die sich alle Demokratinnen und Demokraten stellen sollten, bis zu welchem Punkt man das staatliche Gewaltmonopol schwerer gewichtet, als die Notwendigkeit, Faschismus zu bekämpfen“. Das ist kein Witz.

Polarisierung mit Doppelstandard

Leipzig wird so zum Labor eines asymmetrischen Rechtsverständnisses: Wer auf der „richtigen“ Seite kämpft, darf mehr als andere. Gewalt gegen Sachen, gegen Unternehmen, gegen Christen, gegen Israel-Solidarische und natürlich gegen “Nazis” – all das wird relativiert, solange das Feindbild stimmt. Die Polizei spricht von Terrorismus; der städtische Diskurs spricht lieber von „Aktivismus“, „Protest“ oder – wie im “taz”-Artikel – von innerlinken „Streits um Deutungshoheit“.

Der Angriff von Migrantenkindern auf ein jüdisches Café, die Buttersäure gegen ein christliches Café, die brennenden Bagger einer Immobilienfirma, der angekündigte Marsch „Antifa heißt Free Palestine“ gegen linke Israel-Sympathisanten: Auf den ersten Blick sind das getrennte Geschichten, doch in Wahrheit bilden sie eine Trias der Polarisierung. Im ersten Fall materialisiert sich importierter Judenhass in der Generation, die man über pädagogische Projekte gerade immunisieren will. Im zweiten Fall trifft der Hass jene Christen, die sich der dominierenden Sexualmoral nicht beugen wollen – und deshalb als „reaktionäre Struktur“ markiert sind. Im dritten und vierten Fall richtet sich Gewalt gegen wirtschaftliche Existenzen und linke Räume selbst, sobald sie dem radikalen Moralcode widersprechen.

Gemeinsam ist all dem: Die Opfer sind aus Sicht der dominierenden Stadtelite nie die „richtigen“ Opfer. Jüdische Einrichtungen dienen gern als Kulisse für Erinnerungspolitik – reale Bedrohungen durch migrantische Täter stören die saubere Erzählung. Christliche Freikirchen passen nicht ins Bild einer queeren, progressiven Stadt – ihre Verfolgung lässt sich zur „Auseinandersetzung um Vielfalt“ umlabeln. Unternehmer gelten per se als verdächtig, insbesondere, wenn sie der falschen politischen Ecke zugerechnet werden. Und wenn sich die Linke selbst bekämpft, beschreibt man das als tragischen, aber im Kern „innerlinken Streit“, nicht als Symptom von Antisemitismus und Gewaltkultur in der eigenen Szene.

Was Leipzig uns lehrt

Was macht Leipzig damit so exemplarisch? Die Stadt bündelt drei Strömungen, die Deutschland insgesamt prägen werden. Exportierte Erinnerungskultur trifft importierte Konflikte, so lässt sich die erste zusammenfassen. Projekte wie “HaMakom” oder das Themenjahr „Tacheles“ leben von der Hoffnung, dass pädagogische Narrative gegen Antisemitismus immunisieren. Der Angriff auf das Café zeigt, wie begrenzt diese Hoffnung ist, wenn man die realen Prägungen der Zuwanderungsmilieus ausblendet. Die zweite Strömung kann man wie folgt überschreiben: Ein linksautonomes Milieu genießt faktische Narrenfreiheit, kann man die zweite überschreiben: Connewitz ist nicht Ursache aller Probleme, aber Symbol einer Szene, die gelernt hat, dass ihr Gewaltverhalten politisch relativiert wird, solange es gegen die scheinbar „legitimen“ Ziele geht. Neu ist, dass diese Ziele zunehmend auch linke Orte selbst sind – “linXXnet”, “Conne Island”, Israel-solidarische Gruppen. Die Antifa spaltet sich in proisraelische „Antideutsche“ und antiimperia-listische Palästinaaktivisten; dazwischen bleiben Jüdinnen und Juden, die von beiden Seiten eher instrumentalisiert als geschützt werden. Und die BRD mutiert zu einem Staat, der sich selbst als moralische Instanz versteht, so darf man getrost die dritte Strömung subsumieren. In offiziellen Verlautbarungen treten Stadt und Land als Erzieher auf: gegen Hass, gegen Hetze, gegen Intoleranz. Gleichzeitig versagen sie dort, wo es wirklich unbequem wird – bei der konsequenten Benennung islamisch geprägter Judenfeindschaft, bei der klaren Verurteilung linksterroristischer Strukturen, bei der Verteidigung konservativer und nichtwoker, mithin unmodischer Manifestationen des Christentums.

Leipzig ist so kein exotischer Sonderfall, sondern Vorbote. Die Stadt zeigt, wie eine Republik aussieht, in der politisch definierte Feindbilder wichtiger werden als der allgemeine Rechtsfrieden – und in der selbst die Linke im Nahostkonflikt in feindliche Lager zerbricht. Konservative Kritik hat in dieser Situation eine einfache Aufgabe: Sie muss daran erinnern, dass eine Stadt, die jüdisches Leben feiert und gleichzeitig Gewalt verharmlost, die von jüdischen, christlichen und bürgerlichen Einrichtungen ausgeht, ihre eigene Glaubwürdigkeit untergräbt; dass eine Linke, die in Connewitz Antifa gegen Antifa marschieren lässt, jede moralische Sonderrolle verspielt; und dass ein Staat, der all dies duldet, nicht mehr Hüter gleicher Maßstäbe ist, sondern selbst Teil der Polarisierungsmaschine.


Sonntag, 11. Januar 2026

Ärzte mit Grenzen

von Wolf J. Reuter

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Médecins Sans Frontières« (MSF), zu Deutsch »Ärzte ohne Grenzen«.

Gaza, Juni 2024: Die israelische COGAT, Koordinator humanitärer Hilfe, veröffentlicht ein Foto von Fadi Al-Wadiya. Uniformiert sitzt er im Kreis seiner Kameraden der Terrororganisation Palestinian Islamic Jihad (PIJ). Tage zuvor hatten ihn die IDF getötet; er war maßgeblich am Raketenprogramm des PIJ beteiligt.

Tagsüber Physiotherapeut, nach Dienstschluß ging es in den Djihad... ein Terrorist



MSF schäumte, Israel töte medizinisches Personal. Al-Wadiya war bei MSF als Physiotherapeut tätig. Die Terrorverbindung? Angeblich unbekannt.

MSF schäumt aktuell wieder: Neben weiteren Organisationen kann sie in Gaza seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr tätig sein. Ihr werde mit einem »Verbot« gedroht, ein »zynischer Versuch«, so die Pressemitteilung von MSF, um Hilfe nach Gaza zu behindern. »Völkerrechtswidrig« – versteht sich. Die israelische Regierung sieht in MSF dagegen ein politisches Sprachrohr mit überzogener Rhetorik, weniger eine Hilfsorganisation. Die Fakten geben Jerusalem erneut recht.

»Schreckliche Gegenoffensive«

Humanitär ist MSF in Gaza bedeutungslos. Etwa ein Prozent aller Hilfslieferungen verantwortet die Organisation. Dafür gehört sie seit dem 8. Oktober 2023 zu den fanatischsten antiisraelischen Stimmen, die bereits einen Tag nach dem Überfall wörtlich von einer »schrecklichen Gegenoffensive« der IDF sprachen, die es gar nicht gab. An diesem Tag versuchte die IDF noch, Kibbuzim freizukämpfen. Die Terroristen verschanzten sich in der Polizeistation von Sderot, die bei den Kämpfen schließlich zerstört wurde.

Israel hat allen humanitären Organisationen bereits durch ein Gesetz vom 9. Dezember 2024 eine Registrierung abverlangt. Kern: Die Übermittlung von Listen der Ortskräfte wie Al-Wadiya, der kein Einzelfall war. Über 100 Organisationen haben die erst zum Jahreswechsel abgelaufene Frist genutzt – MSF aber weigert sich und darf daher von Israel aus nicht mehr tätig werden.

Der unspezifische Hinweis von MSF auf den angeblichen »Völkerrechtsverstoß« dient dabei erneut nur der Diffamierung: Völkerrechtlich hat im Krieg nur das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestimmte Zugangsrechte. Erneut ist MSF die Propaganda gegen Israel folglich wichtiger als die Hilfeleistung für Gaza.

Lügen und Propaganda

Die deutsche Sektion veröffentlicht aus diesem Anlass erst einmal Lügen und Hamas-Propaganda: »Hunderttausende« seien in Gaza von »Israels Armee« getötet worden (eine erfundene Zahl), Israel verhindere die Einfuhr von Zelten im Winter (eine dreiste Lüge) und nehme eine »Kollektivbestrafung« vor – ein altbekanntes Propagandawort ohne Inhalt.

Zu den Patienten, denen die Hamas in den letzten Wochen mit Eisenstangen die Beine gebrochen hat, um ihre Macht zu festigen, ist übrigens keine Äußerung von MSF bekannt geworden. Man fragt sich, wer diese einst angesehene Organisation überhaupt noch als »humanitär« betrachten kann.

Der Autor ist Jurist und lebt in Berlin.


Sonntag, 22. Juni 2025

US-Luftschlag Iran – Erste Auswertung

B-2 Bomber am Boden

Protokollarische erste Auswertung des Luftschlages der USA gegen die Atomanlagen des Iran. Alle Angaben nach jetzigem Stand.
Aufgrund der Brisanz ohne Bezahlschranke.

In der vergangenen Nacht haben die USA einen Luftschlag gegen die Atomanlagen des Iran durchgeführt.

Beteiligt waren u.a. sechs B-2 Bomber, die von der Whiteman Air Force Base in Missouri ohne Stopp gekommen sind.

Acht B-2 auf der Startbahn der Whitman Base.

Insgesamt wurden 12 Bunkerbrecher GBU-57 auf die Anreicherungsanlage Fordo abgeworfen. Zwei weitere auf die Atomanlage Natanz.
Diese Bunkerbrecher sind die größten der Welt. Zum Vergleich: Die größten im Gazakrieg eingesetzten Bomben hatten 2000 Pfund, die GBU-57 hat 30.000 Pfund. (Amerikanische Pfund)

GBU-57 beim Verladen.

Es wurden 30 Tomahawk Marschflugkörper auf die Anlagen Natanz und Isfahan gefeuert.
Abgefeuert wurden sie von der USS Georgia der Ohio Klasse. Dieses Atom-U-Boot ist, wie das Schwesterschiff Ohio, umgerüstet (SSBN auf SSGN) und kann 154 dieser Marschflugkörper tragen. Und sie abfeuern, ohne aufzutauchen.
Diese nuklearfähigen!Tomahawk haben eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern.

USS Georgia

Shaping

In einem Posting auf der Facebook Fanpage und auf X hatte ich kurz angerissen, dass die NATO-Streitkräfte (und damit auch Israel) das so genannte „Shaping“ lieben.
Das bedeutet, vor einem großen Angriff die Rahmenbedingungen zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. „In Form bringen“.

Beispielsweise, indem man Flugabwehr ausschaltet, vorher bereits durch Pioniere Brücken legen lässt, Bereiche vermint, und so weiter.

Daher habe ich nicht damit gerechnet, dass die USA einfach so mal einen großen Angriff fliegen werden. Sondern dass an einzelnen Angriffen vorher abzulesen sein wird, was geplant ist.

In der Nacht vor dem Schlag der USA hat die Israelische Luftwaffe einen großen Angriff geflogen. An diesem Angriff waren 50 Flugzeuge mit etwa 150 Bomben beteiligt. Das ist wirklich massiv.

Nach den jetzt vorliegenden Informationen gehe ich davon aus, dass dieser Angriff mit den USA nicht nur abgestimmt, sondern geplant war. Das war bereits das „Shaping“!
Inzwischen ist bestätigt, dass mindestens die umliegende Flugabwehr der Anlagen Isfahan und Natanz komplett ausgeschaltet wurde.
Dies alles wurde jedoch nicht offiziell öffentlich kommuniziert.

Nuklearforschungszentrum Isfahan

Die überirdische Anlage Isfahan, die zur Gewinnung von Uranium und der Weiterverarbeitung dient, wurde bereits durch mehrere Luftschläge Israels weitestgehend zerstört.
In einem ersten Luftschlag wurden wenige Punktziele getroffen.

Satellitenbild Isfahan, zwei Gebäude wurden sehr genau zerstört.

In dem zweiten, erwähnten Luftschlag in der Nacht vor dem US-Schlag wurde der Großteil der Anlage schlicht entkernt.

Sattelitenbild nach dem zweiten Luftschlag

Anreicherungsanlage Natanz

Die Anreicherungsanlage Natanz wurde bereits im oberirdischen Bereich durch mehrfache Luftschläge stark zerstört.

Sattelitenbild Wirkungsbild Natanz

Bei dem US-Luftschlag wurden auch zwei Bunkerbrecher auf den dazugehörigen Bunker gezielt.
Dieser deutlich geringere Einsatz im Verglich zu Fordo lässt darauf schließen, dass Israel und die USA hier sehr genau wussten, was wo ist und wie man es zerstört.

Sattelitenbild, dass die ganze Anlage und die Bunkereingänge zeigt.

Wirkungsbilder liegen mir derzeit nicht vor.

Anreicherungsanlage Fordo

Der mit Abstand stärkste Angriff ging auf Fordo.

Die stark gebunkerte unterirdische Anlage Fordo wurde laut den USA vollständig zerstört. Der Iran hat sehr früh bekannt gegeben, es seien nur die Eingänge beschädigt.

Beschriftetes Sattelitenbild der Anlage nach dem Luftschlag

Inzwischen veröffentlichte Satellitenbilder lassen jedoch eine Penetration annehmen, wodurch die Eingänge dann von innen heraus verschüttet worden sein könnten. Einschläge an den Eingängen sind nicht zu erkennen.

Aufgrund der veröffentlichten Bilder gehe ich davon aus, dass die Anlage Fordo zerstört ist. Nachhaltig.

Bunkerung

Es wird immer wieder debattiert, dass die GBU-57 diese Tiefe der Bunkerung nicht durchbrechen können. Die Angaben gehen von 60 bis 80 Metern.
Dabei wird ignoriert, dass nicht zwangsläufig das dickste Gestein durchschlagen werden muss. Die Angaben beziehen sich natürlich immer auf den tiefsten Punkt.

Querschnitt durch einen Berg mit einer Bunkeranlage.

Ein Bunkerbrecher entfaltet seine Wirkung erst im Inneren.
Daher sind von außen zumeist keine größeren Schäden zu erkennen.
Auch ausgewertete Videos von Bunkerbrechern auf Tunnel im Gazastreifen zeigen, dass zwar zunächst eine hohe Staubwolge entsteht. Da Erdreich aufgeworfen wird. Die eigentliche Wuchtwirkung jedoch unter der Erde passiert und an der Oberfläche nur wenige Schäden hinterlässt.
Siehe die Eliminierung von Mohammed Deif.

Zu der unterirdischen Wirkung gehört die Druckwelle, der rasante Verbrauch von Sauerstoff sowie das mögliche Freisetzen von Verbrennungsgasen. Eventuell kommen sog. Secondary Explosions hinzu.
Die Leiche von Mohammed Sinwar, dem Burder von Yahya Sinwar, war erst nach Tagen unter dem Europäischen Krankenhaus im Gazastreifen entdeckt worden, er war mit einem Kommandeur im ansonsten unbeschädigten Raum elendig erstickt.

Screenshot des Bunkerraumes

Die Anti-Schiffs-Rakete Kormoran des Tornados der Marineflieger (also meiner alten Bande) war so ausgelegt, dass sie sich im Niedrigstflug (unter 10m über der Wasseroberfläche) dem Ziel nähert, dann aufsteigt und von oben senkrecht auf das Ziel stößt.
Das Schiff sollte aber nicht versenkt werden. Erst im Inneren des Schiffs kam es zur eigentlichen Detonation, welche die Schotts (Türen) aufbricht und zu Secondary Explosions führt. Liegen geblieben ist ein ausgehöhlter Schiffsrumpf. Das bindet wiederum Kapazitäten des Feindes, der diese Reste abschleppen und Reparieren wird.
Über ein einfaches „Booom“ ist man lange hinaus.

Um die Beschädigung der Anlage beurteilen zu können, muss man also wissen, wo sie im Inneren penetriert wurde. Zudem haben die USA nach den Luftbildern jeweils drei der Bunkerbrecher auf eine Stelle gesetzt. Diese können dann, mit minimaler Verzögerung einschlagend, natürlich tiefer penetrieren.

Aufgrund dieser Komplexität traue ich niemandem außerhalb des beteiligten Militärs zu, definitive Aussagen dazu machen zu können! Und die wenigsten werden es seriös einordnen können.

Unter ferner liefen

Des Weiteren wurden in den vergangenen Tagen Nuklearanlagen beschädigt oder zerstört:

  • Schwerwasserreaktor Arak

  • Parchin Militärkomplex

  • Firma zur Herstellung von Zentrifugen zur Anreicherung TESA in Karaj

  • Nukleares Forschungszentrum TNRC in Teheran

  • Gebäudekomplex der Revolutionsgarden zur Nuklearforschung an der Imam Hossein University in Teheran

  • Komplex der Shahid Meisami Group in Karaj, die an dem iranischen Programm für chemische Waffen beteiligt war

  • Unternehmen für die Herstellung von Kohlefaser, welche sowohl für Raketen als auch für Zentrifugen zur Anreicherung benötigt wird, Industriepark Sefidrud

Sattelitenbild Sefirud

Andere militärische Anlagen und Ziele aus dem Bereich der Öl-Industrie würden hier weit den Rahmen sprengen.

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Randnotiz

Im Zuge der Angriffe wurde in der Nacht zum 21. Juni auch Saeed Izadi eliminiert.
Im Iran, nicht im Gazastreifen.

Er war Kommandeur der Quds-Brigaden der Hamas, und vermutlich die wichtigste Kontaktperson zwischen Hamas und dem iranischen Regime.
Er war laut Mossad elementar an der Planung, Finanzierung und Vorbereitung des 10/7 beteiligt.

Saeed Izadi

Einschätzung

Alles hängt nun davon ab, wie der Iran reagiert.
Eine erste Reaktion wird der große Raketenangriff auf Israel heute Morgen gewesen sein. Das war jedoch militärisch eher ein spontanes Zurückschießen. Auch der Iran kennt die Ziele, kann schnell den Befehl geben und auf den Auslöser drücken.
Bisher liegen mir keinerlei Meldungen vor, dass irgendwelche militärischen Ziele in Israel getroffen worden wären.

Iranischer Treffer in Israel, ein ziviler Gebäudekompex ist einseitig abgerissen.

Die Auswirkungen für den Iran werden verheerend sein.
Das ändert aber zunächst nichts daran, dass er nach wie vor Raketen hat und gefährlich ist.
Viele erwarten zu schnell Ergebnisse, ähnlich wie bei Sanktionen gegen Russland. Im Iran leben etwas mehr Menschen als in Deutschland, auf einer Fläche größer als Deutschland, Frankreich, Österreich und die Beneluxländer zusammen.

Die größte Gefahr geht nun von Gegenangriffen aus.
Das der Iran Israel aber immer schwerer erreichen kann, und dabei im Schnitt wirkungsloser wird, könnte er sich andere Ziele suchen. Er hat den USA und anderen (auch Deutschland) bereits gedroht, dass nun alle Einrichtungen der USA und der „Verbündeten“ legitime Ziele seien.

Um den Persischen Golf liegen viele Staaten, die mit den USA verbündet sind, oder diese zumindest dulden. Darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuweit. Der Irak erträgt eher als, er duldet.

Beschriftetes Satellitenbild der Region

Die USA haben die Welt in Zuständigkeitsbereiche unterteilt. Für den Bereich des Nahen Ostens, von Gaza über den Jemen bis zum Iran, ist das CENTCOM in Florida zuständig. Und die unterhalten einen vorgeschobenen Posten in Katar, quasi gegenüber des Irans.
Der Stützpunkt Al Udeid wurde aber bereits evakuiert. Ebenso wie viele Liegenschaften und Botschaften in der Region. Die Abwehr der Botschaft im Irak wurde inzwischen sogar durch irakische Truppen verstärkt.
Der Iran wird wenige Ziele finden, die er wirkungsvoll angreifen kann.

Luftbild des Strützpunktes Al Udeid.

Der große Konflikt, der hinter allem steht, ist zwischen dem weltlich regierten Saudi-Arabien des Hauses Saud und der Theokratie der Mullahs im Iran. Hamas, Hisbollah und der lupenreine Stellvertreterkrieg im Jemen sind auf diesen schwelenden Grundkonflikt zurückzuführen.
Der Iran wäre aber restlos bekloppt, Saudi-Arabien anzugreifen. Das über eine der modernsten Streitkräfte der Welt verfügt und von allen irgendwie ständig vergessen wird.
Das wird in der Denke der Mullahs nicht stattfinden.

Eine größere Gefahr wäre daher, dass der Iran die Straße von Hormus angreift, sperrt oder zivile Schiffe bekämpft.
Das wäre ein suizidales Unternehmen für die iranische Marine, die keinerlei Chance hat, so etwas zu überleben.
Der Iran hat vor allem auf den Krieg mit Israel gesetzt, die iranische Marine ist lachhaft. Als Flaggschiff dient die Shahid Bahman Bagheri, die gerade fertiggestellt wurde. Das ist ein umgebautes altes Containerschiff, das nun als Träger für Drohnen und Helikopter dient.

Luftbild des umgebauten Tankers

Es wäre sicher kein Problem für die Mullahs, die halbe Marine über die Klinge springen zu lassen.
Ein viel größeres Problem ist, dass etwa ein Drittel des weltweiten Öl-Handels durch die Straße von Hormus gehen. Und davon wiederum ein Großteil durch China. Und die sind Kunden des Irans, nicht des Westens des Golfes. Die würden sich schön bedanken.

Grundsätzlich lehnt China aber eine militärische Einmischung ab.
Populistisch wird China gerne als Machtfaktor kommuniziert. Die chinesische Mentalität und vor allem das unausgesprochene Versprechen der kommunistischen Partei ist aber das auf Wohlstand. Alles, was das gefährdet, ist nicht in Chinas Interesse.
China lässt auch Russland am ausgestreckten Arm verhungern, und genauso wird es das mit dem Iran tun.

Zudem führt die asiatische Öl-Route aus dem persischen Golf an Indien vorbei. Und Indien ist nicht nur eine Atommacht mit 1,4 Milliarden Einwohnern, inzwischen vermutlich mehr als China, sondern auch eher mit Israel dicke.

Screenshot Ansprache von Präsident Trump heute morgen

Deshalb gehe ich in der nahen Zukunft von verstärkten iranischen Angriffen auf Israel aus. Im Rahmen der verbleibenden Möglichkeiten. Vielleicht finden einige Angriffe auf US-Einrichtungen statt. Die im Einzelnen sicher für Schlagzeilen sorgen würden, aber im großen Ganzen irrelevant sein werden.
Für die USA wird die Grenze überschritten, wenn es beispielsweise Angriffe auf die ölfördernden Verbündeten wie Katar, Kuweit oder die Vereinigten Arabischen Emirate sieht.

Viele würden das sicher öffentlich als Ausdruck der Stärke kommunizieren.
Setzt man sich mit diesen Zusammenhängen etwas auseinander, erkennt man ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Der Iran hat keine Möglichkeit Israel existenziell zu gefährden, die USA relevant anzugreifen oder sich gegen die Angriffe zur Wehr zu setzen.

Dem überlebensnotwenigen Kindskopf in mir sei zu verzeihen, dass ich hier mein Meme aus den heutigen frühen Morgenstunden zitieren muss.

Bild
Erschienen auf steadyhq

Samstag, 21. Juni 2025

In guter alter islamistischer Tradition

von Thomas Heck...

Während Israel für den Westen die Drecksarbeit erledigt und die israelische Zivilbevölkerung dafür einen hohen Preis bezahlt, schüttelt unser Außenministerdarsteller blutige Terroristenhände. Dabei ist Wadephul ein Politiker, der die Brandmauer zur AfD propagiert. Der steigt im Deutschen Bundestag nicht mal in einen Fahrstuhl, wenn dort ein AfD-Politiker steht. Doch dem islamistischen Terroristen schenkt er gerne ein Lächeln. Solche Leute regieren uns. Appeaser, Terroristversteher, Islamistversteher. Sie stehen da aber in "guter" alter Tradition. Und fallen Israel nonstop in den Rücken.







Montag, 19. Mai 2025

Israelische Offensive und der Gamechanger – für Dummies

Soldaten der IDF schauen einem Kampfpanzer Merkava nach.

Es findet eine Desinformation und Umdeutung zur gestarteten Offensive Israels statt.
Gehen wir es durch.

In einem längeren Posting schrieb ich gestern beiläufig:

„Zeitgleich berichten alle großen Medien von der angelaufenen israelischen Offensive, ohne zu berichten, was tatsächlich vor sich geht. Die Berichte beruhen ausschließlich auf Äußerungen Israels, der Palästinenser, der UN und anderer. Keine Lagebewertungen, keine Auswertungen, keine Kompetenz.

Das vielleicht alles verändernde Momentum, nämlich dass die IDF sich nicht mehr nach Sichern eines Gebietes zurückziehen will (dafür das benötigte Mehr an Reservisten), wird weder besprochen noch auch nur erwähnt. Vermutlich nicht verstanden oder zu einer dauerhaften Besetzung umgedeutet.“

Daraufhin kamen einige Fragen. Ich habe zurückgefragt.
Dabei wurde mir bewusst, dass viele vielleicht eine völlig falsche Vorstellung davon haben, was im Gazastreifen passiert.

Also zurück zu den Basics. Aus dem Lameng. Aus unserer beliebten Reihe „Komm’a bei misch bei, ich vazell dir dat“.

Der handelsübliche Krieg

In einem „normalen“ Krieg erobert man ein Gebiet und besetzt es.

Das bedeutet, eine Seite zieht sich zurück, die andere rückt nach, sichert das Gelände und bezieht dort erneut Stellung. Ein Haus, ein Dorf, eine Stadt, ein Tal, eine Halbinsel. Es wird „eingenommen“. Gräben graben, MG-Nest einrichten, Straßen sperren.
Das ist das, was beispielsweise im zweiten Weltkrieg passiert ist und derzeit in der Ukraine passiert.

Bachmut wurde über Wochen hinweg umkämpft, bis die Russen die Ukrainer endlich so weit zurückgedrängt hatten, dass sie die Stadt erobert hatten. Oder den Haufen Bauschutt, der übrig war.

Die Begriffe „Sichern“, „Einnehmen“, „Kontrollieren“ und „Besetzen“ werden synonym verwendet. Taktiker haben dafür genauere Begriffe.

Besetzen oder besetzen?

Dieses „Besetzen“ hat militärisch einen anderen Bedeutungsinhalt als politisch bzw. juristisch.
Denn das Militär erobert nur Gebiete und hält diese besetzt, damit der Feind nicht wieder dahin zurückkehren kann. Wenn der Krieg beendet ist, interessiert es das Militär nicht weiter.

Eine Besetzung im politischen bzw. juristischen Sinne bedeutet, dass ein Gebiet dauerhaft von einem Staat in Besitz genommen wird. (Besitz, nicht Eigentum!) Dazu gehört auch, dass er Regierungsaufgaben, wie beispielsweise die Polizei oder die Gerichtsbarkeit, übernimmt.

Erst da greift auch das Völkerrecht, das so etwas sehr genau reguliert. Mit einer Militäreinheit zunächst in einem eroberten Gebiet zu bleiben ist nicht reguliert. Das ist üblicher und zulässiger Teil des Krieges.

Israel hat nicht besetzt

Israel hat das im Gazastreifen bisher nicht getan. Weder das eine, noch das andere.

Hinweis: Die Argumentation der UN und anderer, Israel hielte den Gazastreifen „besetzt“, kommt vor allem daher, dass die palästinensischen Autonomiegebiete als staatliche Entität angesehen werden. Was sie seit dem Bürgerkrieg 2006 aber nicht mehr sind. Seit Anfang 2006 war kein Israeli mehr im Gazastreifen.
Hier geht es um den Krieg.

Mit Beginn der Bodenoffensive sind die Einheiten in den Gazastreifen, haben dort gekämpft und haben sich dann wieder zurückgezogen. Weder sind sie dortgeblieben, noch haben sie das Gelände dauerhaft gesichert.

Das hat zu vielen Problemen geführt.
Beispielsweise wurde ein Gebäude im Süden von Gaza-Stadt bekämpft und „erobert“. Am nächsten Tag kam ein Zug zurück, um den Tunneleingang im Gebäude zu sprengen. Die Hamas war jedoch zurückgekehrt und hat nun den Zug bekämpft, der große Mengen Sprengstoff bei sich hatte. Alle Israelis wurden getötet.

Ebenso im Juni 2024, als ein Konvoi bei Tel Sultan durch ein Gebiet fuhr, dass die IDF (Israeli Defence Forces) am Tag zuvor unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Der Konvoi wurde angegriffen, ein Fahrzeug explodierte, acht israelische Soldaten kamen ums Leben.

Dieses grundsätzliche Problem hat später dazu geführt, dass Israel nach der Waffenruhe gesagt hat, nun seien genug Lebensmittel im Gazastreifen und man blockiere die Hilfslieferungen (…gemäß Genfer Konventionen „IV“, Art. 23). Weil die Hamas sich immer wieder versteckt und dann zurückkehrt.

Die Schlacht am Hamburger Hill wurde während des Vietnamkrieges bekannt. Der Hügel 937 bekam seinen Namen von den Soldaten, da dort Hackfleisch aus ihnen wurde.
Innerhalb einer größeren Offensive stürmten die Marines zehn Tage lang immer wieder den Hügel und mussten schwere Verluste hinnehmen. Wenn sie oben ankamen, war keiner mehr da. Sie gingen wieder runter, wurden beschossen, und das Spiel begann von vorne. Über 630 amerikanische Soldaten verloren so ihr Leben.
Das Paradebeispiel für ein so genanntes Verzögerungsgefecht.

Amerikanische Soldaten in einer Kraterlandschaft am Hamburger Hill.

Begründete Dummheit

Das hört sich erstmal ziemlich so an, als ob da irgendwer in der Planung ziemlich blöde war. (Was ich übrigens auch so sehe, da ich als ehemaliger Unteroffizier ja zu denen gehören würde, die dort verheizt würden. Is so ein Prinzipiending.)
Taktisch und Strategisch kann es dafür aber Gründe geben.

Zur Erinnerung:
Der Gazastreifen ist kleiner als Köln. Etwa so groß wie Schwed an der Oder.
Nie von gehört? Das sagt alles.
In der Länge 40km, gäbe es eine Autobahn, wäre man in 20 Minuten durch. An der breitesten Stelle 14km.
Er ist aber sehr dicht besiedelt, denn dort leben mehr Menschen als in Hamburg.

Das bedeutet, das ist fast alles Häuserkampf.
Für ein normales Gefecht auf dem Acker benötigt der Angreifer eine Überlegenheit von etwa 2 zu 1.
In einem Verzögerungsgefecht, also wenn der Verteidiger absichtlich Raum gibt, und sich in eine bessere Position zurückzieht, benötigt man schon eine Überlegenheit von etwa 5 zu 1.
Im Häuserkampf eine Überlegenheit von 10 zu 1.

Israel hat vor allem eine „Reservisten-Armee“. Die Wehrpflichtigen müssen in der Regel drei Jahre dienen, die meisten bleiben in der Reserve. Deshalb hat Israel 170.000 aktive Soldaten, aber fast 500.000 Reservisten. Ein wehrhaftes Völkchen.

Jetzt kommt ein großes Aber:
Israel hat nur 10 Millionen Einwohner. Weniger, als in Baden-Württemberg leben, etwas mehr als die Hälfte von Nordrhein-Westfahlen. Und weniger, als alleine in Kairo leben.

Das bedeutet, dass jeder Reservist, der eingesetzt wird, spürbar in der Wirtschaft fehlt. Hinzu kommen ständige Unterbrechungen durch Fliegeralarm, Aufwand um Schäden durch Raketen zu reparieren, usw.
Laut einiger Zahlen ist die israelische Wirtschaft 2024 um etwa ein Viertel eingebrochen.

Israel hat also zwar grundsätzlich die Möglichkeit den Gazastreifen militärisch zu besetzen. Also wie in einem „normalen“ Krieg nach und nach Gebiet zu erobern und zu halten. Aber es würde Israel sehr viel kosten.

Das ist der Grund, warum beispielsweise das Al-Schifa-Krankenhaus, groß wie ein ganzes Viertel, mehrfach von den IDF eingenommen wurde. Und Brutkästen dahin gekarrt wurden und Patienten nach Ägypten und Israel verlegt wurden. Und warum insgesamt vier- oder fünfmal auf das Al-Ahli-Krankenhaus gefeuert wurde und es immer noch im Betrieb ist.

Der Normalsterbliche muss sich fragen: Irgendwann sind doch keine Krankenhäuser mehr übrig, oder? (Was wiederum zur Propaganda genutzt wird.)

Foto: Angriff auf das Europäische Krankenhaus. Der Bodeneinbruch zeigt deutlich, dass Bunkerbrecher etwas unter der Erde getroffen haben. Bei dem Angrioff wurde vermutlich Mohammed Sinwar getötet, Kommandeur der Hamas und Bruder des getöteten Yahya Sinwar (Öffnet in neuem Fenster). 13.05.2025

Absichtliches Indielängeziehen?

Das sehe ich als primären Grund, warum Israel sich immer wieder zurückgezogen hat.

Die Zahl der Soldaten, die im Gazastreifen eingesetzt sind, wird mit etwa 160.000 angegeben. Also fast die kompletten aktiven Streitkräfte.
Aber das sind ja nicht die Soldaten, die tatsächlich am Boden da rein gehen! Das sind auch Logistiker, Militärpolizei, die Luftwaffe, die Flugabwehr und so weiter. Menschen also, die auch gegen die Angriffe der Houthi und aus dem Libanon im Einsatz sind, bei der Marine zur Sicherung oder gegen den Iran eingesetzt werden. Und Reservisten, die so häufig nach Hause fahren, dass deutschen Afghanistan-Veteranen Tränen kommen.
In modernen Streitkräften ist der Anteil der tatsächlichen Kampfeinheiten zum Rest etwa 1 zu 4.

Deshalb verziehe ich immer das Gesicht, wenn jemand schreibt, Israel hätte „das beste“ Militär der Welt. Oder „das stärkste“, „das größte“, usw.
Die spielen insgesamt in einer hohen Liga. Durch den Ausbildungsstand und die Ausrüstung. Aber alleine Deutschland hat das Achtfache an Einwohnern und kommt – selbst jetzt – auf fast eine Millionen Reservisten. Wiederhole: Selbst jetzt.
Relationen, so wichtig.

Und deshalb habe ich es von Anfang an für dumm gehalten, sich immer wieder zurückzuziehen. Es kostet im Zweifelsfall Menschenleben.
Aber es gibt nun einmal gute Gründe, die nur absolute Insider und Experten beurteilen können. Und die treten weder im Fernsehen auf, noch sind es Journalisten.
Das maße ich mir nicht an. Und es sollte auch kein anderer, der nicht zu einem sehr kleinen Kreis Erlauchter gehört. Denn das ist etwas, was die Politik vorgibt. Ginge es nach den Militärs, wäre die Sache sehr sicher längst beendet.

Nur um eine Relation zu geben (wir sind ja hier aus dem Lameng): Ich glaube, ein US-Flugzeugträger mit Begleitschiffen und ein Landungsschiff mit Marines und der Gazastreifen wäre längst die Riviera, die Trump gesehen hat.
Soweit zu den Superlativen, die ständig zu diesem Kleinkrieg kolportiert werden.

Den Vorwurf, die Rechtsaußen-Regierung Israels würde den Krieg hinauszögern um Zeit zu gewinnen, kann ich nicht nachvollziehen. Jenen, die das anbringen, fehlt zumeist die Kompetenz.
Aber ich lasse ihn als diskussionswürdig gelten. Kann man drüber streiten.
Dieser Punkt dürfte sich mit der neuen Offensive nun aber klären.

Die Offensive

Israel hat nun angekündigt, eroberte Gebiete zu besetzen.
Deshalb hat es mehr Reservisten zu den Waffen gerufen. Und das kann ein „Gamechanger“ werden.
Kann, nicht muss.

Israelische Reservisten bei der Vorbereitung der Offensive.

Foto: Israelische Reservisten bei der Vorbereitung der Offensive. (18.05.2025)

Das ist schwer zu beurteilen. Umso mehr, da die Medien erneut Arbeitsverweigerung betreiben. Denn um Aussagen israelischer Politiker, der IDF und der Hamas wiederzukäuen, braucht man 2025 keine Medien mehr. Da reicht sowas wie mein Blog, und selbst das ist mir persönlich schon zu blöde.

Kommen wir also auf den Anfang zurück.
In meinen Augen wird hier von den Journalisten und den Propagandisten das militärische Besetzen mit dem politischen Besetzen a priori gleichgesetzt. Und von der UN. Denn von einer dauerhaften, also juristischen und politischen Besetzung, haben Israel und die IDF nix gesagt.
Heute erklärte Netanjahu noch, die „Kontrolle“ übernehmen zu wollen. Was ich als militärisches Besetzen deute.

Ausgenommen natürlich die Rechtsextremisten im Kabinett, vor allem Ben-Gvir und Smotrich. Die haben sehr eindeutig von einer dauerhaften Besetzung und sogar von Siedlern gesprochen.
Aber die poltern seit Beginn des Krieges herum.
Mein Job ist die militärische Beurteilung. Und für die haben diese eindeutig rechtsextremen Kräfte in der Regierung bisher keine erkennbare Auswirkungen gehabt.

Wenn Smotrich etwas zum Krieg raushaut, ist das in meiner Wahrnehmung vergleichbar damit, als würde die Ministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Verena Hubertz von der SPD etwas zur Lieferung von Taurus erzählen.

Diese Regierung besteht übrigens aus sieben (!) Parteien. Die Netanjahu zum Machterhalt unter einen Hut bringen muss. Schert nur eine aus, zerbricht die Regierung. Unsere Ampel mit drei Parteien ist schon eher mäßig gelaufen.
Man kann Netanjahu einiges vorwerfen, aber Jonglieren kann er.
(Muss ich noch erklären, dass ich die Regierung im demokratischen Rahmen scheiße finde, oder reicht das?)

Es ist zulässig, vor einer dauerhaften Besatzung zu warnen oder das zu verurteilen. Mir persönlich ist es inzwischen gleich. Da ich zwar eigentlich für eine Zweistaatenlösung bin, aber inzwischen jegliche Hoffnung auf eine Staatenbildung durch die Palästinenser verloren habe. Die dafür zwingend notwendig ist.

Aber wenn man diese militärischen Grundlagen nicht kennt, ist man sicher überfordert. Verständlicherweise.
Für mich persönlich wird erst eine dauerhafte Besetzung daraus, wenn Israel beginnt, auch dauerhaft Regierungsaufgaben im Gazastreifen zu übernehmen, ohne zu erklären, wie es weitergeht. Aber das kann noch Monate hin sein.
Alles andere ist Alarmismus.

Daher sehe ich nicht nur viele der Aussagen von Journalisten, die das nicht erklären und vielleicht gar nicht verstehen, ebenso als Propaganda, wie die Aussagen vieler Social Media Kommentatoren.

Heute Morgen hat Netanjahu verkündet, dass wieder Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelassen werden. Nach massiven Protesten aus der eigenen Regierung hat er erklärt, dass sei auf Druck von Verbündeten passiert.

Es wird Frühling in Gaza.

Aufsteigender Rauch einer Bombe hinterm Horizont vor einem Feld Sonnenblumen.
Erschienen auf steadyhq