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Samstag, 17. Januar 2026

Bundeswehr auf Grönland: Krieg mit den USA?

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Trump will Grönland haben. Die Bundeswehr hat nun 15 Soldaten nach Grönland geschickt.
Ausnahmsweise berichten die Nachrichtenmedien vernünftig. Und trotzdem fliegt so viel Unfug durch Social Media, dass ich mich gezwungen sehe, einmal kurz den Hintergrund zu beleuchten.

Um es direkt vorweg zu sagen: Es wird keinen Krieg mit den USA um Grönland geben.
Und das Titelbild zeigt auch nicht die Bundeswehrsoldaten, die jetzt nach Grönland geschickt wurden. Sondern Gebirgsjäger, die 2019 geholfen haben, Dächer von Schnee zu befreien.
Ein bewusster Seitenhieb auf die Nachrichtenmedien, die altes Film- und Bildmaterial verwenden, um das ganze martialischer aussehen zu lassen.

Die Arktis

Fangen wir am Anfang an.
Unter dem Nordpol ist kein Eis.

Wir sehen Weltkarten immer aus der eurozentrischen Perspektive. Oder wenigstens aus einer „horizontalen“ entlang des Äquators. Jeden Abend in den Nachrichten, in jedem Schulunterricht.

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Intro Screenshots der Tagesschau und des heute Journals: Europa in der Mitte.

Wir sehen die USA und Russland immer als zwei Pole auf der Welt, die auf verschiedenen Seiten liegen. Schaut man sich die Welt aber einmal von „oben“ an, also mit Draufsicht auf den Nordpol, tun sich ganz neue Perspektiven auf.

Karte mit dem Nordpol in der Mitte.

Und das bedeutet, U-Boote könnten den kürzesten Weg nehmen einfach unter dem Nordpol durchtauchen.

Gut, die USA grenzen auch unmittelbar an Russland, von Alaska aus kann man nach Russland spucken. Aber das vergessen ja auch US-amerikanische Präsidenten gerne mal. Also geschenkt.
Und jetzt kommt ein Problem hinzu. Das den USA scheinbar seit dem Zweiten Weltkrieg durchgerutscht ist, wenn es nach der jetzigen Regierung geht.

Russland hat vier Flotten.
Die Pazifik Flotte, die Baltische Flotte und die Schwarzmeer Flotte. Die größte Flotte ist aber die Nordmeer Flotte. Da sind fast alle großen U-Boote, die in einem Atomkrieg wichtig wären. Und der Flugzeugträger Kuznetsov wäre da auch, wenn er noch schwimmen könnte und nicht seit Jahren repariert würde.
Die liegen dort alle gebündelt auf der Kola Halbinsel bei Murmansk. Das ist alles voll da, mit Marinestützpunkten und Werften und Flugabwehr und so weiter: Murmansk, Polyarnyk, Severomorsk, und und und.

Karte von Murmansk

Gäbe es einen Krieg gegen die USA oder die NATO, würden die abtauchen und wären verschwunden. Und sie könnten sich unter dem arktischen Eis verstecken, wo sie schwerer gefunden werden könnten.
Und da kommt jetzt Grönland ins Spiel.

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Die neue Suvorov (K-553, NATO Code Borei) in der Murmansk-Region. 18.02.2023

Strategie und Seltene Erden

Grönland ist so zu sagen das nördlichste Festland.
Von dort aus könnte man die Schiffsbewegungen gut überwachen. Sowohl aus der Luft, als auch von Land, als auch von See aus.
Und irgendwer war so dämlich, das Trump zu erklären. Und Trump macht Trumpsachen und hat gesagt: „Das will ich. Dann ist das jetzt auch USA.“

Deshalb hat Trump mehrmals gesagt, Russland oder China könnten Grönland „besetzen“. Und er würde keinen russischen Stützpunkt neben den USA dulden. (Alaska? …ach, schon gut.)
Mir sind keine Bemühungen oder auch nur Gedankenspiele von irgendwem bekannt, Grönland zu besetzen.
China schon gar nicht, denn China könnte einen Stützpunkt da kaum versorgen und hat auch noch gar nicht die Kapazitäten der Marine, für die es sich überhaupt lohnen würde, darüber nachzudenken, sich mit der NATO anzulegen.

Denn Grönland gehört zu Dänemark. Also zu einem NATO-Verbündeten. Und mit dem Konzept NATO hat Trump ja nun seine Probleme. Seine Regierung will alles in der Amerikanischen Hemisphäre unter US-Kontrolle bringen. Das wurde in dem gerade veröffentlichten Sicherheitspapier ausdrücklich so gesagt.

Unter Grönland liegen auch die immer wichtiger werdenden Seltene Erden.
Das spielt für die USA sicher auch eine große Rolle. Denn sie brauchen das Zeug dringend, um mit China schritthalten zu können.
Aber das, was Trump so erzählt, ist halt das Militärische.

Das Strategiepapier und die neue Weltordnung
Das Weiße Haus hat die National Security Strategy 2025 herausgegeben. Diese Nationale Sicherheitsstrategie ist eine Veröffentlichung, die seit 1987 regelmäßig…
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Spaziergang im Schnee

Der Ansatz der Europäer ist jetzt etwa so, wie man ein quengelndes Kind auflaufen lässt.
Man erklärt ihm nochmal dieses NATO-Ding und sagt: „Hey, wenn du da mehr Sicherheit möchtest, kein Problem. Geht los.“

Das ist totsicher das, was in den Verhandlungen gerade abläuft.
Und deshalb haben die Bundeswehr und andere europäische Streitkräfte (Dänemark, Norwegen) nun Leute dort hingeschickt. Um mal die Lage zu checken, was so geht.
Es geht nicht darum, dort große Kontingente zu stationieren. Geschweige denn um zu planen, wie man Grönland gegen die USA verteidigt. (Was ich auch schon lesen musste.) Sondern um zu schauen, was man an Maßnahmen ergreifen könnte, um den Qängel aufs Töpfchen zu setzen. Beispielsweise durch „Hochposten“, Radar- oder Sonaranlagen oder einen NATO-Hafen.

Und um das zu prüfen, sind da jetzt erstmal ein paar Leute gucken.
Das sind keine normalen Soldaten. Das werden Planer aus dem Stabsdienst sein, Nachrichtenleute, Ingenieure, so diese Gehaltsklasse.

Man muss sich klar machen: Grönland ist so groß wie sechs Deutschlands. Oder vier Frankreichs. Oder sieben Italiens. Und weil ich Euch Tagediebe kenne: 840 Saarlande und 300 Millionen Fußballfelder.
Und dort leben nicht einmal 60.000 Menschen. So viel wie in Deutschland in einer Kleinstadt. Oder kleinen Stadt.
Grönland hat vier Tankstellen. Vier.
Da ergeben sich ganz andere Probleme.

Es macht also Sinn, da mal ein paar Leute hinzuschicken. Die das dann gemeinsam mit anderen prüfen.
Und das ist absolut alles, was gerade passiert.


Erschienen auf steady.page

Samstag, 10. Januar 2026

Die russische Hyperschall-Wunderwaffe Oreschnik


Screenshot des Einschlags bei Lwiw

In der vergangenen Nacht hat Russland die Ukraine laut dem ukrainischen Militär mit 242 Drohnen und 36 Raketen angegriffen. Prominent erwähnt wird erneut die neue Rakete Oreschnik, die von Russland als Wunderwaffe kommuniziert wird.
Ein kurzer Check. Für Laien.

Die Oreschnik ist laut Russland eine nicht abzufangende Hyperschallrakete.
Sie wurde im November 2024 erstmals eingesetzt, gegen ein Rüstungsunternehmen in der Stadt Dnipro. Damals ohne Gefechtsköpfe.

Das wurde von den Medien dankbar übernommen.
Einige Fragen in den Kommentaren auf der Facebook Fanpage und dem X-Account haben mich ermahnt, es nochmal zu erklären.

Screenshot der Meldung der Tagesschau

Neue Rakete ohne Neues

Die Oreschnik (Nato-Code SS-X-34, Орешник, „Haselstrauch“) ist im Grunde gar keine Neuerfindung.
Sie ist eine Weiterentwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 „Rubesch“ (SS-X-31), die seit 2011 in der Truppe ist.

Die Oreschnik wurde verkürzt, weshalb sie nur noch eine Mittelstreckenrakete ist. Dafür verfügt sie über die Möglichkeit, bis zu sechs kleinere Gefechtsköpfe zu tragen.

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Eine der wenigen frei zugänglichen Fotos, die angeblich eine Oreschnik zeigen sollen. Aufgenommen bei der Indienststellung in Belarus im Januar 2023.

Sie ist ballistisch.
Das bedeutet, sie steigt sehr hoch in die Atmosphäre, fällt dort auseinander und die „Spitze“ löst dann beim Wiedereintritt die einzelnen Gefechtsköpfe. Das ist es, was die Oreschnik tatsächlich gefährlich macht.
Dahinter steht jedoch ein großes Aber.

Das große Aber

Zunächst einmal ist jede ballistische Rakete bei Wiedereintritt „Hyperschall“. Das bedeutet, dass sie eine Geschwindigkeit von über 5 Mach erreicht.
Das entspricht etwa 6100 km/h. „Etwa“, weil die Angabe in Mach vom Luftdruck abhängig ist. Mach 5 bedeutet in dieser Höhe also etwas anderes, als Mach 5 auf Höhe des Meeresspiegels.
Die Oreschnik soll Mach 10 erreichen können.

Deshalb ist „Hyperschall“ ein Schlagwort, um zu triggern. Der Nutzen von „Hyperschall“ ergibt sich erst beim Wiedereintritt, wo der oder die Gefechtsköpfe diese Geschwindigkeit erreichen.
Geschwindigkeit ist aber nur eine Möglichkeit, Raketen (oder Marschflugkörper) schwerer abzufangen zu machen.

Die Ukraine verfügt derzeit über kein Waffensystem, das eine solche Rakete abfangen kann.
Die Logik beim Abfangen ist nämlich, solche Raketen in großer Höhe zu treffen, wo sie langsamer sind. Dafür sind sehr große Raketen notwendig. Über solche Systeme verfügen nur wenige Staaten weltweit, beispielsweise die USA, China und Russland. Und auch die Bundeswehr, die derzeit das System Arrow 3 von den Israelis bekommt, die erste Einheit ist bereits einsatzbereit. (Übrigens am Stützpunkt Schönewalde/Holzdorf, wo seitdem mehrere Drohnen gemeldet wurden.)

Operation Caracas: Einfach mal einen Präsidenten abholen
In der Vergangenen Nacht haben US-amerikanische Einheiten vor allem Venezuelas Hauptstadt Caracas angegriffen. Auf seiner Social Media Plattform hat Donald Trump bekannt…
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Diese wird die Oreschnik von vergangener Nacht auch auf dem Schirm gehabt haben.
Damit da nichts passiert und ein Dritter Weltkrieg ausbricht, gibt es den „Nuclear risk reduction channel“. Ein Kommunikationsnetz, über das beispielsweise Russland die USA oder Europa vorher informieren, wenn eine solche Waffe eingesetzt wird.
Zusätzlich gibt es eine entsprechende Überwachung. Ich würde behaupten, Russland kann keine Mittelstreckenrakete starten, ohne dass zumindest Five Eyes das mitbekommt. (Australien, Canada, Neuseeland, USA und Großbritannien)

Zudem wird ständig nachgefeilt.
Beim iranischen Angriff auf Israel ist dem Arrow 3 beispielsweise eine ähnliche Rakete (Fattah) „durchgegangen“. Das wurde natürlich sofort nachgearbeitet. Ebenso wurden andere Hyperschallwaffen wie die Kinschal bereits durch die neuste Version von Patriot-Raketen abgefangen.

Wozu die Show?

Es ist also absolut nicht so, wie Russland es verkauft und wie reißerische Medienmeldungen glauben machen.

Wozu also der Einsatz?
Kurze Antwort: Terror und Propaganda. Show of force, Machtdemonstration.

Krankenwagen vor einem großen Wohnblock, in den eine Rakete eingeschlagen ist.
Treffer in einem Wohnlock in Kyjiw in der vergangenen Nacht.

Bei dem Angriff in der vergangenen Nach wurden vor allem Wohnhäuser getroffen.
Russland selber gibt an, dass die Raketen von Land und See aus abgefeuert wurden. Bei den von See aus abgefeuerten Raketen wird es sich vor allem um Kalibr (SS-N-27, SS-N-30) gehandelt haben. Bei den Raketen, die von Land aus abgefeuert wurden, eher um Iskander (SS-26 Stone, SS-C-7, SS-C-8) und CH-101 (AS-23 Kodiak).
Die Russen „verstecken“ solche Raketen und Marschflugkörper in einem Schwarm von billigen Drohnen, um der Flugabwehr zu erschweren, die richtigen Ziele auszuwählen und den passenden Abwehrsystemen zuzuweisen.

Die meisten dieser Angriffe erfolgten in der Hauptstadt Kyjiw. Die Oreschnik ging allerdings in der Nähe von Lwiw, ganz im Westen der Ukraine, runter. Nahe der polnischen Grenze. Dort wurde vermutlich ein Gasspeicher getroffen, oder irgendetwas, was zur Energie-Infrastruktur gehört. Kein Waffendepot, kein Flugplatz oder ähnliches.

Solche Ziele sind militärisch eher sekundär.
Nicht unwichtig und nicht, wie häufig behauptet, vom Kriegsvölkerrecht geschützt. Aber sekundär.
Es hätte sicher weit bessere Ziele gegeben, auch im Westen der Ukraine. Diese werden aber inzwischen gut geschützt.

Screenshot der Meldung
Eindeutig Clickbait der Berliner Morgenpost vom August 2025.

Russland hat also eine sehr neue und sehr teure Rakete in ein eher unwichtiges Ziel gehauen. Während es in Kyjiw eher wahllos auf Wohnhäuser gefeuert hat. (Übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erneut allesamt Kriegsverbrechen.)

Es ist ein „Seht her, was wir können!“
Jemandem, der sich damit näher beschäftigt, sagt das alles aber sofort, dass Russland eben nicht so viel kann.

Die Oreschnik sollte ab November 2024 in Serienproduktion gehen. Damals groß angekündigt und durch Anordnung Putins persönlich gestartet. Sie wurde aber seitdem nicht eingesetzt.
Ich habe mir mehrere Videos der Einschläge bei Lwiw angeschaut. Ich behaupte einfach frech, dass erneut keine Gefechtsköpfe verwendet wurden. Es sind nämlich keine Detonationen zu sehen. Das bedeutet, die Gefechtsköpfe wirken nur durch die pure kinetische Energie. Was bei locker 10.000 km/h ja einiges ist, aber eben nur inhärent.
Das ist, als würde man heute eine Fernbedienung als neues Feature eines Smart-TV verkaufen. Es geht gar nicht ohne.

Daher halte ich die Frage für nicht abwegig, ob Russland überhaupt über Gefechtsköpfe verfügt.
Denn bei einer solchen „Show of Force“ (wie beispielsweise auch in Venezuela) wäre es doch weit sinnvoller gewesen, auch das einmal zu zeigen. Da war aber nichts.

So erschreckend der Einsatz ist, aber die Wirkung der anderen Raketen und Marschflugkörper ist für die ukrainische Bevölkerung weit verheerender.


Erschienen auf steady.page


Donnerstag, 20. November 2025

Zitate Putins zur NATO

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Diesen Beitrag vom 21.01.2023 veröffentliche ich aus gegebenem Anlass nochmals hier.
Es ist nach wie vor beeindruckend. Man hätte nur zuhören müssen.

Die russische Propaganda hat viele Gründe für den Überfall auf die Ukraine genannt.
Die Gefahr durch den Beitritt zur NATO, also die quasi Selbstverteidigung. Die so genannte Entnazifizierung. Die angebliche Unterdrückung russischer Bürger in der Ukraine.

Diese Argumente werden seit dem Überfall eher im Ausland, vor allem in Europa, reproduziert. In Russland selber sind sie gar nicht so präsent. Dort geht es längst um den Kampf gegen den Westen, der Russland angeblich zerstören will.

Es ist wichtig, die russische Welt zu verstehen. Die Dreieinigkeit der russischen Völker: (Groß-) Russland, Weißrussland (Belarus) und Kleinrussland (Ukraine). Der absolutistisch herrschende Führer, egal in welcher Staatsform. Der Fatalismus der russischen Bevölkerung. Das Verständnis der Demokratie als „Chaos“ und Schwäche.

Der Zerfall der Sowjetunion hat die russische Seele tief verletzt. Nicht, weil der Kommunismus gescheitert ist. Sondern weil die Vasallenstaaten, die fast ausschließlich mit Waffengewalt „befreit“ wurden, sehr schnell von Russland abgefallen sind. Das widerspricht der Mentalität und der Vorstellung der Einigkeit aller slawischen Völker unter der Herrschaft Russlands zutiefst.

Putin hat dies ausgenutzt. Nachdem er seine Macht gefestigt hatte, hat er Stück für Stück diesen nationalistischen Gedanken wieder aufgebaut. Beispielsweise das Narrativ der Russen in der Ukraine.
Parallel wurde 2001 die rechte, nationalistische und etatistische Partei Einiges Russland (Jedinaja Rossija, Единая Россия) gegründet. Der Putin nicht einmal angehört, er ist parteilos.
Durch einen Zusammenschluss mit anderen Parteien hat die Jedinaja Rossija seit 2003 eine mindestens Zweidrittelmehrheit im Parlament.

Und genau davor haben Experten bereits vor zehn Jahren gewarnt. Es wurde von der Wirtschaft, von der Politik und letztendlich in der Öffentlichkeit ignoriert. Man hat Russland lieber als „Freund“ gesehen, bei dem man preiswert fossile Brennstoffe kaufen kann.

Sagt man, dass es Russland ausschließlich darum geht, sich die Ukraine einzuverleiben, wird man häufig mit eben diesen Propaganda-Argumenten angefeindet.
Also wer könnte es besser veranschaulichen, als Putin selber?

Ich habe einige Zitate Putins zur Ukraine herausgesucht, übersetzt und in die chronologische Reihenfolge gebracht.

Mai 2002

„Die Ukraine ist ein unabhängiger, souveräner Staat, der seinen eigenen Weg zu Frieden und Sicherheit sucht. Eine solche Konversation wäre völlig angemessen und vollkommen möglich. Ich sehe da sicherlich nichts Heikles, nichts was einen Schatten auf die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine werfen könnte.“

Nach der Beschließung des NATO-Russland-Rates in Rom

25.04.2005

„Vor allem sollten wir anerkennen, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion eine große geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts war. Und für die russische Nation wurde es zu einem echten Drama. Zehnmillionen unserer Mitbürger und Landsleute fanden sich außerhalb des russischen Territoriums wieder. Zudem hat der Zerfall Russland selber infiziert.“

Jährliche Ansprache vor der Versammlung der russischen Föderation.

13. 07.2006

„Man muss unsere Interessen respektieren, da fast 17 Millionen ethnische Russen in der Ukraine leben und die Hälfte aller ukrainischen Familien Verbindungen zur russischen Föderation haben.“

Interview, ZDF

19.12.2007

„Von den 45 Millionen ukrainischen Einwohnern sind 17 Millionen ethnische Russen, und das ist nur das, was in den offiziellen Statistiken steht. Fast 100 Prozent der Bevölkerung betrachten Russisch als ihre Muttersprache... gut, vielleicht 80 Prozent.“

Interview Time Magazine

Anm.: Laut Census 2001 betrachteten 29,3% der Bevölkerung in der Ukraine Russisch als ihre Muttersprache

02.04.2008

„Aber in der Ukraine sind ein Drittel ethnische Russen. Von den 45 Millionen Menschen, laut offiziellem Census, sind 17 Millionen Ethnische Russen. Es gibt Gegenden, wo nur Russen leben, beispielsweise die Krim. 90 Prozent sind Russen. Allgemein kann man sagen, die Ukraine ist ein sehr komplizierter Staat. Die Ukraine, so wie sie derzeit existiert, wurde während der Sowjetzeit geschaffen, es erhielt Territorien von Polen – nach dem zweiten Weltkrieg von der Tschechoslowakei, von Rumänien – und bisher sind nicht alle Probleme in der Grenzregion zu Rumänien im Schwarzen Meer gelöst. Dann bekam es große Gebiete von Russland im Osten und Süden des Landes.
Es ist ein kompliziertes Staatsgebilde. Wenn wir dazu noch NATO-Probleme zufügen, andere Probleme, kann es das Land an den Rand seiner Existenz bringen.
Komplizierte innenpolitische Probleme finden dort statt. Wir müssen sehr sehr vorsichtig handeln. Wir haben kein Recht auf einen Einspruch, und vermutlich sollten wir nicht so tun als hätten wir es.
Aber ich möchte, dass alle von uns, wenn wir über solche Fragen beratschlagen, realisieren, dass wir unsere eigenen Interessen dort haben. Nun, 17 Millionen Russen leben aktuell in der Ukraine. Wer will behaupten, wir hätten dort keine eigenen Interessen? Südlich, im Süden der Ukraine, sind ausschließlich Russen.“

Rede beim NATO-Gipfel in Bukarest

Anm.: Es wurden einfach die 17 Prozent ethnisch russischer Einwohner mit 17 Millionen vertauscht. Tatsächlich lebten zu dem Zeitpunkt 8,3 Millionen ethnischer Russen in der Ukraine, ca. 17,3 Prozent. Der Anteil der ethnischen Russen auf der Krim war nicht 90 oder 100 Prozent, sondern 59 Prozent.

02.04.2008

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George W. Bush und Wladimir Putin, Bukarest 2008
„Verstehst du, George, die Ukraine ist nicht einmal ein Staat. Was ist die Ukraine? Teile davon sind Osteuropa, aber der größere Teil ist ein Geschenk von uns.“

Im Gespräch mit dem Präsidenten der USA George W. Bush während des NATO-Gipfels in Bukarest

Anm.: Dieses Gespräch wurde von einem Whistleblower an die unabhängige russische Wirtschaftszeitung Kommersant weitergegeben. Journalisten wurden entlassen, ein bekannter Journalist 2010 in seiner Moskauer Wohnung überfallen und zusammengeschlagen. Die Online-Seite der Zeitung ist nicht mehr erreichbar.
Laut der Quelle hat Putin weiter gesagt, dass wenn die Ukraine weiter Verbindungen zur NATO suche, sie aufhören würde zu existieren.

29.08.2008

„Die Krim ist kein umstrittenes Territorium. Dort gab es keinen ethnischen Konflikt, anders als der Konflikt zwischen Südossetien und Georgien. Russland hat lange die Grenzen der modernen Ukraine anerkannt.“

Interview mit der ARD in Sotchi

24.05.2009

[Anton Denikin schrieb in seinem Tagebuch] „er hatte eine Diskussion über Groß- und Kleinrussland, die Ukraine. Er sagte, es sollte niemandem erlaubt sein sich in unsere Beziehungen einzumischen; es war immer nur Russlands Angelegenheit.“

Anlässlich einer Kranzniederlegung an Anton Denikins Grabmal in Moskau

18.03.2014: Annexion der Krim.

29.08.2014

„Es sind Historiker anwesend, und Menschen mit ihrer eigenen Sicht auf die Geschichte unseres Landes mögen mit mir streiten, aber ich denke dass das russische und das ukrainische Volk praktisch ein Volk sind, egal was andere sagen.“

Rede vor dem Seliger National Youth Forum

02.09.2014

„Das ist nicht die Frage. Aber wenn ich wollte, könnte ich Kiew in zwei Wochen einnehmen.“

In einem Telefonat mit dem Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso auf die Frage, ob russische Truppen die Grenze zur Ostukraine überschritten hätten.

18.03.2015

„Wir in Russland haben Russen und Ukrainer immer als ein Volk angesehen. Das glaube ich immer noch.“

Rede anlässlich eines Konzertes in Moskau zur einjährigen Annexion der Krim

16.06.2015

„Es befinden sich keine russischen Truppen in der Ukraine.“

Vice News

Anm.: Die Krim hat er außer Acht gelassen, da es als russisches Territorium angesehen werden soll. Dort wurden 2014 russische Einheiten ohne Hoheitszeichen eingesetzt, die als „grüne Männchen“ bezeichnet wurden.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits nachgewiesen, dass russische Truppen seit 2014 auch im Donbass operierten.

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Der Oberst des russischen Geheimdienstes GRU Igor Girkin, Deckname Strelkov, überschritt spätestens im April 2014 die Grenze zum Donbass mit 52 Mann. Er fand jedoch nur höchstens 200 Unterstützer, weshalb er ungeplant offen als Anführer auftrat. Einem Monat vor Putins Äußerung haben russische Panzer an einer Parade in Donezk teilgenommen.

07.03.2018

„Ukrainische Soldaten werden im Donbass getötet. Das ist schrecklich. Wenn ich darüber nachdenke, hinterlässt das einen starken Eindruck auf mich. Weil ich sie als welche von uns sehe.“

Twitter

18.10.2018

„Die Krim ist unser Land. Selbst wenn sich jemand entscheidet mit mir darüber zu streiten, würde die Auseinandersetzung schnell enden.“

Internationaler Diskussionsklub „Waldai“

04.11.2021

„Es ist natürlich hier, in Sewastopol, auf der Krim, dass man einen eindringlichen Eindruck dieses vitalen, untrennbaren Band bekommt. Krim und Sewastopol gehören jetzt zu Russland und werden es für immer. Denn das war der Wille des souveränen, freien und kompromisslosen Willens unseres gesamten Volkes.“

Rede zum Tag der Einheit des Volkes

08.02.2022

„Warum ist der potentielle Beitritt der Ukraine zur NATO gefährlich? Das Problem existiert. Beispielsweise glauben europäische Staaten, inklusive Frankreich, dass die Krim Teil der Ukraine ist. Aber wir glauben, es ist Teil der Russischen Föderation. Und was passiert, wenn Versuche unternommen werden, das militärisch zu ändern? Behalten Sie im Gedächtnis, dass die Ukrainische Doktrin Russland zum Feind erklärt und die Möglichkeit festhält, die Krim zurückzuerobern. Auch mit militärischen Mitteln.
Stellen Sie sich vor, was passieren könnte, wenn die Ukraine Mitglied der NATO wäre, Artikel 5 ist nicht abgeschafft. Im Gegenteil, Mr. Biden, der Präsident der Vereinigten Staaten, hat gesagt, der Artikel 5 sei eine heilige Pflicht und wird geehrt werden. Das ist belastet durch eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO.
Fragen Sie ihre Leser, Ihre Zuschauer und die Nutzer der Online Plattformen »Wollt Ihr, dass Frankreich gegen Russland kämpft?« Denn genau das wird passieren.“

Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Emanuel Macron

Anm.: Nicht europäische Staaten „glauben“, dass die Krim zur Ukraine gehört, sondern das Völkerrecht und die Vereinten Nationen.
So lange auf dem international anerkannten Staatsgebiet der Ukraine ein Bürgerkrieg herrscht oder Teile besetzt sind, ist ausgeschlossen, dass sie der NATO hätte beiträten können. Zudem müssten alle Mitglieder einer Aufnahme zustimmen. Es gab aber nicht einmal konkrete Vorgespräche oder einen Antrag der Ukraine.
Das skizzierte Szenario ist also unmöglich.

08.02.2022

„Ist Ihnen klar, dass wenn die Ukraine der NATO beitritt und sich entscheidet die Krim militärisch zurückzuerobern, die europäischen Staaten automatisch in einen militärischen Konflikt mit Russland gezogen würden?
Natürlich sind das Potential der NATO und das Russlands nicht zu vergleichen. Wir verstehen das. Aber wir verstehen auch, dass Russland eine der weltführenden Nuklearmächte ist. Und es ist vielen dieser Länder in der Anzahl der modernen, nuklearen Waffen überlegen. Aber es wird keine Gewinner geben und Sie werden sich gegen Ihren Willen in einen Konflikt gezogen sehen. Sie werden den Artikel 5 des Vertrages von Rom innerhalb eines Herzschlages erfüllen.
Natürlich will der Präsident diese Entwicklung nicht. Und ich will sie auch nicht. Deshalb ist er hier und hat mich sechs Stunden lang mit seinen Fragen, Garantien und Lösungen belästigt.
Ich glaube, er hat eine hochmütige Aufgabe, und ich bin dankbar für seine Bemühungen. Für unseren Teil werden wir unser Bestes tun, für alle zufriedenstellende Kompromisse zu finden.“

Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Emanuel Macron

Zum Zeitpunkt dieser Pressekonferenz standen die russischen Truppen seit mehreren Wochen an der ukrainischen Grenze bereit.
Nur 16 Tage später begann der Überfall.


Erschienen auf steady.page