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Samstag, 24. Januar 2026

Linke nominiert Palästina-Aktivist als Bürgermeisterkandidat, Boykottaufruf gegen jüdische Unis: Linker Judenhass in Berlin immer furchterregender

von Olli Garch

Ahmed Abed, palästinensischstämmiger Neuköllner Linken-Kandidat und eingefleischter Israel-Hasser 



Der Antisemitismus war und ist bei den deutschen und westlichen Linken seit eh und je tief verwurzelt; doch seit dem Hamas-Massaker in Israel vom 7. Oktober 2023 tritt er unverhüllter denn je zutage – und verbindet sich mit dem von Millionen muslimischer Migranten eingeschleppten Judenhass. Und die Linke muss man mittlerweile als die Partei ansehen, in der Antisemitismus integraler Bestandteil des Programms ist, wenn auch noch nicht offiziell, so aber doch personell. Denn die Partei ist Sammelbecken von Judenhassern und islamischen U-Booten, die über die Linke gesellschaftspolitischen Einfluss erlangen, obwohl sie eigentlich in diesem Land nicht das Geringste verloren haben – und bei dieser Geisteshaltung auch klar dann nicht, wenn sie offiziell auf dem Papier Passdeutsche sind. In Berlin-Neukölln, einem besonders stark von Muslimen bevölkerten Stadtteil des Shitholes an der Spree, wurde am vergangenen Samstag nun Ahmed Abed mit 82 Prozent der Stimmen zum Kandidaten der Linken bei der nächsten Bezirksbürgermeisterwahl nominiert. Bei diesem „Deutsch-Palästinenser“ und Rechtsanwalt handelt es sich um einen glühenden Antisemiten und Israelverachter reinster Couleur. Abed, der behauptet, Angehörige in Gaza zu haben, von denen „einige ermordet wurden“, hatte im vergangenen Oktober Tzvika Brot, den Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Bat Yam, der auf Einladung von Bezirksbürgermeister Martin Hikel zu Besuch in Berlin war, lautstark als „Völkermörder“ beschimpft. Daraufhin wurde er des Saales verwiesen, worauf seine Genossen ihm umgehend folgten.

Vor Verwaltungsgerichten vertritt Abed regelmäßig Mitglieder der Israel-Boykottbewegung BDS und der Initiative „Bundestag 3 for Palestine“ (BT3P). Remko Leemhuis, der Direktor des American Jewish Committee (AJC) Berlin, sprach von einer dauerhaften Rolle Abeds „als Hausanwalt einer klar identifizierbaren antiisraelischen und antisemitischen Szene“. Seit Jahren lehne Abed systematisch Resolutionen gegen Antisemitismus sowie Beschlüsse zur Solidarisierung mit jüdischen Opfern ab und begründe dies regelmäßig mit angeblicher “Einseitigkeit”. Damit stelle er den Schutz jüdischen Lebens „nicht als Selbstverständlichkeit dar, sondern als eine verhandelbare Größe“. Abed trat selbst als Redner bei Gaza-Demonstrationen auf, bei denen Israel-Flaggen verbrannt und Gewaltakte verübt wurden. Zudem unterhält er Verbindungen zum Umfeld der 2023 verbotenen radikal-islamischen Samidoun-Bewegung. Natürlich faselt auch er von einem „Genozid in Gaza“ und von „antimuslimischem Rassismus“. Den deutsch-israelischen Psychologen und Islam-Experten Ahmad Mansour bezeichnete Abed als „rassistischen Islamhasser“. Mansour gelang es immerhin, diese dreckigen Hasslügen und Diffamierungen Abends gegen sich gerichtlich verbieten zu lassen.

Verbreitete Fassungslosigkeit

Auch bei anderen Parteien löste Abeds Nominierung Fassungslosigkeit aus. Der CDU-Kreisvorsitzende Falko Liecke nannte sie einen „Angriff auf jüdisches Leben“, fast wortgleich äußerte sich der scheidende SPD-Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der im November von seiner Partei abgesägt wurde, weil er sich weigerte, den Islam-Beschwichtigungskurs mitzumachen, den sie ihm abverlangte. Und dennoch: Es ist skandalös, dass gerade die CDU mit einer Partei mancherorts sogar koaliert, die solche Äußerungen in ihren Reihen duldet – während sie zur AfD jegliche Verbindung meidet. Natürlich nimmt die Linken-Chefin Ines Schwerdtner Abed gegen alle Vorwürfe vehement in Schutz: Der Parteivorsitzenden fiel nichts Besseres ein als von einer „unsäglichen Hetzkampagne“ zu schwadronieren, die „gegen unseren Genossen & Bürgermeisterkandidaten“ laufe. Abed stehe „für soziale Politik und Palästinasolidarität in Neukölln. Wer ihn diffamiert, greift uns alle an“. Die Landesvorsitzende Kerstin Wolter bezeichnete Berichte über Abeds Israelfeindlichkeit als „unter aller Kanone“ und die Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität Die Linke Berlin verkündete: „Springer hetzt! Wir stehen hinter Ahmed!“

Da passt es ins Bild, dass an diesem Wochenende ein Bündnis aus linken und linksradikalen propalästinensischen Gruppen, an dem auch mehrere Unterorganisationen der Linken beteiligt sind, eine „Academic Boycott Conference“ in Berlin veranstaltet und fordert, dass europäische Hochschulen ihre institutionelle Zusammenarbeit mit israelischen Einrichtungen aussetzen. Israelische Universitäten seien zentral für die militärisch-industriellen Strukturen des Landes, behauptete eine Sprecherin. Durch die Aufrechterhaltung von akademischen Beziehungen würden Studierende und Wissenschaftler in Europa zu Komplizen. 200 Teilnehmer werden erwartet, All das zeigt, dass Berlin 80 Jahre nach dem Holocust wieder zum Zentrum des europäischen Judenhasses geworden ist, diesmal aber des linken und muslimischen. Und die SED-Nachfolgepartei spielt bei alldem eine Schlüsselrolle, womit sie ihre katastrophale und verhängnisvolle Geschichte nahtlos fortsetzt.


Freitag, 16. Januar 2026

Briefing Iran

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Flugzeugträger USS Lincoln

Ein Luftschlag der USA gegen den Iran wird immer wahrscheinlicher, die militärischen Vorbereitungen laufen. Umso mehr Falschmeldungen geistern durchs Netz, vermengt mit Mutmaßungen und Propaganda.
Ich möchte versuchen ein klares Lagebild zu geben, um daraus dann Rückschlüsse ziehen zu können.

Einige Meldungen kamen in der vergangenen Nacht nach und nach rein.
Das alleine zeigt, dass da Bewegung drin ist. Es ist also insgesamt eine Phase der Vorbereitung, die durch das dynamische Geschehen sehr ernst zu nehmen ist.

• Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte gestern zwei ungenannte europäische Offizielle, dass ein Schlag gegen den Iran innerhalb der nächsten 24St erfolgen könnte.

• Im Iran wurde das Kriegsrecht ausgerufen.

• Die israelische Regierungsmaschine „Wing of Zion“, das Pendant zu den amerikanischen Air Force One, hat gestern Israel verlassen.
Diese Maschine ist auch ein Kommandostützpunkt. Israel hat nur eine solche Maschine. Daher geht sie bei einer Bedrohung in die Luft, so auch vor dem letzten Schlagabtausch mit dem Iran. Das sagt nichts darüber aus, wer dringesessen hat.

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Die israelische „Air Force One“, die Wing of Zion.

• Mehrere Fluggesellschaften ziehen ihr Personal aus Israel ab und haben alle Flüge von und nach Israel gecancelt. Darunter auch die deutsche Lufthansa.

• Batterien des Iron Dome wurden mindestens in Jerusalem in Stellung gebracht.
Das sind Flugabwehrraketen für die niedrigen Höhen, die häufig fälschlich für den gesamten Flugabwehrschirm Israels namensgebend sind.

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Ein Starter des Dystems Iron Dome.

• Bereits seit der vergangenen Woche haben die USA viele Transportmaschinen oder Tanker nach oder über Europa verlegt, darunter mehrere Stratotanker (Boeing KC-135). Diese können lange in der Luft bleiben und Bomber und Jagdbomber im Flug auftanken.

• In den frühen Morgenstunden europäischer Zeit hat der Iran seinen Luftraum gesperrt.

• Die USA haben in der gesamten Region Personal und Material abgezogen bzw. verteilt. Man spricht von „dislozieren“, damit sie schlechter zu bekämpfen sind. So im und aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Oman und Kuweit.
Unter anderem war viel Bewegung auf der Al Udeid Air Base in Katar, so zu sagen vor der iranischen Haustüre. Das ist der größte Flugplatz der Region und der, von dem der Iran beim letzten Mal behauptet hatte, ihn zerstört zu haben.

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Luftbild der Air Base Al Udeid in Katar.

• Ebenfalls in den frühen Morgenstunden kam die Falschmeldung auf, die USA hätten den Flugzeugträger Theodore Roosevelt vorm Iran. Darauf sind auch MilBlogger und hochrangige ehemalige Soldaten reingefallen.
Zum einen spricht man eigentlich nie von einem Flugzeugträger, es ist immer eine Gruppe. Zum anderen handelte es sich um die USS Roosevelt. Ohne „Theodore“. Und das ist ein Zerstörer der Arleigh Burke Klasse.

• Ich habe die Einschätzung gelesen, dass Trump persönlich bei so etwas nur mitmacht, wenn er maximale Sicherheit hat. Er möchte den Friedensnobelpreis, weit wichtiger ist aber, dass er seinen Maga-Wählern keine Verluste erklären muss. Das halte ich für ein sehr kluges Argument.
Um einschätzen zu können, ob oder wann die USA angreifen könnten, muss man sich also anschauen, welche Kapazitäten sie hätten und was da gerade so passiert.

• In Reichweite zum Iran liegen die Zerstörer USS Roosevelt (DDG-80), die USS Mitscher (DDG-57) und die USS McFaul (DDG-74). Alle drei gehören zur Arleigh Burke Klasse.
Das sind so genannte Lenkwaffenzerstörer, die jeweils 90 und mehr Senkrechtstarter haben, aus denen unterschiedliche Raketen abgefeuert werden können.

• Darüber hinaus habe ich von einem vierten Zerstörer und einem Atom-U-Boot gelesen, konnte das aber nicht verifizieren.

• In der Region operieren auch die USS Canberra (LCS-30), die USS Tulsa (LCS-16) und die USS Santa Barbara (LCS-32). Das sind Fregatten der neuen Independence Klasse, die für asymmetrische und küstennahe Kriegsführung und nachrichtendienstliche Aufklärung konzipiert sind.
Das macht Sinn. Denn der Arabische Golf und der Golf von Oman bzw. der indische Ozean sind durch eine Meerenge, die Straße von Hormus, voneinander getrennt. Durch diese Straße von Hormus gehen etwa 25% des weltweiten Öl-Handels. Und der Iran droht immer wieder damit, diese Meerenge zu verminen. Deshalb ist es sehr naheliegend, dass solche Einheiten ständig zur Aufklärung dort unterwegs sind.

• Am frühen Morgen kam dann die Bestätigung, dass die USA die „Battle Group“ des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln (CVN-72) vor den Arabischen Golf beordert haben. (Titelbild) Dazu gehören mindestens (!) die USS Spruance (DDG-111), die USS Michael Murphy (DDG-112) und die USS Frank E. Petersen Jr. (DDG-121). Ebenfalls alles Zerstörer der Arleigh Burke Klasse.

• Zu der Battle Group gehört immer auch mindestens ein Atom-U-Boot, derzeit der Ohio Klasse.
Das sind U-Boote, die ballistische Raketen starten können (SSBN), auch ohne aufzutauchen. Es sind also Drittschlagwaffen für einen Atomkrieg.
Vier Schiffe der Klasse wurden aber zu SSGN umgebaut, zu Trägern für eine große Anzahl von Marschflugkörpern. Diese Schiffe können bis zu 154 Tomahawk Raketen abfeuern.
Ein solches Schiff wurde nun gemeldet.
Für mich unklar ist, ob das nun zur Battle Group gehört, oder bereits vorm Iran liegt. Ob also eins operiert, oder zwei.

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Die SSGN Ohio

• Zu einer solchen Battle Group gehören auch immer Versorger, um die Schiffe „nachladen“ zu können.
Das bedeutet, diese genannten Schiffe können leicht 1000 Raketen verschießen.
Und sie haben verschiedene Möglichkeiten, über die U-Boote, Helikopter und Fregatten Teams für Spezialoperationen abzusetzen.

• Durch das aufgebaute Netz von Tankern ist es, wie beim Schlag gegen das iranische Atomprogramm, zusätzlich möglich, B2 Bomber einzusetzen. Diese können ohne Zwischenstopp aus den USA kommen.

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Ein B2 Bomber in der Einsatzvorbereitung.

• Verschiedene Quellen haben wiedergegeben, die Verlegung der Battle Group würde sechs bis acht Tage dauern. Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, wie man darauf kommt.
Erstens kann eine solche Battle Group locker mit 30 Knoten laufen (ca. 55 km/h). Wir sprechen also über höchstens sechs Tage Anreise aus dem südlichen Chinesischen Meer. Dabei werden aber zwei Faktoren nicht berücksichtigt. Zum ersten wird CENTCOM das nicht veröffentlicht haben, als sie angerufen haben. Die werden sicher längst auf dem Weg gewesen sein. Zudem weiß ja keiner so genau, wo sie waren.
Und zum zweiten hat eine solche Gruppe einen Einsatzradius von 1000 Kilometern. Das ist so ein Pi mal Auge, eine Eselsbrücke. Einige Flugzeuge können das nicht, andere können mehr. Mit Luftbetankung (und deshalb ist die Verlegung und Dislozierung spannend), kann das aber leicht verdoppelt und verdreifacht werden.

Lagekarte

Einschätzung

Ich bin keineswegs sicher, ob ein Luftschlag erfolgen wird.
Es ist wahrscheinlich, man sollte aber auch nicht überrascht sein, wenn er ausbleibt.
Viele Faktoren sind entscheidend. Die USA werden sich nicht nur mit Israel abstimmen, sondern u.a. auch mit Katar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Denn die würden einen Vergeltungsschlag abbekommen.

Spannend ist auch immer Saudi-Arabien. Denn die sind eigentlich der Erzfeind des Irans. Halten sich aber schön aus allem raus. Würde der Iran die Saudis angreifen, kämme es vermutlich zu einem Krieg, der auch Iran-Irak weit in den Schatten stellen könnte.

Wenn es knallt, dann richtig.
Wie ich schon einmal schrieb: Wenn etwas brennt, dann muss es so brennen, dass der Feuerschein im gesamten Iran gesehen wird.

Die Flugabwehr ist nach dem letzten Schlagabtausch nahezu ausgeschaltet. Der Iran verfügt nicht über die Kapazitäten. Die USA könnten – überspitzt – über dem Iran machen, was sie wollen.

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B2 beim Start in den USA.

Gefährlicher sind die Gegenschläge. Denn der Iran verfügt durchaus noch über ausreichend ballistische Raketen, die in Israel oder den Emiraten durchaus etwas anrichten können.

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Iranische Raketen bei einer Übung.

Die USA wird also vermutlich vor allem diese Systeme angreifen. Und erst sekundär dann Kasernen und Einrichtungen der Revolutionsgarden, der Basij-Milizen und Imam Ali Bataillone, die die Bevölkerung terrorisieren und massakrieren. Es sind hochmobile Milizen, mit Gewehren auf Motorrädern. Das wird man nicht aus der Luft erledigen können. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass die Iraner selber das werden erledigen müssen, um das Mullah-Regime zu beenden.

Ein anderer Faktor sollte aber nicht unterschätzt werden.
Der kurze Krieg gegen Israel hat bereits dazu geführt, dass ein immenser Schaden angerichtet wurde. Das, zusammen mit den Problemen überhaupt noch Öl verkaufen zu können, hat zum Einbruch der Währung geführt. Und das war wiederum Auslöser für die derzeitigen Unruhen. (Der Auslöser, nicht der Grund! Das Zünglein an der Waage.)

Dennoch gibt es immer mehr Meldungen, dass die Proteste bereits weitestgehend in sich zusammengebrochen sind. Die Frage wird dann also sein, ob ein Luftschlag ausreicht, die iranische Bevölkerung erneut zu befeuern.


Erschienen auf steady.page

Iran: Nur Mullahs eines „Regimes“? Es sind Islamisten!

von Albrecht Künstle

Sitzt weiter – oder wieder? – fest im Sattel: Oberster Führer Khamenei



Im Zusammenhang mit dem Aufstand großer Teile der Iranerinnen und Iraner gegen “die „Mullahs“ wird in den westlichen Medien, fast verharmlosend, stets vom “Kampf gegen das Regime” gesprochen. Doch Regimes gibt es überall auf der Welt, auch ohne dass diese vergleichbar blutig gegen ihr Volk vorgehen wie im Iran. Der Hauptunterschied liegt darin, dass dieses iranische “Regime” nichts weniger ist als ein islamisches Herrschaftssystem, eine islamische Herrschaftsform auf Grundlage des Koran, und so lautet der Name des Landes seit 1979 auch ganz konkret „Islamische Republik Iran“. “Republik” klingt harmlos, ist es aber nicht – und wurde es erst recht auch nicht dadurch, dass der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier skandalöserweise den dortigen Herrschern zum 40. Jahrestag ihrer islamischen Revolution gratulierte (was sogar berichtete den “Tagesspiegel” erheblich befremdete). Dass Steinmeiers diese Grußbotschaft auch noch “im Namen meiner Landsleute” aussprach, erfüllt eigentlich den Straftatbestand der üblen Nachrede: Zumindest in meinem Namen postete er diese Glückwünsche definitiv nicht. Welche Leute glaubte er diesbezüglich hinter sich zu haben?

In diesem Beitrag soll es um die Ausprägung des iranischen, schiitischen Islam gehen. Während von den rund 1,6 Milliarden Muslimen weltweit rund 85 Prozent Sunniten sind, ist dieses Verhältnis im Iran in etwa umgekehrt. In der Verfassung der “Islamischen Republik” ist die Zwölfer-Schia verankert, zu der weltweit 175 Millionen Muslime gehören sollen. Deren „12 Imame“ sind nicht zu verwechseln mit den 12 Aposteln der „Tafelrunde“ Jesu – und waren auch allesamt weit weniger friedlich als die 12 Jünger. Die Zwölfer-Schiiten gedenken in Trauerzeremonien und mit Selbstgeiselungen an die Imame und andere Angehörigen der Familie des „Propheten“ Muhammad, der sich nicht wie Jesu auf Weissagungen und wundersame Heilungen beschränkte, sondern viele Kriege führte, und seine Glaubensbotschaft nicht mit dem Wort, sondern dem Schwert verbreitete (dies ist bis heute der zentrale Unterschied zwischen Christentum und Islam). Dabei kamen natürlich nicht nur Gegner ums Leben, sondern auch der eine oder andere „Glaubenskrieger“. Die Zeremonien finden ihren Höhepunkt zum „Märtyrertod“ von Imam al-Husain ibn ʿAlī und seiner Verwandten in der Schlacht von Kerbela. Hingegen führte unter den 12 christlichen Apostel Petrus die einzige überlieferte „Schlacht“, als er bei der Verhaftung Jesu einem römischen Soldaten ein Ohr abschlug.

Verschärfte Versorgungslage

Doch wie ist das Verhältnis zwischen dem theoretischen und praktischen Islam im Iran? Spielt die Religion bei diesem Aufstand überhaupt eine Rolle? Den Medien nach gehe es bei den aktuellen Protesten angeblich „nur“ um die laufende Verschlechterung des Wohlstandes, um steigende Inflation und die wirtschaftliche Krise. Dies sind sicherlich gewichtige Faktoren, denn der galoppierende Verfall des Rial in den letzten Wochen hat die mächtigen, bisher das Regime stützenden Basaris veranlasst, aus Protest ihre Geschäfte zu schließen. Die hierdurch noch weiter verschärfte Versorgungslage, eine kaum noch existierende Wasserversorgung in der 15-Millionen-Metropole Teheran und eine relativ gut ausgebildete junge, aber extrem unzufriedene und desillusionierte Generation ohne Berufschancen sind die Gründe für diesen Aufstand, der sich einreiht in frühere Widerstandsaktionen gegen das Regime der jüngeren Vergangenheit. So weit, so richtig; aber es gibt auch Gründe, über die in den Medien nicht berichtet wird.

Die “Islamische Republik Iran” ist ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens prägt. Die Abkehr vom Islam (selbst eine Konversion zum sunnitischen Islam wird so gewertet) kann mit dem Tode bestraft werden. Laut Volkszählung 2011 waren offiziell 99,4 Prozent der Einwohner Muslime, wobei Studien zufolge in den letzten Jahren ein zunehmender Wandel in den religiösen Überzeugungen der Bevölkerung eingesetzt hat: Nur noch ein Drittel verstehe sich einer Umfrage zufolge als schiitisch, was die Mullahs und ihre Revolutionsgarden gleichermaßen auf (dort gar nicht vorhandene) Palmen bringt; 22 Prozent gaben zuletzt sogar an, keiner Religion oder Weltanschauung anzugehören. Weitere 7 Prozent sind Sunniten und 9 Prozent bezeichneten sich als Atheisten. 47 Prozent gaben in anonymen Befragungen (also geheim) an, ihre Religion verloren zu haben. Man könnte sagen, dass den Mullahs ihre Anhänger in ähnlicher Weise davonlaufen wie der SPD ihre letzten gutgläubigen Wähler. Formale Austritte wie aus unseren Kirchen gibt es im Iran natürlich nicht.

Zwei Drittel aller Moscheen geschlossen – doch im verbliebenen Drittel wird immer radikaler gepredigt

Dementsprechend wurde – ganz anders als in Deutschland – im Iran ein starker Rückgang der Moscheebesuche festgestellt: 2023 berichtete ein hochrangiger iranischer Geistlicher, dass 50.000 der landesweit 75.000 Moscheen aufgrund des Rückgangs der Besucherzahlen geschlossen wurden. Das ist sehr aufschlussreich vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in Deutschland gar nicht genug davon gebaut werden können. Der bewusste Geistliche mit dem Namen Doulabi machte dafür unter anderem die Misshandlung der Bevölkerung im Namen der Religion, die Verzerrung religiöser Lehren und die Verwendung religiöser Konzepte zur Bestrafung von Regierungskritikern verantwortlich. All diese Faktoren hätten im Iran zu einem wachsenden Misstrauen nicht nur gegenüber der Regierung, sondern ebenso den geistlichen Institutionen geführt. Und obwohl es keine verifizierten Statistiken über den genauen Grad der Säkularisierung gibt, deutet vieles darauf hin, dass sich immer mehr Iraner von der offiziellen religiösen Identität ihres Landes distanzieren. Deshalb laufen die Mullahs Amok: Sie sehen ihre Felle davonschwimmen. Und das zeigt sich nun auch in den überschießenden extremen Reaktionen auf die Proteste.

In den iranweit 25.000 verbliebenen Moscheen geht es indes umso islamistischer zu: Noch immer wird dort – spätestens am Ende des Freitagsgebets – den „Ungläubigen“ und der halben Menschheit der Tod gewünscht. Die Zahl der schiitischen Islamisten und Unterstützer des Regimes ist immer noch erschreckend hoch. Hingegen ist die Zahl der Juden im Iran auf etwa 10.000 geschrumpft. Dies liegt vor allem an der antizionistischen Politik der iranischen Regierung, durch die iranische Juden zuweilen verdächtigt werden, israelische Spione zu sein. Das Christentum hat in Iran ebenfalls eine lange Geschichte; heute leben in der “Islamischen Republik Iran” etwa 60.000 assyrische Christen sowie die Nachfahren der etwa 300.000 armenischen Christen, die unter den Safawiden ins Land geholt wurden. Des Weiteren gibt es römisch-katholische, anglikanische, evangelische und andere christliche Gemeinden, teilweise mit eigenen Kirchenbauten, vielfach unterdrückt und bedroht. Inwiefern sich Christen am aktuellen Aufstand beteiligen, ist nicht bekannt.

Israel kannte die Schwächen besser als alle anderen

Die iranische Verfassung erkennt Christen und Juden zwar als religiöse Minderheiten an; doch sie müssen die Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit beachten und dürfen nicht missionieren. Für den Abfall vom Glauben droht Muslimen in Iran die Todesstrafe. Konvertiten kommen unter Lebensgefahr in Hauskirchen zusammen. In der Praxis sind alle Angehörigen von religiösen Minderheiten einer subtilen Form der Diskriminierung ausgesetzt wie bei der Arbeitsplatzwahl in der staatlich dominierten Wirtschaft, im Erbrecht oder bei Zeugenaussagen. Auch höhere Ämter wie Minister, Staatssekretäre, Richter und Lehrer an Regelschulen sind ihnen verschlossen. Insofern hätten Christen noch mehr Grund als Muslime, sich gegen die Mullah-Herrschaft aufzulehnen.

Mittlerweile flacht der Aufstand ab. Die Mutigsten sind bereits tot oder warten in Gefängnissen auf ihre Hinrichtung. Israel hätte dem Gemetzel schon längst ein Ende setzen können, zumal dessen Geheimdienste, aufgrund der permanenten Bedrohung Israels durch den Iran und seine Proxy-Terrororganisationen im Nahen Osten, die Strukturen der iranischen Herrscherclique besser kennt als irgendjemand sonst im Westen, auch als die US-amerikanischen Geheimdienste. Die IDF hätten en detail gewusst, wo und wie sie zuschlagen müssen – was aber erwartbar die Hälfte der Staatengemeinschaft sogleich verurteilt hätte (schon heute sind die Anti-Israel-Demonstranten überall in der Mehrheit). Das erhoffte und in Aussicht gestellte Eingreifen der USA ist ausgeblieben, zur riesigen Enttäuschung vor allem der westlichen Diaspora der Exil-Iraner; das Zeitfenster für eine Intervention, die den Sturz des Systems hätte besiegeln können, hat sich geschlossen.

Trump und das verpasste Zeitfenster

Falss Trump doch noch militärisch tätig wird, dürfte es zu spät sein, abgesehen davon, dass er dafür ebenfalls an den Pranger kommen komme (letzteres dürfte ihm indes egal sein, da sein Ruf ohnehin bereits ruiniert ist). Immerhin: Die großangekündigten Hinrichtungen von verhafteten Demonstranten wurden aufgrund der unmissverständlichen Drohung Trumps (noch) nicht begonnen. Dabei hätten die USA durchaus eine Bringschuld: Denn mit ihrer maßgeblichen Hilfe wurde der Schah 1979 gestürzt und durch den Großayatollah Chomeini ersetzt. Doch Schah Reza Pahlavi hatte wenigstens den Anstand, nicht auf das eigene Volk schießen zu lassen, und verließ sein Land. Soviel Anstand kann man von den Mullahs gewiss nicht erwarten, die sich ja als Stellvertreter Allahs auf Erden verstehen.

Und wohin sollten sie gehen? In der Hölle wäre wohl der beste Platz. Vielleicht erbarmen sich aber auch Frankreich, Großbritannien oder natürlich Deutschland? Mir jedenfalls bleibt in der allgemeinen Rat- und Hilfslosigkeit nur noch schwarzer Humor, wie er in dem folgenden Witz aufscheint: Zwei Mullahs, die am Ende doch noch der Teufel holte, streiten sich in der Hölle, ob das angerichtete Blutbad ausreichte oder ob man nicht noch mehr Demonstranten hätte abschlachten sollen. Kommt Allah dazu und meint, das Für und Wider nütze doch jetzt nichts mehr. Sagen diese: Halt Dich raus, Du warst ja bei dem Gemetzel nicht dabei!



Dienstag, 13. Januar 2026

Antifa vs. Migrantifa: Leipzig als Brennspiegel politischer Polarisierung

von Thomas Hartung

Ständige Konfrontationen mit der Polizei, neuerdings auch untereinander: Linksradikales Milieu in Leipzig-Connewitz



Leipzig galt lange als freundliche Studentenstadt mit Bach-Fest und Buchmesse. Heute ist die Stadt ein Brennspiegel: Wer wissen will, wie sich politische Konflikte verdichten, wie Gewalt legitimiert und delegitimiert wird, muss nach Leipzig schauen. Hier trifft linke Militanz auf migrantischen Antisemitismus, eine selbstbewusste jüdische Szene auf eine aggressive Kinder-Kultur, christliche Gemeinden auf eine Buttersäure-Antifa – und einen Staat, der seine Empörung sehr selektiv verteilt. Der jüngste Vorfall wirkt wie eine bittere Pointe: Eine Gruppe von acht Kindern greift das jüdische Café „HaMakom“ an. Zwei Jungen reißen zunächst eine Israelfahne herunter, kehren dann mit Verstärkung zurück, bewerfen eine Mitarbeiterin mit gefüllten Plastikflaschen und verletzen sie, versuchen ins Café einzudringen und beschädigen eine Scheibe. Dabei skandieren sie „Fuck Israel“. Die identifizierten Täter sind zehn und elf Jahre alt, polizeibekannte Intensivtäter mit russischer und südsudanesischer Staatsangehörigkeit; die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Volksverhetzung.

Brisanter könnte der Ort kaum sein: Das angegriffene Café versteht sich als „Ort jüdischen Lebens, Begegnung und persönlicher Aufarbeitung“, Teil einer Ausstellung über jüdisches Leben, Antisemitismus und Holocaust in Leipzig – in einer Stadt, die 2026 unter dem Motto „Tacheles – jüdisches Leben“ an sich selbst arbeitet. Leipzig zeigt hier die neue Konstellation: Antisemitismus ist offiziell geächtet, in der Praxis aber weitgehend importiert und entkoppelt von der Bildsprache „Nie wieder“. Der Feind steht nicht mehr in SA-Stiefeln vor der Synagoge, sondern trägt Kinderjacke, Migrantenbiographie und Smartphone. Der Staat reagiert – aber ohne das Problem wirklich benennen zu wollen, weil es nicht in das Monopolbild vom „Rechtsextremismus“ als Hauptquelle des Judenhasses passt.

Christenverfolgung von links

Keine zwei Kilometer weiter, in einem unscheinbaren Viertel, erlebt eine christliche Gemeinde ebenfalls eine andere Form von Hass: Das „Stay“-Café der Zeal Church wurde seit November 2022 mindestens 22-mal angegriffen: Scheiben wurden eingeschlagen, Farbe, Schmierereien. An Heiligabend 2025 bohren Täter ein Loch in die Frontscheibe und injizieren einen halben Liter Buttersäure – das Café ist nun auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Botschaft ist eindeutig: Ihr seid hier nicht erwünscht. Hier kommen die Täter aus der linksextremen Szene. Auf “Indymedia” begründen sie die Anschläge offen damit, das Café sei von „fundamentalistischen“ und „erzkonservativen“ Christen getragen, stehe für „Queerfeindlichkeit und Misogynie“ und müsse daher „in den Ruin getrieben“ werden. Ziel ist nicht mehr Kritik oder Protest, sondern Vernichtung – eine Wortwahl, die man sonst aus antifaschistischen Aufrufen gegen vermeintlich „rechte“ Läden kennt.

Dasselbe Muster zeigt sich auch andernorts: In Kassel wurde eine Freie Evangelische Gemeinde verwüstet, Fenster zertrümmert, die Parole „218 abtreiben!“ an die Fassade gesprüht. Wer am christlichen Lebensschutz festhält oder nicht zum Regenbogenchor gehört, wird zur „Feindstruktur“ erklärt – und darf nach Ansicht der Szene folgerichtig mit allen Mitteln bekämpft werden. Doch gerade Leipzig steht aktuell exemplarisch für eine neue Form innerdeutscher Christenverfolgung: nicht vom Staat orchestriert, aber von Teilen der linken Szene betrieben und vom bürgerlich-linken Milieu mit bemerkenswerter Gelassenheit hingenommen. Kirchen, die sich nicht zum Zeitgeist bekennen, gelten nicht als Schutzobjekte, sondern als legitime Ziele moralischer Gewalt.

Connewitz: Mythos „antifaschistischer Schutzwall“ – und innerlinker Bürgerkrieg

Der Stadtteil Connewitz ist seit Jahren Projektionsfläche dieses Milieus. In den 1990ern durch Hausbesetzungen von Punks und Autonomen zur „antifaschistischen Hochburg“ stilisiert, bekam er vor fast exakt zehn Jahren seinen Gründungsmythos, als Hunderte Neonazis den Stadtteil überfielen und Läden verwüsteten. 217 wurden am Ende angeklagt, mittlerweile haben fast alle ihr rechtskräftiges Urteil. Ein Verfahren wurde eingestellt, da der Angeklagte verstorben ist. Außerdem gab es zwei Freisprüche. Alle Verurteilten wurden wegen Landfriedensbruchs bestraft, zum Großteil kamen sie mit Bewährungsstrafen davon. Seitdem aber gilt für das dort ansässige linke Milieu: Wir sind die Belagerten – also ist jede Gegenaggression Verteidigung! Doch tatsächlich ist Connewitz längst Ausgangspunkt einer eigenen Gewaltökonomie: Silvesterkrawalle, Angriffswellen auf die lokale Polizeiwache, brennende Barrikaden, gezielte Attacken auf Beamte – all das gehört zur Jahresroutine. Nach dem Urteil gegen die linksextreme Gewalttäterin Lina E. wird Leipzig zum Schauplatz eines „Tag X“, an dem Steine, Flaschen und Molotowcocktails fliegen.

Neu ist nun, dass die Szene sich selbst spaltet – und zwar entlang des Nahostkonflikts: Für den 17. Januar 2026 ist eine Demo „Antifa heißt Free Palestine“ mitten in Connewitz angekündigt: “antiimperialistische” Bündnisse, Gruppen wie “Handala Leipzig”, “Students for Palestine” und “Migrantifa Leipzig” wollen gegen die „antideutsche“ Szene aufmarschieren, die sich ausdrücklich mit dem Staat Israel solidarisiert. Die Organisatoren brandmarken Connewitz in ihrem Aufruf als „weiße Zone“: ein Viertel, in dem die „antideutsche“ Linke proisraelische Hegemonie ausübe und palästinasolidarische Menschen seit dem 7. Oktober 2023 unter Druck setze. Als zentrale Feindorte gelten ihnen das linke Abgeordneten- und Projektbüro „linXXnet“ und der Club “Conne Island” – beides bisher ikonische Orte der Szene. Die Demo-Route wird bewusst an diesen Adressen vorbeiführen. Nach übereinstimmenden Angaben sollen 1.000 Polizisten zum Einsatz kommen, um beide Lager zu trennen.

Linke Gewalt gegen „rechte Firmen“

Damit verschiebt sich der Fokus: Nicht mehr nur Polizei, „Nazis“ oder Immobilienfirmen, sondern neuerdings linke Einrichtungen selbst geraten ins Visier. Die sächsische Links-Landesarbeitsgemeinschaft „Shalom“ ruft ihrerseits zur Gegendemo auf und warnt vor „autoritären und antisemitischen Gruppen“. Juliane Nagel, prominente Linke-Abgeordnete aus Leipzig, sieht ihr Viertel und „linke Räume“ bedroht – und wirft den Palästina-Bündnissen Spaltung im Sinne von Rechten und Staat vor. Während also der linke Bürgerkrieg um die richtige Haltung zu Israel tobt, kommentieren die „Freien Sachsen“ die Palästina-Demo als willkommene Attacke auf die „Antifa-Hochburg Connewitz“. Die einen marschieren gegen „weiße Zonen“, die anderen zur Verteidigung „linker Orte“ – und die Rechten klatschen und halten sich zurück.

Connewitz wird so zur Drehscheibe einer dreifachen Polarisierung. Erstens steht migrantischer und antiimperialistischer Antisemitismus gegen „antideutsche“ Israel-Solidarität. Zweitens hat sich eine autonome Gewaltkultur gegen Polizei, Christen und Unternehmer etabliert. Und drittens findet sich eine rechte Peripherie, die zusieht, wie der Lieblingsfeind sich selbst zerlegt – ohne dass die Stadt eine klare Linie gegen jede Form politischer Gewalt findet. In dieses Bild fügen sich die Anschläge auf sogenannte „rechte Firmen“ ein: Linksextreme zünden die Baumaschinen einer Immobilienentwicklerin an, greifen später eine Mitarbeiterin tätlich an; die Polizei spricht von einer „neuen Qualität linker Brutalität“. Jüngst gehen LKW der Firma Rothkegel in Flammen auf, ein “Indymedia”-Schreiben rechtfertigt dies mit angeblichen Kontakten des Unternehmers zur “rechten Szene”. Das LKA ermittelt wegen politischer Motivation. Und Parallel dazu tritt die wieder sogenannte „Hammerbande“ aus dem Schatten – jenes Netzwerk „Antifa-Ost“, dessen Geschichte exemplarisch zeigt, wie weit sich der linksextreme Gewaltkorridor von Leipzig aus inzwischen erstreckt. Seit Jahren attackiert die Gruppe tatsächliche und vermeintliche „Nazis“ mit Hämmern, Schlagstöcken und vermummten Überfallkommandos; mehrere Opfer erleiden Schädelbrüche und schwere Kopfverletzungen. Die Bundesanwaltschaft wirft den mutmaßlichen Mitgliedern nicht nur gefährliche Körperverletzung, sondern in mehreren Fällen versuchten Mord vor und spricht von einer kriminellen Vereinigung.

Extremistisches Memorandum in der “taz”

Diese Woche beginnt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der nächste Großprozess gegen sechs Angeklagte der Gruppe unter anderem aus Leipzig, denen Angriffe auf Rechtsextreme beim „Tag der Ehre“ in Budapest 2023 sowie ein koordinierter Überfall auf mehrere Thor-Steinar-Läden und Neonazis in Erfurt, Magdeburg, Halle und Schwerin zur Last gelegt werden. Bemerkenswert ist, wie tief die Personalien dieser Szene in das Leipziger Umfeld hineinragen: Unter den Beschuldigten finden sich Personen, die in der Stadtverwaltung, in sozialen Projekten oder im akademischen Milieu andocken konnten und dem staatsgeförderten NGO-Umfeld zuzurechnen sind. Zugleich mobilisiert die linksradikale Szene in Connewitz Solidaritätsdemos, während Ungarn und die USA die „Antifa-Ost“ inzwischen als Terrorgruppe einstufen.

Die “taz” wiederum druckt pünktlich zum Prozessauftakt eine ausführliche Erklärung „einiger der vom GBA verfolgten Antifaschist*innen“, in der der Mordvorwurf als „politisch motivierte Eskalation“ verspottet wird, zugleich aber ein selbstbewusstes Bekenntnis zu militantem Antifaschismus abgelegt wird – als sei die Frage, ob man politischen Gegnern den Schädel einschlagen darf, in erster Linie eine Frage der historischen Perspektive.

„Auch wenn gewaltvoller Widerstand gegen Nazis heute von vielen moralisch abgelehnt wird, kann seine historische Bedeutung nicht geleugnet werden“, heißt es da etwa. Es sei leicht, moralische Urteile über jene zu fällen, die Gewalt anwenden. Doch vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen „ist die Frage, die sich alle Demokratinnen und Demokraten stellen sollten, bis zu welchem Punkt man das staatliche Gewaltmonopol schwerer gewichtet, als die Notwendigkeit, Faschismus zu bekämpfen“. Das ist kein Witz.

Polarisierung mit Doppelstandard

Leipzig wird so zum Labor eines asymmetrischen Rechtsverständnisses: Wer auf der „richtigen“ Seite kämpft, darf mehr als andere. Gewalt gegen Sachen, gegen Unternehmen, gegen Christen, gegen Israel-Solidarische und natürlich gegen “Nazis” – all das wird relativiert, solange das Feindbild stimmt. Die Polizei spricht von Terrorismus; der städtische Diskurs spricht lieber von „Aktivismus“, „Protest“ oder – wie im “taz”-Artikel – von innerlinken „Streits um Deutungshoheit“.

Der Angriff von Migrantenkindern auf ein jüdisches Café, die Buttersäure gegen ein christliches Café, die brennenden Bagger einer Immobilienfirma, der angekündigte Marsch „Antifa heißt Free Palestine“ gegen linke Israel-Sympathisanten: Auf den ersten Blick sind das getrennte Geschichten, doch in Wahrheit bilden sie eine Trias der Polarisierung. Im ersten Fall materialisiert sich importierter Judenhass in der Generation, die man über pädagogische Projekte gerade immunisieren will. Im zweiten Fall trifft der Hass jene Christen, die sich der dominierenden Sexualmoral nicht beugen wollen – und deshalb als „reaktionäre Struktur“ markiert sind. Im dritten und vierten Fall richtet sich Gewalt gegen wirtschaftliche Existenzen und linke Räume selbst, sobald sie dem radikalen Moralcode widersprechen.

Gemeinsam ist all dem: Die Opfer sind aus Sicht der dominierenden Stadtelite nie die „richtigen“ Opfer. Jüdische Einrichtungen dienen gern als Kulisse für Erinnerungspolitik – reale Bedrohungen durch migrantische Täter stören die saubere Erzählung. Christliche Freikirchen passen nicht ins Bild einer queeren, progressiven Stadt – ihre Verfolgung lässt sich zur „Auseinandersetzung um Vielfalt“ umlabeln. Unternehmer gelten per se als verdächtig, insbesondere, wenn sie der falschen politischen Ecke zugerechnet werden. Und wenn sich die Linke selbst bekämpft, beschreibt man das als tragischen, aber im Kern „innerlinken Streit“, nicht als Symptom von Antisemitismus und Gewaltkultur in der eigenen Szene.

Was Leipzig uns lehrt

Was macht Leipzig damit so exemplarisch? Die Stadt bündelt drei Strömungen, die Deutschland insgesamt prägen werden. Exportierte Erinnerungskultur trifft importierte Konflikte, so lässt sich die erste zusammenfassen. Projekte wie “HaMakom” oder das Themenjahr „Tacheles“ leben von der Hoffnung, dass pädagogische Narrative gegen Antisemitismus immunisieren. Der Angriff auf das Café zeigt, wie begrenzt diese Hoffnung ist, wenn man die realen Prägungen der Zuwanderungsmilieus ausblendet. Die zweite Strömung kann man wie folgt überschreiben: Ein linksautonomes Milieu genießt faktische Narrenfreiheit, kann man die zweite überschreiben: Connewitz ist nicht Ursache aller Probleme, aber Symbol einer Szene, die gelernt hat, dass ihr Gewaltverhalten politisch relativiert wird, solange es gegen die scheinbar „legitimen“ Ziele geht. Neu ist, dass diese Ziele zunehmend auch linke Orte selbst sind – “linXXnet”, “Conne Island”, Israel-solidarische Gruppen. Die Antifa spaltet sich in proisraelische „Antideutsche“ und antiimperia-listische Palästinaaktivisten; dazwischen bleiben Jüdinnen und Juden, die von beiden Seiten eher instrumentalisiert als geschützt werden. Und die BRD mutiert zu einem Staat, der sich selbst als moralische Instanz versteht, so darf man getrost die dritte Strömung subsumieren. In offiziellen Verlautbarungen treten Stadt und Land als Erzieher auf: gegen Hass, gegen Hetze, gegen Intoleranz. Gleichzeitig versagen sie dort, wo es wirklich unbequem wird – bei der konsequenten Benennung islamisch geprägter Judenfeindschaft, bei der klaren Verurteilung linksterroristischer Strukturen, bei der Verteidigung konservativer und nichtwoker, mithin unmodischer Manifestationen des Christentums.

Leipzig ist so kein exotischer Sonderfall, sondern Vorbote. Die Stadt zeigt, wie eine Republik aussieht, in der politisch definierte Feindbilder wichtiger werden als der allgemeine Rechtsfrieden – und in der selbst die Linke im Nahostkonflikt in feindliche Lager zerbricht. Konservative Kritik hat in dieser Situation eine einfache Aufgabe: Sie muss daran erinnern, dass eine Stadt, die jüdisches Leben feiert und gleichzeitig Gewalt verharmlost, die von jüdischen, christlichen und bürgerlichen Einrichtungen ausgeht, ihre eigene Glaubwürdigkeit untergräbt; dass eine Linke, die in Connewitz Antifa gegen Antifa marschieren lässt, jede moralische Sonderrolle verspielt; und dass ein Staat, der all dies duldet, nicht mehr Hüter gleicher Maßstäbe ist, sondern selbst Teil der Polarisierungsmaschine.


Sonntag, 11. Januar 2026

Ärzte mit Grenzen

von Wolf J. Reuter

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Médecins Sans Frontières« (MSF), zu Deutsch »Ärzte ohne Grenzen«.

Gaza, Juni 2024: Die israelische COGAT, Koordinator humanitärer Hilfe, veröffentlicht ein Foto von Fadi Al-Wadiya. Uniformiert sitzt er im Kreis seiner Kameraden der Terrororganisation Palestinian Islamic Jihad (PIJ). Tage zuvor hatten ihn die IDF getötet; er war maßgeblich am Raketenprogramm des PIJ beteiligt.

Tagsüber Physiotherapeut, nach Dienstschluß ging es in den Djihad... ein Terrorist



MSF schäumte, Israel töte medizinisches Personal. Al-Wadiya war bei MSF als Physiotherapeut tätig. Die Terrorverbindung? Angeblich unbekannt.

MSF schäumt aktuell wieder: Neben weiteren Organisationen kann sie in Gaza seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr tätig sein. Ihr werde mit einem »Verbot« gedroht, ein »zynischer Versuch«, so die Pressemitteilung von MSF, um Hilfe nach Gaza zu behindern. »Völkerrechtswidrig« – versteht sich. Die israelische Regierung sieht in MSF dagegen ein politisches Sprachrohr mit überzogener Rhetorik, weniger eine Hilfsorganisation. Die Fakten geben Jerusalem erneut recht.

»Schreckliche Gegenoffensive«

Humanitär ist MSF in Gaza bedeutungslos. Etwa ein Prozent aller Hilfslieferungen verantwortet die Organisation. Dafür gehört sie seit dem 8. Oktober 2023 zu den fanatischsten antiisraelischen Stimmen, die bereits einen Tag nach dem Überfall wörtlich von einer »schrecklichen Gegenoffensive« der IDF sprachen, die es gar nicht gab. An diesem Tag versuchte die IDF noch, Kibbuzim freizukämpfen. Die Terroristen verschanzten sich in der Polizeistation von Sderot, die bei den Kämpfen schließlich zerstört wurde.

Israel hat allen humanitären Organisationen bereits durch ein Gesetz vom 9. Dezember 2024 eine Registrierung abverlangt. Kern: Die Übermittlung von Listen der Ortskräfte wie Al-Wadiya, der kein Einzelfall war. Über 100 Organisationen haben die erst zum Jahreswechsel abgelaufene Frist genutzt – MSF aber weigert sich und darf daher von Israel aus nicht mehr tätig werden.

Der unspezifische Hinweis von MSF auf den angeblichen »Völkerrechtsverstoß« dient dabei erneut nur der Diffamierung: Völkerrechtlich hat im Krieg nur das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestimmte Zugangsrechte. Erneut ist MSF die Propaganda gegen Israel folglich wichtiger als die Hilfeleistung für Gaza.

Lügen und Propaganda

Die deutsche Sektion veröffentlicht aus diesem Anlass erst einmal Lügen und Hamas-Propaganda: »Hunderttausende« seien in Gaza von »Israels Armee« getötet worden (eine erfundene Zahl), Israel verhindere die Einfuhr von Zelten im Winter (eine dreiste Lüge) und nehme eine »Kollektivbestrafung« vor – ein altbekanntes Propagandawort ohne Inhalt.

Zu den Patienten, denen die Hamas in den letzten Wochen mit Eisenstangen die Beine gebrochen hat, um ihre Macht zu festigen, ist übrigens keine Äußerung von MSF bekannt geworden. Man fragt sich, wer diese einst angesehene Organisation überhaupt noch als »humanitär« betrachten kann.

Der Autor ist Jurist und lebt in Berlin.


Freitag, 9. Januar 2026

Der ewige Judenhass der Linken

von Julian Marius Plutz

Verbrennung einer Israel-Fahne: Linker Judenhass tarnt sich als „Antizionismus“




Linker Judenhass ist so alt wie die Geschichte der Linken – was seit Karl Marx bekannt ist. Am 9. November 1969 – am Jahrestag der Reichspogromnacht, während einer Gedenkveranstaltung für NS-Opfer in West-Berlin – legten Linke der „Revisionistischen Clandestinen“ um Dieter Kunzelmann eine Bombe vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Die Bombe versagte dank eines technischen Defekts; dennoch löste sie Panik unter den versammelten Juden aus. Die Täter rechtfertigten den Anschlag als Schlag gegen den „zionistischen Imperialismus“. Fast ein halbes Jahrhundert später, im Mai 2025, auf dem Parteitag der Linken in Chemnitz: Delegierte verwarfen die IHRA-Arbeitsdefinition – den globalen Standard gegen antisemitische Israel-Doppelstandards – und entschieden sich stattdessen für die Jerusalemer Erklärung, die antizionistischer, also judenfeindlicher Agitation freien Lauf lässt und Hass auf Juden salonfähig macht. Vom versuchten Bombenanschlag zur Parteibühne zieht sich ein düsterer, blutroter Faden: Linke Ideologie, die unter der Maske des Antifaschismus Judenhass ideologisch nährt und physisch entfesselt. Kurz gesagt: Sie mögen Juden einfach nicht, weil diese sich einen Staat erlaubt haben, der sich sogar noch die Chuzpe herausnimmt, sich gegen äußere Aggressoren zu verteidigen.

So bleibt alles, wie es ist: Die Diskussionslage in Deutschland, was jüdisches Leben betrifft, ist derart toxisch, dass sich Wohlstandslinke dazu hinreißen lassen, nackten Judenhass als legitime Israelkritik zu verkaufen. Das sind diejenigen, die in ihren wohligen Villenvierteln sitzen, Spendenaufrufe für Afrika unterstützen und jede vulnerable Gruppe protegieren – außer es handelt sich um nicht-linke Juden. In einer Diskussion mit solchen linken Kandidaten, bei der es vorgeblich um Kinderschutz ging, erwähnte ich, dass jüdische Kinder in Deutschland – mein Beispiel war eine jüdische Schule im Frankfurter Westend – von Polizei und Sicherheitsdienst geschützt werden müssen. Die Antwort kam prompt: „Wenn es so schlimm ist für Juden in Deutschland, warum geht ihr nicht nach Israel?“

So stolz auf die “Erinnerungskultur”

Das ist die Debattenlage in Deutschland 2026. Deutschen Juden wird – wie vor vielen Jahrzehnten, diesmal jedoch vermeintlich freiwillig – erneut die Deportation nahegelegt. Das Problem ist nur: Ich bin Deutscher, konkret Franke. Der Landstrich von Bayreuth bis Bad Kissingen, von Nürnberg bis Neustadt/Aisch ist nun einmal meine Heimat. Soll ich in ein Land gehen müssen, das zwar das Land der Juden ist, aber bis auf diese Tatsache nichts mit meiner Identität zu tun hat? Und überhaupt: Würde derselbe Standard angewandt, wenn sich die rhetorischen Vorzeichen umkehrten? Wenn ich sagte: Wenn es so schlimm ist für den syrischen Flüchtling in Deutschland, dann soll er doch nach Syrien zurückkehren? Immerhin – so plump der Satz wäre – hätte er eine gewisse Denklogik – denn für Syrer ist tatsächlich Syrien ihr Heimatstaat. Deutsche Juden hingegen sind und bleiben Deutsche, auch wenn viele Linke genau das zu verhindern versuchen.

Das Ende der Geduld beginnt an dem Punkt, wo sich eine Zuschreibung zur Existenzvernichtung eignet. Ich bin laut – und wenn ich drauf bin, noch mehr. Ich sage dann Worte wie „Scheißhauslesbe“ und verwende das Stilmittel der Polemik, wenn es für mich angebracht ist. Doch niemals wird mich jemand dabei erwischen, Menschen ihren Status als Mensch abzusprechen aufgrund von Eigenschaften, für die sie nichts können, eben weil sie so sind: Hautfarbe, Herkunft, religiöse Prägung, körperliche Attribute. Exakt das aber passiert in diesen Kreisen. Und wenn ich wütend bin, dann kaschiere ich nur meine Enttäuschung über ein Volk, das so stolz auf seine “Erinnerungskultur” ist (welch ein gaskrankes Wort!, dass es lebendes und lebendiges Judentum wissentlich ausklammert.

Erinnerung als seelenlose Pose

Der bittere Kern der ganzen Geschichte ist, dass sich in diesem Land, das sich selbst auf seine Mahnmale und diese seine „Erinnerungskultur“ so viel einbildet, die Lektion der Historie niemals wirklich eingeprägt hat. Dass Mahnung ohne Menschlichkeit hohl bleibt, wenn die, an die erinnert wird, heute wieder in Schulen und Synagogen von Polizei bewacht werden müssen. Das eigentliche Mahnmal sind die hohen Zäune und der Sicherheitsdienst vor jüdischen Einrichtungen und nicht bedeutungsschwangere Reden zum Holocaust-Gedenktag. Und während man Juden heute sagt, sie könnten ja nach Israel gehen, frage ich zurück: Wann haben wir aufgehört, zu begreifen, dass Heimat kein Ort ist, den man anderen abspricht? Dass deutsch zu sein und jüdisch zu sein sich nicht ausschließt, wenn wir es mit Humanismus, was zumindest vordergründig vielen Linke als Wert anerkennen, ernst meinen?

Vielleicht beginnt das Ende der Geduld dort, wo Erinnerung zur seelenlosen Pose verkommt. Deutsche Juden sind nicht hier, um sich zu entschuldigen, weil sie in ihrem Land bleiben. Sie bleiben, weil dieses Land auch das ihre ist – und weil Erinnerung nichts wert ist, wenn sie nicht den Mut hat, jüdisches Leben in der Gegenwart zu schützen. Möglicherweise und recht wahrscheinlich wird es in einer absehbaren Zeit keine Juden in Deutschland mehr geben. Dann habt ihr, vielleicht, ohne es zu wollen, oder doch, um genau das zu wollen, den Job von Adolf Hitler beendet.


Samstag, 3. Januar 2026

Feuerkatastrophe in Crans-Montana: Abgebrannter Club befand sich im selben Gebäude wie die örtliche Synagoge

von Olli Garch

Sicherheitskräfte am abgesperrten und verhüllten Schauplatz des Unglücks gestern Mittag in Crans-Montana



Weltweit wird seit gestern mit großen Entsetzen über den schrecklichen Großbrand in der Neujahrsnacht von Crans-Montana im Schweizer Kanton Wallis mit 40 Todesopfern berichtet. Ein möglicherweise sehr wesentliches Detail jedoch wurde bislang in den Medien so gut wie nicht erwähnt: Der Unglücksort hat dieselbe Adresse wie die örtliche Synagoge von Crans-Montana. Die jüdische Beit Yossef-Gemeinde residiert in denselben Räumlichkeiten wie die Bar „Le Constellation”, die zur Falle für hunderte Menschen wurde, was 40 Feiernde nicht überlebten und wo über hundert teils schwerste Verletzungen erlitten. Die im Zentrum des mondänen Wintersportorts gelegene Adresse, 35 rue Centrale, ist identisch mit jener der Unglücksbar.


Ein Zufall? Vielleicht; doch angesichts der zunehmend prekären Sicherheitslage für Juden in ganz Europa seit dem 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg ist es garantiert nicht abwegig, zumindest den Anfangsverdacht eines kausalen Zusammenhangs zu hegen. Hinzu kommt, dass in besonders eiligen Stellungnahmen und Erklärungen von Brandexperten und Medienberichten erstaunlich rasch eine Schilderung zum Unglückshergang präsentiert wurde, die zwar theoretisch plausibel klingt, die jedoch mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Vor allem macht stutzig, dass eine solche Tragödie in einem hochentwickelten Land wie der Schweiz passieren konnte. Wenn bisher vergleichbare solche Discothekenbrände in Schwellen- oder Drittweltländern mit hoher Korruption, notorisch schlampigen Behörden und mangelnden Sicherheitsbestimmungen auftraten (etwa in Südosteuropa, in Mittel- oder Südamerika), mag dies nicht weiter verwundern; nicht einmal in Deutschland, wo praktisch nichts mehr funktioniert, würde so etwas mittlerweile überraschen. Doch ausgerechnet in der Schweiz, einem der bestverwalteten, für die höchsten baulichen und Sicherheitsstandards berühmten und wohlhabendsten Staaten der Welt, das an nichts spart? Hier erscheint solch ein Vorfall mehr als merkwürdig.

Dies um so mehr, als die angeblichen Abläufe zwar theoretisch schlüssig sein mögen, aber trotzdem lebensfremd und unstimmig anmuten. So heißt es, in dem zum Unglückszeitpunkt mit rund 200 Gästen gefüllten Club im Untergeschoss hätten sich – was auch auf Augenzeugenberichten und Videos zu sehen sei – Wunderkerzen auf Champagnerflaschen entzündet, die nahe der Lüftung als Tischfeuerwerk eingesetzt wurden. Um 1.30 Uhr habe eine auf den Schultern einer anderen getragene Person dann die Flaschen mit brennenden Wunderkerzen hochgehalten. Die Funken hätten daraufhin schlagartig die Decke in Brand gesetzt; das Feuer soll sich rasend schnell ausgebreitet haben, verstärkt durch einen „Flashover“: Innerhalb von Sekunden entstand ein Vollbrand mit enormer Hitze, begleitet von Explosionen.

Großbrand bei geringstem Funkenflug in einer regelmäßig überfüllten Bar?

Hier stellt sich die Frage, wie die Decke einer seit Jahren betriebenen Bar, in der sicher nicht zum ersten Mal unter Vollkapazität gefeiert wurde, so schnell Feuer fangen konnte. Wer schon einmal die Funken einer Wunderkerze auf der nackten Haut gespürt hat, weiß, dass diese normalerweise keine große Hitze abgeben und schon gar keine Verbrennungen verursachen. Und eine Decke aus brennbarem Material und viel Holz im Innenraum bedeuten normalerweise nicht, dass Brände schlagartig schon bei kleinstem Funkenflug ausbrechen. Auch wenn “Le Constellation” ein verhältnismäßig schlechtes Sicherheitsrating von 6,5/10 aufgewiesen habe, wie Schweizer Medien berichten, so war dieser Wert doch für die gültige Betriebserlaubnis und eine Freigabe der Feuerwehr absolut ausreichend.

Und weil garantiert keine Schweizer Gastronomiestätte aus leichtentflammbaren Materialen erbaut ist, drängen sich Mutmaßungen förmlich auf, ob hier nicht doch Brandbeschleuniger oder anderweitige Präparationen zum Einsatz gekommen waren. Dies würde den rasend schnellen Ausbruch des Feuers jedenfalls besser erklären als das geschilderte Szenario. Allerdings würde dies auch bedeuten, dass es sich eben um einen vorsätzlichen Akt und damit einen Brandanschlag handelte. Bleibt man bei dieser theoretischen Überlegung, hätten der oder die Täter noch nicht einmal mit einer solchen Zahl an beklagenden Opfern rechnen müssen; es hätte sich auch auch lediglich um eine als Unfall getarnte Brandstiftung handeln können, eben vielleicht mit dem Ziel, das Gebäude samt Synagoge abzufackeln.

Verstörende Spekulationen, die gleichwohl benannt werden müssen

Dass nach dem Ausbruch des Feuers dann die verhängnisvolle Verkettung von Ereignissen einsetzte, die sich dann unweigerlich aus den baulichen Gegebenheiten ergab, könnte den hypothetischen Tätern gänzlich unbekannt gewesen sein. Vielleicht dachten sie, wenn es brennt, wird der Laden schnell geräumt – und den Rest übernehmen die Flammen. Fakt jedenfalls ist, dass Rauch und Panik die Flucht behinderten – denn der einzige Ausgang führte über eine enge Treppe, die sich sofort verstopfte; viele Gäste stolperten hier übereinander. Eine Rauchgasvergiftung wurde für die meisten Opfer zur Haupttodesursache.

Dass es sich nicht um ein tragisches Unglück handelte, fällt derzeit – noch jedenfalls – ins Reich der Spekulationen, und angesichts der hohen Opferzahl gilt die öffentliche Anteilnahme zunächst einmal den Hinterbliebenen und auch Überlebenden. Doch man muss es klar aussprechen: Im judenfeindlichen Klima überall in Europa ist nichts mehr auszuschließen, und deshalb dürfen diese möglichen Zusammenhänge nicht unter den Teppich gekehrt werden. Dass ausgerechnet über dem Schauplatz einer so ungewöhnlichen Feuerkatastrophe eine Synagoge ihren Sitz hat und dass eine Silvesterfeier wegen ein paar Wunderkerzen in einem solchen Inferno ausartet, erscheint zumindest ungewöhnlich. Offiziell ist die Ursache des Brandes noch unbestätigt. Die Behörden unter Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud ermitteln in alle Richtungen, wie es heißt – vor allem, ob „Sicherheitsvorschriften verletzt” wurden. Es bleibt abzuwarten, was hier noch so alles – falls opportun – als Licht kommen wird…


 



 

Montag, 22. Dezember 2025

Hisbollah: Die Illusion der Entwaffnung

von Helena Bauernfeind

Zerstörungen im Süd-Libanon: Die Regierung in Beirut hat gar nicht die Macht, die Hisbollah zu entmilitarisieren



Die wiederholten Appelle an die Hisbollah, ihre Waffen niederzulegen, gehören inzwischen zum festen Repertoire internationaler Nahostpolitik. Sie werden regelmäßig vorgetragen mit diplomatischem Ernst, wohlformulierten Erklärungen und dem Hinweis auf staatliche Souveränität. Ihre Wirkung jedoch ist gleich null. Wer in diesen Tagen erneut auf Entwaffnung drängt, verwechselt Wunschdenken mit politischer Realität. Denn die Hisbollah ist längst kein bloßer bewaffneter Akteur innerhalb des Libanon mehr, sondern ein eigenständiger Machtfaktor, dessen Existenz sich gerade aus der Bewaffnung speist. Die Forderung nach ihrer Aufgabe zielt nicht auf eine Verhaltensänderung, sondern auf die Selbstauflösung der Organisation. Dass eine solche Erwartung zurückgewiesen wird, ist weder überraschend noch Ausdruck besonderer Unnachgiebigkeit, sondern politisch folgerichtig.

Die jüngsten Luftangriffe auf die Bekaa-Region und die parallel geführten diplomatischen Initiativen illustrieren dieses Missverhältnis. Militärischer Druck soll politische Bewegung erzeugen, ohne die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Diplomatische Missionen wiederum dienen zunehmend der Selbstvergewisserung der Absender: Man habe es versucht, heißt es später, mehr sei nicht möglich gewesen. Besonders deutlich wird dies am angekündigten Besuch eines ägyptischen Regierungsvertreters in Beirut.

Dauerhaftes Provisorium

Sollte die überbrachte Botschaft tatsächlich auf ein Entweder-Oder hinauslaufen – Entwaffnung oder politischer Rückzug der Unterstützer –, dann markiert sie weniger einen Neubeginn als das Ende einer Illusion. Die Hisbollah hat diese Entscheidung längst getroffen. Der Libanon zahlt dafür den Preis. Ein Staat, der das Gewaltmonopol nicht ausübt, kann es auch nicht delegieren. Gleichzeitig fehlt ihm die Kraft, es durchzusetzen. Die Folge ist ein dauerhaftes Provisorium: Stabilität durch Abschreckung, Ruhe durch gegenseitiges Abwarten. Die Bekaa-Region steht exemplarisch für diesen Zustand – ruhig an der Oberfläche, jederzeit eskalationsfähig im Inneren.

Wer den Libanon stabilisieren will, muss sich von der Vorstellung verabschieden, die zentrale Machtfrage lasse sich durch Appelle lösen. Solange externe Akteure nicht bereit sind, entweder echte Sicherheitsgarantien zu bieten oder die Konsequenzen einer Konfrontation zu tragen, bleibt die Forderung nach Entwaffnung folgenlos. Sie ist kein politisches Angebot, sondern ein Ritual. Und Rituale, so zeigt der Libanon seit Jahren, schaffen keine Ordnung.