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Montag, 22. Dezember 2025

Hisbollah: Die Illusion der Entwaffnung

von Helena Bauernfeind

Zerstörungen im Süd-Libanon: Die Regierung in Beirut hat gar nicht die Macht, die Hisbollah zu entmilitarisieren



Die wiederholten Appelle an die Hisbollah, ihre Waffen niederzulegen, gehören inzwischen zum festen Repertoire internationaler Nahostpolitik. Sie werden regelmäßig vorgetragen mit diplomatischem Ernst, wohlformulierten Erklärungen und dem Hinweis auf staatliche Souveränität. Ihre Wirkung jedoch ist gleich null. Wer in diesen Tagen erneut auf Entwaffnung drängt, verwechselt Wunschdenken mit politischer Realität. Denn die Hisbollah ist längst kein bloßer bewaffneter Akteur innerhalb des Libanon mehr, sondern ein eigenständiger Machtfaktor, dessen Existenz sich gerade aus der Bewaffnung speist. Die Forderung nach ihrer Aufgabe zielt nicht auf eine Verhaltensänderung, sondern auf die Selbstauflösung der Organisation. Dass eine solche Erwartung zurückgewiesen wird, ist weder überraschend noch Ausdruck besonderer Unnachgiebigkeit, sondern politisch folgerichtig.

Die jüngsten Luftangriffe auf die Bekaa-Region und die parallel geführten diplomatischen Initiativen illustrieren dieses Missverhältnis. Militärischer Druck soll politische Bewegung erzeugen, ohne die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Diplomatische Missionen wiederum dienen zunehmend der Selbstvergewisserung der Absender: Man habe es versucht, heißt es später, mehr sei nicht möglich gewesen. Besonders deutlich wird dies am angekündigten Besuch eines ägyptischen Regierungsvertreters in Beirut.

Dauerhaftes Provisorium

Sollte die überbrachte Botschaft tatsächlich auf ein Entweder-Oder hinauslaufen – Entwaffnung oder politischer Rückzug der Unterstützer –, dann markiert sie weniger einen Neubeginn als das Ende einer Illusion. Die Hisbollah hat diese Entscheidung längst getroffen. Der Libanon zahlt dafür den Preis. Ein Staat, der das Gewaltmonopol nicht ausübt, kann es auch nicht delegieren. Gleichzeitig fehlt ihm die Kraft, es durchzusetzen. Die Folge ist ein dauerhaftes Provisorium: Stabilität durch Abschreckung, Ruhe durch gegenseitiges Abwarten. Die Bekaa-Region steht exemplarisch für diesen Zustand – ruhig an der Oberfläche, jederzeit eskalationsfähig im Inneren.

Wer den Libanon stabilisieren will, muss sich von der Vorstellung verabschieden, die zentrale Machtfrage lasse sich durch Appelle lösen. Solange externe Akteure nicht bereit sind, entweder echte Sicherheitsgarantien zu bieten oder die Konsequenzen einer Konfrontation zu tragen, bleibt die Forderung nach Entwaffnung folgenlos. Sie ist kein politisches Angebot, sondern ein Ritual. Und Rituale, so zeigt der Libanon seit Jahren, schaffen keine Ordnung.


Sonntag, 21. Dezember 2025

Die Botschaft bleibt gleich, aber die Ausgrenzung ist subtiler

von Ron Prosor

Antiisraelische Demonstranten in Berlin tragen die drei Buchstaben „BDS“ für Boykott, Desinvestition und Sanktionen



Jüdische Künstler sollen sich immer häufiger von Israel distanzieren, werden offen boykottiert oder einfach nicht mehr eingeladen. Dadurch wird die Kunstfreiheit faktisch ausgehöhlt, doch nur selten regt sich dagegen Widerstand. Ein Gastbeitrag vom israelischen Botschafter.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gedachten am Sonntag Tausende Australier der Opfer des Anschlags auf das Chanukka-Fest am Bondi Beach in Sydney. Bei dem Anschlag wurden 15 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Der Anschlag war vorläufiger Höhepunkt einer Welle des Antisemitismus.

Nicht nur in Australien, sondern weltweit wirkte der Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wie ein Brandbeschleuniger. Der Tag war nicht nur für die üblichen Verdächtigen – Islamisten und Nazis – ein Fanal. Auch in der Linken insbesondere in der Wissenschafts- und Kulturszene, war der Anstieg des israelbezogenen Antisemitismus spürbar. Das hat drastische Folgen: Die Täter in Australien waren zwar islamistisch motiviert, doch die seit 2022 regierende Labour-Regierung unter Premier Anthony Albanese hat ihrer Radikalisierung nichts Wirksames entgegengesetzt. Die Alarmzeichen wurden ignoriert. Der Kolumnist der „New York Times“, Bret Stephens, brachte es auf den Punkt, als er bemerkte, dass Bondi Beach das ist, was „Globalize the Intifada“ wirklich bedeutet. Doch noch immer dürfen Islamisten auf falsch verstandene Toleranz und in einigen krassen Fällen sogar auf klammheimliche Sympathien aus dem linken Spektrum hoffen.

„Did you ever think you killed all the funny people?“, soll der Schauspieler Robin Williams einmal auf die Frage geantwortet haben, warum es so wenige Komödianten in Deutschland gibt. Die Anspielung auf die Shoah war natürlich ungerecht: Es gibt viele witzige, nichtjüdische Deutsche, nicht alle Juden sind lustig, und Deutschland geht offen mit seiner Vergangenheit um.

In einer Sache traf Williams jedoch voll ins Schwarze: Ohne Juden gibt es keine jüdische Kunst und Kultur. Dort, wo jüdische Künstler nicht auftreten können, ist die Kunstfreiheit nicht bloß in Gefahr. Sie ist schon längst unter die Räder geraten.

Die Selbstradikalisierung erfolgte unter dem Schlachtruf „From the River to the Sea.“ Jüdische Künstler spüren das deutlich: Sie sollen sich von Israel distanzieren, werden offen boykottiert oder einfach nicht mehr eingeladen. Dadurch wird die Kunstfreiheit faktisch ausgehöhlt, doch nur selten regt sich dagegen Widerstand.

Ein besonders drastischer Fall war im Spätsommer die Ausladung der Münchner Philharmoniker von einem Musikfestival in Belgien, da ihr Dirigent Lahav Shani aus Israel stammt. Dies war ein für alle sichtbares antisemitisches Foul im Elfmeterraum. Der folgende Aufschrei und die ersatzweise Einladung der Philharmoniker nach Berlin, wo sie unter tosendem Applaus spielten, waren wichtige Zeichen, aber selten sind die Fälle so eindeutig und sichtbar wie hier.

Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, legte im Kulturausschuss des Bundestages unlängst den Finger in die Wunde: „Der Antisemitismus hat in vielen Facetten Fratzen gezeigt, die wir in unserer Generation nicht erlebt haben.“ Weimer hat recht. Der Ausschuss tagte Anfang Dezember zum Stand der deutsch-israelischen Kulturbeziehungen und dem Antisemitismus im Kulturbereich. Beides hängt zusammen, denn wer heute noch „Kauft nicht bei Juden“ meint, sagt lieber „Boycott Israel“. Die Botschaft bleibt gleich, aber die Mechanismen der Ausgrenzung sind subtiler.

Juden, die sich darüber empören, gelten schnell als Störenfriede. Zusätzlich fallen ihnen vermeintliche Antisemitismus-Experten in den Rücken, deren Geschäftsmodell darauf beruht, als jüdisches und besser noch israelisches Feigenblatt zu dienen. Wenn sich Antisemitismus nicht mehr leugnen, aber immerhin noch durch „Kontextualisierung“ relativieren lässt, sind sie besonders gefragt. Dabei wird ignoriert, dass sie nur für sich selbst sprechen.

Wo Israel dämonisiert wird, wird reflexartig auf die Kunstfreiheit verwiesen

So sprach auch der in Israel geborene Meron Mendel im Kulturausschuss, dort trug er vor, dass es im Kulturbereich zwar „deutliche Stimmen“ gegen Antisemitismus gebe, diese aber schweigen würden, da die Angst vor einer Instrumentalisierung durch „Israel“ zu groß sei. Das ist auch eine Art zu sagen: Wenn zu wenig gegen Antisemitismus getan wird, sind die Juden selbst schuld. Es ist bezeichnend, dass Mendel kein Wort darüber verliert, dass das bekannte Bild der Namensgeberin seiner Bildungsstätte derzeit in Potsdam mit einem Palästinenser-Tuch ausgestellt wird – und damit das antisemitische Motiv ihrer Ermordung relativiert wird.

Folgerichtig ergriff Mendel im selben Atemzug auch für den israelischen Philosophen Omri Boehm Partei. Angesichts der Kritik an ihm warnte er sogar vor einer „neuen Form“ des Antisemitismus. Zur Erinnerung: Boehm bezeichnet die Erinnerungskultur als „goldenes Kalb“, fordert die „Kunst des Vergessens“ und nennt Yad Vashem eine „Waschmaschine“ für rassistische Politik. Insbesondere für die Idee, Israel in einen utopischen Föderalismus mit den Palästinensern zu überführen und somit die jüdische Selbstbestimmung zu beenden, erntete Böhm hierzulande viel Zuspruch.

Es scheint ohnehin kaum noch eine Äußerung zu geben, die als zu grob, zu absurd oder zu hetzerisch gilt, um nicht auf der großen Bühne zelebriert und mit Preisen überhäuft zu werden. Der Kulturbetrieb unterscheidet dabei sehr genau zwischen guten Juden, die Israel verdammen, und solchen, die das nicht tun.

Wo Israel dämonisiert wird, wird reflexartig auf die Kunstfreiheit verwiesen. Da die meisten Grobheiten gegen Juden und ihren Staat nicht justiziabel sind, sei die Kritik an ihnen unzulässig. Oder man reagiert gereizt, so wie der BR-Chefredakteur Christian Nitsche, der die Kritik an der Fernsehjournalistin Sophie von der Tann unlängst als „Vernichtungskampagne“ bezeichnete.

Künstlern, die sich nicht zu den guten Juden eingruppieren wollen, wird hingegen geraten, systematische Diffamierungen einfach in offenen Debatten zu widerlegen. So argumentiert etwa die „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“, die seit ihrer Gründung 2020 mit einer bemerkenswerten Blindheit für die antisemitischen Realitäten des Kulturbetriebs auf sich aufmerksam macht.

Denn genauso wenig, wie man im Krokodilgehege ergebnisoffen über die Vorzüge einer veganen Ernährung diskutieren kann, kann man dort, wo Hamas-Parolen an die Wand geschmiert wurden, sachlich über Israel sprechen. Wenn Kunst-, Meinungs- und Pressefreiheit zu einem „Supergrundrecht“ auf Israel- und Judenhass werden, ist ein freier Austausch von Ideen, Worten und Erkenntnissen unmöglich.

„Ein Appeaser ist einer, der ein Krokodil füttert – in der Hoffnung, dass es ihn zuletzt frisst“, lautet eines der bekanntesten Zitate von Winston Churchill. Um im Bild zu bleiben: Wenn sich der Kulturbetrieb in ein Krokodilgehege verwandelt, wird es nicht nur für jüdische Künstler ungemütlich. Lassen wir nicht zu, dass es dazu kommt.

Ron Prosor ist seit 2022 Botschafter von Israel in der Bundesrepublik Deutschland.



Freitag, 19. Dezember 2025

Im Schatten der türkischen Konsolidierung: Israelischer Luftwaffenkommandeur besucht zyprische und griechische Luftstreitkräfte

von Helena Bauernfeind

Israels Luftwaffenkommandant Tomer Bar (M.), hier mit Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant: Austausch mit Griechenland und Zypern über die Sicherheitslage im östlichen Mittelmeerraum



Von außen betrachtet war es ein routinemäßiger Militärbesuch. Doch der Umstand, dass Generalmajor Tomer Bar, der Kommandeur der israelischen Luftwaffe, in diesen Tagen Gespräche mit hochrangigen Offizieren der zyprischen und griechischen Luftstreitkräfte führte, verleiht der Begegnung ein politisches Gewicht, das weit über protokollarische Höflichkeiten hinausgeht. In einer Region, in der Geschichte nicht vergeht, sondern sich schichtet, werden militärische Kontakte zu Seismographen geopolitischer Verschiebungen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit und die Stärkung jener regionalen Koalition Israels mit ausländischen Streitkräften, die sich – so die israelische Darstellung – während der Operation „Amkelavi“ (der erfolgreiche Luftschlag gegen iranische Atomeinrichtungen im Juni dieses Jahres) als belastbar erwiesen habe.

Dass diese Konsultationen ausgerechnet jetzt stattfinden, ist kein Zufall. Sie fallen in eine Phase wachsender türkischer Selbstbehauptung im östlichen Mittelmeerraum, die alte Konfliktlinien neu belebt und vermeintlich stabile Ordnungen infrage stellt. Die Türkei betrachtet Zypern seit Jahrzehnten nicht als souveränen Staat im vollen Sinne, sondern als geteiltes Territorium, dessen nördlicher Teil faktisch unter türkischem Schutz steht. Diese Haltung ist historisch tief verankert und wurde seit der Intervention von 1974 nie aufgegeben. Neu ist jedoch die Schärfe, mit der Ankara seine Ansprüche formuliert und militärisch unterfüttert. Parallel dazu mehren sich türkische Bestrebungen, den eigenen Einfluss auch südlich davon, bis in den Raum Gaza hinein, politisch wie symbolisch auszudehnen. Die türkische Außenpolitik verbindet dabei osmanische Erinnerung mit zeitgenössischem Machtkalkül.

Entstandene Lücken füllen

Für Israel ergibt sich daraus ein strategisches Dilemma. Jahrzehntelang konnte der jüdische Staat im östlichen Mittelmeer auf eine Mischung aus militärischer Überlegenheit, amerikanischer Rückendeckung und regionaler Zersplitterung setzen. Diese Voraussetzungen sind brüchiger geworden. Die Vereinigten Staaten ziehen sich schrittweise aus der Rolle des allgegenwärtigen Ordnungsmacht zurück, während regionale Akteure – allen voran die Türkei – bereit sind, entstandene Lücken zu füllen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Kooperationen mit Griechenland und Zypern eine neue Bedeutung. Beide Staaten teilen nicht nur sicherheitspolitische Interessen mit Israel, sondern auch eine gewisse Skepsis gegenüber der türkischen Politik. Gemeinsame Luftwaffenübungen, abgestimmte Einsatzdoktrinen und der Austausch von Aufklärungskapazitäten sind Ausdruck eines stillen Schulterschlusses, der nicht offiziell gegen Ankara gerichtet ist, faktisch aber eine Balance herstellen soll.

Historisch betrachtet ist diese Konstellation bemerkenswert. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Israel und Griechenland kaum mehr als diplomatische Bekannte, während Ankara als wichtiger regionaler Partner Jerusalems galt. Die Verschiebung dieser Achsen verweist auf die Fluidität von Allianzen im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeer. Sie zeigt zugleich, wie sehr sicherheitspolitische Entscheidungen von langfristigen historischen Erfahrungen geprägt bleiben – von ungelösten Territorialfragen, religiösen Narrativen und dem Gedächtnis vergangener Kriege.

Vorsichtige Neuaufstellung Israels

Generalmajor Bars Besuch kann daher als Teil einer vorsichtigen Neuaufstellung Israels gelesen werden. Nicht als Abkehr von bestehenden Bündnissen, sondern als Ergänzung, vielleicht auch als Absicherung. Israel sucht Anschluss an jene Staaten, die bereit sind, regionale Stabilität nicht nur zu beschwören, sondern militärisch mitzutragen. Die Lehren aus jüngsten Einsätzen haben gezeigt, dass Interoperabilität und politische Verlässlichkeit im Ernstfall entscheidender sein können als formale Verträge.

Ob diese Strategie ausreicht, um den wachsenden Ambitionen der Türkei zu begegnen, bleibt offen. Sicher ist nur, dass sich Israel nicht mehr darauf verlassen kann, dass alte Konflikte eingefroren bleiben. Zypern, Gaza und das östliche Mittelmeer sind keine getrennten Schauplätze, sondern Teile eines zusammenhängenden geopolitischen Raums. Wer hier handlungsfähig bleiben will, muss Geschichte mitdenken – und bereit sein, seine Position neu zu vermessen.


Samstag, 13. Dezember 2025

ESC 2026: “Tanz die Hamas” oder das zweite Attentat auf John Lennon

von Hans S. Mundi

Eine Schande. Der Schweizer ESC-Sieger von 2024 in Malmö, „Nemo“, gibt seinen Pokal zurück – weil Israel 2026 teilnehmen darf



Dem Vorspann zu dieser skandalös-bitteren Meldung in diesen dunkelgrauen Novembertagen folgt sogleich die unbedingt zu erzählende Geschichte aus dem Bestiarium einer durchgeknallten Welt. „Mehrere Länder boykottieren ESC wegen Teilnahme Israels“. Auf solch eine Scheißagenturmeldung folgt nicht etwa in sämtlichen Redaktionen der noch halbwegs freien Hemisphäre ein Beben der Entrüstung und Empörung samt krachendem „Rumble in the Box“; ach was: Die kleinen, braven Mainstream-Häschen und –Dackel berichten sanft und vollkommen unaufgeregt über einen unfassbaren Akt antizivilisatorischer linksgestrickter Gesinnungserbärmlichkeit auf Regierungsebenen, ganz so, als ginge es um irgendeine Wettbewerbsmeldung, bei der irgendwas nicht stattfindet, weil Akteure Grippe, Tripper oder einen Scheidungsprozess erleiden. Doch In der längst moralisch mausetoten Medienwelt der Anpasser und Mitschleimer gibt es kein klares Bild von Schurken und Schuldigen mehr – es sei denn, es handelt sich um die offiziell erklärten und von ganz oben verordneten: Systemfeinde oder besser -feindbilder wie Putin, Trump der die AfD.

Wenn es aber um Israel geht, wird wenig bis gar keine Kritik geäußert am akuten und höchst virulenten neuen Judenhass, der sich hinter Tarnbezeichnungen wie “Antizionismus” oder “Israelkritik” verbirgt; die Zustimmung der Journaille schwingt mit, was dann in “Meldungen” wie dieser durchkommt: “Israel darf im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest (ESC 2026) in Wien teilnehmen, wie die Europäische Rundfunkunion mitteilte. Als Reaktion sagten mehrere Länder prompt ihre Teilnahme ab – darunter Spanien und die Niederlande. Nach der Zustimmung der Mitgliedssender der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zu einer Regeländerung dürfen alle Länder an dem Musikwettbewerb teilnehmen, die das wünschen, wie die EBU mitteilte.“ Hier wird also nicht etwas die Ungeheuerlichkeit der Boykottforderung problematisiert, sondern fast bedauernd wiedergegeben, warum dieser leider kein Erfolg beschieden war.

Zivilisatorische Abgründe

Und, schlimmer noch: Die Reaktionen auf den Nichtausschluss Israels werden ebenfalls mit der allergrößten Selbstverständlichkeit rapportiert.„Nach der Entscheidung kündigten die Sender mehrerer anderer Länder allerdings einen Boykott des Musikwettbewerbs an: Spanien, Irland, die Niederlande und Slowenien erklärten ihren Verzicht bereits offiziell.“ Der spanische Sender RTVE ist einer der fünf relevantesten Geldgeber der Veranstaltung. Irland ist mit immerhin bereits sieben Siegen beim ESC sowie dessen Vorgänger-Veranstaltungen eines der erfolgreichsten Länder des traditionsreichen Musikwettbewerbs; somit steigen also verantwortungslos ausgerechnet größere Länder aus – was wiederum gleichzeitig ein Fanal bedeutet: Die Europäische Union stirbt – und zwar am korrupten Haupt, am Augiasstalll des Monsters Brüssel und an Zerfall und Desorientierung der europäischen Länder, die offenkundig nicht mehr wissen oder sehen wollen, was Abendland und Okzident sind und welche zivilisatorischen Abgründe beide trennen. Das inzwischen sozialistisch verblendete und in die Irre taumelnde Spanien sieht sich allen Ernstes als „Land an der Seite der Palästinenser”, denn: ”Sowohl die spanische Regierung als auch die Bevölkerung ist auf Distanz zu Israel gegangen“.

Weitere geistig und mental völlig ins Abseits geratene Länder wie Belgien, Schweden und Finnland erwägen ebenfalls einen skandalösen israelfeindlichen Boykott. Die Sender dieser Staaten begründen ihre inhaltlich total absurde Haltung mit der hohen Zahl palästinensischer Opfer im Gaza-Krieg durch das Vorgehen der israelischen Armee – ganz so, als hätte es das vorangegangene, kausal dafür ursächliche größte Massaker an Juden seit der Shoa durch Hamas-Gaza-Bestien und den jahrelangen Dauerterror des judenhassenden Kunstvolkes „Palästinenser“ nie gegeben. Der einst noble gute, völkerverbindende Ursprungsgedanke es ESC ist damit offiziell gekillt und der Terror-Logik der blutrünstigen Hamas und ihrer geistigen Brüder vom IS oder den iranischen Mullahs als Opfer gebracht worden. Ach ja, und auch die armselige Wurst Nemo, der Schweizer Vorjahressieger, fühlte sich bemüßigt, sich als Haltungstunte zu profilieren – und gab seinen ESC-Siegerpokal 2024 zurück. “Es geht um die Tatsache, dass der Wettbewerb wiederholt dazu genutzt wurde, um das Image eines Staates auf zu bessern, dem schweres Fehlverhalten vorgeworfen wird”, schwurbelte er – ohne zu hinterfragen, wer diese Vorwürfe erhebt und ohne offensichtliche Ahnung der Konfliktgeschichte des Nahen Ostens. Bei diesem Vollopfer eines kaputten Zeitgeistes mag man derartige Aussagen wenigstens noch mit den Folgen von Bildungsnotstand und psychischen Deformationen entschuldigen.

“Den Konflikt entschärfen”

Immerhin: Die sonst alles andere als israel-affine ARD stellt sich hinter die Entscheidung, Israel gnädigerweise doch teilnehmen zu lassen, und begrüßt die EBU-Entscheidung – offiziell zumindest – ausdrücklich. “Wir sind sehr froh, dass am Ende die Regeln, die Werte und die Unparteilichkeit der öffentlich-rechtlichen Medien stärker waren als die emotionalen öffentlichen Debatten des Tages”, sagte die Intendantin des “Bayrischen Rundfunks”, Katja Wildermuth, die als Vertreterin von ARD und ZDF im Executive Board der Europäischen Rundfunkunion sitzt. Um den Konflikt zu “entschärfen”, hatte die EBU im November neue Regeln für den Wettbewerb angekündigt: So sollen unter anderem schon in den Halbfinals professionelle Jurys mit abstimmen und die Regeln für Werbekampagnen verschärft werden.

Das alles muss jedoch eher als hochnotpeinliches Ablenkungsmanöver gedeutet werden – denn die in der EBU zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten stimmten bei ihrer Versammlung hinter verschlossenen Türen offenbar mehrheitlich dafür, das Maßnahmenpaket als ausreichend einzustufen und nicht konkret (!) über eine Teilnahme Israels abzustimmen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet; dies offenkundig, damit die Judenhasser – vor allem Spanien – nicht zu arg angerempelt werden mussten. Die EBU-Mitglieder hätten ihre “klare Unterstützung für Reformen zur Stärkung des Vertrauens und Schutz der Neutralität” ausgedrückt, erklärte die EBU. Dies ermögliche somit allen Mitgliedern die Teilnahme. Der Streit um Israel, schreibt “Euronews”, sei “die wohl größte Zerreißprobe in der Geschichte des im kommenden Jahr zum 70. Mal stattfindenden und weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerbs” Die EBU und auch der ORF als gastgebender Sender hätten in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche geführt, um einen Boykott zu verhindern, wobei eine der Kernbotschaften gewesen sei, dieses “größte Musikspektakel der Welt” als Veranstaltung von öffentlich-rechtlichen Sendern verstanden zu wissen, das “nichts mit Politik zu tun haben” solle. Dies ist natürlich eine dreiste Lüge, denn der ESC war nie unpolitisch, wie das Abstimmungsverhalten von Balkan-Ländern in der Vergangenheit und auch politische Punktevergaben zur Zeit des Kosovokrieges bewiesen.

Boykottaufrufe, wo eigentlich Gedenkminuten für den 7. Oktober fällig wären

Die moralische Degeniertheit der latent palästinenserfreundlichen Organisatoren und der teilnehmenden Einzelstaaten hat zu einer völligen Verschiebung der Wertmaßstäbe geführt. Statt in empörender Täter-Opfer-Umkehr Israel anzuklagen und zum Außenseiter stempeln, hätte es zum 70. Jubiläum des ESC eigentlich Trauer- und Gedenkminuten für die Opfer des 7. Oktober 2023 geben müssen. Denn nicht nur Israel und das Judentum, sondern auch die Popkultur und Musik als Ausdruck von Lebensfreude und Freiheit waren damals einem bestialischen Terrorangriff ausgesetzt. Denn das Massaker der Hamas fand nicht von ungefähr während eines populären Musikfestivals statt und war ein gezielter kulturbarbarischer Terrorakt der radikalislamischen Gaza-Schlächter im Rahmen ihres Dauerkriegs gegen Israel, bei dem schwerbewaffnete Terroristen nach Durchbrechen der Grenzanlagen das laufende Psytrance-Festival Supernova Sukkot Gathering in der Nähe des Kibbuz Reʿim im Gebiet der Regionalverwaltung Eschkol angriffen und über 1100 Menschen abschlachteten sowie hunderte in ein jahrelanges Geiselmartyrium verschleppten.

An diesem Tag starb nicht nur der Friede, sondern auch ein zeitgenössisches Woodstock und ein Teil der friedlichen, alle und alles verbindenden Popkultur. Am 7. Oktober wurde John Lennon quasi ein zweites Mal ermordet und auch die Botschaften Willy Brandts oder Martin Luther Kings wurden hier postum geschändet. Hingegen dürften Adolf Hitler, Eichmann und das gesamte Aufsichtspersonal sämtlicher Konzentrationslager begeistert in der Hölle gefeiert und gejubelt haben, zusammen mit den Palästinensern in Gaza, Berlin-Neukölln und Paris – so wie auch die vereinigten linken Antisemiten des Westens. Insofern steht der Boykott Israels für die Verhöhnung und erneute Hinrichtung dieser Opfer; er richtet sich gegen den Geist der Freiheit und solidarisiert sich mit Islamterror, blutiger Gewalt, Kopftuchzwang und Intoleranz; mit der die Steinigung von Frauen und dem von Taliban oder der iranischen Religionspolizei durchgesetzten Musikverbot. Europa ist am Arsch – Donald Trump, bitte übernehmen Sie!


Freitag, 12. Dezember 2025

Israelische Fußballfans und ihr Geschenk an die Propaganda

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Die israelischen Fans beim gestrigen Spiel in Stuttgart.

Gestern spielte Maccabi Tel Aviv in Stuttgart gegen den VfB.
Im Rahmen des Spiels kam es zu kleineren Verstößen. Die Polizei sagte, es sei „ruhig“ geblieben. Trotzdem ermittelt sie.
Die pro-palästinensische Propaganda greift das heute dankbar auf. Gehen wir es kurz durch.

Etwa 400 Fans waren aus Israel angereist.
Gegen einen Fan von Maccabi wird ermittelt, weil er den Hitlergruß gezeigt haben soll. Sechs Personen wurden vorläufig festgenommen, weil sie Pyrotechnik gezündet haben. Wodurch sie das Spiel verpasst haben.

Kern des Aufregers ist jedoch ein Gesang, den die Fans vor dem Spiel angestimmt haben.
„Auf Nachfrage bestätigte die Polizei, dass eines der Lieder misogyne Gewalt- und Vergewaltigungsfantasien zum Inhalt gehabt habe – möglicherweise kombiniert mit der Verächtlichmachung von Arabern.“ (Stuttgarter Zeitung)

Dies wird heute, in Verbindung mit dem Video, von der pro-palästinensische Propaganda aufgegriffen. Üblicherweise mit einer Übersetzung, die verzerrend bis falsch ist.

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Screenshot eines von vielen solcher Postings.

Aufhänger ist dabei aber nicht etwa die „misogyne Gewalt“. Die scheinen einige ganz akzeptabel zu finden. Sondern die angebliche „Verächtlichmachung von Arabern“. Die die Polizei mit „möglicherweise“ meldet.

Ich habe einen mir bekannten Israeli gefragt, ob er mir übersetzen kann, was dort gesungen wurde.
Daher konnte ich dies auch nicht posten, da ich sonst befürchten musste, dass die Bots der Social Media Plattformen mich blockieren.

Eine herumgereichte Übersetzung lautet:

»You are the Arab whores (…)
We will fuck you and drink your blood (…)
we will rape your girls
and shout: Today is death«

Der „Journalist“ Tarek Baé übersetzt den Gesang so:

»Ihr seid die Araber-H*ren (…)
Wir werden euch f*cken
und euer Blut trinken (…)
wir v*rgewaltigen eure Mädchen«

Die X-KI Grok übersetzt den Song unterschiedlich.
Daher habe ich die Übersetzung meines Kontaktes wiederum abgeglichen.

»Ihr spielt euch auf als Extremisten,
Singt dabei Holocaust Lieder
und findet es auch noch lustig
„euren“ Staat zu leugnen.
Ihr seid arabische Huren (Huren der Araber),
wir schämen uns für euch!
Am Ende werden wir „Gate 5“ zerstören,
dann euer Blut trinken
und im Stadtzentrum wird jeder rote Kommunist,
der hierherkommt, gehängt.
Wir werden euch die Mädchen nehmen, die die gerne wild (sexuell freizügig) sind
und während wir Sie vergewaltigen, rufen „Heute stirbt Hapoel“.
Heute ist Hapoels Todestag.«

Der Hintergrund

Um das nicht nur in der wörtlichen Übersetzung zu verstehen, muss man ein wenig über den Fußball in Israel wissen.

Maccabi Tel Aviv gilt als rechts und nationalistisch.
Der Name bezieht sich auf die Freiheitskämpfer der Makkabäer (wörtliche „Hammer“), einer Familie aus dem Priestergeschlecht der Hasmonäer. Diese eroberten Jerusalem und den Tempel von den Seleukiden, also den Nachfolgern Alexander des Großen, zurück.
Der Name sagt also schon etwas über die Selbst-Identifizierung. In der höchsten israelischen Liga tragen vier Vereine den Namen „Maccabi“.

Dem gegenüber steht die sozialistische, sozialdemokratische, gewerkschaftliche Bewegung Israel, die früh angefangen hat Sportvereine aufzubauen. Diese Vereine tragen den Namen Hapoel (wörtl.: „Arbeiter“). Den Namen tragen derzeit sechs Vereine in der höchsten Liga.
Die Feindschaft ist also schon im Namen abzulesen.

»Heute stirbt Hapoel«

Die mit Abstand größten Rivalen sind Maccabi Tel Aviv und Hapoel Tel Aviv.
Ich habe keine Ahnung von Fußball, aber ich würde sagen, Dortmund und Schalke sind Ponyhof. Um es auf meine Sportart zu übersetzen: Green Bay Packers und Chicago Bears sind dagegen Tablettenausgabe im Seniorenstift. Wo schon eine Tanzeinlage zu einem Nippelgate führt.

Die beiden Vereine spielen auch noch im gleichen Stadion, dem Bloomfield-Stadion. Zu oft wird vergessen, dass wir bei Israel von einem quasi Zwergen-Staat sprechen.
Und in diesem Stadion sitzen die Ultras von Hapoel Tel Aviv im Block 5.

»Am Ende werden wir „Gate 5“ zerstören«

Und mit diesem Hintergrund im Gepäck kann jetzt jeder nochmal hoch scrollen, und überlegen, ob der Text an Araber adressiert war, oder vielleicht doch an jemanden anders.
Das Wort „Hapoel“ kann man im Video auch ohne Hebräisch-Kenntnisse sogar verstehen. In den Übersetzungen kommt es komischerweise nicht vor. Was sicher kein Zufall ist.

Die Übersetzung für „arabische Huren“ kann, ähnlich wie im Deutschen, auch „Huren der Araber“ bedeuten. Was ich in dem Kontext eher verstehe.

„Meine“ Übersetzung halte ich für sehr glaubwürdig.
Auch weil mein Kontakt zufällig eine Dauerkarte in genau diesem Block 5 hat. Und die derzeitige israelische Regierung noch weniger mag als ich.

Man kann also sehen, dass in der Propaganda bewusst die Passagen ausgelassen wurden, die zeigen, an wen der Gesang adressiert war: Happoel, Gate 5 und Huren der Araber.

Fassen wir zusammen

  • Haben die Fans sich verhalten wie ausgemachte Arschlöcher?
    Ja.

  • Im Vergleich zu anderen Hools und Ultras beispielsweise aus Großbritannien, Deutschland oder den Niederlanden?
    Eher nein.

  • Stehen sie stellvertretend für alle israelischen Fußballfans?
    Eindeutig nicht, es gibt sogar eine enorme, tradierte Rivalität.

  • Haben die Fans alle Araber verächtlich gemacht?
    Die Polizei spricht bereits von „möglicherweise“. Mit dem Hintergrund sicher nicht.

Das Problem ist, dass sehr viele Menschen nicht viel über Israel wissen. Und über den Gazastreifen noch weniger. Was grundsätzlich völlig normal und verzeihlich ist.
Das wird von der pro-palästinensischen Propaganda bewusst ausgenutzt. Beispielsweise werden alle Israelis mit den Siedlern gleichgesetzt, oder jetzt mit Maccabi Fans.

Lüftbild einer riesigen Demonstration in Tel Aviv.
Proteste gegen die Justizreform der Regierung Netanjahu: Monatelang sind Hunderttausende auf die Straße gegangen. 19.08.2023

Dass Israel eine pluralistischere und diverse Gesellschaft als jede andere vergleichbare Gesellschaft dieser Größe weltweit ist, wird nicht gesagt.
Und jede Gesellschaft hat ihre Retardierten.


Erschienen auf steady.page


Dienstag, 9. Dezember 2025

Desinformation: Israel verkündet neue Grenze

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General Zamir bei einem Truppenbesuch im September.

Ich stelle dieses gestrige Posting von der Facebook Fanpage und dem X-Account hier nochmals hürdenfrei ein.

Seit gestern geht die pro-palästinensische Propaganda steil. Heute steigen sogar deutsche Medien ein.

Die Meldung: Der israelische Generalstabschef Eyal Zamir habe die gelbe Linie als neue israelische Grenze verkündet.

Screenshot eines Postings von X.

Das ist schlicht und ergreifend falsch!

Was hier gemacht wird, ist eine Dekontextualisierung:
Die Information – hier die Aussage Zamirs – wird aus dem Zusammenhang gerissen, um ihr eine irreführende Bedeutung zu geben.

Screenshots verschiedener deutscher und internationaler Zeitungen, die so titeln.
  • Es wurde ein Waffenstillstand vereinbart.
    Dieser Waffenstillstand sollte in mehreren Phasen ablaufen. In der ersten Phase hat Israel zugesagt, mehr Hilfslieferungen zuzulassen und seine Truppen hinter eine vereinbarte Linie zurückzuziehen.
    Diese wurden mit gelben Schildern markiert, weshalb sie kurzerhand „gelbe Linie“ genannt wird.
    Die Palästinenser haben zugesagt, diese gelbe Linie nicht mehr in kämpferischer Absicht zu überschreiten und die Geiseln freizulassen.
    Bisher wurde eine Leiche einer Geisel noch nicht übergeben.

  • In der zweiten Phase sollte die Hamas ihre Waffen und die Macht abgeben.

  • Abgesehen davon, dass die erste Phase immer noch nicht erfüllt ist, wehrt die Hamas sich dagegen, sich zu entwaffnen und die Macht abzugeben. Obwohl sie diesem Punkt in dem von Trump initiierten Plan zugestimmt oder ihn stillschweigend akzeptiert hat.

  • In einer Gewaltenteilung einer Demokratie, wie Israel sie hat, hat ein Generalstabschef weder die Macht noch die Befugnisse, eine neue Staatengrenze zu verkünden.
    In Deutschland würden wir auch etwas merkwürdig gucken, wenn Generalsinspekteur General Breuer plötzlich verkündet, dass Teile von Österreich jetzt wieder zu Deutschland gehören.

  • Es gibt Konflikte zwischen dem Generalstabschef und der Regierung Netanjahu.
    Unter anderem wehrt Zamir sich gegen eine stärkere Einflussnahme der Regierung auf Interna des Militärs. Er wehrt sich gegen ein zu dominantes Vorgehen, hat eine „Kultur der Debatte“ eingefordert und sich öffentlich gegen eine Besetzung des Gazastreifens ausgesprochen.
    Zamir wird von vielen Israelis, die Netanjahu ablehnen, als [meine Worte] „guter Mann“ gesehen.
    Es würde überhaupt nicht zu Zamir passen, wenn er jetzt eigenmächtig eine neue Grenze verkünden würde.

Zamir war am gestrigen 07.12.25 zu einem Truppenbesuch im Norden Gazas. Dabei sagte er:

„Wir haben die operative Kontrolle über weite Teile des Gazastreifens und werden diese Verteidigungslinien beibehalten. Die Gelbe Linie ist eine neue Grenzlinie, die als vorgeschobene Verteidigungslinie für unsere Gemeinden und als operative Linie dient.“

Das bedeutet, er hat - adressiert an seine Soldaten - gesagt, dass dies die neue militärische Grenze ist, die man nun halten wird.
Im deutschen Militärjargon spricht man hier nicht von einer „Grenze“, sondern von einer Demarkationslinie, Kontaktlinie oder von einem Sicherungsbereich. In der englischen Übersetzung wird er mit „a new border line“, also „einer [unbestimmt!] neuen Grenzlinie“ zitiert.

Das wird vermutlich so lange so bleiben, bis die Palästinenser beginnen, die zweite Phase umzusetzen. Im Grunde also genau so, wie es vereinbart war. Erst dann sollten die IDF sich aus dem Gazastreifen zurückziehen.

Die Meldung der Medien geht scheinbar primär auf die Agentur AFP zurück. In Deutschland auch auf die Deutsche Presseagentur.
Viele Medien titeln zusätzlich desinformativ bzw. dekontextualisierend, so dass jeder zunächst verstehen muss, Israel habe hier eine neue völkerrechtliche Realität geschaffen. Was es definitiv nicht hat.


Erschienen auf steady.page

Das Narrativ des Hauses Palästina und der vertriebenen Bewohner

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Die Metapher Palästinas als ein Haus kommt des Öfteren.
Er ist ein wunderbares Beispiel für die einseitige, propagandistische und verzerrte Sicht. Die von zu vielen Menschen übernommen wird, weil sie zumeist uninformiert sind.

Aber ich habe es noch nie so schön ausformuliert gesehen.
Gehen wir es durch.

Screenshot des Postings
„Stell dir vor, du besitzt ein Mehrfamilienhaus. Dir und deiner Familie gehört der Grund und Boden fast komplett.“

Vorausgesetzt, wir sprechen über Privatbesitz: Dann hätten die Hausbesitzer das Haus behalten können, wenn sie die Juden und das entstehende Israel nicht angegriffen hätten.
20% der heutigen Israelis sind Muslime, also ebenfalls die Nachkommen derer, die sich heute „Palästinenser“ nennen. Sie sind einfach in dem Haus geblieben.

Steht das Haus aber bildlich für den Teil der Region Palästina, die heute Israel ist, hat das Haus diesen Arabisierten nie gehört. Sie haben zur Miete gewohnt. Natürlich empfindet man es dann als zu Hause, aber es ist doch etwas völlig anderes.

Es war eine multiethnische Region, zumeist ohne klare Grenzen, die schon ganz vielen gehört hat. Irakern, Ägyptern, Syrern, usw.
Man muss also erst einmal klären, wer diese Familie sein soll. Die Muslime? Die Araber? Die „Palästinenser“?

Völkerrechtlich, obwohl es das so noch nicht gab, gehörte die ganze Region den Osmanen, also den heutigen Türken. Das waren die Besitzer, die Vermieter.
Und die haben den Ersten Weltkrieg verloren. Und weil die arabisierten Muslime im Zweiten Weltkrieg eher zu den Deutschen gehalten haben, haben sie auch diesen Krieg irgendwie mit verloren.

„Plötzlich kommt eine »internationale Hausverwaltung« (UN) – die das Haus gar nicht besitzt – und entscheidet über deinen Kopf hinweg: »Wir geben jetzt 56% deiner Wohnfläche an fremde Leute, die gerade erst angekommen sind und denen bisher kaum 7% gehören.«“

Zunächst kamen nicht die UN, sondern die neuen Hausbesitzer. Die Gewinner der Weltkriege, allen voran die Briten. Die haben das Haus verwaltet. Die Franzosen haben das Nachbarhaus verwaltet. Heute Syrien und Libanon.

Und die Briten haben dann vorgeschlagen, dass 77% des Hauses östlich des Jordan an die arabisierten Muslime gingen. Daraus wurde Jordanien.
Und dass die restlichen 23% zu gleichen Teilen zwischen Muslimen und den Juden aufgeteilt werden sollte. Denen man schon vor dem Holocaust einen eigenen Staat versprochen hatte.

Warum die Palästinenser keinen Namen für Palästina haben
Palästinenser sind eine Ethnie. Sie leben in Palästina. Sie sprechen Palästinensisch. Das ist so zumindest die allgemeine Vorstellung. Dabei haben Palästinenser nicht…
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Dem hat die damalige UN zugestimmt.
Im Grunde hätten die Briten und die Franzosen gar keinen fragen müssen. Auch Deutschland wurde mehrfach zerteilt und verkleinert. Aber sie wollten das möglichst ruhig, friedlich und mit Zustimmung möglichst vieler loswerden. Es war eh nur ein verarmtes Hinterweltler-Kaff, in dem kaum jemand lebte.

„Du sagst natürlich: »Spinnt ihr? Ich stimme dem nicht zu! Das ist mein rechtmäßiges Zuhause seit Generationen!«“

Zunächst gehörte es nicht „seit Generationen“ den arabisierten Muslimen. Die waren in der Mehrheit erst ab dem 19. Jahrhundert eingewandert.

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Spätestens ab den 1920ern kam es zu Aufständen und Massakern an den Juden. Weil die arabisierten Muslime genau wie heute glaubten, dass ihnen das Haus alleine gehört. Und dass sie einen Anspruch darauf hätten. Was sie häufig mit ihrer Religion begründeten, obwohl Jerusalem gar nicht in ihrem heiligen Buch erwähnt wird und fast alle Orte alte, hebräische Namen trugen.

Sie hatten die Vorstellung eines gemeinsamen Kalifats. Genau wie Europäer glaubten, Europa müsse christlich sein und u.a. die Muslime in Spanien oder vor Wien nicht duldeten.

Altes Foto, Ein jüdischer Mann verbirgt weinend sein Gesicht in Trümmern.
Nach dem Hebron-Massaker 1929 - es gab mehrere. Alle Juden wurden aus Hebron vertrieben.

Deshalb kam es zum Arabischen Aufstand in Palästina. Der unter anderem von Mohammed al Husseini angeführt wurde, der später nach Berlin ging, General der SS wurde und bei der Judenverfolgung auf dem Balkan half. Und Waffen nach Palästina schmuggelte, damit die besser gegen die Juden kämpfen konnten. Er hatte später einen Ziehsohn, Jassir Arafat.

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Aufstand in Jaffa, 1936
„Die Konsequenz? Man akzeptiert dein »Nein« nicht. Stattdessen wirst du gewaltsam aus deinen eigenen vier Wänden geprügelt. Und weil du dich gewehrt hast, nehmen sie sich am Ende nicht die versprochenen 56%, sondern gleich 78%.“

Warum hätte man das Nein auch akzeptieren sollen? Sie hatten völkerrechtlich keinen Anspruch, über das Land zu bestimmen. Umso weniger, weil sie bzw. die Vermieter ihres Hauses zwei Kriege verloren hatten und die Juden gewaltsam vertreiben wollten. Auch die, die ebenfalls und noch viel länger in der Region gelebt haben.

Erst ab der Mitte der 1940er begannen die Juden sich dagegen zu wehren. So entwickelte sich ein Bürgerkrieg.
1947 wurde dann der Teilungsplan gemacht. Und erst ab da fingen die Juden an, die arabisierten Muslime teilweise aus dem Gebiet zu vertreiben, das Israel werden sollte. Weil sie angegriffen hatten und einen jüdischen Staat in ihrem Kalifat nicht akzeptieren wollten. Sie wollten nicht in einem jüdischen Staat leben.

Deshalb ist auch nicht ganz klar, wie viele „aus den eigenen vier Wänden geprügelt“ wurden. Denn viele sind ja einfach geblieben und leben heute freier und reicher in Israel, als sie in Palästina leben würden. In Israel gibt es heute etwa 600 Moscheen.
Viele andere sind wiederum gegangen. Weil man ihnen gesagt hatte, dass man Israel vernichten würde und dass sie danach zurückkommen könnten.

Die restlichen paar Prozent nahmen die Juden sich, weil sie 1967 wieder angegriffen wurden. Und die arabisierten Muslime wieder verloren.

„Du stehst obdachlos auf der Straße, darfst nie wieder zurück, und die Welt sagt dir heute: »Tja, hättest du dem Deal mal zugestimmt.« Klingt absurd und ungerecht? Genau das ist die Realität der Palästinenser und der UN-Teilungsplan von 1947. Das ist kein »komplizierter Konflikt«, das ist Vertreibung.“

Sie standen nicht obdachlos auf der Straße. Die ganze Welt hat ihnen geholfen. Und hilft ihnen bis heute. Weil sie nicht genug produzieren, um sich selber versorgen zu können. Der größte Arbeitgeber ist das UNRWA, eine Hilfsorganisation.

Sie kamen dort unter, wo Ägypten und Jordanien „ihr Haus“ besetzt hatten. Die für 20 Jahre verhinderten, dass sie ihre eigene Hausverwaltung aufbauen. Also haben sie angefangen sich „Palästinenser“ zu nennen und wieder angegriffen. Aber nicht die Ägypter und Jordanier, sondern wieder die Juden bzw. die Israelis.

Und seitdem wieder. Und wieder. Und wieder.
Mit Terror und Massaker, weil sie sich nicht anders durchsetzen können. Und weil alle anderen „Brüder und Schwestern“ ringsherum keinen Bock mehr auf sie haben. Weil sie überall nur für Unruhe, Tod, Terror und Zerstörung gesorgt haben. Ägypten, Jordanien, Kuweit. Weshalb die Grenze des Gazastreifens zu Ägypten besser gesichert ist, als zu Israel.

Seit 77 Jahren hat man ihnen ein Häuschen dahingestellt, und sie weigern sich einzuziehen. Weil sie glauben ein Recht auf den alten Kasten nebenan zu haben. Den andere inzwischen renoviert und schick gemacht haben.

Stimmt. Eigentlich ist das kein „komplizierter Konflikt“.
Es wird kompliziert, wenn die eine Seite die Regeln ändern will, Propaganda betreibt und nicht merkt, wenn sie verloren hat.

Und nur, falls es nicht deutlich wurde:
Der Kern in dieser Metapher ist nicht, dass die Palästinenser sich gegen die Besatzung wehren. Wie immer wieder behauptet.
Der Kern ist das Existenzrecht Israels.


Erschienen auf steady.page