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Samstag, 18. April 2026

Kämpft da eigentlich noch wer? Trans-Kult bei der Bundeswehr

von Alexander Schwarz

Bundeswehr-Transbeauftragte Claudia Schalling: Maßlos aufgebauschte Anzahl Betroffener?



Trotz all der Unsummen, die man nun in aller Eile in sie hineinpumpt, ist die Bundeswehr de facto immer noch einsatzunfähig. Zur Landesverteidigung – ihrer eigentlichen und einzigen Kernaufgabe – ist sie nicht (mehr) ansatzweise fähig, allem Getöse von “Kriegstüchtigkeit” zum Trotz. Dafür hat man beim Barras umso mehr Zeit und und Muße für linke Weltanschauungsmätzchen und woke Sperenzchen. So gibt es nun auch eine eigene institutionelle Anlaufstelle für Fragen zur Geschlechtsidentität respektive für Bundeswehrangehörige, die Unterstützung bei ihrer „Transition“ suchen. Geleitet wird die Stelle von Stabshauptmann Claudia Schalling, der Ansprechpartnerin für Transgender-Angelegenheiten der Bundeswehr. Schalling trat 1985 in die Bundeswehr ein und lebte 44 Jahre als Mann, ehe sie dann vor über zehn Jahren zur Frau umswitchte. Damals hätte sie sich eine solche Anlaufstelle gewünscht, jammerte sie in einem Podcast. Den Menschen, die sie anriefen, helfe es ungemein, wenn sie auch etwas von ihrer “eigenen Geschichte” teile, so Schalling hochdramatisch. Dass die Vorurteile gegenüber Transgender-Personen so groß seien, habe sie innerlich „zerrissen“. Sie habe das Gefühl gehabt, dagegen angehen zu müssen.

Zu ihr kämen heute „Soldatinnen und Soldaten, die transgender sind, aber auch Vorgesetzte, die einfach Fragen haben.” Der Bedarf sei groß. Zu Schallings Aufgaben gehöre vor allem die Aufklärung und das Beantworten organisatorischer Fragen. Sie sei „aber auch mal Kummerkasten und Seelsorgerin“. Es gebe Personen, denen sie ein oder zwei Ratschläge gebe und die dann ihren Weg gingen, andere begleite sie länger. Wenn das wirklich stimmen sollte, muss man in der Tat staunen – denn dann scheint sich in der Bundeswehr ein besonders hoher Anteil von “non-binären” und hinsichtlich ihrer sexuellen Identität ungefestigten Subjekte zu tummeln. Wahrscheinlicher indes ist die Erklärung, dass sich alle Minderheiten- wie auch Opfer- oder Sonderbeauftragten für Befindlichkeiten linker Identitätspolitik zur Selbstbestätigung und -rechtfertigung ihrer Planstellen und bürokratisierten Aufgaben wie Aktivisten verhalten und ihre eigene Relevanz maßlos aufbauschen, um keine Zweifel an der Daseinsberechtigung ihrer Ämter aufkommen zu lassen.

Im Ernstfall sind Männer wieder Männer

Jenseits dieser Motive jedoch, vor allem aus unabhängiger Beobachter und für Außenstehende, ergibt sich hingegen ein fundamental anderes Bild. Bei allem Verständnis für die sehr wenigen Menschen, die tatsächlich von unklaren Geschlechtsidentitäten betroffen sind und die politische Doktrin der “Selbstbestimmung” nicht nur aus schräger Mode, Identitätszweifeln und innerer Verwirrung oder als einen Fetisch ausleben – was auf eine mutmaßlich übergroße Mehrheit der angeblichen „Trans-Personen“ zutreffen dürfte – kann man mit Fug und Recht bezweifeln, dass der Anteil solcher Personen bei der Bundeswehr so hoch ist wie von Schalling behauptet. Sogar der “Bundesverband Trans”, eine diesbezüglich garantiert unverdächtige Quelle, schätzt die Zahl der Transmenschen in Deutschland auf ein Prozent der Gesamtbevölkerung, also etwas über 800.000 Personen; eine absurd hoch angesetzte und maßlos übersetzte Zahl, doch selbst wenn man man diese zugrundelegt, handelt es sich innerhalb der Gesamtgesellschaft eine Mikro-Minderheit, die statistisch kaum zu erfassen ist; folglich dürfte sie in der Bundeswehr mit ihren insgesamt nur rund 267.000 militärischen und zivilen Mitarbeitern also wohl kaum ein Massenphänomen darstellen, zumal Transmenschen sicher nicht in Scharen ausgerechnet zum Militär drängen, und schon von den Altersgruppen her der relative Anteil dieser Gruppe dort somit noch geringer ist.

Welche Bedeutung die Bundeswehr dem Trans-Thema in Wahrheit beimisst, zeigen die Planungen für den Ernstfall, sprich: für eine Situation, in der dann für all die dekadenten Ausblühungen und ideologischen Verirrungen schlagartig keine Zeit und Geduld ist: So sieht das neue Wehrdienstgesetz ausschließlich die verpflichtende Musterung von Männern vor; an Transmenschen, Nicht-Binären et cetera hat die Bundeswehr nicht das geringste Interesse. Nicht einmal Frauen müssen sich mustern lassen. Hier spielt dann also das biologische – tatsächliche – Geschlecht nicht nur eine, sondern die entscheidende Rolle. Mehr noch: Personen, die während oder bei einem unmittelbar bevorstehenden Spannungs- und Verteidigungsfall ihren Geschlechtseintrag von „männlich“ zu einem anderen Eintrag wechseln oder diesen streichen, werden bezüglich der Wehrpflicht so behandelt, als ob sie noch einen „männlichen“ Geschlechtseintrag hätten. Das angeblich immer geltende „Selbstbestimmungsgesetz“ von 2024, das es jedem erlaubt, einmal pro Jahr per bloßer Willenserklärung sein Geschlecht zu wechseln, weil es angeblich gar kein biologisches Geschlecht gibt, wird im Verteidigungsfall also einfach beiseite gewischt und damit von dem Staat, der selbiges ermöglicht hat, zugleich als die Absurdität entlarvt, die es in Wahrheit ist. Die “bunte Truppe” Bundeswehr macht sich hier also gleich doppelt lächerlich: Einerseits bietet Trans-Beratung an, andererseits nimmt sie die Ideologie, die hinter alledem steckt, selbst nicht ernst. Wenn es darauf ankommt, spielen solche ideologischen Dekadenzspinnereien eben doch keine Rolle mehr und Männer sind und bleiben plötzlich wieder Männer, die den Kopf für dieses Land hinhalten müssen. Die Außenwirkungen dieser Doktrin jedoch, die bei potentiellen Feindarmeen unweigerlich den Eindruck einer spätdekadenten wehrlosen Verweichlichung Deutschlands vertieft, könnten sich im Ernstfall als verheerend erweisen.


Freitag, 17. April 2026

"Stahl allein schafft keine Kampfkraft": Heereschef Freuding setzt auf Daten als Munition

von Johanna Urbancik

"Stahl allein schafft keine Kampfkraft": Heereschef Freuding setzt auf Daten als Munition


Das Gefechtsfeld wird transparent: Drohnen und Sensoren liefern permanent Daten – und wer sie schneller verarbeitet, gewinnt.

Seit Oktober vergangenen Jahres steht Generalleutnant Dr. Christian Freuding an der Spitze des Heeres – mit dem Auftrag, die Truppe möglichst schnell "kriegstüchtig" zu machen: Brigaden ausstatten, Personal aufstocken und die Einsatzfähigkeit für die NATO sicherstellen. Gleichzeitig will er neue Fähigkeiten wie Flug- und Drohnenabwehr stärken, die Digitalisierung vorantreiben – und die Arbeitsweise grundlegend verändern: weniger Bürokratie, mehr Tempo, mehr Risiko.

Im Interview mit Euronews erklärt der Inspekteur des Heeres, dass es in modernen Konflikten längst nicht mehr nur um Waffen geht, sondern vor allem um Tempo und die Fähigkeit, schneller Entscheidungen zu treffen als der Gegner.

Euronews: Sie wollen das Heer auf "data-centric warfare” und ein überlegenes Lagebild als Kern moderner Kriegsführung ausrichten. Welche Daten-Fähigkeit fehlt dem Heer heute am meisten?

Generalleutnant Freuding: Wir erleben ein mehr und mehr transparentes, teilweise nahezu "gläsernes Gefechtsfeld". Sensorik, Drohnen und andere moderne Aufklärungsmittel erzeugen enorme Datenmengen. "Data-centric warfare" (Anmerkung der Redaktion: "datenbasierte Kriegführung") bedeutet: Daten werden zur zentralen Ressource, quasi zur "Munition". Wer mehr sieht und vor allem Informationen schneller und strukturierter verarbeiten und damit ein präziseres Lagebild erarbeiten kann, der kann schneller entscheiden und handeln. Kurz: Der gewinnt. Daher muss es uns gelingen, durchgängig digitalisierte Aufklärungs- und Wirkungsverbünde zu schaffen – vom Korps bis zur Kompanie. Das zeigt auch, dass Digitalisierung für uns keine Komfortfrage ist, sondern zwingende Voraussetzung für Erfolg im Gefecht. Hier müssen wir schnell Fortschritte erzielen.

Euronews: Sie sagen, der Weg von Aufklärung zur Wirkung müsse schneller werden. Wo geht dem Heer heute am meisten Zeit verloren – und was muss sich innerhalb eines Jahres konkret ändern?

Generalleutnant Freuding: Künftige Operationen werden vernetzter, automatisierter, mit höherem Tempo und größerer Tiefe geführt – unter permanenter Aufklärung des Gegners, unter permanenter Bedrohung durch seine Wirkmittel – vom Sturmgewehr, über direkten Beschuss, Steilfeuer bis hin zu Gleitbomben und ballistischen Raketen. Wir müssen hier schneller sein als der Gegner. Das schaffen wir nur mit einer Verbesserung unserer Führungsinformationssysteme, die hohe Datenmengen auch mithilfe künstlicher Intelligenz verarbeiten können. Es bedarf, zweitens, der vollen Digitalisierung unserer Kommunikationsmittel. Und drittens, überlegener Wirkmittel wie unter anderem Loitering Munitions (Anmerkung der Redaktion: "Kamikaze-Drohnen) oder Präzisionsraketen mit einer Reichweite von 300 Kilometer und darüber hinaus.

Freuding hält am 9. Dezember 2025 im Camp Bondsteel im Kosovo eine Ansprache vor den Soldaten des deutschen KFOR-Kontingents 



Euronews: Welche militärischen Mittel fehlen dem Heer, damit es nicht nur plant, sondern auch wirksam kämpfen kann?

Generalleutnant Freuding: Stahl allein schafft keine Kampfkraft. Ein Kampfpanzer entfaltet nur dann Gefechtswert, wenn ausgebildetes Personal, funktionierende Führungssysteme und eine robuste Logistikkette vorhanden sind. Nach mehr als drei Jahrzehnten De-Investition sind natürlich auch in den Landstreitkräften Lücken entstanden. Besser werden müssen wir vor allem bei Luftverteidigung beziehungsweise Flugabwehr, bei indirektem Feuer, in der Integration und bei der Abwehr unbemannter Systeme sowie beim elektromagnetischen Kampf. Und diese Mittel müssen durch moderne, KI-befähigte Informationssysteme verbunden werden.

Gleichzeitig müssen wir bei unseren Großverbänden, das heißt unseren Brigaden, Divisionen und Korps das erreichen, was ich Funktionalität in der Breite nenne: leistungsfähige Flugabwehr, belastbare Logistik, weitreichendes Steilfeuer, umfangreiche Pionierunterstützung. Insgesamt ist es Anspruch des Heeres, nicht nur die materielle Vollausstattung zu erreichen – das heißt: wirklich jede Kampfpanzerbesatzung hat ihren Kampfpanzer -, sondern auch auf eine materielle Umlaufreserve zurückgreifen zu können. Instandsetzungszeiten im Frieden und Verluste im Krieg müssen bei der Rüstung mitgedacht werden – nur dann werden wir kriegstauglich.

Euronews: Sie planen erste Einheiten mit Loitering Munition ab 2027. Welche Lücke soll das schließen und ist dieser Zeitplan angesichts der Bedrohungslage und der schnellen Weiterentwicklung der Drohnen nicht zu langsam?

Generalleutnant Freuding: Mit der Beschaffung von Loitering Munitions beginnt für die Bundeswehr eine neue Ära. Nicht nur, weil Loitering Munitions vergleichsweise kostengünstig eine präzise Bekämpfung einzelner gegnerischer Ziele über eine große Entfernung ermöglicht. Sondern, weil wir die Einführung von Loitering Munitions gerade in Rekordgeschwindigkeit umsetzen.

Ein ukrainischer Offizier zeigt am 14. November 2020 neben einer von Russland abgefeuerten und abgeschossenen Shahed-Drohne



Nach ersten organisatorischen Überlegungen im September 2024 ist bereits im März 2025 die Entscheidung durch den Generalinspekteur der Bundeswehr erfolgt. Damit wurden innerhalb von nur sechs Monaten die planerischen Voraussetzungen geschaffen. Parallel dazu begannen ab Juli 2025 Industrieausbildungen bei den Herstellern sowie die Testung der angebotenen Systeme im Heer im Oktober 2025. Somit konnten bereits im Jahr 2025 erste Systeme in dreistelliger Anzahl beschafft werden. Mit der Billigung einer 25-Millionen-Euro-Vorlage im Februar 2026 wurden schließlich die Weichen für den geplanten Zulauf der Serienbeschaffung ab Oktober 2026 gestellt. Als erster Verband wird dann die Panzerbrigade 45 in Litauen mit diesen neuen Waffen ausgestattet.

Euronews: Was bringt die Litauen-Brigade im Ernstfall konkret an Zeit – und wo entstehen dadurch Lücken in Deutschland?

Generalleutnant Freuding: Die Panzerbrigade 45 "Litauen" ist das sichtbare Zeichen deutscher Führungsverantwortung an der NATO-Ostflanke. Abschreckung wirkt durch glaubwürdige, permanente Präsenz vor Ort. Natürlich erfordert der schnelle Aufbau der Panzerbrigade 45 Litauen gewissermaßen eine "Vorfinanzierung" aus den aktuellen Strukturen des Heeres. Denn wir können natürlich nicht zehn oder zwanzig Jahre warten, bis wir neu eingestellte Zugführer oder Kompaniefeldwebel ausgebildet haben. Diese Vorfinanzierung bedeutet, dass wir eben Zugführer und Kompaniefeldwebel aus den bestehenden Strukturen herausnehmen und nach Litauen bringen müssen.

Das wird ebenso schmerzhaft sein, wie das erforderliche Zusammenführen von Gerät und Ausrüstung aus den bestehenden Verbänden. Aber nur so können wir den Aufbau einer einsatzbereiten Brigade bis Ende 2027 hinbekommen – und wir werden alles dafür tun, die entstandenen Lücken bei Personal und Material wieder rasch zu schließen.

Übergabe des Kommandos über die multinationale Kampfgruppe Litauen an die 45. Panzerbrigade



Euronews: Wie stellen Sie sicher, dass Erfahrung und Schlüsselpersonal nicht verlorengehen, wenn eine Rotation stattfindet?

Generalleutnant Freuding: Rotationen sind in der Bundeswehr bewährte Verfahren. Daher wissen wir, wie ein geregelter Wissenstransfer gelingen kann. Wir brauchen Rotationen, damit unsere Männer und Frauen kontinuierlich Erfahrung gewinnen und Perspektiven erweitern können. Strukturierte Übergabeprozesse, gezieltes Mentoring und bewährte Organisationsstrukturen sorgen dafür, dass Organisationswissen und -erfahrungen erhalten bleiben und somit die Einsatzbereitschaft dauerhaft gewahrt ist.

Euronews: Welche Lehre aus dem Ukraine-Krieg hat den Aufbau der Brigade am stärksten verändert?

Generalleutnant Freuding: Wir analysieren den Krieg Russlands gegen die Ukraine sehr genau und ziehen daraus unsere Schlussfolgerungen. Wesentliche Erkenntnisse wie die Transparenz des Gefechtsfeldes, die Bedeutung von unbemannten Systemen und der Möglichkeit von Wirkung auch auf große Entfernung haben wir bereits angesprochen.

Gleichzeitig gilt: Dieser Krieg kann keine Blaupause sein. Wenn gefordert, dann wollen wir anders kämpfen als die ukrainischen Streitkräfte derzeit kämpfen müssen. Dennoch liefert dieser Krieg einen Referenzrahmen, um Erkenntnisse klug zu adaptieren, in die Zukunft zu projizieren und technische Innovation in neue taktische Fähigkeiten zu übersetzen.

Diese Erkenntnisse fließen in Struktur, Ausbildung und Ausstattung der Brigade ein. Und sie spielen natürlich für die Weiterentwicklung des Heeres insgesamt eine große Rolle.

Euronews: Kann das Heer gleichzeitig die Ostflanke sichern und gegebenenfalls Aufgaben in der Arktis übernehmen, oder wird es dafür zu dünn?

Generalleutnant Freuding: Wenn das Heer gebraucht wird, sind wir da und erfüllen unseren Auftrag! Das NATO Force Model ist eine bestimmende Größe, wie und mit welchen Kräften das Heer seine Kriegstauglichkeit herstellt und wo deren Einsatz in den Verteidigungsplanungen vorgesehen ist. Hinzu kommen natürlich noch nationale Aufgaben, vor allem, aber nicht ausschließlich mit Blick auf den Operationsplan Deutschland.

Bundeswehr-Soldaten in Grönland, Januar 2026



Wir müssen zudem immer in der Lage sein, auch neue und zusätzliche Aufträge zu übernehmen, das gilt auch für mögliche Aufgaben etwa im Rahmen der Enhanced Vigilance Activity Arctic Sentry (Anmerkung der Redaktion: "Verstärkte Überwachungsmaßnahme "Arktis-Wächter")

Der Beitrag unserer Gebirgsjägerbrigade und der Divisionstruppen der Division Schnelle Kräfte, unter anderem des gemischter Hubschraubereinsatzverband und der Fernspähkompanie, im März erfolgte ja im Rahmen dieser Aktivität.

Euronews: In Ihrer Agenda taucht immer wieder der Gedanke auf, dass Abschreckung nur funktioniert, wenn Einsatzbereitschaft, Aufwuchs und Innovation zusammenkommen. Wenn Sie eine einzige Sache nennen müssten, die 2026 politisch entschieden werden muss, damit die Abschreckung gegenüber Russland messbar stärker wird: welche wäre das?

Generalleutnant Freuding: Wenn wir über Abschreckung sprechen, reden wir nicht über einen einzelnen Hebel, den man umlegt – etwa nur mehr Personal, mehr Material oder schnellere Beschaffung. Abschreckung entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren: kurzfristige Einsatzbereitschaft im Sinne von "Fight Tonight" (Anmerkung der Redaktion: "sofort kampfbereit") , strukturierter personeller und materieller Aufwuchs sowie konsequente Innovation als Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Streitkräfte. Das gehört alles zusammen. Einsatzbereitschaft ohne personellen Aufwuchs ist nicht durchhaltefähig. Personeller Aufwuchs ohne materielle Vollausstattung bleibt wirkungslos. Innovation ohne tragfähige Strukturen läuft ins Leere. Abschreckung wird messbar stärker, wenn unsere Großverbände modern ausgestattet, professionell ausgebildet, in der Breite funktional aufgebaut, logistisch durchhaltefähig und digital führungsfähig sind.

Das Deutsche Heer sieht sich der größten sicherheitspolitischen Herausforderung seit dem Ende des Kalten Krieges gegenüber. Die Bedrohung ist real. Der Feind wartet nicht auf unsere Fertigmeldung. Wir müssen jetzt jeden Tag besser werden, denn wir brauchen ein Heer, das sich durchsetzen, das gewinnen kann. Ich weiß: eine hohe Ambition. Mehr geht nicht, aber weniger eben auch nicht.

Donnerstag, 12. März 2026

Warum Deutschland einen Flugzeugträger braucht


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Heute Morgen wurde auf X die Frage aufgeworfen, was gegen ein oder zwei deutsche Flugzeugträger spricht. Und weil das Posting aus den unerfindlichen Gründen der X-Logik grade steil geht, wurde es auch in meine Timeline gespült.

Sie erschien mir aber ergebnisoffen und durchaus humorfähig, nicht AfD-mäßig um endlich wieder jemand sein zu können. Weshalb ich das gerne beantworte. Und den Ersteller gar nicht exposen will. (Außerdem folgt er meiner Seite, es kann kein schlechter Mensch sein.)

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Da wir alle wissen, dass ich als MilBlogger natürlich kriegsgeil sein muss, und überdies ehemaliger Marineflieger und Nachrichtenmann bin, bin ich in der Blase der deutschen MilBlogger und OSINT-Opossums natürlich prädestiniert und elitär versiert, diese Frage zu beantworten.

Es kann natürlich auch sein, dass mein Hirn nach fast einer Woche Covid und inzwischen psychotische Zustände annehmender Langeweile fieberbesoffen Spielmannslaune hat und ich mich damit einfach nur davon ablenke, dass mein Ausatmen sich anhört, als würde der dicke Nachbar schwitzend einen schweren Umzugskarton durch das Treppenhaus schieben, oder eine spanische Truhe mit Leiche drin oder sowas, und ich weiß wie lang dieser Satz ist weil ich ihn angefangen habe ohne zu wissen wie er enden soll und ich lass das jetzt so und außerdem kann man Schwitzen nicht hören.

Aus reinem Waffenstolz würde ich mich einmal im Jahr mit einem Klappstuhl vor den Flugzeugträger setzen, mit hochgekrempelten Ärmeln stolz mein Marineflieger-Tattoo präsentieren und mir mit Bier aus der Kühlbox manierlich die Peitsche durchs Gesicht ziehen.
Nicht, dass ich einen Grund für Bier bräuchte. Aber ich finde die Idee sexy.

Allerdings sei hier von vorn herein klargestellt, dass Deutschland einen Flugzeugträger besitzt. Scheiß langsam, aber der Größte der Welt: Sylt.
Da war zu meiner Zeit auch die Marinefliegerlehrgruppe, weshalb das Fliegerlied immer „Westerland“ von den Ärzten war.

Starten wir also das Projekt „Wir bauen einen Flugzeugträger (oder zwei)“.

Schwimmen muss das Teil

Zunächst brauchen wir eine Werft, die das Ding baut.

Da würden sich die Naval Yards oder ThyssenKrupp in Kiel anbieten. Dann wäre unser Flugzeugträger aber in der Ostsee. Und das Ding ist platt wie ein Ententeich. Taktisch wäre er da auch so sinnvoll wie ein zweites Arschloch. Als hätten wir einen kugelsicheren Maibach mit Echtlederausstattung und Zigarrenhalter, der auf einem Flughafen Mallozze-Vollklatsche-Touris zu den Flugzeugen shuttelt.
Unsere schwimmende Stadt müsste also erstmal um Dänemark herum geschleppt werden.

Es bliebe also nur die Meyer Werft in Papenburg, dann müssten wir halt die Ems für ein halbes Jahr dicht machen. Die werden begeistert sein, von Kreuzschiffe auf Flugzeugträger umzusteigen. Wie damals Loriot: Von Panzerwagen auf Marzipankartoffeln. Und die Mitarbeiter erst, die alle durch den MAD überprüft werden.

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Die Meyer Werft bei Papenburg

Dann hätten wir das Problem des Antriebs.
Man könnte einfach Gasturbinen und Diesel nehmen, wie die Briten und Italiener. So ein Teil verbraucht bei normalem Marsch bummelig 8000 Liter pro Stunde, bei Einsatzgeschwindigkeit dürften es auch mal 12.000 Liter werden. Kann man so machen. Ich habe nur das Gefühl, dass das in Zeiten, in denen man sich von Erdöl-produzierenden Ländern unabhängig machen will, irgendwie nicht mehrheitsfähig wäre.

Hey, wir sind Deutschland. Wir können beim nächsten Krieg nicht einfach mit einem 300 Meter langen Dacia vorfahren. Da muss schon Musik drin sein.
Also nehmen wir natürlich Atomantrieb.
Jetzt haben wir dummerweise aber auch alle Atomkraftwerke abgeschafft und haben gar keine Erfahrung mit Atomantrieb für Schiffe. Ich habe ja auch keine Ahnung, wie man sowas baut, aber irgendwie das Gefühl, das kann man nicht einfach googeln.

Ignorieren wir das. Wir müssen eh noch so viel ignorieren, da ist das Problem mit dem Atomantrieb auch nur ein Furz im Orkan.
Wir bekommen das Ding soweit gebaut, durch die Ems und nach Wilhelmshaven geschleppt. Denn das ist der einzige Hafen, der bleibt. Es sei denn, wir baggern die halbe Nordseeküste um. Nehmen wir lieber, was eh da ist.
Natürlich nicht im Stützpunkt am Heppenser Groden, der wäre insgesamt zu klein und irgendwo muss unsere bisherige Marine, die da stationiert ist, ja auch hin.

Wir nehmen den JadeWeserPort. Am Containerterminal werden weniger Tonnen umgeschlagen, als im Hamburger Hafen. Also kann der weg. Wenn Deutschland einen neuen Tiefseehafen will, sollen sie sich doch einen buddeln. Die Narren.

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JadeWeserPort... Zukünftige Heimat der deutschen Flugzeugträger.

Das Ding wird zum Stützpunkt umgebaut, die Grünfläche plattiert, schon ist der Lachs geschuppt. Und wenn irgendwelche Umweltgruppen ankommen und rumjammern, weil im Umland irgendeine weltweit einzigartige, halbamphibische, deutschsprachige Krustentierpopulation vorkommt, werden diese Hodenkobolde neben die Klimaclowns geklebt.

Dann haben wir erstmal einen Rumpf und einen Parkplatz, aber nach unseren Erfahrungen mit Flughäfen und Elbphilharmonien geht das sicher ratzifatzi.
Dann kann ich meinen Klappstuhl aufstellen, meinen Hutbürgerhut aufsetzen und „Schlaaand“ schreien, bis ich rotzevoll vom Hocker kippe.

Schon einmal Zeit, ihm einen Namen zu geben.
US-Schiffe haben das Kürzel USS, britische das Kürzel HMS (Her Majesty’s Ship) und iranische IRIS (Islamic Republic of Iran Ship). Deutsche Schiffe haben eigentlich kein Kürzel. Nicht einmal das!
Gängig wäre FGS für Federal German Ship.

Nennen wir unser Projekt also die FGS Breckerfeld.
Weil wir wissen, dass man sich der Romantik, Mondänität und des Kosmopolitismus von westfälischen Ortsnamen nur schwer entziehen kann.

Die Flieger

Dann brauchen wir noch Flugzeuge.
Wir haben natürlich noch Marineflieger. Meine Party People. Die bestehen aber aus Helikoptern für den Bordeinsatz und Seefernaufklärern. U-Boot-Jagd können wir, richtig gut sogar, weil das durch Kattegat und Skagerrak unsere von der NATO zugedachte Rolle in der Verteidigung ist.

Das Problem ist, dass wir friedensbesoffen die ganze Sparte der Marineflieger-Kampfjets eingestampft haben. Es gibt sie nicht mehr. Und natürlich auch die spezielle und erweiterte Ausbildung der Piloten nicht mehr. Weil Deutschland der Meinung war, ohne Sowjetunion wird das nicht mehr gebraucht und das Geld sei anderweitig besser aufgehoben. Friedensdividende nennt man das wohl. Unser neuer Freund Putin und so, wir erinnern uns. …was aus dem wohl geworden ist? Wladimir „Judo-Waldi“ Wladimirowitsch, der alte Spaltenküsser.

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Marine Tornado, gute alte Zeit.

Nehmen wir für den Anfang nur die Grundausstattung.
Zunächst brauchen wir Jagdbomber. Irgendwas, was dem Feind eine große Traglast auf den Kopf werfen kann. Und von Radars möglichst nicht gesehen wird.
Da könnten wir unsere alten Tornados nehmen. Die können viel schleppen und können aufklären.
Da ist aber das Problem, dass die nicht nur in hohen Ehren ergraut sind. Sondern dass die einmal von einem Flugzeugträger starten können. Einmal. Wenn wir das Ding doppelt so lang bauen, können sie auch wieder landen.

Wir haben aber eh gerade F-35 bestellt. Das ist gut, die sind im Iran auch gerade im Einsatz.
Bestellen wir halt noch welche. In einer anderen Version, aber ansonsten haben wir ja schon alles, oder bekommen es eh. Tankstutzen und Ersatzräder und so.
Ich würde sagen, wir brauchen so 20 Stück. Flieger, nicht Ersatzräder.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die noch mehr für den Luftkampf ausgelegt sind, also eigentlich Jäger. So reine Typen gibt es nicht mehr, aber halt so die Richtung.
Der Eurofighter Typhoon ist mehr so der Porsche 992, der Tornado der Mercedes Diesel Kombi mit Dachgepäckträger und Anhängerkupplung. Wir brauchen Porsche.
Und wenn die Autos jetzt nicht passen, hört auf mit Klugscheißern, ich habe keine Ahnung von Autos. Mein zweites Auto war ein Merser Diesel mit Agrarhaken, mein erstes ein Leopard II. Eat my dust.

Nehmen wir also mal zehn Typhoon dabei. Die sind primär dafür da, die FGS Breckerfeld vor feindlichen Flugzeugen, Marschflugkörpern und Drohnen zu schützen.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die elektronische Kampfführung können. Die können unter anderem feindliche Radars bekämpfen, auch die Radars von Flugabwehrsystemen, die uns angreifen.
Da hätten wir die ECR Tornados, mit dem gleichen Problem. Aber es sollen eh gerade 15 Typhoon der Luftwaffe umgerüstet werden. Also bestellen wir doch gleich noch fünf mehr.

Als Amarena-Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre natürlich schick, wenn wir auch Fernaufklärung machen könnten. Damit wir früh genug wissen, was da so auf uns zukommt. Im wahrsten Sinne.
Das sind diese Maschinen mit der riesigen Untertasse oben drauf. Auch sowas haben wir, aber eben nicht für Träger. Die US-amerikanischen E‑2D Hawkeye werden seit 1960 bis heute produziert. Wir werden die nehmen müssen. Einfach weil es kein europäisches System gibt, dass von einem Träger aus operieren kann. Aber da würden auch zwei reichen.

Damit werden die deutschen Marineflieger zu neuem Glanz auferstehen. Nehmt das, ihr Pazifistenpudel!

Soldaten wie Sand am Meer

Jetzt brauchen wir Besatzung und Bodenpersonal.
Wir bekommen bis jetzt schon nicht genug Leute. Und haben Politiker, die sich nicht so recht trauen, da irgendwas mit der Wehrpflicht zu machen. Was aber eh egal ist. Denn da die FGS Breckerfeld jederzeit auch außerhalb eines Verteidigungsfalles einsetzbar sein muss, auf unbestimmte Zeit, mit hoher Geheimhaltung und kommunikativem Shut Down, müssten es eh Zeitsoldaten sein.

Wir launchen einfach einen Image-Film, wie damals Top Gun. Natürlich den alten. Niemand hat den neuen gesehen.
Niemand.
Mit 60 dürfte Tom Cruise bei den Marinefliegern nicht einmal die Räder ölen. Muss doch keiner sehen sowas. Geriatrie Geschwader.

„Breckerfeld – Im Sturm von Gefahr und Liebe“.
(98% der Entscheidungsträger von Verwertungsgesellschaften und RTL-Redakteuren bestätigen, dass Filme in Deutschland solche Untertitel brauchen.)
100 Millionen Grundinvestition, der Rest über Productplacement. Ihr werdet sehen: Peanuts.

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Der Film zum Flugzeugträger: Hauptrolle Matthias Schweighöfer, Moritz Bleibtreu als der, der in der Mitte des Films stirbt, Christoph Waltz als Admiral und Diddi Hallervorden als geistig zerrütteter Alt-68er, der nicht will, dass seine Tochter einen Soldaten datet. (Gespielt von irgendeiner Perle, die bereit ist mal sieben Sekunden ihre Nippel zu zeigen, um auch die zu bedienen, die das mit den Porno-Internetseiten noch nicht verstanden haben.) Soundtrack irgendwas mit Castrop-Rauxeler Gangster Rap.

Damit bekommen wir die Besatzung locker zusammen. Die Laufen uns die Bude ein. 3300 Mann Besatzung und 2500 Mann fliegerisches Personal.
Und an Land nochmal 2000, das können dann zur Hälfte auch Wehrpflichtige sein. Planung und Nachschub lassen wir jetzt mal weg. Nur die, die dann da stationiert sind, wo wir in Wilhelmshaven die Krustentiere ausgerottet haben.
Ich bin sicher, Wilhelmshaven wird sich über den Zuzug von knapp 8000 Mann plus Lieferverkehr richtig freuen. Die örtliche Gastronomie auf jeden Fall.

Kurz überschlagen

Und da liegt sie dann, der stolz der deutschen Marine. Ein zum Schiff geschmiedeter, neuer deutscher Nationalstolz. Weil Deutsche ja sonst nix haben, um stolz sein zu können. Zumindest glauben das wohl einige.
Überschlagen wir es kurz.

Die Breckerfeld selber macht, bei planmäßigem Lauf des Baus, 12 Milliarden.
Bei 20 F-35C (Trägervariante) kommen etwa zwei Milliarden drauf.
Die Typhoon sind etwas teurer, die ELOKA Version sicher noch etwas. Aber sagen wir, wir machen einen guten Deal, dann sind wir mit 2,7 Milliarden dabei.
Bau der Kaserne, Ausbildungszentren (dezentralisiert und disloziert), Beschaffung eines Fuhrparks… Komm, wir sind unter uns, runden wir auf insgesamt 20 Milliarden ab.
Schnäppchen.

Dann müssten wir uns noch über die Kampfgruppe, die Carrier Strike Group, unterhalten.
Dazu gehören Luftabwehrzerstörer - im Schnitt drei bis vier – und mindestens ein Jagd-U-Boot.
Gut, letzteres können wir wirklich, unsere sind die besten weltweit.

Wir haben gar keine Zerstörer. Aber recht ansehnliche Fregatten. Das geht auch.
Wir haben gerade sechs Fregatten der F126 im Zulauf, erste 2028. Bestellen wir gleich drei mehr, ist dann günstiger. Sollten allerdings spezialisierter sein, aber das sind Details. Gehen wir von einer Milliarde pro Stück aus, sind das läppische vier Milliarden.
Die Brauchen zwar auch wieder Personal, aber… Image-Film!

Habe ich erwähnt, dass der Einsatz einer solchen Carrier Strike Group ohne Waffen täglich über eine Million Euro kostet?

Wenn alles läuft, haben wir den Puff 2035 besenrein schlüsselfertig.
Ich denke, ich werde mir schon einmal einen Klappstuhl bestellen. Personalisiert und mit Marineflieger-Logo. Noch besser: Gleich morgen arbeite ich an der Gründungssatzung der Marinefliegerkameradschaft Breckerfeld-Ultras „Mit allen Wassern gewaschen, mit Alkohol gereinigt“ e. V.
Memo an mich: Städtepartnerschaft.

Mal wenigstens halb ernst

Kommen wir runter von dem Trip. So schön er auch ist. Sonst träume ich noch davon. …falls der dicke Nachbar endlich mal aufhört die Kartons durchs Treppenhaus zu schieben und ich schlafen kann.

Ich erkläre mal, warum das ein typischer, laienhafter Gedanke ist. Und warum er – aus militärischer Sicht zu Ende gedacht – völlig nutzlos ist.
Es ist so ein bisschen, wie Leute von „Langstreckenraketen“ sprechen und nicht wissen, dass sie damit „atomare Interkontinentalraketen für des Inferno“ sagen.

Und Stammleserinnen und -leser werden einschätzen können, dass ich ja wirklich doch eher „rustikal“ unterwegs bin. Nicht rechts oder nationalistisch, nur militärisch klar und ziemlich empathielos. Moral stört nur beim Geschäft.

Wofür braucht man eigentlich Flugzeugträger?
Ernsthaft jetzt. Wofür?

Israel fliegt derzeit ständige Angriffe gegen den Iran. Die haben keinen Flugzeugträger.
Die israelische Luftwaffe ist etwas größer als die deutsche. Das hat aber taktische und strategische Gründe, aufgrund der Situation Israels und vor allem des Irans. Also Dinge, die weit vor Netanjahu schon begonnen haben.
Insgesamt sind die IDF (Israel Defense Forces) sogar kleiner als die Bundeswehr.

Das bedeutet, Israel kämpft gerade gegen einen Feind, der über 1000km weit weg ist und – je nach Flugroute – zwei bis drei Länder entfernt ist. Die können das. Die sind gut.
Israel könnte aber niemals den Iran einnehmen, ebenso wie Deutschland niemals Russland einnehmen könnte.

Um das zu können, muss man die berühmten „Boots on the ground“ bekommen. Und man muss eine Luftüberlegenheit herstellen. Was Israel und die USA im Iran nur deshalb so schnell konnten, weil der Iran im Grunde eine überaltete Schrott-Luftwaffe hat. Aus Gründen.

Einen Flugzeugträger braucht man, um direkter aus der Luft auf einen Gegner einwirken zu können.
Das geht aber auch über Lufttanker. Und Landeplätze. Die die USA gerade am Persischen Golf ja auch haben. Nur mit dem Flugzeugträger alleine ginge das auch nicht so einfach.

Russland hat einen einzigen Flugzeugträger. Und der verrottet seit Jahren in einer Werft. Ich musste den noch lernen, man kann mich auch nachts um drei besoffen wecken und ich kann „Admiral flota Sowjetskowo Sojusa Kusnezow“ sagen.

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Die Kuznetzow auf Reede, etwa 2019.

Politiker, Pazifisten und andere Randexistenzen unterscheiden gerne zwischen „Offensivwaffen“ und „Defensivwaffen“. Was Unfug ist. Mit fast allem, mit dem man abwehren kann, kann man auch angreifen. Zumindest auf taktischer Ebene.
Wenn die Zuschreibung als „Offensivwaffe“ aber auf irgendetwas zutrifft, dann auf Flugzeugträger. Und auf SSGN, aber das ist ein anderes Thema.

Die USA haben sogar einen guten Grund dafür, so viele Flugzeugträger zu haben. Völlig egal, ob man Imperien oder Trump kacke findet.
Sie können etwa 12 solcher Carrier Strike Groups auf die Beine stellen. Von denen gerade einmal eine vorm Iran im Einsatz ist (USS Abraham Lincoln) und eine zweite gerade im Zulauf (USS Gerald R. Ford).

Wenn man sich die Weltkarte anschaut, sind die USA ziemlich isoliert.
Mögliche Gegner sind Russland und China. Und die sind weit weg. Und waren es auch schon, als sie USA nach dem zweiten Weltkrieg angefangen haben, sich diese teuren Flugzeugträger draufzuschaffen.
Und nur deshalb – und wegen der Tiefseehäfen – haben sie eine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur, diese Träger immer wieder zu erneuern. Never change a running system.
Für uns ist Russland aber ganz nah. Und China geht uns nichts an.

Dass Großbritannien zwei Flugzeugträger und nuklear bewaffnete U-Boote hat, ist auch ersichtlich. Denn UK gehört zu den „Five Eyes“ (FVEY), also Australien, Kanada, Neuseeland und USA. Auch das ist historisch gewachsen.
Wir vergessen gerne, dass es nach wie vor ein Commonwealth gibt. Nicht mehr die Kolonien, sondern heute freiwillige und stolze Ableger des historischen Commonwealth. Canada ist britischer, als es amerikanisch ist. Ebenso Neuseeland. Und wenn man einen Australier sprechen hört, denkt man, das sei eine überzeichnete Parodie eines Briten. Barbados, Trinidad und Tobago, Dominica und wie sie alle heißen, alles Aushilfsbriten.

Und die sind natürlich alle mehr oder weniger mit Großbritannien verbündet. Und deshalb macht es für Großbritannien auch Sinn, sich zwei Flugzeugträger anzuschaffen.
Aber genau damit haben sie sich verrannt. Der zweite, die HMS Prince of Wales, hat nicht einmal Flugzeuge. Kein Scherz. Da sollen, wenn denn geliefert und bezahlt, 12 F-35 drauf. Zwölf. Auf einem haushaltsüblichem sind mindestens 30, eher 40 Flugzeuge.

Sinn und Zweck lassen bei Frankreich schon stark nach, aber wenigstens ist die Charles de Gaulle der einzige atomgetriebene Flugzeugträger außerhalb der USA weltweit. Aber jetzt wollen die noch einen zweiten, größeren bauen. Und ich persönlich habe das Gefühl, der Franzose sollte dringend einmal mit seinem Therapeuten über Kompensation sprechen.

Bei Italien habe ich gar keine Ahnung mehr, was und warum die sowas brauchen. Liebe für Sprache, Küche, Kultur und Geschichte, Kudos gehen raus. Aber… Ragazzi, ma che fai? Wofür? Die drei kürzesten Bücher der Welt sind „Englische Küche“, „2000 Jahre deutscher Humor“ und „Italienische Heldensagen“. Mal unter uns, habt ihr mal eure Militärgeschichte des letzten Jahrhunderts nachgeschlagen?

Es wurde auch in dem Thread der auslösenden Frage gesagt, dass Italien ja jetzt seinen Flugzeugträger schickt.
…ja, vor Zypern. Quasi umme Ecke. Nicht vor den Iran. Um gegen Drohnen der Hisbollah zu schützen. Das könnten zwei Moderne Flugabwehrfregatten auch.

Soll ich jetzt noch auf den indischen Flugzeugträger eingehen? Oder die thailändische HTMS Chakri Naruebet, die nur noch Helikopter hat? Oder den japanischen, bei denen das als Inselstaat gegenüber China wieder halbwegs Sinn macht?

Wozu genau jetzt?

Also fragen wir uns doch einmal, für welchen Fall genau Deutschland einen Flugzeugträger brauchen sollte. Entschuldigung… die die FGS Breckerfeld. Oder gar einen zweiten, die FGS Ennepetal nicht zu vergessen.

In der Ostsee sind die Dinger strategisch völlig wertlos. (Das Bild mit dem zweiten Arschloch habe ich schon gebracht, oder?) Moskau und Sankt Petersburg können wir eh erreichen. Bei Riga kurz rechts abbiegen, am McDonalds und Douglas vorbei, hinterm Aldi links, die Taurus oder HARM absetzen und ab nach Hause, bevor Pavel „Blyat“ sagen kann.

Wir bräuchten Flugzeugträger, wenn wir beispielsweise Verbündete irgendwo weit weg unterstützen wollten. Weit weg.
Selbst wenn wir Israel unterstützen wollten, könnten wir das von Israel aus. Oder von der Türkei. Die ja immer noch NATO-Partner ist. …ok, mehr so der verschrobene, bucklige Onkel mit über die Halbglatze gekämmten Haaren, den keiner mag, der auf jeder Familienfeier besoffen die promiskuitive Cousine befummelt. Aber Familie kann man sich halt nicht aussuchen.

Wen?
Wenn Trump auf die glorreiche Idee kommt Mauritius einzunehmen, wie er gehört hat, dass es da wertvolle Briefmarken gibt, und es in Trumpnistria oder Donaldistan umbenennen will? (An dieser Stelle werden mindestens fünf Leser aussteigen um „Mauritius Briefmarken“ zu googeln.)

Ich kann mir kein einziges Szenario vorstellen, wofür wir Flugzeugträger bräuchten. Nicht einmal bei Kanada, weil wir da nämlich eh Basen haben bzw. gern gesehener Gast sind. Und mal ehrlich: wer will Kanada? Freundliche Menschen die genetisch unfähig sind zu lügen, Dudelsäcke haben und Wald. Viel Wald.

Flugzeugträger bräuchten wir, um auf dicke Hose zu machen und endlich mal wieder richtig schön deutsch und stolz sein zu können. Vor allem deutsch. Aber auch stolz. Mehr so untenrum.
Wenn die CDU sowas durchbringt, kann die AfD sich gleich auflösen.

Nochmal: Ich bin militärisch in meinen Ansichten wirklich ein harter, konservativer Hund. Aber eben nicht rechts oder nationalistisch. Alles schön mit Sinn, Verstand, Verbündeten, Freunden und zur Verteidigung.
Ich verzichte gerne auf meinen Klappstuhl.

Ach scheiß drauf. Ich bin krank. Ich bestell mir jetzt so einen Klappstuhl.
Und dann geh ich beim Nachbarn nachfragen, warum der seit fünf Tagen umzieht.

Wer es bis hierher geschafft hat, wird mir die Überschrift verzeihen. Honey Trap für die Dauerempörten und AfD-Wähler, die sich Zuspruch erhofft haben. Schafft Euch ein Rückgrat an. Ist billiger als die FGS Breckerfeld.

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Erschienen auf steady.page


Donnerstag, 26. Februar 2026

Bitte wegtreten, Herr Minister...

von Thomas Tuma

Wie macht Boris Pistorius das nur? Er ist der vielleicht wichtigste Minister im Bundeskabinett. Für sein Verteidigungsressort wurde die Schuldenbremse nicht nur gelockert, sondern quasi ausgehebelt. Der 65-Jährige hat also schier unbegrenzte Milliardenmittel zur Verfügung. Und dann gibt es Termine wie gestern vorm Haushaltsausschuss, nach denen man nur noch denkt: Bitte wegtreten, Herr Minister!

Diesmal ging es um Kamikaze-Drohnen. Pistorius wollte mit den Rüstungsfirmen Helsing und Stark Verträge abschließen über gut 4,3 Milliarden Euro. Mein lieber Scholli, da haben die Parlamentarier ihn aber rasiert: Er kriegt nun allenfalls die Hälfte des geforderten Geldes, nur Teilaufträge bewilligt, und jede Fortsetzung muss künftig genehmigt werden.

Es ist nicht so, dass die Haushälter an Drohnen sparen wollen. Nur eben an Drohnen, die nicht mal fliegen oder dann ihr Ziel verfehlen. Darauf deuteten leider erste Testflüge im vergangenen Herbst hin. Nach den erschütternden Ergebnissen hegte ich schon den Verdacht, dass sich ein künftiger Aggressor bei uns eher totlachen als fürchten soll.

Sorry, die Lage ist eigentlich zu ernst für Witze. Und es ist ja nicht das erste Fiasko von Pistorius. Das elf Milliarden Euro teure Schlüsselprojekt rund um den Einkauf digitaler Funkgeräte: akut gefährdet. Die Bereitstellung neuer Fregatten: um drei Jahre auf 2031 verschoben. Der Umbau des völlig verknöcherten Beschaffungsamtes in Koblenz: oft versprochen, nie eingelöst.

Die Behörde sei ein System der „organisierten Verantwortungslosigkeit“, rügte zuletzt Kay Scheller, Präsident des Bundesrechnungshofes. „Das können wir uns nicht mehr leisten.“ Diese Woche war auch Pistorius wieder dort, lobte die „tolle Arbeit“, wünschte sich aber ein paar zusätzliche Standorte, um weitere kreative Köpfe anzulocken.

Das wird ähnlich lange dauern wie der geplante Aufwuchs der Truppe, fürchte ich. Aber Pistorius muss als Sozialdemokrat natürlich weiter die Freiwilligkeit des Wehrdienstes verteidigen, eines der schönsten Beispiele von Selbstbetrug seiner SPD.

Bedingt abwehrbereit: Boris Pistorius möchte für Milliarden Euro Drohnen kaufen, die bislang eher enttäuschten



Als der Ukrainekrieg 2022 begann, hatte die Bundeswehr 183.000 Soldaten. Anfang 2026 waren es 186.000. Ein Netto-Plus von 3000 in vier Jahren. Um die vereinbarten Nato-Ziele zu erreichen und auch alle bestellten Waffen überhaupt bedienen zu können, bräuchte die Truppe bis 2035 aber rund 260.000 Einsatzkräfte.

Ahnen Sie schon was? Wenn wir weiter so wachsen wie bisher, käme ich auf die Sollstärke in … warten Sie, ich hab’s gleich … 3000 im Sinn… Also in hundert Jahren wäre Deutschland „kriegstauglich“, wie Pistorius das immer fordert. Ich nehme aber an, dass uns bis dahin eher eine Predator-Armee von Alpha Centauri erledigt hat.

Wissen Sie, was Pistorius gestern im Bundestag zum Truppenwachstum gesagt hat? Er lobte, dass der aktuelle Personalstand der Bundeswehr der höchste sei seit 2011. Wer den Bundestag derart veralbert, handelt mindestens frech.

Aber vielleicht hat Pistorius innerlich schon aufgegeben: seine Mission, seinen Karriereplan Kanzler, sich selbst? Die Bundeswehr steht aktuell schlechter da als vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Es fehlt ihr an einem Plan, vor allem aber an Material und Personal. Nur Kapital ist da. Pistorius scheint der erste Sozialdemokrat zu werden, der im Geld ertrinkt.

Oder tue ich ihm Unrecht? Er gilt ja immer noch als sehr beliebt. Schreiben Sie mir an: feedback@focus-magazin.de*



Dienstag, 10. Februar 2026

Darf die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden?

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Am Sonntagabend bekam ich die Leserfrage, wann die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden darf. In der Tonlage „Aber die darf doch gar nicht eingesetzt werden!?!“

Daraufhin habe ich aus dem Lamäng und schludrig ein Posting getippt und auf dem X-Account und der Facebook Fanpage veröffentlicht.
„Schludrig“, weil es wohl doch für Zivilisten (und einige Ex-Soldaten) missverständlich war.

Der Grund dafür war so menschlich wie hoffentlich nachvollziehbar: Die Vorberichte zum Super Bowl flackerten bereits auf dem zweiten Monitor. Für mich der höchste Feiertag des Jahres. Das Spiel ging bis in die frühen Morgenstunden. Weshalb ich den Beitrag erstmal einfach gelöscht habe.

Aber das kann ich ja nicht auf mir sitzen lassen. Es gibt kaum schlimmeres als Klugscheißer auf der Welt… außer Klugscheißer die Recht haben.

Da es aber wohl noch Diskussionsbedarf gibt, möchte ich das nochmal – halbwegs ausgeschlafen – aufgreifen.

Falsche Narrative

Die Kernaussage nehme ich vorweg.

Es geht mir ausdrücklich nicht darum, „auf dicke Hose“ zu machen, nur weil ich auch mal Soldat war.
Ich hatte auch sehr deutlich erklärt, dass ich Verfechter der demokratischen Kontrolle des Militärs bin. Und absoluter Fan des Bürgers in Uniform, als den ich mich selber immer gesehen habe.

Meiner ganz persönlichen Auffassung nach haben sich jedoch Narrative festgesetzt, die nicht der Realität entsprechen. Und falsche Vorstellungen in der Öffentlichkeit verfestigt haben. Die jetzt erst zu Tage treten, nachdem Hinz und Kunz sich im Netz 2.0 öffentlich äußern können. (Beschissenste Idee der Menschheit bisher, aber da müssen die selber drauf kommen.)

Das wird vor allem von der Propaganda ausgenutzt. Und mehr noch, teilweise wird versucht, „neue“ Definitionen zu etablieren. Als Beispiel sei hier nur einmal der Begriff des Völkermords genannt und die Versuche, diesen Begriff umzudeuten, damit er auf Israel angewendet werden kann. Unter anderem durch Amnesty International. Ein anderes Beispiel ist die Debatte um die Covid-Impfungen, wo so viel geballter Unfug erzählt wurde, dass Darwin seine Theorie nochmal überdacht hätte.

Darum geht es mir persönlich. Um mehr nicht.

Die Bundeswehr darf nix in Deutschland!

In diesem Fall geht es um die Verkürzung, die Bundeswehr dürfe in Deutschland nicht eingesetzt werden.

Diese Aussage kommt durch einen Satz im Grundgesetzt. Im Artikel 87a heißt es im zweiten Satz:

„Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt.“

Nach den Nazis wollte man die Macht einzelner Institutionen demokratisch aufteilen und Kontrollen unterwerfen. Was, wie ich finde, hervorragend gelungen ist.
Deshalb schrieb man das in unsere Verfassung. Und machte es zu einem der Slogans für das neue Westdeutschland. Und die Bundeswehr.

Dann kam die Generation der 68. Die tendenziell eher Staats- bzw. Autoritätsablehnend unterwegs war. Aus denen entwickelten sich die Lehrer dieser Nation, denn „unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren“.
Und so verfestigte sich die Verkürzung noch weiter.

Die Realität

Das Problem daran ist, dass sie mit der Realität wenig zu tun hat.
Um Denkmuster aufzubrechen, provokant formuliert: Die Bundeswehr darf auch im Inneren alles. Sie muss es nur vorher demokratisch legitimieren lassen.

Schon im nächsten Satz des Artikels 87a heißt es nämlich:

„Die Streitkräfte haben im Verteidigungsfalle und im Spannungsfalle die Befugnis, zivile Objekte zu schützen und Aufgaben der Verkehrsregelung wahrzunehmen…“

Und diese Ausnahmen gehen noch weiter. Beispielsweise im Absatz 4 des Artikels geht es um den inneren Notstand. Im Artikel 35 geht es um Naturkatastrophen oder Unglücksfälle. Und darüber hinaus gibt es Amtshilfeersuchen von anderen Behörden an die Bundeswehr und das Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG).

Was unsere Verfassung getan hat, ist den Regelfall zum Sonderfall zu machen.
Ein totalitärer Herrscher kann das Militär einsetzen, wie wo, wann und wozu er will. Und genau das geht in der Bundesrepublik nicht. Die Bundeswehr könnte sich beispielsweise einfach weigern, sollte es einmal zu solchen Extremen kommen.

Und ein anderer Aspekt ist sicher interessant: Das Militär einzusetzen funktioniert in beide Richtungen. Ein Bundesland kann den Bund um Hilfe bitten. Umgekehrt kann der Bund aber auch den sog. Bundeszwang über ein Bundesland ausüben. Bei beidem kann auch das Militär eingesetzt werden.

Diese Sonderfälle sich so vielfältig, dass am Ende des Tages meine provokante Aussage „Die Bundeswehr darf alles“ genau so richtig oder falsch ist, wie zu sagen „Die Bundeswehr darf nix“.

Bild
Feldjäger helfen bei der Sicherung eines Unfalls. Leipzig-Wiederitzsch, 27.10.2025

Beispiele

Bundeszwang:
In Sachsen kommt eine Partei an die Macht, die versucht, die verfassungsgemäßen Organe des Bundes auszusetzen. Dann kann der Bund den Bundeszwang anwenden und – je nach Lage – auch das Militär einsetzen.
Vorher kann der Bund sogar schon hingehen, und Bundeseinrichtungen militärisch schützen lassen. Beispielsweise den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge oder Bundeswehrstandorte, die dann auch „vor dem Zaun“ gesichert werden. Und ja, dann könnte es sogar soweit kommen, dass Panzer vorm Bundesverwaltungsgericht in Leipzig stehen.

Innerer Notstand:
Wenn in Bayern Radikale erstarken, um ihren König wiederzubekommen, könnte die Landesregierung den Notstand ausrufen. Wenn sie solange aufhört Wurst zu essen.
Sie könnte zunächst die Bundespolizei um Hilfe bitten. Und dann auch den Bund bzw. die Bundeswehr. Mit ähnlichen Ergebnissen wie oben.

Naturkatastrophen
Rollt mal wieder eine Flutwelle über Hamburg, ist davon auch zwangsläufig Niedersachsen betroffen. Der Bund kann dann die Bundeswehr einsetzen. Es muss mehr als ein Bundesland bedroht sein.
Und das könnte, soweit es nötig ist (könnte!) auch mehr als Evakuieren und Sandsäcke schaufeln bedeuten. Details sind dann in entsprechenden Dienstvorschriften geregelt. Aber hier wäre es ohne weiteres denkbar, dass beispielsweise die Feldjäger zur Erfüllung hoheitliche Befugnisse übertragen bekommen. Beispielsweise um Straßen zu sperren oder zu räumen.
Die dürfen dann immer noch keine allgemeinen Verkehrskontrollen durchführen. Aber die haben dann auch sicher etwas andere Sorgen, als Führerscheine zu prüfen.

Ein Leser merkte an, er habe in der Fahrschule gelernt, die Feldjäger hätten ihm nichts zu sagen.
Ich halte diese Verkürzung für geradezu gefährlich.
Allerdings spielt in meinem Weltbild auch keine Rolle, dass eine Feldjäger-Patrouille mal auf die Scheißhausidee kommt, zum Trolling einfach mal allgemeine Verkehrskontrollen durchzuführen. Im Freitagsberufsverkehr nachmittags auf der Landstraße. Weil die Leuchtwesten so schick sind.

Jermann-Paragraf

Was - für mich sehr überraschend – in der breiten Öffentlichkeit vollkommen unterschätzt wird, ist der so genannte Jedermann-Paragraf. Der Paragraf 127 der Strafprozessordnung.

„Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.“

Das macht nicht nur den signifikanten Unterschied zwischen einer Festnahme und einer Verhaftung aus. Sondern ist in der Praxis weitreichender, als viele es sich wohl vorstellen.
Nicht nur Securitys und Ordnungsdienste arbeiten mit diesem Paragrafen als Grundlage. Selbst die Polizei beruft sich je nach Situation darauf.

Nimmt man jemanden fest, darf man in Fällen auch „unmittelbaren Zwang“ ausüben. (Festhalten, zu-Boden bringen, fixieren, zur Not sogar fesseln) Es muss halt nur verhältnismäßig und erforderlich sein.
Der Kaufhausdetektiv darf dem Ladendieb – der nicht wegläuft - nicht einfach mal im Büro den Schreibtisch in die Nieren rammen, nur weil der ihm die Mittagspause versaut.
Gut, wenn er wegläuft eher auch nicht, aber dann hat er ja eh keinen Schreibtisch zur Hand.

Alle Behörden, die auch beispielsweise Schusswaffen tragen (oder auch nur Hunde oder Schlagstöcke einsetzen) haben darüber hinaus gehende Vorschriften. Das sind nämlich nur „Hilfsmittel körperlicher Gewalt“.
Beispielsweise haben die Polizeien entsprechende UZwG – Unmittelbarer Zwang Gesetze, gesprochen einfach „Uzwag“. Und es gibt auch das spezielle UZwG Bw.

Hier ist also wieder wichtig - wie auch bei der Verkürzung „Die Bundeswehr darf im Inneren nix“ - doch einmal genauer hinzusehen. Denn eigentlich darf ein Soldat nicht einmal jemanden festnehmen. Eigentlich.
Aufgrund des Jedermann-Paragrafen darf er es dann aber eben doch, wie jeder andere auch. Er hat nämlich die gleichen „staatsbürgerlichen Rechte“, wie u.a. auch Nothilfe und Notwehr. (§6 Soldatengesetz) Nur dass er dann halt manchmal eine Flinte zur Hand hat. Und wenn er eine so genannte „hoheitliche Aufgabe“ erfüllt, beispielsweise etwas bewacht, darf er die auch einsetzen.

Man ist zumindest gut beraten damit zu rechnen, dass er das vielleicht ungehemmter tut, als ein Polizist. Ich würde sagen: Je nach Lage, Auftrag und Verwendung. Fallschirmjäger werden wissen, was ich meine. Aber sicher auch einfach, weil Schütze Dosenkohl mit kurzer Hose Schießgewehr wenig andere Möglichkeiten und Deeskalationsstrategien hat.

Es wäre also nicht unbedingt eine Premiumidee, hasserfüllt auf einen Soldaten zuzulaufen, nur weil der gerade eine Straße blockiert. Weil man glaubt, der dürfe das nicht.
Genau das sind nämlich solche Situationen, die entstehen, weil man meint, die dürften ja nix. In Zeiten, in denen immer mehr Nothelfer, Sanitäter und Feuerwehrleute angegriffen werden.

Das macht hoffentlich deutlich, warum das ganze so kompliziert ist. Und warum man dutzende Beispiele nennen müsste, um das auseinanderzuklamüsern. Warum Soldaten dafür zum Teil sogar lange ausgebildet werden.
Die originäre Aufgabe des Wachbataillons, das die Meisten nur vom hübschen Antreten bei Staatsbesuchen kennen, ist zum Beispiel der Objektschutz. Um in solchen genannten Ausnahmesituationen Institutionen des Bundes zu bewachen.

Ich bitte daher von „Und was ist, wenn…“-Fragen abzusehen. Sonst sitze ich nämlich noch hier, wenn Putin beerdigt wird.
Ich würde mich jetzt gerne wieder um Aktuelles kümmern.

Nennt mich naiv, aber ich gehe erstmal davon aus, dass Soldaten das dürfen, was sie tun. Das ist meine Werkseinstellung. Wenn nicht, kann man in dieser wundervollen Demokratie später auch ein Gericht anrufen. Sogar mehrere.
Die Bundeswehr ist nicht ICE und Castrop-Rauxel ist nicht Minneapolis. Und das wollen wir auch mal schön so belassen.


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