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Donnerstag, 23. Juli 2026

Frontbericht vom Endkampf gegen blau

von Rocco Burggraf

Heldenmutiger Widerstand: Kein Röstgut für “Faschisten“



Am Wochenende gab es wieder Vorstöße nazideutscher Truppenteile: Im 978 Einwohner zählenden Örtchen Osterby flogen zwei Angehörige der NSDAP-Nachfolgepartei auf, die an einem privaten Umzugsfest der Familie Dorow mit Grillwurst und Kinderschminken teilnahmen. Gerade so, als sei dies exakt 89 Jahre nach Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“ das Normalste der Welt! Einer sofort alarmierten, in Rekordzeit zugereisten antifaschistischen Sondereinheit aus dem Programm „Demokratie leben!“ blieb es vorbehalten, die reibungslose Durchführung des Geheimtreffens mit Lärm, Geschrei, Pride- und DGB-Fahnen zu verhindern.

Im Berliner Regierungsviertel versuchte gestern sodann ein Angehöriger desselben politischen Untermenschentums erfolglos, einen Gedenkkranz zu Ehren des Grafen von Stauffenberg abzulegen. Das unzulässige Gebinde wurde im Hof des Verteidigungsministeriums umgehend von einem Herrn namens Korenke zerstört, dessen Beruf offensichtlich darin besteht, bei geeigneten Gelegenheiten als “Großneffe der Widerstandsfamilie Bonhoeffer” aufzutreten.

Rumpeliges Schlachtfeld in der Kleingartenanlage

Und schließlich scheiterte in einem Freiluft-Café namens „Eule“ nahe des Berliner Gleisdreiecks ein AfD-Blauzi mit dem dreisten Versuch, im Container einen Latte Macchiato zu bestellen. Womit der Übergriffige nicht gerechnet hatte: Die „stabile“ Betreiberin Kristiana Elig (siehe Beitragsbild) erkannte sofort die Gelegenheit, ihrem dümpelnden Geschäft mit der braunen Brühe Schwung zu verleihen: Frohlockend berichtete die Kämpferin mit dem Antlitz einer bayerischen Milchbäuerin in einem abendlichen Video davon, wie sie sich dem „Volltroll“ todesmutig entgegengestellt und die Herausgabe ihrer edlen Köstlichkeit verweigert habe. Der Überrumpelte hätte noch verzweifelt einzuwenden versucht, sie als „Gastronomin“ müsse doch „voll neutral“ (!) sein – ein untauglicher Vorstoß, der am Iron Dome von Vielfalt und Toleranz abprallte. Mit der Frage, ob ein steifer Krawattenträger mit Abzeichen der Blauen tatsächlich stehenden Fußes „voll blickig ey“ in die selbstverliebt-esoterische Diktion der Berliner „Gastronomin“ verfallen ist, wollen wir uns hier nicht weiter aufhalten; der Geschlagene musste jedenfalls das rumpelige Schlachtfeld in der Kleingartenanlage mit hängenden Schultern verlassen.

Die ins immer noch unzureichend regulierte Netz gestellte Triumphade der Aufrechten zeigte sich dann allerdings weniger erfolgreich als erhofft: Es gab einen Shitstorm unterhalb der Strafbarkeitsgrenze und zahlreiche negative Bewertungen. Die genervte Kaffeeheldin gab sich in der nächsten Folge der Staffel nun trotzig: Man werde sie „nie, nie, nie zur Aufgabe zwingen!“ Soweit nachvollziehbar, schließlich wähnte sie sich ja selbst in einer Rolle, die andere zur Aufgabe zwingt. Womit die Gastronomierende inmitten ihrer berlintypischen Oase aus „Wildwuchs, Plastikstühlen, dem Sandkasten im LKW-Reifen, dem Flaschenbier und der fehlenden Toilette“ wohl nicht gerechnet hatte: Nun nahm der Fall erst richtig Schwung auf und geriet republikweit in die Schlagzeilen. Als Folge musste die welkende Weiße Rose die Kommentarfunktion unter ihrem Jubelvideo schließen und die Telefonnummer von der Website ihres Ladens nehmen.

Nicht nur blau, sondern auch noch Kaffee-Nazi

Nun war Schadensbegrenzung angezeigt: Ihr Sachstandsbericht wurde über Nacht um eine ganz entscheidende Ungeheuerlichkeit ergänzt. Denn Frau Elig war jetzt auch noch eingefallen, dass der Besteller ja nicht nur Mitglied der in Teilen erkennbaren Hitlerpartei, sondern auch ein veritabler Rassist sein muss – denn im Gedächtnisprotokoll tauchte jetzt plötzlich ein weiteres Opfer auf: Eine „Schwarze“. Der Kaffee-Nazi hätte nämlich „die hinter ihm sitzende“ Dame in idealtypisch-rassistischer Manier „beleidigt“, indem er sich darüber beschwert hätte, dass die schlürfende Person of Colour im Gegensatz zu ihm anstandslos ihren Kaffee bekommen habe.

Damit erscheint die Sache jetzt in einem völlig neuem Licht. Es braucht keine weiteren Erörterungen. Jedem ist klar: Der Typ hätte ohne jeden Zweifel auch einem Koalabär das Fell angezündet und das Ganze als Molotowcocktail auf einen der ganzjährig stattfindenden Christopher-Street-Day-Umzüge geworfen. Die frisch aktualisierte Version der Begebenheit fand prompt auch Eingang in die erleichterten Redaktionssitzungen des demokratischen Spektrums und gelangte von da aus in die freigegebene Kolumnen-Schlacht um die Deutungshoheit. Es sind keine Fragen mehr offen. Der Kampf geht weiter!


Mittwoch, 15. Juli 2026

Nach Wut-Aussagen von Tina Ruland & Co.: Gegenpropaganda mit Ruth Moschner

von Wilma Fricken

Unbeirrt im Team “UnsereDemokratie“ gegen Andersdenkende und Opposition: Ruth Moschner



Kaum wagen es endlich auch mal einige wenige Prominente, wie der Unternehmer Frank Thelen oder am Wochenende die Schauspielerinnen Tina Ruland, Simone Thomalla und Caroline Beil, die katastrophale Lage in Deutschland und die Schuld der Altparteien daran unverblümt auszusprechen und öffentlich beim Namen zu nennen, bricht sogleich die große Hysterie und Empörung los. Nichts könnte den defekten Zustand der Redefreiheit in diesem Land besser abbilden als diese Reaktionen auf unter normalen Umständen banale und selbstverständliche Meinungsäußerungen; man muss sich wahrlich fragen, wo wir gelandet sind, wenn die Verbalisierung dessen, was ein großer Teil der Menschen denkt, aber nicht mehr auszusprechen wagt, Schlagzeilen auslöst.

Doch das System der Gehirnwäsche und betreuten Denkens, das Politik und linke Gatekeeper-Medien seit Merkel errichtet haben, hat seine wohlerprobten Mechanismen, um solche Abweichler sogleich zu stigmatisieren: Natürlich folgen sogleich die Etikettierungen wie “AfD-Geschwurbel” und “Rechtspopulismus“. Doch noch wichtiger ist es, zur Neutralisierung Gegenstimmen linientreuer Hofschranzen des Linksstaats aufzubieten, um die unliebsamen Stimmen als unbedeutende Einzelmeinungen hinzustellen und sie als moralisch minderwertig zu brandmarken. Dabei ist es ganz gleich, wie unbedeutend und drittklassig diese sind – wichtig ist, dass über ihre (an sich gänzlich unmaßgeblichen) Haltungsstatements mindestens ebenso prominent berichtet wird wie über die unbotmäßigen Abweichler.

Gutmenschelndes Glaubensbekenntnis

Dafür braucht “unsere Demokratie™” nicht lange zu suchen und muss erst recht keine solchen Propagandisten engagieren; nützliche Idioten, um Regierungskritik abzuwehren und gegen die Opposition zu schießen, finden sich an jede Ecke – gerade in demselben linken Show- und Kulturbetrieb, dem auch die couragierten neuerwachten Wutbürger angehören; diese üblichen Verdächtigen aus der wohlstandslinken Haltungsblase melden sich völlig freiwillig zu Wort und sondern ihr gutmenschelndes Glaubensbekenntnis ab. Zu diesen gehört auch die Moderatorin Ruth Moschner, die auf Instagram wieder mal ihr altbekanntes gönnerhaftes Geschwätz absonderte: Sie wisse, dass viele ihrer Instagram-Follower AfD-Wähler seien, „weil sie euch Versprechungen für ein besseres, günstigeres Leben macht. Mehr Rente, bezahlbare Lebensmittel, Sicherheit (…)“. Dafür nähmen diese AfD-Wähler jedoch „rassistische, antisemitische, menschenfeindliche Pläne in Kauf“, behauptet sie.

Außerdem, weiß Moschner, seien die Wahlversprechen der AfD “gar nicht finanzierbar”; was die AfD nie beantworte, sei, von welchem Geld sie „all das“ bezahlen wolle. Spätestens hier beweist Moschner zwar, dass sie keine Ahnung hat, wovon sie redet und sich in keiner Weise mit Programm und Plänen der Partei beschäftigt hat – denn “das Geld” für all das ist bereits vorhanden, es wird unter einer AfD-Regierung aber eben nicht mehr für millionenfachen Sozialmissbrauch durch illegale Zuwanderung, Ukraine, Klimawahn, “Entwicklungshilfe” und Ähnliches veruntreut, sondern den Kernaufgaben des Staates im Interesse der eigenen Bevölkerung zugeführt. Doch zuviel Sachlichkeit ist Moschners Sache nicht; lieber raunt sie: „Wer garantiert euch, dass ihr nicht die nächsten seid, die die AfD loswerden möchte. Menschenfeinde hassen Menschen. Dahinter steckt keine Logik“. Daher appelliert sie: „Lasst euch nicht verarschen von einer Partei, die ein altes System hochhält“. Zwar sei auch sie von den „demokratischen Parteien“ enttäuscht, “Menschenhass und Ausgrenzung” würden jedoch „niemals Wohnraum schaffen, sondern Krieg und Elend“. Brav das Sprüchlein aufgesagt und zurück zur Tagesordnung!

Der Wind hat sich gedreht

Moschners wirres Gefasel aus haltlosen Unterstellungen ist ganz typisch für die Gutmenschenblase und ihren arroganten Bevormundungsdrang. Ohne jemals konkret zu werden, wirft sie mit Halbwahrheiten und Diffamierungen um sich und gibt sich auch noch der wohligen Illusion hin, dass sie sich nicht „verarschen“ lässt, wie die blinden und tauben AfD-Wähler, die in ihrem Drang nach einem besseren Leben auf falsche Versprechungen von Menschenfeinden hereinfallen. In Wahrheit sind es Moschner und ihre Gesinnungsfreunde, deren Anbiederei an ein gescheitertes System jeder Logik entbehrt. Bezeichnend ist, dass solche Social-Media-Rants immer dann erfolgen und dass Mainstreammedien “zufällig” darüber berichten, nachdem einigen bislang vermeintlich “zuverlässigen“ Promis wieder mal der Kragen geplatzt ist und man einen Verlust der Debattenhoheit befürchtet.

Doch der Wind hat sich gedreht. Auch in der Kulturblase bröckelt die Brandmauer, weil die bittere Realität inzwischen schlicht so dramatisch ist, dass das Lügengebäude immer schneller kollabiert. Die Moschners, Kerkelings, Grönemeyers und all die anderen staatstreuen „Kulturschaffenden“ erreichen außerhalb ihrer Biotope niemanden mehr. Sie sind die wahren Ewiggestrigen, auf die niemand mehr hört, wenn es um das Morgen geht.


Sonntag, 12. Juli 2026

Künftig sollen schon 16-Jährige für den Verfassungsschutz spitzeln

von Olli Garch

Jungvolk der Demokratieschützer: Schon Minderjährige sollen fortan für den Linksstaat schnüffeln



Es wird immer irrer: Der Fieberwahn der Mächtigen, Opposition und politische Gegner mit allen Methoden unter Missbrauch des Inlandsgeheimdienstes zur Strecke zu bringen, bringt mittlerweile Zustände hervor, die nicht einmal der Stasi-DDR in den Sinn gekommen wären: So soll der Bundesverfassungsschutz künftig auch Minderjährige ab 16 Jahren als V-Leute anwerben können. Während derselbe Staat Minderjährigen nicht zutraut, eigenverantwortlich und selbstbestimmt Social Media zu nutzen, hat er kein Problem damit, 16- und 17-Jährige zu bezahlten Schnüfflern zu machen, moniert FDP-Chef Wolfgang Kubicki in einem aktuellen “Cicero“-Gastbeitrag. Vorgesehen ist dieser Missbrauch Jugendlicher für staatliche Spitzendienste im Zuge der geplanten “Neuordnung der Nachrichtendienste”, das zudem eine massive Aufweichung der bisherigen strikten Trennung zwischen Geheimdiensten und Polizei zum Ziel hat, obwohl dieses Prinzip nach den Erfahrungen mit NS- und DDR-Geheimdiensten einst bewusst geschaffen wurde.

Auch die von allen deutschen Unionsabgeordneten im EU-Parlament durchgewinkte anlasslose EU-weiten Chatkontrolle (obwohl Jens Spahn sie kürzlich noch als brandgefährlichen Grundrechtseingriff angeprangert und deshalb eine CDU-Zustimmung kategorisch ausgeschlossen hatte, womit die kaltschnäuzige Verlogenheit der CDU abermals belegt wurde) zeugt für Kubicki von einem grundlegenden staatlichen Misstrauen gegenüber den Bürgern. In der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz herrsche ein gefährlicher Trend vor: Während wirtschaftliche und soziale Grundsatzreformen systematisch verweigert oder durch “Gegenteil“-Reformen ad absurdum geführt werden (wie etwa das vorgestern durchgepeitschte ruinöse “GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz” zeigt), laboriert die Horrorkoalition aus CDU/CSU und SPD an einer Maßnahme nach der anderen, um die Freiheits- und Bürgerrechte aushöhlen, Transparenz, Privatsphäre und demokratische Kontrolle einschränken und ein Klima von Angst und Misstrauen zu etablieren.

Großangriff auf Bürgerrechte, Pressefreiheit und Transparenz

Ein weiteres Beispiel dafür ist auch die geplante Reform des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG): Im euphemistischen „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ der Koalition soll der Zugang zu amtlichen Informationen fortan deutlich erschwert werden; künftig dürfen nur noch natürliche Personen mit einem nachzuweisenden „berechtigten Interesse“ Anfragen stellen – und diese müssen akribisch begründet. Statt Bürokratie für Bürger abzubauen, werde hier bewusst die Kontrolle staatlichen Handelns behindert, klagt Kubicki, der auch daran erinnert, dass das IFG ein hart erkämpftes Recht sei, das Souveränität beim Volk verankere. „Ein Staat kann gar nicht genug unter Rechtfertigungsdruck gegenüber den Menschen geraten, von denen er ermächtigt worden ist.“ Besonders während der Corona-Pandemie habe das Gesetz geholfen, staatliche Maßnahmen zu überprüfen – etwa durch die RKI-Protokolle.

Nicht nur der FDP-Chef, auch Datenschützer und Journalistenverbände sprechen von einem „massiven Rückschritt“ und einem weiteren Großangriff auf Bürgerrechte, Pressefreiheit und Transparenz. Die schleichende Gesamtentwicklung ist fatal und zutiefst beunruhigend: Eine politische Kaste hat sich völlig vom Volk abgenabelt, steigert sich zunehmend in eine Paranoia gegenüber der ihre Macht bedrohenden zunehmend Opposition hinein, die sie zum “demokratiegefährdenden“ Staatsfeind erklärt – und ist damit auf dem besten Weg, zum dritten Mal binnen 100 Jahren dem Totalitarismus in diesem Land Tür und Tor zu öffnen.


Wer Journalist ist, bestimme ich!

von Lukas Mihr

Deutsche Qualitätsjournalisten bei der Arbeit



Es war ein seltsames Schauspiel, das sich da vor einer Woche in Erfurt bot – und das lag noch nicht einmal am Aussehen der Beteiligten: Bei einer Pressekonferenz des Bündnisses „Widersetzen“ kam der Angriff auf drei Vertreter von “Apollo News” während des AfD-Bundesparteitags zur Sprache. Die Journalisten waren von Teilnehmern einer linken Demo attackiert worden. Die Übeltäter traten noch auf ihre Opfer ein, als diese bereits auf dem Boden lagen. Nur das Eingreifen der Polizei konnte Schlimmeres verhindern. Ein Vertreter von “Apollo News” wollte wissen, ob sich das Bündnis klar von Gewalt distanziere. Doch die erste Aktivistin meinte, keine Fragen von “Apollo News” beantworten zu wollen. Dies sorgte für Unmut unter den Journalisten, und mehrere verlangten eine Antwort auf die Frage. Namentlich tat sich ein Reporter des “Deutschlandfunks” hervor. Dann jedoch kam eine klare Antwort: „Faschistinnen mit einem Presseausweis sind immer noch Faschistinnen.“

Eine klare Verurteilung der Gewalt wäre natürlich immer noch das beste Szenario gewesen. Im Vergleich zu einer geheuchelten Alibi-Distanzierung war diese Aussage immerhin ehrlich. Und letztlich konnte man doch zufrieden sein. Ja, es gab Gewalt gegen rechte Journalisten, aber auch die linken Mainstreamjournalisten wollten diese Attacke gegen ihren Berufsstand nicht hinnehmen. Oder etwa nicht? Nun, tatsächlich fanden sich Verurteilungen der Gewalt auch in anderen Medien. Das ist lobenswert, versperrt aber den Blick darauf, dass rechte Medien ein wenig das schwarze Schaf der Familie sind, das vom großen Bruder Mainstream durchaus herumgeschubst wird. Einen offenen Aufruf zur Gewalt wird man von den etablierten Medien natürlich nicht vernehmen. Dies wäre kontraproduktiv und auch juristisch brisant. Aber wer genau hinschaut, der sieht, dass Regierung und Medien die unliebsame Konkurrenz eben doch loswerden wollen.

Fader Beigeschmack

Was in der “Zeit“ zu lesen war, stimmt bedenklich: Dort hieß es, die Proteste seien „weitgehend friedlich“ verlaufen. Ja, was denn jetzt? Ein Protest ist entweder friedlich oder nicht friedlich. Und über Apollo News erfahren wir, das Medium würde laut Kritikern unter „dem Deckmantel der Seriosität rechte Narrative verbreiten“. Dann folgt die entscheidende Relativierung: „Die Demonstranten wussten aber offenbar nicht, dass es sich bei den drei Reportern um Journalisten handelt. […] Das macht die Angriffe nicht weniger schlimm, aber sie galten offenbar nicht gezielt Pressevertretern. […] In der Wahrnehmung der Demonstranten waren es womöglich also nicht Journalisten, auf die sie losgingen, sondern drei Männer, die sie aufgrund ihres Verhaltens der rechten Szene zuordneten.“ Also kurz: Gewalt? Ja. Angriff auf die Pressefreiheit? Nein. Und weiter: „Waren die Attacken das Ergebnis einer unglücklichen Verkettung von Umständen, oder ist für die Demonstranten Gewalt gegen unliebsame Medien ein Mittel des Protests?“

Wer in Überzahl (!) auf jemanden eintritt, der bereits am Boden liegt (!), ist kein Opfer der Umstände. Der will treten. Es bleibt fader Beigeschmack, wenn die “Zeit“ einerseits sagt, es sei kein Angriff auf die Pressefreiheit, wenn man nicht wisse, dass es sich um Pressevertreter handelt, man dann aber im Umkehrschluss davon ausgehen muss, dass exakt dieselben Demonstranten gar nicht erst gewalttätig geworden wären, hätten sie die Männer gleich als Journalisten erkannt. Denn erst im vergangenen Jahr hatte ein Flyer eines Linken-Bezirksverbands dazu aufgerufen, “Apollo News” das Leben „ungemütlich“ zu machen. Man solle dem Medium „in die Tasten treten“.

Journalisten, die ihresgleichen ausgrenzen

Den Vogel abgeschossen hatte aber ARD-Journalistin Anja Kohl, eher für Wirtschaft als für Politik zuständig, die im „Sonntags-Stammtisch“ beim “Bayerischen Rundfunk” schockiert erzählte, dass am Rande des Parteitags Journalisten angegriffen wurden und die AfD sich nicht davon distanziert habe. Sie hatte den Vorfall wohl nur am Rande mitbekommen und angenommen, dort hätten rechte Demonstranten linke Journalisten verprügelt – denn alles andere würde nicht in ihre Denkschablone passen. Bezeichnend: Moderator der Plauderrunde war immerhin Hans Werner Kilz, einst Chefredakteur des “Spiegel” und der “Süddeutschen Zeitung”, der die Sache aber ebenfalls nicht gerade rückte. Klar: In Deutschland gilt – noch – die Pressefreiheit. Was aber, wenn die Journalisten von “Apollo News” und anderen Portalen eben das nicht mehr sein sollen, nämlich: Journalisten. Dann könnte man sie unter formaler Achtung der Pressefreiheit praktischerweise an die Seite drängen. Denn die Pressefreiheit würde nach wie vor gelten – nur eben nicht für “Apollo News”.

Anette Dowideit, die Co-Chefredakteurin von “Correctiv” (Achtung, erstes Warnzeichen!), meinte auf Bluesky (zweites Warnzeichen): “Die Mitarbeitenden…” (drittes Warnzeichen) “…von Apollo News sind keine Journalisten.“ Natürlich könnte die Aussage Dowideits einfach aus einer Wut heraus entstanden sein. Und was sich derart explosionsartig entlädt, muss man nicht aus politischer Perspektive analysieren. Nun ist diese Aussage aber eben kein Einzelfall, sondern findet sich quer durch den gesamten Mainstream. Man muss daher von einer gezielten Taktik ausgehen. So zum Beispiel RTL-Moderator Maik Meuser über den heutigen “Nius”-Chefredakteur:

„Ich hab mich ziemlich über den Auftritt von ‚Bild‘-Chef Julian Reichelt bei ‚Hart aber fair‘ geärgert. Da saß kein Journalist im Studio, sondern ein Agitator ohne Kinderstube.“ Oder Maria Exner, ehemals Chefredakteurin des “Zeit-Magazins”: „Würde man diese Prinzipien auf Nius anwenden, würde man innerhalb von zwei Sekunden sehen, dass das alles Mögliche ist, aber kein Journalismus. Auch das wird mir häufig nicht klar genug benannt.“ Oder Michael Götschenberg aus dem ARD-Hauptstadtstudio: „Allerdings achtet ‚Compact‘ bei dem, was inhaltlich geboten wird, mitnichten auf die Einhaltung journalistischer Kriterien. Beim Thema Impfzwang wird ausschließlich Impfgegnern eine Plattform geboten. Die Autoren machen sich mit dem Thema gemein, treten nicht als Journalisten, sondern als Aktivisten auf.“

“Blinde Journalisten sind keine Journalisten”

Oder René Martens vom “Mitteldeutschen Rundfunk“: “Die Geistesbrüder von ‚Compact‘ sind ja auch keine Journalisten, LOL.” Oder Mohamed Amjahid, ebenfalls “Zeit“, in der “taz”: „Was Springer-Medien, die Neue Zürcher Zeitung oder die Junge Freiheit mit ihren teils menschenfeindlichen Inhalten machen, ist aus meiner Sicht kein Journalismus.“ Selbst der Deutsche Journalistenverband (DJV) beteiligt sich an der selektiven Ausgrenzung: DJV-Vorsitzender Mika Beuster meinte, “Nius” sei ein „Kampagnenportal“, das „auf journalistische Standards zu pfeifen scheint, wenn die rechtspopulistische Agenda dies verlangt“. Oder Stefan Plöchinger, Online-Chef der “Süddeutschen Zeitung”: „Wir Journalisten brauchen wohlüberlegte Taktiken gegen die ständige Eskalation, statt die Populisten-Strategie weiter blind zu bedienen – weil blinde Journalisten keine Journalisten sind.“ Oder Nadia Zaboura in der “taz”: „Und das bringt uns zum journalistischen Imperativ unserer Zeit: Journalismus ist antifaschistisch – oder er ist kein Journalismus.“ Oder Martin Sulzbacher vom österreichischen “Standard“, gerichtet an die Adresse von AUF1: „Was ‚Alternativmedien‘ machen, ist ja kein Journalismus, sondern Desinformation, das Schlechtreden von seriösen Medien. Das ist Propaganda. Und das Ziel dieser Akteure ist das, was sie Systemsturz nennen. Ich würde das, was ihnen vorschwebt, ganz klar als rechte Diktatur bezeichnen.“

Auch Daniel Günther, CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, scheint von einem Gesinnungscheck auf Linientreue für das Berufsbild des Journalisten zu träumen. Über seinen berüchtigten Auftritt bei Markus Lanz, wo er – angeblich als “Privatperson“ – seine Sympathien für Verbote und Zensur unliebsamer Medien à la “Nius“ durchblicken ließ, äußerte er später: „Das habe ich eingefordert, eine Lanze für hohe Qualitätsstandards unabhängiger Medien gebrochen und mich deutlich gegen das Verbreiten von Fake-News und politische Kampagnen durch sogenannte ‚alternative Medien‘ positioniert. Aktivismus, ob von linker oder von rechter Seite, ist kein Journalismus. Stimmungsmache ist keine Berichterstattung. Nicht überall, wo Journalismus draufsteht, ist auch Journalismus drin.”

Narzisstische Kränkung

In den letzten Monaten sind vor allem “Nius” und “Apollo News” in das Visier der Streiter für “Unsere Demokratie™” geraten. Aber es gibt eine wichtige Nuance: “Nius” ist gewissermaßen eine Abspaltung der “Bild”-Zeitung. Reichelt brachte nicht nur das Know-how und Führungsqualitäten aus seinem alten Job als Chefredakteur mit, sondern auch mittlerweile eine gute Handvoll seiner damaligen Kollegen. Er startete also nicht bei null. Ganz anders Max Mannhardt, der “Apollo News” gewissermaßen als Online-Schülerzeitung ins Leben rief, sich dann aber innerhalb weniger Jahre fest etablierte. Solch ein raketenhafter Aufstieg – Mannhart ist grade mal 24 – ruft eben auch Neider auf den Plan. Wie Julia Ruhs in ihrem Buch „Links-grüne Meinungsmacht“ festhielt, stößt es vielen Journalisten auf, vom Podest verdrängt zu werden. Journalismus bedeutete früher Studium und/oder Volontariat. Wer es dann geschafft hatte, konnte auf Archive zugreifen, die Normalsterblichen immer verschlossen blieben. Seitdem es aber Google gibt, kann praktisch jeder auf diesen nicht mehr ganz so exklusiven Wissensfundus zurückgreifen. Ohne das Internet gäbe es heute eine nahezu rein linke Medienlandschaft, während seit 2015 das Angebot an rechten Onlinemedien schon ein wenig unübersichtlich geworden ist.

Schon vor zehn Jahren meinte die Kommunikationswissenschaftlerin Margreth Lünenborg, es sei für viele Journalisten eine „narzisstische Kränkung, dass sich im Netz die journalistische Schwerpunktsetzung völlig auflöst“. Und noch einmal zehn Jahre davor hatte ihr amerikanischer Kollege Jay Rosen das Schlagwort von „the people formerly known as the audience“ – „die Leute, die einst als Publikum bekannt waren“ geprägt. Als einer der ersten erkannte er, dass die Bevölkerung dank Online-Recherche eben nicht mehr blind vertraut, sondern sich ein eigenes Bild macht und auch widersprechen kann. Wer Google anwirft, findet viele Artikel, die “Nius“ und “Apollo News” unsaubere Arbeitsweisen vorwerfen. Vor kurzem wurde erst genüsslich ausgeschlachtet, dass Reichelt sich nur dank tatkräftiger Hilfe des schwerreichen IT-Unternehmers Frank Gotthardt finanziell über Wasser halten kann. Und auch im rechten Lager selbst gibt es misstrauische Stimmen, weil der Sponsor eher der CDU als der AfD nahesteht.

Keine geschützte Berufsbezeichnung – aus Gründen

Trotzdem: Auf dieser Ebene kann die Debatte ja gern geführt werden! Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, muss sich eben auch seinen Kritikern stellen. Die jüngsten Attacken (und damit sind nicht die körperlichen gemeint) sind allerdings ein Schlag unter die Gürtellinie. Warum? Bekanntermaßen darf man sich in Deutschland nicht einfach Arzt oder Richter nennen. Beides sind geschützte Berufsbezeichnungen und setzen mindestens ein Staatsexamen voraus. Es ist daher nur selbstverständlich, dass Menschen, die über Leben und Tod oder Freiheit und Gefängnis entscheiden, eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen müssen. Aber mit Blick auf den Journalismus müsste dies doch eigentlich auch gelten. Oder nicht?

Dass sich heute jeder als “Journalist” bezeichnen darf, hat historische Gründe. Mit dem Schriftleitergesetz etablierte die NSDAP eine Zulassung zum Beruf des Journalisten – oder negativ formuliert: eine Nicht-Zulassung für alle, die nicht als politisch zuverlässig galten. Um einem solchen Szenario zu entgehen, hat die Bundesrepublik bis heute kein derartiges Zulassungsverfahren beschlossen – noch nicht, wie anzumerken ist, denn wie man sieht, stehen die Proponenten dieser Sicht bereits in den Startlöchern. Die Bundespressekonferenz ließ bereits ihre Muskeln spielen, als sie Boris Reitschuster, der der Bundesregierung stets kritische Fragen bezüglich der Coronamaßnahmen stellte, aus ihren Reihen ausschloss. Offiziell natürlich nicht wegen seiner politischen Haltung, sondern weil er seinen Wohn- und Firmensitz nach Montenegro verlagert hatte.

Gretchenfrage: „Wie hältst du’s mit dem Journalismus?“

Als YouTube den gesamten Onlineauftritt der “Achse des Guten” von seinen Servern löschte, sah Mika Beuster vom DJV kein Problem – schließlich sei dies ja die Entscheidung eines Privatunternehmens, und ohnehin betreibe die Achse keinen seriösen Journalismus. “T-Online” berichtete ebenfalls über den Vorgang und nannte Hendryk M. Broder einen „Provokateur“ – ganz so, als sei die Einschränkung der Meinungsfreiheit dadurch zu rechtfertigen.

Die Gretchenfrage „Wie hältst du’s mit dem Journalismus?“ kann durchaus relevant sein: 2017 wurde Billy Six, der hauptsächlich für die “Junge Freiheit” schreibt, in Venezuela verhaftet und kam erst 2019 wieder frei. Der Geschäftsführer von “Reporter ohne Grenzen”, Christian Mihr, forderte die venezolanische Regierung zu einem „rechtsstaatlichen Verfahren“ auf. Frank Überall, Beusters Vorgänger als DJV-Chef, hielt sich damals eher zurück. Auf Nachfrage erklärte er, es sei nicht ganz klar, ob Six „als Journalist oder als politischer Aktivist“ in Venezuela gewesen sei. Es gebe „verschiedene Infos und Gerüchte“, und für politische Aktivisten setze sich der DJV nicht ein, „gleich welcher politischen Ausrichtung“. Während der Fall Billy Six in den deutschen Medien kein großes Thema war, erfuhr die Inhaftierung des “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel ungleich größere Aufmerksamkeit. Er saß für etwa ein Jahr in der Türkei im Knast – wegen konstruierter Terrorismusvorwürfe. Yücel jedenfalls konnte sich gut in Six einfühlen und setzte sich ebenfalls für dessen Freilassung ein.


Samstag, 11. Juli 2026

Lesung nur unter Polizeischutz: Vom Ende des jüdischen Lebens in Deutschland

von Julian Marius Plutz

Jüdischer Autor Tuvia Tenenbom: Lesung nur noch unter Hochsicherheitsvorkehrungen



“Jüdisches Leben in Berlin gibt es nicht. Dort gibt es nur den Juden-Tod im Kino und im Theater.” Diese Sätze könnten von mir sein, stammen aber von einer lieben Freundin, mit der ich vor wenigen Tagen eine Lesung des israelisch-amerikanischen Schriftstellers und Regisseurs Tuvia Tenenbom besuchte, der sein neues Buch “Wie nennt man dieses Land? Unter Siedlern“ vorstellte. Dieser Besuch hat sie nachhaltig geprägt, und auch wenn es nach Routine klingt, ganz kalt ließ mich das alles nicht.

Dabei hatte die Nachfolgeorganisation der Reichsbahn an diesem Tag einen guten Tag: Mit lediglich einer Stunde Verspätung stieg ich im inzwischen konferenzlosen, dafür traumhaft schönen Wannsee um, um zur Oranienburger Straße zu gelangen, denn in der fürwahr prächtigen Neuen Synagoge fand die Veranstaltung statt (was kein Zufall ist, wie Sie gleich noch merken werden). So oder so: Eine Stunde Verspätung hieß für mich, dass ich bei meiner Ankunft noch meinen Koffer bei mir hatte, denn zum Check-in im Hotel wäre es zu knapp gewesen. Obwohl denkwürdigerweise nirgends, nicht mal vor der Synagoge selbst, für die Lesung geworben wurde und man sich im Vorfeld per E-Mail anmelden musste, war die Schlange unverkennbar. Das lag weniger am Andrang, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass jeder gefilzt und jede Tasche gescannt wird. Jüdisches Leben kann in Deutschland nur noch so existieren.

Wir leben im besten beschissenen Deutschland aller Zeiten

Kurz nachdem ich meiner Begleiterin zuflüsterte, das mit meinem Koffer könnte zu Problemen führen, fragte mich eine Sicherheitskraft im berühmt-trockenen Berliner Charme, warum ich denn nun unbedingt meinen Hausrat mitnehmen müsse? Meine Erklärungsversuche – Verspätung, Check-in – verpufften in völligem Desinteresse und dem hingebrummelten Satz: „Na, nun kommse erst ma rein, wa?“ Das Ganze geschah in der Beobachtung zweier Polizeibeamter, die unweit des Geschehens postiert waren. Der Sicherheitsmann am Scanner, – vermutlich kein Berliner – war deutlich freundlicher als sein Kollege, so dass wir nach einem ausgiebigen Scan passieren durften.

Die Lesung selbst hervorragend: Eine Schauspielerin las zwei Kapitel des Buches vor, in denen Tuvia und seine Frau verschiedene Siedler, aber auch Palästinenser besuchten. Auch wenn Tenenbom eine jüdische Perspektive hat, schafft er es mit ihrer unfassbar sympathischen Zugewandtheit, Menschen, ohne sie lächerlich zu machen, humorig zu beschreiben. Er lässt ihnen ihre Würde, auch wenn er anderer Ansicht ist, und das ist mehr, als die meisten Menschen heute von sich behaupten können. Anschließend durften Zuschauer im vollen Saal im dritten Stock – ich schätze, es waren 200 Menschen – Fragen stellen, die Tenenbom anekdotenreich zu beantworten wusste. Währenddessen patrouillierten zwei Polizisten im Innenhof und schauten, dass hier niemand Juden tötet. Wenn die Abartigkeit zur Normalität geworden ist, die Ignoranz Intelligenz abgelöst hat, wenn der zeitgeistesgestörte „Kampf gegen rechts“ die Gefahr für jüdisches Leben von links oder vom Islam systematisch ausklammert, um eine feige und zutiefst toxische politische Korrektheit möglich zu machen: Dann sind Sie im besten beschissenen Deutschland aller Zeiten.

Wo sind die selbsterklärten Antifaschisten, wenn es drauf ankommt?

Sie glauben, aus 1938 gelernt zu haben, weil sie den unfassbaren Mut aufbringen, in einem Raum Gleichgesinnter „Fuck AfD“ zu krakeelen. Sie haben also nicht aus, sondern von 1938 gelernt. Im Angesicht der de facto gleichgeschalteten Meinung sind diese Leute tatsächlich der Überzeugung, moralisch überlegen zu sein; sie glauben ernsthaft, sie würden Zivilcourage unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile zeigen, würden im “Widerstand“ anecken oder irgendwie rebellisch sein. Das Gegenteil ist der Fall. Das Juste Milieu erkennt die Toten vor lauter Leichenbergen nicht. Die Lesung war vorher zuerst im Kino Babylon Berlin und dann im Theater Pfefferberg geplant. Beide sagten mit fadenscheinigen Gründen ab, sodass dankenswerterweise die jüdische Gemeinde einspringen musste, damit die Veranstaltung doch stattfinden konnte.

Tenenboms enthusiastischer Optimismus, seine menschenzugewandte Art machen Hoffnung. Doch es ist nicht genug. Wenn eine Lesung wie die britischen Kronjuwelen beschützt werden muss, weil der Autor ein Jude ist, dann können sich die ewigen Kämpfer gegen rechts ihren Phantomkampf in die Haare schmieren. Wo ist der Aufstand dieser Protagonisten, dass jüdische Publizisten gecancelt werden, und wenn sie dann doch auftreten dürfen, nur in eigenen Hallen und mit massivem Polizeischutz? Wo ist Frank-Walter Steinmeier mit seiner eminenten Bedeutungsschwangerschaft? Wo ist, Antideutsche hier explizit ausgenommen, die Antifa, die sich dem „Antifaschismus“ unterworfen hat, um dann mit faschistischen Methoden gegen ihre Gegner – siehe Parteitag in Erfurt – vorzugehen? Deutschland braucht sich nicht zu wundern, dass immer weniger Juden hier leben. Früher waren die Methoden der Moralbesoffenen Konzentrationslager – und heute sind es konzentrierte Aktionen, Canceln und Bedrohen. Solange, bis in Deutschland gar kein jüdisches Leben mehr möglich ist.


Montag, 22. Juni 2026

Nach dem Parteitag von Potsdam: Wenn es Partei gibt, die verboten werden muss, dann die Linke!

von Olli Garch

36 Jahre nach dem DDR-Ende ist das Gespenst des Sozialismus in Deutschland wieder salonfähig – auch dank der CDU: Neue Linken-Chefs Pantisano, Schwerdtner



Der Parteitag der Linken am Wochenende in Potsdam hat endgültig bestätigt, dass es sich hier um die mit Abstand radikalste Partei Deutschlands handelt, die alten Stalinismus mit wokem Eifer zu einer neuen Emanation totalitärer staatlicher Menschenverachtung zusammenrührt. Im Großen wie im Kleinen offenbart sich das durch und durch antidemokratische Selbstverständnis dieser Partei, ihre Neigung zur Spaltung und Beschwörung von vernichtungswürdigen Feindbildern und ihr durch und durch krankes Verhältnis zu Land und Nation. Für letzteres mag eine bezeichnende Anekdote stehen: So wurde zwar am Samstagabend das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Elfenbeinküste gezeigt, hielt es aber für unbedingt nötig, eigens einen Flyer dafür zu erstellen, der klarstellte: „Keine Fahnen, kein Nationalismus, kein Stress!“. Doch allein schon die Entscheidung, das Spiel zu zeigen, hatte bereits bei etlichen Delegierten Empörung ausgelöst: Falls jemand, so wurde mitgeteilt, tatsächlich mit Deutschland-Trikot auf dem Parteitag unterwegs sein sollte, würde man ihm zunächst freundlich anbieten, „Gespräche zu führen“. Deren Verlauf kann man sich unschwer vorstellen. Ein Mitglied der Linksjugend wurde gegenüber „Focus“ noch deutlicher: Auf eine Frage nach dem Spiel entgegnete er: „Deutschland verrecke!“ Ein Delegierter wollte sogar einen Dringlichkeitsantrag diskutieren lassen, der Public Viewing von WM-Spielen “kritisch einordnen” sollte – und zwar mit der Begründung: „Ich hasse die FIFA und Infantino ist ein Faschist“.

Das Faschismus-Tourette dieser irren Sozialistensekte hat inzwischen also so krankhafte Ausmaße erreicht, dass nicht nur jeder Anhänger einer nichtlinken Partei (worunter bizarrerweise für die Linken auch die linksgrün umgepolte CDU fällt), sondern selbst die FIFA mit ihren Boss Gianni Infantino mittlerweile “Faschist” ist. Zumindest innerhalb der eigenen Genossenblasen zeigt diese überstrapazierte Stanze anscheinend tatsächlich noch Wirkung. Ein anderer Delegierter sagte, er würde sich das Spiel schon gerne ansehen und natürlich bei deutschen Toren jubeln, würde aus Angst vor „dummen Kommentaren“ aber lieber darauf verzichten. Die altbewährten Methoden der Stigmatisierung und Einschüchterung funktionieren bei den SED-Nachfolgern also nach wie vor – was schon alles sagt, was man über diese Partei wissen muss.

Ein bolschewistischer Fanatiker an der Spitze

Der zehnte Linken-Parteitag war jedenfalls eine Manifestation des Hasses, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Vor allem weibliche Delegierte schienen kurz davor zu stehen, auf offener Bühne den Verstand zu verlieren. Fraktionschefin Heidi Reichinnek brüllte ekstatisch ins Mikro: „Die AfD und ihre Politik sind der Feind, aber sie sind es nicht alleine. Die AfD ist das zwangsläufige Produkt von einem System, das inhärent faschistisch ist, ein System, was in der Krise ist. Es ist nicht unsere Aufgabe, dieses System zu erhalten oder zu schützen. Es ist unsere Aufgabe für ein besseres und ein gerechteres System zu kämpfen und das möchte ich mit euch gemeinsam tun“. Mersedeh Ghazaei, Kandidatin für den Parteivorstand, trat mit einer bizarren Rote-Herzen-Sonnenbrille ans Rednerpult und klagte: „Die größten Verbrecher sitzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und kriminalisieren uns dafür, dass wir Widerstand gegen Genozid, Wehrdienst und den Abbau des Sozialstaates leisten“. Auch diese Aussage ist ein Dokument des Wahnsinns, der in dieser Partei herrscht – denn solche irrlichternden Gestalten sind nicht einmal mehr in der Lage zu erkennen, dass sie in Wahrheit in ihrer kaputten Denke – von Enteignungsphantasien bis noch vollständigem Bevölkerungsaustausch – keinen treueren Verbündeten haben als diesen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Wie befürchtet, wurde mit der im Amt bestätigten Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano eine veränderte Führungsspitze gewählt. Schwerdtner wurde mit 85,7 Prozent im Amt bestätigt, Pantisano, der dem aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt scheidenden Jan van Aken nachfolgt, musste sich allerdings mit erbärmlichen 53,3 Prozent der Stimmen begnügen, was dokumentiert, wie sehr dieser Linksextremist offenbar sogar beim eigenen Haufen in weiten Teilen Ablehnung hervorruft. Dass Pantisano nicht nur ein bolschewistischer Fanatiker, sondern auch ein geschichtsvergessener Phrasendrescher ist, hatte vor seiner Wahl bereits an Ort und Stelle gezeigt, als er gegenüber „Bild“ am Freitag verkündete : „Letztlich gibt es gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Das Weltbild, nur noch Linke und Faschisten zu sehen, hat also offiziell in die Parteiführung Eingang gefunden. Als Motiv, Parteichef zu werden, phraste Pantisano folgendes ab: „Dieses Gefühl, diese Wut bringe ich mit ein, um jemandem wie Friedrich Merz Angst davor zu machen, dass wir diejenigen sind, die die Arbeiterinnen organisieren, die auf die Straße gehen gegen seine Politik.“

Pantisanos athologische Faschismus-Fixierung

Außer “Wut” hat er allerdings nichts, aber auch gar nichts zu bieten: Die Arbeiter -von denen die allermeisten gerne Fußballs sehen, ihre Nationalmannschaft anfeuern und überhaupt nichts gegen die eigene Landesfahne haben-, sind schon lange zum größten Teil zur AfD übergegangen und werden sich ganz bestimmt nicht von solchen Verblendeten “organisieren” lassen – denn gerade die abgehobenen Schwätzer und Funktionäre wie Pantisano sind eine der Hauptursachen ihrer Wut. Ein Kumpel, empört sich Pantisano, habe ihm erzählt: „Salzgitter ist eine migrantische Arbeiterstadt und aktuell gewinnt hier immer nur die AfD“. Warum das so ist, scheint er sich allerdings gar nicht erst zu fragen; die in seiner Bewerbungsrede bekundete Absicht, „die arbeitende Klasse für die Linke“ zurückzugewinnen, kann er sich bei seiner Ignoranz und Arroganz gleich wieder abschminken – wovon sich, wie gesagt, fast die Hälfte der Delegierten offenbar ebenfalls überzeugt zeigt, die gegen ihn stimmten.

Seine pathologische Faschismus-Fixierung und den lupenrein antidemokratischen, zwanghaften Hass auf politisch Andersdenkende ließ Pantisano auch in folgenden Sätzen durchblicken: „Die AfD, diese Faschisten, die immer mehr werden, müssen Angst haben vor einer Linken, die den Widerstand organisiert auf der Straße, in den Betrieben und in den Parlamenten“. Mit absurdem Bezug auf seine italienische Herkunft schwafelte er pathetisch: „Vielen Dank, dass Ihr diejenigen seid, die uns schützt und auf die ich mich verlassen kann, sollte die AfD jemals an die Macht geraten, weil wer abgeholt wird, bin ich, sind unsere Migras … und viele, viele andere, die leiden werden unter der AfD“ – wobei sich auch hier wieder die Frage stellt, ob diese absurden Lügenerzählungen über die AfD (die keine integrierten und legalen Migranten abschieben will und schon gar keine EU-Bürger und Italiener!) aus Unwissenheit und Verblödung resultieren – oder ob er diese propagandistischen Falschbehauptungen vorsätzlich verbreiten. Wobei er damit ihm Publikum offene Türen einrennt, da die meisten Linken in ihrem Wahn rationalen Argumenten und inhaltlichen Fakten gerade zur Migrationspolitik ohnehin nicht mehr zugänglich sind.

Systematische Verlogenheit

Pantisano ist der Bruder des nicht minder fanatischen Alfonso Pantisano, seines Zeichens „Queer-Beauftragter des Landes Berlin”, der es unter anderem zu seinen Aufgaben zählt, den strukturellen Schwulenhass im Islam rabulistisch zu relativieren, und regelmäßig gegen bürgerliche Normalität und Heteros abhetzt. Beide gerieren sich als eine Art informelle Erben der Roten Brigaden bilden ein duo infernale, das den italienischen Sozialismus in der deutschen Diaspora wahrlich würdig vertritt. Als selbst der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert 2024 die Aussage wagte, dass die ihm als Homosexuellen begegnende Homophobie oft von „muslimisch gelesenen Männern“ ausgehe, präsentierte Alfonso Pantisano sich auf Instagram mit einer Kufiya, dem traditionellen arabischen Kopftuch, um damit zu „beweisen“, dass auch er, als „schwuler Italiener“, „muslimisch gelesen“ aussehen könne. Kühnert warf er vor, „rassistische Erzählungen“ zu verbreiten, und schwurbelte, die “Wurzel unserer erlebten Queerfeindlichkeit“ seien tatsächlich „patriarchale Strukturen und all ihre fehlgeleiteten Männlichkeitsbilder“, aber nicht der Islam, der damit die abenteuerlichen Realitätsverdrängung der Linken unterstrich.

Nun ist sein kleiner Bruder also auch noch Co-Vorsitzender der Bundespartei jener Linken, die alarmierenderweise sogar keine schlechten Chancen haben, die kommenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus zu gewinnen – womit Alfonso Partisanos Versorgungsposten als Fürsprecher durchgeknallter linker Identitätspolitik gesichert wäre. Was diese Linke, die Nachfolger der Mauerschützenpartei, heute in Wahrheit ausmacht, sind fast nur noch Hass und der Hetze – jene Attribute, die sie immer bei allen anderen verorten wollen. Die Partei versinkt im Hass auf „Reiche“, auf Deutschland, auf alle Nicht-Linken, auf den Staat Israel und Juden allgemein – und neuerdings auch noch die die CDU, deren moralisch verwahrlostes Führungspersonal sich mit zunehmendem Abbröckeln der Brandmauer immer ungenierter ausgerechnet diesen Linken als möglicher Koalitionspartner anwanzt, was sie aber nicht davor bewahrt, ebenfalls jenen „Faschisten“ zugerechnet zu werken, die Linke – wie einst das DDR-Regime – immer und überall am Werk sieht, wenn ihr eigenes Weltbild und ihre systematische Verlogenheit in Bedrängnis geraten.

Die CDU verzichtet auf kategorische Distanzierung

Wie tief die Union unter Friedrich Merz gesunken ist, zeigt sich in ihrer Reaktion auf die Faschismusvorwürfe durch die potentiellen “Unsere-Demokratie“-Retter der Linkspartei: Die CDU beantwortete diese mit den üblichen hilflosen Stellungsnahmen, statt diese ungeheuerliche Verleumdung mit einer – in diesem Fall dann berechtigten! – Unvereinbarkeitsfeststellung wie im Fall der AfD zu kontern und die Verfassungsmäßigkeit dieser roten Truppe zu hinterfragen. So erklärte der rückgratlose Jung-Apparatschik und Staatssekretär Philipp Amthor zwar: „Die Linke ist intellektuell in freiem Fall. Bei so viel gequirltem Blödsinn würde sich Rosa Luxemburg im Grabe umdrehen. Für mich ist klar: Wer dumm denkt, macht auch dumme Politik. Dass die Linke den Faschismus-Begriff entkernt, hilft am Ende nur den echten Faschisten“ – doch damit bestätigte er genau eben jene Narrative, die auch die irrwitzige Agitation der Linken ventiliert – dass die “echten Faschisten“ bei der AfD säßen, die inzwischen von einem Drittel der Deutschen gewählt würde. Dass die von der CDU antichambrierten Linken sich als einzige realfaschistischer Methoden bedienen, ließ Amthor unerwähnt; lieber streute er eine indirekte Respektsbekundung für die fanatische Kommunistin Rosa Luxemburg in seine wachsweiche Kritik ein.

Auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther vermied es, mit der Linken wegen ihrer bodenlosen Entgleisungen auf Konfrontation zu gehen, sondern sprang über das hingehaltene Stöckchen, um indirekt auf die eigentlich bestehenden Gemeinsamkeiten im Kampf gegen die AfD hinzuweisen: Wer die CDU mit Faschisten und der AfD gleichsetze, habe sich für jeden ernsthaften demokratischen Austausch disqualifiziert; das Problem ist für Günther die Person Pantisano, aber nicht die Partei insgesamt: Dieser könne „kein Ansprechpartner“ sein und solle „sich schnellstmöglich aus der Politik verabschieden“. Selbiges gilt allerdings auch Günther selbst, dessen ständige Nazi-Hetze gegen die AfD nicht weniger geschichtsblind ist.

Geistig-moralischer Tiefpunkt

Während sich die CDU feige und rückgratlos als Faschisten beschimpfen lässt, ohne die Möglichkeit einer Koalition mit dieser linksradikalen Spinnertruppe kategorisch auszuschließen, kam die schärfste Kritik an Pantisano und seinen Gesinnungsgenossen ausgerechnet vom Ex-Grünen und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der den bodenlosen Faschismusvorwurf angemessen einordnete: „Wer so argumentiert, verwischt die Grenze zwischen einer demokratischen Partei und den tatsächlichen Feinden unserer freiheitlichen Ordnung“ – zwar offenkundig auch wieder eine Spitze gegen die AfD, doch Palmer selbst wurde von Pantisano in der Vergangenheit selbst schon als „Helfer der Faschisten“ bezeichnet, und er strebt kein Bündnis mit der Linken an. Er und seine Partei sollten besser “vor der eigenen Türe kehren“, empfahl Palmer. Solche Klarheit darf von der Brandmauer-Union offenbar gar nicht mehr ausgesprochen werden, da sich die CDU hat durch Merz‘ beispiellose strategische Borniertheit selbst in die Situation gebracht hat, über kurz oder lang auch noch die Linke in ihre Anti-AfD-Front aufnehmen zu müssen, weil sie nur so eine Mehrheit gegen die AfD zustande bekommt – und auch das nur noch so lange, bis die Bürger verstanden haben, dass nur noch eine absolute AfD-Mehrheit die notwendige Politikwende umsetzen kann.

Dieses Wochenende von Potsdam – das ungleich skandalöser und verräterischer war als alles, was man dem angeblichen dortigen “Geheimtreffen“ vor zwei Jahren andichten wollte – hat die letzten Zweifel ausgeräumt: Wenn es eine Partei gibt, gegen die der Bundestag endlich einen Verbotsantrag beschließen müsste, dann ist es die Linke. Sie beweist immer und immer wieder, dass sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen will, hetzt in übelster Weise gegen Andersdenkende; hasst Deutschland, will „Reiche“ am liebsten komplett ereignen (wenn nicht gleich erschießen), glorifiziert sozialistische Massenmörder und macht keinen Hehl daraus, mit welchen Methoden sie regieren würde, wenn sie an die Macht käme. Und die CDU ist inzwischen an einem solchen geistig-moralischen Tiefpunkt angelangt, dass sie eine Zusammenarbeit mit diesem extremistischen Sauhaufen nicht ausschließen will. Konrad Adenauer und Helmut Kohl rotieren doppelt so schnell im Grab.


Samstag, 20. Juni 2026

Der performative linksgrüne Übermensch

von Michael Münch

Der Paradetypus des Haltungsgutmenschen



Samstag morgen, noch ist es ziemlich früh an diesem wahrscheinlich sehr heißen Wochenende. Egal! Auch wenn ich ständig über Wirtschaft und Politik nörgle – letztendlich geht es mir doch eigentlich sehr gut. Ich bin geboren im schönen Landau in der Pfalz und in einem pfälzischen Dorf aufgewachsen, mit ganz normalen Eltern: Vater Bundesbahnbeamter, Mutter Hausfrau und nebenbei Vermieterin einiger Zimmer an Feriengäste (das, was was man früher schlicht „Zimmer zu vermieten“ nannte, ohne großes Tamtam). Ich durfte nicht nur das Abitur machen, sondern sogar Wirtschaftswissenschaften studieren. Insofern war ich also von Haus aus privilegiert. Den Rest musste ich mir erarbeiten. Ich bin somit ein ganz normaler Typ. So zumindest sehe ich mich selbst.

Aber bekenne es offen: Wenn mir so ein selbsternannter Gutmensch über den Weg läuft, könnte ich, mit Verlaub, kotzen. Diese Möchtegern-Supermenschen, woke bis in die Haarspitzen, linksgrün überdreht mit großem Theater gehen mir nicht an. Auffällig ist dabei stets: Wann immer sie etwas wirtschaftlich oder gesellschaftlich persönlich betrifft, werden sie plötzlich ganz rational, clever, und eigennützig. Dann zählen plötzlich nur noch die eigenen Vorteile, die eigenen Freunde, die eigene Blase; sie verhalten sich egoistischer und eigennütziger als die schlimmsten Kapitalisten oder Unternehmerfeindbilder.

Moralische Entrüstungen des Tages

Ansonsten hat der Gutmensch einen sorgfältig abgestimmten geregelten Tagesablauf: „Früh morgens“ (schon um halb acht!) schiebt sich der Übermensch aus dem Bett, das natürlich aus recyceltem oder angeschwemmtem Altholz gezimmert wurde und mit fair gehandelter Bio-Baumwolle bezogen ist. Die Eltern, oft mit Namen wie Dr. Maria Schmidt-Müller und Dr. Jens Müller-Schmidt, beide promoviert in intersektionalen Gender- und Postkolonialismus-Studien, gondeln da bereits mit dem Lastenfahrrad durch die verstopften Straßen des hippen Stadtviertels, als wären sie venezianische Gondolieri ohne Wasser – nur mit einem riesigen Aufkleber „Dieses Fahrrad rettet das Klima“ auf dem Anhänger, auf dem früher der waldorfbeschulte Nachwuchs saß, bevor er selbst zum fleischgewordenen wandelnden Manifest reifte.

Das Frühstück ist feministisch fundiert: Hafermilch-Latte mit einem kräftigen Schuss historischer Schuld, dazu ein Müsli, dessen jedes Korn einzeln mit Herkunftsland, CO₂-Fußabdruck und der korrekten Aussprache deklariert ist. Während er kaut, scrollt er bereits die ersten moralischen Entrüstungen des Tages durch. Das antirassistische Mittagessen folgt pünktlich um eins eine Quinoa-Bowl aus dem Unicafé, serviert mit einem kleinen handgeschriebenen Schild „Decolonize your plate” (und dein Bewusstsein gleich mit!). Der anschließende Kaffee ist selbstredend antikolonial, mit Hafermilch, denn Kuhmilch ist unterdrückerisch und die Mandel die neue Kolonialware des globalen Nordens.

Dann zieht er sich das T-Shirt aus regionalem Anbau an – Bio-Baumwolle aus Brandenburg, fair bezahlt bis zum letzten Faden, mit dem Aufdruck „Smash the Patriarchy“, nur um es gleich wieder auszuziehen; man weiß ja nie, ob heute das Patriarchat oder die eigene geschlechtliche Fluidität dringender nach Aufmerksamkeit verlangt.

Kleine Symbole des Widerstands

Im Nachmittag-Seminar sitzen sie zusammen: Alle sind willkommen und niemand ausgeschlossen – außer Andersdenkenden und alljenen, die die Dreistigkeit besitzen zu fragen, ob das Ganze eigentlich irgendwelche messbare Ergebnisse zeitigt. Als nächstes wird der Hörsaal besetzt – wegen irgendetwas, das gerade in der Timeline trendet. Später schlagen sie ihre geschlechtergerechten Zelte auf dem Campus auf, kleine bunte Iglus mit Pronomen-Aufnähern und Inklusionshinweisen, in denen man hervorragend sitzen, sich gegenseitig bestätigen und darüber klagen kann, wie wichtig man doch ist. Und abends dann das kultursensible und systemkritische Abendessen: Vegan, glutenfrei, mit viel Gespräch über Privilegien und dem stillen Dank an Mama Schmidt-Müller, die derweil die Wäsche macht, weil die Revolution zwar heilig ist, aber saubere Socken für die nächste Yoga-Session auch.

Je nach sich anbietendem Anlass folgt noch die Lichterkette, dann das Bündnis, dann die Aktion mit Reichweite. Schließlich tritt der Hampelmann mit Wickelrock auf und erzählt von gender- und queergerechten nonbinären Idealzustand oder vom Feminismus, während die Hampelfrau mit Problempony den Chauvinismus der ausharrenden männlich Gelesenen enttarnt. Gemeinsam vollführen sie den politischen Purzelbaum, warten andächtig auf den Applaus der eigenen Echokammer und zeigen stolz ihre Tattoos – kleine Symbole des Widerstands, die bei genauerem Hinsehen allesamt aus derselben Etsy-Boutique in Kreuzberg stammen. Sie kreieren Content, natürlich ohne jeglichen Inhalt.

Das winzige Mikrofon wird gezückt, das Reel gedreht, die Story gepostet: „Betroffen und traurig, aber auch traurig und betroffen – immer aktiv, immer überzeugt.“

Das große Los gezogen

Das Palästinensertuch liegt harmonisch neben der Regenbogenflagge, stilvoll kombiniert mit einer Prise „Fuck the System“ und der Parole „Aber bitte fairtrade“. Alles ist natürlich nachhaltig, divers, empathisch, non-binär, klimaneutral, verlässlich und vor allem: sichtbar.

Man setzt Zeichen, zeigt Haltung und wird hoffentlich gesehen. Doch wehe, es geht um die eigenen Freunde, die eigene Karriere, die eigene Wohnung in der guten Gegend! Dann wird der Teddybär-Werfer plötzlich rational. Dann zählt auf einmal Leistung, und der unpassende Kumpel wird doch lieber nicht mitgenommen, die eigene Schwester bekommt die bessere Schule, und der familiäre Doppelname schützt vor allzu viel echter Konsequenz!

Nach außen stets das volle Programm der moralischen Überlegenheit. Nach innen das ganz normale, clevere Kalkül des gut situierten Bürgertums. Ein Schauspiel, das nur für die Galerie gegeben wird. Fragt man sie jedoch, was durch all diese Aktionen in den letzten zehn Jahren konkret besser geworden sei – weniger Armut? stabilere Integration? messbarer Klimaschutz? –, dann kommt das milde, überlegene Lächeln des moralisch Unantastbaren: „Okay, ja, äh… excuse me, geht ja gar nicht.“ Der linksgrüne Übermensch ist das Produkt einer wohlsituierten, hochgebildeten Klasse, die ihre existenzielle Langeweile mit dem erhabenen Gefühl verwechselt, die Welt zu retten. Er hat das große Los gezogen – und beklagt sich nun täglich darüber, dass dieses Los nicht gerecht verteilt wurde.
Tanz der Narzissten auf dem Vulkan der Realität

Undwährend er abends sein letztes Reel mit dem Filter „Authentisch“ hochlädt, sitzt irgendwo ein Normalo wie ich, der um fünf Uhr aufgestanden ist, am Schreibtisch und denkt sich nur eines: Es ist wirklich zum Kotzen. Nicht, weil man gegen Gerechtigkeit, gegen Umweltschutz oder gegen Diskriminierung ist; sondern weil diese ganze Inszenierung so heuchlerisch, so durchsichtig, so selbstverliebt und so bemerkenswert folgenlos ist. Es ist großer, bunter, plakativ gutgemeinter Tanz der Narzissten auf dem Vulkan der Realität – begleitet von passender Playlist und nachhaltigen Tambourins.

Wem das alles zu klischeebehaftet erscheint: Mag sein, dass ich etwas übertrieben habe… aber egal, dann war es eben Satire; Böhmermann darf das schließlich doch auch! Und leider übertrifft die Wirklichkeit oft die wildesten Schilderungen. Seht ihr das nicht ähnlich?


Der künftige Koalitionspartner der CDU: Auf ihrem Parteitag beweist die Linke, dass sie offen extremistisch und grundgesetzwidrig ist

von Olli Garch

Trio infernale des politischen Arms des Linksradikalismus: Linken-Noch-Parteichefs van Aken und Schwerdtner mit Fraktionssprecherin Heidi Reichinnek



Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, dass die Linkspartei eine klar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtete Partei ist und völlig zu recht als ideologische und juristisch-faktische Rechtsnachfolgerin der SED gilt, dann sorgt dafür der aktuelle 10. Parteitag dieser linksextremen Organisation in Potsdam. Diese Partei ist die einzige relevante und reale Bedrohung der inneren Stabilität und der Wirtschafts- sowie Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik und müsste tatsächlich sofort verboten werden, wenn der Verfassungsschutz in diesem Staat noch objektiv und unbefangen nach Kriterien des Grundgesetzes und des geltenden Verfassungsrahmens evaluieren und arbeiten würde. Doch so schief und schepp wie die das gesamte politische Handeln in diesem Land ist auch die Bewertung der Gefahren für Staat und Rechtsordnung – weshalb der AfD als klar auf dem Boden des Grundgesetzes stehender demokratisch-bürgerlicher Partei in immer kruderen Märchenerzählungen eine angebliche Verfassungswidrigkeit oder Umsturzbereitschaft angedichtet ist, während man bei der Linkspartei nach offenen Bekenntnissen genau dafür gar nicht lange suchen muss.

Bereits in ihrem aberwitzigen Eröffnungsstatement ließ die Vorsitzende Iris Schwerdtner keinen Zweifel daran, dass sie persönlich und ihre Partei zu 100 Prozent antisemitisch sind. Das Israel-Bashing von demonstrativ-frenetischem Applaus quittierten Hetzbehauptungen à la “Genozid in Gaza“ zeigte wieder einmal, wo die Linke wie eh und je verortet ist: An der Seite von Terroristen und islamistischen Mördern und gegen das Existenzrecht einer Heimstatt für Juden, die vor Verfolgung und Holocaust geflüchtet sind. Die jüngsten Äußerungen auch aus ihrem Jugendverband (der auf dem Parteitag gleich mal die offene Aussprache von 30 teils völlig absurden Anträgen erzwang und damit eine geregelte Durchführung des Parteitags faktisch unmöglich machte), lassen ebenfalls keinen Zweifel daran, dass diese Sozialistenschar im Kern immer noch die alte DDR-Kaderpartei ist und ein linkstotalitäres Menschen- und Gesellschaftsbild anstrebt. Allein dass die Partei fortwährend die politische und gesellschaftliche Ordnung der Bundesrepublik als „faschistisch“ bezeichnet und deren „Überwindung“ propagiert, zeigt, welcher gemeingefährliche Extremistenhaufen hier am Werk ist. Verstaatlichungs- und Enteignungsphantasien, Kommandowirtschaft und Verbotsforderungen in Serie prägen ihr “Programm”. Umso erschütternder, dass diese Partei nicht nur fester denn je seit der Wiedervereinigung im Sattel sitzt, sondern ihre Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren auf 126.000 (!) rund verdoppeln konnte.

Terroristen und Antisemiten als Kandidaten

Das stalinistische subversive Spitzenpersonal, eng verbandelt mit der Antifa, lässt sich feiern wie Popstars – allen voran natürlich Heidi Reichinnek und ihr Fanclub. Während die 36-jährige Schwerdtner, die diese Bande seit 2024 führt, erneut für die Führung kandidiert und als gesetzt gilt, gibt der 65-jährige Aktivist Jan van Aken sein Amt als Co-Chef aus gesundheitlichen Gründen ab. Sein Nachfolger wird wohl der linksradikale Demagoge Luigi Pantisano aus Baden-Württemberg. Für den Vorstand kandidiert auch der 82-jährige Gerd Schnepel, früherer Terrorist und Absolvent paramilitärischer palästinensischer Terrorcamps. Kein Wunder bei solchen Kandidaten, dass ein Antrag des Kreisverbandes Freiberg die Wiederaufnahme des Hamas-Verherrlichers Ramsis Kilani gefordert wird; dieser war sogar den Linken zu extrem geworden und von der Partei ausgeschlossen worden, nachdem er das Massaker vom 7. Oktober verharmlost hatte und auf Berliner Demos die radikal-islamistischen Hamas-Terroristen gepriesen hatte. Nun inszenieren ihn seine Fürsprecher auf dem Parteitag als “Opfer von Rassismus”, denn seine Familienmitglieder seien „vom israelischen Militär getötet“ worden, wie sie ohne jeden Beleg behaupten. Neben solchen perversen Personaldebatten beschäftigen sich die Delegierten in Potsdam mit weiteren absonderlichen Verirrungen: Anträge etwa zur Einstufung von Algen und Körnerfraß als “Grundnahrungsmittel“ mit Mehrwertsteuerbefreiung, eine Queer-Quote für alle Gremien in Bund, Ländern und Kommunen bis zum Verbot von Zoos und ein Verbot von Bordellbesuchen runden das psychiatriereife Gesamtevent ab.

Wohlgemerkt: Das sind die Leute, mit denen die hoffnungslos in der eigenen Brandmauer einbetonierte CDU demnächst wohl koalieren wird, ja mangels anderen Optionen muss, wenn sie ihre geisteskranke Blockade gegenüber der AfD aufrechterhalten wird. Sollte es dazu kommen (und linksgrüne U-Boote in der Partei träumen insgeheim ja schon davon oder haben zumindest kein Problem damit, wie wohl auch Hendrik Wüst oder Daniel Günther), dann kann sich die Union gleich einsargen lassen – denn das wäre ihr ultimative Todesstoß durch Selbstentleibung, und der Gipfel des Verrats an allem, wofür die Christdemokraten einst standen.


Dem “Spiegel” den Spiegel vorhalten

von Lukas Mihr

Szene aus Nikolai Binners Prank-Video mit perplexem “Spiegel“-Mann (l.)



Treffer – versenkt! Anders kann man es wohl nicht nennen, was der Comedian Nikolai Binner gerade veranstaltet hat: In seinem neuen Youtube-Video hat er es auf den “Spiegel” abgesehen – und zeigte dabei eine bemerkenswerte Kreativität: Binner begibt sich darin zum Hauptstadtbüro des “Spiegel”. Als er sieht, wie ein Mann sein Fahrrad abschließt, spricht er ihn an. Auf Nachfrage bestätigt dieser, Mitarbeiter des “Spiegel” zu sein. Binner fragt ihn nach dem Mord an der 25-jährigen Ukrainerin Iryna Zarutska in der Stadtbahn von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina im vergangenen August durch einen schwarzen Messerangreifer. Der “Spiegel“-Mann weicht sogleich aus und wirft Binner vor, im Auftrag des russischen Staatsfernsehens zu handeln, bevor er entschwindet.

Man könnte jetzt sagen: So weit, so unspektakulär – und es stimmt ja auch: Der Vorgang an sich ist völlig unspektakulär. Denn gab es in dem Video klare Antworten? Nein. Warum aber ist der Clip trotzdem sehenswert? Weil Binner darin den typischen Interviewstil kopiert, wie er insbesondere von “Spiegel-TV” selbst permanent angewendet wird: Personen werden am Arbeitsplatz oder vor einer Parteiveranstaltung abgefangen und befinden sich urplötzlich in einer Interviewsituation, der sie nie zugestimmt hatten. Und ebenso wie der “Spiegel”-Mitarbeiter von Binner zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte verfremdet wurde, verfremdet auch “Spiegel-TV” häufig seine Interviewpartner (oder besser -opfer), sofern es sich nicht um Personen des öffentlichen Interesses handelt. Der Farbton in Binners Clip ist um einige Nuancen grauer, die Musik trieft vor Pathos und wirkt bedrohlich, und der Sprecher erzählt Belangloses mit bedeutungsschwangerer Stimme. Am Ende der Interviewsituation fühlt sich Binner gespielt bedroht, und die Kamera schwenkt auf eine “Pride”-Flagge in den Räumlichkeiten des “Spiegel”.

Journalismus aus dem Hinterhalt

Dieser Einspieler von Binners Video dauert gerade einmal 90 Sekunden, entlarvt aber treffend-prägnant den typischen “Spiegel”-Stil und zugleich den heutigen deutschen Fernsehjournalismus allgemein: Wo Fakten fehlen, wird eben mit Emotionen überkompensiert. Und eine Person, die nur verfremdet zu sehen ist, wird ja schon etwas zu verbergen haben… oder nicht? Binner zeigt klar auf, wie wenig Substanz hinter der – zugegeben handwerklich guten – Machart steckt. Die konkrete Vorlage dafür war übrigens eine “Spiegel-TV”-Episode, in der die Reporter den Abt eines orthodoxen Klosters in Niedersachsen zur Rede stellen, das gerade vom rechtskonservativen Vordenker Götz Kubitschek besucht wird. Binner selbst gibt zu, sich nach seinem Experiment schuldig zu fühlen. Gern, bekennt er, würde er mit einer Katze schmusen, um sich davon abzulenken, dass er gerade eine fremde Person bedrängt hat – auch wenn es sich um einen Mitarbeiter des einstigen Nachrichtenmagazins und heutigen Gesinnungsmediums handelt, zu dessen Methoden eben diese Praxis gehört.

Binner sagt das zwar über sich selbst, doch der Zuschauer kann es sich schon denken: Dass die “Spiegel”-Reporter dies hauptberuflich machen, spricht Bände über ihren Charakter. Nicht umsonst nennt man dieses Vorgehen auch „Ambush Journalism“ – auf Deutsch etwa Überfall- oder Hinterhaltjournalismus. Doch es folgte, wie er berichtet, später noch ein ein Happy End: Einige Zeit später, so Binner, habe er mit dem “Spiegel”-Mitarbeiter ohne Kamera ein freundliches Gespräch geführt. Dennoch entlarvt sein Video, dass “Spiegel”-Mitarbeiter offenbar nur noch in engen Schablonen denken können. Als spontane und erste Abwehrreaktion fällt dem Redakteur ein, Binner als Vertreter des russischen Propagandaapparats zu bezeichnen – offensichtlich, weil er bloß den Namen Iryna Zarutska gehört hat. Dieser mag für deutsche Ohren russisch klingen, allerdings handelt es sich um eine Ukrainerin. Dass sie von einem Afroamerikaner aus rein rassistischen Motiven getötet wurde, war dem “Spiegel” natürlich keine Schlagzeile wert. Beim “Spiegel“ setzt man sich eben nur dann für Ukrainer ein, wenn sie von den „richtigen“ Tätern ermordet werden.

Auf dem linken Auge blind

Binner selbst sagt von sich süffisant, dass er gern Geld vom russischen Staat erhalten würde – denn dann müsste er keinen Dacia mehr fahren. Der humorvoll gehaltene Clip war aber nur der Auftakt von Binners Video: Danach geht er ans Eingemachte: Er weist auf die Doppelmoral hin, dass der “Spiegel” den politischen Einfluss des Billionärs Elon Musk kritisiert, aber gleichzeitig vom Milliardär Bill Gates Fördergelder erhält und sich nicht daran stört, dass der Milliardär George Soros seinen politischen Einfluss geltend macht. Auch der “Spiegel” ist auf dem linken Auge blind: Über eine Statistik, aus der hervorgeht, dass die meisten Opfer politischer Gewalt der AfD angehören, heißt es, dies liege nur daran, dass die AfD derartige Vorfälle häufiger melde, um sich als Opfer zu gerieren. Wie wenig glaubwürdig das ist, kommentiert Binner mit dem Verweis darauf, dass manch Grüner rechte Übergriffe einfach erfinde und hochrangige Grünenvertreter mit voller juristischer Härte gegen Beleidigungen im Netz vorgingen. Kaum vorstellbar, dass sie dann einen echten, handfesten Übergriff nicht melden würden. Linksextreme Täter würden zudem oft verharmlosend als „Aktivisten“ bezeichnet.

Der “Spiegel“ vollbrachte zudem das Kunststück, in einer Schlagzeile zu schreiben, dass Donald Trump nach „Schussgeräuschen“ ein blutiges Ohr hatte. Aber Trump wurde eben nicht von einem Geräusch, sondern von einem Geschoss getroffen. Man sollte allerdings fair bleiben: “Spiegel-TV” tickt – wohl, weil es näher an der Realität operiert – dann nochmal wenigstens noch ein bisschen anders als die Hauptredaktion. Dort werden deutlich häufiger als im gedruckten “Spiegel” auch arabische und ziganische Großclans sowie ihre kriminellen Machenschaften ins Visier genommen. Übrigens hat auch “Spiegel-TV” diese Art des Journalismus nicht erfunden. Auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es diese Methode, und zwar schon länger; und sie wird nicht nur “gegen rechts” eingesetzt: Als die Linkspartei sich in den 2000er Jahren auch im Westen etablierte, sahen SPD und Grüne ihre Felle davonschwimmen. Die Berichterstattung war ähnlich feindselig gefärbt. Sogar ARD-“Panorama” teilte 2008 noch kräftig gegen die Landesverbände Hamburg und Niedersachsen aus, die auch DKP-Mitglieder auf ihren Listen zugelassen hatten. Und Anja Reschke lächelte damals schon genauso gehässig in die Kamera wie heute.


Leitfaden gegen “rechte Verlage“: Der Kompass der Gesinnung

von Thomas Hartung

Akademisch verklärte Boykottaufrufe: Unliebsame Bücher werden heute nicht gleich verbrannt, sondern gebrandmarkt von linken NGOs 



Der Literaturbetrieb war einmal der Ort, an dem gefährliche Gedanken, unbequeme Bücher und streitbare Autoren nicht nur geduldet, sondern gebraucht wurden. Literatur lebt davon, dass sie Grenzen überschreitet, Selbstverständlichkeiten angreift, Gewissheiten irritiert und Leser mit Weltbildern konfrontiert, die sie nicht ohnehin schon teilen. Ein Buchmarkt, der nur noch das moralisch Erwünschte sichtbar macht, ist kein freier Buchmarkt mehr, sondern eine pädagogisch beaufsichtigte Landschaft des Zulässigen. Genau vor diesem Hintergrund ist der Leitfaden „Rechtes Verlegen aufdecken“ des Bündnisses „Verlage gegen Rechts“ bemerkenswert. Er tritt nicht als Einladung zur Debatte auf, sondern als Instrument der Markierung. Er will Orientierung geben, Grenzen ziehen, Verdachtsräume schaffen. Der Leitfaden beschreibt nicht einfach extremistische Positionen, sondern arbeitet mit einem politisch dehnbaren Begriff des „Rechten“, der konservative, rechte und rechtsextreme Positionen in eine Kontinuität stellt.

So wird aus Differenzierung wird Verdachtslogik, aus Kritik Kategorisierung – und damit aus dem Literaturbetrieb letztlich Milieukontrolle. Der kulturpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Uwe von Wangenheim, bringt diesen Vorgang auf den Punkt: „Mit einem neuen Leitfaden versucht jetzt ein politisch motiviertes Netzwerk aus Verlagen, Buchhandlungen und Kulturinstitutionen auch aus dem Ländle festzulegen, welche Autoren und Verlage als akzeptabel gelten und welche unter Verdacht gestellt werden sollen.“ Genau darin liegt die eigentliche kulturpolitische Brisanz. Es geht nicht mehr nur darum, sich von Extremismus abzugrenzen. Es geht darum, den Raum des Sagbaren im Literaturbetrieb politisch vorzustrukturieren.

Links als Normalität, Rechts als Verdacht

Die entscheidende Verschiebung besteht darin, dass „links“ in diesem Milieu kaum noch als politische Position erscheint, sondern als selbstverständliche moralische Grundtemperatur. Links ist dann Humanität, Demokratie, Offenheit, Vielfalt. Rechts hingegen wird zur Gefahrenzone, zum Vorfeld des Unzulässigen, zum Verdachtsraum, den man überwachen muss. Damit wird politische Asymmetrie zur kulturellen Normalität erklärt. Wangenheim formuliert es entsprechend scharf: „Das ist kein Beitrag zur Meinungsfreiheit, sondern ein Versuch der politischen Sortierung des Literaturbetriebs, der ‚Links‘ als ‚normal‘ und ‚Rechts‘ als gefährlich framed.“ Dieser Befund trifft den Kern der Entwicklung. Denn ein freier Literaturbetrieb muss gerade dort offenbleiben, wo Weltanschauungen aufeinanderprallen. Wer aber bereits vor der Lektüre festlegt, welche Richtung als demokratisch und welche als potenziell gefährlich gilt, ersetzt Urteilskraft durch Milieudisziplin.

Besonders problematisch wird diese Entwicklung, wenn sie in Strukturen hineinwirkt, die direkt oder indirekt aus öffentlichen Mitteln getragen werden.

Denn öffentlich geförderte Kulturinstitutionen gehören nicht einem politischen Lager. Sie gehören der Öffentlichkeit. Sie sind dem Pluralismus verpflichtet, nicht der Selbstvergewisserung eines bestimmten kulturellen Milieus. Besonders aufschlussreich sind dabei nicht die erklärten Ziele des Leitfadens, sondern die Beispiele, mit denen er arbeitet. Denn dort zeigt sich, wie rasch politische Analyse in kulturwissenschaftliche Karikatur umschlagen kann. So könnte, heißt es, ein “progressiver feministischer Roman essentialistisch als weibliche Perspektive gefeiert” werden; auch sähe man nicht jeder Rezension sofort an, “wes Geistes Kind sie ist”. Beispielsweise wird auch bei der „Analyse“ von Götz Kubitscheks Antaios-Verlag die antike Figur des Riesen Antaios problematisiert, weil dieser seine Kraft aus der Verbindung mit dem Boden bezog. Besiegt wurde er bekanntlich erst, als Herakles ihn von der Erde losriss. Dass daraus heute „Blut-und-Boden-Anklänge“ konstruiert werden können, zeigt allerdings weniger die Gefährlichkeit antiker Mythen als die obsessive Suchbewegung ihrer Interpreten. Wer lange genug nach ideologischen Spuren sucht, findet sie irgendwann sogar in der antiken Mythologie. In dem Leitfaden heißt es allen Ernstes zu Kubitscheks Verlagsname, dahinter stecke “die Strategie des ‘Dogwhistling’ (Hundepfeifen-Politik): Wer die Codes kennt, versteht. Wer sie nicht kennt, hält die Verlage eventuell für harmlos.” Das ist kein Witz.

Baden-Württemberg als literarischer Resonanzraum

Das Problem liegt nicht in der Kritik an einzelnen Symbolen. Das Problem liegt in der Methode. Sie erinnert an jene hermeneutischen Praktiken, bei denen das Urteil bereits vor der Analyse feststeht. Der Text dient dann nicht mehr dazu, etwas zu verstehen, sondern dazu, etwas nachzuweisen. Der Verdacht wird zur Erkenntnismethode. Am Ende entsteht eine politische Literaturwissenschaft, die überall Hinweise auf das Falsche entdeckt, weil sie gar nicht mehr nach etwas anderem sucht. Gerade Baden-Württemberg ist hier kein Nebenkriegsschauplatz: Das Land verfügt über eine traditionsreiche Verlags- und Literaturlandschaft, über Literaturhäuser, Buchhandlungen, Verlage, Autoren, Festivals und öffentlich geförderte Kulturinstitutionen, die zusammen einen dichten literarischen Resonanzraum bilden. Wer hier politische Leitfäden zur Sortierung unerwünschter Verlage etabliert, greift nicht irgendeinen Randbereich an, sondern ein zentrales Feld geistiger Öffentlichkeit.

Wangenheim verweist deshalb zu Recht auf Akteure und Milieus im Südwesten, die das Bündnis „Verlage gegen Rechts“ unterstützen: auf die Literaturhäuser Stuttgart und Freiburg beziehungsweise das Literatur Forum Südwest, auf Verlage wie 8 Grad in Freiburg, Schmetterling in Stuttgart oder den Neuen ISP Verlag in Karlsruhe.

Entscheidend ist dabei nicht, jeden einzelnen Akteur über einen Kamm zu scheren, sondern die Struktur: Ein kulturelles Milieu, das inflationär von “Offenheit” spricht, beginnt Leitfäden zu produzieren, mit denen jede wirkliche geistige Offenheit politisch eingehegt und begrenzt wird. Das ist die eigentliche Ironie. Ausgerechnet jene, die den Pluralismus rhetorisch am lautesten verteidigen, arbeiten an Instrumenten der Vorfeldsortierung. Ausgerechnet der Buchmarkt, der von geistiger Neugier leben müsste, wird nach politischen Risikokategorien geordnet. Und just Literatur, die immer auch Zumutung ist, soll offenbar in den Korridor des Unbedenklichen zurückgeführt werden.

Die Verwechslung von Kritik und Kontrolle

Natürlich darf jeder Verlag, jede Buchhandlung und jedes Literaturhaus politische Haltung zeigen. Niemand muss jedes Buch ausstellen, jeden Autor einladen oder jede Position unterstützen. Freiheit bedeutet auch Auswahlfreiheit. Problematisch wird es jedoch dort, wo aus privater oder institutioneller Positionierung eine quasi-normative Handreichung für den gesamten Betrieb entsteht. Dann wird nicht mehr gestritten, sondern gewarnt; nicht mehr gelesen, sondern etikettiert; nicht mehr argumentiert, sondern aussortiert. Der Leitfaden verschiebt damit die Funktion des Literaturbetriebs. Buchhandlungen sollen nicht mehr nur Orte der Entdeckung sein, sondern Filterinstanzen; Literaturhäuser nicht mehr nur Debattenräume, sondern Wächter über politische Hygiene. Und Verlage sollen nicht mehr primär Texte, Autoren und Ideen vermitteln, sondern sich in eine antifaschistisch codierte Selbstverpflichtung einordnen.

Doch Literaturgeschichte ist ohne das Unbequeme nicht denkbar. Viele große Texte waren zu ihrer Zeit anstößig, gefährlich, skandalös oder politisch unerwünscht. Gustave Flauberts Madame Bovary brachte ihren Autor vor Gericht, James Joyces Ulysses wurde wegen angeblicher Obszönität verboten, und Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues landete auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten. Was heute als Kanon gilt, erschien den Zeitgenossen oft als gefährlich, skandalös oder gesellschaftsschädlich. Gerade deshalb sollte ein freier Literaturbetrieb vorsichtig sein, wenn er beginnt, politische Warnsysteme für missliebige Bücher zu entwickeln. Der Versuch, Literatur im Namen des Guten zu sortieren, ist daher nicht progressiv, sondern zutiefst kulturfeindlich. Er verkennt, dass geistige Freiheit gerade nicht darin besteht, nur das „Richtige“ zuzulassen.

Der neue Index ohne Staatssiegel

Niemand spricht heute offen von Zensur. Das wäre zu grob, zu altmodisch, zu leicht angreifbar. Die Gegenwart arbeitet subtiler. Sie erstellt Kompasse, Leitfäden, Empfehlungen, Warnhinweise und Sensibilisierungsmaterial. Sie ruft nicht nach Verboten, sondern nach Verantwortung. Sie verlangt nicht staatliche Bücherlisten, sondern freiwillige Selbstreinigung des Betriebs. Gerade darin liegt die neue Machttechnik: Was früher ein Index war, erscheint heute als zivilgesellschaftlicher Leitfaden; was früher Ausschluss hieß, nennt sich heute Haltung; und was früher Gesinnungsprüfung gewesen wäre, tritt heute gar als Demokratieschutz auf – „unserer Demokratie™“ natürlich. Drunter macht man es nicht mehr. Wangenheim warnt deshalb zu Recht: „Der Leitfaden verwischt dabei bewusst die Unterschiede zwischen konservativ, rechts und rechtsextrem. Wer solche Kategorien politisch definiert, schafft die Grundlage für Ausgrenzung statt für Debatte.“

Genau diese Verwischung ist der gefährliche Punkt. Denn je unschärfer die Kategorien werden, desto größer wird die Macht derjenigen, die sie anwenden. Wer entscheidet am Ende, ob ein Autor konservativ, rechts, neurechts oder rechtsextrem ist? Ein Bündnis? Eine Buchhandlung? Ein Literaturhaus? Ein Aktivistenkreis? Oder gar Experten wie der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Torsten Hoffmann, der in seinem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt namens „Neurechte Literaturpolitik“ keinen neutralen Blick auf Texte wirft, sondern einen ideologischer Angriff praktiziert, der unter dem Deckmantel der Wissenschaft konservative Stimmen diffamiert und marginalisiert (wie etwa sein Aufsatz „Bücher mit Rechtsdrall“ zeigt, publiziert in Ausgabe 9/2025 der “Frankfurter Hefte”). Eine demokratische Kultur kann und darf solche Fragen aber nicht an selbsternannte Wächter delegieren.

Vom Warnhinweis zum Etikett

Hinzu kommt noch ein zweiter, weit folgenreicherer Aspekt. Der moderne Kulturbetrieb arbeitet immer seltener mit Verboten und immer häufiger mit Etiketten. Niemand fordert offiziell die Entfernung eines Buches. Stattdessen werden Warnhinweise formuliert, Einordnungen vorgenommen, Näheverhältnisse markiert und Netzwerke kartiert. Das Ergebnis ist oft dasselbe: Nicht der Leser soll urteilen, sondern der Leser soll bereits vor der Lektüre wissen, welches Urteil angemessen erscheint. Genau diese Entwicklung beschrieb jüngst auch die Debatte um politisch unerwünschte Literatur im Kontext der alternativen Buchmesse „SeitenWechsel“. Bücher werden nicht mehr primär nach ihrem Inhalt beurteilt, sondern nach dem Umfeld ihrer Autoren, nach Kontakten, Verlagen oder vermuteten ideologischen Verbindungen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit dem Text tritt in den Hintergrund. Entscheidend wird die Markierung. Der Autor wird zum Fall, das Buch zum Beweismittel und die Literaturkritik zur politischen Hygieneübung.

Besonders heikel wird es, sobald öffentlich geförderte Institutionen direkt oder indirekt Teil solcher Milieus werden. Staatliche Kulturförderung darf nicht bedeuten, dass mit Steuergeld politische Vorlieben eines bestimmten Milieus stabilisiert werden. Wenn Literaturhäuser, Festivals oder andere Einrichtungen öffentliche Mittel erhalten, müssen sie den Bürgern in ihrer Breite verpflichtet sein. Nicht jeder Bürger muss dort seine Meinung bestätigt finden. Aber jeder Bürger muss darauf vertrauen können, dass nicht schon seine politische Grundhaltung als kulturelles Sicherheitsrisiko behandelt wird. Der Literaturbetrieb darf nicht zur ausgelagerten Gesinnungsaufsicht werden. Wer Bücher bekämpfen will, sollte sie widerlegen. Wer Autoren kritisieren will, sollte ihnen argumentativ entgegentreten. Wer Verlage problematisch findet, soll ihre Programme analysieren. Aber politische Warnsysteme ersetzen keine geistige Auseinandersetzung – sie erzeugen nur ein Klima, in dem immer weniger gelesen und immer mehr etikettiert wird.

Weimer, Buchhandlungspreis und die neue Kulturorthodoxie

Die Debatte reicht dabei weit über diesen Leitfaden hinaus. Sie verweist auf einen grundlegenden Wandel im Verhältnis von Kultur und Politik. Als Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Deutschen Buchhandlungspreis neu ausrichtete und die Frage stellte, ob staatliche Kulturförderung tatsächlich immer nur denselben ideologischen Milieus zugutekommen müsse, löste dies erhebliche Unruhe im Literaturbetrieb aus. Die Empörung zeigte unfreiwillig, wie selbstverständlich viele Akteure inzwischen davon ausgehen, dass öffentliche Kulturförderung auch die politische Grundausrichtung der geförderten Einrichtungen bestätigen müsse. Dabei wäre das Gegenteil die eigentliche Aufgabe eines freiheitlichen Staates. Öffentliche Förderung soll kulturelle Vielfalt ermöglichen, nicht weltanschauliche Homogenität absichern.

Wer Steuergeld erhält, muss nicht neutral sein. Aber er sollte akzeptieren, dass auch andere Stimmen existieren dürfen. Gerade hierin zeigt sich die paradoxe Entwicklung vieler Kulturinstitutionen. Sie sprechen unablässig von Diversität, meinen damit aber häufig nur die Vielfalt innerhalb eines relativ engen politischen Meinungsspektrums. Die eigentliche Gefahr besteht daher nicht darin, dass einzelne Verlage kritisiert werden: Kritik gehört zum geistigen Leben. Gefährlich wird es erst, wenn sich ein ganzes Netzwerk aus Literaturhäusern, Förderstrukturen, Verlagen, Stiftungen und Feuilletons darauf verständigt, welche Positionen noch als legitimer Teil der Debatte gelten und welche nur noch unter Beobachtung stattfinden dürfen. Dann verwandelt sich kulturelle Vielfalt langsam in kulturelle Orthodoxie.

Die Verengung des geistigen Raums

Am Ende geht es um mehr als um einen Leitfaden. Es geht um die Frage, ob der Kulturbetrieb noch ein Raum des offenen Streits sein will oder ob er sich selbst zur moralischen Kontrollinstanz umbaut. Eine Literatur, die sich vor falschen Gedanken schützt, verliert ihre eigene Kraft. Eine Buchbranche, die politische Kompasse braucht, misstraut der Urteilskraft ihrer Leser. Eine Kultur, die nur noch das politisch Richtige sichtbar machen möchte, wird ärmer, enger und langweiliger. Wangenheims Schlussformel benennt deshalb die eigentliche Linie: „Baden-Württemberg braucht kulturelle Vielfalt statt ideologischer Gleichschaltung. Wo politische Kompasse die freie Debatte ersetzen, beginnt die Verengung des geistigen Raums.“ Genau darum geht es – nicht darum, jede Position zu teilen, oder darum, Extremismus zu verharmlosen.

Es gilt vielmehr, die Freiheit des geistigen Raums gegen jene zu verteidigen, die ihn im Namen des “richtigen Handelns” vorsortieren wollen. Der Literaturbetrieb sollte Bücher öffnen, nicht Korridore schließen. Er sollte Streit ermöglichen, nicht Verdachtslisten pflegen. Und er sollte den Lesern mehr zutrauen als die politische Beaufsichtigung ihrer Lektüre.