Donnerstag, 5. Februar 2026

Deutsch-israelischer Soldat als Kriegsverbrecher verleumdet: Wie Spiegel, ZDF & Guardian einen Journalismus-Skandal produzierten


Ein Israeli aus München wird in Medien zu Unrecht des Mordes an Zivilisten bezichtigt.



Die mediale Treibjagd auf einen aus Deutschland stammenden israelischen Soldaten offenbart den unseriösen und manipulativen Journalismus in Sachen Nahost-Konflikt und bringt den Mann, dem zu Unrecht die Tötung „unschuldiger Zivilisten“ vorgeworfen wird, in Lebensgefahr.

Dies ist eine Geschichte über schmutzige Praktiken im Journalismus, Aktivisten im Gewand investigativer Reporter und die Skrupellosigkeit, mit der die Gefährdung der Existenz von Menschen in Kauf genommen wird, um eine höchst fragwürdige politische Botschaft zu transportieren – in diesem Fall die Erzählung von der tödlichen israelischen Kriegsmaschinerie, die rücksichtslos gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen vorgehen soll, anhand eines vermeintlich belegten Beispiels. Doch die Anklage beruht auf Täuschung, Manipulation und nicht verifizierten Unterstellungen.

Eine Vorgehensweise, die nun Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen wird, den Journalismus der Mainstream-Medien einmal mehr in Verruf bringt und dem Beschuldigten einen Pranger von noch unbekannten Ausmaßen beschert. Die Unschuldsvermutung wird, anders kann man das leider nicht sagen, mit Füßen getreten.

Eine Story ganz nach dem Geschmack des Guardian

Es begann am 9. September 2025. Der schwer linkslastige britische Guardian, der eine extrem antiisraelische Linie fährt und täglich Völkermord-Vorwürfe im Gaza-Krieg erhebt, veröffentlichte eine Story über eine palästinensische Familie im Norden des Gazastreifens. Sechs Mitglieder der Familie sollen durch israelische Scharfschützen ums Leben gekommen sein, die ursprünglich aus Chicago und München stammten. Das Blatt beruft sich dabei auf monatelange Recherchen in Zusammenarbeit mit Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ), Paper Trail Media, Spiegel und dem ZDF.

Der britische „Guardian“ brachte die Geschichte am selben Tag wie der „Spiegel“.



Noch am selben Tag zog der Spiegel nach, mit der Story „Der Sniper von Gaza – Israelischer Soldat aus München soll Unbewaffnete erschossen haben“, und nennt dieselben Medien als Recherche-Partner. Doch die erzählte Geschichte ist keine Enthüllung, sie stützt sich auf Auszüge eines off the record, also vertraulich geführten Interviews mit dem Informanten „C.“, einem israelischen Soldaten. Dieses Interview, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen arrangiert, dauerte fünf Stunden und wurde später auf 40 Minuten zusammengeschnitten, dabei irreführend bearbeitet. Dahinter steckte offenbar der palästinensische Journalist und Aktivist (wie ihn selbst der Guardian bezeichnet) Younis Tirawi, der die Aussagen, um die es geht, online veröffentlichte.

Der Scharfschütze „C.“ berichtete dabei von seinen Einsätzen mit einem nicht genannten Partner des Fallschirmjägerbataillons 202. Der Fall, um den es geht (Mitglieder des Doghmosh-Clans wurden erschossen), ereignete sich im November 2023, und, wie gesagt, der Name des Kameraden von „C.“, der sie getötet haben soll, fiel nicht. Dennoch schritt der Guardian zur medialen Exekution, nannte den vollständigen Klarnamen eines deutsch-israelischen Staatsbürgers und veröffentlichte dessen Foto. Der Artikel im Spiegel – verfasst von neun Autoren, darunter Frederik Obermaier, von dem noch die Rede sein wird – sprach von „Daniel G. aus München“ und beschrieb die Lage des Elternhauses („in einer ruhigen Seitenstraße, in der sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus reiht und von wo aus bei gutem Wetter am Horizont die Alpen zu sehen sind“) im Stil von Claas Relotius.
 
Auch ZDF Frontal raunt von Kriegsverbrechen

Am 1. Oktober zog das ZDF nach, mit der 14-minütigen „Frontal“-Doku „Der Gaza-Sniper“. „Gemeinsam mit internationalen Partnern“ habe man untersucht, ob „unbewaffnete Zivilisten“ von einer Scharfschützen-„Geistereinheit“ aus Doppelstaatlern „gezielt erschossen“ würden. Und „mutmaßliche Opfer identifiziert“, die laut Mutter und Cousin „für niemanden eine Bedrohung gewesen“ seien.

Dass der Doghmosh-Clan, der hauptsächlich in Khan Yunis und in den nördlichen Gaza-Vierteln Tal al-Hawa und al-Sabra ansässig ist, zu den größten und mächtigsten Clans im Gazastreifen zählt, erwähnt der Beitrag nicht. Hervorgehoben wird im Zusammenhang mit dem Clan öfter, dass er sich Gefechte mit der Hamas liefert, was ihn aber nicht unbedingt adelt, vielmehr agieren die beiden Gruppen miteinander eher wie die Corleones und die Tattaglias im Mafia-Film „Der Pate“.

Mitglieder der Doghmoshs sind mit verschiedenen palästinensischen (und islamistischen) Terrorgruppen verbunden oder ihnen nahestehend, darunter die Fatah, das Volkskomitee des Widerstands und vor allem Al-Qaida. Waffenhandel, Erpressung, Schmuggel und die Ermordung von Konkurrenten haben ihnen den Spitznamen „Die Sopranos von Gaza-Stadt“ eingebracht. Dass die Angehörigen der beiden getöteten Clan-Mitglieder nun behaupten, sie seien keine Terroristen gewesen, ist zumindest fragwürdig. Die Beteuerung des Spiegel („Das Reporterteam fand jedoch keine Hinweise darauf, dass die getöteten Männer der Hamas oder dem Islamischen Dschihad angehörten“) bedeutet keineswegs, dass die getöteten Unschuldslämmer waren.

Von der Hamas konfiszierte Waffen des Doghmosh-Clans in Gaza (Aufnahme von 2007)



Ein fataler Fall von Doxing

Während die Journalisten alles für bare Münze nahmen, was ihnen die Doghmosh-Clanmitglieder erzählten, und beteuerten, sie hätten keine Belege dafür gefunden, dass die Doghmosh-Brüder etwas anderes als unschuldige Zivilisten gewesen seien, hielt sie das nicht davon ab, den Klarnamen von „G.“ zu nennen und Fotos und weitere Informationen über ihn (die ZDF-Doku etwa nannte seinen Abiturjahrgang) zu veröffentlichen.

Ein Fall von „Doxing“, bei dem identifizierende Details – wie vollständiger Name, Fotos, Arbeitsplatz, familiäre Verbindungen und teilweise auch der Wohnort – veröffentlicht werden, meist mit der Absicht, Belästigungen oder Bedrohungen zu provozieren. Im Kriegskontext verbreitet sich Doxing oft innerhalb weniger Stunden über Sprachen und Grenzen hinweg durch Screenshots, Mirror-Seiten, Telegram-Kanäle und „Kontext“-Threads, die selten Korrekturen enthalten.

„Menschenrechtler“ treten in Aktion

Auf den Punkt gebracht: Die Journalisten nahmen die akute Gefährdung des Deutsch-Israelis billigend in Kauf. Die Jerusalem Post weist darauf hin, dass die typischen Schritte oft Drohungen, Konsequenzen am Arbeitsplatz und Druck auf Staatsanwälte und Menschenrechtsgruppen umfassen, „etwas zu unternehmen“, selbst wenn die Identität umstritten ist.

Und genau so geschah es denn auch. Menschenrechtler vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) erstatteten umgehend Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft. Gemeinsam mit den palästinensischen Menschenrechtsorganisationen Al Mezan Center for Human Rights, Al-Haq sowie dem Palestinian Center for Human Rights (PHR) forderten sie die Einleitung völkerstrafrechtlicher Ermittlungen wegen des Verdachts der Begehung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. „G.“s Anwalt Joachim Steinhöfel sagt dazu: „Stellen Sie sich vor, jemand wird mit Namen und Foto weltweit als Kriegsverbrecher dargestellt – das fügt sich nahtlos in dieses antisemitische Narrativ dieser Medien ein.“

Anwalt Joachim Steinhöfel sieht „antisemitische Narrative der Medien“.



Tatsächlich war „G.“, der nun gegen die betreffenden Medien klagt, laut Steinhöfel zum Zeitpunkt der Tötung der angeblichen Zivilisten – die dem Doghmosh-Clan angehörten – weder in dem Gebiet anwesend, noch war er „C.“s Partner oder Teil derselben Einheit, was auch aus eidesstattlichen Versicherungen hochrangiger IDF-Militärs hervorgeht. Die „Gelegenheit zur Stellungnahme“, die Spiegel & Co. boten, fiel geradezu lächerlich aus: Man schickte lediglich Briefe an mutmaßliche Adressen des Soldaten, während dieser sich im Einsatz befand.

Ein Journalist mit Agenda

Nach Lage der Dinge wurden journalistische Standards schwer verletzt, um eine plakative Geschichte zu erzählen, die den Vorwurf der palästinensischen Propaganda, Israel töte wahllos Zivilisten in Gaza, untermauern soll. Dabei sind die Belege ganz dünn: Im Spiegel-Artikel etwa wimmelt es von Konjunktiven, „vermutlich“ „wohl“, „mutmaßlich“, „soll … haben“.

Alles basiert auf dem manipulativ zurechtgeschnittenen Ausschnitt aus dem Gespräch mit „C“. Dazu heißt es im Spiegel: „Der SPIEGEL und das ZDF haben die Videodatei mit den wichtigsten Aussagen [sic!] vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt untersuchen lassen, um eine etwaige Manipulation auszuschließen.“ Nicht die fünf Stunden wurden also in Augenschein genommen, sondern nur die 40 Minuten, die der palästinensische „Journalist und Aktivist“ (Guardian) Younis Tirawi durchgestochen hatte. Tirawi hat laut Spiegel eine eidesstattliche Versicherung abgegeben.

Nun ist der Erfüllungsgehilfe des israelfeindlichen Magazins für seine politische Schlagseite bekannt. Tirawi konzentriert sich primär auf investigativen Journalismus, der Social-Media-Posts israelischer Soldaten trackt, um Beweise für Kriegsverbrechen zu finden oder eben anzudeuten. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt darauf, die Palästinenser als Opfer israelischer Kriegsverbrechen darzustellen. Der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, für die er auch arbeitet, sagte er in einem Interview im November 2024: „Wir stehen nicht einer Armee gegenüber, sondern einer kriminellen Organisation, und die Schuldigen sind eindeutig identifizierbar.“

Younis Tirawi, palästinensischer Journalist und Aktivist



Ein Reporter als Terror-Unterstützer

Kein Wunder, dass der israelische Kanal 13 einen Report über Tirawi brachte und ihn als Terror-Unterstützer bezeichnete. Auf einen solchen Gewährsmann verlässt sich nur, wer dasselbe Ziel teilt: Israel weltweit über die Medien anzuschwärzen. Statt die gesamte Story Tirawis und seines Teams auf Herz und Nieren zu prüfen, machen auch deutsche Medien gemeinsame Sache mit Journalisten, die mit der „palästinensischen Sache“ sympathisieren (also praktisch alle), wenn sie nicht sogar der Hamas nahestehen oder aktives Mitglied sind – wie ein Techniker eines Kooperationspartners des ZDF, was der Sender schließlich bestätigen musste.

Wie steht es um die weiteren an der Recherche Beteiligten, etwa die Arab Reporters for Investigative Journalism? ARIJ unterstützt etwa 22 investigative Journalisten und „Faktenchecker“ in Gaza, die alle unter denselben Bedingungen arbeiten, also entweder – wenn sie kritisch sind – unter Kontrolle der Hamas stehen und kein Material produzieren dürfen, das deren Verbrechen dokumentiert, oder – was die Regel ist – im Sinne der palästinensischen Propaganda tätig sind, also genau die Bilder produzieren, die erwünscht sind und die über die internationalen Nachrichtenagenturen ihren Weg rund um den Globus antreten. ARIJ fokussiert sich wenig überraschend stark auf palästinensische Stimmen, Opfer und als Journalisten bezeichnete Propagandisten, die, wenn im Kriegsgebiet getötet, als Märtyrer gefeiert werden.

Besonders vielsagend ist, dass in diesen Journalismus-Skandal auch Frederik Obermaiers Paper Trail Media verwickelt ist. Der Investigativjournalist, der bei der Süddeutschen Zeitung (SZ) durch die Recherchen zu den „Panama Papers“ und die „Ibiza-Affäre“ bekannt und mit Preisen überhäuft wurde, führt seit April 2022 gemeinsam mit Bastian Obermayer das Münchener Investigativ-Start-up Paper Trail Media. Wie die meisten Investigativjournalisten und Faktenchecker zeigt er dabei eine deutliche Schlagseite nach links und folgt einer Agenda.

Preisgekrönter Investigativjournalist mitbeteiligt

Ganz offensichtlich hat sein Team bei der Recherche verhängnisvoll geschludert und mit fragwürdigen Recherchemethoden die üblichen journalistischen Sorgfaltspflichten verletzt. Deswegen muss der als „Kriegsverbrecher“ hinausgehängte israelische Soldat „G.“ nun um seine Existenz fürchten.

Pikanterweise antwortete Obermaier in einem Interview auf die Frage, ob er bei seinen Recherchen in den dunkelsten Ecken schon einmal um Leib und Leben fürchten musste: „Ja, es gab immer wieder mal solche Momente. Wir überlegen bei sehr heiklen Recherchen auch in der Redaktion, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, und sprechen über Sicherheitsvorkehrungen und mögliche Folgen. Es ist schon sehr beunruhigend, wenn einer unserer Reporter aufgrund seiner kritischen Berichterstattung im russischen Fernsehen namentlich genannt wird. Denn wir können keine absolute Sicherheit garantieren.“

Die Gefährdung von „G.“s Sicherheit wird aber von Paper Trail Media billigend in Kauf genommen, obwohl es auch ein abstrakter Hinweis (etwa: „ein israelischer Soldat“) getan hätte, denn dass es sich bei dem beschuldigten Soldaten um „G.“ handelte, ist zumindest fragwürdig, höchstwahrscheinlich aber falsch. Aus verschiedenen Versatzstücken der Recherche wurde fahrlässigerweise der Schluss gezogen, dass es sich bei dem Soldaten um „G.“ handle. Auf spekulativer Basis wurde ein Soldat des jüdischen Staates des willkürlichen Mordes beschuldigt und dem pro-palästinensischen Mob zum Fraß vorgeworfen.

Anwalt Joachim Steinhöfel wirft Frederik Obermaier bei Facebook Versagen vor.



Jetzt sprechen die Gerichte

Nun hat die Geschichte juristische Konsequenzen, der IDF-Scharfschütze wehrt sich vor Gericht. Das Landgericht Hamburg hat bereits eine einstweilige Verfügung gegen die Münchner Abendzeitung erlassen, die der Verlag ohne Rechtsmittel akzeptierte. Der verantwortliche Autor Alexander Spöri unterzeichnete eine Unterlassungserklärung. Die Abendzeitung und Spöri dürfen auch die Aussage des „Rechtsexperten“ Alexander Schwarz (ECCHR), es müsse wegen Kriegsverbrechen ermittelt werden, nicht weiterverbreiten.

Gegenüber dem Guardian machte Joachim Steinhöfel eine Entschädigung von zunächst 100.000 Euro geltend; auch dort unterzeichneten die Redaktion und die verantwortliche Redakteurin bereits Unterlassungserklärungen. Das ZDF und Der Spiegel machen bisher keine Anstalten, ihre Berichte zurückzunehmen, und dürften auch bald Post bekommen.

Die Melange aus aktivistischem Journalismus, Rechercheschluderei, menschengefährdender Doxing-Berichterstattung und israelbezogenem Antisemitismus ist hochgradig verstörend und geeignet, dem ohnehin ramponierten Ruf der Medien weiteren Schaden zuzufügen. Spiegel, Guardian & Co. sind in Sachen Nahost seit Jahrzehnten für ihre einseitige und oft niederträchtige Berichterstattung bekannt. Dass auch hier wieder ein bereits einschlägig aufgefallener öffentlich-rechtlicher Sender beteiligt ist, nährt den Ruf nach Abschaffung oder zumindest grundlegender Reform des ÖRR. Seriöser Journalismus sieht anders aus. Offenbar kann man ihn nur noch mit juristischen Mitteln wieder einfordern.


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