von Lukas Mihr

25 Prozent sind stabil erreicht – der Aufwärtstrend hält an: Die AfD ist stärkste politische Kraft Deutschlands
Der nachfolgende Artikel erschien bereits vor einem Jahr und behandelte die Frage, wie eine AfD, die bei 25 Prozent steht, die Gesellschaft beeinflussen könnte. Wer mag, kann ihn in Gänze noch einmal lesen; wer nicht, kann bis ans Ende springen und findet dort meine Einschätzung, ob ich damals richtig oder falsch lag.
Wer eine Atombombe bauen will, muss eine kritische Masse überschreiten. Das Isotop U-235 macht weniger als 1 Prozent des natürlichen Urans aus. Für eine Atombombe braucht man aber einen Reinheitsgrad von mindestens 80 Prozent. Erreicht man diesen Wert nicht, gibt es auch keine Explosion. Warum sollte man nicht auch in der Politik solche Kipppunkte annehmen? Eine Partei wie die Grünen ging schon mit nur knapp 7 Prozent in eine Regierungskoalition und konnte die Geschicke Deutschlands maßgeblich mitbestimmen. Hält die Brandmauer weiterhin, braucht die AfD allerdings 50 Prozent, wenn sie regieren und den Kanzler stellen will. Was aber, wenn es irgendwo zwischen der 5-Prozent-Hürde und der absoluten Mehrheit noch einen weiteren Kipppunkt gibt? Tatsächlich spricht einiges dafür, dass eine AfD mit 25 Prozent der bundesweiten Wählerstimmen tatsächlich Akzente setzen kann, selbst wenn sie als Koalitionspartner ausgegrenzt wird.
Ist dieser Wert möglich? Natürlich! Er wird zwar bei der Bundestagswahl am Ende des Monats vermutlich noch nicht erreicht werden, könnte aber im Sommer überschritten werden, wenn die Umfrageergebnisse weiterhin so steigen wie jetzt. Aktuell steht die AfD im Schnitt aller Institute bei 21 Prozent, würde jedoch 26 Prozent aller Parlamentssitze erzielen. Bei einem Viertel der Wählerstimmen wären sogar 31 Prozent aller Abgeordneten denkbar. Grund ist, dass die Stimmen aller Parteien, denen der Einzug nicht gelingt, verfallen und gleichmäßig unter den anderen Parteien aufgeteilt werden. Neben den vielen Splitterparteien, die üblicherweise nur als „Sonstige“ ausgewiesen werden, müssen bei dieser Wahl gleichzeitig die FDP, die Linke und das BSW zittern.
Merkliche Änderung des Diskussionsklimas
Aber sollte tatsächlich ein Viertel aller Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen, wird sich das Diskussionsklima in diesem Land merkbar verändern. Das liebste Feindbild linksgrüner Journalisten ist bekanntlich der “dumme Mann aus dem Osten, der AfD wählt”. Dieses Zerrbild war noch nie zutreffend; denn auch wenn die AfD in Ostdeutschland tendenziell stärker ist, so stammen allein schon aufgrund der höheren Bevölkerung die absolut meisten AfD-Stimmen zuverlässig aus dem Westen. Zudem wurde die AfD 2013 – also 23 Jahre nach der Wiedervereinigung – gegründet. Im Jahr 2025 werden also selbst viele ostdeutsche Wähler schon aus Altersgründen keine DDR-Sozialisierung mehr erfahren haben.
Einen wahren Kern hat dieses Vorurteil natürlich dennoch: Die AfD schneidet unter Akademikern schlechter und unter Männern und Ostdeutschen besser ab. Doch je höher die Umfragewerte steigen, desto mehr nähern sich AfD-Wähler und Gesamtbevölkerung einander an. Eine AfD, die bei 25 Prozent steht, wird vielleicht tatsächlich noch in die Richtung des oben genannten Feindbilds tendieren – aber eben weniger stark. Gut möglich also, dass diese Methode der Stigmatisierung schon bald von ganz allein verschwindet. Zudem würde es dann zunehmend schwierig, die faktische „Isolationshaft“ im Bundestag zu rechtfertigen: Bekanntermaßen wird der AfD bislang ein Bundestagsvizepräsident, – also ein Sitz im Präsidium – konsequent durch die selbsternannten sogenannten “demokratischen Parteien” verwehrt. Dadurch ist es für sie schwieriger, die Tagesordnung im Parlament mitzubestimmen. Und es wäre dann künftig noch seltsamer als bisher, wenn die Linkspartei (dank ausreichend vieler Direktmandate) mit nur 4 Prozent aller Wählerstimmen einen Vizepräsidenten stellen darf, die AfD mit 25 Prozent aber nicht.
Neue Tricks der Musterdemokraten gegen die Opposition?
Friedrich Merz hatte schon vor mehreren Jahren betont, dass er diese Ausgrenzung nicht betreiben wolle: Zwar dürfe man einzelnen Personen den wertvollen Posten verweigern, nicht aber einer Partei insgesamt. Dies betrachtete er als „undemokratisch“. Sprich: sollte die AfD einen vergleichsweise moderaten Kandidaten vorschlagen, könnte dieser auch mit den Stimmen der CDU gewählt werden. Zwar hat Merz als Fraktionsvorsitzender auch in diesem Punkt nie geliefert; unmöglich ist ein solches Szenario trotzdem nicht. Aktuell gibt es bereits AfD-Landtagsvizepräsidenten in Brandenburg und Sachsen, in der Vergangenheit gab es sie in Hamburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Ganz ähnlich gilt dies auch für die Vorsitzenden in den Bundestagsausschüssen: 2017 kam die AfD hier zum Zug, 2021 jedoch nicht. Bei der letzten Bundestagswahl 2021 war die AfD allerdings auf dem vorletzten Platz gelandet; diesmal dürfte sie ihr Ergebnis wohl glatt verdoppeln.
Mit 25 Prozent der Sitze im Bundestag eröffnet sich die Möglichkeit, einen Untersuchungsausschuss aus eigener Kraft ins Leben zu rufen. Aktuell wäre dieses Szenario denkbar, sofern FDP, Linke und BSW tatsächlich nicht ins Parlament einziehen. Die spannende Frage ist: Werden die “Demokraten” dann einfach das Quorum anheben, um der AfD so ihren Triumph zu vereiteln? Das ist zwar theoretisch möglich, aber wenig wahrscheinlich – denn ein Untersuchungsausschuss ist für jede Opposition und damit das Ansehen einer Demokratie einfach ein zu wichtiges Instrument, als dass es sich einfach abschaffen ließe. Eher wird man einen solchen Ausschuss dann vermutlich torpedieren, sprich: etwa wichtige Akten nur mit Verzögerung oder in Teilen geschwärzt aushändigen. Aber so oder so: Selbst das wäre ein wichtiger Erfolg für die AfD.
Schrittweise Normalisierung der politischen Zusammenarbeit
Steigt die AfD in der Wählergunst sogar noch weiter, dann wäre gar ein Drittel aller Bundestagssitze in Reichweite. Dann ergibt sich eine sogenannte Sperrminorität, weil besonders weitreichende Entscheidungen nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden können. Allerdings käme es dann darauf an, wie die AfD diese neuen Handlungsspielräume nutzt: Würde sie dann zum Beispiel allein schon aus Prinzip ständig ihr Veto einlegen und auf Obstruktion des politischen Betriebs setzen, dürfte sie bald als Blockiererin gelten, was ihrem Ansehen eher schaden würde. Nutzt sie diese Möglichkeit jedoch gezielt und zeigt sich dabei auch konstruktiv und kompromissbereit, könnte sie die Regierungspolitik – zumindest in Nuancen – mitbestimmen. Eine schrittweise Normalisierung der politischen Zusammenarbeit könnte die Brandmauer dann peu à peu brüchig machen.
Ebenso wird spannend, ob die parteinahe Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) künftig dann ebenfalls staatliche Fördergelder erhält, wie dies auch bei allen anderen Parteistiftungen der Fall ist. Nach der bisherigen Gesetzeslage ist dafür drei Mal hintereinander der Einzug in den Bundestag nötig und dies wäre nach der kommenden Wahl der Fall. Die DES hat künftig dann also nicht nur das Gesetz, sondern – bei einem entsprechenden Wahlergebnis – auch ausreichend viele Bürger auf ihrer Seite. Und auch die Debatten auf Social Media dürften künftig deutlich anders verlaufen; natürlich hilft dabei, dass dort seit dem Wahlsieg Donald Trumps mittlerweile die Meinungsfreiheit wieder groß geschrieben wird.
Überzeuge nie deinen Gegner, sondern das Publikum!
Ein ehernes Gesetz der Diskussionskultur besagt, dass man in einer Diskussion niemals seinen Gegner überzeugen sollte (denn dieser ist sich seiner Sache meist allzu sehr sicher), sondern in erster Linie versucht, die eigenen Argumente vorzutragen und sich so gut wie möglich zu schlagen, damit unbeteiligte Dritte, die noch unschlüssig sind, erreicht und umgestimmt werden können. Würde ein Viertel aller Social-Media-Nutzer die linksgrüne Politik hinterfragen, käme man ihnen jedenfalls kaum noch mit der Nazikeule bei – denn solche „Argumente“, die eigentlich Diffamierungen sind, dienen eben nur dem gegenseitigen Schulterklopfen im eigenen Lager. Wenn eine breite Mitte der Gesellschaft aber allmählich skeptisch wird, kann sie beurteilen, welche Seite echte Argumente vorträgt – und welche Seite sich nur der immergleichen Phrasen und Denkschablonen bedient.
Eine AfD, die bei 25 Prozent steht, könnte sogar die stärkste Partei in Deutschland sein, oder zumindest nur knapp hinter der CDU landen. Dann wäre es dem Fernsehzuschauer künftig aber kaum mehr vermittelbar, wenn die AfD in einem Kanzlerduell nicht eingeladen wird. Aktuell werden Friedrich Merz und Olaf Scholz gegeneinander in den Ring steigen, also die Vertreter der stärksten und drittstärksten Partei. Das ergibt sogar Sinn, denn folgt man der Koalitionslogik, hat Alice Weidel derzeit keine Chance, ins Kanzleramt einzuziehen. Allerdings wird der Privatsender RTL auch die AfD in seine Debattenrunde einladen. Das wäre eine faire Lösung, die 2021, bei einem schwachen Wahlergebnis von nur 10 Prozent, kaum denkbar war. Generell ist anzunehmen, dass Vertreter der AfD häufiger in Talkshows eingeladen werden. 2022 kam die Partei in den öffentlich-rechtlichen Gesprächsrunden auf einen Anteil von gerade einmal 0,4 Prozent, 2023 auf 1,7 Prozent und 2024 auf 2.6 Prozent. Bei derart kleinen Fallzahlen und einer so grotesken Unterrepräsentierung einen Trend auszumachen ist tückisch, doch 2025 könnte hier für Klarheit sorgen.
Das Ende der sozialen Isolation
Vor allem aber wird die Cancel Culture an Schrecken verlieren. Heute kann man für die falsche Meinung den Job verlieren; doch wenn 25 Prozent der Bevölkerung die falsche Meinung vertreten, gestaltet sich die Suche nach neuen linientreuen (Ersatz-)Mitarbeitern umso schwieriger. Klar: In manchen besonders woken Bereichen, zum Beispiel in der sogenannten “Kreativ-Branche”, wird sich nicht viel ändern, aber viele andere Arbeitnehmer könnten ohne Angst vor Jobverlust dann künftig frei zu ihrer Meinung stehen. Das betrifft aber nicht nur das Arbeitsleben: Zu den besonders perfiden Methoden der politischen Auseinandersetzung zählt die soziale Isolation auch im Privatbereich. Für die falsche Meinung kann man eben nicht nur den Job, sondern auch den Freundeskreis verlieren. Auch dieser Zustand dürfte sich durch höhere AfD-Resultate rapide ändern.
Nehmen wir an, 10 Prozent AfD-Wähler stehen 90 Prozent der Gesellschaft gegenüber. Dann beträgt das Verhältnis 1 zu 9. Aber schon bei einem Wahlergebnis von 25 Prozent schrumpft dieses Verhältnis auf 1 zu 3 zusammen. Die Wahrscheinlichkeit, in Cliquen, auf Partys und gesellschaftlichen Events Gleichgesinnte zu treffen, die sich dann auch zu ihrer Meinung bekennen, nimmt dadurch erheblich zu und schon daran wird deutlich, dass die soziale Isolation künftig nicht mehr so gut funktionieren wird. In Ostdeutschland klappte sie ohnehin nicht allzu gut. Wer nicht gerade in einem linksalternativen Stadtteil wie Leipzig-Connewitz wohnt, kann dort üblicherweise seine Meinung frei äußern, ohne sich ausgestoßen zu fühlen – und das nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren. Im Westen dürfte bald eine ähnliche Situation herrschen.
Neue Dynamik
Selbst an den Universitäten könnte sich das Klima langsam drehen. Angenommen, die AfD verdoppelt ihre Stimmanzahl, verdreifacht sie ihren Anteil unter Akademikern womöglich; denn eine Partei, die an Stimmen hinzugewinnt, wird dort, wo sie ohnehin stark ist, kaum noch Wachstumsmöglichkeiten haben, sondern eher die Gruppen ansprechen, bei denen sie zuvor nicht punkten konnte. Ein westdeutscher Student wird derzeit für die falsche Meinung womöglich ganz ohne Freunde dastehen – zumindest unter der Annahme, dass sein Freundeskreis etwa 20 Personen umfasst und Studenten nur zu maximal 5 Prozent die AfD wählen. Steigt dieser Anteil, mag man zwar immer noch ausgegrenzt werden; man ist aber eben nicht mehr ganz allein.
Mittlerweile deutet sich eine völlig neue Dynamik an: Nachdem Friedrich Merz nun erst- und einmalig die Brandmauer in Frage stellte, musste auch die CDU dieselben Ausgrenzungsmechanismen erfahren wie die AfD. Auf Social Media riefen einige Accounts CDU-Wähler dazu auf, sie zu entfolgen, und so manches Wahlkreisbüro bekam ungebetenen “Besuch”. Es zeigte sich, dass gegen die Faschismuskeule nicht einmal die Union gefeit ist, die sie bislang selbst eifrig gegen die AfD schwang. Nun stellt sich die Frage, ob es dem linksgrünen Mob hier lediglich darum ging, eine kleine „Korrektur“ vorzunehmen, um nach der Bundestagswahl entweder eine schwarz-rote oder schwarz-grüne Koalition zu erzwingen. Sollte Merz aber Ernst machen und immer wieder Mehrheiten mit der AfD erreichen, könnte die soziale Isolation auch für die CDU zum Dauerzustand werden. Dann jedoch gibt es keine diskriminierte Minderheit mehr – sondern eine gespaltene Gesellschaft. Und so würde die soziale Ausgrenzung dann fast schon von ganz alleine einer schwarz-blauen Koalition den Weg bereiten.
Soweit der damalige Artikel.
Seit einem halben Jahr konstanter Wert
Hatte ich nun recht mit meiner Einschätzung, die AfD würde im Sommer 2025 die 25 Prozent erreichen? Ja! Nah dem ermittelten Durchschnitt der Website DAWUM („Darstellung und Auswertung von Wahlumfragen“) wurde der Wert von 25 Prozent sogar schon am 30. April 2025 erreicht. Das war zunächst nur ein einmaliger Spitzenwert; seit dem 5. September 2025 jedoch liegt die AfD stabil bei mindestens 25 Prozent und hat diesen Wert kein einziges Mal mehr unterschritten. Die AfD hält sich also seit fast einem halben Jahr konstant bei diesem Wert, zeitweise war sie deutlich darüber. Und auch meine Einschätzung, dass dies für den Status als stärkste Partei reichen müsste, hat sich bestätigt: Seit dem 5. September lag die AfD deutlich vor der CDU. Dass eine AfD mit 25 Prozent automatisch die stärkste Partei sein würde, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit: Wenn die CDU konstant 2 Prozent der SPD-Stimmen für sich gewonnen hätte, wäre die AfD zu keinem Zeitpunkt die stärkste Partei gewesen.
Ich lag richtig damit, dass die FDP und das BSW um den Einzug in den Bundestag zittern müssten, lag aber falsch bei der Linkspartei. Diese legte einen wirklich atemberaubenden Endspurt hin und konnte sich innerhalb eines Monats mehr als verdoppeln. Mittlerweile zeigt sich, dass eine starke AfD vermutlich das Ende für die FDP bedeutet: Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte diese noch 4.3 Prozent, während die AfD bei 20,8 Prozent landete. Mittlerweile ist die AfD etwa 5 Prozent stärker, während die FDP nochmals etwa 1 Prozent schwächer ist. Man mag einwenden, dass die Schwäche der FDP nicht einzig auf die Stärke der AfD zurückzuführen ist, sondern auch auf eigene Fehler. Aber nehmen wir an, ein guter Wahlkampf würde der AfD einen weiteren Prozentpunkt bescheren: Vor einem Jahr hätte das noch für den Einzug in den Bundestag gereicht, heute eben nicht mehr. Sollte die FDP in einem Monat auch in Baden-Württemberg unter 5 Prozent bleiben, könnte dies der Todesstoß für die Liberalen sein.
Etwas ist in Bewegung geraten
Andererseits hat sich nicht bestätigt, dass die AfD im politischen Betrieb „ankommt“. Nach wie vor werden ihr ein Sitz im Bundestagspräsidium und die wichtigen Ausschussvorsitzenden verwehrt. Es gibt einige Signale, dass nun tatsächlich Geld an die Desiderius-Erasmus-Stiftung fließen könnte, doch solange das Geld noch nicht geflossen ist, bleibt es beim Konjunktiv. Jedoch gab es im vergangenen Jahr mehrere Signale, die Brandmauer einzureißen, oder der AfD Spitzenposten zuzugestehen, vor allem auf der kommunalen Ebene jedoch auch durch den Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn, Außenminister Johannes Wadephul und den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Und tatsächlich gelang es der AfD erstmals entscheidende Personalien mitzugestalten. Zwar nicht, wie damals gemutmaßt über eine Sperrminorität, aber indem sie das Plenum als öffentliche Bühne nutzte. Hätten CDU und SPD eisern zusammengehalten, hätte die AfD die Nominierung Frauke Brosius-Gersdorf nicht verhindern können. Aber durch die scharfe Kritik aus Reihen der AfD an den Positionen der Juristin, regte sich auch in Unionskreisen Widerstand. Die Personalie wurde schließlich zu den Akten gelegt.
Insbesondere die Debatte darüber, ob der Verband der Familienunternehmer Vertreter der AfD zu Gesprächsrunden einladen soll oder nicht, zeigt, dass etwas in Bewegung geraten ist. Im vergangenen Jahr war auch zu beobachten, dass die Medien etwas volksnäher berichteten, als in den Jahren zuvor. Auch bei ARD und ZDF wurde über Integrationsprobleme und Ausländerkriminalität berichtet – ohne dass man beide Phänomene ins Reich der Legenden verwies. Ebenfalls jährte sich die Flüchtlingskrise von 2015 zum zehnten Mal. In mehreren Medien war zu lesen oder zu hören, dass man es eben „nicht geschafft“ habe. Sicher, die Journalisten waren nicht ehrlich genug, ihre damaligen Jubelmeldungen kritisch einzuordnen, aber sie wiederholten sie immerhin 2025 nicht. Ob sich der Trend, der auch von Julia Ruhs angestoßen wurde, 2026 fortsetzt, bleibt allerdings abzuwarten.
Kipppunkt erreicht
Der “Spiegel” warnte jedenfalls jüngst vor einem „Probesturm auf die Brandmauer“. Die alternativen Medien hätten deutlich an Schlagkraft hinzugewonnen und auch Bild und Welt würden immer häufiger die CDU kritisieren. Traditionell war die Springer-Presse eher konservativ, jedoch in den letzten Jahren zunehmend linksgrün eingefärbt. Sollte die AfD künftig sogar noch weiter in der Wählergunst steigen, gilt dort womöglich bald wieder: „Back to the roots!“ Die Medienpräsenz der AfD hat sich allerdings nicht deutlich erhöht. Der Wert von 2,6 Prozent Talkshowauftritten für AfD-Politiker im Jahr 2024 ist auf 2,8 Prozent im Jahr 2025 nur minimal gestiegen. Das ist jedoch nur eine kleine Schwankung und keine Trendwende.
Elementar wichtig ist jedoch, dass die 25 Prozent offenbar tatsächlich einen Kipppunkt darstellen – so wie von mir wie vor einem Jahr beschrieben. Denn mittlerweile rücken – natürlich nicht auf Bundesebene – Mehrheiten in greifbare Nähe. Bislang ist Robert Sesselmann der einzige Landrat der AfD und auch Bürgermeistenposten sind eher rar gesät. In den vergangenen Jahren scheiterten viele Kandidaten jedoch äußerst knapp, mit Ergebnissen zwischen 45 Prozent und 50 Prozent. Bei 25 Prozent bundesweit kann es zumindest eine Handvoll Posten mehr auf kommunaler Ebene geben, bei 30 Prozent im Bund sind dann auf einmal schlagartig mehr Mandatsträger denkbar – wenn auch nur im Osten. Sollte sich die AfD in den kommenden Monaten weiter steigern, könnte sie im Herbst dann sogar den ersten Ministerpräsidenten stellen.
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