Samstag, 14. Februar 2026

An der (authentischen!) Seite Israels

von Christian Hamann

Zerstörungen in Gaza-Stadt: Kontraproduktive Effekte



Kein Land der Welt war jemals so sehr systematischer Diskriminierung durch die UN sowie verleumderischer Hetze durch Medien und NGOs ausgesetzt wie Israel. Diese Agitation hat sich seit dem Beginn des Gaza-Krieges am 7. Oktober 2023 nochmals gesteigert. In den drei vorausgegangenen Nahostkriegen von 1956, 1967 und 1973 waren Israels Streitkräfte in der Lage, die Kämpfe innerhalb kurzer Zeit gegen eine zahlenmäßige Übermacht von mehreren arabischen Staaten siegreich abzuschließen. Dagegen jagen sie jetzt schon seit über zwei Jahren einem solchen Abschluss alleine gegen die Terrorgruppe Hamas vergeblich nach. Die deutliche Verschlechterung der Lage für Israel liegt jedoch nicht an einer Verschiebung der militärischen Kräfteverhältnisse, sondern an der Art, wie mit diesen Kräften umgegangen wird.

Es handelt sich um eine kontraproduktive “Strategie” der Kriegsführung, eine, die sich im US-Militär und generell im Westen während der 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Diese nahm, angefangen mit dem Koreakrieg (1950-1953), zunehmend selbstzerstörerische Züge an. Die Charakteristika bestanden in der oft falschen Etikettierung als “Demokratieverteidigung”, in einer Bewaffnung vermeintlich prowestlicher Kämpfer mit nachfolgender Proliferation dieser Waffen in gegnerische Hände (Beispiele Mudschahedin in Afghanistan der 1980er Jahre oder im Irak mit nachfolgendem Erstarken des IS), sowie in einer empathiefreien, jede Solidarität erstickenden Behandlung der Zivilbevölkerung. Hinzu trat eine unübersehbare Tendenz zu einer absurden Verschleppung der Kampfhandlungen.

Überproportional harte Reaktionen

Das Virus der selbstzerstörerisch hinausgezögerten Kriegsführung hat Israel nach den USA und ihren NATO-Partnern erst mit großer Zeitverzögerung erreicht – in einer inzwischen sozusagen “weiterentwickelten” Variante: Diese Mutante heißt Dahiya-Doktrin. Über diese Anti-Strategie ist die israelische Zivilbevölkerung aufgrund der üblichen lückenhaften Berichterstattung der Mainstream-Medien nur sehr unzureichend informiert. Zwar stoßen die Bürger gelegentlich auf den Begriff Dahiya-Doktrin, verbinden ihn aber lediglich mit dem Motto, dass im Falle eines Angriffs überproportional hart zurückgeschlagen wird. Dies allein würde eine bewährte Strategie im Sinne Niccolo Machiavellis repräsentieren, der zufolge ein Gegner mit kurzen, harten und entscheidenden Schlägen zur Kapitulation gebracht wird.

Gegen feindliche Kämpfer funktioniert diese Strategie perfekt – wie Israel in den Kriegen von 1967 und 1973 bewiesen hat. Nach dieser den meisten Israelis nicht bewussten Antistrategie werden zivile Infrastruktur und Wohnhäuser gezielt zerstört. Angeblich soll die dadurch leidende Zivilbevölkerung emotional gegen ihre Anführer aufgebracht werden, im Gazastreifen also die Hamas. Dieser “Strategie” fehlt jede psychologische Grundlage. Ganz im Gegenteil wird der in Kriegszeiten ohnehin präsente Effekt eines verstärkten Zusammenhalts („rally around the flag“) durch feindliche Brutalität weiter intensiviert. Die Dahiya-Doktrin hat auf diese Weise die Abkehr der palästinensischen Zivilisten von der Hamas-Führung nicht herbeigeführt, sondern verhindert. Denn diese wäre dadurch zustande gekommen, dass die Terroristen ihre Gefechtspositionen regelmäßig in Wohngebieten und sogar Schulen und Krankenhäusern eingerichtet haben.

Militärischer Erfolg gegen Terroristen nahezu unmöglich

Das ganze Ausmaß der Kontraproduktivität der Dahiya-Doktrin wird erkennbar, wenn man sie als faktische Beihilfe zur Medienpropaganda gegen Israel betrachtet. Zu dieser Hetze liefert die israelische Führung mit der überwiegend militärisch sinnlosen Verwüstung des Gazastreifens leider das Bildmaterial. Während die Gebäudeschäden den Islamisten egal sind, weil internationale Organisationen für den Wiederaufbau sorgen werden, bringt sie die vorläufige Unbewohnbarkeit des Gebiets einem geostrategischen Hauptziel näher. Dieses besteht in der Islamisierung der westlichen Welt durch Ströme entwurzelter Flüchtlinge. Diese Strategie funktioniert seit dem Libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990), als prizipienvergessene europäische Politiker damit anfingen, nicht nur tatsächlich verfolgte Christen, sondern auch Moslems aufzunehmen.

Hingegen sind die “Genozid”-Vorwürfe gegen Israel absurd, unter anderem schon deshalb, weil die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe generell im Voraus ankündigen. Die Warnungen erlauben es jedoch den gut informierten Hamas-Kämpfern noch eher als den Zivilisten, sich in Sicherheit zu bringen. Damit wird ein militärischer Erfolg gegen die Terroristen nahezu unmöglich. Zweitens führen die unvermeidbaren kollateralen Zivilopfer zu einem Imageverlust Israels und einer weltweiten Emotionalisierung gegen Juden. Ohne gründliche Kurskorrektur minimieren die Entwicklungen die Überlebenschancen der authentischen zionistischen Idee und Israels. Namentlich über Islamisierungseffekte der Flüchtlingsbewegungen sind auch alle westlichen Nationen und ihr freiheitliches Gesellschaftskonzept bedroht.

Sofortige Aufgabe der suizidalen Dahiya-Doktrin nötig

Kurskorrektur bedeutet die Infragestellung und Ablösung der gegenwärtig den Westen beherrschenden “Political Correctness” – also jener unsäglichen Pseudophilosophie, die gleichermaßen das feige Appeasement wie den zur stumpfsinnig-suizidalen Dahiya-Doktrin gesteigerten Neocon-Militarismus geboren und kultiviert hat. Ein Blick auf die politische Großwetterlage zeigt, dass es für diese Kurskorrektur keinen besser geeigneten Zeitpunkt gibt als jetzt. Eine amerikanische Armada ist auf dem Weg zum Persischen Golf. Der militärische Druck kann Verhandlungslösungen hervorbringen. Ebenso kann es zu einer sauberen, Zivilopfer und große Gefechte meidenden Befreiung der iranischen Nation von 47 Jahren Ayatollah-Diktatur kommen.

Wird jedoch versäumt, aus 80 Jahren kontraproduktiver britisch-amerikanischer Militärinterventionen zu lernen, ist eine Wiederholung und abermalige Steigerung dieser Katastrophen unausweichlich. Die ganz große Eskalation droht besonders dann, wenn es die israelische Politik versäumen sollte, die Dahiya-Doktrin unverzüglich als Suizidprogramm zu identifizieren und durch eine Ideologie der Befreiung der gegnerischen Zivilbevölkerung von ihren autokratischen Führern zu ersetzen. Ohne die allergrößte Umsichtigkeit würde sich der inzwischen auf kleinerer Flamme weiter köchelnde Gazakrieg als die Generalprobe für ungleich Schlimmeres im Iran und Israel erweisen. Die Umsichtigkeit hat die mögliche Bereitstellung von Atomwaffen durch Nordkorea zu berücksichtigen. Dasselbe gilt auch für die die realen Großmachtperspektiven der Türkei, auf deren Verwirklichung Erdogan drängt.


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