Posts mit dem Label Digitalisierung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Digitalisierung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 24. März 2026

„Digitale Gewalt“, Fernandes-Solidarisierungsdemos und falsche Freunde: Nichts gelernt aus den Fällen Lindemann und Ofarim?

von Theo-Paul Löwengrub

Selbstdarstellerin und Allzweck-Protestsirene Neubauer gestern in Berlin in ihrem Element bei der Pro-Fernandes-Demo



Auch am vierten Tag in Folge gingen gestern die Collien-Fernandes-Festspiele der selektivempörten Gesinnungsheuchler-Créme dieses Landes weiter: Gestern fand in Berlin eine “Demonstration gegen digitale Gewalt” statt – eine weitere jener für dieses Milieu mittlerweile typischen “Protest”, in denen ein regierungsfinanziertes und -höriges Milieu gemeinsam mit eben dieser Regierung (!) restriktive und autoritäre Maßnahmen fordert, indem es sich auf einen politmedial konzertiert ausgeschlachteten Anlass bezieht. Dies ist exakt dieselbe Masche wie bei der “Correctiv”-Potsdam-Operation und den auch damals auffallend zeitversetzt erfolgten zugehörigen “Enthüllungen”, als dieselben Figuren im “Kampf gegen Rechts und Faschismus“ auf die Straße gebracht wurden. Ob dies die einzige Parallele ist und nicht in diesem Fall ein ähnlicher Ausgang wie bei der nunmehr als Riesenschwindel entpuppten “Correctiv”-Lügenkampagne droht, bleibt indes abzuwarten. Die Demo fand statt unter dem geradezu hysterischen propagandistischem Sperrfeuer von „Bild“, wo man von einer „Machtdemonstration“, einer „Allianz der starken Frauen aus Politik und Show-Business“ fabulierte und die Frage stellte, ob man hier „schon bald eine neue, politische Bewegung?“ sehe.

Wer das las, könnte vermuten, hier hätten sich Hunderttausende zusammengefunden. In Wahrheit waren es rund 6.700 Teilnehmerinnen. Das Missverhältnis zwischen der überschaubaren Zahl von NGO-instruierten, zumeist prominenten “Protestlern” samt ihrer Social-Media-Bubble an linken Mitläufern, die im Fall Fernandes die Stimme erheben, und dem diesem Fall zuteil werdenden Medieninteresse erklärt sich eben aus dem Kampagnencharakter. Mit allen Mitteln soll der Staat die totale Kontrolle über die Anonymität des Internet als letzter freiheitlicher Rückzugsort andersdenkender und widerspenstiger Freigeister erlangen, von Social-Media-Verboten für Jugendliche bis vor allem hin zur Klarnamenpflicht. Seit Monaten wird dieses Ziel mit allen Mitteln verfolgt und der Kampf dafür auf verschiedenen Fronten geführt von Daniel Günther bei Markus Lanz bis zu Mobbing im Netz. Da allerdings diese wahren Absichten des übergriffigen Linksstaats, nämlich die Opposition auszuschalten und die Transformation von Energiewende bis Islamisierung, reichlich unpopulär klingen, versteckt man sie nun hinter Maßnahmen des Opferschutzes unter Aufbietung bewährter Feindbilder. Die Chatkontrolle wurde mit dem angeblichen Kampf gegen Kinderpornographie begründet, und die Klarnamenpflicht nun eben mit dem Fall Fernandes, der wie gerufen kommt.

Profilneurotische Selbstdarsteller der ersten Garnitur

Die von “Bild“ gehypten „starken Frauen“, die für Fernandes die Stimme erheben, waren auf der Demo vor allem profilneurotische Selbstdarsteller der ersten Garnitur. Klima-Fanatikerin Luisa “besser Doppelmoral als keine Moral” Neubauer nahm den Anlass gerne mit, um sich wieder einmal öffentlich aufzuplustern, da sie mit ihrem Klima-Irrsinn kaum noch jemandem hinterm Ofen hervorlockt und weil die verblassende Anmut ihrer jugendlichen attraktiven Erscheinung, die ihr stets hohe Medienpräsenz sicherte, ganz allmählich einem zunehmend verhärmten und unweiblichen Habitus weicht. Hinzu kamen andere Gestalten jenseits jeder Erträglichkeitsgrenze wie die Grünen-Chefin Franziska Brantner, ihre Amtsvorgängerin Ricarda Lang, Ex-Familienministerin Lisa Paus, die Ex-SPD-Vorsitzende Saskia Esken, natürlich die unvermeidliche Grüne Katrin Göring-Eckardt und die beiden Vorsitzenden der Grünen Jugend Henriette Held und Luis Bobga sowie deren Vorgängerin Jette Nietzard; hinzu gesellten sich noch diverse Moderatorinnen, Showsternchen und Schauspielerinnen aus der dritten und vierten Garnitur.

Vor allem Neubauer gab ihr übliches, austauschbares und zu jedem Anlass passendes Empörungsgejammer zum Besten. „Es ist ein so entscheidendes Zeichen, dass wir keine Sekunde Ruhe geben“, suhlte sich das Millionärstöchterchen in der Pose der Widerstandskämpferin. So gerne würde sie sich ja „nur ums Klima kümmern“, klagte sie. Aber das gehe nicht. „Nicht in dieser Gesellschaft und dieser Zeit und bei diesen Männern“. Denn seit fünf Jahren brauche sie selbst Personenschutz der Polizei, wenn sie zu Demonstrationen gehe, weil es “Bedrohungen von Männern” gebe. Immer wieder melde sich das Landeskriminalamt bei ihr, weil es Stalker gebe, real und im Internet. Eine Hilfsorganisation berichte ihr, dass das Internet voll sei mit sexualisierten Fakebildern von ihr – offenbar erstellt von Männern, die Gewaltfantasien, eine Sucht nach Kontrolle und Abwertung von Frauen hätten. Immerhin scheint bei Neubauer die Gefahr also nicht im Nahebereich zu lauern, von ihrem bemitleidenswerten Lebensgefährten Luis Klamroth wurden bisher jedenfalls keine Gerüchte um “virtuelle Vergewaltigung” ruchbar. Aber die gab es bis letzte Woche bei Christian Ulmen ja auch noch nicht, und da die rasenden Furien des Fernandes-Unterstützerkreises deren Anschuldigungen ja unisono auf alle Männer ausweiten, sollte Klamroth vielleicht besser schonmal Vorkehrungen treffen…

Verwässerung des Gewaltbegriffs

Inhaltlich wäre das, was diese Frauen vorbringen, wesentlich ernster zu nehmen, ginge es ihnen auch sonst um Frauenrechte und Opfer sexueller Gewalt. Doch das ist erweislich nicht der Fall. Eine Demonstration gegen die Abertausende von Gruppenvergewaltigungen durch vor allem muslimische Migranten oder den systemimmanenten Frauenhass des Islam mit seiner Kontrolle und Abwertung ihrer unter Kopftuch oder Burka gezwungenen Geschlechtsgenossinnen käme ihr natürlich nie in den Sinn. Auch die bestialischen Vergewaltigungen und Ermordungen israelischer Frauen durch die Hamas am 7. Oktober 2023 hatten Neubauer und ihre Mitstreiterinnen völlig kalt gelassen, wohl aber ereiferten sie sich permanent über die israelischen Gegenschläge gegen diesen Terror. Auch dass die Grünen erst vor wenigen Tage ein Fastenbrechen im Bundestag mit strikter Geschlechtertrennung (!) abgehalten hatten, war natürlich auch kein Thema für diese Szene. Stattdessen müssen die (nach wie vor unbewiesenen!) Anschuldigungen der „virtuellen Vergewaltigung“ Fernandes‘ gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen inmitten eines Scheidungskriegs für einen Feldzug genügen, der sich wieder vor allem gegen den „weißen Mann“ richtet, während die wahren und alltäglichen Grausamkeiten, die Frauen im Zuge der Massenmigration ganz real erleiden, wie immer ignoriert wurden.

Dieses Derailing hat Methode: So wie auch der Gewaltbegriff immer weiter verwässert wird, indem nun auch schon allzu intensiver Augenkontakt, harmlose Komplimente oder falsche Anreden per Dunkelfeldstudie des BKA als “Gewalt” definiert werden, um die importierte reale Gewalt unsichtbar zu machen, so treten nun Femizide und Gruppenvergewaltigungen als Phänomene barbarischer Zuwanderungskriminalität hinter den Anschuldigungen einer C-Prominenten gegen ihren Ex-Mann zurück. Und dass all das praktischerweise auch noch der Abschaffung der Klarnamenpflicht dient, ist den “solidarischen” Frauen dieser Republik entweder nicht bewusst – oder sie beteiligen sich an dieser Heuchelei wissentlich. Tatsächlich sind alle Parteien außer der AfD bereits auf den Gesetzesverschärfungszug aufgesprungen beziehungsweise dürften bei dieser offensichtlich konzertierten und von langer Hand vorbereiteten Kampagne von Anfang an an Bord gewesen sein.

Perfektes Zusammenspiel von Medien, NGOs und Regierung

Es hagelt nun urplötzlich, passend zum Thema, Forderungen nach neuen Gesetzen gegen „digitale Übergriffe“, die gar nicht schnell genug durch den Bundestag gepeitscht werden können und den Zensurkomplex weiter verfestigen sollen. Andere, wesentlich dringendere Gesetze, etwa zur Bekämpfung der illegalen Massenmigration, der Abschaffung der CO2-Besteuerung oder den Wiedereinstieg in die Atomenergie gibt es dagegen nicht. Es ist ein typisches Beispiel für reine Symbolpolitik – denn bereits mit der bestehenden Gesetzeslage ließen sich solche Deepfakes, deren Verbreitung Ulmen vorgeworfen wird, bereits ahnden. Dass so ein perfektes Zusammenspiel von Medien, NGOs und Regierung möglich ist, ist eine direkte Folge der (Selbst-)Gleichschaltung vieler Journalisten und des gesamten Kulturbetriebs unter ein Paradigma, das den Umbau dieses Landes von einer einstigen Vernunftgesellschaft zu einem regenbogenbunten Bullerbü des Selbstbetrugs bezweckt – auf Kosten des Wohlstands und Schulden auf Generationen.

Auch auf der charakterlichen und menschlichen Ebene tun sich Abgründe auf, wie man sie as den finstersten Zeiten der deutschen Geschichte kennt: Inzwischen gehen die Absetzbewegungen von dem seit Donnerstag zur verabscheuungswürdigsten Unperson des ganzen Landes erklärten Christian Ulmen weiter. Fahri Yardim, Ulmens langjähriger Freund und Co-Star in der Erfolgsserie „Jerks“, die nun vermutlich bald aus allen Kanälen getilgt wird und bei Pro7 schon gar nicht mehr abrufbar ist, meldete sich mit einem ellenlangen Schwurbel-Statement zu Wort, indem er Fernandes zunächst seiner “Bewunderung” für ihren „Mut“ versicherte. „Ich bin dankbar für den Zuspruch, den sie erhält. Ich fühle mit ihr und ich bin dankbar dafür, wie sie ihre persönliche Geschichte in eine Kraft übersetzt, die echte strukturelle Veränderung möglich macht“, so Yardim. „Vielleicht gibt es eine Ahnung davon, was es bedeutet, wenn sich solche Abgründe im engen Freundeskreis auftun. Wie besonders der Schock gerade dort ist“, schrieb er weiter. Er sei sich zwar bewusst, dass sein bisheriges Zögern bei einer Positionierung „nicht neutral“ sei. Es beeinflusse, welche Deutungen Gewicht bekämen. Die öffentliche und die persönliche Ebene existierten gleichzeitig – und diese Gleichzeitigkeit habe sich für ihn „nicht in eine schnelle, eindeutige Position übersetzen“ lassen. Der Höhepunkt dieser Haltungsnabelschau ist die folgende Passage: „Ich will diese Ambiguität nicht romantisieren: Sie kann Erkenntnis ermöglichen, aber auch Verantwortung verschieben, Entscheidungen verzögern und bestehende Machtverhältnisse stabilisieren“.

Charakterlicher Totalausfall Stuckrad-Barre

Noch übler verhielt sich, wenn auch wenig überraschend, der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Dieser hatte den öffentlichen Bruch mit seinem „Freund“ Ulmen bereits zuvor, aber nicht weniger wortreich vollzogen. Natürlich fühlte auch er sich bemüßigt, dramatisch mitzuteilen, er befände sich „in einer Art Schockzustand“ – und deshalb müsse er sich „hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren, muss das deutlich benennen, weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung“. Es falle ihm „sehr schwer“, leicht sei nichts daran, aber es sei „simpel“, so Stuckrad-Barre. Weiter ließ er wissen: „Es ist an niemandem sonst als an uns Männern, festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben“. Fernandes sei „ohne Wenn und Aber Opfer entsetzlicher digitaler Gewalt geworden, und dass offenbar auch durch Christian“ (sic!). Sein Mitgefühl, seine Solidarität gehöre „alleiniglich ihr“ – damit hat Stuckrad-Barre die deutsche Sprache gleich noch um ein neues Wort bereichert. Hier zeigt dieser einst gefeierte “Pop-Literat” erneut die ekelhaften Charaktereigenschaften, die er bereits vor drei Jahren mit seinem Roman „Noch wach?“ offenbarte, in dem er seinen langjährigen väterlichen Freund und Förderer, Springer-Chef Mathias Döpfner, eiskalt der Lächerlichkeit preisgab – und das ohne jeden äußeren Druck, vielmehr aus reiner Niedertracht.

Ulmen hatte einst Stuckrad-Barres Late-Night-Shows produziert und „Noch wach?“ massiv beworben; doch in all diesen Jahren will er nichts von den charakterlichen Abgründen seines vermeintlichen Freundes mitbekommen haben? Abgesehen vom Zeitablauf im Fall Fernandes, von der Tatsache, dass sie von der angeblichen Schuld ihres Mannes zu einem Zeitpunkt wusste, da sie offensiv und lasziv schon wieder öffentlich auf der Suche nach Männern war sowie von ihren früheren anzüglichen Kommentaren im Playboy oder als Covergirl von Männermagazinen: Es gilt generell die Unschuldsvermutung für Ulmen – und sie sollte in Männerfreundschaften eigentlich im Besonderen gelten.

Orgie der Heuchelei

Doch Stuckrad-Barre und andere Abtrünnige sind keine Männer; es sind Feiglinge – und das selbst dann, wenn sich am Ende entgegen aller begründeten Zweifel tatsächlich herausstellten sollte, dass alle Vorwürfe zutreffen. Denn sie zeigen von Ulmen jetzt ebenso geheuchelte Abkehr, wie sich umgekehrt Fernandes‘ solidarische “Unterstützerinnen” plötzlich als ihre engsten Weggefährtinen aufspielen. Immer auf systemkonformer und politmedial erwünschter Seite mitlaufen! Es ist eine einzige Orgie der Heuchelei, die sich hier abspielt und bei solchen Freunden braucht man in der Tat keine Feinde mehr. Die Angst, von der Kulturblase ausgestoßen zu werden, übertrumpft offensichtlich jede Regung von menschlichem Anstand.

Nichts, rein gar nichts hat dieses Milieu gelernt aus den Fällen Andeas Türk, Jörg Kachelmann, Till Lindemann und Gil Ofarim, um nur wenige zu nennen, in denen sich die erhobenen Vorwürfe der monatelang mit riesigem Getöse inszenierten “Opfer”, die sich in grenzenloser öffentlicher Solidarität und einem Meer von Mitgefühl badeten und für ihren “Mut, die Stimme zu erheben” zu Helden stilisiert wurden, am Ende in Luft auflösten oder sich gar als bösartige Lügen entpuppten. Die wahren Opfer waren am Ende die Täter – und zwar von Verleumdungen, versuchter oder vollendeter beruflicher Existenzvernichtung und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Diese lehrreichen Beispiele werden geflissentlich unter den Teppich gekehrt, obwohl sie eigentlich ein Umdenken zu mehr Zügelung und Vorsicht bewirken müssten. Das bedeutet NICHT, dass man Fernandes nicht glauben soll; es soll lediglich zur eigentlich selbstverständlichen gebotenen Zurückhaltung gemahnen. Doch stattdessen gilt die Devise „schuldig bei Verdacht“, werden die Beschuldigten – egal, wie nahe man ihnen gestern noch stand – ans Kreuz geschlagen und ist man bereit, selbst jene aus den eigenen Reihen auszuschließen und in den Dreck zu treten, die gestern noch als Teil der eigenen Community galten. BEIDE Seiten anzuhören und eine gebotene Skepsis obwalten zu lassen, kommt niemandem in den Sinn – man will ja nicht, wie bei Epstein, als Teil des Täterumfelds gestempelt werden! Dass ein Urteil am Ende, nicht am Anfang eines Prozesses stehen muss – sollte für Gerichtsverfahren ebenso gelten wie für mediale Schauprozesse, ebenso wie “audiatur et altera pars”. Doch die hierzulande maximal hysterisierte, infantile Empörungs- und Aufmerksamkeitsmaschinerie lässt keine Zeit mehr für rechtstaatliche Prinzipien; vor allem dann nicht, wenn mal dem in Rede stehenden ausgeschlachteten Skandal offensichtlich eine politische Agenda verfolgt werden soll.


Mittwoch, 25. Februar 2026

Warum der digitale Heimvergnügungs-Trend den klassischen Ausgang zunehmend verdrängt

von Torben Botterberg

Digitales Entertainment: Man muss das Haus nicht mehr verlassen, um sich in seiner Freizeit zu amüsieren



Das Bild des klassischen Wochenendes hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Während früher der Samstagabend fast zwangsläufig mit einem Besuch in Bars, Kinos oder Clubs verbunden war, entscheiden sich heute immer mehr Menschen für das heimische Wohnzimmer als primären Ort der Freizeitgestaltung. Diese Entwicklung ist keineswegs nur einer gesellschaftlichen Trägheit geschuldet, sondern resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel technologischer Innovationen und veränderter ökonomischer Rahmenbedingungen. Das Zuhause hat sich von einem bloßen Rückzugsort zu einer hochgerüsteten Entertainment-Zentrale entwickelt, die in puncto Erlebnisqualität oft mit externen Angeboten konkurrieren kann.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und belegen, wie tiefgreifend das Digitale unseren Alltag durchdrungen hat. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass die durchschnittliche Online-Zeit der Deutschen neue Höchststände erreicht hat. Laut der Postbank Digitalstudie verbringen die Menschen hierzulande inzwischen ganze drei Tage pro Woche online, was einem wöchentlichen Pensum von 72 Stunden entspricht. Dieser massive Anstieg der digitalen Präsenz korreliert direkt mit dem Rückgang physischer Freizeitaktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände..

Digitale Dauerpräsenz und die neue Bequemlichkeit

Hinzu kommt ein ganz praktischer Faktor: Bequemlichkeit. Streaming-Dienste liefern Blockbuster in 4K-Qualität direkt auf den Fernseher, Gaming-Plattformen ermöglichen soziale Interaktion ohne Anfahrt, und selbst komplexe Unterhaltungsangebote sind rund um die Uhr verfügbar. Anfahrtswege, Eintrittspreise, Warteschlangen oder überfüllte Locations entfallen. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten spielt auch der Kostenaspekt eine Rolle – ein Abend zu Hause ist planbarer und oft deutlich günstiger als ein spontaner Ausflug in die Innenstadt.

Die schiere Anzahl an verfügbaren Optionen macht es jedoch zunehmend schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Ständig drängen neue Anbieter von Streaming-, Gaming- und interaktiver Unterhaltung auf den Markt und erhöhen so den Bedarf an sorgfältig zusammengestellten Übersichten. Beispielsweise bieten neue Online-Casinos oft überdurchschnittlich hohe Boni, neue Spielgenres wie Crash-Glücksspiele und mehr Ein- und Auszahlungsmöglichkeiten (Quelle: siehe hier). Diese permanente Verfügbarkeit von Alternativen, die nur einen Klick entfernt sind, senkt die Hemmschwelle, das Haus zu verlassen, spürbar. Der digitale Heimtrend ist kein kurzfristiger Hype, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels. Freizeit wird zunehmend flexibel, individualisiert und technisch vermittelt organisiert – und das Wohnzimmer steht dabei längst im Zentrum dieser Entwicklung.

Veränderte Prioritäten bei der individuellen Freizeitgestaltung

Der soziokulturelle Wandel zeigt sich besonders deutlich in der Bewertung von „Quality Time„. Früher wurde Qualität oft an der Exklusivität eines Events oder der sozialen Interaktion an öffentlichen Orten gemessen. Heute definieren viele Menschen Lebensqualität über Autonomie und Komfort. Das eigene Heim bietet eine kontrollierbare Umgebung ohne Kleiderordnung, Anfahrtswege oder überfüllte Räume. Diese Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis: Das Gefühl der digitalen Sättigung nimmt zu. Interessanterweise ist den Nutzern diese Ambivalenz durchaus bewusst. Es existiert ein wachsender Wunsch nach einer bewussten Abkehr vom Bildschirm, der jedoch oft an der Realität scheitert.

Daten des Bitkom zeigen, dass zwar über ein Drittel der Menschen eine digitale Auszeit plant, die Umsetzung dieser Vorsätze aber oft schwierig ist. Konkret nahmen sich zuletzt 36 Prozent der Befragten vor, ein „Digital Detox“ durchzuführen, doch die Sogwirkung der digitalen Angebote und die soziale Vernetzung über Plattformen hinweg machen eine konsequente Abstinenz für viele zur Herausforderung. Der Wille zur analogen Interaktion ist vorhanden, konkurriert aber ständig mit der bequemen Verfügbarkeit digitaler Ersatzbefriedigungen.

Die wirtschaftliche Attraktivität kostengünstigerer Digitalangebote

Neben den psychologischen und sozialen Aspekten ist der ökonomische Faktor ein entscheidender Treiber dieser Entwicklung. Die Inflation der letzten Jahre hat die Kosten für Gastronomie, Kulturveranstaltungen und Mobilität spürbar in die Höhe getrieben. Ein Abendessen im Restaurant gefolgt von einem Kinobesuch oder Clubaufenthalt summiert sich schnell zu einem Betrag, für den man mehrere Monate lang Zugang zu diversen Streaming-Diensten oder Gaming-Abos finanzieren kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich massiv zugunsten der Heimunterhaltung verschoben. Während der Preis für ein einziges Konzertticket oft im dreistelligen Bereich liegt, bieten digitale Abonnements für einen Bruchteil der Kosten unbegrenzten Zugriff auf riesige Medienbibliotheken.

Für viele Haushalte, ist der digitale Konsum schlichtweg die rationalere ökonomische Entscheidung. Die Technologie ermöglicht es, kulturelle Teilhabe, wenn auch in virtueller Form, zu einem Bruchteil der Kosten zu erleben, die für physische Präsenz fällig wären. Dies führt dazu, dass der „Ausgang“ wieder zu einem Luxusgut wird, das man sich für besondere Anlässe aufspart, während der Alltag fest in digitaler Hand bleibt.

Explosion der Anbieterdichte und ständige Verfügbarkeit

Der Markt für digitale Unterhaltung ist längst kein Monopol weniger großer Player mehr, sondern ein hochgradig fragmentiertes Ökosystem. Diese Fragmentierung führt zu einem intensiven Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Nutzer, was wiederum die Qualität und Vielfalt der Angebote steigert. Von Nischen-Streaming-Diensten für Arthouse-Filme bis hin zu hochspezialisierten Gaming-Communitys findet heute fast jedes Interesse eine digitale Heimat. Allerdings zeigen aktuelle Marktanalysen, dass das Wachstum in bestimmten Bereichen an natürliche Grenzen stößt. Die Nutzung etablierter Kanäle pendelt sich auf hohem Niveau ein, ohne noch die explosiven Zuwachsraten früherer Jahre zu verzeichnen.

So verdeutlicht die ARD/ZDF-Medienstudie, dass sich Social Media zwischen Wachstum und Sättigung bewegt, wobei die wöchentliche Nutzung bei etwa 63 Prozent der Bevölkerung liegt. Dies deutet darauf hin, dass der Markt reifer wird und sich der Kampf der Anbieter nun weniger um Neukunden, sondern um die Haltedauer der bestehenden Nutzer dreht. Für den Konsumenten bedeutet dies eine noch aggressivere Optimierung der Inhalte auf seine persönlichen Vorlieben, was den Anreiz, die digitale Blase zu verlassen, weiter verringert.

Langfristige Folgen für die traditionelle Eventbranche

Die Verschiebung hin zum digitalen Heimvergnügen stellt die traditionelle Gastronomie- und Eventbranche vor existenzielle Fragen. Es reicht heute nicht mehr aus, einfach nur „geöffnet“ zu haben. Um Menschen von ihren Bildschirmen wegzulocken, müssen physische Orte Erlebnisse bieten, die digital nicht reproduzierbar sind. Haptik, Atmosphäre, Gerüche und die Unmittelbarkeit menschlicher Begegnungen werden zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen des klassischen Ausgangs.

Wir werden vermutlich eine weitere Ausdifferenzierung erleben: Auf der einen Seite hochpreisige, exklusive Live-Events, die als bewusster Kontrapunkt zum digitalen Alltag zelebriert werden, und auf der anderen Seite eine fortschreitende Verschmelzung von digitaler und physischer Realität. Hybrid-Veranstaltungen und interaktive Konzepte könnten die Brücke schlagen. Fest steht jedoch, dass der bloße Konsum von Unterhaltung dauerhaft ins Digitale abgewandert ist und die physische Welt sich neu erfinden muss, um relevant zu bleiben.


Mittwoch, 9. Oktober 2024

Das Ende des gedruckten Buches rückt näher

von Gerd und Renate Reuther...

Das gedruckte Wort soll ins überwachte, verfälschbare Digitale abgedrängt werden



Digitale Scheiterhaufen für unerwünschte Fakten und Gedanken sind nur dann voll wirksam, wenn es keine physisch greifbaren Belege mehr gibt. Das gedruckte Wort steht deswegen schon länger auf der Liste gefährdeter Kulturgüter. Da der Buchhandel trotz aller Begünstigungen für e-Books und Audio-Books 95 Prozent seines Umsatzes mit Gedrucktem macht, werden jetzt schärfere Geschütze aufgefahren, um einer geistigen Anregung bei Stromausfall Einhalt zu gebieten.

Niemand hat die Absicht, Bücher zu verbieten. Auch die Meinungsfreiheit soll nicht in Gefahr sein. Die EU-Kommission sorgt sich alleine um die Natur. Und da Bücher nun einmal aus Papier bestehen, seien sie eben eine grundsätzliche Gefahr für unser Ökosystem. Daher sah man sich gezwungen eine neue EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR – EU 2023/1115) zu erlassen, die ab dem 30. Dezember 2024 verpflichtend anzuwenden ist.

Lieferkettenverordnung als Schikane für Verlage

Ab diesem Zeitpunkt müssen alle, die Bücher in Umlauf bringen, mit jeder Ihrer Lieferungen die nachfolgenden Informationen bereitstellen:
  • HS-Code der Ware
  • Erzeugerland des Holzeinschlags, in dem die relevanten Rohstoffe zum jeweiligen Buch erzeugt wurden;
  • Geokoordinaten aller Grundstücke, auf denen die relevanten Rohstoffe zum jeweiligen Buch erzeugt wurden;
  • Zeitpunkt der Erzeugung;
  • Bestätigung der Erfüllung der Sorgfaltspflicht, dass jedes Produkt entwaldungsfrei ist und gemäß den einschlägigen Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes erzeugt wurde; Referenznummer der Sorgfaltserklärung aus dem Informationssystem der Europäischen Kommission.
Das ganze Machwerk ist eine direkte Folge der sogenannten EU-Lieferkettenverordnung, die nach zwischenzeitlichen Widerständen vom EU-Parlament durchgewunken wurde.

Existenzbedrohende Strafen

Aber wie soll ein Verlag für jede Buchseite garantieren, dass diese ohne Entwaldung entstanden ist? Gedruckt wird meist weit entfernt. Die dortige Druckerei bekommt ihr Papier von verschiedenen Lieferanten, die sich wiederum flexibel von diversen Zellstoffherstellern versorgen. Deren Holz stammt von verschiedensten Händlern aus Regionen in aller Welt je nach Preis und Qualität. Wenn während des Drucks einer Auflage der Papiervorrat nachgefüllt werden muss, kann er aus einer anderen Charge stammen. Aber derjenige, der das Buch in den Handel bringt, muss mit seiner Unterschrift die Einhaltung der Verordnung EUDR – EU 2023/1115 garantieren. Die Strafen bei einem Verstoß dürften – wie heute an der Tagesordnung – existenzbedrohend sein.

Und dies ist nur der vorerst letzte Anschlag. Ein Druckerei-“Sterben“ hat bereits dazu geführt, dass selbst in Großstädten selten ein Buch vor Ort produziert wird. Haltbarere gebundene Ausgaben sind für kleinere Auflagen oft zu teuer und aufgrund der Engpässe bei Buchbindereien nicht umgehend lieferbar. Die Papierpreise sind inzwischen durch die Decke gegangen. Kleinere Verlage können dadurch Bücher jenseits von 200 Druckseiten gar nicht mehr zu einem verkäuflichen Preis anbieten. Große Verlage, die durch eine enge Verflechtung mit Papierproduzenten (zum Beispiel dem Bonnier-Konzern aus Schweden) exklusiven Zugang haben, betrifft das dagegen weniger oder gar nicht. Eine weitere Verlagskonzentration ist damit vorgezeichnet.

Bruch des Copyrights elektronischer Urheber

Als wenn dies noch nicht genug Zerstörungskraft hätte, hat die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) als private Vertretungsorganisation der Autoren noch beschlossen, dass jede Veröffentlichung auf elektronischem Wege ohne Berücksichtigung des Copyrights an Dritte weitergegeben werden kann – wobei diese Nutzer dann gegenüber den Urhebern haftungsfrei gestellt sind. Die Autoren können dagegen noch bis zum 29. November Widerspruch einlegen. Es ist allerdings zweifelhaft, ob dieser Widerspruch den Beschluss kippen wird. Wahrscheinlicher ist, dass den Verweigerern die Mitgliedschaft und damit die Teilhabe an Tantiemen für verbreitete Werke entzogen wird.

Angesichts dieses hybriden Kriegs gegen das Kulturgut Buch ist die Reaktion auch in alternativen Medien bisher kaum wahrnehmbar. Der Angriff auf die Hardware der Aufklärung ist aber nicht weniger gravierend als der auf die „Software“ der Inhalte im Digital Services Act der EU. Schließlich braucht die Desinformationspolizei gar nicht mehr aktiv zu werden, wenn ein Buch nie gedruckt wurde. Haben Sie noch eine Schreibmaschine und Kohlepapier für Durchschläge verfügbar?

Mittwoch, 15. März 2023

Es ist ein Prozess…

von Rocco Burggraf...

Acht Wochen hat es gedauert, bis ich vorgestern nun im Beisein meiner staunenden Eltern in einem fulminanten, vier Stunden währenden Schlussakt zwei 49-Euro-Tickets für den deutschlandweiten öffentlich-rechtlichen Personennahverkehr geordert hatte. Online, das Ganze. Dem vorausgegangen waren Anschaffung und Einrichten eines seniorengerechten Notebooks samt Drucker, Fertigung maßgeschneiderter Handlungsanweisungen auf DIN A4 (Schriftgröße 14), Einrichten von Accounts, Mailadressen, Bankvollmachten, Online-Zugängen, einfachen, Super- und Wiederherstellungspins, Seal-Nummern, beantworteten Verifizierungsalgorithmen, Herunterladen von TAN-Generatoren, eingerichteten Lastschriftverfahren, Kündigungen bestehender Abonnements, Durchforsten von Postbank-Foren mit leidgeprüften Kundenselbsthilfegruppen, Beantworten von Bestätigungsmails sämtlicher Beteiligter und diverser Zugangsdaten mit den vorgeschriebenen Sonderzeichen, Geburtstagen, Handynummern und der schwierigen Entscheidung zwischen allgemeinen oder doch personalisierten Werbebotschaften.


Das angekündigte Handyticket kann derzeit noch nicht beantragt werden. Nun werden also Chipkarten erwartet. Und eine monatliche Ersparnis von 50 Euro; allerdings um en Preis (m)einer nun vermutlich deutlich verkürzten Lebenserwartung. Das Ansinnen, meinen Erzeugern die Vorzüge der Digitalisierung nahezubringen, muss ich wohl als gescheitert betrachten. Kommt vor. Ich hoffe, die E-Postkutsche kommt mit den Beförderungsgutscheinen wenigstens den Berg hoch. Warm genug dafür ist es ja. Den biometrischen Lichtbildausweis dürfen sie halt dann nicht vergessen! Schließlich gilt es zu verhindern, dass sich eine polizeiliche Sondereinheit auf der Wache mit der Wiederherstellung der öffentlichen Beförderungsordnung befassen muss.

Alltagsbeherrschende Projekte

Bereits vor drei Monaten hatte ich mit dem "Projekt Führerscheintausch” begonnen, dass nun wahrscheinlich im April abgeschlossen sein wird. Solche Projekte beherrschen jetzt meinen Alltag. Täglich informiere ich unzählige Behörden über mein Tun und Lassen, und darüber, was sie von mir, meinen Angehörigen und meinen Auftraggebern an finanziellen Zuwendungen zu erwarten haben. Zwischendurch betreibe ich noch ordinär Familiäres, schreibe mir den Frust über den Absturz meines mir nach langer Wartezeit zugesprochenen Heimatlandes von der Seele und versuche meinem Beruf nachzugehen. Ich gehöre dabei keineswegs zu den Langsamen. Ganz im Gegenteil. Ich weiß nach jahrelanger Beschäftigung mit der Materie, was zu tun ist. Wo man anruft. An welchen Strippen man ziehen muss. Mit wem man gut zusammenarbeitetet und mit wem besser nicht. Von der Beauftragung eines größeren Bauprojektes bei mir bis zur Schlüsselübergabe an die sogenannten „Bauherren“ (eine noch weitgehend unentdeckte Begriffsaltlast) veranschlage ich derzeit drei Jahre. Nicht wenige listige Kollegen offerieren bei der Auftragsvergabe nur zwei - und erklären dann den entgeisterten Auftraggebern hinterher, warum es vier oder fünf gedauert hat.

Den wenigsten dürfte es entgangen sein, dass das Unterfangen, in Deutschland ein Haus zu bauen, inzwischen zu einem ähnlichen technischen, logistischen und vor allem bürokratischen Affenzirkus wie die oben beschriebenen Digitalisierungsbestrebungen geworden ist. Nur eben proportional größer. Eine der unzähligen, von mir gern angeführten Grotesken ist, dass luftdichte Gebäudehüllen gefordert werden, nur um anschließend mit einem ausgetüftelten Lüftungskonzept und teuren Spezialbauteilen dafür zu sorgen, dass man drinnen doch noch Luft kriegt und die Ecken hinterm Schrank nicht schwarz werden. Deutsche Wände und Decken sind doppelt so dick wie im europäischen Durchschnitt und mindestens dreimal so teuer - und schon werden neue Ummantelungen vom vor Ideen sprühenden Kinderbuchautoren gefordert. Neue Heizungen sowieso. Was im Großen so prima funktioniert, kann ja im kleinen Häuschen des gemeinen Werktätigen nicht falsch sein! Man verbietet also schon mal Heizungssysteme und hofft darauf, dass irgendwer schon neue herstellt und einbaut.

Irrationales Wünschdirwas

Ein Muster vielleicht? Nun ja. Erst würgt man den Wohnungsbau mit irrsinnigen Vorschriften und Teuerungen ab, dann lädt man Millionen neue Bewohner zum Kommen ein. Erst verkündet man in aller Welt, wir hätten Platz - und dann stapelt man Container, schmeißt Mieter aus ihren angestammten Behausungen und schlägt leninistische Enteignungen vor. Erst verbietet und demontiert man modernste Kraftwerke, und dann hofft man auf Speicher, Wetter und Himmel. Zuerst beschließt man das Verbot von Millionen Fahrzeugen und hofft dann inständig auf die plötzliche Entstehung einer funktionierenden Ladeinfrastruktur und einen flächendeckend funktionierenden öffentlichen Verkehr. Erst verbietet man Opposition und Kritik, wo immer es geht - und hofft dann darauf, dass die Demokratie auch ohne Widerrede klarkommt. Die Welt als utopistisches, von jeglicher Rationalität befreites Wünschdirwas.

Aber zurück zum Bauen. Da will man den normativen Dschungel jetzt mit einem Verzweiflungsakt durchschlagen. Die Machete für den regulatorischen Wildwuchs heißt „Gebäudetyp E“ und bedeutet nichts anderes als eine umfassende Befreiung vom inzwischen völlig irrsinnigen Vorschriftenballast. Früher gründete man im Fall des Nicht-mehr-weiter-Wissens einen Arbeitskreis. Jetzt heißt das dynamisch und bedeutungsschwanger „Taskforce“. Eine solche „Taskforce Gebäudetyp E“ kümmert sich derzeit darum, die gemeinte Genehmigungsrevolution in eine kleidsame, dem deutschen Behördenwesen angepasste Vorschrift zurückzuverwandeln. Deutscher geht’s einfach nicht. Zur Gesichtswahrung wird nicht etwa die absurde Baugesetzgebung endlich ans reale Leben angepasst - sondern man erfindet eine Vorschrift zur Befreiung von Vorschriften.

Überfordertes bräsiges Technokratiemonster

Ein Schema auch das: Aussetzung von Strafen... Duldung von Nichtaufenthaltsberechtigten… Einschränkung von Grundrechten und EU-Verträgen. Unzählige Potemkinsche Kulissen, mit denen überall das krasse Versagen des Systems überdeckt werden soll. Die Deutschen haben sich zwar den im Verhältnis zur Bevölkerung mit weltgrößten und teuersten Verwaltungsapparat gegönnt; der kann aber keine einzige der ihm gestellten Aufgaben noch halbwegs befriedigend bearbeiten, geschweige denn aufkommende Krisen bewältigen. Mit jeder neuen Herausforderung zeigt sich das bräsige Technokratiemonster verlässlich überfordert und muss durch neue, aus dem Boden gestampfte Sondereinheiten ersetzt werden. Denen freilich regelmäßig auch nichts weiter einfällt, als dem Steuerzahler noch tiefer in die Taschen zu greifen. Notfalls an bestehenden Gesetzen vorbei.

Anleihekaufprogramme. Rettungsfonds. Sondervermögen. Transferleistungen. So heißen die Werkzeuge, mit denen Hochstapler eine funktionierende Marktwirtschaft herbeisimulieren. Das wiederholt sich bei immer neuen Bankenzusammenbrüchen, die mit Rettungsfonds aus Steuergeldern beantwortet werden. Das ist so im "Pandemie”-Fall, wenn plötzlich nicht legitimierte Expertenräte, Medien und Ministerpräsidentenkonferenzen die Geschicke des Landes bestimmen und mit Nothilfeprogrammen den Zusammenbruch der Wirtschaft verhindern müssen. Das ist so im Kriegsfall, bei dem plötzlich bemerkt wird, dass wir eine Parlamentsarmee mit lauter Holzsoldaten in den Kasernen sitzen haben, die weder über Gerät, Munition noch Kompetenzen verfügt und für die nun abermals Sonderpakete im dreistelligen Milliardenbereich geschnürt werden müssen. Die Zahlenden sind immer dieselben.

Das Ende in Scherben

Die vielen Auguren aus Ökonomie, Rechtsstaat, Militär trauen sich regelmäßig erst am Ende ihrer Karrieren, auf das Kartenhaus hinzuweisen, auf das ein Schneeballsystem zurollt. Hier ist von oben bis unten jeder sich selbst der Nächste, und die Sintflut ist vermutlich… dann eben da. Die ablegenden Archen kann man derzeit kaum noch zählen.

Mit den vorhandenen Strukturen, Kontrollmechanismen und innerhalb geltender Gesetze - darunter dem Grundlegendsten von allen - geht offensichtlich nichts mehr. Deutlicher als mit den permanenten halsbrecherischen Rettungsaktionen zu Lasten der Bürger kann sich ein politisches System gar nicht mehr als dysfunktional delegitimieren. Dass das auch fürderhin so weitergehen wird, bis am Ende alles in Scherben fällt, kann man nicht zuletzt am Bildungssystem erkennen, bei dem wir sukzessive im internationalen Vergleich abschmieren und seit nunmehr 30 Jahren von "Reformen” schwafeln. Die gelernte Elternbeirätin Saskia Esken hat daher jetzt eine revolutionäre Idee: Sie fordert im Rahmen des Bildungsgipfels ein (Überraschung!) „100 Milliarden schweres Sondervermögen“. Es ist übrigens der einzige Vorschlag, von dem in Bezug auf Bildung etwas zu lesen ist. „Es ist ein Prozess!“ betont dazu die Bildungsministerin Stark-Watzinger. Wer mag da jetzt noch widersprechen?



Dienstag, 27. Juli 2021

How it start's, how it end's...

"Wie wir feststellen mussten, befinden Sie sich weiterhin im Besitz einer augenscheinlich unbeschädigten Satellitenschüssel. Überdies erscheinen ⅓ des 1. Stocks begehbar und bieten somit Platz für Rundfunkempfangsgeräte."

Bild

Freitag, 11. Juni 2021

Grüne Dominanz in Sachen Annalena auf Wikipedia...

von Thomas Heck...

Die Kanzlerschaft der Grünen Annalena Baerbock ist vielleicht noch nicht abgesagt, ist aber zumindest für dieses Wahljahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verschoben. Es war vielleicht eine "Präzisierung" zu viel, wie die Korrektur von Fehlern so eloquent tituliert werden, die dem Wähler unangenehm aufstieß. 




Nun müsste die Demontage der Kanzlerkandidatin Baerbock nun ja auch auf Wikipedia ihren Niederschlag finden, doch das Gegenteil ist der Fall. Weil willfährige grüne Helferlein eine Dominanz im «edit war» erzeugen, was eine ganze Menge über Annalena Baerbocks Eintrag über Wikipedia aussagt und die Deutungshoheit über die Geschehnisse der letzten Woche für sich beanspruchen soll. 

Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist wegen skurriler Aussagen zur Energiespeicherung und frisierten Angaben in ihrem Lebenslauf in die Kritik geraten. Warum konnte man darüber lange nichts bei Wikipedia lesen?

Lange war das Bild makellos, jetzt ist die grüne Kanzlerkandidatin in die Kritik geraten: Annalena Baerbock bei einem Fotoshooting, 20. Mai 2021.



Wer sich auf Wikipedia über die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock informieren will, begegnet einer kompetenten, engagierten und sympathischen Person. Bereits als Kind, so erfährt man etwa, hat sie «an Menschenketten gegen das Wettrüsten und an Anti-Atomkraft-Demos teilgenommen». Nebenbei hatte sie Zeit, in der Leistungssportart «Doppel-Mini-Tramp» dreimal Bronze zu holen. Dazu gibt es zahlreiche Informationen zu Baerbocks politischem Werdegang und ihren politischen Forderungen, etwa nach einer «sozial-ökologischen Marktwirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen».

Baerbock glänzt, Laschet «sorgt für Empörung» 

Nur eine Passage passt nicht ganz ins positive Gesamtbild: Sie stammt vom 22. Mai und erwähnt, dass Baerbock der Bundestagsverwaltung Nebeneinkünfte von rund 25 000 Euro zu spät meldete. Doch dieses «blöde Versäumnis» (Baerbock) ändert nichts daran, dass die millionenfach besuchte Online-Enzyklopädie ein fast makelloses Bild der grünen Politikerin zeichnet. Dies ist umso auffälliger, als bei anderen Politikern oft jede umstrittene Aussage und jedes potenziell fragwürdige Gebaren thematisiert wird. 

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet zum Beispiel muss sich auf Wikipedia vorhalten lassen, er habe ein Honorar für ein Sachbuch zu spät versteuert und als Lehrbeauftragter Prüfungen abenteuerlich benotet. Dazu erfährt man, dass er mit seiner Behauptung, Rumänen und Bulgaren seien für einen Corona-Ausbruch bei Tönnies verantwortlich, «für Empörung» sorgte. Schliesslich gibt es auch inhaltliche Kritik: «Aktivistin» Luisa Neubauer, so weiss Wikipedia, findet Laschets Klimapläne 
«unzureichend».

Annalena Baerbocks Wikipedia-Profilbild (9. Juni 2021)



Im Gegensatz zu Laschet und vielen anderen Spitzenpolitikern gibt es bei Baerbock nicht einmal die sonst üblichen Wikipedia-Rubriken «Kritik» oder «Positionen, Kontroversen und Rezeption». So erfuhr man bis zum 9. Juni nicht, dass sie wegen falscher und irreführender Aussagen zu ihrem Lebenslauf seit Wochen für Diskussionen sorgt. Oder dass sie in einer ARD-Sendung mehrmals sagte, in Batterien stecke «Kobold». Oder dass sie behauptete, «das Netz» fungiere für erneuerbare Energien «als Speicher». 

Eine Oligarchie entscheidet, was richtig ist

Diese Unterschiede zwischen Baerbock und Laschet sind keineswegs zufällig. Denn Wikipedia-Artikel zu umstrittenen Themen und Personen sind das Ergebnis langwieriger Debatten, Streitereien, Änderungen und Löschaktionen, von denen die meisten Wikipedia-Nutzer weder wissen noch etwas mitbekommen. Fachleute sprechen von «edit wars» (Redigierkriegen), die sich Wikipedia-Autoren und Administratoren im Hintergrund liefern. Dokumentiert sind diese «Kriege» auf Diskussionsseiten, wo auch unterschiedliche Versionen und gelöschte Beiträge zu finden sind.

Gemäss einer Wikipedia-Statistik gehörten im vergangenen Monat so unterschiedliche Themen wie «Covid-19-Pandemie», «Israel-Gaza-Konflikt» und «geschlechtergerechte Sprache» zu den umstrittensten Wikipedia-Artikeln im deutschsprachigen Raum. Der Eintrag «Annalena Baerbock» hat es bei den am häufigsten geänderten Artikeln im Mai auf Platz 17 geschafft, noch vor «Bundestagswahl 2021». 

Obwohl bei Wikipedia theoretisch jeder mitschreiben kann, ist dieses System anfällig für ideologisch motivierte Willkür und Doppelstandards, sobald es politisch wird (allerdings kann selbst ein harmloses Thema wie «Sylt» einen «edit war» auslösen).

Der Wikipedia-Co-Gründer Larry Sanger drückte es in einem Interview so aus: «Es gibt heute eine allgemeine Tendenz zur Ideologisierung. Das betrifft die öffentliche Meinung, den Journalismus – und Wikipedia.» Hier versuche eine rechthaberische Oligarchie von sogenannten Experten, den Leuten vorzuschreiben, «was wichtig und richtig» sei.

Unter Baerbockologen

Was Sanger damit meint, lässt sich anhand des Baerbock-Eintrags gut nachvollziehen. Die Diskussionen über das, was auf Wikipedia über die Grüne zu lesen sein soll, umfassen ganze 37 Druckseiten (Stand 9. Juni). Dabei zeigt sich, dass sich einzelne Nutzer durchaus eine ausgewogenere, kritischere Darstellung wünschen. «Was soll das?», so fragte sich jemand bereits Anfang Februar, «bei rechten Politikern steht jeder kleine Fehler drin, und bei Annalena Baerbock darf nicht mal ein Absatz zur Kritik stehen?»

Wie selbstherrlich manche Wikipedia-User zu Werke gehen, zeigt ein Vorfall vom 19. Mai. Damals fügte ein Benutzer um 16.43 Uhr die Information ein, wonach Baerbock ihre Nebeneinkünfte von mehreren zehntausend Euro viel zu spät gemeldet habe. Nur wenige Minuten später, um 16.55 Uhr, entfernte ein anderer Nutzer diese Neuerung wieder. Begründung: «Wikipedia ist kein Newsticker.» Am 22. Mai wurde die Information dann doch wieder eingefügt.

Batterien mit Kobold, Netz als Speicher: «nicht relevant»

Dies im Gegensatz zum «Kobold»-Lapsus, den Wikipedia-Benutzer mit allen möglichen Begründungen von «ihrer» Enzyklopädie fernhalten. «Kurios, aber belanglos und deshalb irrelevant», so lautet ein Verdikt auf der Diskussionsseite. Ein anderer Nutzer mutmasst, Baerbock habe das Wort möglicherweise auf Englisch im Ohr gehabt, weil «das a in cobalt wird wie ein langes offenes o gesprochen (etwa so: kouborlt)».

Mit ähnlichen Argumenten werden auch Baerbocks abenteuerliche Behauptungen wegdiskutiert, wonach erneuerbare Energien «im Netz» gespeichert würden. Das Originalzitat lautete so: «An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.» Diese Formulierung, so schreibt ein Wikipedia-Nutzer, sei zweifellos etwas unglücklich, aber: «Ich verstehe das so, dass nicht der heutige Zustand, sondern ein zukünftig möglicher mit Speicherung im Netz gemeint ist.» 

Gab es einst Kremologen, um sowjetische Propaganda zu interpretieren, scheint es auf Wikipedia Baerbockologen zu geben – die im Zweifelsfall zugunsten ihres Studienobjektes urteilen. Prinzip Filibuster in Wikipedia-Debatten

Derartige Nachsicht kann Annalena Baerbock ausserhalb der Wikipedia-Welt nicht einmal mehr von zugewandten Kreisen erwarten. So schrieb die linke «TAZ» kürzlich, das Hin und Her um Baerbocks Lebenslauf sei «hochgradig unprofessionell». Tatsächlich kamen in den letzten Tagen und Wochen immer mehr Ungenauigkeiten und Falschangaben ans Licht. Unter anderem mussten die Grünen präzisieren, dass ihre Kandidatin ein Politologiestudium in Hamburg nicht abgeschlossen hat und dass sie nicht Mitglied des Flüchtlingshilfswerks UNHCR ist. 

Die Kindheit «auf dem Bauernhof» entpuppte sich kürzlich als Kindheit in einem sanierten ehemaligen Bauernhaus. Dazu gab es zahlreiche mediale Diskussionen über die Frage, ob es nicht ein wenig anmassend war, dass sich Baerbock offensiv als «Völkerrechtlerin» und «aus dem Völkerrecht» kommende Politikerin inszeniert hat. Zumal sie zwar ein Studium in London abgeschlossen, aber ein Promotionsvorhaben abgebrochen hat. 

Diese Diskussionen blieben im Wikipedia-Universum natürlich nicht unbemerkt. Allein seit dem 10. Mai, als die Lebenslauf-Diskussion von einem Plagiatsjäger lanciert wurde, vermerkt die Wikipedia-Seite 259 Änderungen, die oft nur kurze Zeit online waren, weil sie andere Nutzer wieder entfernten (bei Laschet waren es im selben Zeitraum nur 38). Obwohl Baerbocks Lebenslauf auch bei Wikipedia in einigen Punkten modifiziert worden ist, las man in ihrem Artikel fast einen Monat lang nichts über die damit verbundenen öffentlichen Kontroversen.

Erst am 9. Juni fügt ein Nutzer folgenden Satz ein: «Im Zuge ihrer Kanzlerkandidatur und diesbezüglicher journalistischer Recherchen sah sich Baerbock zu mehreren Korrekturen bei der Online-Präsentation ihres Lebenslaufs veranlasst.» Dadurch sei sie «bei zahlreichen Medien» in die Kritik geraten. Ob und wie lange dieser Satz stehen bleiben wird, ist offen. Denn jene Nutzer, die Baerbock gerne in Schutz nehmen, haben bis heute die Deutungshoheit. 

Kein «Kritik»-Kapitel bei Wikipedia

Das zeigt die Diskussion über die Frage, ob Annalena Baerbock wie andere Politiker einen separaten «Kritik»-Abschnitt erhalten soll. Obwohl es seit August 2019 entsprechende Vorschläge gibt, haben die Fürsprecher der grünen Politikerin bisher fast alles verhindert. Dies unter anderem mit dem Argument, darüber müsse erst ein «Konsens» gefunden werden. Gleichzeitig versuchen sie, einen solchen Konsens mit langwierigen, sophistischen Debatten zu verhindern.

Dieses Verhaltensmuster erinnert wohl nicht zufällig an das Filibuster-Prinzip – eine aus den USA bekannte Taktik, die darauf abzielt, den politischen Gegner im Parlament mit endlosen Redebeiträgen am Reden zu hindern und zu zermürben. Oder, wie es ein in die Minderheit versetzter Wikipedia-Autor in Zusammenhang mit Baerbocks nicht gemeldeten Parteibeiträgen einmal ausdrückte: «Es geht breit durch die Presse, nur hier wartet man, bis keiner mehr davon redet.» 

Anmerkung der Redaktion

Kurz nachdem dieser Artikel publiziert wurde, entbrannte auf Wikipedia eine Diskussion darüber, ob die Kritik der NZZ gerechtfertigt sei. «Es ist schon langsam peinlich, dass die breit besprochene Kritik an Baerbock sich nicht in einer Rubrik im Artikel wiederfindet», schreibt ein Benutzer. Ein anderer Autor sieht es so: «Ich denke, wir sollten uns nicht von Medien wie der NZZ unter Druck setzen lassen, wenn sie nun darüber berichtet, wie der Artikel bearbeitet wird.» Ein weiterer findet, dass Berichte über die nachgemeldeten Nebeneinkünfte von Baerbock ein «Rascheln im Blätterwald» seien, die in einer Enzyklopädie nichts zu suchen hätten. Um 12:40 Uhr wurde der Wikipedia-Artikel dann für drei Tage vollständig gesperrt. Bis zum 13. Juni können ihn jetzt nur noch Administratoren bearbeiten.





Dienstag, 8. Januar 2019

Wenn sich das hetzende grüne Weichei heulend von Twitter verabschiedet...

von Thomas Heck...

Es gibt schon Tage, wo es einen konservativen Autor wie mich vor Schadenfreude umtreibt. Tage wie diese motivieren mich für die Arbeit, die einen dann und wann endlos erscheint. Erst die Steilvorlage der Grünen Cem Özdemir und Katharina Schulz, die es zum Jahreswechsel geritten hatte, nochmal so richtig Kohlendioxid und Feinstaub in die Luft zu blasen und mit dem Jet über den großen Teich nach Amerika zu fliegen. Garniert mit dem Datenskandal, der offenbarte, dass unsere Experten der Digitalisierung in Sachen Datensicherheit weniger wissen, als meine kleinen Enkelkinder, die schon wissen, dass ein Passwort nicht nur aus 123 bestehen sollte. Denn der Skandal offenbart kein Versagen des Cyber-Abwehrzentrums der Bundeswehr, auch nicht vom Bundesamt für Informationstechnik, es offenbart eine erschreckende Unkenntnis des Basiswissens im Umgang mit dem Internet.

Nun Robert Habeck, der über Twitter und Facebook gerne mal verbal gegen den politischen Gegner die Blutgrätsche fährt oder gegen ein ganzes Bundesland hetzerisch austeilt, dabei eine ganze Bevölkerung unter Generalverdacht stellt und dann selbst die bittere Medizin der Hetze kosten darf. Plötzlich geläutert, will Volker Habeck ab sofort Twitter und Facebook entsagen, erscheint dabei wie ein Pennäler, der beim Onanieren vor Pornobildern auf dem Heimcomputer erwischt wurde und schafft es dennoch auf Platz Eins der Heute-Nachrichten. Eine Heulsuse, der einmal dieses Land regieren will. Lächerlich.


So schreibt das Handellsblatt: Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat angekündigt, seine Accounts bei Twitter und Facebook löschen zu wollen. Hintergrund ist ein missglückter Aufruf zur Unterstützung seiner Partei bei der Landtagswahl in Thüringen. In einem am Sonntag von den Thüringer Grünen veröffentlichten Internetvideo hatte er gesagt: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“

Das ostdeutsche Bundesland soll frei und demokratisch werden? Der aus Thüringen stammende Bundestagsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, antwortete mit Ironie: „In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?“, fragte er ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. SPD-Vizechef Ralf Stegner schrieb dort: „Ein bisschen überheblich ist dieser Wahlkampfstil schon.“ Andere wiesen auf die Koalition hin, die derzeit in Thüringen regiert: gebildet von Linkspartei, SPD – und Grünen.

Am Sonntag reagierten die Grünen dann rasch. Der Aufruf verschwand, und stattdessen hieß es: „Wir haben Robert Habecks Aufruf vom Netz genommen, weil viele ihn falsch verstanden haben: Nein, wir reden THÜ nicht schlecht. Auch Robert tut's nicht. Wie blöd wären wir denn – nach gut 4 Jahren R2G?! Thüringen soll einfach noch grüner & ökologischer werden.“ Mit R2G ist Rot-Rot-Grün gemeint.

Nun zieht Habeck Konsequenzen: „Einen Fehler kann man machen, den gleichen ein zweites Mal nicht. Das muss Konsequenzen haben. Und meine ist, dass ich meinen Account lösche“, schreibt Habeck in einem Blog-Eintrag auf seiner Homepage und meint damit seinen Twitter-Account.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Habeck auf Twitter vergaloppiert. Vor der Landtagswahl im Oktober in Bayern hatte er gefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“. Nach Kritik daran hatte er eingeräumt, „lasch formuliert“ zu haben: „Die Kritik daran nehm ich an. Das war im Wahlkampffieber einer zu viel. Sorry dafür!“

Nach dem jüngsten Kommunikations-Reinfall auf Twitter gibt sich Habeck selbstkritisch: „Nach einer schlaflosen Nacht komme ich zu dem Ergebnis, dass Twitter auf mich abfärbt. Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.“

Dabei sei sein politisches Ding genau das Gegenteil: „Die Interessen der anderen Seite sehen und ernst nehmen, nicht überheblich oder besserwisserisch zu agieren. Das ist jetzt zweimal von mir konterkariert worden.“

Die Löschung seines Facebook-Accounts begründet Habeck mit dem jüngsten Hackerangriff auf Hunderte Politiker, Journalisten und Künstler: „Da der Datenklau, der die persönlichsten Gespräche zwischen mir und meiner Familie jetzt auf alle Rechner der deutschen Tageszeitungen und jede Menge rechter Medien gebracht hat, maßgeblich über Facebook erfolgte, lösche ich meinen bei Facebook auch.“

Es könne sein, dass die Löschung seiner Social-Media-Accounts ein politischer Fehler sei, weil sich der Grünen-Chef so der Reichweite und direkten Kommunikation mit zahlreichen Menschen beraube. „Aber ich weiß, dass es ein größerer Fehler wäre, diesen Schritt nicht zu gehen“, schreibt Habeck.