von Thomas Hartung

Junge Frauen an den Schaltstellen in Justiz, Politik, Management: Das Neomatriarchat bedingt gesamtgesellschaftliche Fehlentwicklungen
Wir leben in Gesellschaften, in denen sich das Geschlechterverhältnis in den entscheidenden Funktionssystemen umgekehrt hat – leise, schrittweise, aber grundlegend. An Universitäten, in Redaktionen, in Verwaltungen und NGOs sind Frauen nicht mehr „auf dem Vormarsch“, sie stellen vielerorts die Mehrheit. Personalabteilungen, Kommunikationsabteilungen, Kultur- und Bildungsinstitutionen sind in Deutschland längst weiblich geprägt; der männliche Nachwuchs weicht in Technik, Unternehmertum oder gleich ins Ausland aus. Die amerikanische Autorin Helen Andrews hat diesen Prozess „The Great Feminization“ genannt – eine Feminisierung nicht der Biologie, sondern der institutionellen Kultur. Daniela Niederberger knüpfte kürzlich in der “Weltwoche” daran an und stellte unter der bemerkenswerten Überschrift “Frauen gefährden die Demokratie” eine zugespitzte Diagnose: Wichtige Institutionen seien dabei, den klassischen Vorrang von Rationalität, Streit und Normbindung zugunsten von Empathie, Sicherheit und Konsens zu verlieren. Das mag polemisch klingen – aber es trifft einen Nerv.
Gerade in Deutschland: Hier haben sich, nach 16 Jahren Merkel, nach „feministischer Außenpolitik“ von Baerbock, Quotenprogrammen und einer umfassenden Pädagogisierung des Politischen, institutionelle Milieus herausgebildet, in denen „weibliche“ Tugenden – Fürsorge, Harmonie, Inklusion – zur obersten Norm erklärt werden. Wer Konflikt will, gilt als toxisch; wer Härte einfordert, als „rechts“. In Deutschland hat sich ein moralisierter Politikstil herausgebildet, der jede Abweichung als „Hass“ oder „Gefahr für die Demokratie“ etikettiert und damit die inhaltliche Debatte ersetzt. Die These ist hierbei nicht, dass Frauen „irrational“ seien und Männer „vernünftig“. Das wäre albern. Die These lautet: Frauen und Männer neigen als Gruppen zu unterschiedlichen Prioritäten. Frauen gewichten im Durchschnitt Beziehung und Harmonie höher, Männer Konflikt und Risiko. In privaten Beziehungen mag das oft ein Segen sein; in öffentlichen Institutionen aber kann es sich, wenn es zu einseitig wird, verheerend auswirken. Das Problem ist nicht, dass Frauen Einfluss gewinnen. Das Problem ist, dass mit ihrer demographischen Dominanz eine bestimmte Art des Umgangs mit Wahrheit, Macht und Widerspruch hegemonial wird.
Von der Gelehrtenrepublik zur Betreuungsanstalt
Universitäten waren einmal Orte des riskanten Denkens. Heute gleichen die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten oftmals pädagogischen Betreuungsanstalten. Der Fall des Harvard-Präsidenten Larry Summers, der 2005 über mögliche biologische Unterschiede bei Spitzenbegabungen sprach und unter anderem auf emotionalen Protest einer Biologin stieß, markiert international einen Wendepunkt. In Deutschland finden ähnliche Mechanismen statt, wenn auch leiser: Professoren, die Migrations- oder Genderdogmen in Frage stellen, sehen sich schnell mit studentischen Beschwerden, offenen Briefen und Kampagnen konfrontiert – meist angeführt von aktivistischen Studentinnen, flankiert von Gleichstellungsbeauftragten. Die neue Leitfigur der Universität ist nicht der Gelehrte, sondern die „betroffene“ Studierende, deren Gefühle vor allem anderen zu schützen seien. „Safe Spaces“ und Triggerwarnungen sind Produkte dieser Pädagogik, ebenso die Tendenz, Forschung permanent auf „Diversität“ und „Diskriminierung“ zu trimmen. Prominent steht dafür in Deutschland eine Figur wie Frauke Brosius-Gersdorf, die unter dem Banner der „Menschenwürde“ de facto ein Recht auf staatliche Umerziehung der Gesellschaft ausbuchstabiert. Wer solcher Art von Moralisierung widerspricht, ist schnell „unsensibel“ oder „rechts“.
Der zweite große Hebel der Feminisierung liegt in den Medien: Redaktionen von “Zeit”, “Süddeutsche Zeitung” oder den öffentlich-rechtlichen Sendern weisen seit Jahren steigende Frauenanteile auf; Formate wie “Tagesthemen”, “heute journal” oder gar Talkshows werden von Moderatorinnen wie Caren Miosga, Marietta Slomka, Sandra Maischberger oder Anne Will geprägt und längst dominiert. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden; kritisch wird es, wenn sich Inhalt und Tonfall entsprechend verändern. Statt nüchterner Analyse dominieren emotionalisierte Kampagnen: gegen Trump, gegen „Klimaleugner“, gegen „Rechtspopulisten“, gegen „Hass“. Luisa Neubauer ist dabei fast zur Co-Moderatorin der Republik geworden; sie steht exemplarisch für eine Generation politischer Influencerinnen, die moralische Dringlichkeit permanent gegen skeptische Rationalität ausspielen.
Justiz und Sozialstaat: Empathie als Ersatz für Recht
Die Berichterstattung über Corona-Maßnahmen, über den Ukraine-Krieg oder über Migration folgte oft diesem Muster: Nicht mehr „Was stimmt?“, sondern „Wer könnte sich verletzt fühlen?“ entscheidet darüber, welche Fakten noch vorkommen dürfen. Dass die von Anetta Kahane begründete Amadeu-Antonio-Stiftung Kitas und Schulen mit Broschüren wie „Demokratie ist (k)ein Kindergeburtstag“ beliefert, in denen bereits im Vorschulalter politisches Feindbilddenken gegen „Rechte“ verankert werden soll, gehört in denselben Kontext. Die moralische Pädagogisierung des Öffentlichen zieht sich wie ein rosafarbener Faden durch die Republik. Doch besonders heikel ist die Feminisierung dort, wo es um Recht und Strafe geht: In vielen Bundesländern liegt der Frauenanteil im Richterdienst längst deutlich über 50 Prozent; in der Familiengerichtsbarkeit und im Sozialrecht dominieren Richterinnen fast vollständig. Auch das muss nicht per se schlecht sein – problematisch wird es, wenn ein spezifisch pädagogischer Blick das Recht ersetzt.
Die typische Figur ist die Sozialrichterin oder Strafrichterin, die jedem Täter zuerst als „Case“ im Sinne intersektionaler Opferkunde begegnet: Der Straftäter ist traumatisiert, marginalisiert, diskriminiert – kurz: Opfer der Verhältnisse. Für viele männliche Richter mag Ähnliches gelten, doch Frauen sind in Studien tatsächlich eher bereit, Empathie auch gegenüber unfair Handelnden hochzuhalten. Ein vielzitiertes Experiment mit Stromstößen an „betrügenden Spielern“ zeigt: Männer verlieren ihre Empathie, sobald jemand nachweislich trickst; bei Frauen bleibt sie weitgehend konstant. Übertragen auf deutsche Gerichtssäle bedeutet dies häufig: Milde Urteile bei Gruppenvergewaltigungen, Messerattacken oder Clan-Kriminalität, wenn sich nur eine passende Opfergeschichte finden lässt. Härtere Gangarten hingegen bei „Hassrede“, „Volksverhetzung“ oder „Delegitimierung des Staates“. Innenministerin Nancy Faeser trieb dieses Muster politisch voran, als sie „rechte Netzwerke“ im Staatsdienst zu Hauptgefahren erklärte, während islamistische Milieus und linksextreme Angriffe auf Infrastruktur regelmäßig unter „Einzelfällen“ verbucht wurden (und weiterhin werden).
Außen- und Sicherheitspolitik: Moral statt Diplomatie
In der Außenpolitik zeigt sich die feminisierte Logik besonders dramatisch. Ursula von der Leyen verkündet vor dem Europaparlament, Putin müsse „scheitern“, Europa werde die Ukraine „bis zum Sieg“ unterstützen. Estlands Premierministerin Kaja Kallas erklärt, mit „Kriegsverbrechern“ rede man erst nicht. Marie-Agnes Strack-Zimmermann fordert in Dauerschleife „mehr Waffen, schnell“, jede Forderung nach Verhandlungen wird als Schwäche, ja als Verrat markiert. Das klassische männliche Muster der Diplomatie – hart verhandeln, aber irgendwann Waffen schweigen lassen – wird durch eine Logik permanenter moralischer Eskalation ersetzt: „Mit solchen Leuten kann man nicht reden!“ Dieser Satz mag im privaten Kontext verständlich sein, doch in der internationalen Politik verlängert er Kriege. Dass gerade aus dem Milieu der “feministischen Außenpolitik” die lautesten Stimmen gegen Waffenstillstandsinitiativen kommen, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer moralisch aufgeladenen Konfliktkultur.
Parallel dazu wächst ein gewaltiger Zensurkomplex heran, in dem weiblich geprägte NGOs zentral mitwirken. Der australische Harvard-Fellow Andrew Lowenthal, Mitbegründer von “liber-net” und Co-Autor der Twitter-Files, hat für Deutschland einen “Zensurkomplex” kartiert, ein Netzwerk von rund 330 Organisationen – Ministerien, Stiftungen, Unizentren, „Faktenchecker“ wie “Correctiv”, NGOs wie “HateAid” und eben die die Amadeu-Antonio-Stiftung –, die gemeinsam Inhalte im Netz markieren, melden und entfernen, offiziell im Kampf gegen „Hass“ und „Desinformation“. Viele dieser Akteure werden aus Programmen wie „Demokratie leben!“ oder künftig auch dem EU-Topf „CERV“ mit Hunderten Millionen Euro alimentiert. Die Logik dahinter ist immer dieselbe: Bürger gelten nicht als mündige Subjekte, sondern als zu schützende Mündel – insbesondere „vulnerable Gruppen“. Also müssen ihnen bestimmte Informationen vorenthalten werden, um sie nicht „zu verunsichern“. Wenn EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen „Hassrede und Desinformation“ eindämmen will, ohne je klar zu definieren, was damit eigentlich gemeint ist, oder wenn Faeser an „digitale Gewalt“ strengere Maßstäbe anlegt als an physische Gewalt, ist das Teil derselben fürsorglichen Entmündigung.
Pädagogik von der Kita bis zur Kulturindustrie
Der feminisierte Staat beginnt seine Umerziehung immer früher. In Kitas und Grundschulen werden „Demokratieprojekte“ ausgerollt, bei denen Erzieherinnen Kinder anleiten, „rechte Tendenzen“ im Elternhaus zu erkennen. In Schulbüchern und Lehrplänen dominieren Narrative von „Diversität“, „Empowerment“ und „Dekolonisierung“. Mit Figuren wie Ex-Bundesfamilienministerin Lisa Paus oder der ehemaligen Familienministerin Franziska Giffey verschiebt sich Familienpolitik von der Stärkung institutionell unabhängiger Familien hin zu staatlich normierter Betreuung und frühkindlicher Pädagogik. Auch die Kulturindustrie wird zur pädagogischen Abteilung des Staates. Staatsfernsehen und große Bühnen arbeiten Lieblingsmotive der neuen Moral ab: Rassismus, Sexismus, Klima, Rechtsruck. Eine Schauspielerin wie Jasna Fritzi Bauer inszeniert sich als politisch engagierte Aktivistin, während öffentlich geförderte Häuser – von der Berliner Volksbühne bis zu den Münchner Kammerspielen – immer häufiger „Diskursformate“ statt Theater bieten. Die ästhetische Qualität tritt hinter die politische Botschaft zurück, häufig mit explizit feministischer Agenda.
Doch die Geschichte endet nicht mit dem Sieg des Neomatriarchats. Wie die Schweizer Soziologin Katja Rost beobachtet, ziehen sich Männer aus hochfeminisierten Feldern zurück und gründen eigene Räume: Startups, Tech-Firmen, Podcasts, unabhängige Medien. Die spannendsten politischen Gesprächsformate – von Joe Rogan international bis zu deutschen Projekten wie “Achtung, Reichelt!” oder unabhängigen YouTube-Kanälen – sind fast durchweg männlich dominiert. Hier wird gestritten, polemisiert, experimentiert – kurz: jene risikobereite Debattenkultur praktiziert, die in den offiziellen Institutionen kaum noch möglich ist.
Gleichzeitig gibt es Frauen, die sich dem Mainstream widersetzen: Alice Schwarzer, die gegen Gender-Ideologie und Kriegsrhetorik anschreibt; die Philosophieprofessorin Kathleen Stock, die wegen ihrer kritischen Haltung zur Trans-Ideologie von der Universität Sussex vertrieben wurde; oder die amerikanische Autorin Bari Weiss, die die “New York Times” verließ und mit “The Free Press” ein eigenes Medium gründete. Sie alle zeigen: Es geht nicht um Biologie im simplen Sinne, sondern um kulturelle Muster, die aktuell überproportional weiblich kodiert sind – und denen man sich durchaus entziehen kann.
Mehr “Patriarchat” wagen
Die neomatriarchale Umerziehungsrepublik ist kein Naturgesetz. Sie ist das Resultat politischer Entscheidungen: Quoten, Förderprogramme, institutionelle Umbaustrategien. Wer sie kritisieren will, sollte nicht in plumpe Frauenfeindlichkeit verfallen, sondern drei Forderungen formulieren. Erstens braucht es eine Rückkehr zu rationalen Kriterien in Wissenschaft, Medien und Justiz: Wahrheit vor Betroffenheit, Recht vor Empathie, Diplomatie vor moralischer Kriegsrhetorik. Zweitens müssen die zensurpolitischen NGO-Netzwerke transparent gemacht und finanziell zurückgeschnitten werden; staatliche Meinungssteuerung durch „zivilgesellschaftliche“ Zwischenträger ist mit echter Demokratie unvereinbar. Drittens braucht es wieder Orte des Dissenses, an denen Konflikte ausgehalten und nicht wegmoderiert werden – echte Universitäten, echte Medien, echte Parlamente.
Die Feminisierung der Institutionen ist nicht deshalb bedenklich, weil Frauen Verantwortung übernehmen, sondern weil ein spezifisch femininer, pädagogisch-moralischer Stil jede andere Form von maskuliner Vernunft bedrängt. Eine erwachsene Republik aber braucht beides: Empathie und Härte, Fürsorge und Risiko, das Mütterliche und das Väterliche. Im Moment erleben wir ein gefährliches Ungleichgewicht. Wer die Demokratie retten will, muss deshalb, so unzeitgemäß es klingt, mehr „Patriarchat“ fordern – im Sinne einer Rückkehr zu Verantwortung, Maß und Urteilskraft.
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