Donnerstag, 12. März 2026

Warum Deutschland einen Flugzeugträger braucht


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Heute Morgen wurde auf X die Frage aufgeworfen, was gegen ein oder zwei deutsche Flugzeugträger spricht. Und weil das Posting aus den unerfindlichen Gründen der X-Logik grade steil geht, wurde es auch in meine Timeline gespült.

Sie erschien mir aber ergebnisoffen und durchaus humorfähig, nicht AfD-mäßig um endlich wieder jemand sein zu können. Weshalb ich das gerne beantworte. Und den Ersteller gar nicht exposen will. (Außerdem folgt er meiner Seite, es kann kein schlechter Mensch sein.)

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Da wir alle wissen, dass ich als MilBlogger natürlich kriegsgeil sein muss, und überdies ehemaliger Marineflieger und Nachrichtenmann bin, bin ich in der Blase der deutschen MilBlogger und OSINT-Opossums natürlich prädestiniert und elitär versiert, diese Frage zu beantworten.

Es kann natürlich auch sein, dass mein Hirn nach fast einer Woche Covid und inzwischen psychotische Zustände annehmender Langeweile fieberbesoffen Spielmannslaune hat und ich mich damit einfach nur davon ablenke, dass mein Ausatmen sich anhört, als würde der dicke Nachbar schwitzend einen schweren Umzugskarton durch das Treppenhaus schieben, oder eine spanische Truhe mit Leiche drin oder sowas, und ich weiß wie lang dieser Satz ist weil ich ihn angefangen habe ohne zu wissen wie er enden soll und ich lass das jetzt so und außerdem kann man Schwitzen nicht hören.

Aus reinem Waffenstolz würde ich mich einmal im Jahr mit einem Klappstuhl vor den Flugzeugträger setzen, mit hochgekrempelten Ärmeln stolz mein Marineflieger-Tattoo präsentieren und mir mit Bier aus der Kühlbox manierlich die Peitsche durchs Gesicht ziehen.
Nicht, dass ich einen Grund für Bier bräuchte. Aber ich finde die Idee sexy.

Allerdings sei hier von vorn herein klargestellt, dass Deutschland einen Flugzeugträger besitzt. Scheiß langsam, aber der Größte der Welt: Sylt.
Da war zu meiner Zeit auch die Marinefliegerlehrgruppe, weshalb das Fliegerlied immer „Westerland“ von den Ärzten war.

Starten wir also das Projekt „Wir bauen einen Flugzeugträger (oder zwei)“.

Schwimmen muss das Teil

Zunächst brauchen wir eine Werft, die das Ding baut.

Da würden sich die Naval Yards oder ThyssenKrupp in Kiel anbieten. Dann wäre unser Flugzeugträger aber in der Ostsee. Und das Ding ist platt wie ein Ententeich. Taktisch wäre er da auch so sinnvoll wie ein zweites Arschloch. Als hätten wir einen kugelsicheren Maibach mit Echtlederausstattung und Zigarrenhalter, der auf einem Flughafen Mallozze-Vollklatsche-Touris zu den Flugzeugen shuttelt.
Unsere schwimmende Stadt müsste also erstmal um Dänemark herum geschleppt werden.

Es bliebe also nur die Meyer Werft in Papenburg, dann müssten wir halt die Ems für ein halbes Jahr dicht machen. Die werden begeistert sein, von Kreuzschiffe auf Flugzeugträger umzusteigen. Wie damals Loriot: Von Panzerwagen auf Marzipankartoffeln. Und die Mitarbeiter erst, die alle durch den MAD überprüft werden.

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Die Meyer Werft bei Papenburg

Dann hätten wir das Problem des Antriebs.
Man könnte einfach Gasturbinen und Diesel nehmen, wie die Briten und Italiener. So ein Teil verbraucht bei normalem Marsch bummelig 8000 Liter pro Stunde, bei Einsatzgeschwindigkeit dürften es auch mal 12.000 Liter werden. Kann man so machen. Ich habe nur das Gefühl, dass das in Zeiten, in denen man sich von Erdöl-produzierenden Ländern unabhängig machen will, irgendwie nicht mehrheitsfähig wäre.

Hey, wir sind Deutschland. Wir können beim nächsten Krieg nicht einfach mit einem 300 Meter langen Dacia vorfahren. Da muss schon Musik drin sein.
Also nehmen wir natürlich Atomantrieb.
Jetzt haben wir dummerweise aber auch alle Atomkraftwerke abgeschafft und haben gar keine Erfahrung mit Atomantrieb für Schiffe. Ich habe ja auch keine Ahnung, wie man sowas baut, aber irgendwie das Gefühl, das kann man nicht einfach googeln.

Ignorieren wir das. Wir müssen eh noch so viel ignorieren, da ist das Problem mit dem Atomantrieb auch nur ein Furz im Orkan.
Wir bekommen das Ding soweit gebaut, durch die Ems und nach Wilhelmshaven geschleppt. Denn das ist der einzige Hafen, der bleibt. Es sei denn, wir baggern die halbe Nordseeküste um. Nehmen wir lieber, was eh da ist.
Natürlich nicht im Stützpunkt am Heppenser Groden, der wäre insgesamt zu klein und irgendwo muss unsere bisherige Marine, die da stationiert ist, ja auch hin.

Wir nehmen den JadeWeserPort. Am Containerterminal werden weniger Tonnen umgeschlagen, als im Hamburger Hafen. Also kann der weg. Wenn Deutschland einen neuen Tiefseehafen will, sollen sie sich doch einen buddeln. Die Narren.

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JadeWeserPort... Zukünftige Heimat der deutschen Flugzeugträger.

Das Ding wird zum Stützpunkt umgebaut, die Grünfläche plattiert, schon ist der Lachs geschuppt. Und wenn irgendwelche Umweltgruppen ankommen und rumjammern, weil im Umland irgendeine weltweit einzigartige, halbamphibische, deutschsprachige Krustentierpopulation vorkommt, werden diese Hodenkobolde neben die Klimaclowns geklebt.

Dann haben wir erstmal einen Rumpf und einen Parkplatz, aber nach unseren Erfahrungen mit Flughäfen und Elbphilharmonien geht das sicher ratzifatzi.
Dann kann ich meinen Klappstuhl aufstellen, meinen Hutbürgerhut aufsetzen und „Schlaaand“ schreien, bis ich rotzevoll vom Hocker kippe.

Schon einmal Zeit, ihm einen Namen zu geben.
US-Schiffe haben das Kürzel USS, britische das Kürzel HMS (Her Majesty’s Ship) und iranische IRIS (Islamic Republic of Iran Ship). Deutsche Schiffe haben eigentlich kein Kürzel. Nicht einmal das!
Gängig wäre FGS für Federal German Ship.

Nennen wir unser Projekt also die FGS Breckerfeld.
Weil wir wissen, dass man sich der Romantik, Mondänität und des Kosmopolitismus von westfälischen Ortsnamen nur schwer entziehen kann.

Die Flieger

Dann brauchen wir noch Flugzeuge.
Wir haben natürlich noch Marineflieger. Meine Party People. Die bestehen aber aus Helikoptern für den Bordeinsatz und Seefernaufklärern. U-Boot-Jagd können wir, richtig gut sogar, weil das durch Kattegat und Skagerrak unsere von der NATO zugedachte Rolle in der Verteidigung ist.

Das Problem ist, dass wir friedensbesoffen die ganze Sparte der Marineflieger-Kampfjets eingestampft haben. Es gibt sie nicht mehr. Und natürlich auch die spezielle und erweiterte Ausbildung der Piloten nicht mehr. Weil Deutschland der Meinung war, ohne Sowjetunion wird das nicht mehr gebraucht und das Geld sei anderweitig besser aufgehoben. Friedensdividende nennt man das wohl. Unser neuer Freund Putin und so, wir erinnern uns. …was aus dem wohl geworden ist? Wladimir „Judo-Waldi“ Wladimirowitsch, der alte Spaltenküsser.

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Marine Tornado, gute alte Zeit.

Nehmen wir für den Anfang nur die Grundausstattung.
Zunächst brauchen wir Jagdbomber. Irgendwas, was dem Feind eine große Traglast auf den Kopf werfen kann. Und von Radars möglichst nicht gesehen wird.
Da könnten wir unsere alten Tornados nehmen. Die können viel schleppen und können aufklären.
Da ist aber das Problem, dass die nicht nur in hohen Ehren ergraut sind. Sondern dass die einmal von einem Flugzeugträger starten können. Einmal. Wenn wir das Ding doppelt so lang bauen, können sie auch wieder landen.

Wir haben aber eh gerade F-35 bestellt. Das ist gut, die sind im Iran auch gerade im Einsatz.
Bestellen wir halt noch welche. In einer anderen Version, aber ansonsten haben wir ja schon alles, oder bekommen es eh. Tankstutzen und Ersatzräder und so.
Ich würde sagen, wir brauchen so 20 Stück. Flieger, nicht Ersatzräder.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die noch mehr für den Luftkampf ausgelegt sind, also eigentlich Jäger. So reine Typen gibt es nicht mehr, aber halt so die Richtung.
Der Eurofighter Typhoon ist mehr so der Porsche 992, der Tornado der Mercedes Diesel Kombi mit Dachgepäckträger und Anhängerkupplung. Wir brauchen Porsche.
Und wenn die Autos jetzt nicht passen, hört auf mit Klugscheißern, ich habe keine Ahnung von Autos. Mein zweites Auto war ein Merser Diesel mit Agrarhaken, mein erstes ein Leopard II. Eat my dust.

Nehmen wir also mal zehn Typhoon dabei. Die sind primär dafür da, die FGS Breckerfeld vor feindlichen Flugzeugen, Marschflugkörpern und Drohnen zu schützen.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die elektronische Kampfführung können. Die können unter anderem feindliche Radars bekämpfen, auch die Radars von Flugabwehrsystemen, die uns angreifen.
Da hätten wir die ECR Tornados, mit dem gleichen Problem. Aber es sollen eh gerade 15 Typhoon der Luftwaffe umgerüstet werden. Also bestellen wir doch gleich noch fünf mehr.

Als Amarena-Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre natürlich schick, wenn wir auch Fernaufklärung machen könnten. Damit wir früh genug wissen, was da so auf uns zukommt. Im wahrsten Sinne.
Das sind diese Maschinen mit der riesigen Untertasse oben drauf. Auch sowas haben wir, aber eben nicht für Träger. Die US-amerikanischen E‑2D Hawkeye werden seit 1960 bis heute produziert. Wir werden die nehmen müssen. Einfach weil es kein europäisches System gibt, dass von einem Träger aus operieren kann. Aber da würden auch zwei reichen.

Damit werden die deutschen Marineflieger zu neuem Glanz auferstehen. Nehmt das, ihr Pazifistenpudel!

Soldaten wie Sand am Meer

Jetzt brauchen wir Besatzung und Bodenpersonal.
Wir bekommen bis jetzt schon nicht genug Leute. Und haben Politiker, die sich nicht so recht trauen, da irgendwas mit der Wehrpflicht zu machen. Was aber eh egal ist. Denn da die FGS Breckerfeld jederzeit auch außerhalb eines Verteidigungsfalles einsetzbar sein muss, auf unbestimmte Zeit, mit hoher Geheimhaltung und kommunikativem Shut Down, müssten es eh Zeitsoldaten sein.

Wir launchen einfach einen Image-Film, wie damals Top Gun. Natürlich den alten. Niemand hat den neuen gesehen.
Niemand.
Mit 60 dürfte Tom Cruise bei den Marinefliegern nicht einmal die Räder ölen. Muss doch keiner sehen sowas. Geriatrie Geschwader.

„Breckerfeld – Im Sturm von Gefahr und Liebe“.
(98% der Entscheidungsträger von Verwertungsgesellschaften und RTL-Redakteuren bestätigen, dass Filme in Deutschland solche Untertitel brauchen.)
100 Millionen Grundinvestition, der Rest über Productplacement. Ihr werdet sehen: Peanuts.

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Der Film zum Flugzeugträger: Hauptrolle Matthias Schweighöfer, Moritz Bleibtreu als der, der in der Mitte des Films stirbt, Christoph Waltz als Admiral und Diddi Hallervorden als geistig zerrütteter Alt-68er, der nicht will, dass seine Tochter einen Soldaten datet. (Gespielt von irgendeiner Perle, die bereit ist mal sieben Sekunden ihre Nippel zu zeigen, um auch die zu bedienen, die das mit den Porno-Internetseiten noch nicht verstanden haben.) Soundtrack irgendwas mit Castrop-Rauxeler Gangster Rap.

Damit bekommen wir die Besatzung locker zusammen. Die Laufen uns die Bude ein. 3300 Mann Besatzung und 2500 Mann fliegerisches Personal.
Und an Land nochmal 2000, das können dann zur Hälfte auch Wehrpflichtige sein. Planung und Nachschub lassen wir jetzt mal weg. Nur die, die dann da stationiert sind, wo wir in Wilhelmshaven die Krustentiere ausgerottet haben.
Ich bin sicher, Wilhelmshaven wird sich über den Zuzug von knapp 8000 Mann plus Lieferverkehr richtig freuen. Die örtliche Gastronomie auf jeden Fall.

Kurz überschlagen

Und da liegt sie dann, der stolz der deutschen Marine. Ein zum Schiff geschmiedeter, neuer deutscher Nationalstolz. Weil Deutsche ja sonst nix haben, um stolz sein zu können. Zumindest glauben das wohl einige.
Überschlagen wir es kurz.

Die Breckerfeld selber macht, bei planmäßigem Lauf des Baus, 12 Milliarden.
Bei 20 F-35C (Trägervariante) kommen etwa zwei Milliarden drauf.
Die Typhoon sind etwas teurer, die ELOKA Version sicher noch etwas. Aber sagen wir, wir machen einen guten Deal, dann sind wir mit 2,7 Milliarden dabei.
Bau der Kaserne, Ausbildungszentren (dezentralisiert und disloziert), Beschaffung eines Fuhrparks… Komm, wir sind unter uns, runden wir auf insgesamt 20 Milliarden ab.
Schnäppchen.

Dann müssten wir uns noch über die Kampfgruppe, die Carrier Strike Group, unterhalten.
Dazu gehören Luftabwehrzerstörer - im Schnitt drei bis vier – und mindestens ein Jagd-U-Boot.
Gut, letzteres können wir wirklich, unsere sind die besten weltweit.

Wir haben gar keine Zerstörer. Aber recht ansehnliche Fregatten. Das geht auch.
Wir haben gerade sechs Fregatten der F126 im Zulauf, erste 2028. Bestellen wir gleich drei mehr, ist dann günstiger. Sollten allerdings spezialisierter sein, aber das sind Details. Gehen wir von einer Milliarde pro Stück aus, sind das läppische vier Milliarden.
Die Brauchen zwar auch wieder Personal, aber… Image-Film!

Habe ich erwähnt, dass der Einsatz einer solchen Carrier Strike Group ohne Waffen täglich über eine Million Euro kostet?

Wenn alles läuft, haben wir den Puff 2035 besenrein schlüsselfertig.
Ich denke, ich werde mir schon einmal einen Klappstuhl bestellen. Personalisiert und mit Marineflieger-Logo. Noch besser: Gleich morgen arbeite ich an der Gründungssatzung der Marinefliegerkameradschaft Breckerfeld-Ultras „Mit allen Wassern gewaschen, mit Alkohol gereinigt“ e. V.
Memo an mich: Städtepartnerschaft.

Mal wenigstens halb ernst

Kommen wir runter von dem Trip. So schön er auch ist. Sonst träume ich noch davon. …falls der dicke Nachbar endlich mal aufhört die Kartons durchs Treppenhaus zu schieben und ich schlafen kann.

Ich erkläre mal, warum das ein typischer, laienhafter Gedanke ist. Und warum er – aus militärischer Sicht zu Ende gedacht – völlig nutzlos ist.
Es ist so ein bisschen, wie Leute von „Langstreckenraketen“ sprechen und nicht wissen, dass sie damit „atomare Interkontinentalraketen für des Inferno“ sagen.

Und Stammleserinnen und -leser werden einschätzen können, dass ich ja wirklich doch eher „rustikal“ unterwegs bin. Nicht rechts oder nationalistisch, nur militärisch klar und ziemlich empathielos. Moral stört nur beim Geschäft.

Wofür braucht man eigentlich Flugzeugträger?
Ernsthaft jetzt. Wofür?

Israel fliegt derzeit ständige Angriffe gegen den Iran. Die haben keinen Flugzeugträger.
Die israelische Luftwaffe ist etwas größer als die deutsche. Das hat aber taktische und strategische Gründe, aufgrund der Situation Israels und vor allem des Irans. Also Dinge, die weit vor Netanjahu schon begonnen haben.
Insgesamt sind die IDF (Israel Defense Forces) sogar kleiner als die Bundeswehr.

Das bedeutet, Israel kämpft gerade gegen einen Feind, der über 1000km weit weg ist und – je nach Flugroute – zwei bis drei Länder entfernt ist. Die können das. Die sind gut.
Israel könnte aber niemals den Iran einnehmen, ebenso wie Deutschland niemals Russland einnehmen könnte.

Um das zu können, muss man die berühmten „Boots on the ground“ bekommen. Und man muss eine Luftüberlegenheit herstellen. Was Israel und die USA im Iran nur deshalb so schnell konnten, weil der Iran im Grunde eine überaltete Schrott-Luftwaffe hat. Aus Gründen.

Einen Flugzeugträger braucht man, um direkter aus der Luft auf einen Gegner einwirken zu können.
Das geht aber auch über Lufttanker. Und Landeplätze. Die die USA gerade am Persischen Golf ja auch haben. Nur mit dem Flugzeugträger alleine ginge das auch nicht so einfach.

Russland hat einen einzigen Flugzeugträger. Und der verrottet seit Jahren in einer Werft. Ich musste den noch lernen, man kann mich auch nachts um drei besoffen wecken und ich kann „Admiral flota Sowjetskowo Sojusa Kusnezow“ sagen.

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Die Kuznetzow auf Reede, etwa 2019.

Politiker, Pazifisten und andere Randexistenzen unterscheiden gerne zwischen „Offensivwaffen“ und „Defensivwaffen“. Was Unfug ist. Mit fast allem, mit dem man abwehren kann, kann man auch angreifen. Zumindest auf taktischer Ebene.
Wenn die Zuschreibung als „Offensivwaffe“ aber auf irgendetwas zutrifft, dann auf Flugzeugträger. Und auf SSGN, aber das ist ein anderes Thema.

Die USA haben sogar einen guten Grund dafür, so viele Flugzeugträger zu haben. Völlig egal, ob man Imperien oder Trump kacke findet.
Sie können etwa 12 solcher Carrier Strike Groups auf die Beine stellen. Von denen gerade einmal eine vorm Iran im Einsatz ist (USS Abraham Lincoln) und eine zweite gerade im Zulauf (USS Gerald R. Ford).

Wenn man sich die Weltkarte anschaut, sind die USA ziemlich isoliert.
Mögliche Gegner sind Russland und China. Und die sind weit weg. Und waren es auch schon, als sie USA nach dem zweiten Weltkrieg angefangen haben, sich diese teuren Flugzeugträger draufzuschaffen.
Und nur deshalb – und wegen der Tiefseehäfen – haben sie eine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur, diese Träger immer wieder zu erneuern. Never change a running system.
Für uns ist Russland aber ganz nah. Und China geht uns nichts an.

Dass Großbritannien zwei Flugzeugträger und nuklear bewaffnete U-Boote hat, ist auch ersichtlich. Denn UK gehört zu den „Five Eyes“ (FVEY), also Australien, Kanada, Neuseeland und USA. Auch das ist historisch gewachsen.
Wir vergessen gerne, dass es nach wie vor ein Commonwealth gibt. Nicht mehr die Kolonien, sondern heute freiwillige und stolze Ableger des historischen Commonwealth. Canada ist britischer, als es amerikanisch ist. Ebenso Neuseeland. Und wenn man einen Australier sprechen hört, denkt man, das sei eine überzeichnete Parodie eines Briten. Barbados, Trinidad und Tobago, Dominica und wie sie alle heißen, alles Aushilfsbriten.

Und die sind natürlich alle mehr oder weniger mit Großbritannien verbündet. Und deshalb macht es für Großbritannien auch Sinn, sich zwei Flugzeugträger anzuschaffen.
Aber genau damit haben sie sich verrannt. Der zweite, die HMS Prince of Wales, hat nicht einmal Flugzeuge. Kein Scherz. Da sollen, wenn denn geliefert und bezahlt, 12 F-35 drauf. Zwölf. Auf einem haushaltsüblichem sind mindestens 30, eher 40 Flugzeuge.

Sinn und Zweck lassen bei Frankreich schon stark nach, aber wenigstens ist die Charles de Gaulle der einzige atomgetriebene Flugzeugträger außerhalb der USA weltweit. Aber jetzt wollen die noch einen zweiten, größeren bauen. Und ich persönlich habe das Gefühl, der Franzose sollte dringend einmal mit seinem Therapeuten über Kompensation sprechen.

Bei Italien habe ich gar keine Ahnung mehr, was und warum die sowas brauchen. Liebe für Sprache, Küche, Kultur und Geschichte, Kudos gehen raus. Aber… Ragazzi, ma che fai? Wofür? Die drei kürzesten Bücher der Welt sind „Englische Küche“, „2000 Jahre deutscher Humor“ und „Italienische Heldensagen“. Mal unter uns, habt ihr mal eure Militärgeschichte des letzten Jahrhunderts nachgeschlagen?

Es wurde auch in dem Thread der auslösenden Frage gesagt, dass Italien ja jetzt seinen Flugzeugträger schickt.
…ja, vor Zypern. Quasi umme Ecke. Nicht vor den Iran. Um gegen Drohnen der Hisbollah zu schützen. Das könnten zwei Moderne Flugabwehrfregatten auch.

Soll ich jetzt noch auf den indischen Flugzeugträger eingehen? Oder die thailändische HTMS Chakri Naruebet, die nur noch Helikopter hat? Oder den japanischen, bei denen das als Inselstaat gegenüber China wieder halbwegs Sinn macht?

Wozu genau jetzt?

Also fragen wir uns doch einmal, für welchen Fall genau Deutschland einen Flugzeugträger brauchen sollte. Entschuldigung… die die FGS Breckerfeld. Oder gar einen zweiten, die FGS Ennepetal nicht zu vergessen.

In der Ostsee sind die Dinger strategisch völlig wertlos. (Das Bild mit dem zweiten Arschloch habe ich schon gebracht, oder?) Moskau und Sankt Petersburg können wir eh erreichen. Bei Riga kurz rechts abbiegen, am McDonalds und Douglas vorbei, hinterm Aldi links, die Taurus oder HARM absetzen und ab nach Hause, bevor Pavel „Blyat“ sagen kann.

Wir bräuchten Flugzeugträger, wenn wir beispielsweise Verbündete irgendwo weit weg unterstützen wollten. Weit weg.
Selbst wenn wir Israel unterstützen wollten, könnten wir das von Israel aus. Oder von der Türkei. Die ja immer noch NATO-Partner ist. …ok, mehr so der verschrobene, bucklige Onkel mit über die Halbglatze gekämmten Haaren, den keiner mag, der auf jeder Familienfeier besoffen die promiskuitive Cousine befummelt. Aber Familie kann man sich halt nicht aussuchen.

Wen?
Wenn Trump auf die glorreiche Idee kommt Mauritius einzunehmen, wie er gehört hat, dass es da wertvolle Briefmarken gibt, und es in Trumpnistria oder Donaldistan umbenennen will? (An dieser Stelle werden mindestens fünf Leser aussteigen um „Mauritius Briefmarken“ zu googeln.)

Ich kann mir kein einziges Szenario vorstellen, wofür wir Flugzeugträger bräuchten. Nicht einmal bei Kanada, weil wir da nämlich eh Basen haben bzw. gern gesehener Gast sind. Und mal ehrlich: wer will Kanada? Freundliche Menschen die genetisch unfähig sind zu lügen, Dudelsäcke haben und Wald. Viel Wald.

Flugzeugträger bräuchten wir, um auf dicke Hose zu machen und endlich mal wieder richtig schön deutsch und stolz sein zu können. Vor allem deutsch. Aber auch stolz. Mehr so untenrum.
Wenn die CDU sowas durchbringt, kann die AfD sich gleich auflösen.

Nochmal: Ich bin militärisch in meinen Ansichten wirklich ein harter, konservativer Hund. Aber eben nicht rechts oder nationalistisch. Alles schön mit Sinn, Verstand, Verbündeten, Freunden und zur Verteidigung.
Ich verzichte gerne auf meinen Klappstuhl.

Ach scheiß drauf. Ich bin krank. Ich bestell mir jetzt so einen Klappstuhl.
Und dann geh ich beim Nachbarn nachfragen, warum der seit fünf Tagen umzieht.

Wer es bis hierher geschafft hat, wird mir die Überschrift verzeihen. Honey Trap für die Dauerempörten und AfD-Wähler, die sich Zuspruch erhofft haben. Schafft Euch ein Rückgrat an. Ist billiger als die FGS Breckerfeld.

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Erschienen auf steady.page


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