Freitag, 20. März 2026

Deutsche Historikerinnen erklären uns die AfD: Ruth Hoffmann und der angebliche „Raubzug von rechts“

von Lukas Mihr

Schlimmer als die NSDAP? Historikerin Hoffmann weiß mehr über die AfD als diese selbst



Wenn es Deutschland an einem nicht mangelt, dann an Historikern und vor allem Historikerinnen, die dem Deutschen die AfD erklären. Das ist eigentlich das Gebiet der Journalisten, die aber eben nur einen Blick für die Gegenwart haben. Den Blick in die Vergangenheit hat hingegen nur die Geschichtswissenschaft. Und welche Vergangenheit gemeint ist, wird schnell klar. Manchmal landen die Experten noch bei den Klassikern, also Carl Schmitt, Oswald Spengler, Armin Mohler oder Ernst Jünger, aber fast immer bei, na wem wohl, der NSDAP. Das ist ebenso ermüdend wie berechenbar und eine akademische Variation von Godwin’s Law, so dass man fast ein wenig erfreut ist, wenn zumindest immer wieder ein neuer Umweg eingeschlagen wird, um dann doch beim immergleichen Ziel zu landen. Die Historikerin Dagmar Herzog beispielsweise ist komplett sexfixiert und sieht genau in diesem Thema eine Wesensverwandtschaft zwischen AfD und NSDAP.

Ruth Hoffmann hingegen geht von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, nämlich bis ins Mittelalter, um von dort die gesamte deutsche Geschichte durchzuexerzieren. Aber der Reihe nach. In ihrem Werk „Raubzug von rechts“ wirft Hoffmann der AfD vor, demokratische und republikanische Errungenschaften zu kapern und für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Die Bezugnahme auf die Landesflagge, die Paulskirchenversammlung und die Bürgerbewegung in der DDR sei rein taktisch motiviert und habe nichts mit einer genuin demokratischen Einstellung zu tun. Wirklich konsequent ist Hoffmann dabei nicht. Sie betont, dass die Rechten in Deutschland sich meist auf die Flagge des Kaiserreichs (Schwarz-Weiß-Rot) bezogen hätten und erst in der jüngeren Vergangenheit Schwarz-Rot-Gold für sich beanspruchten. Das stimmt, nur wurde diese Umdeutung erst dadurch möglich, dass die Bundesrepublik selbst ein verkrampftes Verhältnis zu ihren Symbolen hat. Symptomatisch hierfür ist wohl, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Wahlsieg 2013 dem freudig erregten CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe eine Deutschlandfahne aus der Hand nahm. In einem Paralleluniversum, in dem Deutschland ein wenig patriotischer ticken würde, wären die bevorzugten Farben der AfD vielleicht tatsächlich Schwarz-Weiß-Rot.

Fremdeln mit Schwarz-Rot-Gold

Obwohl Hoffmann Schwarz-Rot-Gold als Farben der Revolution und der frühen Demokratie anpreist, hätte sie „persönlich auch Schwierigkeiten, die bei mir auf dem Balkon zu hängen.“ Und irgendwie will sie auch den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder für einen jüngsten Flaggenvorstoß nicht so recht loben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Entstehungsprozess eines Buchs von der Realität überholt wird. Man muss seine Rechercheergebnisse deswegen nicht zwangsläufig streichen, schließlich kann man sie auch als Momentaufnahme stehen lassen. Dass Hoffmann aber auch in ihrer aktuellen Buchpromotion auf Maximilian Krah verweist, um ihre Thesen zu untermauern, verfängt nicht ganz. Denn dieser hat seinen früheren Positionen abgeschworen und gibt sich mittlerweile moderat. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist für sie nur ein „Narrativ“: „Darüber, wie es sich anfühlte, in der DDR zu leben, wissen offenbar gerade AfD-Männer aus dem Westen besonders gut Bescheid.“ Nun, ganz so falsch können die „Besserwessis“ damit nicht liegen, wenn die AfD im Osten durchweg stärkste Partei ist…

Auch stört sich Hoffmann daran, dass die AfD plane, die Inhalte an Schulen und Theatern mitzubestimmen – ganz als ob diese aktuell völlig frei von politischer Einflussnahme seien. Welch seltsame Blüten das treibt, sah man erst kürzlich im Hamburger Thalia-Theater, in dem der rechte Youtuber Feroz Khan einen kurzen Auftritt hatte. Die heiligen Hallen waren fortan kontaminiert. Es heißt, viele Mitarbeiter seien in Tränen ausgebrochen und hätten sich nicht mehr sicher gefühlt. Sollte Ulrich Siegmund im Herbst zum ersten Ministerpräsidenten der AfD gewählt werden, wird er sicherlich auch Einfluss auf die Kulturpolitik in seinem Bundesland nehmen. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass er zu weinen beginnt, wenn er einem Linken im Theater begegnet?

Verdächtige parlamentarische Anfragen

Ebenso weiß Hoffmann, dass die AfD durch die Vielzahl ihrer parlamentarischen Anfragen die Demokratie lahmlegen wolle. Der Blick in die Statistik liefert vielfältige Antworten. Bislang war die AfD erst für zwei volle Legislaturperioden im Bundestag vertreten. Von 2021 bis 2025 stellte sie tatsächlich die meisten Anfragen an die Bundesregierung, zwischen 2017 und 2021 ging der Spitzenplatz allerdings an die FDP. Außerdem errang die AfD den Spitzenposten in der letzten Legislaturperiode nur bei den Anfragen der Fraktion. Bei den Anfragen einzelner Parlamentarier lag die Union vorne. Zudem gilt der Spitzenplatz bei den Fraktionsanfragen nur in absoluten Zahlen. Pro Parlamentarier lagen in diesem Punkt die Linken (inklusive BSW) vorn. Dass die AfD stärker als die SPD vertreten ist, kann auch niemanden verwundern. Denn die Anfragen sind ein klassisches Instrument der Oppositionspolitik, die SPD hingegen war in beiden Legislaturperioden an der Regierung beteiligt. Einmal ganz abgesehen davon, dass die AfD wohl kaum die Verwaltung lahmlegen kann – denn seit langem fällt auf: Je brisanter die Anfragen der Fraktion, desto knapper die Antwort der Bundesregierung.

Große Sorgen macht sich Hoffmann darum, dass die AfD die Errungenschaften der Vorgängerregierungen wieder aufheben könnte. Aber das ist leichter gesagt als getan. Barack Obama hatte einst angekündigt, das Kriegsgefangenenlager Guantanamo Bay zu schließen und die Insassen in den USA vor Gericht zu stellen. Dies war einer der Hauptkritikpunkte an seinem Amtsvorgänger George W. Bush gewesen. Doch bald stellte sich heraus, dass man den Gefangenen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nicht nachweisen konnte (obwohl dies sehr plausibel war). In einem rechtsstaatlichen Prozess hätte man sie also freisprechen müssen – woraufhin sie sich natürlich wieder dem terroristischen Kampf angeschlossen hätten. Die Folge: Weder dieses Dilemma noch Guantanamo Bay wurden aufgelöst. Donald Trump wollte in seiner ersten Amtszeit die Krankenversicherung seines Vorgängers, genannt Obamacare, wieder abschaffen, scheiterte jedoch im Kongress. Die Beispiele zeigen: Zwar ist es relativ einfach, ein bereits bestehendes Gesetz aufzuheben – denn dafür bedarf es nur einer Parlamentsmehrheit; der große Rattenschwanz an Konsequenzen jedoch, der damit einhergeht, kann sich als äußerst resistent erweisen.

Die AfD und die Homoehe

Wenn sogenannte “Experten” darauf hinweisen, was die AfD alles umsetzen will, sollte sie einmal an der Macht sein, werfen sie ihr damit entweder implizit oder explizit vor, so radikal wie die NSDAP zu sein. Bloß stimmt das nicht; in letzter Konsequenz bedeuten ihre Vorwürfe, dass die AfD sogar noch radikaler als die NSDAP sei. Hoffmann beispielsweise behauptet, dass die AfD die Homoehe abschaffen wolle. Doch daran darf gezweifelt werden. Wenn man wirklich belastbare Informationen sucht, stößt man auf einen Gesetzentwurf der Fraktion von 2018, der fordert, zum “Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001” zurückzukehren. Das kann aber zweierlei bedeuten: Das Gesetz von 2001 auf dem Stand von 2001 – oder das Gesetz von 2001, das in den Jahren danach vom Bundesverfassungsgericht mehrfach modifiziert wurde. Würde die AfD eines Tages letzteres Szenario durchsetzen, würde sich also nicht viel ändern. Die Homoehe hieße dann ganz simpel „Lebenspartnerschaft“, hätte aber nur einen neuen Namen, während in allen Alltagsbelangen alles so bliebe, wie es ist. Nun ist die AfD-Forderung allerdings schon acht Jahre her und in der Zwischenzeit hat man nicht mehr allzu viel zum Thema gehört.

Klar, andere Probleme sind weit dringender. Mit jedem Jahr, das bis zur so geframten „Machtergreifung“ noch verstreicht, wird es unwahrscheinlicher, dass die AfD die Homoehe tatsächlich revidieren will. Könnte die AfD überhaupt alle Schwulen und Lesben augenblicklich zwangsscheiden? Ausgeschlossen! Mit den Nürnberger Rassegesetzen wurden Ehen zwischen Deutschen und Juden verboten. Bereits bestehende Ehen hatten jedoch weiterhin Bestand – weil man einerseits nicht die deutschen Ehepartner verärgern wollte und zweitens einen juristisch-bürokratischen Alptraum fürchtete. Immer wieder will Hoffmann klarstellen, dass es ein (von niemandem in der AfD real gefordertes, aber in ihrer Projektion zum Kernanliegen der Partei erklärtes) „völkisch reines Reich“ nicht geben könne. Denn dazu seien die Deutschen ja schlicht zu vielfältig, schließlich hätten sie ja auch keltische und andere Wurzeln. Das Kaiserreich sei eine verspätete Nation gewesen und erst lange nach anderen Zentralstaaten entstanden. Bis heute gäbe es viele einzelne deutsche Regionalidentitäten. Aber hält uns das davon ab, von den Engländern und den Franzosen zu sprechen? Denn auch dort finden wir Franken, Normannen und Kelten und das Argument der Regionalidentitäten kann man doch auf praktisch jedes Volk (außer einem isolierten Stamm im Amazonas-Gebiet) anwenden.

Der gar schröckliche “Volksbegriff”

Selbst Dänemark, das in seiner Größe etwa einem durchschnittlichen deutschen Bundesland entspricht, hat mehrere verschiedene Dialekte. Üblicherweise bewohnen Völker ein zusammenhängendes Gebiet – die Australier aber nicht. Der Großraum Perth ist von tausenden Kilometern Wüste umgeben und komplett vom übrigen Siedlungsgebiet abgeschnitten. Da könnte man viel eher sagen, dass es zwei verschiedene Völker gibt. Hoffmann kommt auf andere Beispiele zu sprechen: So zum Beispiel auf die Hugenotten, denen Berlin beispielsweise den Gendarmenmarkt verdankt oder auf die Ruhrpolen im Bergwerk, die den Fußballverein Schalke prägten. Ohnehin könne sich nur ein Adliger, der all seine Vorfahren überblickt, seiner deutschen Abstammung sicher sein. Hoffmann kommt zum Schluss: „Worin besteht die nationale Identität, die uns angeblich zu jenem klar definierbaren ‚deutschen Volk‘ macht? Die AfD tut so, als sei das sonnenklar. In Wirklichkeit fällt es ihr selbst schwer, die Frage zu beantworten.“ Dabei gibt sie kurz darauf selbst ein bisschen zu, dass es dann wohl doch nicht ganz so schwierig ist. Denn es mag Fälle geben, in denen die Frage, ob jemand zum deutschen Volk gehört, schwierig zu bejahen ist. Sie zu verneinen ist jedoch deutlich einfacher.

Denn weiter heißt es: „Konkret wird es hingegen immer dann, wenn es darum geht, was angeblich nicht deutsch ist – als würde das Eigene erst durch die Abgrenzung vom Fremden entstehen. Die scharfe Trennung zwischen ‚Wir‘ und ‚den Anderen‘ nimmt darum bei rechten Populistinnen und Populisten großen Raum ein, wobei alles, was nicht zum ‚Wir‘ gehört, als minderwertig und gefährlich gilt.“ Denn auch wenn man sich manchmal darüber streiten kann, ob jemand nun deutsch ist oder nicht, ist doch Folgendes klar: Wenn ein Afghane in Deutschland lebt, aber kaum deutsch kann, nicht arbeitet und seine Frau unter den Schleier zwingt, dann macht ihn auch die Staatsbürgerschaft nicht zum Deutschen. Hoffmann stößt sich – wenig verwunderlich – am Begriff des „Passdeutschen“: „Unsere Verfassung unterscheidet nicht zwischen ‚ethnischen‘ Deutschen und ‚Passdeutschen‘. […] Unser Grundgesetz, das die Würde des Menschen an erste Stelle setzt, spiegelt das wider.“ Sicher, es gibt Passagen des Grundgesetzes, die Hoffmanns Deutung stützen – eben in den Artikeln 1 und 3; aber dass die Verfassung nicht zwischen ethnischen Deutschen und Passdeutschen unterscheidet, liegt wohl vor allem daran, dass Deutschland 1949 im Wesentlichen noch ein monoethnischer Staat war und die bald darauf erfolgende Masseneinwanderung niemand voraussehen konnte. Und weder war das Konzept der massenhaften Doppel- und Mehrfachstaatsbürgerschaft bei Verabschiedung des Grundgesetzes relevant, noch hätte man sich damals vorstellen können, dass deutsche Behörden jemals sogar Menschen ohne Integrations- oder sogar Sprachnachweise am Fließband einbürgern.

„Umvolkung“ damals und heute

Einer der maßgeblichen Autoren des Grundgesetzes, der CDU-Politiker und kurzzeitige Justizminister Schleswig-Holsteins, Hermann von Mangoldt, war jedenfalls kein Vertreter von derart inklusivem Gedankengut; 1939 schrieb er unter dem Titel „Rassenrecht und Judentum“ : „Die Geschichte der Völker aller Kontinente zeigt deutlich die Gefahren, die aus einer Vermischung des eigenen mit stark artfremdem Blute drohen. Immer wieder haben daher die Völker zu den einschneidenden Maßnahmen gegriffen, um einer solchen Überfremdung vorzubeugen. Niemals vorher ist die ganze Frage aber mit der gleichen Schärfe wie heute im Dritten Reiche und in einzelnen anderen mitteleuropäischen Ländern als Rassenproblem erkannt und gleichzeitig auch in der Gesetzgebung als solches behandelt worden. […] Sucht man nach einer Erklärung für diese Ausgestaltung unserer Rassenrechte, so ist sie rasch in den in Mitteleuropa gegebenen Bevölkerungsverhältnissen gefunden. Die Gefahr der Rassenüberfremdung drohte hier ernstlich nur von den Juden. Kein anderes artfremdes Volk hat in diesem Raume auch nur annähernd so hohe Zahlen wie sie erreicht.“ Lustiges Detail übrigens am Rande: Die Google-KI Gemini beantwortet die Frage, ob Deutschland ein Vielvölkerstaat sei, übrigens wie folgt: „Der Begriff ‚Vielvölkerstaat‘ wird für das moderne Deutschland selten verwendet, da er historisch vorbelastet ist (er suggeriert oft instabile Großreiche, die zerfallen).“

Einige der Beispiele, die Hoffmann verwendet, fallen dann auch auf sie selbst zurück: Die Ruhrpolen waren als Slawen den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Ihre Vereine wurden verboten und eine Politik der Zwangsassimilierung durchgeführt. Dennoch: Wenn ein Ruhrpole im Zweiten Weltkrieg starb, dann meist als Soldat der Wehrmacht und nicht als KZ-Insasse. Auch die Sorben, die im Grenzgebiet zwischen Sachsen und Brandenburg siedeln, standen unter Beobachtung der Gestapo, entgingen aber der Vernichtung. Auch in Bezug auf die deutschen Juden zeigte sich das Regime flexibel. “Halb-” und “Vierteljuden”, die sich um die deutsche Sache verdient gemacht hatten, konnten auf eine Ernennung zum „Ehrenarier“ hoffen. Die Nazis wussten um die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter und dass, damit einhergehend, die slawischen Völker bis zu einem gewissen Grad deutscher Abstammung waren. Dementsprechend sah der “Generalplan Ost” auch nicht die komplette Vernichtung oder Vertreibung der Slawen vor, sondern befand Teile von ihnen als “regermanisierbar”. Im Prozess der „Umvolkung“ sollten sie wieder zu Deutschen werden.

Niemand will „Deportationen“ und sie wären auch gar nicht umsetzbar

Heinrich Himmler sah auch in Stalin einen Spross des deutschen Volkes, wie er in seiner berüchtigten Posener Rede anmerkte. Das äußerte er halb bewundernd, halb verängstigt. Vor dem Aufstieg Stalins waren die Eliten der kommunistischen Partei zu etwa 20-40 Prozent jüdisch gewesen, doch dieser Anteil sank nach der großen Parteisäuberung drastisch – wie in Berlin respektvoll anerkannt wurde. Gleichzeitig fürchtete Himmler jedoch, dass Stalin als heimlicher Germane letztlich der überlegene Feldherr sei. Die NS-Rassenideologie war also weit differenzierter, als man gemeinhin annehmen könnte, und trat oft genug hinter pragmatische Überlegungen zurück. Wenn Hoffmann mit Blick auf die AfD von einer „rechten Phantasie vom rein deutschen Volk“ spricht, sollte sie als Historikerin eigentlich wissen, dass dies nicht umsetzbar ist. Deutschland erhebt aus historischen Gründen zwar die Rasse seiner Einwohner nicht, man kann aber grob abschätzen, dass diese zu etwa 15 Prozent außereuropäischer Abstammung sind. Zum Vergleich: In der Rassenarithmetik der Nationalsozialisten machten die oben genannten Gruppen – Juden, Ruhrpolen und Sorben – 1933 vielleicht nur 2 Prozent der Reichsbevölkerung aus. Das allein zeigt, welch organisatorischer Aufwand eine großangelegte Migration bedeuten würde. Abgesehen davon, dass die AfD nie die Absicht hatte, “alle nicht-Deutschen zu deportieren” und außer zu Landes schaffen, wie in Perpetuierung der Potsdam-Lüge nach wie vor unterstellt wird, wäre so etwas auch nur hypothetisch völlig undurchführbar.

Auch Björn Höcke und andere Vertretern umfassender Remigrationsideen geht es vor allem darum, Menschen, die sich hier nicht integrieren können und wollen, loszuwerden – aber nicht durch Zwang oder gar Gewalt, sondern eher aus freien Stücken. Wenn Hoffmann also schreibt: „Höcke, der für Mäßigung noch nie etwas übrig hatte, betonte im Landtag unmissverständlich, seine Partei wolle es Migranten in Deutschland ’so unattraktiv wie möglich‘ machen, mit den Remigrationen in Thüringen beginnen und von dort aus den ‚Migrationsextremismus‘ im ganzen Land ‚abwickeln‘“, dann bedeutet das nicht, dass Höcke seine Absichten in irgendeiner Weise verschleiert. Er weiß, dass man über den Ansatz einer mehr oder weniger freiwilligen Ausreise mehr erreicht, als mit Zwangsmaßnahmen. Hört man Ruth Hoffmann zu, kommt einem unweigerlich in den Sinn, dass sich Historiker vielleicht endlich wieder einmal auf ihre eigentliche Stärke besinnen sollten, nämlich aus der zeitlichen Distanz heraus Schlüsse ziehen, statt durch Inferenz und Zuschreibungen die eigene Voreingenommenheit über eine Partei zur Grundlage ihrer Expertise zu machen. Die Geschichtswissenschaft wird wohl erst in 20 bis 30 Jahren seriöse Aussagen über die AfD des Jahres 2026 treffen können.


1 Kommentar:

  1. Die einzige Partei im Deutschen Bundestag, der ich eine Nähe zur NSDAP attestieren würden, ist in Sachen Judenhass die Linkspartei und die BSW. Wer Judenhass schon im Parteiprogramm festschreibt, wie eben die Linke, darf sich nicht wundern. Es sind halt Faschisten und dreckige Antisemiten.

    AntwortenLöschen