von Olli Garch
Paderborns 2002 verstorbener Erzbischof Kardinal Degenhardt: Nicht nur erwiesene Vertuschung, sondern auch Verdacht auf MittäterschaftWährend die katholische Kirche sich noch immer in der Rolle des pseudomoralischen Vorkämpfers „gegen Rechts“, sprich: die AfD gefällt, hat sie eigentlich ganz andere Sorgen – und selbst buchstäblich reichlich Dreck am Stecken: So zeigt eine aktuelle Studie einmal mehr die Abgründe von Perversion und Machtmissbrauch in ihren eigenen Reihen auf. Alleine im Bistum Paderborn haben zwischen 1941 und 2002 insgesamt 210 Priester mindestens 489 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht, wobei die Dunkelziffer an Tätern und Opfern noch erheblich größer sein dürfte – weil viele Betroffene sich zeitlebens nie gemeldet haben oder noch immer schweigen. Die Studie wurde von den beiden Theologieprofessorinnen Nicole Priesching und Christine Hartig erstellt und sorgt für neue Schockwellen nicht nur in der Paderborner Diözese.
Vertreter der Missbrauchsopfer sprechen bereits zuvor von einem regelrechten “Pädophilen-Netzwerk“, bei dem sich die Geistlichen ihre Opfer gegenseitig zuführten. Die Jungen sollen sogar mit einem Fahrdienst sollen die Jungs zu den Priestern nach Hause gebracht worden sein. Besonders perfide ist, dass den Opfern dabei auch noch selbst die Schuld für die ihnen angetanen Sexualverbrechen eingeredet wurde: So hätten etwa Kinder vor der Beichte zu ihren eigenen Peinigern Sätze sagen müssen wie „Ich will schamhaft und keusch sein“. Sie hätten sich dadurch befleckt, dreckig und sündhaft gefühlt und seien mit der Angst aufgewachsen, jeder blicke vorwurfsvoll oder angewidert auf sie, so Priesching. So seien “Kinderseelen zerstört” worden.
Totschweigen und Leugnen
Besonders unappetitlich: Es besteht der Verdacht, dass auch der 2002 verstorbene Kardinal und Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, der als konservativer Hardliner im deutschen Episkopat galt und unter anderem für das Predigt- und Lehrverbot gegen den kritischen Theologen Eugen Drewermann verantwortlich zeichnete, selbst unter den Tätern war; allerdings gibt es laut den Autorinnen keine eindeutigen Hinweise dafür. Fakt ist jedoch, dass Degenhardt Druck auf Familien und Opfer ausübte, damit sie schweigen, und so zur Vertuschung der Triebtaten beitrug. Wie immer bestand die amtskirchliche Reaktion auf die lange bestehenden Vorwürfe in Totschweigen und Leugnen. Verdächtige Priester mussten allenfalls eine Therapie machen und wurden meist diskret versetzt.
Nach Veröffentlichung der neuen Studie demonstrierten Betroffenen-Initiativen vor dem Paderborner Dom und an der Universität. Vergangene Woche wurde im Dom ein Mahnmal eingeweiht, bei dem Tafeln mit persönlichen Geschichten und Bildern von Opfern umgedreht und ans Licht geholt werden. Bei den noch nicht verjährten Taten will die Staatsanwaltschaft ermitteln. Sie wird vermutlich viel zu tun haben: Eine zweite Studie über die Zeit zwischen 2002 und 2022 unter Erzbischof Hans Josef Becker ist aktuell gerade in Arbeit. Doch bereits schon vorliegenden, ungeheuerlichen Enthüllungen bestätigen aufs Neue, dass die Kirche gut beraten wäre, erst einmal ihre eigene blinden Flecken und Schattenseiten aufzuklären, bevor sie den Bürgern und Wählern dieses Landes, von deren Kirchensteuern sie sich fürstlich bezahlen lässt, vorzuschreiben, wie sie sich politisch zu positionieren haben. Die ohnehin längst überfällige Abschaffung der Kirchensteuer wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, denn diese Kirche hat wirklich jede moralische Autorität verspielt – ebenso wie der ganze Rest des steuer- und zwangsfinanzierten Molochs von Parteien, öffentlich-rechtlichem Rundfunk, NGOs und anderen Institutionen.
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