Freitag, 30. November 2018

Die SED der DDR war ja so friedlich...

von Thomas Heck...

Wenn sich die Linkspartei heute im Bundestag als die Partei des Friedens präsentieren will, ist das nur die halbe Wahrheit, denn die Nachfolgepartei der SED der DDR war damals ganz anders. Eine Partei, die eine Hälfte des Volkes durch die andere Hälfte kontrollieren und bespitzeln ließ, die damals in Kinder schon im Kindergarten im sozialistischen Sinne erziehen ließ und Abweichler unter den Eltern gnadenlos verfolgte, eine Fähigkeit, die sich erst heute wieder bewährt

Genau diese Partei erteilte der NVA den Auftrag, einen Angriffskrieg gegen den Nachbarn im Westen zu planen, die schon Besatzungsgeld gedruckt und Verdienstorden geprägt hatte, sitzt heute im gemeinsamen Bundestag des vereinten Deutschlands und agiert ganz offen gegen die Bundeswehr und deren Soldaten. Und wenn die wieder von Frieden faseln, denken Sie an diesen Artikel, der in der WELT erschien und machen sich klar, was da für Gestalten sitzen. 




Dritter Weltkrieg: NVA plante Sechstagekrieg gegen die Bundesrepublik


Für den Angriff auf die Nato hatte der Warschauer Pakt detaillierte Pläne ausgearbeitet. Danach sollte die 5. NVA-Armee Norddeutschland überrennen, bevor der Westen Atomwaffen hätte einsetzen können.

Knapp 300 Kilometer Luftlinie – so weit ist es von Boizenburg an der Elbe bis zur deutsch-niederländischen Grenze bei Nordhorn. Nirgendwo in Deutschland ist es weniger weit zwischen der ehemaligen DDR, an deren äußerstem westlichen Rand Boizenburg lag, und Westeuropa.

Genau deshalb sollte hier, so die streng geheimen Planungen des Warschauer Pakts, die wichtigste Offensive des Dritten Weltkriegs geführt werden. Denn zwischen Boizenburg und Nordhorn hätte in nur fünf bis sieben Tagen ein konventioneller Angriff aus dem geteilten Deutschland heraus in ein anderes Nato-Land vorstoßen können.

In seiner Dokumentation „Die sieben Geheimnisse der NVA“ wirft der Berliner Filmemacher Matthias Hoferichter jetzt auf ZDFinfo einen Blick tief in die Eingeweide der ostdeutschen Armee. Herausgekommen ist ein sehr sehenswertes Stück Fernsehen, das die Selbstdarstellung der NVA als „Friedensarmee“ ohne historische Belastungen zu Recht dekonstruiert.

Ein NVA-Panzer des sowjetischen Typs T-55 auf einem Übungsplatz 


Mehr als 30 Jahre lang sah die Grundstrategie des Warschauer Pakts einen massiven Angriff auf Westeuropa als wesentliche Methode im Falle eskalierender Spannungen zwischen Ost und West vor. Die an Panzern und Mannschaften hoffnungslos unterlegene Nato hielt anfangs mit der Strategie der „massiven Vergeltung“ mit Atomwaffen dagegen, später mit der flexibleren „abgestuften Abschreckung“. Doch würde sich der Westen mit seinen komplizierten Entscheidungsstrukturen wirklich zum Nukleareinsatz durchringen?

Die sowjetische Strategie, deren unlösbarer Teil die NVA war, setzte auf den Zeitbedarf demokratisch-rechtsstaatlicher Regierungen zur Entscheidungsfindung: Idealerweise sollte ein Angriff bereits die Niederlande erreicht haben, bevor sich die Nato auf einen atomaren Schlag gegen die vorrückenden Streitkräfte des Warschauer Pakts geeinigt hätte.

Denn dann wären die Kernwaffen entweder auf dem nun besetzten Territorium der Bundesrepublik oder sogar – wenn die sowjetischen Angriffsspitzen attackiert worden wären – auf niederländischem Gebiet einzusetzen gewesen. Das hätten westdeutsche oder holländische Politiker mutmaßlich zu verzögern versucht – und damit die ganze Nato-Strategie zum Einsturz gebracht. 
Dieser Kriegsplan des Warschauer Pakts gegen den Westen hat sich erhalten 


Detaillierte Offensivpläne für den Warschauer Pakt sind nur für den Bereich der 5. NVA-Armee erhalten – weil sie der seinerzeit zuständige Stabsoffizier, Oberstleutnant Siegfried Lautsch, beiseitegeschafft hat. Lautsch, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands bis 2007 in der Bundeswehr diente, veröffentlichte seine Erinnerungen 2013 in einer Mischung aus persönlichen Memoiren und militärisch-strategischem Fachbuch; jetzt dienen sie Hoferichters Dokumentation als zentrale Quelle.

Ziel der Planung war dem Kronzeugen Lautsch nach, die von der Nato vorgesehene konventionelle „Vorwärtsverteidigung“ unmittelbar an der innerdeutschen Grenze zu stören, die taktische Initiative zu erringen und die Kämpfe schnell und möglichst weit auf das gegnerische Territorium vorzutragen, „um eigene Verluste an Kräften und Mitteln sowie Schäden zu begrenzen“. In Hoferichters Film erklärt Harald Kujat, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, dass die Nato-Streitkräfte gut vorbereitet gewesen seien, einen Angriff des Warschauer Pakts aufzufangen. Zum Glück ist die Probe nie gemacht worden. 

Die von Lautsch dokumentierte Planung sah jedenfalls vor, dass drei motorisierte Schützen-Divisionen (Mot-Schützen-Division) und eine Panzerdivision der NVA in Norddeutschland in Angriffskeilen auf einer Frontbreite von etwa 60 Kilometern vorstoßen sollten. Am Abend des ersten Tages sollten Lüneburg und Uelzen überrannt sein – ein Vormarsch von etwas mehr als 50 Kilometern also. In solchen Dimensionen hatten sich die Panzervorstöße der Wehrmacht in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs bewegt. 
Fahrausbildung auf einem Panzer T-55 in Schneeberg 1986 


Am Abend des zweiten Tags waren die niedersächsischen Kleinstädte Schneverdingen und Winsen (Aller) das Ziel, am dritten Abend wollte die NVA Brückenköpfe am Westufer der Weser errichtet haben. Weitere 24 Stunden sollte eine Mot-Schützen-Division vor Osnabrück stehen. 

Auf den Plänen, die Lautsch rekonstruiert hat, sind diesseits der deutsch-niederländischen Grenze Sammelräume für alle vier NVA-Divisionen vorgesehen – südlich von Nordhorn, um Steinfurt und nördlich von Bocholt. Nicht eingetragen sind allerdings die Vormarschziele der sowjetischen 94. Mot-Schützen-Division und der beiden selbstständigen Panzerregimenter der UdSSR, die ebenfalls zum Bestand der 5. NVA-Armee gehörten, die erst im Konfliktfall gebildet worden wäre. 

Naturgemäß finden sich auf den Plänen für die 5. NVA-Armee auch nicht die Ziele des Hauptangriffskeils, den der Warschauer Pakt gen Westen geschickt hätte – durch die „Fulda Gap“ im südlichen Hessen. Hier sollten, wie man aus anderen Quellen weiß, wenngleich nicht annähernd so detailliert, massive Panzerkräfte die Hauptmacht der US Army in Europa in vernichtende Kämpfe verwickeln. 

Ein Krieg wäre wohl in Europa nach einer Woche schon entschieden gewesen. Entweder hätten die USA und Großbritannien, damals die beiden einzigen Atommächte der Nato (Frankreich war 1966 aus dem Bündnis ausgetreten) Moskau sofort glaubhaft mit einem massiven Atomschlag für den Fall eines nicht sofortigen Rückzugs gedroht – doch dafür hätte es schon einer Persönlichkeit wie John F. Kennedy bedurft. 

Wacklige Angelegenheit für diesen NVA-Unteroffizier 


Oder – und das war wahrscheinlicher – die westlichen Staaten und ihre führenden Politiker hätten sich untereinander zerstritten. Belgien und die Niederlande hätten zum Beispiel darauf bestehen können, dass nicht atomar zurückgeschlagen würde, solange ihre Grenzen nicht überschritten seien. Für den Fall, dass dies doch geschehe, hätten sie ebenso die Bundesrepublik opfern und verlangen können, dass die Truppen des Warschauer Pakts sich lediglich über die deutsche (dann allerdings nicht mehr westdeutsche) Grenze zurückzögen. 

Damit rechneten die Strategen des Warschauer Pakts wohl, denn nur bei einer solchen Erwartung hätten die dokumentierten Angriffspläne politisch Sinn gemacht. In einem Sechstagekrieg die Bundesrepublik zu überrennen, die damals über die stärkste konventionelle Armee der Nato in Europa verfügte, hätte Eindruck gemacht. So hätte der sowjetisch-kommunistische Machtbereich stark ausgeweitet und ein Atomkrieg dennoch vermieden werden können. 

„Die sieben Geheimnisse der NVA“, 30. November, 20.15 Uhr, ZDFinfo




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