Samstag, 15. August 2026

Wer heute die SED-Nachfolger wählt, macht sich mitschuldig an der nächsten deutschen Diktatur

von Julian Marius Plutz

Nach 37 Jahren Unterbrechung: Sozialismus ahoi – vorwärts immer, rückwärts nimmer!



Vorgestern waren es 65 Jahre, dass die SED mit dem Bau der Berliner Mauer begann. Ich als “Nachgeborener“ kenne natürlich lediglich historische Dokumente und die Geschichten von Zeitzeugen (wie etwa dem Energieunternehmer Thomas Eisenhut), oder die Grenzorte, die Geschichte erzählen – ob Groß Grönau im echten Norden oder Nordhalben in Oberfranken. Es sind Geschichten des gewollten millionenfach menschlichen Leids, angerichtet von einer Partei, die sich dem Sozialismus und Kommunismus verschrieb – also der angewandten Menschenfeindlichkeit. Für mich als Wessi ist daher bis heute kaum begreiflich, mit welcher Nonchalance die Nachfolgepartei der SED, Die Linke, behandelt wird – von Kirchen, seelenlosen Künstlern und Medien ebenso wie von fast allen etablierten Parteien, inzwischen gar bis hinein in die CDU. Die politische Entwicklung von SED über SED/PDS und PDS zur heutigen Linken ist historisch wohldokumentiert und so blutig wie ihre Farbe.

Dabei war die Regentschaft der SED eben keine „kommode Diktatur“, wie der autoritäre Altlinke Günter Grass einst meinte, sondern eine gnadenlose Schreckensherrschaft. Das zeigte sich ganz konkret am Schicksal der Menschen: Sie wurden eingesperrt, weil sie ihr eigenes Land verlassen wollten. Die Wehranlagen des “antifaschistischen Schutzwalls“ zeigten nach innen, nicht nach außen; wer die Flucht wagte, riskierte sein Leben. Mindestens 140 Menschen starben infolge des DDR-Grenzregimes allein an der Mauer, zahllose Selbstmorde und ungeklärt Todesfälle nicht gerechnet. Neben dem 13. August 1961 gemahnt auch der 17. Juni 1953 an diese diese Herrschaft; damals gingen in der erst vier Jahre jungen DDR Arbeiter gegen Normerhöhungen, politische Unterdrückung und die SED-Herrschaft auf die Straße. Der Aufstand wurde mit sowjetischen Panzern und unfassbarer Gewalt niedergeschlagen. Mindestens 55 Todesopfer sind durch Quellen belegt; Zehntausende wurden verhaftet und viele anschließend in Haftanstalten wie Bautzen II oder Hohenschönhausen eingesperrt. Da die Massenflucht über die grüne Grenze weiterlief, folgte acht Jahre später dann die Internierung per Mauer.

Von Hohenschönhausen zum „Gelben Elend”

Nur wenige Jahre zuvor hatte die SED mit der „Aktion Ungeziefer“ – ein grauenhafter Name, der die ewige Geistesnähe der roten zu den braunen Faschisten zeigte –, wie weit ihr Zugriff auf das Leben ihrer Bürger reichte: Bereits 1952 startete die SED-Führung die Zwangsaussiedlung tausender Menschen aus dem Grenzgebiet. Sie wurden aus ihren Häusern und ihrer Heimat vertrieben, weil sie als „politisch unzuverlässig“ galten. Darunter waren Menschen mit Westkontakten, Bauern, die ihr staatliches Ablieferungssoll nicht erfüllten, und Bürger, die sich kritisch über das Regime geäußert hatten. Selbst vor Kindern machte dieses widerliche Unrechtsregime nicht halt: In der DDR wurden Kinder aus wiederum ebensolchen „politisch unzuverlässigen“ – ein Begriff, der später bald Schule machte – oder gar als „asozial“ eingestuften Familien in staatliche Heime eingewiesen oder ihren Eltern entzogen. Dies geschah ohne jede rechtstaatliche Grundlage und meist gegen den Willen der Eltern. In Jugendwerkhöfen und Heimen waren viele von strenger Disziplin, Isolation und teils gewalttätigen Erziehungsmethoden betroffen. In einigen Fällen wurden Kinder dauerhaft von ihren Familien getrennt und zur Adoption freigegeben, ohne Zustimmung der leiblichen Eltern. Für viele Betroffene bedeutete das einen lebenslangen Bruch mit ihrer Herkunft.

Zu oft und immer noch wird geschwiegen über die Foltergefängnisse, die die SED unterhielt. Jürgen Fuchs war 26 Jahre alt, als er 1976 wegen seines Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns verhaftet wurde und in Hohenschönhausen monatelang in Einzelhaft saß. Durch Isolation, stundenlange Verhöre, Schlafentzug und psychische Zermürbung sollte sein Widerstand gebrochen werden. Walter Kempowski war sogar erst 18 Jahre alt, als er 1948 verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, womit ihm ein Teil seiner Jugend und sein besten Jahre genommen wurde. Im „Gelben Elend“ in Bautzen erlebte er entsetzlichen Hunger, Kälte, Krankheiten und brutale Gewalt gegen Gefangene. Erst nach acht Jahren kam Kempowski frei – doch seine Jugend blieb in der Stadt, die heute – Stichwort “geschichtsvergessen” – allenfalls noch für ihren Senf bekannt ist.

Die Wähler legitimieren im Nachgang das Unterdrückerregime

Wer daher heute die SED-Geschichte relativiert, sollte sich diese und viele andere Beispiele ansehen. Und erst recht wer mit der heutigen Linken politisch zusammenarbeitet, sollte wissen, dass er mit ideologischen Verbrechern und den Erben von Politkriminellen zusammenarbeitet; eine Erkenntnis, die 32 Jahr nach der “Rote Socken“-Kampagne ausgerechnet in der völlig entkernten und rückgratlosen Union erfolgreich verdrängt wird. 65 Jahre Mauerbau müssten eigentlich überfälliger Anlass sein, nicht nur die unaufhaltsame Rückentwicklung vieler gesellschaftlicher und politischer Bereiche Richtung DDR dringend anzuprangern und zu stoppen, sondern endlich auch den Umgang mit den Nachfolgern dieses kriminellen “realsozialistischen” Systems zu ändern, sie nicht mehr zu hofieren, sondern sie mit ihren Taten zu konfrontieren. Was bei der richtigen Aufarbeitung des NS-Regimes in einigen Punkten überzogen wurde und heute in einen intellektuell dürftigen und im Zuge eines im Kern selbst faschistoiden „Kampfs gegen Rechts“ und AfD pervertiert wird, fehlt bei der Aufarbeitung des SED-Regimes gänzlich. Diese unverzeihliche Geschichtsvergessenheit geschieht auf den Rücken der Opfer, denen die Heimat, oft die Familie und vor allem ihre Würde genommen wurde.

Gerade aufrechte Linke, die im Sinne des Universalismus denken, müssten um die Erben der SED, die sich ironischerweise auch noch „Die Linke“ nennen, einen weiten Bogen machen. Eigentlich. Doch diese Linken scheinen inzwischen selbst ideologisch so verbrannt zu sein, dass sie das Unrecht nicht sehen – weil sie es nicht sehen wollen, weil es einfach nicht ins Narrativ der Abwehr einer angeblichen rechtsextremen Phantombedrohung und des ewigen “Kampfs gegen Rechts” – eines Kampfs, der längst zum Amoklauf gegen Realität, gesunden Menschenverstand und Logik geworden ist. Nochmals für alle Blinden und Ignoranten da draußen: Die SED war die “Rechtspartei” in einem Unrechtsstaat! Und wer die Nachfolgepartei dieser Gangster heute noch wählt, legitimiert im Nachgang nicht nur ein Unterdrückerregime, sondern beteiligt sich an der Errichtung des nächsten.


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