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Mittwoch, 19. August 2026

Propagandalügen um die USS Lincoln: Teherans Krieg gegen die Moral der US-Heimatfront

von Gregg Roman

Im Mittelpunkt einer beispiellosen iranischen Desinformationskampagne: Die USS Lincoln im Arabischen Golf



Am 11. August soll der Iran sieben amerikanische Seeleute getötet haben – jedenfalls auf dem Papier. “Mehr News”, eine Nachrichtenagentur der Islamischen Republik, berichtete von einem gewaltsamen Zusammenstoß an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln mit sieben Toten und mehreren Verletzten. Ein Berater des Kommandeurs des US Central Command (CENTCOM) sei auf dem Deck von Amerikas Flaggschiff im Arabischen Meer ausgebuht und mit Wasserflaschen beworfen worden. Die Quelle für diesen Bericht der angeblich desolaten Moral in den amerikanischen Seestreitkräften war “Tasnim”, ein mit den Revolutionsgarden eng verbundenes iranisches Medium, das sich seinerseits auf eine anonyme “informierte Militärquelle” berief. Die abenteuerliche Geschichte kursierte zwei Tage lang, bevor das CENTCOM überhaupt Stellung dazu nahm und die Meldung schließlich als das bezeichnete, was sie war – eine Ente. Es gab keine Toten; der einzige Seemann, der auf dem Träger – bereits am 3. August – über Bord gegangen war, hatte sich längst erholt. Ein englischsprachiger Newsletter hatte das angebliche Massaker vom 11. August bereits als Analyse aufbereitet und die Fälschung entlarvt, inklusive Details über die behaupteten “Messerstechereien”. Trotzdem ging die Falschmeldung auch im Westen viral. Innerhalb von zwei Tagen nach dem Dementi verbreitete eine iranische Botschaft die Darstellung von “Amerikas schwimmendem Gefängnis auf See”. Die Lüge hatte die Wahrheit bereits zweimal überholt.

Dass in der Militäroperation gegen den Iran auch US-Marinesoldaten ums Leben kamen, steht außer Frage und wurde auch nicht bestritten. Aber darum geht es hier nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Staat, der sich im Krieg mit den Vereinigten Staaten befindet, nun Tote der Gegenseite inszeniert – und zwar nach einem ausgetüftelten Zeitplan und für ein bestimmtes Publikum. Es ist Kriegspropaganda, während man in Washington größtenteils immer noch von einer bloßen Mediengeschichte spricht. Doch das ist es nicht. Es handelt sich hierbei selbst um den Teil einer militärische Operation: Demoralisierung durch Desinformation. Und sie zielt auf jene verwundbaren Ziele des amerikanischen System ab, die Teheran im Gegensatz zu den extrem geschützten Flugzeugträgern tatsächlich treffen kann: den Willen der Streitkräfte und der Familien, die hinter ihnen stehen.

Kein Zuckerschlecken für Truppe und Angehörige

Man muss Teheran hier fraglos zugestehen, dass diese Strategie durchaus intelligent ist. Denn natürlich ist der monatelange Einsatz der Lincoln kein Zuckerschlecken für Truppe und Angehörige, sondern tatsächlich eine brutale und belastende Mission. Der Flugzeugträger verließ San Diego im November 2025 für eine Routinefahrt; statt heimzukehren, geriet er stattdessen in einen Krieg. Für über 6.200 Mann Besatzung bedeutet das mehr als 260 Tage auf See und einen schon lange überschrittener Rekordzeitraum der Lincoln von über 200 Tagen ohne Hafenaufenthalt. Zehntausend Flugbewegungen, anderthalb Millionen Pfund verschossene Munition, eine Einsatzverlängerung ohne absehbares Ende. Da ist es kein Wunder, dass viele betroffene US-Familien teils intern gegenüber dem Marineministerium, teils öffentlich ihren Unmut und durchaus berechtigte Beschwerden äußerten – über die Verpflegung (die im Frühjahr tatsächlich kurzzeitig knapp wurde) über eingeschränkte Duschmöglichkeiten, Probleme der Postzustellung und allgemeine Erschöpfung. Einige dieser Kritikpunkte waren so berechtigt, dass selbst der CENTCOM-Kommandeur Probleme einräumen musste, die “bereits vor Monaten angesprochen worden”, aber unbeantwortet geblieben seien. Doch der Kommandeur schaffte tatsächlich Abhilfe.

Diese kriegsbegleitende Kritik ist in den USA seit jeher üblich; amerikanische Reporter berichteten darüber, wie es ihre Pflicht ist, Senatoren forderten Antworten, wie es ihre Pflicht ist. Und so ist diese aktuelle Belastung im Golf keine Ausnahmeerscheinung. Die USS Gerald R. Ford verbrachte sogar 326 Tage auf See, bevor sie im Mai zurückkehrte – der längste Einsatz eines amerikanischen Flugzeugträgers seit dem Vietnamkrieg. Solche verlängerten Einsätze entwickeln sich zu einem festen Bestandteil der Truppenbereitstellung bei der Marine; sie sind kein bloßer Zufall dieses Krieges. Das alles ist wahr, nichts davon ist Desinformation. Die Meldungen dazu sind Teil des üblichen Prozess, in dem ein demokratischer Staat die Mühen Kosten eines langwierigen Konflikts verarbeitet.

„Schlimmer als eine öffentliche Toilette”

Was aber Teheran daraus macht und wie es auf die vorhandenen Defizite aufbaut, ist etwas anderes. Die Methode ist simpel: Man nimmt einen wahren Faktenkern – erschöpfte Besatzung, lange Einsatzdauer, frustrierte und besorgte Angehörige – und bläht ihn bis zur Unkenntlichkeit auf zu einer brodelnden Stimmungslage. Der ursprünglich von der iranischen Botschaft in Kenia formulierte Satz “Amerikas schwimmendes Gefängnis auf See” wurde untermauert mit – aus der westlichen Presse (etwa “PressTV”, die dazu ein verwackeltes Video aus einem Waschraum präsentierte) – Zitaten des anonymen Ehepartners einer auf der Lincoln dienenden Soldatin zu den dort herrschenden Zuständen. Dieser habe gesagt, der Träger sei “schlimmer als eine öffentliche Toilette!”, und: “Kein Wunder, dass die Truppen über Bord springen wollen!“. Dazu erschien eine Grafik, die einen Matrosen hinter Gittern zeigte. Dankbar griff die iranische Propaganda dieses Material auf: Nur einen Tag später recycelte ein den Revolutionsgarden nahestehender Account dasselbe Material mit neuer Bildunterschrift als „Beweis“ dafür, dass die Matrosen der Dementi des CENTCOM widersprechen würden; ein Lego-Cartoon verspottete die Besatzung mit dem Slogan: “Vierzig Wochen! Kein Landgang!” In diesem spöttischen Kontext wurden dann auch die handfesten Lügen verbreitet von den sieben Toten, der erfundenen Meuterei und der behaupteten Zunahme von Suizidversuchen unter den US-Truppen – Phänomene, die laut Angaben der US Navy durch ihre Daten absolut nicht gestützt werden.

Informierten kommt das Szenario bereits bekannt vor, denn Teheran hatte den ersten Teil dieser Kampagne bereits im Frühjahr losgetreten: Im Februar und März hatte derselbe Propagandaapparat der Mullahs schon einmal einen Zusammenbruch inszeniert und vermeldet, die Lincoln sei von vier ballistischen Raketen getroffen worden, brenne lichterloh. Mal hieß es, die Lincoln sei gesunken, dann wieder, sie sei unter dem Vergeltungsfeuer der iranischen Marine zum Rückzug gezwungen worden. Faktenchecker bewerteten die schon damals in den westlichen sozialen Medien kursierenden Videos als dreiste Lügen und wiesen nach, dass es sich bei dem Material um wiederverwertete Clips und Videospiel-Animationen handelte. Selbst die links-kritische “New York Times” registrierte innerhalb von zwei Wochen mehr als 110 verschiedene pro-iranische Deepfakes; die “Foundation for Defense of Democracies” führte die Kampagne auf Netzwerke zurück, die dem Regime nahestehen.

Anders als zu Zeiten von Axis Sally und Tokyo Rose

Tatsächlich setzte der Flugzeugträger seine Mission unbeirrt fort. Also tat Teheran das, was Propagandisten immer tun, wenn die Lügen über das militärische Geschehen scheitern: Sie begannen, über die Menschen an Bord zu lügen. Der Schwenk von “Wir haben das Schiff versenkt” hin zu “Das Schiff zerstört seine eigene Besatzung” hält an der Behauptung einer amerikanischen Niederlage fest, macht aber den Nachweis durch Beweise überflüssig. Man kann kein Sinken fotografieren, das nie stattgefunden hat – aber ein Gerücht über die Moral der Truppe braucht gar kein Foto. Mildred Gillars alias “Axis Sally”, die jene berüchtigte US-Radiomoderatorin, die während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag des nationalsozialistischen Reichssenders Berlin englischsprachige Propagandasendungen für alliierte Soldaten gestaltete mit dem Ziel, die Moral der US-Truppen zu untergraben,brauchte für ihr Treiben einen Sender; “Tokyo Rose” (ein während des Zweiten Weltkriegs von US-Soldaten im Pazifik verwendeter Übername für englischsprachige Radio-Sprecherinnen, die im Auftrag des japanischen Propagandaministeriums auf Radio Tokyo Sendungen zur Demoralisierung der Alliierten ausstrahlten) brauchte ein Studio. Doch Teheran braucht beides nicht – denn das moderne Verbreitungssystem für Regimepropaganda ist bereits vom Westen errichtet und perfektioniert worden: Man nennt es „soziale Netzwerke“. Die auf die Beeinflussung der Moral abzielende Operation der Islamischen Republik basiert auf einer mehrschichtigen Architektur, die jedem Kenner einstiger sowjetischer „aktiver Maßnahmen“ vertraut vorkommt –auch wenn sie für das Zeitalter der Algorithmen aktualisiert wurde und heute auf eine Vielzahl freiwilliger Verbreiter im Westen zurückgreifen kann.

Staatliche Nachrichtenagenturen wie “Mehr News”, “Tasnim” und auch IRNA setzen die Falschmeldungen unter Nutzung sogenannter “grauer Quellen” in die Welt; Portale wie “PressTV” übersetzen sie in ein Englisch, das sich perfekt für Memes eignet; iranische Diplomaten-Accounts – ausgerechnet in Nairobi und Freetown (!) – fungieren dabei dabei als Litfaßsäulen, um den Anschein der Offizialität zu erwecken, wobei sie ihren zynischen Hass kaum verbergen (im vergangenen April spottete etwa die iranische Botschaft in Sierra Leone, für die “Handlanger Israels” lägen „keine Leckerbissen auf dem Tisch… Sterben dürfen sie für sie allerdings schon…”); sodann folgt die Phase der Einschleusung und Verbreitung – und genau diesen letzte Teil des Mechanismus müssen die Amerikaner verstehen, denn er findet in ihrem eigenen Land, in den sozialen Medien statt. Die erfundene Geschichte von den sieben Toten gelangte etwa über einen Substack-Kanal namens „Middle East Report“ zu amerikanischen Lesern – ein Name, der sich an eine etablierte Fachzeitschrift anlehnt, obwohl die Quelle für die Story über das “Lincoln-Massaker” tatsächlich ausschließlich – und ich meine wirklich ausschließlich – “Tasnim”, “PressTV” und IRNA waren

Ein US-Thinktank als nützlicher Idiot Teherans

Das am weitesten verbreitete Machwerk jenes “August-Zyklus” der Mullah-Propaganda jedoch stammte keineswegs von einer staatlichen Nachrichtenagentur, sondern kam von einem hochrangigen Vertreter eines Washingtoner Think-Tanks: Trita Parsi, Executive Vice President des Quincy Institute, veröffentlichte ein Foto, das ihm nach eigener Aussage „direkt aus dem Einsatzgebiet“ zugesandt worden war: Zu sehen waren darauf Graffiti im Staub eines angeblich an Bord eines Trägers auf den Einsatz wartenden Flugzeugs mit den Slogans “Operation Epstein Fury” und „All this for the Holy Land“ (“Das alles fürs Heilige Land”), ergänzt durch die Aussage eines anonymen Soldaten, hinter der militärischen Operation gegen den Iran stehe “keinerlei moralische Überzeugung”. Innerhalb von weniger als einem Tag verzeichnete der Beitrag 13,7 Millionen Aufrufe – obwohl luftfahrtkundige Leser das Flugzeug binnen weniger Stunden als einen KC-135-Tanker identifizieren konnten, ein landgestütztes Modell, das von einem Flugzeugträger aus überhaupt nicht operieren kann. Zudem war es auf einem Untergrund fotografiert worden, der wie Beton aussah. Parsi hatte zwar nicht behauptet, das Bild stamme von der Lincoln, doch das spielte keine Rolle – denn der Beitrag bediente genau das Narrativ, das Teheran zu jenem Zeitpunkt forcierte. Bis heute sind die offenen Fragen zur Herkunft des Bildes noch immer ungeklärt, während Aggregator-Accounts Parsis eher vorsichtige Formulierungen natürlich weglassen und das Bild als Tatsache weiterverbreiten.

Kriege um die Moral bringen immer ihre spezifische Art von Stimme hervor: Eine, die sich gewandt ausdrückt, über entsprechende Referenzen verfügt und das heimische Publikum im vertrauten Tonfall anspricht. Die Amerikaner gaben diesem Genre in den 1940er-Jahren die bereits erwähnten Namen wie „Axis Sally“ und „Tokyo Rose“, Bezeichnungen, die die langwierigen Prozesse und Gerichtsverfahren zu diesen Machenschaften symbolträchtig überdauerten, weil sie eine Funktion beschrieben und nicht ein bloßes Urteil. Amerika begnadigte die bekannteste Vertreterin des Phänomens “Tokyo Rose“, Iva Toguri, später – doch der Begriff “Tokyo Rose“ wurde beibehalten. Die moderne Variante dieser Kriegspropaganda benötigt, wie gesagt, keine Sendeanstalten in Berlin oder Tokyo mehr. Sie verfügt mit dem Quincy-Institute und Trita Parsi über ein Podium nur drei Häuserblocks vom Weißen Haus entfernt, und die griffige Bezeichnung dafür liefert sich quasi von selbst: “Teheran-Trita”. Doch diese Story umfasst mehr als nur ein Foto: Parsi wurde in Ahvaz geboren und wuchs ab seinem vierten Lebensjahr in Schweden auf, in einer Familie von vor dem Regime geflohenen Exil-Iranern; sein Vater saß sowohl unter dem Schah als auch unter Khomeini im Gefängnis – eine Geschichte, die Parsi selbst erzählt. Er promovierte an der Johns Hopkins University bei Francis Fukuyama und gründete 1997 die Gruppe “Iranians for International Cooperation” (IIC). Laut internen Dokumenten, die von Autoren des Forums veröffentlicht wurden, bestand das erklärte Ziel der Gruppe darin, “Druck auf US-Gesetzgeber auszuüben, damit diese eine iranfreundlichere Haltung einnehmen”. Im Jahr 2002 gründete Parsi den “National Iranian American Council” (NIAC) und leitete diesen siebzehn Jahre lang. 2019 war er Mitbegründer des Quincy Institute – finanziert übrigens durch Startkapital von George Soros und Charles Koch – und wechselte vom Bereich der politischen Interessenvertretung ins Gewand der wissenschaftlichen Forschung.

Delikate Verurteilung

Gerichtsakten liefern konkrete Details zu diesem Vorgang: Im Jahr 2008 verklagten Parsi und der NIAC den iranisch-amerikanischen Forscher Hassan Daioleslam, weil ihn dieser Lobbyarbeit für das iranische Regime vorgeworfen hatte. Der Rechtsstreit endete 2012 mit einem Urteil im Schnellverfahren (“Summary Judgment”), das in allen Punkten zu Ungunsten Parsis ausfiel. Im Zuge des Verfahrens zur Offenlegung von Beweismitteln (“Discovery”) kamen interne NIAC-Unterlagen ans Licht – und darunter befanden sich Hinweise auf Parsis Rolle bei der Organisation von Treffen zwischen Javad Zarif, dem damaligen iranischen UN-Botschafter und Kongressabgeordneten, sowie eine interne NIAC-eMail mit dem Eingeständnis: “Ich glaube, wir fallen unter diese Definition von ‚Lobbyist‘.“ Das Gericht sah es aufgrund der Beweislage als erwiesen an, dass Parsis Seite ein vorgelegtes Dokument – ​​die ursprüngliche IIC-Satzung – vorsätzlich manipuliert hatte: Sieben Jahre nach Auflösung der Gruppe war das Wort “Lobby” darin durch “Advocacy” (“Interessenvertretung”) ersetzt worden. Der Richter verurteilte Parsi und den NIAC zur Zahlung von 183.480,09 US-Dollar wegen eines “beunruhigenden Musters an Verzögerungstaktiken und Unnachgiebigkeit”. Dieses Urteil wurde in der Berufungsinstanz bestätigt. Die Verteidigungskosten des Verfahrens wurden teilweise vom „Legal Project“ des Forums getragen. Zudem formulierte das Bezirksgericht einen Satz, der Parsi seither begleitet: Seine Arbeit stehe “nicht im Widerspruch zu der Vorstellung, dass er in erster Linie ein Fürsprecher des Regimes war”.

Weder der NIAC noch Parsi haben sich jemals gemäß dem US-Foreign Agents Registration Act, dem Gesetz zur Registrierung ausländischer Agenten, registrieren lassen. Im Jahr 2020 forderten drei US-Senatoren das Justizministerium auf, zu prüfen, ob eine solche Registrierung nicht dringend erforderlich sei. Der NIAC bezeichnete die Anschuldigungen als „verleumderisch“, erklärte, keine Gelder von Regierungen zu erhalten, und verwies darauf, dass er die Menschenrechtsverletzungen des Regimes “regelmäßig verurteilen” würde; zu einer offiziellen Untersuchung kam es nie. Das Netzwerk verfügt auch über einen europäischen Zweig: Ein zweiter Parsi – Rouzbeh Parsi – verließ das Schwedische Institut für Internationale Angelegenheiten (UI) nach einer internen Überprüfung seiner nicht offengelegten Rolle in der “Iran Experts Initiative”; aus durchgesickerten E-Mails des Außenministeriums ging hervor, dass dieses Netzwerk von Teheran aus gesteuert wurde. Er bestreitet jede Zusammenarbeit mit dem Regime.

US-Professoren als Herolde von Hisbollah & Co.

Bei der Offenlegung dieser Aktivisten und Verflechtungen kommt es vor allem auf Präzision an. Lassen Sie mich also präzise sein: Ich behaupte nicht, dass diese Amerikaner Befehle aus Teheran entgegennehmen. Dafür gibt es keinerlei Belege; weder habe ich solche nicht weiß ich von sonst jemandem, der sie besitzt. Das Gericht hat Parsi auch nie als Agenten des Iran eingestuft; es entschied lediglich, dass dem Forscher, der ihn so bezeichnet hatte, keine böswillige Absicht nachgewiesen werden konnte, und setzte die Kosten für Parsis Prozessführung auf 183.480,09 Dollar fest. Das sind unterschiedliche Sachverhalte, und dieser Unterschied ist von Bedeutung. Die Verstärkung und Unterstützung von Botschaften ist etwas, was Propagandisten eines Regimes mit einem “Ziel-Ökosystem” im jeweiligen schon immer tun – sei es mit Zustimmung des Regimes oder ohne. Wenn ein Senator in der iranischen Propaganda zitiert wird, ist dies ein Beleg für die Propaganda selbst, nicht dafür, dass der Senator Propagandist ist.

Den Krieg gegen Iran zu kritisieren ist das Recht jedes Amerikaners; und auch ich habe meine Kritikpunkte an Washingtons Vorgehen. Doch es besteht ein Unterschied zwischen der Ablehnung eines Krieges und der massenhaften Verbreitung nicht überprüfbarer Beweise und einer nur dem Feind nützlichen Falschdarstellung, die ein feindlicher Staat aktiv gegen amerikanische Familien zur Demoralisierung einsetzt – bei anschließender kategorischer Weigerung, grundlegende Fragen nach der Herkunft dieses Materials zu beantworten. Ersteres ist Widerspruch, und dafür braucht es keine Genehmigung. Letzteres ist Fahrlässigkeit mit Auswirkungen auf Millionen von Menschen, mitten im Krieg und genau dort, wo ein feindlicher Staat operiert. Und diese Fahrlässigen verfügen über Namen, Plattformen und institutionelle Verbindungen, die ihnen eine bedenkliche Glaubwürdigkeit verleihen, die Teheran selbst sich niemals erkaufen könnte. Ein weiteres Beispiel dazu: Ein Professor einer amerikanischen Universität gab “Al-Mayadeen”, einem mit der Hisbollah verbundenen Sender, ein Interview, in dem er dessen Publikum ebenfalls erklärte, die Lage auf der Lincoln werde allmählich “unerträglich”, und ein deshalb unter innenpolitischen Druck geratender “verzweifelter” amerikanischer Präsident Trump könnte bald Atomwaffen einsetzen. Der Sender hat genau das erreicht, wofür er den Akademiker gebucht hatte.

Freifahrtschein für die nächste Lüge

Es gibt fünf Gründe und Ziele, warum Teheran so viel in diese Moralkampagne investiert. Erstens signalisiert es so der eigenen, angeschlagenen Öffentlichkeit wirksam die Botschaft: Wir brechen die Amerikaner! Zweitens profitiert Teheran vom realen Einbruch der amerikanischen Unterstützung für den Krieg: im Juli gaben nur noch 12 Prozent der Amerikaner gegenüber Meinungsforschern der Marquette-Universität an, die Kampagne habe ihre Ziele erreicht, im Vergleich zu 21 Prozent im April. Drittens treibt das Regime so einen Keil zwischen die USA und Israel, indem es jede Härte als Preis für das Heilige Land darstellt – eine Botschaft, die sowohl die extreme Linke als auch die isolationistische Rechte gleichermaßen ansprechen soll. Viertens erschwert es die Rekrutierung neuer US-Soldaten, indem es Anwärtern erzählt, die Marine sei ein schwimmendes Gefängnis – eine Sabotage, die vor allem auf die Rekrutierungszahlen des nächsten Jahres abzielen. Und fünftens adressiert die Propaganda den globalen Süden, wo Botschaftsberichte in englischer Sprache Nairobi und Johannesburg verkünden, das amerikanische Jahrhundert ende in verschimmelten Duschen.

Das Tragische dabei: Teheran musste für diese Kampagne nicht einmal das Rohmaterial erfinden; Amerikanische Berichterstattung, Zeugenaussagen von Angehörigen und politische Konflikte lieferten es. Teheran wählte nur daraus aus, bauschte es auf, fälschte es – und exportierte die Informationen wieder, damit sie von Multiplikatoren wiederum bei uns im Westen weiterverbreitet wurden. Und hier kommt der unangenehme Teil für uns: Washington liefert Teheran immer wieder bestes Material. Als bei dem kurzzeitigen Versorgungsengpass im April wütende Soldatenfamilien Fotos von dürftigen Rationen an Bord veröffentlichten, wies die US Navy die Berichte als “falsch” zurück – obwohl sich einige Probleme eben doch als real erwiesen (und schließlich vom CENTCOM-Kommandeur behoben wurden). Und nun, im August, wies Kriegsminister Pete Hegsetg die Berichte über die Zustände auf der Lincoln ebenfalls als „völlig falsch dargestellt“ zurück, während US-Präsident Trump gar am vergangenen Freitag erklärte, die Seeleute seien noch „bei weitem nicht lange genug“ im Einsatz. Solche Aussagen machen die Propaganda leider aus Sicht vieler Voreingenommener umso glaubwürdiger. Jedes pauschale Dementi, das später bröckelt, dient als Freifahrtschein für die nächste Lüge – und Teherans Dementi-Maschinerie funktioniert genau mit diesem Treibstoff: Das CENTCOM sagt „falsch“, und innerhalb weniger Tage präsentiert die Maschinerie jedes neue Beschwerdevideo als mutige Widerlegung einer Vertuschung.

Transparenz ist keine bloße PR-Geste

Doch man besiegt diese Maschinerie nicht mit Adjektiven. Man besiegt sie nur mit Daten. Deshalb muss genau das passieren: Mr. President, veröffentlichen Sie die Daten! Das Pentagon sollte die detaillierten Zahlen, die es derzeit nur unter Druck preisgibt, regelmäßig veröffentlichen: Fallzahlen psychischer Erkrankungen pro Schiff, Personalbindung pro Schiff, Nachschubprotokolle, Hafenanlaufpläne im Vergleich zu historischen Referenzwerten. Tatsächlich sind die Reenlistment-Zahlen – die Wiedereinstellungsquote – auf der „Lincoln“ mit 84,4 Prozent laut CENTCOM-Angaben eine der höchsten aller Flugzeugträger der Flotte. Dies ist der wohl schlagendste und vernichtendste Beweis gegen die Behauptung, die Flugzeugträger seien “schwimmende Gefängnisse”. Leider gab das Kommando diese Zahl erst bekannt, nachdem die Verbreitung von Falschmeldungen bereits ihren Höhepunkt erreicht hatte. Warum? Transparenz ist keine bloße PR-Geste. Gegen einen Gegner, dessen gesamte Siegesstrategie auf dem Spannungsfeld zwischen offiziellen Formulierungen und sichtbaren Fakten beruht, dient absolute Offenheit und Ehrlichkeit effektiv dem Schutz der eigenen Streitkräfte – und der Vertrauensstärkung der Bevölkerung.

Als nächste Maßnahme müssen die als Verbreitungsvektoren dienen Plattformen endlich ihren eigenen Regeln folgen. Die Accounts der iranischen Botschaft sind nach jeder ehrlichen Definition Staatsmedien; – und sollten auch als solche gekennzeichnet werden und, wenn nötig, die damit verbundenen Reichweitenbeschränkungen tragen. “PressTV”, ein Ableger eines staatlichen Senders, der vor Jahren vom Finanzministerium sanktioniert wurde, nutzt amerikanische Kanäle unmarkiert, ohne Offenlegung seiner Verstrickungen. Das Deepfake-Archiv aus dem Frühjahr liegt offen zutage vor den Augen all derjenigen, deren Richtlinien für synthetische Medien nicht durchgesetzt werden. Der Kongress sollte X und Meta schriftlich und öffentlich nach den Gründen dazu fragen.

Korrektur und Richtigstellung als Bringschuld der Desinformationsmedien

Sodann müssen härtere staatliche Gegenmaßnahmen dringend erwogen werden werden. Das Finanz- und das Außenministerium sollten prüfen, ob die aktuellen Sanktionen gegen “Mehr-News”, “Tasnim” und “Al Mayadeen” angesichts von deren wohldokumentiertem Desinformationsverhalten während dieses Krieges ausreichen . Es geht hier nicht um die Bestrafung von Meinungsäußerung – sondern darum, dass Instrumente der militärischen Informationskampagne eines feindlichen Staates endlich als das behandelt werden sollten, was sie sind. Und die Task Force für ausländische Einflussnahme des FBI sollte endlich eine nicht-klassifizierte Bewertung der iranischen Operationen gegen amerikanische Militärfamilien veröffentlichen – denn diese Familien sind eine Zielgruppe, und daher haben sie ein Recht darauf, von ihrer eigenen Regierung darüber informiert zu werden – und dies nicht erst aus ihren Facebook-Gruppen erfahren zu müssen!

Generell sollten die für die Verbreitung von Falschmeldungen Verantwortlichen mit gesetzlichen Mitteln, öffentlich und bei Vorliegen entsprechender Beweise zur Rechenschaft gezogen werden. Redakteure, die die Märchengeschichte über die sieben Toten veröffentlicht haben, schulden ihren Lesern zumindest Korrektur und Richtigstellung – und diejenigen, die sich weigern, sollten namentlich in einer öffentlichen Liste von Medien aufgeführt werden, die staatliche ausländische Falschmeldungen verbreitet und die Augen vor evidenten Gegenbeweisen verschlossen haben. Kommentatoren, die propagandistische Artefakte aus dem “Einsatzgebiet” vor einem Millionenpublikum verbreiten, sollten grundlegende Fragen zur Herkunft ihrer Quellen beantworten müssen – oder fortan dauerhaft mit dem Makel leben, diese Offenlegung verweigert zu haben. Und Universitäten, deren Lehrkräfte sich vor Kameras von Hisbollah-nahen Medien inszenieren, sollten offiziell dazu befragt werden, wie sie zu dieser Komplizenschaft mit Feindpropaganda stehen. Nichts davon ist Zensur; es geht hier um den ganz normalen Mechanismus professioneller Rechenschaftspflicht, angewandt auf Menschen, die sich bisher in der bequemen Sicherheit wiegen, sie könnten sich diesen Regeln entziehen. Hier greift die „Daylight Doctrine“ (“Doktrin des Lichts”) für Kriegszeiten: Man zwingt die fremde Hand – und jene Hände, die ihr als Waschhilfe dienen – ans Tageslicht und überlässt es sodann den Amerikanern, über das Gesehene zu urteilen.

Schluss mit der Duldung iranischer Propaganda!

Und schließlich muss die amerikanische Zivilgesellschaft das leisten, was der Regierung verwehrt bleibt. Washington selbst wird in eigener Sache stets als unglaubwürdiger Überbringer der Botschaft wahrgenommen; der Beweis muss daher von außen kommen. Das erfordert unabhängige Beobachter, die jede Fälschung der staatlichen Medien archivieren, bevor sie gelöscht wird (und Teheran löscht solche Inhalte tatsächlich). Es erfordert forensische Analysen viraler Inhalte, deren Ergebnisse unabhängig von ihrem Ausgang veröffentlicht werden müssen. Es erfordert außerdem, das nächste Narrativ dann zu entlarven, bevor es Fuß fasst – und dass es andernfalls Fuß fassen wird, ist sicher. Ein Beispiel: Die US-Marine hat am Wochenende – in einer Abkehr von Trumps trotziger Aussage, die Marinesoldaten sein noch nicht lange genug auf See – den Träger USS George Washington als Ablösung für die Lincoln in Marsch gesetzt. Und was tun iranische Medien? Sie stellen diesen Wechsel prompt als “Rückzug” dar.

Vor allem aber braucht es eine Botschaft an die Familien der Militärangehörigen, dass die Regierung deren Sorgen ernst nimmt – gerade weil sie sich weigert, zuzulassen, dass Teheran diese für seine Zwecke instrumentalisiert. Echte Probleme auf offiziellen Wegen zur Sprache zu bringen, wäre ein Akt des Patriotismus. Dass ein feindseliger Staat die Sorgen der eigenen Bevölkerung dankbar propagandistisch aufgreift und sie voller Häme zur Schau stellt, ist nicht hinnehmbar und genau das, worauf der Gegner abzielt. Damit muss Schluss sein. Die Besatzung der Abraham Lincoln wehrte neun Monate lang alles ab, was die Islamische Republik gegen sie ins Feld führte: Raketen, Drohnen und schließlich die Verleumdung, sie sei psychisch zusammengebrochen. Sie hat standgehalten, die 84,4 Prozent haben standgehalten. Die Frage ist nun, ob die hinter ihnen stehenden Institutionen – das Pentagon, die Plattformen, die Presse, die akademische Welt – auch nur einen Bruchteil dieser Disziplin aufbringen können. Teheran segelt unter falscher Flagge und hisst die Trauer unserer Familien als seine eigene Kriegsflagge. Holt diese falsche Flagge endlich ein! Tut es mit Daten, mit Kennzeichnungen, mit Richtigstellungen, mit Namen! Die Truppenmoral ist längst ein eigenes Schlachtfeld und der Gegner weiß das ganz genau. Die einzige Frage ist: Wann fangen auch wir an, uns entsprechend zu verhalten?