von Meinrad Müller
Ikonisch: Uli Siegmund führt die Ausfahrt auf dem Kult-Vehikel anGut 700 Simson-Mopeds und Autos ziehen an diesem Sonntag, den 23. August 2026 in einem kilometerlangen Korso durch den Harz. An der Spitze fährt Ulrich Siegmund auf seiner hellblauen Simson. Als sich der Zug am Ziel in Quedlinburg gesammelt hat, steigt der 35-Jährige in Jeans und T-Shirt auf die Bühne. Vor ihm stehen Tausende jubelnde Menschen.
„Was ist hier gerade passiert?“, ruft Siegmund in die Menge, um dieselbe Frage gleich noch einmal zu wiederholen. Man spürt, dass er selbst kaum fassen kann, was er da gerade erlebt hat – die riesige Begeisterung, die volksfestartige Stimmung, ein positives Gemeinschaftsgefühl, das längst zur Seltenheit geworden ist, weil Versammlungen von Deutschen im eigenen Land, es sei denn zu “Demos gegen Rechts”, längst unter politischen Generalverdacht gestellt sind. Doch hier lässt sich niemand die gute Laune nehmen.
Auf dem Veranstaltungsgelände sind nach groben Schätzungen zwischen 8.000 und 10.000 Besucher versammelt, vielleicht mehr.
Unterwegs musste der Korso mehrmals anhalten: Der Zug war zeitweise vier Kilometer lang, an seinem hinteren Ende waren noch längst nicht alle losgefahren, während die Spitze bereits wartete. Doch niemand soll zurückbleiben; auch das sagt Siegmund zweimal, und es ist durchaus auch im übertragenen Sinne gemeint.
Genau dieses Erlebnis von Gemeinschaft und Solidarität greift Siegmund auf. Alle vor der Bühne wissen, wovon er spricht. Sie haben den Lärm der Motoren gehört, den Zweitaktgeruch in der Nase und die Menschen an den Straßen gesehen. In den Dörfern standen Familien. Kinder winkten. Smartphones wurden gezückt, der Jubel war groß.
Junge und Alte seien dabei gewesen, sagt Siegmund stolz, Arme und Reiche, Menschen aus Ost und West. Heute habe man gezeigt, was Zusammenhalt wirklich bedeute.
Seine Sätze tragen keine Bügelfalte
Siegmund wiederholt sich noch ein paar Mal, setzt wieder neu, so mancher begonnene Satz sucht unterwegs noch nach seinem Ende. Der eigentlich eloquente Volkstribun ist sichtlich schwer gerührt und ergriffen. Doch seine Worte sind authentisch. Sie klingen nicht, als seien sie zuvor durch den Filter von Bürovorstehern, Pressesprechern KI oder gar einer politischen Waschmaschine gelaufen.
Er spricht so, wie die Menschen vor ihm sprechen: Klartext. Das, wovon Siegmund erzählt ist nichts unbedingt Neues; nichts, was er nicht schon viele Male von Bühnen gerufen hat. Aber es ist trotzdem immer wieder hörenswert, weil es so wichtig wie wahr ist. Siegmund erzählt von der Heimat, die viele seit 2015 nicht mehr wiedererkennen. Von den Kindern und Enkelkindern in diesem Land und von dem Wunsch, dass es ihnen eines Tages besser gehen soll.
Siegmund blickt auf die Kinder vor der Bühne. „Ihr seid die Zukunft“, sagt er. Was bei anderen Politikern abgedroschen und pathetisch klingt, kommt bei ihm von Herzen. Er meint, was er sagt, und ist bereit, dafür zu kämpfen – und die Menschen spüren das. Genau dafür will er weitermachen, sagt er – allen Anfeindungen und Anwürfen zum Trotz. Nicht als Bewegung gegen etwas, sondern als „Welle des positiven Aufbruchs“ für das Land. .Große Worte, gewiss; doch von dieser Bühne blicken sie nicht von oben auf die Menschen herab. Sie sind Teil von ihnen. Siegmund und die mit ihm versammelten AfD-Politiker auch aus anderen Ost-Bundesländern erleben gemeinsam mit den Bürgern einen unvergesslichen Tag. Hier wird Politik greifbar, spürbar, unfassbar.
Der “Spiegel“ hilft beim Wahlkampf
Dann bedankt sich Siegmund nochmals für die Wahlkampfhilfe – ausgerechnet beim “Spiegel“: Das Hamburger Magazin hatte sein Konterfei im Stil eines Fahndungsplakats auf die Titelseite gesetzt, drunter stand in großen roten Buchstaben ironiefrei: “Der gefährlichste Mann Deutschlands”. Siegmund greift die absurde Zuschreibung auf – und die Menge lacht aus vollem Herzen. Jeder weiß, dass sich die politischen Lügen und die Gegenpropaganda totgelaufen haben.
Siegmund nennt das “Spiegel“-Cover sein größtes Wahlkampfgeschenk: Viele Deutsche, die ihn vorher nicht kannten, kennen nun sein Gesicht. Einige Besucher haben die “Spiegel“-Ausgabe hier nach Quedlinburg mitgebracht. Sie halten ihm das Pamphlet aus Hamburg hin und bitten um seine Unterschrift. Siegmund signiert sein eigenes Fahndungsbild wie ein Pop-Literat seinen neuesten Bestseller.
Doch die Gegenseite kann es nicht lassen:
Auch „Spiegel TV“ wartet bereits auf ihn. Der Reporter möchte über die “fragwürdige Vergangenheit” eines Mannes sprechen, der für Siegmund Bilder macht. Siegmund möchte lieber über günstigen Kraftstoff, sichere Städte und Ordnung in den Schulen reden – denn d
as, sagt er, seien die Sorgen der Menschen vor Ort; was Journalisten aus Hamburg ihnen über Sachsen-Anhalt erklären wollten, sei ihm gleichgültig. Das hat gesessen, das Gespräch ist beendet.
Siegmund kennt keine Berührungsangst. Rund anderthalb Stunden erfüllt er noch die Wünsche nach einem Händedruck, einem Foto oder einer Unterschrift. Keiner bleibt zurück – auch wenn der Zeitplan längst aus den Fugen geraten ist, denn weitere Termine warten. Seine Familie habe ihn seit Wochen kaum gesehen, erzählt er, und erklärt voller Zuversicht: Noch 14-mal schlafen – dann wird in Sachsen-Anhalt gewählt!
Siegmund verabschiedet sich. Doch er hält inne und findet doch noch etwas, das er mitteilen möchte: Die nächste Simson-Ausfahrt wird kommen – garantiert!
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