von Hans S. Mundi
Dauerwurst, Dauerloch, Dauergag: Stuttgart 21 oder: Zieht euch waaaarm an…Stuttgart 21 als der neue Tief(kühl)bahnhof: Das Dauerfanal von Infrastruktur- und Planungsversagen im “neuen Deutschland”, die ungewollt typische „ewige Baustelle“ der defekten Republik, sorgt wieder mal für knallig-rumpelnde Schlagzeilen. “Tiefkühl”? Jawohl, Sie haben richtig gelesen – denn laut einer skurrilen aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Bahn (DB) bleibt es zukünftig angeblich auch ohne Klimaanlage (!) beim wann auch immer fertiggestellten Tiefbahnhof, der längst zum Synonym für Fehlplanung, Baustellen-Chaos und dilettantisches Polit-Management geworden ist, stets angenehm kühl – und das garantiert auch im tödlichsten Hitzesommer. Die für deutschlandweites Chaos mit ständigen Verspätungen, technischen Pannen und sonstiger Dysfunktionalitäten seit mittlerweile schon Jahrzehnten berühmt-berüchtigte DB erklärt darüberhinaus in einem Erklärvideo im Netz, warum im neuen Stuttgarter Tiefbahnhof keine Klimaanlage geplant ist. Was für Laien überzeugend klingt oder klingen soll, erntet allerdings bitterböse Resonanz von Experten. Die Reaktion auf die Ankündigung, die krampfhaft versucht, den Mangel zum gewollten Clou und die Not zur Tugend zu machen, ist ein mehr als deutlicher Hinweis darauf, dass dieser einst technikstarken Nation längst der gute Glaube an hiesige Ingenieurskunst, Solidität des eigenen Handwerks und Vertrauen in die technische Überlegenheit inzwischen ebenso vollständig abhanden gekommen ist wie jede finanzielle Handlungsfähigkeit.
Ein Land und seine Leute lachen und lästern nur noch über sich selbst und das Schlimme ist. Sie haben recht damit. Wir haben fertig. Tonnenweise Spott ernteten die Experten der DB, welche hier abgrundtiefe Respektlosigkeit quasi stellvertretend für unfähige deutsche Politik und imperfektes Verwaltungshandeln entgegenschallt. Und ebenso wie bei Politik und Behörden ist es auch bei der DB erstaunlich ist, dass man anscheinend ernsthaft denkt, die Leute würden ihnen noch irgendetwas glauben. Die Kommentare über den angeblich so “intelligenten“ Verzicht auf eine Klimatisierung sprechen für sich: “Weil der Bahnhof erst zur nächsten Eiszeit fertiggestellt sein wird. Clever”, schreibt ein User unter dem auf Youtube veröffentlichten Clip der Bahn. “Da werden sich meine Ur-ur-ur-Enkel freuen über angenehme Temperaturen bei der Eröffnung“, schreibt ein anderer – und bezieht sich damit darauf, dass die Bahn die Eröffnung des Bahnhofs erst vor kurzem um weitere fünf Jahre auf Ende 2031 verschoben hatte.
Blick ins Desaster-Loch von Stuttgart
Die DB hatte in ihrem Video im Internet erklärt, dass der neue Tiefbahnhof wegen seiner Lage in der Erde ohne eine zusätzliche Klimaanlage auskommen werde: “Dadurch nehmen die Bauteile die Temperatur des Untergrunds an und das massige Bauwerk im Zusammenspiel mit der Einbettung in das Erdreich bewirkt, dass die Temperaturen hier im Inneren relativ konstant bleiben”, erklärte René Krull vom technischen Projektmanagement von Stuttgart 21 in besagtem Video. Zudem liege der Bahnhof am tiefsten Punkt des Stuttgarter Talkessels. Alle Tunnel, die daran anschließen, führten nach oben, heißt es in dem Video. „Das heißt, einströmende Luft kühlt sich ab und drückt nach unten in den Bahnhof rein. Das sorgt dafür, dass die Temperatur im Bahnhof relativ konstant über das gesamte Jahr bleibt“, so Krull. Hinzu komme die Bewegung der Züge, die ebenfalls für einen Wechsel der Luft zwischen Tunnel und Bahnhof sorge. Soso.
Man muss weder Geologe, Physiker noch Klimaforscher sein, um derartige Erläuterungen in Zweifel zu ziehen und sich bei diesen “Machern” nichts Gutes auszumalen. Auf der Baustelle wurden bekanntlich schon mal die Zuleitung für Sprinkleranlagen, Heizungselektronik oder die Bestellung passender Bauteile vergessen. Und nun wollen uns diese “Profis” und Experten für Chaos und Terminirrsinn allen Ernstes weismachen, sie könnten da unten im Erdreich die Temperaturen schon auf Jahre (!) hinaus genau prognostizieren – wobei sie bei ihrem perspektivischen Blick nach vorn in ihr Desaster-Loch von Stuttgart seltsamerweise Faktoren wie Eigen- und Abwärme durch Rohrleitungen, Ein- und ausfahrende Züge, Extremwetterlagen vor den Tunnelzugängen, Temperaturschwankungen durch mutmaßlich ungeplant übergroße Menschenansammlungen innerhalb und außerhalb der Züge wie auch sonstige Variablen exakt kennen wollen. Was die allgemeine Skepsis angesichts dieses “ausgeklügelten“ Blindflugs beweist, ist dies: „Made in Germany“ ist als Marke und Gütesiegel für handwerklich-fachliche Qualität ebenso so am Boden zerstört wie (seit und dank Merkel) der deutsche Grenzschutz, die Innere Sicherheit und die ehemaligen deutschen Atomkraftwerke. Die völlige Ernüchterung und der grimmige Spott angesichts der S21-Ingenieursnabelschau ist das Spiegelbild des fundamentalen Autoritätsverlust des Staates und all seiner Institutionen ebenso wie des gigantischen Vertrauensverlusts der Bürger. Politik, Behörden, Staatspersonal und Staatsbetriebe wirken nur noch lächerlich. Stuttgart 21 – es darf gelacht werden. Und bald heißt es dann wohl flächendeckend: Macht euren Scheiß doch alleine!
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