Samstag, 26. März 2022

Der Totalaufall im Bundesministerium der Verteidigung...

von Thomas Heck...

Das Verteidigungsministerium ist zu wichtig, um es zum 3. Male in Folge mit einer unfähigen Null zu besetzen. Waren Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer wenigstens noch interessiert und engagiert, hat mit Christine Lambrecht ein absoluter Feind des Militär im Bendler-Block Einzug gehalten. Doch angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Europa kann es nicht angehen, wenn dieses wichtige Ministerium mit der grössten Zahl an Mitarbeitern und Soldaten einer absoluten Null anvertraut wird. Nicht ohne Grund hat Olaf Scholz in Teilbereichen Kompetenzen von Lambrecht abgezogen. 

Es ist der Bundeswehr nicht zuzumuten, wenn immer wieder aufgrund von Parteienproporz und Quoten unfähige Frauen der Truppe übergestülpt werden, die monatelang erst in die Materie eingearbeitet werden müssen und am Ende ihrer Dienstzeit immer noch nicht verstehen, wie Soldaten ticken, die immerhin für uns alle ihren Kopf hinhalten. Und es ist gelinde gesagt eine Frechheit, auf den Posten eine Quotenrau wie Christine Lambrecht zu setzen, die auf den Job schlichtweg keinen Bock hat...


Die Bundeswehr steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte, das Verteidigungsministerium ist wichtiger denn je. Doch die zuständige Ministerin Christine Lambrecht macht eher durch Patzer als Visionen auf sich aufmerksam. 

Drei Tauglichkeitsgrade gibt es im Wehrpflichtgesetz: Wehrdienstfähig, vorübergehend nicht wehrdienstfähig, nicht wehrdienstfähig. Jeder und jede, die sich bei der Bundeswehr bewirbt, wird bei der Musterung darauf geprüft. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht hat Glück, dass für die politische Führung keine Tauglichkeitsprüfung vorgesehen ist. Denn das Ergebnis fiele derzeit vermutlich nicht besonders schmeichelhaft aus. 

Seit ihrem Amtsantritt leistet sich die 56-jährige Juristin vergleichsweise viele Fauxpas. Der jüngste unterlief ihr am Rande des Treffens der EU-Verteidigungsminister und -ministerinnen am Montag in Brüssel. Bei einem Pressestatement kündigte Lambrecht an, sie werde den Kolleginnen und Kollegen anbieten, "dass das militärische Herzstück, die schnelle Eingreiftruppe, dann im Jahr 2025 für ein Jahr von Deutschland gestellt werden kann".

Ministerium muss korrigieren

Im heimischen Ministerium brach daraufhin Hektik aus. Denn die schnelle Eingreiftruppe, um die es geht, soll 5.000 Soldaten umfassen. Diese Aufgabe aber kann Deutschland gar nicht stemmen. Bereits angeboten hatte die Bundesregierung aber, einen Gefechtsverband in einer Größenordnung von 1.500 bis 2.000 Soldaten zur Verfügung zu stellen. Quasi als "Herzstück" dieser Eingreiftruppe. So hatte es Lambrecht vermutlich auch auf ihrem Sprechzettel stehen, den Mitarbeiter für solche Termine vorbereiten. Formuliert aber hat sie es anders.

Das Verteidigungsministerium versuchte den Patzer unauffällig zu korrigieren und twitterte, die Ministerin habe angeboten, "dass der Kern der schnellen Eingreiftruppe für 2025 die #Bundeswehr bereitstellen kann". Das klingt nicht nur grammatikalisch interessant, sondern auch anders als das, was die Ministerin gesagt hat.

Eine Serie von Vorfällen

Ein einzelner Versprecher wäre verzeihbar. Und ab und zu ein Fehler auch. Zumal das Verteidigungsministerium mit seinen etwa 2.500 Beamten und Beamtinnen und einer Zuständigkeit für über 260.000 Soldaten und Soldatinnen sowie Zivilbeschäftigten ein komplexer Riesenbetrieb ist. Alle, die dieses Amt vor Lambrecht innehatten, brauchten auch eine gewisse Zeit, um sich einzuarbeiten. Doch im Fall von Lambrecht reiht sich der Brüsseler Lapsus in eine Serie von Vorfällen ein, die die Ministerin nicht im besten Licht erscheinen lassen:

Schon vor Amtsantritt ließ sie mehreren engen Mitarbeitern ihrer Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer, darunter dem langjährigen Staatssekretär Gerd Hoofe, mitteilen, sie hätten ihre Büros zügig zu räumen. Während andere bisherige Regierungsmitglieder wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Amtsübergabe freundschaftlich zelebrierten, blieb Kramp-Karrenbauer deshalb dem Empfang der Nachfolgerin mit militärischen Ehren demonstrativ fern. Eine untypische Geste für AKK. Ein Übergabegespräch zwischen den beiden Frauen sei "frostig" verlaufen, wird im Ministerium erzählt.

Im Dezember kündigte Lambrecht in einem Interview in der "Bild am Sonntag" an, Frauenkarrieren in der Bundeswehr fördern zu wollen. Sie hoffe, dass es eine erste Frau General außerhalb des Sanitätsdienstes "hoffentlich in meiner Amtszeit" geben werde. Das sorgte für Kopfschütteln in der Truppe. Denn das wäre in der Praxis aufgrund des langen Vorlaufs für die Beförderung zum General laufbahnrechtlich gar nicht möglich. Das aber schien Lambrecht nicht bewusst zu sein.

Die Leitungsebene ihres Hauses hat Lambrecht fast durchgängig mit Vertrauten besetzt, die wenig bis überschaubare Ahnung von Sicherheitspolitik mitbrachten. Zur beamteten Staatssekretärin machte sie Margaretha Sudhof, die sie zuvor schon in dieser Position ins Justizministerium geholt hatte. Die Juristin ist nun für nahezu alle Bereiche zuständig, mit Ausnahme der Rüstung. Hohe Militärs beschweren sich, nicht mehr zur Ministerin durchzudringen. Diese trete "kühl" und "distanziert" auf.

Zur festen Tradition bei der Bundeswehr gehört, dass neue Minister rund um das erste Weihnachtsfest im Amt den Ort des größten deutschen Truppeneinsatzes besuchen. Kramp-Karrenbauer flog Anfang Dezember 2019 nach Afghanistan, für Lambrecht war nach dem dortigen Truppenabzug eine Reise nach Mali geplant. Aber dann entschied sich die Ministerin anders, reiste lediglich für einige Stunden zum Bundeswehr-Kontingent in Litauen. Im Ministerium wird erzählt, sie habe nicht auf ihren Weihnachtsurlaub verzichten wollen und sich deshalb für die kürzere Reise entschieden.

Nachdem die ukrainische Regierung bei der Bundesregierung wochenlang vergeblich um Waffenlieferungen gebettelt hatte, kündigte Lambrecht Ende Januar an, 5.000 Helme an die Ukraine senden zu wollen. Auf Nachfrage stellte sich Mitte Februar heraus: Diese waren noch nicht ausgeliefert. Begründung aus dem Ministerium: Man warte noch auf ein Zeichen, wohin man sie liefern solle. Nach massiver Kritik wurden sie schließlich an die Grenze zur Ukraine transportiert und dort übergeben.

Selbst in der Truppe macht sich inzwischen der Eindruck breit, Lambrecht interessiere sich im Grunde nicht für ihre neue Aufgabe. Das mag auch an der Vorgeschichte liegen: Im November 2020 hatte Lambrecht, damals noch Justizministerin, ihren Rückzug aus der Politik angekündigt. In Interviews begründete sie den Schritt mit "persönlichen Gründen". Sie sei jetzt in einem Alter, wo man noch einmal etwas Neues beginnen könne, sagte sie angesichts der drohenden Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl und dachte laut darüber nach, vielleicht wieder als Anwältin zu arbeiten, ihrem "Traumberuf".

Dann gewann die SPD überraschend die Wahl und plötzlich war Lambrecht wieder da. Vergessen war der Traumberuf, Lambrecht wollte nun Innenministerin werden. Als das Ressort aber an die hessische SPD-Chefin Nancy Faeser ging (auch weil Lambrecht sich kaum im Wahlkampf eingebracht hatte), bekam die Beinahe-Aussteigerin als Trostpreis das Verteidigungsministerium.

Sie soll auch deshalb den Zuschlag erhalten haben, weil Bundeskanzler Olaf Scholz aufgrund des öffentlichen Drucks Karl Lauterbach zum Gesundheitsminister machen musste und wegen der Geschlechterparität noch dringend eine Frau für ein Ministeramt benötigte. Die Juristin Lambrecht mit mehrjähriger Ministeriumserfahrung schien für die Bundeswehr, die auch ein riesiger Verwaltungsapparat ist, am besten geeignet. Außerdem galt das Ressort seit jeher als Schleudersitz, auf dem eh niemand etwas gewinnen kann. 

Nur ein Job in Warteposition? 

Doch mehr noch als bei anderen Ministerien sind für die Führung des Verteidigungsministeriums viel Fachwissen und Strukturkenntnisse wichtig. Die brachten auch Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer nicht mit. Beide arbeiteten sich aber schnell und sehr zielstrebig ein. Lambrecht vermittelt im Haus hingegen das Gefühl, dass sie die Materie schlicht nicht interessiert.

Auf YouTube kann man ihre Ankündigung vom 14. März nachsehen, amerikanische F-35-Tarnkappenjets als Ersatz für die alten Tornados anzuschaffen. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Entscheidungen für die nächsten 10 bis 20 Jahre. Lambrecht wirkt unsicher, liest ständig von ihrem Sprechzettel ab, verhaspelt sich bei Begriffen wie "nukleare Teilhabe".

Kein Applaus für Lambrecht 

Auch im Bundeskanzleramt ist man sich inzwischen darüber im Klaren, dass Lambrecht nicht die glücklichste Wahl für das Verteidigungsamt war. Als Bundeskanzler Olaf Scholz bei seiner Regierungserklärung im Bundestag auch für die Bundeswehr eine "Zeitenwende" ankündigte und ausdrücklich der Ministerin dankte, gab es keinen Applaus im Plenum.

Im Ministerium wächst derweil die Sorge, dass angesichts der schwachen Führung die von Scholz angekündigten 100 Extra-Milliarden Euro für die Bundeswehr versickern könnten, ohne einen nachhaltigen Reformprozess einzuleiten. Dabei wäre dieser dringend notwendig.

Und noch ein Gerücht erzählt man sich auf den Fluren des Bendlerblocks, dem Sitz des Ministeriums im Berliner Bezirk Tiergarten: Das eher glücklose Agieren von Lambrecht erkläre sich auch damit, dass sie ohnehin nur auf ihren Wechsel ins Innenministerium warte. Denn Innenministerin Nancy Faeser wird als mögliche Spitzenkandidatin für die hessische Landtagswahl im Herbst 2023 gehandelt. Möglicherweise wäre das die beste Lösung – sowohl für Lambrecht als auch für die Bundeswehr. Allerdings eine, die sich noch hinziehen dürfte.




Freitag, 25. März 2022

Du hast die Haare schön...

von Mirjam Lübke...

So richtig verstanden habe ich diesen Trend nie. Morgens bin ich froh, wenn es mir gelungen ist, meine Haare zu entwirren, ohne mir den halben Schopf beim Bürsten auszureißen. Auch ein wuscheliger Lockenkopf hat einen gewissen Reiz. Aber diese Dreadlocks finde ich gar nicht ansprechend - und dabei ist es mir vollkommen wumpe, ob der Träger aus Oer-Erkenschwick oder Wagabungu am Woroboro-Fluss stammt. Jedoch: Ein jeder möge mit seiner Frisur selig werden - ob er nun als weißer Surfer unbedingt einen Wischmop auf dem Kopf tragen will, oder als eine schwarze Geschäftsfrau, die sich die Haare zum schicken Bob glattfönen lässt. Letztlich ist es Geschmackssache, die eigene und die des Partners, mit dem jemand zusammen lebt. Angela Bassett sah jedenfalls in "Olympus has fallen" auch mit kurzen Haaren gut aus. 


Diese neue Masche von der "kulturellen Aneignung" verstehe ich ohnehin nicht. Wieder einmal stelle ich mir die Frage: "Was wollen die eigentlich von uns?" Fridays for Future sagt einer Sängerin ab, weil sie als Weiße Dreadlocks trägt. Gnädigerweise hätte sie ihren Auftritt absolvieren dürfen, wenn sie sich die "rassistische" Frisur abgeschoren hatte. Allein die Vorstellung ist gruselig - so verfuhr man mit französischen oder holländischen Frauen, die im Krieg mit deutschen Soldaten angebandelt hatten und öffentlich bloßgestellt werden sollten. Von Sängerin Ronja M. wurde offenbar ein ähnliches "Bekenntnisritual" abverlangt. Diesem entzog sie sich allerdings vollkommen zurecht. So scheußlich ich diese Frisur finde, ich glaube, ich hätte mir aus Trotz sogar noch die Haare neongrün gefärbt. 

Vor allem bleibt wieder einmal im Dunkeln, wer den Trend ausgerufen hat - wenn er nicht wieder auf vorauseilenden Gehorsam zurückgeführt werden kann. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass irgendein Migrant sich geweigert hätte, auf Carola Racketes Schiffchen gen Europa umzusteigen, nur weil die junge Dame Rasta-Zöpfe trägt. "Oh nein, bevor ich diese kulturelle Aneignung unterstütze, schwimme ich lieber zurück nach Afrika! Schämt euch, ihr dreckeligen Kolonialisten!" Das wäre einmal ernstgemeinte, konsequenzenbewehrte Empörung!

Im Allgemeinen freut man sich, wenn Migranten die heimische Kultur annehmen. Man muss es nicht übertreiben, sicherlich wird von keinem Einwanderer aus Nahost erwartet, in Deutschland mit bayerischer Lederhose herumzulaufen oder jeden Tag Leberkäs (natürlich vom Schwein) als öffentliches Bekenntnis zu essen. Aber den Erwerb deutscher Sprachkenntnisse, die Erkenntnis von der Gleichberechtigung der Frau und die Einsicht, dass es recht nett wäre, den Lebensunterhalt irgendwann aus eigener Kraft zu bestreiten, würde ich nun wirklich nicht als Übergriffigkeit auf gewachsene deutsche Traditionen ansehen. Im Gegenteil: Ist dies alles gegeben, erfährt die Willkommenskultur einen gewissen Auftrieb. 

Nun gut, ich würde auch ein wenig seltsam dreinschauen, wenn es plötzlich Mode würde, mit den Peyes chassidischer Juden herumzulaufen. Allerdings: Solche Moden vergehen auch wieder - man kann sie merkwürdig finden und auch einmal nachfragen: "Warum machst du das?" Viele Nichtjuden tragen etwa einen Davidstern aus Solidarität mit Israel. So etwas freut einen nicht verbitterten Menschen doch. Es sei auch jedem Afrikaner unbenommen, einen Europäer mit Dreadlocks seltsam zu finden, aber wenn mich nicht alles täuscht, ist die allgemeine Reaktion darauf etwas liebevoller Spott, aber kein hysterischer Ausbruch. Es ist eine Haarmode, die wahrscheinlich nur ein Häuflein Ideologen auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld stört - das sich selbst beweisen will, wie aufgeklärt und antirassistisch es ist. Natürlich mischen bei so etwas auch die üblichen Lobbyisten wieder mit - die sicherlich eine schrecklich plausible Erklärung parat haben, warum ein Kopftuch bei Sabine-Aisha keineswegs kulturelle Aneignung bedeutet, eine Sängerin aber keine Dreadlocks tragen darf. Diese Ideologie zeigt sich so konsequent wie Wackelpudding - jede Laus, die irgendwem über die Leber läuft, kann morgen schon eine politische Kampagne begründen. 

Umgekehrt können aber auch die bei Weißen so beklagten angeblichen Privilegien willkürlich auf bestimmte Gruppen übertragen werden: Man darf sich als weibliche Schwimmerin bei Damenwettbewerben beteiligen, auch wenn sich der Badeanzug untenherum verdächtig beult. So kommt man auch in den Genuss der Frauenquote. Wie die inzwischen verteufelte Autorin J.K. Rowling vollkommen zurecht sagt, verschwinden Frauen und sogar das Wort "Frau", das durch "menstruierende Person" ersetzt wird, trotz heftiger Quotendebatten immer mehr aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Reduktion der Frau auf ihre Monatsregel - das hätten sich religiöse Fanatiker nicht besser ausdenken können - ist offenbar eine lässliche Sünde - aber eine Frisur und ein Toast Hawaii lösen Revolten und Boykotte aus. Wenn das vor ein paar Jahren jemand zum Thema eines Films gemacht hätte, wäre dieser gerade in Deutschland als überdreht und albern von der Presse verrissen worden. In Terry Gilliams "Brazil" löst eine zerquetschte Fliege in einer Druckmaschine eine groteske Ereigniskette aus, auch das könnte ich mir in Deutschland mittlerweile gut vorstellen. 

Wenn die große Verschwörung zur Umgestaltung der Welt tatsächlich stattfindet - und einige Berühmtheiten machen keinen Hehl daraus, dass sie daran interessiert sind - dann muss Deutschland von ihnen als ideales Versuchslabor erkannt worden sein. Während in den USA, von denen mancher Trend zu uns schwappt, wenigstens noch einige große Medien existieren, welche diesem Rummel widerstehen, stürzt man sich bei uns mit Begeisterung auf alles, was Teil einer absurden Kampagne werden könnte. Es gibt Studien darüber, wie sich sogenannte "Alltagsmythen" verbreiten - der tote Hund im Karton, der durch die Republik geschickt wird ist einer davon - man registriert dabei, wie schnell sich solche Geschichten verbreiten. Es wäre doch einmal interessant zu sehen, ob das auch mit ideologisch besetzten Themen funktioniert!


Montag, 21. März 2022

Vergesst die Impfung - esst mehr Hühnersuppe!

von Mirjam Lübke...

Eine zünftige Erkältung kann einen unzweifelhaft in Weltuntergangsstimmung versetzen. Bei mir fängt es meist mit Schmerzen in den Eckzähnen an, dann folgt ein kratzender Hals und ein penetrantes Pieksen in der Nase. Das benebelte Gefühl im Kopf, wackelige Beine und Schüttelfrost rufen mir zu: "Leg' dich ins Bett, Miri. Mit allen Decken, die sich im Haushalt befinden. Dein Tod kann jetzt nur noch durch ein Wunder und viel Milchkaffee abgewendet werden!" Rendall Flagg sitzt in Gestalt eines Raben im Pflaumenbaum vor dem Fenster und wartet krächzend darauf, meine Seele in die Hölle zu verfrachten, während ich mir selbst etwas vorjammere. Nur das Noro-Virus wirkt noch apokalyptischer, ansonsten habe ich mich selbst bei weitaus bedrohlicheren Erkrankungen nicht so elendig gefühlt. Ob ich selbst schon Corona hatte, weiß ich nicht genau, als der Rummel in Deutschland gerade losging, schickte mich mein Hausarzt nach Begutachtung leichter Erkältungssymptome mit den Worten "das ist wohl dieses neue Virus aus China, schlafen Sie sich einfach mal aus" nach Hause. 



Ein gewisses Grundverständnis habe ich also für die Thorben-Maltes unseres Gemeinwesens, die sich beim Auftreten von Schnupfen und Fieber dem Tode nahe wähnen. Aber derzeit könnte man meinen, Corona wäre als Imagekampagne für alle erfunden worden, die keine Lust mehr auf Witze über die "Männergrippe" hatten. Erwischt es sie trotz oder wegen ihrer Dreifachimpfung - das kann man mittlerweile schließlich nicht mehr genau sagen - lässt sie das keineswegs daran zweifeln und sie klammern sich an den Gedanken, sonst wäre alles noch schlimmer gekommen. Früher musste eine Frau nachts im Park fürchten, ihr Freund könnte die Beine in die Hand nehmen, sobald eine Motorradgang mit stacheligen "Mad Max"-Outfits am Horizont erschien ("Nein Schatz, es ist aus, ich bin jetzt die Biker-Braut von Bronco, er wollte nur die Uhrzeit wissen"). Heute reicht ein Fahrrad-Kurier ohne Maske und der Schatz lässt einen schutzlos zurück ("Das musst du verstehen, Hase, in Zeiten der Pest ist sich jeder selbst der Nächste!").

Der beste Chef von allen, nämlich der meinige, sorgte vor einiger Zeit für Aufruhr, als er die Herren der Schöpfung aufforderte: "Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken!" - in der Corona-Krise möchte ich das gern an jede Wand sprühen. Einem besonders ängstlichen Bekannten, der mich bei jedem Niesen zur sofortigen Ferndiagnose anruft, habe ich sogar schon das Video mit der Aufforderung geschickt. Der Wunsch "Gesundheit!" stammt bekanntlich aus dem Zeitalter der Pest, als ein Niesen tatsächlich ein erstes Symptom des schwarzen Todes darstellen konnte - heute gilt es offenbar als Vorbote der neuesten von Christian Drosten angekündigten Delta-Kappa-Phi-Mutation. Wehe dem, der das nicht ernst nimmt und erst einmal zu Hausmitteln rät. Omikron jedenfalls dürfte sich durch jüdisches Penicillin besser bekämpfen lassen als durch Biontech - und wenn nicht, dann hat eine Hühnersuppe wenigstens keine Nebenwirkungen. Natürlich ist das nur meine unwissenschaftliche Meinung, die nun zornig gegeißelt werden darf. 

Von Sören-Malte erwartet man schon bald nichts anderes mehr als panische Reaktionen auf alle Unbill der Welt. Wenn schon in einem Schluck Milch der Todeskampf lauert, weil Laktose seit ein paar Jahren der biologische Kampfstoff Nr. 1 ist, dann kann einem Corona schon einen Schauer in die Gebeine jagen. Aber auch gestandene Männer machen den Rummel noch immer mit. Sogar jene, welche der Bundesregierung in den letzten Jahren kritisch gegenüberstanden und keinem Politiker einen Gebrauchtwagen abgekauft hatten. So etwas würde man vielleicht von uns Frauen erwarten, weil wir uns ohnehin mehr für Gesundheitsthemen interessieren. Aber der Freedom-Day macht auch dem starken Geschlecht so viel Angst, dass gerade wieder die ollsten Masken-Propaganda-Kamellen in den sozialen Medien herumgereicht werden. 

Richtig bedenklich wird es, wenn sich auch bisherige Testosteron-Bomben in ängstliche Coronisten verwandeln. Eins steht fest: Einen Säbelzahntiger-Pelzmantel aus eigener Jagd bekommen wir von diesen Herren nicht. Keine Frau erwartet heute noch einen Mann, der sich für sie mit Schwert oder Pistole duelliert - aber es wäre doch schön, wenn wir nicht der Mutterersatz mit Taschentuch und Wadenwickel sein müssten. Dann kochen wir euch auch Hühnersuppe.




Sonntag, 20. März 2022

Generation Gehorsam...

von Mirjam Lübke...

Karl Lauterbach hat noch immer eine stabile Fanbase - vor allem im jungen und linken Spektrum. Das wäre schon fast mutig, denn unserem "Pandemie-Genie" schwimmen die Felle davon. Aber auch nur fast, denn hinter der Unterstützung des Panik-Ministers verbirgt sich die pure Angst vor Freiheit. Was ist nur los mit diesen jungen Menschen, die sich für die größten Rebellen aller Zeiten halten, aber tatsächlich nichts anderes können, als härtere Regeln für was-auch-immer zu fordern? Säße ich in der Bundesregierung oder in einer anderen Schaltstelle der Macht, käme ich vor Lachen nicht in den Schlaf: Die scheinbaren Revolutionäre nehmen mir einen großen Teil meiner propagandistischen Arbeit ab - drehe ich die Schraube am Regelwerk für den Bürger noch ein bisschen enger, habe ich damit nicht etwa eigene Interessen verfolgt, sondern bin lediglich auf die Wünsche der Generation Zukunft eingegangen. Das gibt rührende Pressefotos - vielleicht dürfen Claudia Roth und Luisa Neubauer demnächst gemeinsam für die Vogue Designer-Öko-Mode präsentieren. 


Ob Antifa, Fridays for Future oder Lauterbach-Junkie: Bis in ihre Zwanziger hinein - manchmal sogar darüber hinaus - zeigen unsere "Aktivisten" zwar eine Menge Pubertätsrenitenz, aber diese dient nicht, wie von der Natur vorgesehen, der Abnabelung von den Eltern. Die Nabelschnur wird lediglich umgepropft auf den Staat, der sich von nun an um die Bedürfnisse der Generation Fahrradhelm kümmern soll. Man zeigt zwar die Bockigkeit und Aggression des "Pubertiers", aber damit ist keineswegs der Wille verbunden, sich ins Erwachsensein freizuschwimmen - was nicht nur bedeutet, eigene Entscheidungen zu treffen, sondern auch deren Konsequenzen zu tragen. Dabei kommt dann allerlei Kurioses zustande: Antifanten, die sich über kaltes Wasser aus den Gerätschaften der Polizei beschweren, Umweltdemos, nach denen Unmengen von Wohlstandsmüll die Städte zieren oder eben junge Menschen, welche sich vor dem Wegfall von Corona-Maßnahmen fürchten, als sollten sie ohne Fallschirm aus einem Flugzeug springen. Letzteres lässt einen nur noch den Kopf schütteln, denn die angebliche Rückkehr zur Freiheit ist mit unzähligen Hintertüren verknüpft, zum Beispiel der zwischenzeitlichen Einführung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Bei näherer Betrachtung bleibt von der Freiheit nicht viel übrig, von einer Rückkehr zur Normalität wie in anderen europäischen Ländern sind wir weit entfernt. Während junge Menschen in Schweden die ersten Sonnenstrahlen im Freien maskenlos genießen, empfinden die deutschen Coronistas es als Zumutung, derlei Gefahren erdulden zu müssen. Wenn Karl behauptet, die Zahl der Toten würde wieder nach oben schnellen, dann wird das schon stimmen - also muss dem Bürger die Maske faktisch angetackert werden. 

Wir könnten es hier mit dem Ergebnis zweigleisiger Helikopter-Eltern-Erziehung zu tun haben. Einerseits wird dem Kind alles verboten, was auch nur im Entferntesten eine Gefahr bedeuten könnte. Da wird der Supermarktkeks zum Giftanschlag auf Malte-Tobias, weil er kein Bio-Siegel hat. Holt sich Dörte-Elisa beim Spielen im Kindergarten einen blauen Fleck, möchte man die Erzieherin am liebsten wegen fahrlässiger Körperverletzung verklagen, weil sie nicht alle Tischbeine mit Schaumgummi ummantelt hat. Niemand möchte, dass seinem Nachwuchs Böses wiederfährt, aber so lange sich das Risiko in vertretbaren Grenzen hält, zählen kleine Blessuren normalerweise zu den Erfahrungen, die Kinder nun einmal sammeln, wenn sie die Welt erkunden. Man fragt sich, wie wir allerhand aufgeschlagene Knie und Ellbogen überstanden haben, ohne auf der Stelle zu sterben. 

Aber wir mussten auch lernen, mit Kritik umzugehen (was mir bis heute, um ehrlich zu sein, nicht besonders gut gelingt). Das Bildungssystem hat sich dank linker Pädagogik allerdings eher an die schwächsten Schüler angepasst, um nur niemanden zu kränken, achtet aber auch nur wenig auf praktische Begabung, die ihrerseits entwertet wurde. Es ist daher kein Wunder, dass sich all die Luisas und Malte-Sörens für kleine Intellektuelle mit philosophischer und naturwissenschaftlicher Hochbegabung halten. Nichts gegen ein gesundes Selbstbewusstsein - aber unsere Superkids merken gar nicht mehr, wie leicht man sie auf diese Weise für politische Ziele einspannen kann. Man muss sie nur ein wenig bauchpinseln und sie geben gern das frische Gesicht für Windkraftlobby, grüne Lastenrad-Fantasien - und eben auch für Karl Lauterbachs Panikpropaganda. 

Ist das nicht ziemlich schräg? Eine Generation, die davon überzeugt ist, nach ihr käme nichts mehr und wegen des Klimawandels keine Kinder bekommen will, hängt dann doch so am eigenen Dasein, dass sie sich vor einem Virus in Grund und Boden fürchtet. Obwohl dieses Virus gerade ihrer Altersgruppe kaum schadet - im Gegensatz zu den üblichen Impfstoffen. Und wie man es vom Elternhaus gewohnt ist, soll nun der Staat alle Gefahren von einem fern halten. Und wenn es nur Halsschmerzen und eine laufende Nase sind. Dabei muss natürlich die gesamte Bevölkerung mitmachen, so wie sie auch bei allem anderen mitziehen muss: Veganem Essen, politischer Korrektheit und Autoverzicht (nur die eigenen Eltern dürfen ihres für Notfälle behalten).
  
Da kann man nur sagen: Werdet erwachsen und kümmert euch um euch selbst. Tragt eure Maske, wenn ihr es für richtig haltet und lasst euch so viele Impfungen verpassen, bis der Hausarzt euch genervt vor die Tür setzt. Fahrt mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter die dreißig Kilometer zur Arbeit oder zur Uni und erforscht eure Ahnenreihe, ob euer Urgroßonkel Koch auf einem Sklavenschiff war. Esst nur noch Erbsenschnitzel, wenn es euer Gewissen beruhigt. Ihr dürft auch freundlich für diese Lebensweise werben. Aber ihr seid nicht der Mittelpunkt der Welt, vor dem sich der Rest der Menschheit verneigen muss. Ebenso wenig, wie Karl Lauterbach der Mittelpunkt des Medizinuniversums ist - also lasst uns einfach unser Leben genießen und wachst aus der Pubertät heraus - eure Umgebung wird es euch danken.



Windsack müsste man sein!

von Mirjam Lübke...

Zum Glück fallen Menschen nicht in den Winterschlaf. Da läge man einige Wochen dösend und vollgefuttert in seiner miefigen Höhle, während auf der südlichen Erdhalbkugel irgendetwas geschieht, was einen zutiefst betroffen machen müsste. Etwa das Aussterben des australischen Senkfuß-Kängurus, dem Äquivalent zum Eisbären der Nordhalbkugel. Vielleicht hat der Klimawandel es fortpflanzungsmüde gemacht - das Senkfuß-Känguru trinkt bei Hitze lieber ein kühles Bier als an Paarung zu denken - Tierschützer schlagen Alarm, Spendenaktionen werden gestartet. Im Norden jedoch schliefe man den Schlaf der unfreiwillig Ungerechten und bekäme vom traurigen Schicksal des Beuteltiers gar nichts mit. Eine Chance, sich zu positionieren, ist verflogen, das ist äußerst ärgerlich. Bei Facebook wurde man zwischenzeitlich von zehn Australiern entfreundet, die den Winterschlaf der Nordhalbkugel für eine billige Ausrede halten, um keine Haltung zeigen zu müssen. Na wartet!


Mittlerweile ziert so manches Profilbild in den sozialen Medien die ironische Aussage "I support the current thing!" - man müsste wirklich ein Windsack sein, der wird automatisch in die richtige Richtung gezogen, weil sein leichter Stoff der Brise nichts entgegenzusetzen hat. Mit ernsthaftem Einsatz für eine Sache hat das nicht mehr viel zu tun, dabei sein ist alles. Wer Verwandte oder Freunde in der Ukraine hat, zittert natürlich tatsächlich um deren Leben, das ist aufrichtige Anteilnahme, aber andere Nutzer der sozialen Medien passen sich einfach dem jeweiligen Trend an, weil es "alle so machen". Inzwischen kann man sogar allerhand "Ukraine-Merchandise" im Internet kaufen, Fahnen sowieso, aber auch Pins zum Anstecken oder die üblichen Tassen. Alle Onlineshops rufen zum Spenden auf - ich geb's zu, auch ich habe Baby-Paket gestiftet. Die kleinen Mäuse können einem schon leid tun. Es ist nicht schwierig, am Rechner ein bisschen Solidarität zu zeigen, so lange es nicht in Gesinnungsdruck ausartet - aber diese Grenze ist schnell überschritten. Es ist heute schon Luxus, gar keine Meinung zu einem Thema zu haben - von einer abweichenden ganz zu schweigen. Selbst als Ausdruck von Bescheidenheit - man kann sich schließlich nicht mit allem auskennen, vor allem, wenn die Lage verzwickt ist - wird ein Schweigen nicht akzeptiert. Es empfiehlt sich also, einfach in der Herde unterzutauchen. 

Wie schnell Empörung wieder abflachen kann, wenn sie mit vorherrschender Ideologie kollidiert, zeigt der Fall des ermordeten französischen Lehrers Samuel Paty. Er hatte es gewagt, mit seinen Schülern über die Mohammed-Karikaturen der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" sprechen, die ihrerseits Ziel eines islamistischen Anschlags geworden war. Einigen seiner Schüler gefiel dies absolut nicht, was zunächst zu einer Diffamierungskampagne und dann zu seiner Ermordung führte. Kurzfristig gaben sich sogar Linke und Grüne entsetzt, wollten dem Islamismus entschieden entgegentreten, den Angriff auf die Werte Europas nicht hinnehmen und äußerten so ziemlich jede Floskel, die in solchen Momenten laut deutschem Betroffenheitshandbuch opportun ist. Man empfindet daraufhin einen Moment der Hoffnung, es könne nun doch noch etwas Einsicht in die multikulturelle Blümchenwelt einkehren, doch diese verfliegt rasch: Binnen kurzem erliegt das Juste Milieu wieder seinem Bedürfnis nach Harmonie und Integration, und das in der festen Überzeugung, dies würde dankbar angenommen. Jetzt bloß kein Rassismus! Die Schule ist nun einmal ein ungemütlicher Ort, warum musste Paty seine Schüler auch so provozieren? Und schon schnappt die Falle zu - wir sind wieder bei der Täter-Opfer Umkehr angelangt. 

Da kann man nur hoffen, das auch der Corona-Kult, der nun schon erschreckend lange ein Schwarmverhalten bei seinen Anhängern auslöst, irgendwann in der Versenkung verschwindet. Von Bhagwan redet schließlich heute auch niemand mehr. Immerhin zog der seinen Jüngern nur das Geld für seine Rolls-Royce-Sammlung aus der Tasche und zwang ihnen keine Impfung auf. Emilia Fester, die ungeküsste Bundestagsabgeordnete der Grünen, gibt dann auch gleich die Schuld an den ihr entgangenen Liebesbekundungen den Impfhäretikern. Während anderen in fünf Jahren vielleicht einmal peinlich sein wird, wozu sie sich im Zuge der Pandemie hinreißen ließen, werden Menschen wie Emilia Fester wahrscheinlich noch in hohem Alter überzeugt sein, durch ihr Engagement den Untergang der Menschheit abgewendet zu haben. Alle anderen haben sich dann längst den nächsten Themen zugewandt, die eine Positionierung verlangen. 

Es ist verdammt schwierig geworden, erst einmal eine ausgleichende Position einzunehmen, bevor man ausreichend Informationen gesammelt hat, um die Lage erst einmal für sich selbst zu entschlüsseln. Und sei es auch nur, um im Umfeld zwischen zwei Parteien zu vermitteln, weil man es einfach furchtbar findet, wie Menschen in die Haare geraten können, nur weil ihre Ansichten nicht hundertprozentig übereinstimmen. Selbst der Kontakt per Telefon scheint plötzlich infektiös zu sein, wenn der ehemals beste Freund nicht fünffach geimpft ist, seinen Wodka weitertrinkt oder keine Maske trägt, wenn er die Zeitung aus dem Briefkasten holt. Umgekehrt funktioniert das manchmal ebenfalls, auch wenn ich hier nur auf Hörensagen zurückgreifen kann. Putin, Flüchtlinge oder Corona: Es ist allemal geruhsamer, sich in den Schoß einer eindeutig positionierten Gruppe zu begeben, selbst wenn dort die blanke Panik herrscht - gemeinsam panikt es sich einfach schöner. 

Es sind schlechte Zeiten für Grübler, zumal, wenn sie selbst entscheiden, was sie als plausibel erachten. Selbst wenn sie anderen das gleiche zugestehen, sitzen sie schnell zwischen den Stühlen. Denn darin immerhin sind sich die meisten einig: Der Vorsichtige ist ein Verräter - an was auch immer. Es ist eine Sekte da draußen - und sie ist im Jagdmodus!


Mittwoch, 16. März 2022

Der Preis des Inhalts eines Benzinkanisters...

von Thomas Heck...

Die Journaille und seine Lieblingsregierung unter der Ampel hat nun endlich den Schuldigen für die Misere an der Tanksäule ausgemacht. Die Mineralölwirtschaft, die sich dieser Tage angeblich eine goldene Nase verdient. So verhindert man, dass über die Steuersätze auf Benzin gar nicht mehr gesprochen wird, niemand denkt mehr nach, warum in Polen, in Österreich oder in Tschechien der Sprit so viel günstiger ist, als in Deutschland.



Um die Problematik einmal vereinfacht darzustellen, erzähle ich immer gerne vom Gedankenspiel mit dem Benzinkanister. 

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem Auto, im Kofferraum ein Kanister mit Benzin für den Notfall. Sie sehen ein Auto mit einer Panne und halten an, um zu helfen. Der gestrandete Fahrer bittet um Treibstoff und Sie bieten ihm ihren Reservekanister an. 

Dies würden Sie natürlich nicht umsonst tun. Doch welchen Preis würden Sie nehmen?

Beispiel 1:

Sie haben den Kanister für 1 Euro pro Liter betankt. Heute läge der Preis bei 2 Euro. 

Beispiel 2:

Sie haben den Kanister für 2 Euro pro Liter betankt. Heute läge der Preis bei 1 Euro.

Rein betriebswirtschaftlich würden Sie in beiden Fällen 2 Euro für den Liter verlangen. Weil im Beispiel 1 müssten Sie den Kanister ja wieder befüllen und würde ja selber 2 Euro je Liter bezahlen müssen. Würden Sie nur 1 Euro nehmen, hätten Sie einen finanziellen Schaden.

Auch beim Beispiel 2 würden Sie natürlich 2 Euro pro Liter verlangen. Denn den Preis haben Sie ja selbst bezahlt. Warum sollten Sie nur 1 Euro verlangen? Und genau so handeln die Mineralölkonzerne. Um das zu verstehen, muss man nicht einmal VWL oder BWL studiert haben. Jeder würde so handeln.

Deswegen lassen Sie sich nicht von den Medien oder den Politikern den Kopf verdrehen, die nur von ihrer eigenen Verantwortung für die Misere ablenken wollen.


Dienstag, 15. März 2022

Grüne - Wenn sie es tun, ist es irgendwie richtiger...

von Mirjam Lübke...

Wir leben in einem Staat, in dem hektischer Aktionismus an der Tagesordnung ist. Das allerdings ist nicht allein den Grünen anzulasten - eine gewisse Neigung dazu gab es schon im Nationalsozialismus, man nennt es "vorauseilenden Gehorsam", den Trend, jede politische Mode rechtzeitig aufzuspüren und ihr hinterherzulaufen. Auch das ist keine grüne Spezialität: Derzeit kommt etwa wieder das Thema "Wehrpflicht" in die Hitliste der dringend zu erledigenden Dinge. Es sicherlich angesichts der Ukraine-Krise keine dumme Idee, sich über Deutschlands Wehrfähigkeit ein paar Gedanken zu machen, aber die Art und Weise, in der das geschieht, hat etwas Schamloses. Das Thema scheint plötzlich vom Himmel gefallen zu sein, als habe es nie Diskussionen um verrottendes Fluggerät und nicht rollende Panzer gegeben - oder die Anschaffung um die Ecke schießender Schnellfeuergewehre. Das ist alles vergessen, wenn Markus Söder nun plötzlich innerhalb eines Jahres eine funktionierende Armee aus dem Boden stampfen will. 


Mit dem Umschwung ist allerdings keinerlei Einsicht verbunden, früher etwas falsch gemacht zu haben. Probleme türmten sich auf, so wie sich nun die Energiepreise in schwindelerregende Höhen schrauben. So etwas wie Vorsorge wurde nicht getroffen, erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, gibt man sich als großer Kümmerer, der Probleme aus dem Weg räumt, die man ohne die versäumte Vorsorge gar nicht oder nicht in diesem Maße hätte. Die Bundesregierung plant jetzt etwa Rabatte beim Benzinpreis - das kann man sich nur leisten, wenn man diesen vorher mit insgesamt 65 Prozent besteuert. Man bekommt also ein Bröckchen dessen wieder, was man dem Staat vorher als Brocken bezahlt hat. Das ist wirklich großzügig!

Im Falle der Überschwemmung des Ahrtals liegen die Dinge natürlich weitaus komplizierter, sicherlich kann man Anne Spiegel nicht für die Flussbegradigungen und die Zubetonierung von Uferbereichen verantwortlich machen, die seit Jahrzehnten stattgefunden haben. Selbstverständlich sind diese aber nach grüner Diktion auch nicht maßgeblich verantwortlich für die Katastrophe, der Klimawandel muss es gewesen sein. Und weil der Klimawandel an allem schuldig ist, besteht aus deutsch-grüner Sicht natürlich keinerlei praktischer Handlungsbedarf - sondern lediglich die Notwendigkeit, ideologisch zu reagieren. Aber selbst das hat Anne Spiegel nicht vermocht, vielmehr hielt sie es nicht für nötig, die Bewohner rechtzeitig zu warnen, obwohl zu diesem Zeitpunkt schon bekannt war, dass erste Campingplätze bedrohlich unter Wasser standen. Aus Angst vor einem Image-Schaden gab sie Entwarnung - aber bitte gegendert!

Natürlich kann es jedem Politiker passieren, eine Situation falsch einzuschätzen. Obwohl in diesem Fall die Flut schon an die Tür klopfte. Wenn ihm die Bürger allerdings am Herzen liegen, sollte er anschließend - wenn er schon nicht zurücktritt - wenigstens seine Fehleinschätzung analysieren. So würde ein normaler Arbeitnehmer reagieren, der sich für seine Firma engagiert, aber durch welche Umstände auch immer Bockmist angestellt hat. Zudem würde er sich zumindest im stillen Kammerlein in Grund und Boden schämen. 

Oft genug haben wir es gerade bei den Grünen in den letzten Jahren erlebt: Ihr Selbstbewusstsein ist weitaus besser entwickelt als ihr Verantwortungsgefühl. Oder ihre Sachkenntnis und ihre Wahrheitsliebe. Es ist menschlich, seinen Hintern retten zu wollen, wenn man Mist gebaut hat. Aber darum geht es den grünen Damen und Herren nicht, denn dazu müsste erst einmal eine realistische Lageeinschätzung stattfinden, die aber konsequent ausbleibt. Ob Ricarda Lang, Annalena Baerbock oder jetzt Anne Spiegel - es ist ihnen einfach egal, ob sie Unfug machen oder erzählen. Anlass für eine persönliche Weiterentwicklung ist es nicht - und wird die Kritik zu laut, muss wahlweise "Frauenfeindlichkeit" oder ein "rechter Shitstorm" dahinter stecken. Auch wenn die Gegenargumente noch so stichhaltig sind - die Kritiker sollen sich mal nicht so anstellen. 

Bedenkt man, dass es in diesem Fall um immerhin 135 Menschenleben ging, ist das schon kein politischer Leichtsinn mehr, sondern einfach Kaltschnäuzigkeit. Die Bienchen- und Blümchenpartei, die sich vorgeblich noch um das kleinste Lebewesen auf deutschem Boden sorgt, hat es eben mit den eigenen Artgenossen nicht so. Ich persönlich würde ihnen im Zug noch nicht einmal mein Gepäck anvertrauen, wenn ich zur Toilette müsste. 

Im Zuge der Ukraine-Krise werden derzeit einige heilige Kühe geschlachtet. Manchmal kommt dabei sogar eine vernünftige Idee heraus, wenn man etwa überlegt, die Bundeswehr wieder betriebsbereit zu machen oder die Laufzeit von deutschen Kernkraftwerken zu verlängern, um die Energiekrise abzumildern. Aber meist sind das nur Zufallsfunde, die nichts mit langfristiger Planung zu tun haben. Vielmehr sollen sie selbst geschaffene Probleme aus dem Weg räumen. Das ist ungefähr so, als würde man einen Einbrecher dafür loben, dass er nach der Tat wenigstens die Tür ordentlich abgeschlossen hat.


Sonntag, 13. März 2022

Von den Freuden des Busfahrens...

von Mirjam Lübke...

Zugegeben: Ich gehöre zu den großen Anhängern des Home-Office. Da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mit dem Auto fahren kann, hieß es für mich einige Jahre, mit Bus und Bahn zur Arbeit zu gelangen. Ein Vergnügen, das Luisa Neubauer wahrscheinlich bisher entgangen ist, da sie sich andernfalls wohl kaum so lobend über den öffentlichen Nahverkehr äußern könnte. Man wird dort gestählt wie im Bootcamp, und bisweilen geht es auch ähnlich ruppig zu. Im täglichen Berufsverkehr etwa gleicht die Schlacht um einen Sitzplatz einem epischen Katastrophendrama, wenn der letzte Zug in Richtung der Zuflucht vor einem Meteoriteneinschlag zur Abfahrt bereit gemacht wird. Wer bisher noch nichts von "Sozialdarwinismus" gehört hat, darf ihn nun am eigenen Leib erfahren!



Schüler rammen einem ihre Tornister in die Magengrube, wehrhafte Rentnerinnen zücken den Stockschirm zur Selbstverteidigung und dann müssen auch noch fünf Kinderwagen und sieben Fahrräder in der Busmitte verstaut werden. Rechts und links davon werden Dutzende Fahrgäste auf erstaunlich kleinem Raum komprimiert, was besonders im Hochsommer eine olfaktorische Herausforderung darstellt, da sich die Aromen von abgestandenem Schweiß, üppig aufgesprühtem Parfüm und der letzten Zaziki-Mahlzeit zu einer explosiven Mischung vereinen. 

Im Winter schwitzt man obenherum, während die Füße bei jeder Öffnung der Türen von Polarwinden umweht werden. Inzwischen beginnen, beim Stehen Wange an Wange, die eigenen Hautbakterien mit denen des wildfremden Nachbarn genetische Informationen auszutauschen. Wäre ich noch immer häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, würde ich heute jede Lauterbach-Propaganda glauben, denn ich fing mir jedes einzelne Erkältungsvirus zwischen Viersen und Kempen ein. Der Bus als günstigstes Biowaffenlabor der Welt, das könnte sich Putin nicht besser ausdenken: 

"Einmarschieren! Die Deutschen testen Kampfstoffe an ihrer Bevölkerung! In tausenden rollenden Laboren!"

Verlöre man das Bewusstsein, fiele es keinem auf, denn die Masse hält einen aufrecht. Vor allem, wenn die Fahrgäste um einen herum alle gleichzeitig einatmen. Wohl dem, der es rechtzeitig zur Tür schafft, wenn seine Haltestelle erreicht ist. Mit etwas Pech gelingt einem der Ausstieg erst in einem abgelegenen Gewerbegebiet in Südfinnland, der nächste Bus zurück fährt zwei Wochen später und im Funkloch sitzt man sowieso. Die Mitfahrenden sind in Sekundenschnelle im Nirvana verschwunden. Tatsächlich keimt nun der Verdacht auf, man sei Teil eines vom Bundesamt für Katastrophenschutz erdachten Massenstresstests. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass ausgerechnet der dringend benötigte Anschlussbus im Gegensatz zum eigenen immer pünktlich losfährt oder man höchstens noch dessen Rücklichter sehen kann? Das geht nicht mit rechten Dingen zu. 

Abends dann dieselbe Tortur - im Winter friert man stundenlang an einer Bushaltestelle ohne nutzbare Bank, wagt es aber nicht, sich am naheliegenden Kiosk ein Heißgetränk zu kaufen, weil der Bus genau in dieser Sekunde doch noch kommt und gerade einen Wimpernschlag lang anhält. Aber es gibt doch Apps für so etwas? Das mag sein, aber wirklich verlässlich sind sie nicht. Einkaufen muss man auch noch und die schweren Tüten eine Viertelstunde nach Hause schleppen. Ich wette, Luisa Neubauer musste noch nie mit zwei prallgefüllten Taschen und unter den Arm geklemmtem Toilettenpapier nach getaner Arbeit nach Hause ächzen. In ihren Kreisen ist es lediglich üblich, uns zu erklären, wir sollten uns in Anbetracht der weltpolitischen Lage nicht über derlei Luxusprobleme echauffieren. In Afrika müsse man schließlich auch 20 Kilometer zum nächsten Wasserloch laufen. Das ist zwar korrekt - aber die Lisas, Gretas und Georg Restles dieser Welt würden das selbst auch nicht tun - es sei denn, ein Fernsehteam begleitete sie dabei. Ihr Verstand weigert sich einfach zu begreifen, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man sich freiwillig für begrenzte Zeit entschließt, auf etwas zu verzichten oder man es sich schlichtweg nicht leisten kann. Die Arroganz dahinter lässt bei mir ein gewisses Verständnis für die französische Revolution aufkeimen. Es wirkt einfach ungeheuer "sympathisch", wenn einem wohlsituierte Menschen sagen, wie man korrekt arm zu sein hat.

Das von mir Beschriebene ist - wenn auch mit kleinen Übertreibungen - der ärgerliche, zermürbende Alltag, in dem man sich oft fragt, wie viel Zeit einem noch für ein bisschen Entspannung, ein Buch oder auch mal einen Kinobesuch bleibt. Am nächsten Tag muss man schließlich schon wieder um fünf Uhr aufstehen, um wieder ins Hamsterrad zu steigen. Es geht hier nicht um das Schüren von Sozialneid - das pralle Konto sei ihnen gegönnt - sondern um die dahinter stehende Heuchelei. Man belehrt und über Mikroaggressionen und politische Korrektheit, über das Fernhalten jeder Unbequemlichkeit von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen. Aber Alltagsschikanen sollen klaglos ertragen werden. Man könnte das als jugendliche Naivität abtun, wenn es nicht längst Teil der etablierten Politik wäre. In der Großstadt - dem Habitat von Luisa & Co. mögen diese Träume von der Verkehrswende noch einigermaßen funktionieren, dort gibt es ein gut ausgebautes Netz. In Kleinstädten sieht es jedoch anders aus - da sitzt man einfach fest. Dort würde sich unsere Luisa nach dem Shopping sehr wundern - und wahrscheinlich erst einmal nach Mamas SUV rufen. Ihre Tipps gelten nämlich nur für uns.




Freitag, 11. März 2022

Jetzt scheitert krachend die deutsche Energiepolitik...

von Thomas Heck...

Der Autofahrer reibt sich angesichts der immer neuen Höchststände an der Tankstelle täglich die Augen. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. Wer aufs Gas gesetzt hatte, um günstig zu heizen oder zu kochen, ist in einer Realität aufgewacht, wo die Unbezahlbarkeit einer warmen Wohnung und einer warmen Mahlzeit eine vorstellbare und erreichbare Option geworden ist. Und beim Strom sieht es nicht besser aus. Inflationsraten, wie bei einer sozialistischen Bananenrepublik mit den entsprechenden Folgen auf die Preisentwicklungen in nahezu allen Bereichen. Wenn die Tagesschau als Staatsfunk Energiespartipps anpreist, muss es 5 vor 12 sein. Insbesondere, weil die Regierung in erster Linie ideologiegesteuert agiert nach dem Motto, wird schon schiefgehen. Das setzt das normale Denken aus und die Vernunft verabschiedet sich. Noch kaschiert die Nachrichtenlage um die Ukraine das wahre Ausmaß, ein Schuldiger scheint gefunden. Dabei ist die Lage ist ernster, als es den meisten bewusst sein dürfte. Und hausgemacht...



Seit Rot-Grün ist die deutsche Energiepolitik von allem möglichen geprägt gewesen, nur nicht von Haltung. Jetzt kollabiert sie. Wie retten wir uns aus dieser Situation?

Sind die Deutschen krisenresistent? Vor aller Augen kollabiert die Energiepolitik der Bundesregierung, vervielfachen sich die Preise für Öl, Gas und Strom – doch bisher scheinen die Menschen das hinzunehmen. Mal sehen, wie lange noch. Denn es kommt noch dicker. Die EU will die Rohstoffimporte aus Russland drosseln oder ganz streichen. Und die russische Regierung arbeitet an einer Liste von Staaten, die man nicht mehr mit Rohstoffen beliefern will. Wird sie umgesetzt, dürfte Deutschland ganz oben stehen. Damit würden über 50 Prozent des deutschen Gasimports und gut ein Drittel des Ölimports mal eben wegfallen. 

Deutschland steht vor Erschütterungen. Und es ist selbst daran schuld. Dass Russland kein zuverlässiger Energielieferant ist und fossile Energien zur Waffe macht, war seit vielen Jahren in wissenschaftlichen Analysen und auch in den Zeilen dieser Kolumne zu lesen. Putins politische Lieferstopps haben die osteuropäischen Staaten zur Genüge erfahren. In Deutschland lassen sie sich an den leeren Gasspeichern ablesen. Nur war es hierzulande angenehmer, wegzuschauen.

Bei Energie hatten wir in den vergangenen 20 Jahren ein Haltungsproblem. Diversifikation und Versorgungssicherheit waren nie Priorität deutscher Energiepolitik. Stattdessen beherrschten Ideologie (Grüne), Wahlkampfpanik (CDU/CSU) oder schlicht Korruption und persönliche Verstrickungen (SPD) die Entscheidungen. Wenn jetzt die Parteien aufeinander zeigen, ist das einfach nur erbärmlich. Die gescheiterte Energiepolitik ist ein verpfuschtes Gesamtkunstwerk der drei größten Parteien. Und eine unglaubliche Geschichte der Verengung von Optionen.

Das begann, als eine rot-grüne Bundesregierung die Atommeiler abschalten wollte (wofür es triftige Gründe gab), aber auch gleich die Nuklearforschung grundsätzlich zum Teufel wünschte (der ideologische Teil). Rot-Grün redete viel von "Erneuerbaren", setzte aber tatsächlich vor allem auf das fossile Gas. Mittels einer wahnsinnig teuren Umlage für alle Bürger ließen grüne Umweltminister schnell veraltende Solartechnik auf ewig fördern. Derweil verschmolzen SPD-Politiker im Handstreich am Kartellrecht vorbei die deutschen Energiekonzerne zu Beinahemonopolisten. Diese wurden dann geschäftlich und institutionell mit dem russischen Monopolisten Gazprom verflochten. 

Alle anderen Optionen – Flüssiggas aus aller Welt, deutsche LNG-Terminals, Erdgas per Pipeline vom Kaspischen Meer oder per Schiff aus Nahost und den USA – wurden von der Gasallianz aus Konzernen und SPD systematisch verhindert. Wer kritisch nach mehr Diversifizierung fragte, bekam die Antwort: Russland sei ja seit den Siebzigerjahren ein "verlässlicher" Lieferant. Und: "Die Amis fracken, wie schrecklich!"

Es ist jetzt dringend an der Zeit, von den anderen zu lernen

Unter dem Schutz der SPD wuchs das Megagasgeschäft, die deutschen Konzerne verkauften ihre größten Gasspeicher an den Gazprom-Konzern, der nicht nur Pipelines durch die Ostsee, sondern auch auf deutschen Boden betreibt. Dafür durften die Deutschen dann in Russland ein bisschen selbst bohren und ihr Gas durch Gazproms Monopolpipelines nach Hause bringen. Das brachte so viel Geld, dass nicht nur Gerhard Schröder, sondern eine ganze Generation von SPD-Politikern in die Energiebranche ging und kräftig die Pensionen aufbesserte. 

Die CDU, die das erst bemeckerte, schwieg in der Groko dazu, um des lieben Koalitionsfriedens willen. Wenige CDU-Politiker erlagen selbst dem Lockreiz des Energiegeschäfts. Den Atomausstieg zog Kanzlerin Merkel 2011 hektisch vor, um ihrer CDU im Wahlkampf in Baden-Württemberg bessere Argumente zuzuschanzen. Das kostete ein paar Milliarden Euro Kompensation an die Konzerne für eine weitere Verengung von Optionen. Die letzten Atommeiler gehen ausgerechnet in diesem Jahr, wo Russland als Rohstofflieferant wahrscheinlich ausfällt, vom Netz. 

Die Erneuerbaren aber wurden im Widerspruch zur aufgeblasenen Rhetorik nie so gefördert, wie es nötig gewesen wäre. Während die Groko die Dinge schleifen ließ, führte die von Grünen und CSU umjubelte Bürgerbeteiligung zu unzähligen Einsprüchen gegen die dringend notwendigen Stromtrassen. Stattdessen wurden die von Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel (beide SPD) ausgedealten Großpipelines Nord Stream 1 und 2 fertiggestellt. So wurde Deutschland von Russlands Erdgas zu weit über 50 Prozent abhängig.

Die Deutschen, die sich ganz an der Spitze des Energiefortschritts wähnen, dürfen sich gern mal umdrehen, ob ihnen auch nur ein Land folgt: Fehlanzeige. Es ist jetzt dringend an der Zeit, von den anderen zu lernen. 

Man muss nicht Frankreich kopieren

Mehrere osteuropäische Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Abhängigkeit von russischen Lieferungen drastisch reduziert. Polen hat Flüssiggasterminals gebaut, auch Litauen, Kroatien und Griechenland. Vielleicht fragen die Deutschen mal zur Abwechslung in Athen nach, was sie von den Griechen lernen können. 

Viele Länder kommen gar nicht erst auf die Idee, Gas massenhaft zur Verstromung einzusetzen – und nutzen andere Quellen. Frankreich setzt auf Atom, schafft sich allerdings mit Müll und alten Meilern selbst ein Riesenproblem. Das muss man nicht kopieren. In Finnland verfolgt man für eine Übergangszeit einen sehr moderaten nuklearen Kurs. Auf die beste Mischung kommt es an. Die nördlichen Länder der EU liegen auch beim Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung zum Teil weit vor Deutschland, ohne andere Formen der Energieerzeugung kategorisch auszuschließen. Sie sind beim Abbau der CO₂-Emissionen weit besser als Deutschland. 

Drei Dinge sind von den anderen zu lernen. Erstens: Nicht Russland schönreden, sondern andere Quellen suchen. Zweitens: In der Energiekrise keine Form der Energieerzeugung kategorisch oder ideologisch ausschließen. Drittens: Den zügigen Weg in die Klimaneutralität nicht aus den Augen verlieren. Deshalb ist neben Öl und Kohle auch das fossile Gas mittelfristig ein Auslaufmodell.





Im-Nebel-Stochern für Fortgeschrittene...

von Mirjam Lübke...

Das Netz spottet: Medizin-Nobelpreis für Wladimir Putin! Der moderne Zar im Kreml hat es durch sein martialisches Auftreten geschafft, das Corona-Virus derart einzuschüchtern, dass es freiwillig von der Bildfläche verschwunden ist. Nun hockt es zitternd in einer unterirdischen Notunterkunft und schwenkt die weiße Fahne. Da sind die Ukrainer zäher, offenbar macht Putins medizinische Kompetenz keinen Eindruck auf sie. Das ist hart, wirklich hart für den russischen Präsidenten.



Doch auch das Virus hat in Deutschland treue Verbündete, die es aus seinem Schattendasein befreien möchten. Denn sein Image ist schwer angeschlagen: Vom Superkiller zum Schnupfen heruntergestuft zu werden, nur, weil man einmal in eine harmlosere Form mutiert ist, das kratzt am Selbstbewusstsein. Aber Putin, das Medizingenie, hat dabei nicht mit der Entschlossenheit von Karl Lauterbach gerechnet. Ein schwerer strategischer Fehler, denn ein einzelner, zu allem bereiter Guerillero kann ganze Armeen in die Schlacht zurückführen. Dabei bedient sich Lauterbach zudem einer perfiden Kriegslist: Obwohl er öffentlich bekundet, der Erzfeind des Virus zu sein, trägt er - zumindest medial - entscheidend zu dessen Verbreitung bei. Selbst auf dem Kriegspfad befindlich, propagiert er zudem die Teilnahme an Friedensdemos. Zudem griff und greift er auf die älteste Kriegstaktik aller Zeiten zurück: Die Verwirrung des Feindes mit falschen Daten. 

Wir haben alle falsch gedacht: Die Schreckensnachrichten von RKI und PEI - schon diese Abkürzungen könnten Geheimdiensten alle Ehre machen - dienten nicht etwa dazu, der Bevölkerung sinnlose Infektionsschutz-Maßnahmen aufzunötigen. Vielmehr plante Karl Lauterbach von Anfang an, das Virus vor uns zu schützen. Dieser Aufgabe hat er sein Leben gewidmet, so wie Heinz Sielmann einst die bedrohte Tierwelt rettete. Der beliebte Gesundheitsminister tritt damit in eine neue Phase des Umweltschutzes ein. Auch eine RNA-Fabrik wie ein Virus verdient es zu leben. Es ist also vollkommen abwegig, dem Minister Karriereambitionen zu unterstellen, denn er plant, neue Lebensräume für die kleinsten Geschöpfe zu schaffen. 

Anders jedenfalls kann ich mir das Verhalten des Ministers nicht erklären. Er muss tatsächlich eine Art Hassliebe zu Corona empfinden, hätte am liebsten, dass wir in Impfstoff baden, wie Obelix, der als Kind in den Zaubertrank fiel und danach lebenslang Superkräfte besaß. Während alle Welt nun auf die Ukraine schaut, bereitet die Bundesregierung weiter die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht vor, die dann Anfang April durch den Bundestag gewunken werden soll. Selbst in Österreich, das neben Deutschland zu den Hardlinern in der Corona-Politik zählte, ist inzwischen Vernunft eingekehrt, angesichts des meist milden Verlaufs der Omikron-Infektion, welche die meisten Menschen noch nicht einmal wahrnehmen, hält man die Impfpflicht für unverhältnismäßig. Nur Karl Lauterbach verbreitet, es würden täglich bis zu dreihundert Menschen daran sterben - wo immer er diese Zahl auch hernimmt. Das behauptet nämlich noch nicht einmal das RKI. Wahrscheinlich handelt es sich dabei wieder einmal um ein Bauchgefühl, ähnlich wie bei seiner Behauptung, Kinder litten zunehmend an Long Covid - was sich als aus der Luft gegriffen erwies. Zumal man vielfach noch gar nicht klar sagen kann, was nun Long Covid oder Depression als Lockdown-Folge ist, weil die Symptome die gleichen sind. 

Während die Bevölkerung noch in der einen Angst feststeckt - sie ist bei vielen schließlich nicht einfach weg, auch wenn sie ihre "ich bin geimpft"-Bekundung gegen die ukrainische Fahne getauscht haben - kommt nun auch noch die Kriegsangst dazu. Ehrlich muss ich zugeben, dass ich in dieser Hinsicht weitaus leichter zu packen bin, zumal sich auch hier erweist, wie wenig vorbereitet Deutschland auf einen Ernstfall wäre. Den Zivilschutz hat man nämlich nach dem Prinzip "Brauchen wir nicht mehr, kann weg" vor 15 Jahren aus Kostengründen endgültig begraben. Die aktuell vom Bundesamt für Katastrophenschutz herausgegebenen Ratschläge sind auf dem Stand der Sechzigerjahre, es fehlt nur noch der Tipp mit der Aktentasche, die man sich beim großen "Bumm" über den Kopf ziehen soll. Bei diesen Aussichten wäre man lieber gleich hinüber. 

Stattdessen tragen wir bereits jetzt die von Annalena Baerbock angekündigten "Konzekwenzen". Der Benzinpreis frisst das Gehalt auf, für dessen Erwerb man sich ins Auto setzt. Während viele Normalverdiener aus Kostengründen die Heizung herunterdrehen müssen - eine Strickjacke ist weitaus günstiger - frieren Besserverdiener "für den Frieden", während auf dem Designertisch vielleicht schon ein Reisekatalog liegt. Was kommt als nächstes? "Gold gab ich für Eisen" als Sammelaktion für den Pleitestaat? Karl Lauterbach kann es nur recht sein, wenn wir bibbernd zuhause sitzen. Wenn die Nase vor Kälte zu laufen beginnt, fragen wir uns dann alle, ob er nicht doch ein bisschen die Wahrheit gesagt hat: Ist es das schon, das nächste Killervirus? Dem Frieden bringt uns die Kälte jedenfalls nicht näher, allenfalls dem allgemeinen Durchdrehen. Langsam verstehe ich, was an dem Wunsch "Mögest du in aufregenden Zeiten leben" so boshaft ist, denn wir stecken mitten drin.



Donnerstag, 10. März 2022

Grmpf hielt die Erfindung von Streichhölzern für Science-Fiction...

von Mirjam Lübke...

Dächten die Menschen schon immer so wie unser Freund Mario Sixtus, wären wir heute nicht in der Lage, uns im Internet darüber aufzuregen. Es gäbe nämlich keins. Wenn Steinzeitmensch Grmpf herausgefunden hatte, dass beim Aufeinanderschlagen bestimmter Steine Funken entstehen, mit denen man selbst Feuer machen kann, wäre so ein Mario gekommen und hätte es ihm als Blödsinn ausgeredet. Ebenso das Rad ("Du bist doch nur zu faul zum Tragen!"). Selbst wenn es uns gelungen wäre, uns trotzdem zivilisatorisch weiterzuhangeln, stünde immer eine Kreativitätsbremse bereit, die nicht aus ernster Besorgnis über die möglichen Folgen einer Erfindung, sondern aus schierer Arroganz außergewöhnliche Ideen ausgebremst hätte. "Professor Fleming, werfen Sie gefälligst diese verschimmelte Petrischale weg! Es ist doch Humbug, da was draus machen zu wollen!"



Es geht nicht um kritische Distanz zum Machbaren, die durchaus angebracht ist, wenn Forschung etwa sensible Bereiche der Ethik berührt, wie das zum Beispiel in manchen Bereichen der Gentechnik der Fall ist. Dann ist es vollkommen angebracht, sich auch als Nicht-Genetiker einzumischen und zu fragen, wo das noch hinführen mag. Wie uns die Diskussion um die mRNA-Impfstoffe gezeigt hat, halten sich Sixtus & Co. aber dabei nicht nur dezent zurück, sondern bringen Kritiker sofort zum Schweigen. Schwurbler! Nazi! Die wissen schon, was sie tun! Ähnliches erleben wir beim Thema Klimawandel: Jeder von der gewünschten Richtung abweichende Forschungsansatz wird lächerlich gemacht oder ignoriert, so zum Beispiel der Einfluss von Sonnenaktivität auf unser Klima. Da die meisten Journalisten genau wie der Durchschnittsbürger wissenschaftliche Laien sind, ist die Stoßrichtung deutlich: Es geht wieder einmal um die Diskurshoheit. Da darf man dem Bürger schon einmal vorschreiben, welchen Wissenschaftler er ernst nehmen darf. Man beurteilt es einfach nach der richtigen Haltung - denn die Forschungsergebnisse sind einem Herrn Sixtus ebenso ein Buch mit sieben Siegeln wie uns. 

Es ist schon allerhand Realität geworden, was anderen als Spinnerei erschien. Manche populärwissenschaftlichen Magazine - das meine ich nicht abwertend! - tragen regelmäßig die Aussagen von Firmenchefs zusammen, die sich enorm verschätzt haben, so etwa der Geschäftsführer von IBM, der sich nicht vorstellen konnte, das einmal auch in privaten Haushalten Computer stehen - er war einfach von den riesigen Anlagen seiner Zeit ausgegangen. Allerdings ist die Verachtung für Zukunftsvisionen auch eine Spezialität links-grüner Klimaretter, denen beim Gedanken an den Weltuntergang durch Erderwärmung Schauer wohligen Gruselns über den Rücken laufen: Der Triumph eines "Wir haben schon immer davor gewarnt!" ist in ihren Tagträumen einfach glorreicher als die mühselige Kleinarbeit von klugen Köpfen, die sich Lösungen für kommende Probleme einfallen lassen. 

Letztens sah ich mir die französische Serie "Dream the Future" von 2015 an. Natürlich war auch darin eine Folge dem Klimawandel gewidmet, aber anstatt in düstere Prognosen zu verfallen, zeigte man Ideen aus aller Welt zur Städtearchitektur, die viel Grün einbindet, um nicht nur das Leben in der Stadt angenehmer zu machen, sondern auch die Luft zu verbessern. Ein japanischer Agrargroßhändler hat schon jetzt seine Firmenzentrale in Tokio nach diesem Konzept umbauen lassen. Der Salat in der Kantine wächst im eigenen Haus und die Mitarbeiter dürfen sich auch mal was pflücken. Letztens sah ich einen Bericht aus Deutschland, eine mittelständische Firma bietet Ähnliches an - aber selbst in der Parteizentrale der Grünen wachsen noch keine Tomaten - das ist dem echten Weltenretter wohl zu unglamourös. 

Statt grüner Städte sollen wir kahle Flächen mit Windkraftanlagen bekommen, noch nicht einmal vor dem hessischen Märchenwald macht der Wahn halt. Ich weiß nicht, was Herr Sixtus im Bereich der Energieerzeugung als Science-Fiction bezeichnet, den Fusionsreaktor eventuell? Der steckt tatsächlich noch in den Kinderschuhen, aber darin wird er auch steckenbleiben, wenn man daran nicht weiterforscht. Irgendwann in ein paar Jahren werden die Chinesen stolz einen funktionierenden Prototypen präsentieren, nachdem sie uns schon im Bereich der Kernkraft überholt haben. Geduld und Beharrlichkeit sind in Deutschland diesbezüglich nicht gefragt - wir bauen das, was zwar nur unzulänglich funktioniert, aber dafür nicht merkwürdig leuchtet, lieber eine Nummer größer. Dann funktioniert es zwar noch immer unzulänglich, sieht aber imposanter aus. Deshalb bauen wir dann noch mehr davon - bald wird wahrscheinlich die Idee aufkommen, in den Masten von Windrädern sozialen Wohnungsbau unterzubringen. Man kann darin zwar die Fenster nicht öffnen, weil das ständige "Wusch Wusch Wusch" einen sonst in den Wahnsinn triebe und die Möbel samt ihrer Besitzer hinausgesogen würden, aber irgendwie muss man den Platzmangel schließlich ausgleichen. Das Eigenheim ist out, Familie sowieso, deshalb legt man ausgerechnet jenen, die gern freiwillig mit Solaranlagen für sich selbst sorgen würden, auch noch bürokratische Hürden in den Weg. Es muss - bitteschön! - alles hübsch zentralisiert und gigantomanisch ablaufen. Auch wenn die natürlichste CO2-Vernichtungsmaschine, der Baum, dafür weichen muss. 

Da wünscht man sich ein bisschen mehr Science-Fiction und weniger reale Dystopie. Meine Theorie ist ohnehin, dass bei manchen Menschen die Abneigung gegen das Fantastische nicht darin begründet liegt, dass sie einfach kein Interesse daran haben - was ein vollkommen legitimer Grund ist. Vielmehr neigen sie zu ideologischer Engstirnigkeit, wie ein Inquisitor, der höllische Angst vor Ketzern hegt. Schließlich können sich Fantasiebegabte nicht nur Technisches erträumen, sondern auch eine Zukunft, in der die Ideologen das Sagen haben. Und wenn das letzte Windrad verrostet ist, wird vielleicht niemand mehr da sein, der ein neues bauen kann, da unsere Gesellschaft nur noch aus Genderforschern besteht. Solange uns das Geld nicht ausgeht, können wir schließlich von Nachbarländern Strom kaufen. Der ist dann auch grüner als der eigene, versprochen!


Gauck: "Wir können auch einmal frieren für die Freiheit"

von Thomas Heck...

Bei der gestrigen Maischberger-Sendung zum Thema Ukraine hat Alt-Präsident Joachim Gauck die Deutschen gemahnt, Opfer zu bringen. Für die Freiheit können man auch schon mal frieren. Markige Worte eines ehemaligen Präsidenten, der sich nicht nur einfach mit 236.000 Euro Ehrensold aufs Altenteil begab und es sich heute auf seinem beheizten Scheißhaus auf Steuerzahlerkosten gut gehen lässt. Nein, der Mann, der nicht fit genug für eine zweite Amtszeit war, hatte sich ein Büro de luxe einrichten lassen. Mit einem Büroleiter, Referenten, Sekretärin und Chauffeur inklusive Dienstwagen. Neun Büros auf 197 Quadratmetern: Altbundespräsident Joachim Gauck kann auf eine opulentere Ausstattung als seine Vorgänger zurückgreifen - mit hohen Kosten für den Steuerzahler. Allein an Personalkosten 385.000 Euro pro Jahr.

Zu den Personalkosten kamen die Aufwendungen für Umbaumaßnahmen in den Büros, die Gauck in einer Liegenschaft des Deutschen Bundestages bezogen hatte. So wurden Sicherheitstüren am Präsidententrakt und eine abschließbare Präsidententoilette zu Kosten von insgesamt 52.000 Euro installiert. Zum Kacken also doch kein Volkspräsident, da wird es schon warm sein. Zusätzlich schlug die Möblierung des Arbeitsraums von Gauck mit 35.000 Euro zu Buche, wie das Bundespräsidialamt auf Anfrage bestätigte.

Und dieser "Volkspräsident" mahnt jetzt Deutsche, Opfer zu bringen. Da möchte der Deutsche Gauck doch am liebsten seine restlichen Zähne ausschlagen.


Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba wird heute im türkischen Antalya mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow Optionen für ein Ende des Kriegs ausloten. Unsere Reporter berichten über die aktuelle Lage in der Ukraine. Verfolgen Sie alle Entwicklungen hier und bei WELT im TV. 

Bei Maischberger streiten die Gäste darüber, wie weit die Nato im Ukraine-Krieg gehen sollte. Sie sind sich aber einig, dass die wirtschaftlichen Folgen auch bei uns drastisch sein werden. Altbundespräsident Gauck mahnt die Deutschen, Opfer zu bringen. 

Der Westen sucht weiterhin nach einem Weg, den Krieg Russlands gegen die Ukraine schnellstmöglich zu beenden und Russlands Präsidenten Wladimir Putin zur Besinnung zu bringen. Doch reichen allein wirtschaftliche Sanktionen oder braucht es noch mehr militärische Unterstützung?

Bei „Maischberger“ berichtete die deutsch-ukrainische Schriftstellerin Katja Petrowskaja von ihrer 86-jährigen Mutter. Diese sei derzeit auf der Flucht aus Kiew in Richtung Ungarn – in einem Bus zusammen mit anderen Frauen und einem erst vier Tage alten Kind. Es sei schwer, die Menschen zu überzeugen, das Land zu verlassen. „Das bedeutet, dass nicht nur die Armee kämpft. Es kämpft die gesamte Gesellschaft“, berichtete die Autorin. „Sie möchten nicht in dieser Despotie von Putin leben“, sagte Petrowskaja.

Das Verhalten der Ukrainer habe sie nicht überrascht. Es sei die „allgemeine Impfung am Maidan“, die die Menschen dazu gebracht habe, selbstständig zu handeln: „Es ist keine Folge von Propaganda oder irgendwelcher Ideologie.“ Putin verstehe dies aber nicht.

Dem pflichtete der Militärexperte Carlo Masala bei. Der russische Präsident sei davon ausgegangen, Teile der Ukraine innerhalb weniger Tage einnehmen zu können, glaubt Masala. „Dahinter stand auch die Überzeugung, dass ein Großteil der Ukrainer die Russen als Befreier wahrnehmen werden“, erklärte der Politikwissenschaftler. 

Ein durchgestochener Bericht eines russischen Geheimdienstmitarbeiters deute darauf hin, dass die Dienste entsprechende Berichte an die Regierung liefern sollten. „Das ist wohl alles erstunken und erlogen gewesen, weil man sich nicht getraut hat, ein realistisches Bild zu porträtieren“, sagte Masala.

„Dieser Mann ist ein Kriegsverbrecher“, machte der frühere ARD-Korrespondent in Moskau, Thomas Roth, deutlich. Putin gehöre am Ende vor den Internationalen Strafgerichtshof. Dass der russische Präsident tatsächlich im Jahr 2036 – wie von der Verfassung vorgesehen – sein Amt verlassen wird, glaubt Roth nicht: „Das ist doch dem völlig egal. Der wird so lange herrschen, wie er will.“ Für die Journalistin Mariam Lau wird Putin früher gehen müssen: „Der ist doch erledigt.“

Die Hauptbitte der Ukrainer an den Westen sei es „den Himmel zu schließen“, berichtet Petrowskaja. Dies könne nur die Nato. Die Autorin sprach so eine mögliche Flugverbotszone über dem Land an, die russische Kampfjets aus dem Luftraum heraushalten soll.

Das wolle der Westen nicht, erklärte Masala. Es müssten Flugplätze und auch Luftverteidigungssysteme in Russland bombardiert werden. Am Ende müssten womöglich auch russische Kampfjets abgeschossen werden. „Eine Flugverbotszone würde bedeuten, einen Krieg gegen Russland zu führen“, sagte der Militärexperte, „da schwingt natürlich auch immer die Gefahr mit, dass der irgendwann nuklear eskaliert.“

„Mein Gefühl ist natürlich völlig aufseiten von Frau Petrowskaja“, erklärte dagegen Altbundespräsident Joachim Gauck. Dennoch zeigte er sich zurückhaltend. Es sei „diesmal keine Feigheit, wenn die deutsche Bundesregierung hier zurückhaltend ist“. Waffenlieferungen seien nicht so gefährlich wie eine Flugverbotszone: „Einem Überfallenen mit Waffen beizustehen, ist etwas anderes, als dass wir aktiv Flugzeuge abschießen.“ Auch Mariam Lau forderte mehr Waffenlieferungen an die Ukraine. 

Die Sanktionen des Westens gegen Russland würden Wirkung zeigen, berichtete Roth. Es gebe bereits Berichte von weniger Lebensmitteln in den Supermärkten. Dennoch brauche es härtere Maßnahmen. „Ich bin der Meinung, wir müssen Nord Stream 1 zumachen“, forderte der Journalist.

Für Feldenkirchen gibt es aber auch Grenzen bei den Maßnahmen gegen Russland. „Alles, was auch nur die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Nato-Mitglied oder die Nato an sich in militärische Auseinandersetzungen mit Russland gerät, muss absolutes Tabu sein“, sagte der Journalist.

Klar wurde aber auch, dass dies in Deutschland möglicherweise weiter zu steigenden Preisen beim Heizen oder an der Tankstelle führen könnte. „Wir brauchen jetzt einen Churchill-Moment“, sagte Lau. Scholz müsse immer wieder erklären, wo Deutschland stehe.

Gauck sieht hier auch die deutsche Bevölkerung in der Pflicht, Einbußen hinzunehmen. „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben“, sagte der frühere Bundespräsident.

„Ich habe mir oft Gedanken gemacht über die deutsche Neigung zur schnellen Angst“, sagte Gauck im Hinblick auf die Angst vor einem Atomkrieg. Die Angst sei derzeit auch wahrnehmbar. Zwar könne Putin nicht bis zum Ende berechnet werden, „aber er ist noch nicht in der Situation wie Adolf Hitlers am Ende des Krieges“. 

Putin wolle in die Geschichte eingehen und wähle dabei „den Irrweg einer Autokratie“. Jedoch habe er noch verschiedene Möglichkeiten. „Er muss nicht die letzte wählen, Europa und die Welt in einen größeren Krieg zu ziehen“, sagte Gauck.

Der Altbundespräsident zeigte auch Verständnis für die Sorgen anderer Staaten aus der ehemaligen Sowjetunion vor einem ähnlichen Vorgehen Putins in ihren Ländern. Die Länder müssten „dem etwas übersättigten Westen ein Bild der Realität offerieren, das der Westen nicht schätzt.“

Die Menschen dort wüssten, wie schnell Panzer da sein können: „Wenn man älter ist, hat man eine Geschichte des Panzer-Sozialismus vor Augen.“ Im Westen habe man sich zu lange wohlgefühlt in einem „angeblichen Gefüge von Sicherheiten“. Es sei tugendhaft kein Feindbild zu haben. „Aber man darf nicht so blöd sein, zu denken, die Feindschaft gibt es nicht mehr“, sagte Gauck.