Donnerstag, 10. März 2022

Grmpf hielt die Erfindung von Streichhölzern für Science-Fiction...

von Mirjam Lübke...

Dächten die Menschen schon immer so wie unser Freund Mario Sixtus, wären wir heute nicht in der Lage, uns im Internet darüber aufzuregen. Es gäbe nämlich keins. Wenn Steinzeitmensch Grmpf herausgefunden hatte, dass beim Aufeinanderschlagen bestimmter Steine Funken entstehen, mit denen man selbst Feuer machen kann, wäre so ein Mario gekommen und hätte es ihm als Blödsinn ausgeredet. Ebenso das Rad ("Du bist doch nur zu faul zum Tragen!"). Selbst wenn es uns gelungen wäre, uns trotzdem zivilisatorisch weiterzuhangeln, stünde immer eine Kreativitätsbremse bereit, die nicht aus ernster Besorgnis über die möglichen Folgen einer Erfindung, sondern aus schierer Arroganz außergewöhnliche Ideen ausgebremst hätte. "Professor Fleming, werfen Sie gefälligst diese verschimmelte Petrischale weg! Es ist doch Humbug, da was draus machen zu wollen!"



Es geht nicht um kritische Distanz zum Machbaren, die durchaus angebracht ist, wenn Forschung etwa sensible Bereiche der Ethik berührt, wie das zum Beispiel in manchen Bereichen der Gentechnik der Fall ist. Dann ist es vollkommen angebracht, sich auch als Nicht-Genetiker einzumischen und zu fragen, wo das noch hinführen mag. Wie uns die Diskussion um die mRNA-Impfstoffe gezeigt hat, halten sich Sixtus & Co. aber dabei nicht nur dezent zurück, sondern bringen Kritiker sofort zum Schweigen. Schwurbler! Nazi! Die wissen schon, was sie tun! Ähnliches erleben wir beim Thema Klimawandel: Jeder von der gewünschten Richtung abweichende Forschungsansatz wird lächerlich gemacht oder ignoriert, so zum Beispiel der Einfluss von Sonnenaktivität auf unser Klima. Da die meisten Journalisten genau wie der Durchschnittsbürger wissenschaftliche Laien sind, ist die Stoßrichtung deutlich: Es geht wieder einmal um die Diskurshoheit. Da darf man dem Bürger schon einmal vorschreiben, welchen Wissenschaftler er ernst nehmen darf. Man beurteilt es einfach nach der richtigen Haltung - denn die Forschungsergebnisse sind einem Herrn Sixtus ebenso ein Buch mit sieben Siegeln wie uns. 

Es ist schon allerhand Realität geworden, was anderen als Spinnerei erschien. Manche populärwissenschaftlichen Magazine - das meine ich nicht abwertend! - tragen regelmäßig die Aussagen von Firmenchefs zusammen, die sich enorm verschätzt haben, so etwa der Geschäftsführer von IBM, der sich nicht vorstellen konnte, das einmal auch in privaten Haushalten Computer stehen - er war einfach von den riesigen Anlagen seiner Zeit ausgegangen. Allerdings ist die Verachtung für Zukunftsvisionen auch eine Spezialität links-grüner Klimaretter, denen beim Gedanken an den Weltuntergang durch Erderwärmung Schauer wohligen Gruselns über den Rücken laufen: Der Triumph eines "Wir haben schon immer davor gewarnt!" ist in ihren Tagträumen einfach glorreicher als die mühselige Kleinarbeit von klugen Köpfen, die sich Lösungen für kommende Probleme einfallen lassen. 

Letztens sah ich mir die französische Serie "Dream the Future" von 2015 an. Natürlich war auch darin eine Folge dem Klimawandel gewidmet, aber anstatt in düstere Prognosen zu verfallen, zeigte man Ideen aus aller Welt zur Städtearchitektur, die viel Grün einbindet, um nicht nur das Leben in der Stadt angenehmer zu machen, sondern auch die Luft zu verbessern. Ein japanischer Agrargroßhändler hat schon jetzt seine Firmenzentrale in Tokio nach diesem Konzept umbauen lassen. Der Salat in der Kantine wächst im eigenen Haus und die Mitarbeiter dürfen sich auch mal was pflücken. Letztens sah ich einen Bericht aus Deutschland, eine mittelständische Firma bietet Ähnliches an - aber selbst in der Parteizentrale der Grünen wachsen noch keine Tomaten - das ist dem echten Weltenretter wohl zu unglamourös. 

Statt grüner Städte sollen wir kahle Flächen mit Windkraftanlagen bekommen, noch nicht einmal vor dem hessischen Märchenwald macht der Wahn halt. Ich weiß nicht, was Herr Sixtus im Bereich der Energieerzeugung als Science-Fiction bezeichnet, den Fusionsreaktor eventuell? Der steckt tatsächlich noch in den Kinderschuhen, aber darin wird er auch steckenbleiben, wenn man daran nicht weiterforscht. Irgendwann in ein paar Jahren werden die Chinesen stolz einen funktionierenden Prototypen präsentieren, nachdem sie uns schon im Bereich der Kernkraft überholt haben. Geduld und Beharrlichkeit sind in Deutschland diesbezüglich nicht gefragt - wir bauen das, was zwar nur unzulänglich funktioniert, aber dafür nicht merkwürdig leuchtet, lieber eine Nummer größer. Dann funktioniert es zwar noch immer unzulänglich, sieht aber imposanter aus. Deshalb bauen wir dann noch mehr davon - bald wird wahrscheinlich die Idee aufkommen, in den Masten von Windrädern sozialen Wohnungsbau unterzubringen. Man kann darin zwar die Fenster nicht öffnen, weil das ständige "Wusch Wusch Wusch" einen sonst in den Wahnsinn triebe und die Möbel samt ihrer Besitzer hinausgesogen würden, aber irgendwie muss man den Platzmangel schließlich ausgleichen. Das Eigenheim ist out, Familie sowieso, deshalb legt man ausgerechnet jenen, die gern freiwillig mit Solaranlagen für sich selbst sorgen würden, auch noch bürokratische Hürden in den Weg. Es muss - bitteschön! - alles hübsch zentralisiert und gigantomanisch ablaufen. Auch wenn die natürlichste CO2-Vernichtungsmaschine, der Baum, dafür weichen muss. 

Da wünscht man sich ein bisschen mehr Science-Fiction und weniger reale Dystopie. Meine Theorie ist ohnehin, dass bei manchen Menschen die Abneigung gegen das Fantastische nicht darin begründet liegt, dass sie einfach kein Interesse daran haben - was ein vollkommen legitimer Grund ist. Vielmehr neigen sie zu ideologischer Engstirnigkeit, wie ein Inquisitor, der höllische Angst vor Ketzern hegt. Schließlich können sich Fantasiebegabte nicht nur Technisches erträumen, sondern auch eine Zukunft, in der die Ideologen das Sagen haben. Und wenn das letzte Windrad verrostet ist, wird vielleicht niemand mehr da sein, der ein neues bauen kann, da unsere Gesellschaft nur noch aus Genderforschern besteht. Solange uns das Geld nicht ausgeht, können wir schließlich von Nachbarländern Strom kaufen. Der ist dann auch grüner als der eigene, versprochen!


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