Montag, 21. März 2022

Vergesst die Impfung - esst mehr Hühnersuppe!

von Mirjam Lübke...

Eine zünftige Erkältung kann einen unzweifelhaft in Weltuntergangsstimmung versetzen. Bei mir fängt es meist mit Schmerzen in den Eckzähnen an, dann folgt ein kratzender Hals und ein penetrantes Pieksen in der Nase. Das benebelte Gefühl im Kopf, wackelige Beine und Schüttelfrost rufen mir zu: "Leg' dich ins Bett, Miri. Mit allen Decken, die sich im Haushalt befinden. Dein Tod kann jetzt nur noch durch ein Wunder und viel Milchkaffee abgewendet werden!" Rendall Flagg sitzt in Gestalt eines Raben im Pflaumenbaum vor dem Fenster und wartet krächzend darauf, meine Seele in die Hölle zu verfrachten, während ich mir selbst etwas vorjammere. Nur das Noro-Virus wirkt noch apokalyptischer, ansonsten habe ich mich selbst bei weitaus bedrohlicheren Erkrankungen nicht so elendig gefühlt. Ob ich selbst schon Corona hatte, weiß ich nicht genau, als der Rummel in Deutschland gerade losging, schickte mich mein Hausarzt nach Begutachtung leichter Erkältungssymptome mit den Worten "das ist wohl dieses neue Virus aus China, schlafen Sie sich einfach mal aus" nach Hause. 



Ein gewisses Grundverständnis habe ich also für die Thorben-Maltes unseres Gemeinwesens, die sich beim Auftreten von Schnupfen und Fieber dem Tode nahe wähnen. Aber derzeit könnte man meinen, Corona wäre als Imagekampagne für alle erfunden worden, die keine Lust mehr auf Witze über die "Männergrippe" hatten. Erwischt es sie trotz oder wegen ihrer Dreifachimpfung - das kann man mittlerweile schließlich nicht mehr genau sagen - lässt sie das keineswegs daran zweifeln und sie klammern sich an den Gedanken, sonst wäre alles noch schlimmer gekommen. Früher musste eine Frau nachts im Park fürchten, ihr Freund könnte die Beine in die Hand nehmen, sobald eine Motorradgang mit stacheligen "Mad Max"-Outfits am Horizont erschien ("Nein Schatz, es ist aus, ich bin jetzt die Biker-Braut von Bronco, er wollte nur die Uhrzeit wissen"). Heute reicht ein Fahrrad-Kurier ohne Maske und der Schatz lässt einen schutzlos zurück ("Das musst du verstehen, Hase, in Zeiten der Pest ist sich jeder selbst der Nächste!").

Der beste Chef von allen, nämlich der meinige, sorgte vor einiger Zeit für Aufruhr, als er die Herren der Schöpfung aufforderte: "Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken!" - in der Corona-Krise möchte ich das gern an jede Wand sprühen. Einem besonders ängstlichen Bekannten, der mich bei jedem Niesen zur sofortigen Ferndiagnose anruft, habe ich sogar schon das Video mit der Aufforderung geschickt. Der Wunsch "Gesundheit!" stammt bekanntlich aus dem Zeitalter der Pest, als ein Niesen tatsächlich ein erstes Symptom des schwarzen Todes darstellen konnte - heute gilt es offenbar als Vorbote der neuesten von Christian Drosten angekündigten Delta-Kappa-Phi-Mutation. Wehe dem, der das nicht ernst nimmt und erst einmal zu Hausmitteln rät. Omikron jedenfalls dürfte sich durch jüdisches Penicillin besser bekämpfen lassen als durch Biontech - und wenn nicht, dann hat eine Hühnersuppe wenigstens keine Nebenwirkungen. Natürlich ist das nur meine unwissenschaftliche Meinung, die nun zornig gegeißelt werden darf. 

Von Sören-Malte erwartet man schon bald nichts anderes mehr als panische Reaktionen auf alle Unbill der Welt. Wenn schon in einem Schluck Milch der Todeskampf lauert, weil Laktose seit ein paar Jahren der biologische Kampfstoff Nr. 1 ist, dann kann einem Corona schon einen Schauer in die Gebeine jagen. Aber auch gestandene Männer machen den Rummel noch immer mit. Sogar jene, welche der Bundesregierung in den letzten Jahren kritisch gegenüberstanden und keinem Politiker einen Gebrauchtwagen abgekauft hatten. So etwas würde man vielleicht von uns Frauen erwarten, weil wir uns ohnehin mehr für Gesundheitsthemen interessieren. Aber der Freedom-Day macht auch dem starken Geschlecht so viel Angst, dass gerade wieder die ollsten Masken-Propaganda-Kamellen in den sozialen Medien herumgereicht werden. 

Richtig bedenklich wird es, wenn sich auch bisherige Testosteron-Bomben in ängstliche Coronisten verwandeln. Eins steht fest: Einen Säbelzahntiger-Pelzmantel aus eigener Jagd bekommen wir von diesen Herren nicht. Keine Frau erwartet heute noch einen Mann, der sich für sie mit Schwert oder Pistole duelliert - aber es wäre doch schön, wenn wir nicht der Mutterersatz mit Taschentuch und Wadenwickel sein müssten. Dann kochen wir euch auch Hühnersuppe.




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