Dienstag, 21. Juli 2026

“Unsere Demokratie” bestimmt, wer hier gedenken darf: Handgemenge im Bendlerblock wegen AfD-Kranz für Stauffenberg

von Theo-Paul Löwengrub

Wie man aus ehrenwerten Gedenken eine “Gegen-rechts“-Farce macht: Entfernte Bonhoeffer-Verwandte beim todesmutigen “Zeichensetzung“ gestern beim 20.-Juli-Gedenken im Bendlerblock



Zur welch einer unwürdigen Farce die Gedenkkultur für die wenigen realen Widerstandskämpfer des Dritten Reichs missraten ist, zeigte sich gestern bei der Gedenkfeier zum 20. Juli im Ehrenhof des Bendlerblocks, wo gestern vor 82 Jahren das aussichtsreichste Attentat gegen Adolf Hitler mit der Exekution der Verschwörer sein blutiges Ende fand: Weil auch die AfD-Bundestagsfraktionen einen Kranz zu Ehren der Widerstandskämpfer ablegen wollte, meinten maximalverblendete Profilneurotiker in maßloser moralischer Selbstüberhöhung, die sich wie üblich wichtiger nahmen als den eigentlichen Anlass der Feierstunde, einen müden Abklatsch des einstigen Heldenmutes demonstrieren zu müssen – und versuchten, die AfD-Kranzniederlegung gewaltsam zu verhindern.

Besonders unrühmlich tat sich dabei Tobias Korenke hervor, Großneffe der Widerstandskämpfer Dietrich und Klaus Bonhoeffer. Er versuchte, in ungebührlicher Manier – wobei er sich vermutlich heroisch vorkam –, das Gebinde zu entfernen. Prompt entwickelte sich ein Handgemenge, Sicherheitskräfte schritten ein und der Kranz wurde beschädigt. Wichtigtuer Korenke sagte anschließend der “Deutschen Presse-Agentur” wörtlich: “Viele Nachkommen und dazu gehöre auch ich, empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren.“

Verhohnepipelung der deutschen Erinnerungskultur

Abgesehen davon, dass der Theologe und Märtyrer der Bekennenden Kirche Dietrich Bonhoeffer mit dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime rein gar nichts am Hut hatte und der Verwandtschaftsgrad eines Großneffen die reichlich hochtrabende Selbststilisierung als “Nachkomme” nur sehr eingeschränkt rechtfertigt: Den Männern des 20. Juli mit ihrer aristokratisch-völkischen und nationalistischen, wenn auch streng sittlich geprägten Grundhaltung wäre heute fraglos selbst die AfD bei weitem zu links.

Diese Verhohnepipelung der deutschen Erinnerungskultur und die Lächerlichkeit von Korenkes peinlicher Aktion werden nur noch übertroffen von der allgemeinen, inzwischen unerträglichen Selbstgerechtigkeit der linken “Nie wieder“-Folkloristen in diesem Land, die in ihrer wahnhaften Projektion ernsthaft glauben (und diesen gefährlichen Nonsens den bildungsfernen Jüngeren eintrichtern!), die AfD stünde für die Geisteshaltung, gegen die Stauffenberg und seine Mitstreiter damals ihr Leben opferten. Genau diese Verblendung und ahistorische, infantile Verteufelung der demokratischen Opposition durch Gleichsetzung einer völlig grundgesetzkonformen, bürgerlich-konservativen Partei mit dem monströsesten verbrecherischsten Totenkult der deutschen Geschichte hat zu einer unverzeihlichen Verharmlosung des Dritten Reichs und einer Verballhornung der realen Opfer des Nationalsozialismus geführt. Dass nun sogar das Stauffenberg-Andenken für diese Empörungsinszenierung missbraucht wird, ist eine Schande.


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