Montag, 6. Juli 2026

Umfrage-Lügenroulette? 14 Mal in Folge landet die AfD bei exakt 29,0 Prozent

von Michael Münch

Erstaunliche Serie: Der immergleichen INSA-AfD-Umfragewert ist mehr als suspekt



Ich habe darüber bereits geschrieben: Bei INSA stand die AfD 13 Umfragen in Folge exakt bei 29,0 Prozent. Nicht 29,1, nicht 28,9 – nein, genau 29,0 Prozent. Das ist nicht nur extrem unwahrscheinlich, sondern eher unmöglich. Vorgestern, am Samstag, erschien die 14. Umfrage – und, welche Überraschung, es bleibt immer noch dabei: Genau 29,0 Prozent für die AfD. Und das wohlgemerkt bei einer Grundgesamtheit von nur 1.205 Befragten (telefonisch und per Online-Panel) und einer von INSA selbst angegebenen Fehlertoleranz von ±2,9 Prozentpunkten. INSA rundet immer auf halbe Prozentpunkte.

Für genau 29,0 Prozent muss die echte Zahl der AfD-Sympathisanten in der Stichprobe also in einem ganz engen Fenster liegen – und da gibt es nur sechs mögliche Werte bei 1.205 Leuten. Hier kurz der Rechenweg für alle, die es genau wissen wollen: Bei einem realen Wert von circa 29 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Umfrage genau auf 29,0 Prozent landet, maximal bei etwa 15,1 Prozent.Die natürliche Streuung (Varianz respektive Standardabweichung) beträgt nämlich rund 1,31 Prozentpunkten – deutlich mehr als die schmale 0,5-Prozent-Zone, in der INSA auf-oder abrundet. Die von INSA genannten ±2,9 Prozent sind das breite Konfidenzintervall. Je größer diese Streuung ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass man 14 Mal hintereinander exakt denselben Wert trifft. Das heißt: Die Ergebnisse sollten eigentlich stärker schwanken. Bei 14 Umfragen ergibt sich also eine Gesamtwahrscheinlichkeit von ca. (0,151)^14 gleich 3,2 × 10^{-12}, also 1 zu 311 Milliarden. Zum Vergleich: Die Chance, im Lotto 6 aus 49 mit Superzahl den Jackpot zu knacken, liegt nur bei etwa 1 zu 140 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit ist also 2.300 Mal geringer als den Eurojackpot zu gewinnen – und das bei echten politischen Ereignissen, die den echten Wert eigentlich schwanken lassen müssten. Das ist kein normaler Zufall mehr.

Wem nützt diese auffällige “Kontinuität“?

Wer ist INSA überhaupt? Das Akronym steht für “Institut für neue soziale Antworten (INSA-Consulere)” aus Erfurt. Es wurde 2009 von Hermann Binkert gegründet, einem ehemaligen CDU-Politiker. Es versieht unter anderem die Demoskopie zur “Sonntagsfrage” für “Bild am Sonntag”. Ich hatte die INSA-Verantwortlichen auf Facebook bereits zweimal aufgefordert, die Resultate dringend zu checken, und gehofft, dass spätestens auf meine letzte Anmerkung nach dem dreizehnten angeblichen 29,0-Prozent-Ergebnis hin jemand die Zahlen genauer prüft. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie beim nächsten Mal wenigstens der Kosmetik wegen ein bisschen abweichen zu lassen. Aber offensichtlich ist das INSA scheißegal. Stattdessen geht’s einfach munter weiter so… mit der nunmehr 14. Runde bei 29,0 Prozent.

Und jetzt die Preisfrage: Wem nützt es eigentlich, dass die AfD seit 14 Umfragen künstlich bei genau 29,0 Prozent eingefroren wird? Soll damit die Dynamik ein weiterer anzunehmender Zulauf für die Partei verschleiert werden? Will man die psychologische 30 Prozent-Marke vermieden? Oder soll hier ein bestimmtes Narrativ von „Stabilität“ aufrechterhalten werden, das suggeriert, die Obergrenze für die AfD sei erreicht und das Potential ausgeschöpft? Wie auch immer: Das hier riecht danach, als ob jemand bewusst versuchen würde, die öffentliche Wahrnehmung zu steuern. Vielleicht hat INSA ja eine Erklärung, die ich übersehen habe; dann wäre dessen Offenlegung allerdings mehr als überfällig, denn statistisch ist das Muster mehr als auffällig. Ohne transparente Rohdaten und genaue Gewichtung bleibt nicht nur ein Geschmäckle, sondern ein starker Verdacht.


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