Hin- und herlaufende Headset-Tschaka-Bühnenprolls
Es gelte für den Politiker also – so die messerscharfe Schlussfolgerung – an die Wurst zu denken und sich dabei nicht ablenken zu lassen. „Ihr seid Weltklasse!“, trichtert Daxl den staunenden Politeleven zum Schluss ein. Die Szene erinnert sehr an die einschlägigen hin- und herlaufenden Headset-Tschaka-Bühnenprolls, die Verkäufer von Aktien, Schrottimmobilien oder Rheumadecken zum Kreischen bringen. Dass Daxl diese angestaubte Story schon seit Jahren in seinen Vorträgen zum Besten gibt, ahnen die Beseelten natürlich nicht. Sie sind jetzt Elite.
In drei Stunden Sendezeit wird kein einziges Mal über irgendein konkretes Politikziel gesprochen. Es geht „um die Wurst“, so wie es gedopten Leistungssportlern mit Tunnelblick um die Olympiamedaille geht. Dass der Job eines Politikers irgendetwas mit dem Schicksal von Millionen Menschen zu tun haben könnte, scheint in der Parteienwelt vollkommen nebensächlich. Das in der letzten Folge quasi als Silbermedaille präsentierte abstruse Amthor’sche Erholungsmöbel auf dem Balkon des Kanzleramtes ist allerdings nicht nur ein Symbol christdemokratischer Verirrung, sondern steht letztlich sinnbildlich für eine in Interessengruppen zerfallene Gesellschaft, deren letzte Gemeinsamkeit im kollektiven Verlust der Selbstreflexion besteht. Offensichtlich fehlen soziale Referenzen, auf die man zusteuern könnte. Galten früher Frieden, Wohlstand, Sicherheit, territoriale Integrität, Würde und Freiheit des Einzelnen als unantastbare Eckpunkte, so ist dieser gesellschaftliche Konsens heute restlos verschwunden, ja gilt vielen sozial vermeintlich neu konstruierten Überwesen sogar als unzeitgemäß.
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