Dienstag, 12. April 2022

Anne allein zu Haus...

von Mirjam Lübke...

Es dauerte ein paar Momente, bis ich begriff, was diese mir bisher unbekannte Feministin uns mit ihrer Aussage sagen wollte. Zunächst glaubte ich, sie wolle junge Frauen davor warnen, einen politischen Posten und die damit verbundene Verantwortung auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn egal ob Mann oder Frau, mit dem Amt eines Ministers sind nun einmal Entscheidungen verbunden, welche für die davon betroffenen Bürger enorme Konsequenzen haben. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ich in der Lage wäre, diese Verantwortung zu tragen. Wenn ich mir anschaue, wie gerade grüne und linke Frauen durch ihre Ämter tänzeln, vor Selbstvertrauen strotzen und sich gleichzeitig aufführen, als handele es sich beim politischen Geschehen um eine einzige große Spaßveranstaltung, wird mir ganz schwindelig. 


Viele männliche Politiker glänzen ebenfalls nicht mit Kompetenz - man denke nur an Karl Lauterbach oder Helge Lindh - aber der Gedanke, dass die Aufgabe eines Abgeordneten oder Ministers auch mit einem "Fun-Factor" verbunden sein muss, scheint mir ein ziemlich weiblicher zu sein. Und es geht dabei nicht um Spaß als Motivationsfaktor und Triebfeder für Engagement, sondern um die Demonstration der angeblichen Natürlichkeit der Protagonistinnen. Guck mal, wie nett die ist, wie eine von uns! Die Politikerin als Freundin von nebenan - wenn man ihr nicht vertrauen kann, wem dann? 

Aber Frau Gusko will nicht darauf hinaus, vielmehr möchte sie Anne Spiegel als Opfer einer frauenfeindlichen Kampagne sehen. Auch dieser Trick ist nicht neu, er kam schon bei Annalena Baerbock und Emilia Fester zum Einsatz. Sie sind doch noch so jung und unerfahren! Und hat Anne Spiegel nicht eine wunderbare Rede gehalten? Da hat es so gemenschelt, es konnte einem ganz warm ums Herz werden, fast wollte man schon einen Hut herumreichen, um Spenden für die nun bald arbeitslose Ministerin zu sammeln. Es hat 134 Tote gegeben, doch deren Leid verblasst vor dem familiären Unglück der stressgeplagten Anne Spiegel. 

Die meisten von uns könnten keine Nacht mehr ruhig schlafen, wenn eine ihrer Entscheidungen zum Tod von 134 Menschen beigetragen hätte. Natürlich hätte niemand die Flut an sich verhindern können, aber die Bürger hätten wenigstens die Chance gehabt, ihr Leben und ein paar Habseligkeiten zu retten. Es mag sein, dass Anne Spiegel die Situation falsch eingeschätzt hat, davor ist niemand gefeit. Auch steht man in diesem Moment vor dem Problem, eventuell für nichts eine Panik auszulösen - aber das war nicht ihre Sorge, sondern lediglich das Gendern der Nachricht und ihr Image. Für jemanden, der nun im Nachhinein eine hochemotionale Rede abliefert, klang sie damals recht kaltschnäuzig. Man liegt also nicht falsch, wenn man ihr statt ehrlicher Reue Selbstmitleid unterstellt. 

Wie mögen sich wohl damals ihre Mitarbeiter und die Angestellten des Wetterdienstes gefühlt haben? Schließlich war schon bekannt, dass die ersten Campingplätze unter Wasser standen. Jeder, der seine Arbeit mit etwas Engagement erledigt, muss sich doch die Haare gerauft haben, weil er mit seinen Warnungen nicht nach oben durchdrang. Wer ein Gewissen hat, findet in diesem Moment auch keine Beruhigung darin, dass die Vorgesetzten nun einmal gegen seinen Rat entschieden haben. Er wird sich immer fragen, ob er mehr hätte tun müssen, um diese umzustimmen. Wäre mir jemand in diesem Moment mit einer Formalie gekommen, hätte ich vor Wut in meinen Schreibtisch gebissen. Man wird, ohne letztlich eine Chance zu haben, in eine Entscheidung hineingezogen, die man selbst nicht so getroffen hätte. "Es ist halt von oben so entschieden worden", entbindet einen zwar formal von der Haftung, ändert aber nichts an dem Gefühl, dass die eigene Fachkompetenz für die Katz ist, wenn sich jemand an Formalitäten klammert. Es sei denn, man ist ähnlich gepolt wie die Ministerin. 

Jedes "Ich habe da verdammte Sch... gebaut" oder "Ich war in der Situation vollkommen überfordert" wäre ein menschlich verständlicheres Bekenntnis gewesen, als das Selbstmitleid der Ministerin, die wohl gehofft hatte, die Sache aussitzen zu können. Das ist vor ihr schließlich in den letzten Jahren schon einigen gelungen, auch Angela Merkel hat während ihrer Amtszeit nichts anderes getan, als ihre eigenen Fehlentscheidungen großzügig zu ignorieren. Da hat wohl auch Anne Spiegel gehofft, mit einem blauen Auge davonzukommen. Aber sie hatte das "Pech", dass die Katastrophe direkt mit ihrem Namen in Verbindung gebracht wurde, während die Fehler der Kanzlerin sich immer erst mit Verspätung auf die Bürger auswirkten. Man konnte sie nur nach einiger Analyse an ihrer Person festmachen. 

Nicht weniger erschreckend ist es, wie Anne Spiegels Verteidiger in der Öffentlichkeit die Tragweite ihrer Fehlentscheidung einfach ausblenden. Aber auch das ist Teil einer Unkultur, die sich in den letzten Jahren breit gemacht hat. Das Mitgefühl bekommen nicht die Opfer, sondern die Verursacher, denn ihre Gefolgschaft ist ähnlich gestrickt wie sie selbst: Zum persönlichen Drama-Event ist man stets bereit, man verzeiht den Geschädigten einfach nicht, einem selbst so viel Ungemach bereitet zu haben. Ob Migrations-, Flut- oder Impfstoffopfer: Können diese Menschen sich nicht ein wenig zusammenreißen, wenn es um das große Ganze geht? In diesem Fall um die Reputation einer Frau als Ministerin?

Dieser Umgang mit Anne Spiegel könnte junge Frauen davon abschrecken, in die Politik zu gehen, meint unsere Feministin. Nach dieser Logik hätte man auch niemals Margot Honecker oder Kim Jong Uns knallharte Schwester kritisieren dürfen. Letztere ist eine stramme koreanische Stalinistin, die ihrem Bruder den kleinsten Hauch von Milde austreibt. Frauen mit Macht, aber ohne Pflicht zur Verantwortung, das hat etwas von Loriots Jodeldiplom - eine Frau hat doch auch das Recht, sich zu verwirklichen! Man mag zu Alice Weidel stehen wie man will, aber sie hat in ihrem früheren Berufsleben in der freien Wirtschaft sicherlich nie einen "Frauenbonus" bekommen, sondern musste ihr Können beweisen. Das passt grünen Berufspolitikern so gar nicht ins Weltbild. 

Wenn also jungen Frauen die Botschaft vermittelt wird, dass auch weibliche Regierungsmitglieder für ihre Entscheidungen geradestehen müssen, kann das wohl kaum zum Schaden unseres Landes sein. Wer sich davon abschrecken lässt, sollte sich irgendwo ein stilles Plätzchen suchen, denn er ist generell für das Berufsleben ungeeignet. Egal ob Busfahrerin, Ärztin, Lehrerin oder Ingenieurin: Sie alle stehen in dieser Verantwortung, ohne dass ihnen jemand einen Frauen-Freifahrtschein ausstellt.




Sonntag, 10. April 2022

Zürnende Corona-Freunde...

von Mirjam Lübke...

Gemeinhin gilt es als unhöflich und demütigend, einen Mitmenschen im großen Kreis an Unangenehmes zu erinnern. Meine Großmutter gab bei Familienfeiern oft zum Amüsement der anderen Anwesenden meine sportlichen Blamagen zum besten - und wunderte sich, warum ich das gar nicht komisch fand. Kurzum: Grundsätzlich ist es menschlich fies, einen anderen mit Vergangenem bloßzustellen und in eine Situation zu bringen, in der er keine Chance hat, sich zu wehren ohne dabei als großer Spielverderber dazustehen. Peinliches kann zur Belustigung anderer erzählt werden - aber bitte nur vom Betroffenen selbst - dann wirkt es befreiend und menschlich.



Was aber gilt, falls das Verdrängte anderen Menschen erheblichen Schaden zugefügt hat? Man also nicht erzählt, mit dem Gesicht in eine Torte gefallen zu sein, sondern behauptet, jemand habe sie geworfen? Um zu verstehen, wie Empörungskurven in Deutschland derzeit verlaufen, lohnt sich der Blick auf einen Fall, der mit Corona ausnahmsweise nichts zu tun hat: Aktuell muss sich gerade Gil Ofarim vorwerfen lassen, einen Hotelangestellten zu Unrecht des Antisemitismus beschuldigt zu haben - dieser Angestellte hat hingegen alles Recht der Welt, seinen Ruf wiederherzustellen. Zum Glück hatte das Hotel, in dem sich der Zwischenfall ereignet haben soll, ein Eigeninteresse an der Aufklärung des Davidstern-Eklats, aber der Rezeptionist, der Ofarim aufgefordert haben soll, den Stern abzunehmen, war seinen Job erst einmal los. Die deutsche Öffentlichkeit stürzte sich mit Leidenschaft auf ein weiteres, angebliches Beispiel von Rassismus im bösen Sachsen, dessen Bevölkerung schon im Falle des Chemnitzer "Hase, du bleibst hier"-Videos in Kollektivhaftung genommen worden war. 

Die Spiegel-Kolumnistin Samira al Ouassil hatte immerhin den Anstand, für ihr schnelles Aufspringen auf das Thema um Entschuldigung zu bitten. Das Schlimme daran ist, dass der Zwischenfall sich durchaus in Deutschland so hätte ereignen können, nur machten eben einige Begleitumstände misstrauisch. Und Ofarim profitierte bei seiner Selbstdarstellung auch von der von den Medien bevorzugten Täter-Opfer-Kombination und der Tatsache, dass man sich hierzulande lieber an Politikern abarbeitet, die das Wort "Globalist" benutzen, als sich mit sogenannter "Israelkritik" zu beschäftigen, mit der sich im Zweifelsfall jeder noch so brutale Angriff auf Juden kleinreden lässt. Ein 17-jähriger Syrer, der einen Anschlag auf die Hagener Synagoge plante, ist gerade mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, das ist nicht das erste Mal. Und jeder nicht-prominente Jude, der sich in gewissen Stadtvierteln mit Kippa oder jüdischem Schmuck zeigt, wird im Falle eines Angriffs den Vorwurf zu hören bekommen, er habe "provoziert". Mit der gleichen Begründung könnte ich jeden Linken, der ein Palästinensertuch trägt, ohne Vorwarnung eine Ohrfeige verpassen - das allerdings fände kein Verständnis.

Im Grunde liefen die gleichen Mechanismen bei der Diffamierung der Impf- und Maskenskeptiker ab. Es begann mit Appellen an die "Vernunft" der Corona-Maßnahmenkritiker, während gleichzeitig eine Drohkulisse erschaffen wurde. Bekanntlich drang sogar der damalige Innenminister Horst Seehofer mit einem bewusst dramatisch gehaltenen Gutachten darauf, der Bevölkerung Angst einzujagen, um diese Maßnahmen gegen Skeptiker durchsetzen zu können. Während die Bundesregierung es weiterhin finanziell honorierte, wenn Krankenhäuser Intensivbetten abbauten, sollte die Überlastung der Intensivstationen die Schuld der Ungeimpften sein - ohnehin drängte sich mir zwischenzeitlich immer wieder der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen außer ihren Kampagnen wenig investierten, sondern alle Anstrengungen auf die Bevölkerung abwälzten. 

Nachdem Bratwürste und Angstmache nicht ausreichten, um alle Bürger an die Nadel zu locken - immerhin wurden im Laufe der Zeit auch die Nebenwirkungen der Impfung bekannt - startete die hemmungslose öffentliche Beschimpfung. Um deren Opfer zu werden, musste man, wie der (echte) Virologe Henrik Streeck, noch nicht einmal genereller Maßnahmengegner sein, es reichte, zur Mäßigung zu mahnen. Der rote Teppich für alle, die sich verächtlich oder aggressiv über Skeptiker, Unüberzeugte und Zögerliche äußern wollten, war ausgerollt. In Deutschland gelten selbst maßvolle Kritiker der unkontrollierten Einwanderung als "geistige Brandstifter" - damit verglichen, haben Prominente, Politiker und Medien verbales Napalm auf die angeblichen "Corona-Leugner" abgeworfen. Da wurde schnell nicht mehr zwischen tatsächlichen Spinnern und kompetenten Gegenstimmen unterschieden, alle landeten im selben Topf. Eine Handvoll Idioten, die es in jeder ungleich zusammengesetzten Gruppe gibt, wurde der Öffentlichkeit immer wieder vorgeführt, als habe etwa Wolfgang Wodarg haargenau die gleichen Ansichten wie Attila Hildmann. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns - dieses Motto findet in jeder totalitären Gesellschaft Zustimmung. 

Jan Böhmermann wollte bestimmen - und das als Nichtmediziner - wer in Talkshows als kompetenter Arzt auftreten dürfe. Frank Ulrich Montgomery und Marie Agnes Strack-Zimmermann verglichen Ungeimpfte mit Geiselnehmern und Terroristen. Schauspielerinnen wie Mariele Millowitsch wollten nicht mehr mit Ungeimpften drehen und Sara Bosetti - die unlustigste Satirikerin des deutschen Fernsehens - sie gar wie einen vereiterten Blinddarm aus der Gesellschaft schneiden. Daran zu erinnern, dass sie sich dabei der Sprache eines KZ-Arztes bedient hatte, ließ sie nicht etwa rot vor Scham werden. Vielmehr griff sie in die derzeit modische Trickkiste, auch begründete Kritik als "rechten Shitstorm" zu bezeichnen. 

Obwohl diese Abwehrmaßnahme ungefähr so abgenutzt ist wie ein stundenlang im Mund bearbeitetes Stück Kaugummi, zieht sie in gewissen Kreisen noch immer. Auch die Zitate-Sammler müssen sich derzeit mit dem Vorwurf belegen lassen, sie betrieben eine "Menschenjagd". Dabei kommentieren sie die Fundstücke meist noch nicht einmal, sondern stellen sie einfach ins Netz. Jetzt, da die Stimmung in Deutschland mit der (vorerst) gekippten Impfpflicht umschlägt, gibt es erste Tendenzen, so zu tun, als wäre nichts gewesen. Jedoch: Gerade jene, die anderen penetrant den moralischen Zeigefinger ins Gesicht halten, müssen sich nicht wundern, nun den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ob es zum Umdenken führt? Wohl kaum. Der Praxistest, ob Deutschland nach über siebzig Jahren "Aufarbeitung des dritten Reiches" endlich immun gegen Totalitarismus ist, wurde jedenfalls nicht bestanden.


Donnerstag, 7. April 2022

Die Masken nieder!

von Mirjam Lübke...

Als ich am Montag den Supermarkt meines Vertrauens mit meiner Assistenzfee betrat, lugten wir beide erst einmal vorsichtig um die Ecke. Die Maskenfreiheit, hatte sie sich hier schon herumgesprochen? Es ist ein relativ kleiner Laden mit engen Gängen, daher wäre ich nicht verwundert gewesen, wenn der Inhaber sich an Karl Lauterbachs Appell orientiert und sein Hausrecht durchgesetzt hätte. Die Corona-Schilder waren allerdings schon vom Eingang entfernt worden. Die Medien vermeldeten heute, dass die großen Supermarktketten sich allesamt geweigert haben, eine Masken-Aufsichtspflicht zu übernehmen. Pflichtschuldigst beteuerte man zwar, wie bedauerlich man die Abschaffung des Vermummungszwangs fände, aber zwischen den Zeilen klang ein deutliches "Mach' deinen Quatsch doch alleine, Karl!" an. 


Da standen wir nun wie ein FBI-Team auf der Schwelle und sondierten vorsichtig die Lage. Ein kurzes konspiratives Nicken ließ uns zu Rebellen werden, die sich todesmutig unter maskierte Kunden mischen würden. Ganz vorn an befindet sich die Gemüseabteilung, dort standen schon die ersten Kunden mit FFP2-Maske und wogen ihre Tomaten ab. Der Vorgang des Abwiegens erforderte offenbar höchste Konzentration, unser Sakrileg blieb unbemerkt. Fast war ich ein bisschen enttäuscht, meine vorbereiteten Sprüche nicht loswerden zu können, ist doch das Netz voll von Schlagfertigkeiten, welche renitenten Fans der Maskenpflicht an den Kopf geworfen wurden. Auf nichts ist mehr Verlass, oder war der Laden zu einer Art Vorreiter des Waffenstillstands zwischen den Parteien geworden? 

Aber mal im Ernst: Nachdem wir unbehelligt durch den Laden bis zur Kasse gelangt waren, fragte ich mich, warum ein so friedliches Miteinander nicht schon vorher möglich war. Man lässt den anderen einfach tun, was er für richtig hält, um sich zu schützen. Mittlerweile gibt es einige Geimpfte, die der Impfpflicht öffentlich eine Absage erteilen. Henryk Broder hat schon vor Monaten verkündet, zwar selbst geimpft zu sein, stellte seine Entscheidung aber nicht ins Zentrum des Corona-Universums. So geht es mir mit der Maske: Wer sich etwa aufgrund einer Vorerkrankung damit sicherer fühlt, dem werde ich nichts Gegenteiliges einreden - allerdings werde ich im umgekehrten Fall meine Entscheidung vehement zu verteidigen wissen. Denn ich lehne nicht das Recht des Einzelnen ab, Maßnahmen gegen eine Infektion zu ergreifen - auch wenn diese von zweifelhaftem Nutzen sind. Es geht dabei um den Respekt vor anderen Meinungen. Nur: Warum war das von einem Tag auf den anderen plötzlich der Fall, wie auf ein geheimes Signal hin?

In den Medien werden derzeit wieder Grafiken aus der Frühzeit des Maskentragens ausgegraben. Daraus sollen wir ablesen, wie wenig nutzbringend es ist, Maske zu tragen, wenn das Gegenüber es nicht auch tut. Nach dieser Darstellung leben wir in einer "Maskenschicksalsgemeinschaft", die uns gnadenlos aneinanderkettet. "Die Masken hoch, die Reihen fest geschlossen", spuckt mein Gehirn gerade spontan als Assoziation aus - wir sollen glauben, dass jeder einzelne, der "oben ohne" geht, das Sicherheitskonzept unweigerlich zum Kollabieren bringt. Man könnte glauben, die Masken reagieren aufeinander, gesteuert durch eine chemische Reaktion, zu der es zweier getrennter Komponenten bedarf. Dann machen sie die Schotten dicht und nichts dringt mehr durch. Besonders überzeugt vom Nutzen der Maske scheinen demnach noch nicht einmal ihre PR-Vertreter zu sein. Man könnte schließlich den besonders Vorsichtigen auch raten, einfach zwei Masken übereinander zu tragen, was ihnen nach dieser Logik ausreichend Schutz bieten müsste. Aber das ist nicht der Sinn der Übung - man soll sich vielmehr wie ein Sozialschwein fühlen, wenn man nicht mitspielt. 

Der Trick ist alt, wir wurden schon als Kinder mit dem geflügelten Wort "Wenn das alle machen würden!" auf Linie gebracht. Da wollte man ein Blümchen pflücken und schon rückte in der Fantasie der Eltern ein ganzer Schwarm von Blumenkillern an, welcher der Wiese den Garaus machte. Selbstverständlich trat dieses Szenario niemals ein, aber das schlechte Gewissen hielt noch Jahre an und verhinderte jeden spontanen Alleingang. Egal ob Blümchen, Maske oder Impfung, es geht nicht um den Schaden, den der Ausreißer eventuell anrichten könnte, sonst würde die Diskussion sachlicher verlaufen. Vielmehr soll er sich angepasst verhalten, damit niemand sieht, dass eigenständiges Handeln eben nicht zur Katastrophe führt. Würde uns der Alltag vermitteln, dass Atmen ohne Maske eine tatsächliche Gefahr darstellt, wären solche Druckmittel nicht nötig. 

Für mich und meinen Hang zur Sozialphobie ist es eine riesige Erleichterung, unbehelligt und ohne Maske einen öffentlichen Raum zu betreten. Wenn man ohnehin verunsichert ist, dann macht einem das eingeschränkte Sichtfeld schwer zu schaffen - denn die Brille beschlägt noch zusätzlich. Man tappt also mit Maske an einem Ort, der einem ohnehin nicht geheuer ist, halbblind durch den Nebel. Wieder besser die Umgebung im Blick zu haben, auch das schafft Sicherheit. Wenn das Seite an Seite mit Maskierten möglich ist, ohne dass man beschimpft wird, soll es mir recht sein. Die Menschen müssen nach zwei Jahren verfestigter Gewohnheit auch erst wieder lernen, loszulassen - sie haben schließlich fest an die Maskenpropaganda geglaubt. Nur die Tatsache, dass es dazu eines Signals "von oben" bedarf, macht Angst. Schon morgen könnte die Bundesregierung eine neue Schikane erfinden - wären dann wieder alle unkritisch dabei?




Mittwoch, 6. April 2022

Bundesregierung: Säbelrasseln, aber nichts dahinter...

Es ist doch merkwürdig, wie plötzlich alle Kabinettsmitglieder der Ampel die Kriegsrhetorik beherrschen. Auf einmal sind alle für eine Stärkung der Bundeswehr, jonglieren mit Waffensystemen und der Bundeskanzler will „Garantieerklärungen“ für eine neutrale Ukraine abgeben. 

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wer vom aktuellen Bundeskabinett eigentlich regulären Wehrdienst geleistet hat? Ich habe mir mal die Mühe gemacht und bin die Liste durchgegangen:
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Vom aktuellen Bundeskabinett hat kein Politiker regulären Wehrdienst geleistet.

Immerhin: Die FDP-Politiker Christian Lindner und Marco Buschmann haben in gesetztem Alter, als die Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf sie fielen, ihre Wehrdienstverweigerung förmlich zurückgezogen und vereinfachte Wehrübungen für „Spitzenkräfte“ geleistet. Der Grüne Cem Özdemir nahm sogar öffentlichkeitswirksam an einer einwöchigen „Schnupper“-Wehrübung teil. Das war es dann aber auch schon.   

Wie fremd alles Militärische vielen heutigen Politikern ist, sehen Sie auch an dieser ganz aktuellen Aufnahme, die der Bundeskanzler Olaf Scholz höchstselbst verbreiten ließ:
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Ein Oberstleutnant der Bundeswehr grüßt den Bundeskanzler militärisch. Bundeskanzler Scholz erwidert die Ehrerbietung grinsend mit Händen in den Taschen. 

Daß ein Bundeskanzler einem Offizier so nicht gegenübertreten sollte, daß man in so einem Fall wenigstens die Hände aus den Taschen nimmt – eine Petitesse? Ich meine nicht. Es zeigt den Niedergang von Formen, der auch die Unfähigkeit zu Autorität und angemessener staatlicher Repräsentierung einschließt. Form läßt sich von Inhalt nicht trennen.

Welches Format hatte da noch der sozialdemokratische Bundeskanzler und ehemalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt, der noch als Oberleutnant der Wehrmacht im Weltkrieg gedient hatte.
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Der spätere SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt schreitet als Verteidigungsminister 1969 eine Ehrenformation der Bundeswehr ab

Wenn Deutschland seine Rolle als europäische Mittelmacht wahrnehmen und nicht nur Spielball fremder Interessen sein will, dann muß es insbesondere militärisch und sicherheitspolitisch ein anderes Gewicht in die Waagschale bringen.

Altkanzlerin Merkel verteidigt Entscheidung gegen Nato-Aufnahme der Ukraine...

von Thomas Heck...

Nach der scharfen Kritik vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj an Ex-Kanzlerin Merkel hat sich diese nun zu Wort gemeldet. Die Entscheidung 2008, die Ukraine nicht in die Nato aufzunehmen sei richtig gewesen, ließ die CDU-Politikerin mitteilen. Eine Begründung der damaligen Entscheidung? Fehlanzeige. Typisch Merkel, viel reden, nichts sagen. Dabei hat sie Blut an den Händen und ist faktisch für diesen Krieg mitverantwortlich. Denn mit eine NATO-Aufnahme hätte Russland diesen Schritt sicher nicht gewagt.


Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich trotz massiver Kritik des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hinter die Entscheidung gestellt, die Ukraine 2008 nicht in die Nato aufzunehmen. „Bundeskanzlerin a.D. Dr. Angela Merkel steht zu ihren Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Nato-Gipfel 2008 in Bukarest“, teilte eine Sprecherin Merkels am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mit. Zugleich unterstützte die Ex-Kanzlerin die internationalen Bemühungen, den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden.

„Angesichts der in Butscha und anderen Orten der Ukraine sichtbar werdenden Gräueltaten finden alle Anstrengungen der Bundesregierung und der internationalen Staatengemeinschaft, der Ukraine zur Seite zu stehen und der Barbarei und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Ende zu bereiten, die volle Unterstützung der Bundeskanzlerin a.D.“, erklärte die Sprecherin.

Selenskyj hatte Merkel zuvor zu einer Reise nach Butscha aufgefordert, wo in den vergangenen Tagen nach dem Abzug russischer Truppen mehr als 300 Todesopfer gefunden wurden. In dem Kiewer Vorort könne sich Merkel – ebenso wie Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy – ein Bild ihrer gescheiterten Russland-Politik machen. 

Beim Gipfel 2008 hatten die Nato-Staaten der Ukraine eine Aufnahme in Aussicht gestellt, dann aber unter anderem aus Rücksicht auf Russland einen Rückzieher gemacht. Merkel und Sarkozy blockten Forderungen anderer Nato-Partner nach einem raschen Beitritt ab. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte damals explizit vor einer Belastung der Beziehungen zu Russland. 

Selenskyj sagte nun: „Ich lade Frau Merkel und Herrn Sarkozy ein, Butscha zu besuchen und zu sehen, wozu die Politik der Zugeständnisse an Russland in 14 Jahren geführt hat. Sie werden die gefolterten Ukrainer und Ukrainerinnen mit eigenen Augen sehen.“ Die Bilder aus Butscha sorgen international für Entsetzen. Die Ukraine macht für das Massaker russische Truppen verantwortlich. Moskau bestreitet das.





Dienstag, 5. April 2022

Deutschland entdeckt den Krieger in sich!

von Mirjam Lübke...

Wer früher den Wehrdienst verweigern wollte, musste angeblich die Frage beantworten, wie er sich verhalten würde, wenn im Park ein Russe aus dem Gebüsch käme, um sich an seiner Liebsten vergreifen. Da steht er nun, der Durchschnittsrusse, ein riesiger Bär mit Pelzmütze, Balalaika auf dem Rücken und Kalaschnikow in der Hand. Mit einer Sitzblockade kommt man in diesem Fall nicht weit, vor allem wenn wir uns den Befragten als von Müsli geschwächten Klischeepazifisten vorstellen. Den packt der russische Bär mit einer Hand, wirft ihn wie die Kugelstoßerin Olga Steroidikowa hundert Meter weit in den nächsten Ententeich und schleppt anschließend die holde Maid in seine Datscha. Die meisten jungen Grünen würden heute krachend an dieser Gewissensprüfung scheitern. 


Selbstverständlich kämen sie ihrer Freundin nicht persönlich zu Hilfe, denn ihre Kraft und Gesundheit brauchen sie noch für die nächste Autobahnblockade oder die Erstürmung eines Braunkohlebaggers. Aber auf ihrem Handy hätten sie die Notrufnummer des nächsten NATO-Stützpunkts gespeichert, der sofort einen Trupp Fallschirmjäger schickt, um das Böse zu erledigen. Der gesamte Park ist anschließend verwüstet, aber die Freundin mächtig beeindruckt. Das macht es fast wieder wett, dass Sören-Malte sie schnöde im Stich ließ, als ein paar Herren aus Nahost das gleiche Ansinnen hatten. Sie aus dieser Situation zu retten, hätte ihm schließlich als Rassismus ausgelegt werden können. 

Um es ganz klar zu sagen: Mein Verständnis für Putin endete mit dem Einmarsch in die Ukraine. Alles vorher konnte ich rational nachvollziehen, die Amerikaner wären mit Sicherheit auch nicht begeistert gewesen, wenn Kanada oder Mexiko ein Militärbündnis mit Moskau geschlossen hätten. Manche Experten sagen, es gäbe eine neue Linie der US-Politik, mit der Russland dazu verleitet werden sollte, sich international durch eine vorschnelle militärische Operation zu diskreditieren - aber dazu gehören immer zwei. Eigentlich hatte ich Putin für zu rational gehalten, um in so eine Falle zu tappen. Es steht außer Zweifel, dass die ukrainische Zivilbevölkerung einen hohen Preis für diese geopolitischen Spielchen zahlt - ihr sollte tatsächlich unsere ungeteilte Solidarität gelten. 

Ebenso gebe ich aber zu, wie sehr mich das Verhalten vieler junger Deutscher verwirrt. Eine ganze Generation entdeckt plötzlich den Krieger in sich, nachdem sie es seit Jahren nicht schafft, ihre Illusionen über den Zustand in unseren Großstädten endlich zu überdenken. Sogar legitime Sicherheitsinteressen in Deutschland durchsetzen zu wollen, gilt als Tabu. Jetzt ist man im Kriegsrausch, es reicht nicht, den Krieg zu beenden, sondern man schwärmt von Waffenlieferungen und NATO-Einsätzen. Selbst in den Kampf ziehen will man nicht, das Risiko sollen die Ukrainer schon selbst eingehen - die haben die richtige Haltung! Der deutsche Heldenmut beschränkt sich darauf, tapfer zu frieren - was wir nicht müssten, wenn es in den letzten Jahren eine vernünftige Energiepolitik gegeben hatte. Fast kommt es einem so vor, als sollten die ukrainischen Männer nun als Stellvertreter alles ausleben, was sich die Deutschen jahrelang verkniffen haben. Die grimmige Entschlossenheit ist wie üblich groß dabei und die moralische sowieso. Man glaubt fest daran, etwas Kriegswichtiges zu leisten, wenn man die Heizung herunterdreht - und jeder, der das nicht euphorisch bejubelt, wird zum Deserteur erklärt. 

Ich glaube, der ukrainische Botschafter Melnyk hat diese Stimmung genau erkannt und weiß, welche Knöpfe er in Deutschland drücken muss, um ans Ziel zu kommen. Denn das ist die andere Seite der Medaille: Einiges, was der Botschafter fordert, geht weit über das legitime Interesse hinaus, um Unterstützung für sein Land zu werben. Das ist sein gutes Recht. Für meinen Geschmack schießt er dabei immer öfter über das Ziel hinaus, so etwa, wenn er fordert, bei Solidaritätskonzerten dürften keine russischen Musiker spielen. Müsste man sich nicht eigentlich freuen, wenn einem Bürger des verfeindeten Staates auf diese Weise ihre Unterstützung zeigen? Dreist war auch sein Angriff auf die zur Zeit prominenteste Schokoladenfirma Deutschlands, die er "Hitler Sport" nennt und als blutüberströmte Tafel zeigt. Er weiß genau, wie so etwas in Deutschland einschlägt - aber steht es ihm wirklich zu, über die Firmenpolitik eines unserer Unternehmen zu entscheiden? Zumal es eine sehr einseitige Kampagne ist, welche sich nur einen, ohnehin angezählten Fabrikanten beschränkt. Was für eine Theatralik - und zudem ein vollkommen unnützes Manöver, da es den Krieg nicht um eine einzige Minute verkürzen wird. 

Nach den Irrungen und Wirrungen der Corona-Zeit, die wir nicht einmal vollständig überwunden haben, hätte ich nicht gedacht, dass es noch eine Steigerung der Hysterie geben könnte. Zu den Ereignissen in Bucha wage ich mich schon gar nicht mehr, mich zu äußern. Ich will mir weder einen russischen noch einen ukrainischen Bären aufbinden lassen - mit oder ohne Balalaika - und schaue mir einfach nur die Diskussion an. Vor ein paar Jahren noch hätte ich vor Entsetzen nicht schlafen können - nun bin ich einfach ratlos und vermag nicht zu unterscheiden, was gelogen ist und was die Wahrheit. Denn auch das haben wir durch Corona gelernt: Die Wahrheit kommt am Ende immer heraus - nur meistens viel zu spät.


Montag, 4. April 2022

Nicht ganz dicht...

von Mirjam Lübke...

Wahrscheinlich hebe ich mir ein oder zwei Masken auf - und wenn dann in einem halben Jahr niemand mehr etwas davon wissen will, welcher soziale Druck wegen dieses "Maulkorbs" ausgeübt wurde, hole ich sie aus der Schublade und laufe damit herum. Wenn mich dann jemand irritiert darauf anspricht, gestehe ich unter Tränen, Karl Lauterbach habe mir solche Angst in die Glieder gejagt, dass ich nun nicht mehr anders könnte. Das lasse ich mir dann als neue psychische Erkrankung bei meinem Psychiater patentieren: "Lauterbach Long Endurance Anxiety Syndrome" - ich möchte wetten, die Inzidenzwerte dafür gehen rasch durch die Decke, es gründen sich Selbsthilfe- und Forschungsgruppen. Therapeuten verdienen sich eine goldene Nase damit. Vielleicht ist es doch besser, ein öffentliches "Mask Burning" zu veranstalten. Jeder schreibt seine Denunziationssünden auf den Lappen, so etwa den gesprengten Kindergeburtstag der kleinen Lena-Sophie und überantwortet ihn dem reinigenden Feuer. Nach diesem spirituellen Reinigungsritual liegen sich alle zur Versöhnung in den Armen und schwören sich, nie wieder so fanatisch zu sein. Jedenfalls nicht ohne Grund, denn die ersten werden schon wieder im Blick haben, wer sich der Zeremonie verweigert hat. Bestimmt ein Nazi, der heimlich Ritter-Sport isst und mit Wodka hinterherspült. 


"And now for something completely different", hieß es bei Monty Python, wenn ein schneller Themenwechsel erfolgte. Karl Lauterbach hat wahrscheinlich nie eine Folge der Kultserie gesehen, denn er bleibt seinem Thema treu. Aber was ist das? Gibt er in diesem Tweet etwa zu, dass die Retterin der Massen, die Maske, nicht ganz dicht ist? Hat er nicht anfangs behauptet, eventuelle Lücken im antiviralen Schutzwall wären unbedenklich, weil die elektrostatische Ladung der Maskenfasern die kleinen Bestien wie ein Staubsauger fest im Griff hielte? Und nun plötzlich ist es denkbar, dass doch ein paar von ihnen durchschlüpfen? Sind die Viren etwa bei der Hamas in die Lehre gegangen und schaufeln kleine Tunnel? 

Uns Maskenskeptiker haut diese Botschaft nicht wirklich aus den Schuhen, haben wir doch leichtsinnigerweise wann immer es möglich war - und manchmal sogar am Gesetz vorbei - auch oben ohne recht gut überlebt. Im Zug nach Thüringen etwa hielt ich mich stundenlang an einem Kaffeebecher fest und kuschelte mich subversiv in eine Ecke. Einmal entstand sogar eine Verschwörergemeinschaft mit benachbarten Fahrgästen. Aber der wahre Gläubige müsste doch eigentlich jetzt skeptisch werden: Wer würde schon einen Regenschirm kaufen, der mit dem Spruch "Mit uns werden sie zwar auch nass, aber nicht ganz so arg" wirbt? Oder ein Kondom, das nur in sieben von zehn Fällen hilft? Die Lösung hieß dann allerdings für die Rechtgläubigen, sicherheitshalber mehrere Masken übereinanderzuziehen. Wie man dieses Abschnüren der Sauerstoffzufuhr überleben konnte, ist mir noch immer schleierhaft - wahrscheinlich haben sich die Mehrfachträger nun als Perlentaucher qualifiziert, die ohne Mühe zehn Minuten unter Wasser verbringen können. 

Aber bei den Impfstoffen lief es schließlich ähnlich. Auch wenn die offiziellen Stellen wöchentlich neue Zugeständnisse zur mangelnden Wirksamkeit machen mussten - und die Uniklinik Marburg inzwischen eine Ambulanz für Impfgeschädigte eröffnet hat - blieb man bei der Devise "viel hilft viel". Die Corona-Götter ließen sich nicht durch ein Impfopfer besänftigen, also brachte man noch mehr Opfer dar. Als es mit der Kultur der Mayas nach mehreren Dürrejahren zuende ging - und das ganz ohne Kohlekraftwerke! - reagierten sie ähnlich verzweifelt und opferten sogar ihre Kinder. 

Das Schlimmste dabei: Man verliert das Vertrauen in die Vernunft der Menschen, von denen man nun ziemlich sicher weiß, dass sie mehrheitlich jeden Unfug mitmachen werden, den ein Lauterbach ihnen vorsetzt. Und das Vertrauen in Medien und Experten hat sich ohnehin in Luft aufgelöst. Man könnte fast glauben, dass die Ukraine-Krise die Bürger nicht aufwachen ließ, weil es jetzt Wichtigeres gibt, sondern dass sie lediglich einen willkommenen neuen Angstkick bietet, der an die Stelle der schon etwas abgenutzten Pandemie tritt. 

Und wie schon bei Corona stehen die Nachdenklichen unter uns da und wissen nicht mehr, was sie noch glauben können. Was ist tatsächlich so passiert, was ist Propaganda? Ich jedenfalls traue mir im Moment noch kein endgültiges Urteil zu, auch wenn mir mein Bauchgefühl eine Richtung weist. Mein Bauchgefühl ist in der Regel sehr zuverlässig - aber es weiß im Moment nicht so recht, was es will. Jedenfalls keine allzu überzeugten Experten mehr, die nicht loslassen können, selbst wenn ihre Thesen so löchrig wie ein Käse geworden sind.




Sonntag, 3. April 2022

"So ein bisschen Sozialismus hat noch keinem geschadet!"

von Mirjam Lübke...

Seit Jahren gleicht der erste April einem öffentlichen Test, wie viel Absurdität sich mittlerweile in unsere Realität eingeschlichen hat. Fast wäre ich darauf hereingefallen, dass Christine Lambrecht durch Sawsan Chebli ersetzt werden soll - die Meldung erschien mir einfach so absurd, sie passte haargenau zum regierungsinternen Wettbewerb, Ministerposten möglichst unpassend zu besetzen. Interessant auch die Nachricht, künftig könnten schon böse Blicke strafrechtlich verfolgt werden. Natürlich nicht, wenn sie gesellschaftliche Parias treffen, die sich eine unpassende Meinung bezüglich des gerade aktuellen Themas zugelegt haben - in diesem Fall sind böse Blicke selbstverständlich großzügig anzuwenden. Auch das läge inzwischen im Bereich des Möglichen, also geriet ich sekundenlang in Panik. Wahrscheinlich würde ich sofort bis an mein Lebensende nach Guantanamo verfrachtet, böse gucken kann ich richtig gut. 


Als dann aber die Schlagzeile der Spiegel-Kolumne von Sabine Rennefanz auf meinem Handy aufploppte, glaubte ich tatsächlich an einen Aprilscherz: "Was wir von der DDR lernen können!" - dahinter konnte doch nur Satire stecken, oder? Also stellte ich mich auf einen ironischen Text ein. Allerdings wurde ich enttäuscht: Die Autorin meint alles Geschriebene bierernst. Es geht wie immer um das Thema Konsumverzicht, zu dem wir seit Jahren penetrant aufgefordert werden, erst, um den "Klimawandel abzuwenden", jetzt, weil durch die Ukraine-Krise Versorgungsengpässe drohen. Teilweise auch deshalb, weil Deutschland einmal wieder seine vorbildliche Haltung vor aller Welt beweisen will. 

Was diesen verwöhnten Ideologen - neben Humor - vollkommen abgeht, ist die Fähigkeit zu unterscheiden, ob jemand freiwillig verzichtet oder dazu gezwungen ist. Wenn mein Konto gut gefüllt ist und die Geschäftsregale ebenso, steht mir jederzeit ein Hintertürchen offen. Man kann sich dann mal "was gönnen", weil man schließlich artig ein paar Wochen "Konsumfasten" betrieben hat. Auch wenn man dazu mit Sonnenbrille und hochgeschlagenem Kragen in den Feinkostladen schleicht. Aber der Feinkostladen ist da und steht zum Einkauf zur Verfügung. Auch in mancher Religion kennt man den zeitlich begrenzten Verzicht: Als Jude ist man glücklich, wenn man nach dem Pessachfest wieder ein normales Brötchen essen darf, während uns die christliche Fastenzeit die schwäbische Maultasche beschert hat. Der Mensch verzichtet nicht gerne auf seine kleinen Freuden.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Wenn unsere Spiegel-Autorin die DDR für ihre schlichten, unglamourösen Verpackungen feiert, dann vergisst sie vollkommen, dass mancher DDR-Bürger auch gerne einmal eine quietschbunte Schachtel besessen hätte - unsere Bekannten etwa sammelten Waschmittel-Verpackungen aus dem Westen. Die Designer im real existierenden Sozialismus mussten sich allerdings stets etwas einfallen lassen, um aus kargen Mitteln das Mögliche herauszuholen. Ebenso die Bürger, meine Verwandten in Sachsen stellten im Wohnzimmer Wein selbst her. Aber auch wer heute nur ein geringes Einkommen hat, wird garantiert nicht zum Vertreter der Wegwerfkultur. Wenn die Kleidung kaputt ist, dann greift man nicht zu Nadel und Faden, weil man nachhaltig leben will, sondern damit man überhaupt noch etwas im Schrank hat. 

Der heute propagierte Salonsozialismus geht dermaßen an der Lebensrealität der tatsächlich Arbeitenden vorbei, dass man irgendwo einen DDR-Erlebnispark eröffnen möchte, in dem die Damen und Herren ein paar Wochen überleben müssten. Schon der Verzicht auf das Internet, in dem man die eigenen Anti-Konsum-Botschaften propagieren kann, würde sie in den Wahnsinn treiben. Den Mangel an glutenfreiem Brot und Bio-Schafskäse könnte man gewiss eine Weile überstehen, aber nicht das Fehlen jeglicher Möglichkeit, die Menschheit von diesem Verzicht ausführlich zu informieren. Öffentliche Selbstkasteiung bringt nur vor Publikum das höchste Maß an Genuss ein. Insofern unterscheidet man sich nicht vom C-Promi, der im Big-Brother-Haus hockt und uns an seinen menschlichen Abgründen teilhaben lässt.

Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Brauche ich etwas wirklich oder will ich es nur, weil es schick ist oder meinen (vermeintlichen) Status hebt? Und was sagt mein Bankkonto dazu, muss ich eventuell Schulden machen, die ich nicht mehr loswerde? Aber das ist eine individuelle Entscheidung, die sich bei den meisten Menschen auf ein gesundes Mittelmaß einpendelt. Vom psychologischen Standpunkt aus sind weder penetrante Produktwerbung noch ständig wiederholte Verzichtspredigten zielführend: Man ist genervt und will es nicht mehr hören. 

Bisher wurde uns dieser Verzicht um "edler" Ziele willen aufgeschwatzt, aber wenn nun auch noch die DDR als Vorbild dienen soll, gehen bei mir erst recht alle Alarmglocken an: Da kommen Zwang und Eingesperrtsein ins Spiel - die Autorin verrät damit gleichzeitig zwischen den Zeilen, wie weit man gehen würde, um die eigene Ideologie unters Volk zu bringen. Schaut man sich nun noch an, wie rabiat dieses Milieu Andersdenkende behandeln will - soll Bautzen vielleicht auch reaktiviert werden? - steuern wir auf die nächste sozialistische Katastrophe zu. 

Sie können es eben nicht lassen. Und wenn wir dann irgendwann einen heruntergewirtschafteten Staat wieder aufbauen müssen, werden sie trotzdem weiter vom funktionierenden Sozialismus fantasieren - man ist es eben wieder nur falsch angegangen. Beim nächsten Mal klappt es - ganz bestimmt!


Freitag, 1. April 2022

Böse Schokolade!

von Mirjam Lübke...

Der Schokolade, um die es hier geht, kann man nicht vorwerfen, nicht koscher zu sein - jedenfalls stand sie jahrelang auf der Liste der Schokoladen, die von Juden ohne schlechtes Gewissen gegessen werden dürfen - von den Kalorien einmal abgesehen. Aber moralisch ist sie nun definitiv nicht mehr koscher, denn sie wird auch an Leckermäulchen in Russland geliefert. Offenbar ist sie dort zu beliebt, um den Verkauf ins "Reich des Bösen" einstellen zu können ohne Arbeitsplätze in Deutschland zu gefährden. Und schon sitzen wir mitten drin im hausgemachten Dilemma, denn nicht immer lässt sich Haltung gratismutig beweisen. In Corona-Zeiten war das noch einfach: Man musste nur etwas Werbung für Maske und Impfung in das eigene Logo einbinden, und schon stand man automatisch auf der richtigen Seite. Das kostete zwar auch ein bisschen Geld für eine Agentur und neue Plakate, aber das ließ sich locker wieder einspielen. 


Ich bin überfragt, welche Politik unser Schokoladenfabrikant gegenüber ungeimpften Mitarbeitern betreibt. Aber in deren - und natürlich auch im eigenen Interesse - hat man entschieden, Russland weiter zu beliefern. Moral muss man sich auch leisten können, das merken wir derzeit in vielen Lebensbereichen. Deutschland hat sich aus moralischen Gründen entschieden, kein Gas mehr aus dem Reich des Bösen zu beziehen - das hat es selbst mitten im kalten Krieg nicht gegeben. Aber auch das ist eine aktuelle Erfahrung: Wenn an Orten Menschenrechte verletzt und Kriege geführt werden, für die sich die deutsche Öffentlichkeit nicht interessiert, dann kann man schon einmal ein Auge zudrücken. Und so verwundert es nicht, dass wohl kein deutscher Fußballer in Katar mit Regenbogenfarben aufläuft und Robert Habeck dort demütig um Gas bitten konnte. Auch wenn man in Katar von seinem großen Deal im Nachhinein nichts wusste. Da hat Habeck sich ganz umsonst gebückt - und darüber hinaus einmal wieder bewiesen, wie flexibel auch die Grünen mit ihrer Haltung umgehen. 

Gerade vor dem Hintergrund dieser Heuchelei ist es bedenklich, wie leichtfertig deutsche Unternehmen derzeit moralisch unter Druck gesetzt werden. Jetzt wurde sogar die Fresenius Medical Care kritisiert, weil sie weiterhin ihre Dialyse-Zentren in Russland betreibt. Natürlich ist das ein riesiges Geschäft, an dem die AG sehr viel Geld verdient. Allerdings: Darf Haltung so weit gehen, Dialysepatienten im Stich zu lassen? Man würde diesen Patienten von heute auf morgen die Versorgung nehmen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob dies Putin genügend anrühren würde, um seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen. Alleinherrscher können diesbezüglich verdammt stur sein - dazu müssen wir uns nur daran erinnern, aus welchem Grund in Deutschland die Fanta erfunden wurde. 

Natürlich steht es jedem Bürger frei, ein Produkt im Regal stehen zu lassen, wenn er die Firmenpolitik des Herstellers abscheulich findet. Da mir "Ben & Jerry's" ohnehin zu teuer ist, fällt es mir leicht, deren Eiskrem zu boykottieren, die nur noch von der Hamas geschleckt werden darf. Es gibt genug andere gute Eismarken. Die Deutschen boykottieren immer wieder gern, das gibt ihnen das Gefühl "etwas gegen das Böse zu machen". Dazu muss nur das Gerücht in Umlauf kommen, eine Firma spende an die falsche Partei, damals an die Republikaner oder heute an die AfD. Das betraf in den letzten dreißig Jahren - soweit ich mich erinnere - schon eine bekannte Sektfirma, den Hersteller von Gesundheitslatschen, eine muhende Buttermilch und eine edle Eissorte. Oft waren die Spendengeschichten frei erfunden, aber engagierte Bürger sprangen sofort darauf an. 

Es ist interessant, dass solche Aufrufe oft aus Kreisen kommen, die generell zum Konsumverzicht auffordern und uns am liebsten nur eine begrenzte Produktpalette gestatten würden. Ein Shampoo für alle, zwei Sorten Joghurt und Waschpulver ohne Duftstoffe. Nur die Vielzahl von Produkten bei uns macht es aber erst möglich, bequem einem Boykottaufruf zu folgen - man kauft eben etwas anderes. Wie wäre es um die Haltung bestellt, wenn es nur noch eine Sorte Schokolade oder Marmelade gäbe? Schon jetzt merken wir, dass sich der Krieg in der Ukraine auf unsere Versorgungslage auswirkt, einerseits, weil besorgte Bürger sich - wie es auch vom Katastrophenschutz geraten wird - haltbare Notvorräte anlegen, aber auch, weil Lieferungen ausbleiben. Zusätzlich setzen uns hausgemachte Probleme zu, etwa die durch die "Energiewende" verursachten Engpässe. Da wird ein ganzes Land gezwungen, die Folgen ideologischen "Haltungzeigens" mitzutragen - und das, ohne dass es einen erkennbaren Gegenwert gibt, für den sich der Verzicht lohnt. 

Es gibt gesunden und bösartigen Egoismus. Wer sich um seine Angestellten sorgt (und gleichzeitig auch sein eigenes Geld weiterverdienen will) und keine kriegswichtigen Güter an die Gegenseite liefert, handelt einfach nur vernünftig. Politische Moden wechseln heute so schnell, dass es gut ist, zunächst einmal dem eigenen Umfeld Stabilität zu garantieren. Ein Boykottaufruf ist schnell ausgesprochen, aber seine Konsequenzen nicht durchdacht. Schon morgen kann es den nächsten treffen, der heute noch die richtige Haltung hatte - man sollte sich also gut überlegen, auf welchen Zug man aufspringt. Es könnte auch ein moralisch fragwürdiger sein.


Mittwoch, 30. März 2022

"Bei der Maus gibt's auch nur noch Käse!"

von Mirjam Lübke...

"Die Maus" erschien meinen Eltern damals "pädagogisch wertvoll", als eine Premium-Version der amerikanischen Sesamstraße, in der sich allerlei exotische Geschöpfe herumtrieben. Das war nicht realistisch, vor allem meine Mutter zeigte sich hier vollkommen verständnisbefreit. Während "die Maus" erklärte, wie der Pfirsich in die Dose kommt, lernte man in der Sesamstraße bei einem dubiosen Vampirgrafen das Zählen - unheimlich, so etwas! Doch ich gebe es ehrlich zu, ab und an schaue ich auch einmal in "Frag doch mal die Maus" hinein, denn die Versuchsaufbauten sind für Freunde unnützen Wissens, zu denen ich mich zähle, durchaus spannend: Wie viele Staubsauger braucht es, um ein Kind in der Schwebe zu halten? Hält ein Wasserbett fünfzig darauf hüpfende hyperaktive Jungen und Mädchen aus? In Zeiten des Postfaktischen zeigt das noch einen Hauch Liebe zur Wissenschaft. 


Doch nun wendet sich die Maus den "wirklich wichtigen Dingen des Lebens" zu. In den USA durfte die Sesamstraße in manchen Regionen nicht ausgestrahlt werden, da man ihr Propagierung der Homosexualität vorwarf, schließlich leben Ernie und Bert in einer Männer-WG. Als Kind wären wir niemals auch nur ansatzweise auf die Idee gekommen, dass unsere geliebten Stoffpuppen dort anrüchige Dinge tun könnten, sobald der Fernseher aus war. Und vielleicht ist es auch diese kindliche Unschuld, welche nun dringend bei der Maus in die ideologisch gewünschten Bahnen gelenkt werden muss. 

"Mama, warum hat der Mann sich so komisch verkleidet?", könnte ein Kind etwa beim Anblick von Tessa Ganserer mit ausgestrecktem Finger fragen. "Und warum darf ich dann nicht mehr als Indianer in den Kindergarten gehen?" Früher hätte man das als kindliche Ehrlichkeit betrachtet und darüber gelacht, aber derlei "Transphobie" gilt mittlerweile auch bei den Jüngsten als bekämpfenswert. Auch wenn der Sprössling im Alltag kaum auf viele Transsexuelle treffen wird und sich wahrscheinlich mehr für Dinosaurier und die Frage interessiert, wann seine Eltern ihm die erste Playstation genehmigen. Die "Maus" ist beileibe nicht das erste Format, das schon den Kleinsten "Aufklärung" aufdrängen will - in den letzten Jahren machten bereits Schulbücher die Runde, die uns im Grundschulalter die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Wahlweise hätten wir einfach verlegen gekichert. 

Woher kommt diese Ungeduld? Es geht nicht darum, Kindern etwas zu verschweigen, aber warum wartet man nicht einfach, bis sie selbst nachfragen und erklärt es ihnen dann altersgerecht? Wird hier gerade eine Generation mit einem ziemlich verdrehten Rollenverständnis herangezogen? Dann werden wir irgendwann erleben, dass Mädchen es als normal hinzunehmen haben, wenn ein Mann mit Perücke in ihre Umkleidekabine kommt, weil er "sich als Frau definiert" - egal, ob sie sich in der Situation unwohl fühlen oder nicht. Andererseits wird ihnen vermittelt, dass simple Gesten männlicher Höflichkeit wie das Türaufhalten oder ein Kompliment für die Frisur sexistisch seien. Das Harmlose wird zum Übergriff erklärt, während dem echten Übergriff ein Freifahrtschein im Namen der Toleranz ausgestellt wird. Man kann sich nur wundern, warum die Kinderschutzverbände nicht eingreifen oder zumindest eine Warnung aussprechen, die Grenzen und vor allem das Schamgefühl von Kindern zu respektieren. Es sollte selbstverständlich sein, dass sie offen ansprechen können, wenn sie sich in einer Situation unwohl fühlen. 

Es versteht sich von selbst, dass nicht jede Transperson unlautere Absichten hat, aber es war auch noch nie so leicht wie heute, sich eine andere Geschlechtsidentität zuzulegen. Hinzu kommt noch, dass es auch in Deutschland mittlerweile möglich ist, ein Einsetzen der Pubertät durch medikamentöse Behandlung zu unterbinden, wenn ein Kind sich wünscht, zum anderen Geschlecht zu gehören. Diese Entscheidung, deren Folgen schon für Erwachsene schlecht abzuschätzen sind, wird viel zu früh getroffen, vielleicht auch, weil Eltern ihre eigenen Wünsche auf das Kind projizieren. Vielleicht haben sie sich eigentlich eine Tochter gewünscht oder glauben, besonders tolerant zu sein. Das Kind hat keine Chance, erst einmal zu sich selbst zu finden und wird noch dazu mit starken Medikamenten traktiert. 

Eins ist so verdreht wie das andere: Kein Kind wäre von allein auf die Idee gekommen, Ernie und Bert seien ein Liebespaar, das musste man schon der Sesamstraße schon überstülpen. Die "Maus" hingegen drängt ihnen ein Thema auf, das erstens nur eine Minderheit betrifft und zweitens für sie wahrscheinlich ziemlich uninteressant ist. Aus diesem Blickwinkel heraus ist hoffentlich kein bleibender Schaden angerichtet worden - wahrscheinlich haben die kleinen Zuschauer gelangweilt darauf gewartet, wann endlich Shaun das Schaf auf dem Bildschirm erscheint.


Dienstag, 29. März 2022

"8-10 Mio. Flüchtlinge. Und wir werden sie alle aufnehmen..."

von Dieter Stein...

Es gibt Nachrichten, die muß man zweimal lesen. Die grüne Außenministerin Annalena Baerbock hat am vergangenen Samstag auf dem Landesparteitag der Grünen in Cottbus verkündet:

„Es werden Tausende Flüge sein… es werden 8-10 Millionen Geflüchtete kommen und wir werden sie alle aufnehmen!“

Zehn Millionen – das wäre ein Viertel der Bevölkerung der Ukraine! Wie soll die Verteilung organisiert werden? Zur Klarstellung: Ich finde die Hilfsbereitschft vorneweg der Polen und Ungarn großartig, die bereits fast drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben. Und ich finde es auch richtig, daß Deutschland bei diesen echten Kriegsflüchtlingen hilft.

Annalena Baerbock in Cottbus am 26. März: „Es werden 8-10 Millionen Geflüchtete kommen und wir werden sie alle aufnehmen!“


Trotzdem müssen wir alle Flüchtlinge registrieren und wissen, wo dieses sind. Allein schon zu deren Schutz. Doch der drohende Kontrollverlust deutet sich in den unbedachten (?) Worten der grünen Außenministerin bereits an.

Die Wiederholung des migrationspolitischen Kontrollverlusts von 2015 als Farce ist nämlich das neueste Stück, das uns im Tollhaus Berlin geboten wird. Großzügig erklärte die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt am vergangenen Montag, daß „Geld für Geflüchtete da sein wird“. Doch ob tatsächlich nur Ukrainer, die vor dem Krieg im eigenen Land flüchten, die Grenze nach Deutschland überqueren, bleibt ungewiß. 

Vor der Realität verschließen die politisch Verantwortlichen nach Kräften die Augen. Ein ukrainischer Paß ist in dem Land, das schon vor dem Krieg zu den korruptesten Staaten Europas zählte, für wenige Euro zu erwerben. 

Ankommende Flüchtlinge am Berliner Hauptbahnhof: Keine Kontrolle, keine Registrierung. Kann das gutgehen?


Illegale Migranten aus dem arabischen und afrikanischen Kulturkreis nutzen bereits die Gelegenheit, reisen über Rumänien in die Ukraine ein, verlassen sie mit ihren Heimatpapieren, um der Wehrpflicht zu entgehen, und lassen sich im Strom der Hunderttausende echter Kriegsflüchtlinge vor allem an der polnischen Grenze mit ihren falschen Pässen als „ukrainische Flüchtlinge“ ins Zielland Deutschland durchwinken. 

Dort stehen dann gutwillige ehrenamtliche Helfer, die schutzbedürftige Frauen, Kinder und alte Menschen erwartet hatten, fassungslos vor vielen dreisten Trittbrettfahrern. Wie jener Hotelier im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen, der sein Haus unentgeltlich für ukrainische Flüchtlingsfamilien zur Verfügung stellen wollte und statt dessen eine Busladung afro-arabischer angeblicher „Studenten“ in Empfang nehmen durfte, die weder des Ukrainischen noch des Russischen, auch nicht des Englischen mächtig waren. 

Oder die ehrenamtlichen Helfer im Landkreis Miesbach, wo eine Gruppe als „Kriegsflüchtlinge“ deklarierter Zigeuner gegen die angebotene Unterbringung in einer Behelfsunterkunft Krawall schlug, um die geforderte Hotelunterbringung zu erpressen. 

JF-Meldung zum Zwischenfall in Miesbach: Zigeuner, die sich als ukrainische Flüchtlinge ausgaben, randalieren wegen mangelnden Hotelstandards


Besonders tragisch war ein Verbrechen in Nordrhein-Westfalen. Eine junge Frau rettet sich aus der Ukraine nach Düsseldorf, wird dort von zwei Pseudo-„Ukrainern“ aus dem Irak und Nigeria in einer Sammelunterkunft brutal vergewaltigt und flüchtet dann traumatisiert aus Deutschland ins sichere Polen. 

Der Kontrollverlust kommt nicht von ungefähr. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) persönlich hat einen Freifahrtschein zum Asylbetrug ausgestellt, als sie mit Beginn der ersten Fluchtbewegungen aus der vom russischen Angriffskrieg heimgesuchten Ukraine sofort die Parole ausgab, jeder werde aufgenommen, unabhängig davon, ob ein ukrainischer oder überhaupt ein Paß vorgelegt werde. 

Die Migrationswilligen und Versorgungssuchenden dieser Welt haben sich das nicht zweimal sagen lassen. Mit kalter Realitätsverweigerung hat die Bundesinnenministerin es nach gerade einmal drei Monaten im Amt fertiggebracht, Staatsversagen und Kontrollverlust des Merkelschen Willkommensputsches von 2015 zu wiederholen. Mit Torheit und Unfähigkeit ist das kaum noch zu erklären, eher schon mit Absicht, mit ideologisch motiviertem Vorsatz. 
JF-Titel zum Thema Flucht aus der Ukraine: Über zwei Millionen Kriegsflüchtinge sind bereits in der EU


Wieder warnen die Sicherheitsbehörden vor den unberechenbaren Folgen eines unkontrollierten Zustroms, in dem sich jederzeit Einflußagenten, Terroristen und Kriminelle unter die Aufnahme begehrenden Menschenmassen mischen können. Wieder denken die Nachbarländer nicht daran, Deutschland die Mühsal der Zurückweisung falscher „Flüchtlinge“ und Nicht-Schutzberechtigter abzunehmen, wenn das Berliner Tollhaus sich selbst doch bereit erklärt, alles und jeden willkommen zu heißen. 

Und wieder weigern sich die Verantwortlichen, enge und wirksame Kontrollen an den eigenen Landesgrenzen durchzuführen, obwohl dies auch gegenüber EU-Vorgaben angesichts des Ausnahmezustands durch die größte Fluchtbewegung auf dem europäischen Kontinent seit Ende des Zweiten Weltkriegs leicht begründbar wäre. 

Zu behaupten, solche Kontrollen seien nicht durchführbar, klingt um so grotesker nach den Exzessen der Corona-Maßnahmenpolitik, auf deren Höhepunkt Bürgern sogar die Fahrt zu ihrer Ferienimmobilie in einem anderen Bundesland verwehrt werden konnte. Wie schon 2015 sind es ehrenamtliche Helfer, die mit ihrem Engagement einspringen, wo der Staat abermals versagt. 

Ist SPD-Innenministerin Nancy Faeser ein Sicherheitsrisiko? Weder Registrierung und Kontrollen


Die Bundesinnenministerin und „Antifa“-Sympathisantin Nancy Faeser beschäftigt sich lieber mit dem „Kampf gegen Rechts“. Ihrer Verantwortung für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und den Schutz der Grenzen nachzukommen? Fehlanzeige. Den Schwarzen Peter dafür schiebt sie den Ländern zu und ignoriert das selbst angerichtete Chaos, nachdem sie nach dem Vorbild von Merkels Freibrief Aufnahmegarantien für jeden ausgesprochen hat, der sich als „Ukrainer“ ausgeben will. 

Erwartbar tritt das Staatsversagen in Berlin am sichtbarsten zutage. Die Stadt kapituliert vor der formalen Erfassung der Ankommenden – es seien „zu viele“. Die abgestellten Polizisten können die Zahlen nur noch schätzen, die Sozialämter sind hilflos und überfordert, die Unterkünfte sind schon nach wenigen Wochen überfüllt. Echte Kriegsflüchtlinge müssen auf der Straße übernachten, während Asylbetrüger, abgelehnte, ausreisepflichtige und niemals abgeschobene Sozialmigranten die Kapazitäten blockieren. Hunderttausende sind es im ganzen Land. 

Polizeieinsatz nach einer Messerstecherei: Wer kommt im Windschatten der Kriegsflüchtlinge nach Deutschland?


Weil die Regierenden in Bund und Ländern jeden noch so schamlosen Mißbrauch unserer Sozialsysteme willig hinnehmen und noch vorsätzlich befördern, ist Deutschland nicht in der Lage, jenen zu helfen, die tatsächlich in Not geraten sind. 

Die Rechnung dafür bezahlen Bürger und Steuerzahler – mit Wohlstandsverlusten und mit der weiteren Erosion von innerer Sicherheit und Ordnung. Wenn die Gefahr vorbei ist, wird die Masse der echten Kriegsflüchtlinge in ihre ukrainische Heimat zurückkehren. Die Trittbrettfahrer, die sich in ihrem Windschatten eingeschlichen haben, werden bleiben, auch und gerade die niemals identifizierten Gefährder. Rechtstreue Einwohner und Gäste tragen dafür das Risiko, allen voran Frauen und Mädchen. 



Sonntag, 27. März 2022

Der Dings hat nichts dem Dings zu tun, ehrlich!

von Mirjam Lübke...

In Afghanistan kämpfen mutige Mädchen für ihr Recht auf Bildung. Afghanistan - was war da noch mal? Ach ja, die Taliban. Wilde Kerle mit Strubbelbärten und Turbanen, mit denen nicht gut Kirschen essen ist. Bis heute habe ich nicht herausgefunden, wie weit die Sympathien der afghanischen Bevölkerung für "Allahs Machine Gun Preachers" gehen, denn mit der Einführung der Scharia im Land der blühenden Mohnfelder schien sie durchaus einverstanden zu sein. Vielleicht nicht ganz so hoch dosiert wie von den Taliban durch offensive Religionsbekundungen - Berliner Lehrersprech! - eingefordert, aber doch so sehr, dass man sich mit vielen Unterdrückungsmechanismen, welche vor allem Frauen betreffen, gut arrangieren kann. Auch wenn es in den deutschen Medien gern verschwiegen wird: Diese Einstellung zu den Rechten und der Bewegungsfreiheit der Frau reist auch im Gepäck der vor den Taliban Geflohenen mehr oder minder stark ausgeprägt in unser Land ein und schlägt Wurzeln. 


Durch die Irrungen und Wirrungen, denen wir durch Corona ausgesetzt sind - inklusive der noch immer geplanten Impfpflicht - oder die Ukraine-Krise vergessen wir gerne, dass es in Deutschland ein massives Integrationsproblem gibt. Auch wenn die meisten Migranten aus muslimischen Ländern weit davon entfernt sind, sich wie die Taliban aufzuführen, gibt es doch regelmäßig das, was ich als "untersuchungsbedürftige statistische Ausreißer" einstufen würde, eine über dem Durchschnitt liegende Zahl von Straftaten nicht nur gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen. Afghanistan ist weit weg, da ist es wohlfeil, sich über den Ausschluss von Mädchen vom Schulunterricht zu empören. 

Schlimm genug, dass der Import von Frauenfeindlichkeit die Errungenschaften bedroht, welche wir uns mühsam erkämpft haben - und das von der deutschen Gendersternchen- und Quotenlobby komplett unter den Gebetsteppich gekehrt wird. Noch schlimmer sind nur die ständigen Klimmzüge muslimischer Verbände, sich hierfür aus jeglicher Verantwortung zu schleichen. "Das hat nichts mit dem Islam zu tun", behaupten sie und lassen uns glauben, dass jeder, der mit einem herzhaften "Allahu Akbar" auf Un-, Weniger oder Nichtmehrgläubige Jagd macht, einen Koran aus einem Paralleluniversum besitzt, der mit dem eigenen so gar nichts gemein hat. Er wird nicht etwa nur anders oder falsch ausgelegt, sondern heißt nur zufällig so wie das eigene heilige Buch. Wenn die Ungläubigen das doch endlich begreifen würden! Stattdessen werden Stellungnahmen erwartet, Distanzierung und Verurteilung von religiös motivierter Gewalt - dafür gibt es nur eine Erklärung: Islamophobie. Da kann man schon verstehen, warum der ein oder andere sich dem Koran aus dem Paralleluniversum zuwendet - er ist zum Opfer der westlichen Vorurteile geworden. Auch dafür kann man nichts. 

Nun ist es menschlich verständlich, die eigene Religion, in der man aufgewachsen ist, vor äußeren Angriffen in Schutz zu nehmen, das würden Juden und Christen ebenso tun. Aber es gibt dabei einen großen Unterschied: Letztere haben eine lebendige interne Diskussionskultur. Gerade was das Rollenverständnis der Frau innerhalb der Gemeinschaft angeht, hat sich viel bewegt. Das sollte man jenen Relativierern, die sich beständig im "Ihr aber auch!"-Sandkastenmodus befinden, möglichst deutlich hinter die Ohren schreiben. In den meisten Strömungen des Juden- und Christentums können Frauen heute das Rabbiner- bzw. Priesteramt ausüben oder es wird über eine größere Beteiligung von Frauen nachgedacht. In Deutschland machte sich das orthodoxe Judentum schon vor über hundert Jahren für weltliche Frauenbildung stark. 

Lobbyistinnen - und es sind meist Frauen, die hier öffentlich auftreten - des Islams hingegen erklären uns, wie sehr ein Kopftuch zur Wertschätzung der Frau beitragen würde, auch wenn sie es selbst nicht tragen, weil sie von den eigenen Lobpreisungen offenbar auch nicht überzeugt sind. Oder bewusst westlich auftreten, um uns von ihrer Aufgeschlossenheit zu überzeugen. Denn es wird von der eigenen Internetblase durchaus überwacht, was die "Schwestern" tun. Das musste diesmal auch Sawsan Chebli erfahren, die immerhin noch einen Tweet nachschob, in dem sie eine große muslimische Organisation aufforderte, den Taliban deutlich zu machen, dass auch muslimische Mädchen in die Schule gehören. Der Shitstorm setzte prompt ein - sie solle gefälligst gegen die Israelis vorgehen, welche den Mädchen in Gaza die Schulbildung verweigerten! Die Kuh, die man eigentlich triumphal schlachten will, soll vorher noch ordentlich gemolken werden - und Europas Linke stellt schon einmal den Melkschemel durch korrekte Haltung parat. 

Einmal abgesehen davon, dass Israel weder für das Schulsystem in Gaza verantwortlich ist und auch sicherlich nicht daran interessiert, das von der EU für solche Zwecke an die Palästinenser gespendete Geld in Form von selbstgebastelten Raketen auf den Kopf zu bekommen: Es greift auch hier wieder das "alle anderen sind schuld"-System, das wir nur zu gut kennen. Die Mädchen und Frauen in Afghanistan, die für ihre Bildungschancen kämpfen, verdienen unseren größten Respekt. Schon allein deshalb, weil sie begriffen haben, wie wichtig es ist, für sich selbst zu kämpfen, anstatt andere das für sie erledigen zu lassen. Für Deutschlands Schulen sehe ich hingegen schwarz. Denn unsere politisch korrekten Verantwortlichen stellen sich blind und taub. Und so wird ein Hauch Afghanistan bald auch durch unsere Klassenzimmer wehen. Und das hat dann wieder nichts mit dem Islam zu tun.