Sonntag, 7. August 2022

Energiewende im ZDF verkauft... keine kritischen Nachfragen

von Roger Letsch...

Als Muhammad as-Sahhaf, der später von der Presse liebevoll „Comical-Ali“ genannt wurde, 2003 vor laufender Kamera verkündete, die amerikanischen Soldaten im Irak seien dabei, zu fliehen oder Selbstmord zu begehen, rollten die Panzer der US-Truppen bereits durch die Vororte von Bagdad. Sein Auftritt steht seither archetypisch für die Sorte Falschmeldung oder Fehlinformation, bei der die unbequeme Wahrheit im Studiopublikum sitzt und winkt. An as-Sahhaf musste ich unwillkürlich denken, als ich den ZDFheute-live Beitrag mit dem Titel „Droht uns ein Blackout ohne Atomkraft?“ vom 1. August 2022 sah. Vergessen wir für einen Moment, dass uns die drei verbliebenen Kernkraftwerke nicht im eigentlichen Sinne retten, sondern die energetische Katastrophe allenfalls lindern könnten. Ich sage das nur deshalb, weil in dieser unterstellten „Rettung“ bereits der Keim für eine Schuldzuweisung steckt, falls es trotz „Streckbetrieb“ am Ende doch nicht gelingt, das Netz stabil zu halten. Zugegeben, selbst in ARD und ZDF kommt entlang der Nachrichtenlage immer mehr Panik auf, ob uns die Versprechen der Politik durch den Winter bringen, doch bei ZDFheute-live ist diese Stimmung offensichtlich noch nicht angekommen. Ein Blick auf die Namen der zu Wort kommenden „Experten“ und man kann Wetten zu miesen Quoten darauf abschließen, wie das Fazit der Sendung lauten wird. Ich nehme es vorweg: Bitte leben Sie weiter, hier gibt es nichts zu fürchten! Es kommen zu Wort: Ricarda Lang von den Grünen, die unvermeidliche Claudia Kemfert vom DIW (im Grunde auch Grüne) und Christoph Maurer von der Beratungsfirma consentec, welche im Dunstkreis der „agora Energiewende“ agiert. Also ist auch dieser Interviewgast im Auftrag der Energiewende unterwegs. Schauen wir also mal, was uns die „Experten“ zu sagen haben.



Adjektive der Apokalypse

Mit „Hey, schön, dass ihr dabei seid“ setzt Alica Jung vom ZDF zur Begrüßung schon mal den Ton. Aber an derlei Ankumpelei ist der Zuschauer ja längst gewöhnt. Bereits der erste anmoderierte Beitrag zementiert das Framing: „Deutschland will raus aus gefährlicher Atomkraft, klimaschädlicher Kohle und russischem Gas“. Die Adjektive der Apokalypse sind beisammen: gefährlich, klimaschädlich, russisch! Die elementarsten Fakten hat man hingegen nicht parat. Es stimmt natürlich, dass es Zeiten gibt, in denen keine Sonne scheint und kein Wind weht. Doch die nennt man zunächst mal Nacht, bewölkter Himmel, winterlicher Sonnenstand oder Windstille. Dunkelflauten entstehen erst durch die statistische Häufung dieser natürlichen Phänomene, üblicherweise im Winter.

Dass von tatsächlichen Dunkelflauten Gefahren für eine stark von Sonne und Wind abhängige Stromversorgung ausgehen, die man derzeit nur mit konventionellen Kraftwerken abpuffern könne, bestreitet Kemfert. Sie will den Blackout mit irgendwas „smartem“, „digitalem“ aufhalten und sagt doch selbst, dass es dies alles noch nicht gibt. Kein Problem, kann man ja schnell aufbauen! Nur zum Vergleich: Weihnachten ist nicht mehr fern. Jetzt einen Tannensamen in die Erde zu stecken, lässt bis zum Fest keinen Weihnachtsbaum wachsen. Nach Wunschzettel oder Märchen-Happy-End klingt auch Kemferts Aussage, wenn wir nur ganz schnell ganz viel in die „smarten Systeme“ investieren würden, wären wir für immer aller Sorgen ledig. Wie üblich bei Interviews mit der Gallionsfigur der Energiewende stellt niemand in der Redaktion diese Aussagen in Frage oder verlangt wenigstens mal nach belastbaren Zahlen. Die Sprachlosigkeit nach Kemferts Plattitüden ersetzt gewissermaßen das „Amen“ in der Klimakirche.

Gewaltige Batterien!

Auch von Stromspeichern ist mal wieder die Rede und das ZDF lässt eine Kameradrohne neben einem Pumpspeicherkraftwerk aufsteigen. „In gewaltigen Batterien zum Beispiel oder auch Pumpspeicherkraftwerken. Das geht…“. Fragen wir uns jedoch – das ZDF tut es ja nicht –, wieviele dieser „gewaltigen Batterien“ oder Pumpspeicher bis zur Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke noch ans Netz gehen werden, kommen wir leider auf exakt Null!

Die heute zur Verfügung stehenden Speicherkapazitäten reichen zusammengerechnet nur, um Deutschland für eine halbe Stunde zu versorgen, wie Prof. Harald Schwarz dem Zuschauer erklärt. Selbst das ist natürlich nur ein theoretischer Wert, wenn man berücksichtigt, dass zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke die gespeicherte kinetische Energie nicht in der für die halbstündige Vollversorgung des Landes erforderlich kurzer Zeit durch die Turbinen jagen könnten. In der Praxis würde das Netz also zusammenbrechen, lange bevor die Speicher leer sind. Zeit, so scheint es, spielt in den Plänen der Energieumdreher generell nur eine untergeordnete Rolle.

Der zugeschaltete Christoph Maurer sieht jedenfalls keine gestiegene Gefahr für Blackouts. Sowas habe es auch schon vor der Ära der Erneuerbaren gegeben und sei ohnehin total selten. Mal hier oder dort, aber das sei auch schon lange her! Man könnte einwenden, dass wir noch nie in unserer Geschichte so stark in allen Aspekten des Lebens von der Stromversorgung abhingen, wie jetzt und dass auch noch niemals so massiv auf der Erzeuger- und Verbraucherseite gleichzeitig in die Netze eingegriffen wurde. Nebenbei bemerkt: Dass etwas Katastrophales selten geschehe und unwahrscheinlich sei, lassen die Gegner der Atomkraft für Kernenergie nie gelten.

Grüner Wasserstoff und ein Bisschen Energieverlust

Interessant ist, dass Maurer eine Art neuen Realismus in die Diskussion einführt. Er gibt zu, dass wir auch in Zukunft und bei voranschreitendem Ausbau von Solar- und Windenergie die Volatilität abpuffern müssen. Für Energie-Extremisten eigentlich ein Affront. Doch weil mittlerweile auch dem letzten klar ist, dass es die „gigantischen Batterien“ nie geben wird und die Standorte für Pumpspeicherkraftwerke äußerst rar und in toto unzureichend sind, brauchen unsere Energiewender eben ein anderes Einhorn, welches es ganz sicher gibt und in das sie ihre ganze Hoffnung setzten.

Maurer nennt den „grünen Wasserstoff“ als das Speichermedium der Zukunft. Großtechnisch und in nennenswerter Menge haben wir den zwar auch nicht und weil der Wirkungsgrad von Elektrolyse, Verdichtung und Lagerung des H2-Gases samt anschließender Rückverstromung gerade mal ein Drittel bis die Hälfte beträgt, haben wir auch nie genug Windräder und Photovoltaik, um genug überschießende Spitzen zu produzieren, die man zur Wasserstoffumwandlung nutzen könnte. All das, was uns im Film also bisher als Rettung verkauft wird, steht in Nimmerland, gleich neben Narnia, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen.

Maurer sieht den Widerspruch wohl selbst und relativiert seine optimistische Aussage „problematisch ist, es geht ein Bisschen Strom verloren auf dem Weg von erneuerbarem Strom zu Wasserstoff und wieder zurück. Das ist keine Technologie für jede Tag“. Man könnte auch sagen: nicht alltagstauglich. Er will mit grünem Wasserstoff nur die Dunkelflauten überbrücken, wobei man leider ein klein wenig Energie verliere. Die Untertreibung des Jahres, würde ich sagen. Wir reden hier also von Anlagen, die wir in großer Zahl brauchen, denn sonst kommen wir in dieselben Probleme wie mit den wenigen Speichern von weiter oben. Die Leistung einer Turbine ist schließlich begrenzt, wir können nicht eine riesige Anlage bauen, sondern brauchen viele davon. Und die sollen dann an den meisten Tagen im Jahr stillstehen und auf Dunkelflauten warten. Eine Art Notstromaggregat für das ganze Land. Betrieben mit dem wenigen Wasserstoff, den die volatile Windkraft aus Überschüssen produziert.

Zugegeben, die meisten Gaskraftwerke lassen sich für Wasserstoff umrüsten. Doch die meisten davon befinden sich schon heute im Leistungsbetrieb und produzieren einen erheblichen Teil des benötigten Stroms. Von Reserve für Dunkelflauten sind sie also meilenweit entfernt. Ein Blick in eine beliebige Woche der Energy-Charts des Fraunhofer Instituts zeigt das. In der gerade vergangenen Kalenderwoche 30 trug Erdgas mit 945 GWh kaum weniger bei als On-Shore-Windkraftanlagen mit ihren 1170 GWh. Wir reden hier immerhin von einer Woche, in der längst der Gasnotstand ausgerufen war und der Sparfuchs Habeck bereits kürzer duschte!

Kernenergie und die „deutsche Perspektive“

Irgendwann kommt im ZDF dann doch noch die Kernenergie zur Sprache. Brauchen wir nicht, meint Maurer. Ja, manche Länder in Europa sehen das anders, aber das sei eben eine Entscheidung, die getroffen werden muss und aus der deutschen Perspektive hält er Atomkraft für langfristig schlicht zu teuer. Auch hier: keine Nachfrage, worin denn diese „deutsche Perspektive“ begründet liegt oder wie es sein kann, dass dieses „zu teuer“ in allen Ländern ohne diese „deutsche Perspektive“ zu deutlich billigerem Strom führt. „Atomenergie ist eine wahnsinnig teure Energieform, wenn wir die neu errichten“, sagt Maurer, was ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher ist, denen man bis zum Ende des Jahres insgesamt 17 bereits teuer errichtete und zuverlässig funktionierende Kernkraftwerke weggenommen haben wird.

Die neue „Wunderwaffe“ Wasserstoffwirtschaft mit all den nur auf dem Papier existierenden Speichern und Elektrolysegeräten und Windrädern und Schiffen für den zu importierenden Wasserstoff und den Anlagen zu seiner Erzeugung in Drittländern sind aber wohl auch nicht zum Nulltarif zu haben, selbst wenn die Sonne und Wind keine Rechnung schicken, wie es immer heißt. Man kann die Kosten für Wind- und Solarstrom nicht danach berechnen, wie die Betriebskosten bestehender Anlagen sind. Man muss das ganze Backup-System einbeziehen, inklusive entweder einer Erdgaswirtschaft von Putins Gnaden oder der noch aufwändigeren und technologisch komplizierteren Wasserstoffwirtschaft. Auch sollte man die bisher etwa eine Billion Euro Subventionen aller Art einberechnen, die den Steuerzahler der Wahnsinn „deutsche Energiewende“ bereits gekostet hat. Dem gegenüber steht eine abgewickelte und verteufelte Nuklearindustrie mit hinter dem Rücken gefesselten Händen, der man nun vorwirft, nicht schnell genug klatschen zu können. Nur hüpfen darf sie noch eine Weile, im Streckbetrieb. Vielleicht.

Importland für immer

Immerhin ist Maurer in der Perspektive ehrlich. Er gehe davon aus, dass Deutschland langfristig – wegen der ungünstigen Bedingungen für Erneuerbare (Hört, hört!) – ein Importland für Strom und grünen Wasserstoff bleiben wird. Andere Länder in Europa sollen den Wasserstoff für uns herstellen und so müssen wir wohl mit dem Einzug ins grüne Energieparadies warten, bis unsere Nachbarn das gleiche Maß an energetischer Narretei erreicht haben wie wir. Und mehr! Denn wer selbst eine Energiewende nach deutschem Vorbild hinlegt – und die Moral der Weltrettung (ich nenne sie gern „deutsche Perspektive“) verlangt nichts weniger als das – wird immer Nachbarn brauchen, um die Lücken zu füllen. Wir dürfen also wetten, was uns zuerst ausgeht: der Strom oder die Nachbarn, die ihn uns liefern müssen.

Der nächste Einspieler. Ricarda Lang bekräftigt das Nein der Grünen zum Wiedereinstieg in die Kernenergie. Welche Überraschung. „Und es ist so, dass die Gaskraftwerke in Deutschland nur zu einem sehr kleinen Teil zur Verstromung eingesetzt werden und da nur zu einem winzigen Teil durch die Atomkraft ersetzt werden können.“ Nur noch mal zur Verdeutlichung des „sehr kleinen Teils“, Frau Lang: in KW30 entfielen auf Gas 10% der Stromerzeugung, in anderen Wochen waren es 16%. Ich würde 945 GWh pro Woche nicht winzig nennen. Es geht auch nicht darum, dass die Kernenergie das womöglich wegfallende Gas „ersetzen“ könne. Wir versuchen nur gerade, eine weitere sich auftuende Lücke von 7% zu vermeiden, die zu unseren Problemen ab dem 1.1.2023 noch hinzukommen wird. Lang hält selbst jetzt noch daran fest, dass wir „ein Wärmeproblem und kein Stromproblem“ hätten, allen Warnungen und Menetekeln zum Trotz.

Die Verfahren, welche zum Weiterbetrieb oder auch nur zum Streckbetrieb der verbliebenen Kraftwerke erforderlich sind, ordnet Maurer dann korrekt ein, den Punkt muss man ihm lassen. Ein Detail ist hier interessant: Wie stark pressiert die bittere Realität wohl bereits in der Branche der Erneuerbaren, wenn sich selbst deren Vertreter nicht mehr gegen den Weiterbetrieb – und sei es nur Streckbetrieb – sperren? Zumindest jene Vertreter der Branche, die technisch überblicken können, was uns im Winter droht. Wer bis zum Schädeldach mit Ideologie und bunter Knete gefüllt ist wie Kemfert, bekommt davon natürlich nichts mit. Aber die Entscheidung für den Weiterbetrieb treffen ohnehin nicht Techniker wie Maurer oder Einhornreiterinnen wie Kemfert, sondern Politiker wie Lang.

Nicht nur Gas, auch Kohle ist knapp

Noch ein Einspieler. Der deutsche Strommix. Hier erfährt der Zuschauer auch noch mal vom ZDF, dass der „winzige Anteil“ von Erdgas an der Stromerzeugung mehr als 10% beträgt. Schönen Gruß an Frau Lang an dieser Stelle. Retten soll uns nun nicht die Kernkraft, sondern die Steinkohle. Abgeschaltete Kraftwerke wie das in Mehrum gehen gerade wieder in Betrieb. Mit der Steinkohle ist es aber so eine Sache, denn die importierten wie zu einem großen Teil ja auch aus Russland, was ab August wegen der EU-Sanktionen nicht mehr erlaubt ist. Kohle per Schiff aus Kolumbien oder Australien zu holen, stößt auf dieselben Engpässe wie der Import von Flüssiggas: es gibt zumindest kurzfristig weder die Tanker noch die Frachter, um unseren gestiegenen Bedarf herbeizuschaffen.

Und jetzt wird’s lustig: das ZDF und Ricarda Lang haben in ihren Strom-Wärme-Betrachtungen nämlich die Industrie vergessen! Greifen wir uns mit der Zuckerindustrie nur mal einen winzigen Teil davon heraus, um das Problem zu verdeutlichen. Die deutschen Zuckerfabriken brauchen viel Energie in Form von Prozesswärme und Strom. Beides erzeugen sie in der Regel selbst, und zwar entweder mit Gas wie in meiner Nachbarschaft oder mit Steinkohle, wie zum Beispiel in Uelzen. Die Rübenernte-Kampagne beginnt im Oktober und läuft bis in den Februar, dummerweise genau in der Zeit also, für die wir Engpässe bei der Gasversorgung erwarten und bei der Kohleversorgung nun ebenfalls. Wo die deutsche Kartoffel mit gutem habeck’schen Beispiel voran geht, wird wohl auch die Zuckerrübe kürzer duschen müssen.

Das ist sicher nur ein kleines Beispiel, aber es findet sich generell nichts von solchen erwartbaren Problemen im Beitrag. Stattdessen bestreitet Maurer, dass es problematisch sein könne, dass sich Deutschland niemals zur Gänze selbst mit Energie versorgen können wird. Wir importierten doch schon jetzt den größten Teil unserer Energie, etwa als Öl und Gas, um unsere Fahrzeuge zu betreiben! Das ist richtig, aber er vergiss, dass es dabei ja nicht bleiben soll. Ab 2035 keine Verbrenner mehr bedeutet, dass der Verkehrssektor noch oben drauf kommen soll auf die dürren Schultern der Erneuerbaren, die den Berg an Verbrauchern jetzt schon nicht tragen können.
Fazit

Eine Gesamtbetrachtung der verfahrenen Lage findet also auch im ZDF nichts statt. Maurer glaubt, der europäische Binnenmarkt sei künftig die Lösung für unsere Energieprobleme, dabei rettet uns der europäische Netzverbund doch heute schon den Hals. Und das auch nur durch stabile Einspeisungen aus Frankreich, Norwegen, Polen oder Österreich. Ich glaube nicht, dass diese faktenschwache ZDF-Sendung auch nur einen Skeptiker von der Stabilität unserer Energieversorgung überzeugt hat oder einen einzigen Prepper überreden konnte, sein Notstromaggregat zu verkaufen. Die Einseitigkeit der „Experten“ ist zwar wenig überraschend, aber dafür umso deutlicher.

Selbst angesichts energetischer Notfälle schafft man es beim ZDF nicht, mit den Experten für Kernenergie zu reden. Wie seit Jahren wird nur über die Kernenergie geredet und verfügt. Noch dazu mit irrsinnigen Aussagen und Unterstellungen. Doch der Streckbetrieb kann die Gasverstromung nicht ersetzten, Herr Lindner! Das schafft ja nicht mal der aktuelle Leistungsbetrieb. Ein Blackout wird jedoch wahrscheinlicher, weil ein stabiler und grundlastfähiger Energieerzeuger wegfallen wird. Die Frage „Blackout oder nicht?“ entscheidet sich aber in Zehntelprozenten. Die wegfallenden 7-10% der verbliebenen Kernkraftwerke könnten also der Tropfen sein, der am Ende fehlt.

Dem Ernst der Lage wird die ZDF-Sendung jedenfalls nicht gerecht. Zu einseitig, zu wenig Debatte, zu viel Energiewende-Voodoo, zu schlampig die Recherche. Man hört die lückenhaften ideologischen Argumente und fühlt sich stets in der Grundskepsis gegenüber ARD und ZDF bestätigt, die in jeder Frage immer vom Standpunkt der Macht aus agieren. Egal ob es um Corona, Meinungsfreiheit, Migration oder Energiepolitik geht. Man spürt die Absicht und ist entschlossen, diesen Nasen überhaupt nichts mehr zu glauben.

Stellt sich noch die Frage, ob uns im Winter tatsächlich das Gas ausgeht, weil Putin es ganz abdreht. Meiner Meinung nach wird etwas anderes passieren. Es ist kein Zufall, dass jetzt, im Sommer, die Übertragung in Nordstream 1 auf nur 20% gedrosselt wurde. Turbinen und Embargos hin oder her, im Sommer füllt Deutschland üblicherweise seine Speicher und das soll es aus Putins Sicht nicht. Im Herbst wird man sicher irgendwo eine Turbine finden, im Winter vielleicht noch eine bei „Bares für Rares“ kaufen und die Gasmenge wird wieder steigen. Aber immer nur so viel, dass es gerade eben reicht.

Durch unsere Panik und die selbstverschuldete Unsicherheit, die sich im Falle eines Lieferausfalls jederzeit in Richtung akute Notlage steigern ließe, hat er uns buchstäblich – entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise – an den Eiern. Zum Dirigieren reicht schon leichter, angedeuteter Druck. Er würde ja loslassen. Dazu müssten wir nur Nordstream 2 in Betrieb nehmen und uns damit offen gegen die EU und die Vereinigten Staaten stellen.

Nein, abstellen wird Putin uns das Gas wohl nicht. Im Gegensatz zur EU hat er begriffen, dass Sanktionen nur solange wirken, bis man sie tatsächlich umsetzt. Er beobachtet wohl mit einer gewissen Genugtuung den aufgescheuchten Hühnerhaufen deutscher Politik, die gerade dabei ist, die letzten drei Glühbirnen aus den Fassungen zu schrauben und gleichzeitig Angst vor der Dunkelheit hat, weil Putin jederzeit die Tür zum Hühnerstall zuschlagen könnte. Für Putin ist es nützlicher, dass Deutschland vor Angst zittert, statt vor Kälte.

Und auch Christoph Maurer bekommt noch einen Extrapunkt, weil er prophezeit, dass unsere Energiekosten mittelfristig steigen werden. Das tun sie ja bereits lang- und kurzfristig, womit der Reigen dann komplett wäre. Vermutlich steigen sie ab Januar vor allem deshalb, weil wir dann keines der Kernkraftwerke mehr haben, die den Strompreis in die Höhe treiben, wie uns die Langs, Kemferts und Maurers glauben machen wollen. Aber das ist wohl doch nur ihre, die deutsche Perspektive.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen