Sonntag, 10. Juli 2022

"Lawrow hat mir das Schippchen geklaut!"

von Mirjam Lübke...

Es gibt diese Filmschurken, die dem Superhelden - zum Beispiel James Bond - in aller Ausführlichkeit ihre Pläne offenbaren, es dann aber unterlassen, ihren Gegenspieler einfach zu erschießen. Stattdessen fährt irgendeine Foltermaschine sehr, sehr langsam auf den Helden zu, aus welcher er selbstverständlich im letzten Moment entkommen kann, um die Welt noch rechtzeitig zu retten. Den Plan des Schurken kennt er schließlich - er ist ihm auf dem Silbertablett serviert worden. Warum? Weil Goldfinger & Co. letztlich für ihre Genialität die Anerkennung der "Guten" erlangen wollen - das ist ihnen wichtiger als die zu erwartende Beute - und dann über ihre eigene Eitelkeit stolpern. Es bedeutet ihnen mehr, andere leiden zu sehen, als ihr Ziel zu erreichen, denn vor der Weltherrschaft ist nach der Weltherrschaft, um einmal einen Fußballspruch abzuwandeln. Der Triumph und das Hochgefühl müssen beständig erneuert werden, sonst wird das Leben wieder langweilig - da verschenkt man lieber den Vorteil, den man hätte erlangen können, wenn man einfach den Mund gehalten und sein Ding gemacht hätte.


Das sind Filme, nicht die Realität, wird man mir jetzt vorhalten, aber genau dieses Verhaltensmuster legen Robert Habeck und Annalena Baerbock in den letzten Wochen ständig an den Tag. Da wird sich gebläht und gebrüstet, wie sehr man es Putin und seiner Entourage zeigen werde, zwar nicht zur Erlangung der Welt- aber der Moralherrschaft. Pragmatismus und Überlebenswille gelten als Charakterschwäche - es geht mit wehenden Fahnen in den Untergang! Aber bitte mit viel Getrommel und Geschrei: Wir boykottieren russisches Gas, wir brauchen es nicht! Mit dem russischen Außenminister redet man nicht, der kommt aus dem Herzen der Finsternis! Schreibt es an jede Wand: "'Wir schaffen das' konnte nicht nur Merkel!" - hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass diese Regierung den von ihr betriebenen Niedergang Deutschlands noch beschleunigen könnte? Merkel saß alles aus, in der jetzigen Regierungsmannschaft befinden sich einige hektische Aktionisten, die es besonders gut machen wollen.
 
Doch die Welt meint es nicht gut mit Baerbock und Habeck, sie macht ihnen ständig einen Strich durch die Rechnung. Da verlässt Außenminister Lawrow doch dreisterweise den G20-Gipfel, bevor Frau Baerbock ihm wortreich in ihrer Rede die Leviten lesen konnte. Denn "nicht mit jemandem reden" heißt in ihren ideologischen Kreisen: "Ich darf dich mit Vorwürfen überschütten, werde dir aber jede Möglichkeit nehmen, dich dagegen zu verteidigen!". Ein Prinzip, das in Deutschland an der Tagesordnung ist, der mit Schmutz Beworfene hat sein Urteil dankbar und reuig hinzunehmen wie ein armer Sünder. Es wird viel über "Dissidenten" - AfD-Politiker, konservative Schriftsteller oder "Querdenker" - geredet, aber da man sich sicher ist, ihre Motive in- uns auswendig zu kennen, "bietet man ihnen keine Plattform" - so weit, so bekannt.
 
Und dann dreht Sergej Lawrow den Spieß einfach um und geht, bevor Annalena ihm den Kopf waschen kann! Deren Anhänger jubeln: "Baerbock hat dem russischen Außenminister Angst eingejagt! Sie ist eine so mutige Frau! Wenn wir sie nicht hätten!" Und man merkt, diese Leute glauben das wirklich - wenn Putin sich irgendwann aus der Ukraine zurückzieht - oder hinausgeworfen wird - dann werden die Grünen wahrscheinlich an der Legende weiterstricken. Lawrow hat sicherlich eine Menge Kritik einstecken müssen - und das auch nicht unberechtigt - aber ihm Angst vor unserer Außenministerin zu unterstellen, hat die Grenze zur Realitätsverweigerung längst überschritten. Der Mann würde im Gespräch Frau Baerbock wie ein Appetithäppchen herunterschlucken und mit etwas Wodka hinterherspülen.
 
Ähnlich erging es Robert Habeck: In vollkommener Ahnungslosigkeit über den derzeitigen Stand der Technik in Deutschland kündigte er vollmundig an, man könnte auf russisches Gas verzichten. Das mag vielleicht eines Tages einmal so sein, aber derzeit - moralische Bedenken hin oder her - brauchen wir es noch, um unsere Heizungen und bestimmte Industriezweige am Leben zu erhalten. So oder so werden wir in dieser Beziehung immer wieder von unseren Lieferanten abhängig sein, einen zu finden, der eine weiße Weste hat, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das von Habeck besuchte Katar ist keine Oase der Menschenrechte und auch die USA tun das, was Großmächte nun einmal tun, um ihren Einflussbereich zumindest zu erhalten. Man kann stundenlang darüber debattieren, wer nun der größere Saubeutel ist, es hilft uns letztlich nicht weiter. Schon Kaiser Wilhelm II. musste zähneknirschend einsehen, dass Deutschland bestimmte Güter importieren muss.
 
Bis vor kurzem sah es so aus, als würden wir mit Habecks großzügigem Verzicht auf russisches Gas ordentlich auf die Nase fallen, denn wenn Nord Stream 1 morgen zur Wartung abgeschaltet wird, geht uns der Nachschub endgültig aus. Plötzlich geriet der Wirtschaftsminister ins Schwimmen, so hatte er nicht gewettet - weder brach Russland unter dem Verzicht der Deutschen zusammen, noch bewirkte der Boykott etwas - noch nicht einmal die Welt wurde gerettet. Was nun? Habeck musste mit den Kanadiern um die Herausgabe der benötigten Turbine verhandeln. Der Ukraine gefiel das gar nicht. Zwar will man von uns finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau, hat aber offensichtlich nicht begriffen, dass es keinen Sinn macht, die Kuh zu schlachten, die man noch melken will.
 
Inzwischen erklärte sich Kanada bereit, die Turbine an Deutschland zu liefern (womit der schwarze Peter der Lieferung an Russland bei uns verbleibt) - dennoch kommen wir damit wenigstens ein bisschen weiter - sonst wäre Habeck eventuell wieder dem moralischen Druck aus Kiew erlegen, wo man sich offensichtlich ermächtigt sieht, sich in alle Belange deutscher Politik einzumischen. Der Wille, vor der Welt als moralisch vorbildlich dazustehen - der nichts anderes als schlecht getarnte Eitelkeit darstellt - hätte den grünen Superminister wohl wieder kippen lassen.
 
Im Film bringt der Superschurke sich selbst durch seine Eitelkeit und seinen Narzissmus zu Fall. Unsere politischen Helden breiten ihre Pläne ebenfalls in epischer Breite vor der Bevölkerung aus, aber die merkt größtenteils nichts oder findet den offensichtlichen Unfug auch noch bewundernswert. Rational nachvollziehbar ist das nicht. Wenn Klaus Schwab den in seinem Buch angekündigten "Great Reset" wirklich durchziehen will, dann ist Deutschland das ideale Versuchsgelände.



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