von Christian Hamann
Stratotanker und Transporter der US-Airforce auf dem Flughafen Lot bei Tel AvivNicht zufällig war der Nahe Osten die Wiege der Zivilisation, denn hier überschneiden sich die Einflussgebiete dreier Kontinente. Diese Zivilisation hat Ackerbau, Stadtkulturen und technischen Fortschritt hervorgebracht. Die Kehrseite bestand in einer verschärften Rivalität zwischen den Menschen. In den Auseinandersetzungen um Territorien haben sich historisch zwei höchst bedenkliche Erscheinungen durchgesetzt, die autokratische Herrschaft und ein brutaler Militarismus. Autokratische, nicht von den einfachen Bürgern kontrollierte Macht tendiert zur Steigerung und zum Gebrauch gewaltsamer Mittel. Die Geschichte war dementsprechend von unsolidarischen Herrschern geprägt, die ihre Untertanen für die Expansion ihrer Einflussgebiete in den Krieg schickten.
Die Autokratie hat im Nahen Osten nicht nur ihre Wurzeln. Sie hat dort auch bis heute Steigerungen erfahren, die insbesondere die Mentalität der Herrschenden betreffen. Abweichungen zwischen politischer Fassade und Wirklichkeit sind inzwischen weltweit Standard, zum Beispiel zwischen vorgetäuschter Verhandlungsbereitschaft und tatsächlicher Ablehnung jeder einvernehmlichen Lösung. Auch die Diskrepanz zwischen gespielter Solidarität und tatsächlichem Gebrauch von “Freunden” als Werkzeug ist universell verbreitet. Letzteres Phänomen tritt regelmäßig bei strategischen Allianzen zwischen ideologischen Rivalen gegen einen gemeinsamen Feind auf.
Machtgerangel der Autokraten
Doch der Nahostkonflikt hat zu all diesen gewissermaßen “normalen” Unaufrichtigkeiten noch eine Steigerung hervorgebracht. Diese hat ihre psychologischen Wurzeln in der jahrtausendealten Opferung von Soldaten im Machtgerangel der Autokraten. Nunmehr werden eigene Zivilisten geopfert – ebenfalls im Interesse der Machterweiterung. Obwohl der Mechanismus erkennbar effizient funktioniert, halten die Mainstream-Medien die Augen geschlossen und damit auch die der westlichen Bürger. Es geht um einen Islamisierungsmotor, der dadurch in Gang gehalten wird, dass Moslems in Kriegen und Bürgerkriegen leiden. Dieses Leiden bringt erstens Flüchtlingsströme in Bewegung und löst zweitens in den europäischen Ländern die Bereitschaft aus, diese Menschen aufzunehmen.
Natürlich können Terroristen und Islamisten nur im vertrauten Kreis über den Gebrauch dieses Mechanismus als vorsätzliche Strategie reden, denn er funktioniert nur bei verbreiteter Unkenntnis. Die tatsächliche Wirkungsweise des Islamisierungsmotors führt zu der Einsicht, dass die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge in westlichen Ländern insgesamt das Gegenteil einer Linderung von Gewalt und Not zur Folge hat. Denn diese Hilfsbereitschaft verleitet skrupellose Terroristen und Dschihadisten dazu, solche Gewalt gegen Moslems zu provozieren. Dies bewies Hamas-Führer Yahya Sinwar mit dem von ihm geplanten Massaker vom 7. Oktober 2023: Nachdem Israel mit der vermeintlich abschreckenden, aber militärisch weitgehend sinnlosen Zerstörung Gazas den Islamisten einen maximalen Gefallen getan hatte, schrieb er 2024 seine Komplizen in Katar: „We have Israel right where we want them.“ – Wir haben Israel genau da, wo wir es haben wollen.
Begrenzte ideologische Gemeinsamkeiten des islamischen Lagers
Die Teheraner Machthaber zeigen dieselbe verantwortungslose Denkweise: Aus rationaler iranischer Sicht sind die Attacken, die seit Beginn des Krieges am 28. Februar 2026 geführt werden, selbstmörderisch. Aber schon seit 1979 besteht die Führung des Landes aus einem autokratischen Islamistenzirkel, für den das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung bedenkenlos der weltweiten Ausbreitung und Radikalisierung des Islam geopfert wird. Diesen Fanatikern kann man daher nicht mit einer Zerstörung drohen, unter der Zivilisten leiden. Das jetzt nur moderat angegriffene Saudi-Arabien hatte vor 2001 noch den Terrorismus unterstützt; Seither bemüht sich die Regierung, diese Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Saudi-Arabien, Katar und Kuwait sind für den Westen trotz äußerlicher Freundschaft nur strategische Verbündete; die ideologischen Gemeinsamkeiten sind begrenzt. Katar unterstützt sogar die Muslimbruderschaft bei ihren Bemühungen, den radikalen Islam im Westen zu verbreiten. Als einziges Land der Region stellen sich die Vereinigten Arabischen Emirate ausdrücklich gegen die Bruderschaft und vertreten stattdessen einen gemäßigten Islam. Diese ideologische Kompatibilität mit dem Westen erklärt, weshalb die Vereinigten Arabischen Emirate als tatsächlicher Feind des Islamistenregimes in Teheran die mit Abstand schwersten iranischen Angriffe erlitten hat.
Trügerische Fassaden
Eine Verschleppung des Krieges würde sehr wahrscheinlich die Türkei involvieren. Sie ist die einzige Militärmacht der Region, die zu einer erfolgreichen Bodeninvasion des Iran befähigt wäre. Dieses Engagement würde neue Interessen ins Spiel bringen. Trotz der von Erdogan bekundeten Nähe zu Islamisten wird türkische Politik seit rund 100 Jahren von dem ehernen Grundsatz des Kemalismus bestimmt, dass die Nation Vorrang vor der Religion hat. Für die türkische Nation bedeutet das Schutz ihrer Interessen, während die der iranischen der Islamistenideologie des Regimes geopfert werden.
Die trügerischen Fassaden der vorwiegend autokratischen Regierungen im Nahen Osten geben demokratischen Europäern keinen Grund zur Überheblichkeit, denn nach den beiden Weltkriegen hätte es wohl kaum jene regelrechte Serie höchst kontraproduktiver Militärinterventionen von Vietnam bis Afghanistan gegeben, wenn die westlichen Nationen von ihren Politikern authentisch demokratisch repräsentiert worden wären. Militarismus gehört zur Autokratie – nicht zur Demokratie! Gerade jetzt, im Irankrieg, ist es daher allerhöchste Zeit, aus den vergangenen Fehlern zu lernen und nicht weiterhin zwei gleichermaßen suizidalen Irrwegen zu folgen: Der eine, eher von Linken vertretene, ist der eines wachsweichen Appeasement gegenüber Islamisten. Der andere besteht in einem harten militärischen Eingreifen, das Zivilisten Leid bringt und den Zielen derselben Islamisten ebenso in die Hände spielt. Eine Erfolgsstrategie basiert auf ideologischem Druck auf den Islamismus und speziell das Teheraner Regime. Davon an dieser Stelle in Kürze mehr.
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