Donnerstag, 15. Januar 2026

Trumps Grönland-Pläne: Warum ein differenzierter Blick nottut

von Alexander Schwarz

Stimmungsmache gegen Trumps-Grönland Politik: Eine wohlgemerkt in Dänemark, nicht in Grönland populäre Kappe, die Trumps MAGA-Kampagne satirisch aufgreift



In Deutschland und der EU ist die Empörung über die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einer US-Annexion des zu Dänemark gehörenden Grönland weiterhin groß. „Wir werden wegen Grönland etwas unternehmen, ob es ihnen passt oder nicht“, sagte Trump und drohte: „Ich würde gerne einen Deal machen – aber wenn wir es nicht auf die einfache Art tun, werden wir es auf die harte Art tun“. Als Begründung führt er die nationale Sicherheit der USA an. Wenn die USA Grönland, dass eine zentrale geostrategische Position einnimmt und über wertvolle Bodenschätze verfügt, nicht einnähmen, würden es Russland oder China tun.

Von deutscher Seite kommen dazu die üblichen großspurig-lächerlichen Phrasen: Außenminister Johann Wadephul erklärte, es sei „allein Sache Grönlands und Dänemarks, über Fragen von Territorium und Souveränität von Grönland zu entscheiden“. SPD-Außenexperte Adis Ahmetovic wurde noch deutlicher: „Europa darf sich von Trump nicht einschüchtern lassen. Wir müssen gemeinsam bei Grönland ein Stoppschild setzen. Trump braucht endlich Klartext“, tönte er. Und Ex-Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin faselte: „Erstens könnten wir jetzt mal anfangen, Militärmanöver in und um Grönland zu machen“. Frankreich habe nach Trumps ersten Ankündigungen „ein Schiff vorbeigeschickt“, jetzt könnte Deutschland mit den Franzosen „gemeinsam solche Dinge auf den Weg bringen“.

Grönland als Taiwan des Polarkreises?

Die Europäer versuchen also hier rhetorischen an das anzuknüpfen, was ihnen vor dem russischen Angriff auf die Ukraine zu diesem Konflikt an warnenden Tönen gen Moskau einfiel, oder womit sie China im Fall Taiwans adressieren. Dass diese Töne in den USA bestenfalls Gelächter auslösen werden, blenden von Fundamentalpazifisten zu Bellizisten gewandelte altlinkee Fossilien wie Trittin frech aus, ebenso wie auch Patrick Sensburg, der Chef des Reservistenverbandes der Bundeswehr, der allen Ernstes fordert: „Europa muss viel stärker Präsenz zeigen. Wir müssen in kurzer Zeit mindestens eine europäische Brigade unter der Führung von Dänemark dorthin verlegen. Auch Deutschland wird hier besonders in der Pflicht stehen“. Allen Ernstes sieht Sensburg dadurch auch noch einen strategischen Nutzen für die Bundeswehr, da sie eine Dauerpräsenz mit Ausbildungsstätten auf Grönland errichten könne: „Das birgt auch Chancen. Wir könnten neben der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald auch in Grönland trainieren und ausbilden. Das wird Europa stärker zusammenschweißen“.

Solche Einlassungen zeigen wieder einmal, welche peinlichen Traumtänzer in diesem Land das Sagen haben. Man bildet sich tatsächlich ein, Trump werde sich ausgerechnet von Europäern einschüchtern lassen und der deutschen Trümmertruppe, die wahrscheinlich nicht einmal über genügend funktionsfähige Schiffe verfügt, um Sensburgs Gebirgsjäger nach Grönland zu schicken, auch noch erlauben, dort Krieg zu spielen. Es ist geradezu aberwitzig, wie realitätsfern, undiplomatisch und unüberlegt hier agiert und dahergeredet wird.

Wohlbegründete Begehrlichkeiten

Was dabei allerdings völlig auf der Strecke bleibt, ist wieder einmal eine nüchterne und differenzierte Bestandsanalyse und Einordnung der Hintergründe, sowohl was die Situation Grönlands anbelangt als auch die Hintergründe der US-Begehrlichkeiten: EU-Politiker und Medien zeichnen Grönland als verwunschenes Paradies, das nun zum Opfer des US-Imperialismus zu werden droht. Dabei vegetieren auf der Rieseninsel rund 57.000 Menschen (etwa die Bevölkerung von Neustadt an der Weinstraße) – und zudem überwiegend in Armut, Alkoholismus und Gewalt – vor sich hin. Es gibt keine nennenswerte Wirtschaft, und damit dort überhaupt noch einigermaßen lebenswerte Bedingungen herrschen, pumpt Dänemark Unsummen von Subventionen in das Land auf der größten Insel der Welt, die mit ihren 2,16 Millionen Quadratkilometern gut sechsmal die Fläche Deutschlands hat. Das 400-jährige, heute völlig anachronistische dänische Kolonioalprojekt Grönland wird wegen abschmelzender Polkappen immer mehr zum elementar wichtigen Drehpunkt für den internationalen Güterverkehr – und als riesiges Reservoir von Bodenschätzen, zu deren Erschließung weder Dänemark noch die EU bisher willens oder fähig sind.

Sehr wohl wären dies aber Russland und China, die zudem ihre militärische marine Präsenz um das Land herum schleichend ausgebaut haben und so nahe an die US-Nordostküste heranrücken – zur zunehmenden Beunruhigung der USA. Da die Trump-Regierung zu Recht die europäischen Staaten ohnehin nicht mehr länger als zuverlässige Partner betrachtet, vor allem aufgrund ihrer durch Massenmigration unvermeidlichen Islamisierung mit unabsehbaren sicherheitspolitischen Folgen, rückt Grönland automatisch ins strategische Visier der USA. Nicht unerheblich ist außerdem, dass Grönland 1985 auf eigenen Wunsch – anders als das dänische Mutterland – aus der Europäischen Gemeinschaft ausgetreten ist, aber trotzdem alleine zwischen 2021 und 2027 EU-Zuwendungen von 225 Millionen Euro erhält. Die von Trump in Aussicht gestellten US-Zahlungen und -investitionen würden noch deutlich höher ausfallen.

Ein Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter bringt es auf den Punkt

Politische Beobachter außerhalb Europas mit seiner hasszerfressenen Anti-Trump-Voreingenommenheit, die noch zu realpolitischem Denken befähigt sind und für einen konstruktiven Interessenausgleich eintreten, haben diese Zusammenhänge längt begriffen und reagieren darauf – während die wertewestlichen Völkerrechtsschwurbler in Brüssel und Berlin wie üblich den Schuss nicht gehört haben und von Venezuela über Grönland bis zum Iran eine wilde Melange von angeblichen Welteroberungsplänen Trumps zusammenphantasieren. Doch vereinzelt gibt es auch in Deutschland noch Stimmen der Vernunft – selbst in der SPD, wenn die Betreffenden auch wie üblich erst nach Ende ihrer politischen Karriere wieder laut zu sagen wagen, was sie eigentlich denken.

So schreibt der 2025 aus dem Bundestag ausgeschiedene pfälzische Abgeordnete Jo Weingarten auf Facebook: “Die Aufregung über Donald Trumps Griff nach Grönland ist weiterhin hoch. Aber was ist denn die Alternative? So bleiben, wie es ist, kann es jedenfalls nicht… Die Insel liegt direkt in der potentiellen Angriffsschneise russischer Raketen aus der Region Murmansk auf Nordamerika. Dagegen müssen sich die USA genauso schützen, wie sie das in Alaska gegen Angriffe aus Sibirien tun. Zudem wird der Seeweg durch die Arktis sowohl entlang der russischen wie auch der kanadischen Küste mit den abschmelzen Eismassen immer wichtiger für den weltweiten Güterverkehr. Die Kontrolle darüber darf nicht an Russland und China alleine gehen.” Und weiter: “Eine gewaltsame Übernahme durch die USA ist keine ernsthafte Option. Aber am Ende werden die USA dort mehr politische, administrative und militärische Verantwortung übernehmen müssen.” Die Bundesregierung wäre gut beraten, auf diese weisen Worte zu hören, und nicht einen weiteren Graben zu Washington aufzureißen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen