Dienstag, 2. September 2025

Nasser-Krankenhaus: Lieber Volksverpetzer, wir müssen reden


Das Nasser Krankenhaus nach dem Luftschlag

Lieber Volksverpetzer,

ich mag Euch. Wirklich.
Ich folge Euch schon lange und Eure Petition habe ich auf meinen Plattformen geteilt.
Enttäuschend zu sehen, dass Ihr nun in die einseitige Berichterstattung der Medien zum Gazakrieg einsteigt. Und dabei dem gleichen Bias unterliegt, wie gefühlte 99% aller Journalisten.

Am Samstag, dem 30.08.2025, habt Ihr den „Faktencheck“ von Philip Kreißel mit dem Titel „Gaza: IDF-Streitkräfte töten Journalisten – Rechtfertigung widerlegt“ veröffentlicht.
Es geht um den Beschuss am Nasser Krankenhaus in Chan Yunis am 25.08.205.

Screenshot des Beitrags des Volksverpetzers

Ich nehme mir die Freiheit zu erklären, warum der „Faktencheck“ kein Faktencheck ist. Sondern lediglich die Aufzählung von Informationen einer Seite, weil für die andere Seite die Expertise fehlt.

Leider muss ich aufgrund der Erregungsbereitschaft des Netzes einige Dinge vorwegschicken. So kurz es geht. Weil ich sonst wieder hunderte unsinnige Kommentare habe.

  • Ich war zehn Jahre lang Unteroffizier eine Spezialeinheit im Nachrichtenbereich. Auch im Einsatz und für die NATO. Angefangen habe ich aber Richtschütze auf einem Leopard II. Ich unterstelle mir zumindest halbwegs die Fachkenntnisse, die hier relevant sind.
    Zusätzlich habe ich länger mit einem Freund telefoniert, der u.a. auch als Panzerkommandant im Einsatz war.

  • De facto bin ich Journalist, bezeichne mich aber als MilBlogger. Weil mein Schwerpunkt die Wissensvermittlung ist. Erklären, nicht Berichten.

  • Alles, was ich hier behaupte, kann ich belegen. Ich vereinfache, denn das ist Teil der Wissensvermittlung.

  • Es geht nicht darum, die IDF freizusprechen. Was ich hier schreibe, würde ich ebenso schreiben, wenn es sich um russische oder ukrainische Streitkräfte handeln würde.

  • Ich verzichte auf meine übliche lakonische, militärische, rheinische Schnauze. So schwer es fällt. Ich möchte konstruktiv sein. Sonst hätte ich das nämlich als Beitrag hinter Bezahlschranke setzen können.

  • Ich bin kein Boomer, politisch links und Krieg ist nichts Tolles.

Man kann keinen Faktencheck betreiben, wenn man einen blinden Fleck hat.
Dieser Blinde Fleck ergibt sich daraus, dass die allermeisten Journalisten keine Ahnung von Militär und Krieg habt. Sicher auch nicht der Datenanalyst Philip Kreißel.

Das ist bereits am Titel zu erkennen. Ich darf Eure „IDF-Streitkräfte“ für übersetzen: „Israelischen Verteidigungsstreitkräfte-Streitkräfte“.
Geschenkt.

Genug der Vorrede.

Das Panzer-Mindsetting

Kampfpanzer sind aus der Idee der Kavallerie entstanden. Die mit Säbel auf dem Pferd.
Es sind fahrende Kanonen. So vollgestopft mit Technik und Computern, dass die Besatzung kaum noch Platz hat.

In der westlichen Gefechtstaktik - und dazu zählen auch die israelischen Streitkräfte - werden sie üblicherweise eingesetzt im so genannten „Gefecht der verbundenen Waffen“.
Vereinfacht: Angenommen man will ein Dorf einnehmen, dann fängt erstmal die Artillerie an, das Dorf aus der Ferne zu beharken. („Shaping“) Dann kommen die stark gepanzerten Kampfpanzer angeritten. Und hinter ihnen die Schützenpanzer, aus denen dann die Infanteristen („Fußsoldaten“) springen und in den Häuserkampf gehen („abgesessenes Gefecht“).
Man kann dieses Vorgehen bereits in der Scharfschützen-Szene im Film Full Metal Jacket sehen, also im Vietnamkrieg.

Die Kampfentfernung für einen Kampfpanzer wie den Leopard II (D), den Abrams (USA) oder Merkava (I) ist so ganz grob 1000m bis 4000m. Für darunter, so von 300 bis 2000m, hat er auch ein „koaxiales“ Maschinengewehr. Der Schütze schießt dann nicht mit der Kanone, sondern mit dem MG.

Unmittelbar um sich herum ist der Kampfpanzer, wenn die Luken im Gefecht geschlossen sind, quasi blind. Zwar gibt es Spiegel, die sind aber sehr eingeschränkt und selten beweglich. Zudem kann er auf kurze Distanz gar nicht schießen. Er ist ziemlich wehrlos. Er ist dafür gemacht zu reiten, nicht zu stehen.

Deshalb ist es sehr unpassend, einen solchen Kampfpanzer in den Häuserkampf zu schicken.
Es gibt aber gute Gründe, das trotzdem zu tun. Die würden aber einen ganzen Vormittag taktischen Unterricht erfordern, das lassen wir weg.
Die Israelis tun es, und sie haben Gründe. Punkt.

Ein Merkava aus einer Ruine aus wenigen Metern fotografiert.

Das ist die schlimmste Situation in einem Häuserkampf in einem asymmetrischen Gefecht, wie die Hamas, der Dschihad und die Hisbollah sie betreiben.
Gehen die Luken zu, weißt du nicht, ob du wieder aussteigen wirst. Eine Unachtsamkeit kann dazu führen, dass jemand eine Rakete feuert und du in deinem Sitz verbrennst. Denn du kannst auch nicht schnell heraus. Der Richtschütze kann beispielsweise erst raus, wenn der Kommandant rausgeklettert ist.

Und das ist das Mindsetting, mit dem die Besatzungen von Kampfpanzern sich in solchen Einsätzen bewegen.

Asymmetrischer Kriegsführung

Das wissen natürlich auch andere.

Die Palästinenser schießen tragbare Anti-Tank-Raketen aus den Trümmern von oben auf die Panzer. Weshalb die Merkava häufig auch mit einem Gitter versehen sind, wie wir es aus Bildern aus der Ukraine kennen. („Bljatmobil“) Der Sinn ist, dass die Rakete auslöst, bevor sie auf die Panzerung trifft und die Wirkung dadurch (hoffentlich) verpufft.

Ein Merkava von oben aus einem kaputten Fenster aufgenommen.

Und sie laufen geduckt an Merkava heran und platzieren im hinteren Teil der Wanne eine Sprengladung. Wenn sie Pech haben, passiert nichts. Wenn sie Glück haben, erwischen sie ein Munitionsdepot und es kommt zu einem „Cook Off“: die ganze Munition geht hoch.
Was man dafür braucht ist nur einer, der fanatisch genug ist, und eine Sprengladung.

Doppelbild: Zwei Palästinenser werfen eine Sprengladung auf einen Merkava, der daraufhin komplett in Flammen steht.

Und das verdeutlicht vielleicht auch einmal, warum das häufige Argument Unfug ist, warum die „überlegenen Streitkräfte“ nicht in der Lage sind, die Hamas zu schlagen. Denn asymmetrische Kriegsführung bedeutet ja, dass eine Seite versucht, die Vorteile, die die andere Seite hat, durch möglichst einfache Mittel zu umgehen.
Vietnamesen in Flip Flops haben die USA davongejagt und Mudschaheddin mit Kamelen die Sowjetunion.

Befehl ist Befehl

Natürlich muss ein Panzer nicht jedes Mal nachfragen, wenn er schießt. Das ist die Verantwortung des Kommandanten. Üblicherweise ein Unteroffizier.
Zwei Drittel bis drei Viertel der Soldaten sind Wehrpflichtige.

Aber es gibt Maßgaben, wonach eine übergeordnete Stelle bestimmte Einsätze genehmigt. Beispielsweise bei einem Luftangriff mit einer Drohne. Dafür gibt es üblicherweise eine Gefechtsführung, die manchmal auch weit weg in einem Zelt oder einem Bunker sitzt.

Kommunikation im Gefecht, schematsiche Darstellung

Und darüber kommt dann mindestens noch eine Instanz, die der militärischen Einheit, beispielsweise der Division. Das ist aber in jedem Land und sogar in jedem Einsatz unterschiedlich.

Das Nasser Krankenhaus

Ein dritter Faktor ist meiner Meinung nach für die Beurteilung des Vorfalls wichtig. Nämlich die „Location“.

Das Nasser Krankenhaus ist ein sehr großer Gebäudekomplex im Chan Yunis, eher im südlichen Teil des Gazastreifens.
Dieser Komplex ist dafür bekannt, dass Kombattanten sich dort „verstecken“. Übrigens vor den Augen aller anderen Palästinenser.

Sattelitenbild des Komplexes
Sattelitenbild des Komplexes, November 2023

Bereits 2024 fanden Gefechte um das Gebäude statt.
Das bedeutet, die IDF haben da nicht willkürlich rumgeballert, sondern Palästinenser haben zurückgeschossen.

Es ist auch gesichert, dass dort mehrere Geiseln gefangen gehalten wurden. Zudem wurden Medikamente mit den Namen von Geiseln darauf gefunden. Mindestens sechs sind namentlich bekannt.

Erst im Juli Im Juni kam es zu Feuergefechten zwischen Anhängern der Hamas (und vermutlich des Dschihads) und Angehörigen der Shabab Miliz. Letztere sollen auch kurzzeitig die Kontrolle über das Krankenhaus erlangt haben. Zumindest lang genug, um für Gruppenfotos zu posieren.

Kämpfer der Shabab posieren für ein Gruppenbild.
Gruppenbild der Shabab Milizen vor dem Nasser Krankenhaus. Screenshot Hindustian Times

Als Mitte Januar eine Waffenpause zwischen den Palästinensern und Israel verkündet wurde, haben Hamas Anhänger aus dem Krankenhaus heraus einen bejubelten kleinen Konvoi gestartet. Dummerweise, bevor die Waffenruhe in Kraft war. Weshalb die Autos nicht weit gekommen sind.

Screenshots des Konvois
Screenshots des Konvois, Quelle: Video, X

Die immer gleiche Situation

Am 21.07.1861 fand die erste große Schlacht des amerikanischen Bürgerkrieges statt, die Schlacht am Bulls Run oder Schlacht bei Manassas. Und weil auch noch Sonntag war, ließ man sich im nahen Washington die Pferde anspannen, die Haussklaven einen Picknick Korb packen, die Damen zwängten sich in die Korsetts und man fuhr dann dorthin, um anderen beim gebratenen Hähnchen beim Sterben zuzusehen.
Als diese Proto-Autobahngaffer merkten, dass Kanonenkugeln nicht halt machen und durch ihr Brathähnchen titschten, kam es zu einer panischen Flucht. Der moderne Krieg.

Mit offenem Mund saß ich davor, als ein Journalist vor Ort erklärte, was passiert war.
Am 13.10.2023 hatten sich einige Journalisten versammelt, um von Gefechten zwischen Hisbollah und IDF zu berichten. Von einer Anhöhe aus, mit gutem Blick, unmittelbar an der israelisch-libanesischen Grenze.

Ein Inferno, ohrenbetäubender Lärm, plötzlich brannte das Auto. Den Vorfall habe ich damals ausgewertet und die Entfernungen gemessen. Ein Merkava hatte eine, vielleicht zwei Granaten da reingesetzt. Aus über 1300 Metern, die Journalisten hatten den Merkava im Tal vor ihnen sicher nicht einmal gesehen. (Was in Untersuchungsbericht später bestätigt wurde.)
Ein Journalist starb.

Das brennende Auto, im Vordergrund transportieren Helfer eine Leiche ab.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich damals mit einem Journalisten des SWR diskutiert habe. Konstruktiv wohlgemerkt. Nett und freundlich. Weil meine Haltung war: Diese armen Narren.
Ich habe erklärt, was man aus einem Panzer überhaupt sieht, vielleicht mit einem Wärmebild sieht (Restlichtverstärker, Infrarot o.ä.), wie weit die Kampfentfernungen sind und so weiter.

Aber das waren nicht nur Picknicker bei Manassas. Sie haben sich auf einer Anhöhe positioniert und einige von ihnen haben Kameras auf Stativen aufgebaut. Was in einem Kampfgeschehen leicht für eine Panzerabwehrrakete gehalten werden kann.

Panzerabwehrraketen

Viele dieser Raketen oder RPG arbeiten mit Infrarot oder Laser, um die Entfernung zu messen.
Deshalb haben moderne Kampfpanzer ein Warnsystem. Sobald eine solche Quelle auf sie gerichtet wird, bekommt der Kommandant ein optisches und akustisches Warnsignal. Er kann sofort seine Optik auf den Ursprung des Signals setzen. Mit nur einem Knopfdruck schwenkt der tonnenschwere Turm herum, das Rohr geht sofort auf das Ziel. Und dann wird ausgelöst. Vom Kommandanten oder vom Richtschützen.

Zwei vermummte Hamas-Kämpfer mit Panzerabwehrraketen.
Zwei vermummte Hamas-Kämpfer mit Panzerabwehrwaffen RPG, Beit Hanun, August 2015.

Dieser ganze Vorgang wird trainiert. Er dauert vielleicht drei bis fünf Sekunden. Keine Zeit nachzudenken, denn sonst kann es schon zu spät sein.
Und nun machen wir uns klar, dass auch Kameraleute häufig die Entfernung mit Infrarot oder Laser messen. Es gibt sogar Geräte, die dafür auf Kameras aufgeschraubt werden können.

Ich denke nicht, dass das hier oder im aktuellen Fall beim Nasser Krankenhaus passiert ist. Aber es gibt eine Vorstellung. Die Entscheidung, einen Schuss zu lösen, also zu feuern, fällt in wenigen Sekunden.

Dutzende Panzerabwehrraketen liegen auf dem Boden ausgestellt.
Sichergestellte RPG, 07.10.2024

Und aus einem weiteren Grund werden Kameras als Bedrohung angesehen. Überall, nicht nur von den israelischen Streitkräften.
Kameras eignen sich zur „Gefechtsfeldbeobachtung“. Eigentlich erschließt sich das jedem, sobald man an Drohnen denkt. Doch das geht ja mit jeder Kamera, sogar mit einem Handy. Schöne neue Welt.

Ein Panzermann kann nicht wissen, ob derjenige, der eine Kamera auf ihn richtet, die Bilder für die Presse aufzeichnet, oder ob er die Bilder an einen Kommandostand der Hamas, Hisbollah oder Russen überträgt.

Zudem gibt es im Netz hunderte Propaganda-Videos, die zeigen, wie israelische Panzer aufgenommen und anvisiert werden. Daher das typische rote Dreieck, das ein Ziel markiert. Was auch die Ecke der arabischen Revolutionsflagge, also der Palästinenserflagge, symbolisiert.
Deshalb gibt es inzwischen unter den Soldaten das geflügelte Wort: Siehst Du eine Kamera, bist du gleich tot.

Das alles im Gepäck schauen wir uns nun einmal an, was am Nasser Krankenhaus passiert ist.
Aber wir wechseln die Perspektive. Wir schauen einmal aus den Augen eines Soldaten.

Die Kamera auf der Treppe

Am Montag, dem 25.08.2025 fanden in Chan Yunis und vom Süden kommend bei Gaza-Stadt Gefechte statt. Dazu waren auch Merkava im Einsatz.

Irgendwann wurde eine Kamera im vierten Stock der Außentreppe des Nasser Krankenhauses gemeldet.
Ob fest installiert oder mobil, ob von der Presse oder von der Hamas, das zählt dann nicht mehr. Die Kamera ist der Feind, die Kamera ist das Ziel. Nicht die Personen and er Kamera und nicht das Gebäude, an dem die Kamera steht.

Es ist für die Soldaten völlig unerheblich, wer bei der Kamera ist. Denn sie haben gar keine Zeit, sich zu vergewissern.
Das Militär allgemein geht davon aus, dass wer eine Kamera auf ein aktives Gefecht richtet, das zu wissen hat. Das Militär, jedes Militär, sieht sich in dem Moment in einer Notwehrsituation.

Sattelitenbild, die Außentreppe markiert

Die häufige Nachrichtenmeldung von einem Angriff „auf“ das Nasser Krankenhaus muss also per se falsch sein. Denn dann wäre das Krankenhaus an sich das Ziel gewesen.
Da die IDF mehrfach 2000-Pfünder eingesetzt haben und 4000-Pfünder besitzen, würde nach einem Angriff „auf“ das Krankenhaus nicht mehr viel stehen. Doch das ist ja nicht passiert.

Ob es tatsächlich einen Luftschlag, mutmaßlich durch eine Drohne, gegeben hat, ist derzeit noch unklar. Die Division, also das übergeordnete Kommando, hatte wohl einen solchen Einsatz freigegeben.

Dann haben Merkava Kampfpanzer gefeuert. Nach derzeitigem Stand zwei Mal. Metergenau dahin, wo die Kamera war.
Wodurch das ausgelöst wurde, kann auch ich derzeit nicht sagen. Da das aber für moderne Kampfpanzer sehr ungenau war, gehe ich davon aus, dass sehr schnell geschossen wurde.

Der Double Tap

Und dann ist es unmittelbar nach dem Einschlag des Schusses zu einem weiteren Einschlag gekommen. Das ist der eigentlich relevante. Ob es nun der dritte war, ist bisher unklar. In jedem Fall war es der Zweite auf das gleiche Ziel.

Daraus machen viele Medien nun einen „Double Tap“. Auch Philip Kreißel im Volksverpetzer, indem andere Quellen verlinkt werden und er schreibt: „Ein militärischer Grund für den zweiten Angriff ist ebenfalls nicht ersichtlich.“
Doch.

Wie ein Genozid mehr ist, als viele Menschen zu töten, ist auch ein „Double Tap“ mehr, als zweimal auf das gleiche Ziel zu schießen.

Das Paradebeispiel eines Double Tap hat die IS Ende Februar 2016 in Sadr City, Bagdad, geliefert.
Zunächst hat ein Selbstmordattentäter sich auf dem Markt in die Luft gejagt. Und als dann Helfer herbeiliefen, ist ein zweiter Selbstmordattentäter in diese Helfer gelaufen, und hat sich seinem Kameraden dort angeschlossen. Mindestens 70 Tote waren die Folge.

Der Sinn des „Double Taps“ ist es, Terror auszuüben. Indem man Menschen verunsichert, zu helfen.
Es ist also zwangsläufig notwendig, einen Double Tap genau mit dieser Intention von vornherein zu planen. Zweimal schnell auf ein Ziel zu feuern ist dafür nicht ausreichend.

Auch Russland hat das beispielsweise im Syrienkrieg mehrfach angewendet. In einer Auswertung eines Raketenangriffs im September 2024 auf das Poltawa Militärinstitut musste ich beispielsweise aber zu dem Urteil kommen, dass das dort auch nicht der Fall war.
Dafür ist fürchterlich unerheblich, ob ich Russland mag, oder nicht.

Wirkungsbild des Poltawa Militärinstituts, die zwei Eisnchläge sind deutlich zu erkennen.
Wirkungsbild des Poltawa Militärinstituts.

Wenn mit Kampfpanzern in kürzester Zeit – und das hat auch Philip Kreißel von den Sky News verlinkt – zweimal auf ein Ziel gefeuert wird, ist das nicht zwangsläufig ein Double Tap. Es ist eher unwahrscheinlich. Das Motiv ist entscheidend.

Ich sag es so, wie es ist: Dass palästinensische Journalistendarsteller sofort herbeieilen, um Elendsbilder zu produzieren und mit einem Handy aufzunehmen, dafür kann Israel nichts. Und am wenigsten die Schützen der Merkava.

Nach dem Brechen des Schusses fällt beim Richtschützen sofort ein Sichtschutz, die Optik wird schwarz. Weil er sich sonst durch das Mündungsfeuer die Augen „verblitzt“. Der Ladeschütze lädt sofort nach, die Kanone geht automatisch in die alte Position. Der Richtschütze kann also sofort nochmal feuern. Zeitfenster vielleicht fünf Sekunden, eher weniger. Und das scheint wohl die Zeit gewesen zu sein, in der die verlinkten Sky News einen zweiten Kanonenschuss erkannt haben.

Wäre ein Double Tap geplant gewesen, wie auch der Vertreter Palästinas bei der UN später behauptete, hätte man doch sinnvollerweise in die Rettungsmaßnahmen im Erdgeschoss und den Abtransport der Verletzten gefeuert. Vermutlich konnte der Merkava das aber aufgrund des Winkels gar nicht.

Mediale Narrative

Gehen wir einmal durch, was die Medien vermeldet haben.

Einen „Angriff auf“ das Nasser Krankenhaus hat es nicht gegeben. Es gab Beschuss auf das vierte Stockwerk der südlichen Außentreppe.
Hätte Israel das ganze Ding plattmachen wollen, wäre es jetzt platt.

Es wurde behauptet, Israel hätte einen Double Tap durchgeführt. Dafür sehe ich keinen Anhaltspunkt. Nur Behauptungen von Menschen, die offenbar nicht verstanden haben, was „Double Tap“ bedeutet. Oder es für Klicks ignorieren.

Es wurde behauptet, Israel hätte auf Journalisten gezielt.
Ähnlich wie beim Vorwurf des Genozids wäre dafür notwendig nachzuweisen, dass Israel gezielt Journalisten tötet. Doch das sehe ich nicht.

Ich bestreite nicht, dass Israel versucht Journalisten aus Kampfzonen herauszuhalten. Wie jede andere Streitkraft-Streitkraft sein dem Vietnamkrieg auch.
Ich bestreite auch nicht, dass sie dabei wenig zimperlich vorgehen. Ebenfalls wie jede Streitkraft der Welt.

Ich bezweifele, dass es eine Systematik gibt, einen Befehl, eine Direktive.
In diesem Fall ist das Argument aber eh Makulatur. Denn auf dem veröffentlichten Video sieht man, dass keiner der Leute, die sich bei den Schüssen auf dieser Treppe befanden, überhaupt als Journalisten erkennbar waren. Der Schütze im Kampfpanzer konnte also nicht wissen, dass sich in dem Moment Journalisten auf der Treppe befanden.

Screenshot aus dem Video.
Die Szene auf der Treppe unmittelbar vor dem Einschlag.

Durch die einseitige Berichterstattung, geschuldet dem Umstand, dass die meisten Journalisten keine Expertise haben, muss implizit der Eindruck entstehen, dass Israel anlasslos einfach mal „auf“ Journalisten an einem Krankenhaus geschossen hat.
Ich habe nicht einen einzigen Medienbeitrag gelesen, in dem gesagt wurde, dass unweit des Krankenhauses eine aktive Gefechtssituation bestand. Auch nicht, nachdem die IDF das erklärt haben.

Palästinensische Journalisten und Journalisten in Palästina

Und wo wir gerade unter uns sind, muss ich das anfügen:

Die Medien sprechen ständig von „Reuters-Journalisten“ oder ähnlichem.
Es sind palästinensische Journalisten. Üblicherweise Freelancer, die auch Bilder oder Meldungen an Nachrichtenagenturen oder Medien verkaufen. Die wiederum aber nicht wissen können, wer ihnen da etwas verkauft. Weil sie keine Möglichkeit haben, die Leute zu prüfen.

Ich kaufe selber ständig Stock Medien aus dem Gazastreifen. Und ich bin sicher, ich habe schon hunderte Euros für Bilder ausgegeben, die von Menschen gemacht wurden, die zur Hamas gehören. Direkt oder mittelbar.
Aber das erzählt man nicht auf dem Galaempfang für einen Journalistenpreis. Lieber erzählt die Lobby, es seien „Reuters-Journalisten“ gewesen. Was bei dem durchschnittlichen Deutschen die Assoziation weckt, die seien fest bei Reuter angestellt und hätten dort einen Auftrag erfüllt.

Denken wir an Hassan Eslaiah, der seine Bilder an die größten Agenturen verkauft hat und von dem später rauskam, dass er zeitgerecht zum Durchbruch der Palästinenser am 10/7 am Zaun war. Und dessen Selfie mit dem mehrfachen Mörder Yahya Sinwar dann auftauchte.

Selfie: Der Journalist bekommt vom militärischen Anführer der Hamas ein Bussi

Oder an den bei dem Beschuss auf das Nasser Krankenhaus getöteten „Journalisten“ Mohamed Salama, der nachweislich nicht nur die Übergabe der toten Bibas Familie gefilmt hat und am 10/7 die Stürmung der israelischen Grenze begleitet hat, sondern von dem inzwischen viele Fotos auftauchen, die ihn mit Vertretern der Hamas-Führung zeigen?

Mohamed Salama mit Kamera in Presseweste und Helm

So muss auch Philip Kreißel erwähnen, dass Israel Journalisten den Zugang verweigert.
Übrigens so, wie jede andere Streitkraft der Welt auch, seit dem Vietnamkrieg. Es geht nur noch „eingebettet“, also in Begleitung.
Und der ganze Gazastreifen ist im Grunde eine Kampfzone. Das ganze Gebiet ist etwa so groß wie Bochum.

Doch auch diese selbstwertdienliche Forderung der Medien-Lobby ist wieder einseitig. Ob bewusst oder unbewusst. Denn auch vor dem Krieg musste man schon bei einem Vertreter der Hamas in Ramallah oder Ost-Jerusalem vorsprechen, um im Gazastreifen arbeiten zu dürfen.
Ich frage mich, ob diejenigen, die wieder und wieder diese Forderung aufstellen, tatsächlich glauben, die Hamas würde gerne freie, „westliche“ Journalisten dort rumlaufen haben.

Genauso, wie von der Lobby ständig so getan wird, als genössen Journalisten einen besonderen völkerrechtlichen Schutz. Das ist falsch und trotzdem so tief eingesickert, dass man bei KI-Plattformen sehr dezidiert nachfragen muss. Weil die natürlich nur nachplappern.
Das einzige Mal, dass Journalisten überhaupt im Völkerrecht erwähnt werden, ist im Artikel 79 des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Abkommen von 1977. Und da steht nur, dass sie als Zivilpersonen zu behandeln sind.
Sie genießen also den gleichen Schutz, wie jeder andere Zivilist auch. Aber eben nicht mehr.

Der Faktencheck-Faktencheck

Schauen wir uns zum Abschluss den Beitrag von Philip Kreißel einmal an.

Bereits in der Überschrift heißt es „Rechtfertigung widerlegt“.
Es ist zumeist nicht so, dass die Überschriften vom Autoren gewählt werden. Hier zeigt sich aber schon das große Problem. Neben „Streitkräfte-Streitkräfte“.

Irgendjemand in den IDF hat in einem Einsatz eine Kamera erkannt. Sie mussten davon ausgehen, dass die Kamera „feindlich“ ist. Und genau so steht es im ersten Ergebnis, den die IDF auf X gepostet haben und der im Beitrag auch zitiert wird.

Allerdings wäre eine „initial inquiry“ keine „ersten Ermittlungen“, sondern eher eine „anfängliche Prüfung“. Denn diejenigen, die das prüfen, haben keine Ahnung, was die Soldaten im Einsatz dort machen. Die müssen erstmal nachfragen, was überhaupt los war.

Das als „Rechtfertigung“ zu bezeichnen, halte ich für schwierig. Es als „widerlegt“ zu bezeichnen zeigt ein völlig falsches Verständnis davon, was dort passiert und zu erwarten wäre.
Das Militär schildert, was aus seiner Sicht passiert ist. Das zu widerlegen wäre Aufgabe eines Gerichtes. Nicht des Militärs in einer ersten Prüfung.
Das ist eine falsche Erwartungshaltung, um die Philip Kreißel den ganzen Beitrag aufgebaut hat.

Sehr häufig hatte ich schon das Argument in den Kommentarspalten, das Militär müsse vorher sicherstellen, dass es der Feind ist, bevor es schießt. Doch das muss es nicht. Und das kann es nicht.
Das ist aber das, was viele Zivilisten, und somit auch viele Journalisten, aus ihrem Rechtsverständnis des Friedens heraus zu denken scheinen. Oder wollen.

Tatsächlich ist ein Gefecht erst einmal ein rechtsfreier Raum. Und verschiedene Verantwortliche - Vorgesetzte, Kommandanten, Kommandeure usw. – tragen die Verantwortung dafür, dass zumindest das Völkerrecht und die eigenen Regularien eingehalten werden. Das ist die große Verantwortung, die jeder Vorgesetzte zu tragen hat. Und für die er sich zu rechtfertigen hat.

Wenn Menschen nun erwarten, dass das im Nachhinein geprüft wird und das Militär im zivilen, friedlichen Rechtsverständnis somit auf der Anklagebank sitzt, ist das völlig verständlich. Und auch richtig und gut so.
Aber die Erwartungshaltung, dass das nun innerhalb weniger Tage untersucht wird und dann eine Art Rechtsgutachten erstellt wird, ist schlicht falsch.

Auch das ist ein Maßstab, der immer wieder an das israelische Militär angelegt wird, aber irgendwie an keinen anderen. Nicht an die Ukraine, nicht an Russland, nicht an die Huthi, nicht an die Hisbollah, nicht an den Irak, nicht an den Libanon, nicht an den Dschihad in Palästina und sicher nicht an die Hamas.

Und genau das ist der blinde Fleck.
In einer völligen Unkenntnis wie Krieg funktioniert, werden Maßstäbe angelegt. Und in diesem speziellen Fall wird eine Erwartungshaltung gegenüber Israel aufgebaut, die bei keiner anderen Streitmacht zu gelten scheinen.

Wie kann den bitte ein Journalist, der von einer fundamentalen Seite eines Problems keine Ahnung hat, einen „Faktencheck“ durchführen? Und dazu dann einfach nur dutzende andere Quellen zusammensuchen und verlinken, die meist ebenso wenig Ahnung haben?
Als Kommentar, als Meinungsbeitrag, wäre das in Ordnung. Aber als „Faktencheck“?

Ich bin mal ganz ehrlich: Ich habe das Gefühl, durch eine Kompetenzlosigkeit, die ich manchmal als „friedensverwahrlost“ bezeichne, bewegt sich die öffentliche Debatte auf dem Niveau einer Massenpsychose. Eine völlige Verzerrung, die der Hamas-Propaganda in die Karten spielt.
Und diejenigen, die dagegen ankämpfen und versuchen Krieg zu erklären, wie Andrew Fox, Torsten Heinrich, Ralf Raths vom Panzermuseum oder auch Ryan McBeth werden von den Medien ignoriert oder als Nationalisten, Rechte, Einseitige oder Kriegsgeile abgefrühstückt. Da setzt man sich lieber Soziologinnen in die Talkrunde oder übernimmt UN-Narrative, die klar auf die Hamas zurückgehen.
Von dem, was auf Social Media abläuft, ganz zu schweigen.

Für einen Faktencheck hätte ich andere Fragen und Antworten erwartet:

  • Warum halten sich „Journalisten“ auf einem Gebäude auf, dass als Kombattanten-Hotspot bekannt ist?

  • Warum halten sich „Journalisten“ in unmittelbarer Nähe zu Rettungsarbeiten auf, die in Reichweite einer aktiven Kampfzone stattfinden?

  • Warum melden Medien weltweit einen Angriff „auf“ ein Krankenhaus, obwohl das Ziel (oft gemäß eigener Berichterstattung) ein anderes war?

  • Wie können die IDF gezielt Journalisten getötet haben, wenn die Getöteten gar nicht als Journalisten zu erkennen waren?

  • Warum melden die IDF die Tötung von sechs Terroristen, die offenbar nicht bei dem Einsatz getötet wurden?

  • Wer führt eine mögliche Untersuchung durch?

  • Gab es einen Luftschlag? Wie lange vor der Zeit bis zu den Panzertreffern? (Hat der israelische Stabschef übrigens befohlen weiter zu untersuchen. Steht auch im zitierten Posting.)

  • Was war der Grund, womöglich ein zweites bzw. drittes Mal auf das Ziel zu feuern? Gab es einen Verantwortlichen, der das autorisiert hat, oder war das eine spontane Handlung in einem Gefecht? (Auch das hat der israelische Stabschef befohlen weiter zu untersuchen. Steht ebenfalls im zitierten Posting.)

  • Wenn es bereits mehrfach Gefechte in und um das Nasser Krankenhaus gegeben hat, warum haben die IDF es nicht besetzt, gesichert und gehalten?

  • Warum wird die Meldung zu einem vergleichsweise kleinen Vorfall von den Medien priorisiert, während Israel 30 Ziele im Jemen bekämpft, die die internationale Schifffahrt bedrohen, und inzwischen die gesamte Führungsriege der Huthi ausgeschaltet hat?

  • Würden die Palästinenser wirklich unabhängige Journalisten im Gazastreifen akzeptieren?

Wirklich, ich mag Euch, Volksverpetzer.
Aber dieser „Faktencheck“ war nix.


Erschienen auf steady,page


Samstag, 30. August 2025

Wie eine kraftvolle Wiederholung des „Pager“-Coup...

Der Schlag, den Israel dem Jemen und den Huthis versetzte, kommt ans Licht Der dramatische Angriff in Sanaa gilt als einer der eindrucksvollsten operativen und nachrichtendienstlichen Erfolge Israels im Jemen. Kampfflugzeuge der Luftwaffe, die nach der Identifizierung des Huthi-Generalstabschefs auf die Freigabe warteten, warfen zehn Ein-Tonnen-Bomben ab und zerstörten das Gebäude mit hochrangigen Regierungsvertretern. 

von Avi Aschkenasi 

Der gestrige (Donnerstag) Angriff im Jemen war ein dramatischer nachrichtendienstlicher und operativer Erfolg, der sogar die „Pager“-Operation im Libanon übertraf. Trotz der großen Distanz zu Israel – über zweitausend Kilometer – kreisten zahlreiche Kampfflugzeuge der Luftwaffe, beladen mit Tonnen von Bomben, und warteten auf das grüne Licht, um die Sitzung der Huthi-Regierung in einem geheimen Gebäude in Sanaa anzugreifen.

Die Maschinen hielten sich zurück, weil der Huthi-Generalstabschef, den Israel bereits vor einigen Monaten während der Operation „Am Kol-Lavi“ zu eliminieren versucht hatte, zu der Sitzung erwartet wurde.


Doch es war unklar, ob er tatsächlich eintreffen würde. Bevor den Piloten der Befehl erteilt wurde, ohne Bombenabwurf umzukehren, fiel die Entscheidung, das Gebäude anzugreifen, in dem sich bereits fast alle Minister der Huthi-Regierung aufhielten – darunter der Innen- und der Verteidigungsminister, die neben dem Generalstabschef als Schlüsselfiguren bei der Führung der militärischen Angelegenheiten im Jemen gelten. Der israelische Nachrichtendienst übermittelte eine Verknüpfung in der Kirya, wonach sich alle für die Ausschaltung vorgesehenen Zielpersonen im Gebäude befanden, und damit begann das Rennen gegen die Zeit. Der Generalstabschef, Generalleutnant Ejal Samir, informierte Verteidigungsminister Israel Katz und Premierminister Benjamin Netanjahu über das rote Telefon. Der Luftwaffenchef, General Tomer Bar, und seine Leute erhielten fortlaufend Updates über den Treibstoffstand der Angriffsflugzeuge und den Zeitpunkt ihres Übergangs vom Wartegebiet zum Angriff auf Sanaa, das tief im bebauten Gebiet des Jemen liegt. Ab dem Moment, in dem der Premierminister die Freigabe für den Angriff gab, gingen die Flugzeuge nacheinander hinein und warfen binnen Sekundenbruchteilen zehn Bomben ab – jede mit einer Tonne Sprengstoff – auf das Gebäude. In der Armee geht man davon aus, dass keiner der Anwesenden in dem Gebäude einen solchen Bombardement überleben konnte. In der Armee heißt es, das Niveau der Aufklärung und die Entschlossenheit der Luftwaffe hätten den Erfolg der Operation ermöglicht. „Die Piloten und die Nachrichtendienstler zeigten Entschlossenheit und Kaltblütigkeit und signalisierten den Kommandeuren, dass sie fest entschlossen sind, auf die Bestätigung des Eintreffens des Huthi-Generalstabschefs im Gebäude zu warten.

Der Erfolg der Operation resultierte aus der Beharrlichkeit von unten, von denen, die gehandelt haben“, sagte ein Militärvertreter, der in die Aktion eingeweiht war.


 

Freitag, 29. August 2025

Iraker wirft 16-Jährige vor den Zug: Das Protokoll einer Vertuschung


Hielt die Polizei Informationen zur Tötung der 16-jährigen Liana K. bewusst zurück?



Der Tod der 16-jährigen Ukrainerin Liana K. im niedersächsischen Friedland ist nicht nur die Geschichte eines grausamen Verbrechens. Es ist auch die Geschichte eines massiven Behördenversagens, das, so legen Recherchen von NIUS nahe, gezielt von den Behörden vertuscht worden sein könnte.

Denn bereits am Tag der Tat hätte der Täter, folgt man den Schilderungen der Polizei, womöglich identifiziert werden können: Als die Beamten an jenem Montagnachmittag am Bahnhof Friedland eintrafen, war der offizielle Grund: ein randalierender Mann. Ein weißes T-Shirt soll er getragen haben und sich in einer Gruppe von drei Personen aufgehalten haben. Dieser habe, so die Polizeimeldung, die Beamten schließlich zu einem grausamen Fund geführt: einem 16-jährigen Mädchen, der 16-jährigen Liana K., die 2022 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen war – und nun regungslos am Bahnsteig lag. Ein Güterzug soll das Mädchen zuvor erfasst haben. Der randalierende Mann, ein 31-jähriger Iraker, bestritt zu dem Zeitpunkt jegliche Tatbeteiligung. Ein freiwilliger Alkoholtest ergab, so berichtet es später Bild, 1,35 Promille im Blut.

Angesichts der vielen Merkwürdigkeiten – ein randalierender betrunkener Asylbewerber nebst eines toten 16-jährigen Mädchens am Bahnhof einer Kleinstadt – waren schon damals Zweifel angebracht. Und das Wording, wonach es sich dabei um einen „Unfall“ gehandelt haben soll, wirkte schon damals höhnisch.

Wurden bewusst Informationen zurückgehalten?

18 Tage später steht fest: Der Mann, der für Unruhe gesorgt hatte, steht im Tatverdacht, der Mörder zu sein. Er kommt aus dem Irak, sein Asylantrag war im Dezember 2022 abgelehnt worden; seine Abschiebung nach Litauen, seit März möglich, wurde nicht durchgeführt. In Deutschland soll er unter mehreren Identitäten und falschem Namen firmiert haben. Es zeichnet sich also ab, dass der Fall erneut ein Schlaglicht auf ein scheiterndes Asylsystem und Behördenversagen werfen wird. Und genau dies könnte ein Grund dafür sein, dass die Behörden den Fall möglicherweise vertuscht, ausgeschwiegen und Informationen von der Öffentlichkeit zurückgehalten haben.

Nach dem Tod der 16-jährigen Liana K. an diesem Bahnhof warnte die Polizei wochenlang vor „Spekulationen“ – die sich im Nachhinein als richtig erwiesen.



Denn: Dass jener Iraker als Tatverdächtiger infrage kam und die Version eines „Unfalls“ von Anfang an fragwürdig erscheint, drängt sich jedem normalen Menschen auf. Und es deckt sich auch mit den Ausführungen der Eltern der verstorbenen Ukrainerin, die von vornherein nicht an einen Unfall glaubten und einen Selbstmord ausschlossen. Auch soll nach Informationen von NIUS bereits wenige Tage nach der Tat eine Mordkommission zumindest offen beraten worden sein, ohne dass die Öffentlichkeit darüber informiert wurde.

Auch NIUS hatte frühzeitig Kenntnis von dem Fall erlangt – durch Zuschriften von Lesern. So liegen unserer Redaktion mehrere Nachrichten vor, die bereits unmittelbar nach dem 11. August die These formuliert hatten, dass Liana K., die 16-Jährige aus dem thüringischen Heiligenstadt, die gerade ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellte absolviert hat, durch Fremdbeteiligung gestorben sein muss.

Was passierte am 14. August im Grenzdurchgangslager, wo Asylbewerber leben?

Zudem wurde NIUS von Quellen vor Ort zugetragen, dass es am 14. August, also drei Tage nach der Tat, zu einer Hausdurchsuchung im Grenzdurchgangslager Friedland gekommen war, wo zumindest einer der Tatverdächtigen gewohnt haben soll. Demnach soll schon damals die Vermutung im Raum gestanden haben, dass das Mädchen auf dem Weg zum Bahnhof von einer Gruppe Migranten angesprochen und bedrängt worden sei. Am Bahnhof soll die Situation eskaliert sein, das Mädchen wurde schließlich vor den einfahrenden Güterzug geschubst.

Die Durchsuchung soll damals, so Personen, die von den Vorgängen Kenntnis haben, auf Grundlage von Videoaufnahmen des Bahnhofs zustande gekommen sein und zur zwischenzeitlichen Verhaftung eines Mannes geführt haben. Und es drängt sich der Verdacht auf: Verfolgte die Polizei hier von Anfang an das Ziel, die Tat in der Öffentlichkeit kleinzuhalten? Oder durch die Darstellung des Tötungsdelikts als Unfall öffentlichen Druck von den Ermittlungen zu nehmen?

Die Polizei warnte vor dem Wording eines „Unfalls“, obwohl es zahlreiche Schilderungen gab, wonach es ein Fremdverschulden gegeben haben muss.



NIUS wollte Auskunft und fragte am 15. August die Polizei Göttingen zum Sachverhalt an. Dreimal rief die Redaktion bei der Pressestelle an, die jede Auskunft verweigerte und darauf verwies, dass die Pressestelle nicht besetzt sei, man betraute Kollegen zu erreichen versuche und zu dem Sachverhalt nichts sagen könne. Schließlich verwies man am Freitagnachmittag darauf, dass man nichts Genaues sagen könne und die Redaktion sich bitte mit einer schriftlichen Anfrage an die Polizei wenden sollte.

Diese wurde am Montag, 18. August, auf vielsagende Art und Weise beantwortet. „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen gehen wir im Zusammenhang mit dem Vorfall am Bahnhof Friedland vom 11.08.2025 weiterhin von einem tragischen Unglück aus. Zum Zwecke der Rekonstruktion des Geschehens wird in alle Richtungen ermittelt“, hieß es. „Spekulationen über strafprozessuale Maßnahmen gegen konkrete Tatverdächtige entstammen den sozialen Medien und entbehren jeder Grundlage.“

Die Korrespondenz zwischen NIUS und der Polizeidienststelle.



In diesem Zusammenhang sei auch „fälschlicherweise“ ein Bezug zum nahegelegenen Grenzdurchgangslager Friedland hergestellt worden. „Richtig ist, dass die Polizei dort lediglich im Rahmen eines Rettungsdiensteinsatzes unterstützend tätig wurde und es weder Festnahmen noch Razzien gab.“ Zum Ende der Email teilte man mit: „Gestatten Sie mir abschließend den Hinweis, dass die Pressestelle der Polizeiinspektion Göttingen in den Abendstunden sowie an Wochenenden nicht besetzt ist.“

Nach Informationen von NIUS ist diese Darstellung schon deshalb grob irreführend, weil es schon kurz nach Tat zu einem Einsatz im besagten Flüchtlingslager gekommen war, weil der damalige Zeuge (der sich im Nachhinein als Täter herausstellte) randaliert haben und psychische Auffälligkeiten gezeigt haben soll. Dies berichtet auch der NDR. Es wäre also die Pflicht der Polizei gewesen, mitzuteilen, dass eben jener Mann, der am Bahnhof die Polizei zur Leiche des Mädchens geführt hatte, wenig später für Unruhe in seiner Unterkunft gesorgt hatte.

Diese Kommunikationsstrategie, die wie Verschleierung wirkt und sich im Rückblick als Desinformation herausstellen sollte, reiht sich ein in ein mehr als unglückliches Auftreten der Polizei: So warnte die Polizei in dem Zeitraum zwischen 11. August und der heutigen Festnahme des 31-jährigen Irakers mehrfach davor, Falschnachrichten auf sozialen Medien zu verbreiten oder über den Sachverhalt zu spekulieren. Noch am heutigen Freitag teilte die Polizei mit, sie halte sich rechtliche Schritte vor, wie sie dem NDR mitteilte. „Die strafrechtliche Relevanz werde demnach im Einzelfall geprüft, bei Bedarf werde man Beweise sichern und Plattformbetreiber auffordern, den Beitrag zu löschen“, heißt es. Wenige Stunden später sollte der Asylbewerber festgenommen werden, der in eben jenen sozialen Medien bereits vorher verdächtigt wurde.


Ausgerechnet die AfD Eichsfeld sollte in dem Fall Recht behalten: Diese hatte am 25. August auf Bitten der Eltern ein Bild der 16-jährigen Ukrainerin veröffentlicht – und Zweifel an der Version der Polizei angemeldet. Die Eltern, so der Kreisverband Eichsfeld, „sind überzeugt: Es war kein Unglück und es war auch kein Selbstmord“, heißt es in dem Beitrag. Liana sei ein „lebensfrohes Mädchen voller Hoffnung“ gewesen. Die Partei, Lianas Eltern und User auf sozialen Medien: Sie sollten allesamt Recht behalten. Dringend tatverdächtig gilt seit Freitag ein 31-Asylbewerber aus dem Irak, also genau der Mann, den die Polizei am Bahnhof Friedland angetroffen hatte und seit drei Jahren in Deutschland lebt und nicht abgeschoben werden kann. Die Ermittler fanden an der rechten Schulter der Teenagerin eindeutige DNA-Spuren, die sie zum Tatverdächtigen führten.

NIUS stellte erneut eine Anfrage an die Polizei zu diesem schrecklichen Mord. Mit einer Antwort wird vor Montag vermutlich nicht zu rechnen sein.



 

 

Die Wahrheit über das „Jobwunder“ der Flüchtlinge

von Olli Garch

Schöner PR-Schein kann nicht über bittere Realitäten hinwegtäuschen



Angesichts des zehnten Jahrestages von Angela Merkels Grenzöffnung für die ganze Welt versucht die Mainstream-Journaille wieder einmal, die katastrophalen Folgen zu unterschlagen und verbreitet Jubelmeldungen über die vermeintlichen Integrationserfolge der Migranten, die mehrheitlich in Lohn und Brot stünden. Diese Narrativfestigung erfolgt zeitgleich mit einem offensichtlich konzertierten Propagandafeldzug der Linksmedien, der zum Ziel hat, den Zusammenhang zwischen Gewalt und Migration zu leugnen und ins Reich der “gefühlten” Fehlwahrnehmungen und Legende zu rücken; die Dunja-Hayali-Realsatire zum Thema von vergangener Woche markierte hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich belegt die Kriminalstatistik zweifelsfrei die medial bestrittene Korrelation, dass Zuwanderung – jedenfalls die Art von Zuwanderung, die sich Deutschland leistet – eindeutig zu mehr Kriminalität führt, während sich hingegen die medial (etwa von der “Tagesschau”) lautstark verbreitete Behauptung, das die meisten Geflüchteten von 2015 hätten mittlerweile einen Job, als Märchen und statistisches Artefakt.

Denn die Bezeichnung “Job“ ist hier grotesk weit gefasst und beinhaltet auch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Aufstockung der Sozialhilfe und Teil- und Minderbeschäftigungen. Um den statistischen Status “erwerbstätig” zu erlangen, genügt theoretisch eine Arbeitleistung von nur einer Stunde pro Woche. Hinzu kommen die üblichen Tricks: Teilnehmer von Umschulungsmaßnahmen fallen ebenso unter die “Beschäftigten”. Es handelt sich um eine Volksverdummung, mit der die Politik das wahre Ausmaß der Problem- und Elendsmigration nach Deutschland kaschieren will. Statt die Wahrheit zu benennen und die Euphorie angebrachterweise zu bremsen, stimmt das frühere deutsche Nachrichtenmagazin und heutige Agendablättchen “Der Spiegel“ in den faulen Jubel mit ein: „Sie haben es geschafft!“.

Ideologische Gefälligkeitsstudien

Grundlage der verzerrte Darstellung sind vor allem die typischen ideologische Gefälligkeitsstudien, vor allem ein aktueller Bericht des des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Darin heißt es, “64 Prozent” der Menschen, die 2015 nach Deutschland gekommen und im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren – also erwerbsfähig – seien, gingen einer „abhängigen Beschäftigung“ nach. Das seien beinahe so viele wie der deutsche Bundesdurchschnitt, der 70 Prozent beträgt. 57,7 Prozent der Migranten seien gar sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Spätestens hier wird der informierte Leser stutzig – zum Beispiel wegen der die sich aufdrängenden Frage, wie bei einer solchen Sozialversicherungsquote dann eigentlich die Mehrheit der Bürgergeldempfänger Nichtdeutsche sein können, obwohl Nichtdeutsche nur ein Siebtel der hiesigen Bevölkerung stellen?

Schon hier wird der Schwindel klar: Wie viele Vollzeit- oder auch nur Teilzeitbeschäftigte unter den “arbeitenden Geflüchteten” sind, geht aus der IAB-Analyse natürlich nicht hervor. Dort heißt es nur, 76 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen, die 2015 nach Deutschland kamen, seien “in Arbeit”. Immerhin wird eingeräumt, dass die “Beschäftigungsquote” dieser Gruppe – selbst nach den abenteuerlich großzügig ausgelegten Begriffsmaßstäben – nach drei Jahren bei nur 30 Prozent und selbst nach fünf Jahren nur bei 40 Prozent lag. Und auch die IAB gibt zu, dass nach wie vor 34 Prozent der Migranten von 2015 Sozialhilfe, während die Quote bundesdeutschen Durchschnitt bei 8,2 Prozent und unter Deutschen bei 5,2 Prozent liegt.

Geschönte Statistiken pünktlich zu Merkels “Jubiläum”

Die Zuwanderer von 2015, die unabhängig vom Wochenstundenpensum tatsächlich arbeiten, tun dies laut der IAB-Studie vor allem in Logistik-, Handels- und Fertigungsberufen, wo der Brutto-Durchschnittslohn bei Vollzeitbeschäftigten rund 2.675 beträgt – fast ein Drittel unter dem deutschen Durchschnittslohn. “Fachkräfte” sehen anders aus. Offiziell jeder sechste von ihnen erhält ergänzende Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, kann von seinem Lohn also nicht leben. Nicht einmal die beschönigenden und irreführend optimistischen IAB-Zahlen geben also die mediale Euphorie her, mit der der Großen Deutschlandzerstörerin Merkel dieser Tage gehuldigt wird.

Die bittere Wahrheit: Genau wie befürchtet wurde hier unterm Strich rein gar nichts “geschafft”, die Migration ist ein Multi-Milliarden-Defizit und eine Hypothek für dieses Land in jeder erdenklichen Hinsicht. Nur durch völlig unverhältnismäßige staatliche Anstrengungen gelingt es überhaupt, geeignete Migranten wenigstens im Niedriglohnsektor unterzubringen bringen und dort einigermaßen Fuß fassen zu lassen. Und selbst das ist meist zum Scheitern verdammt; resigniert berichten Unternehmer, dass im Schnitt 14 von 20 Flüchtlingen den vom Staat geförderten Job wieder hinschmeißen.

Methodische Mängel

Der IAB-Bericht weist überdies methodische Mängel aus: So wurde für die Studie nur eine vergleichsweise winzige Gruppe von 3.902 Personen herangezogen, die an der Befragung teilnahm. Es handelt sich also bestenfalls um eine (nicht einmal repräsentative) Umfrage, weniger um eine hintergründige wissenschaftliche Arbeit. Außerdem werden darin völlig die gesamtgesellschaftlichen Folgen der Massenmigration ausgeklammert und auch nur die Migranten von 2015 untersucht – und selbst das nur auf Grundlage einer kaum aussagekräftigen Stichprobe von weniger als 4.000 Menschen. Das Ganze diente erkennbar dazu, zum zehnten Jubiläum von Merkels „Wir schaffen das“ einige oberflächliche Erfolgsmeldungen zu liefern, die dann über die Medien verbreitet werden können.

Die nackten Tatsachen sind wesentlich ernüchternder. Laut “Mediendienst Integration” lag die Beschäftigungsquote bei allen Migranten aus allen Asylherkunftsländern Ende 2024 bei 45,9 Prozent – auch hier wohlgemerkt ohne Angaben über den Umfang der Beschäftigung – und die SGB-II-Quote bei 43,8 Prozent. Ein Blick auf die Zahl und Herkunft der Bürgergeldempfänger zeigt, dass ca. 705.000 aus der Ukraine, ca. 512.000 aus Syrien, ca. 201.000 aus Afghanistan, rund 192.000 aus der Türkei, rund 112.000 aus den Westbalkan-Staaten, etwa 108.000 aus Bulgarien und rund 101.000 aus dem Irak kommen. Dies sind die wahren Zahlen, die belegen, dass die seit zehn Jahren anhaltende Massenmigration ein einziges Desaster ist – nicht nur finanziell, sondern auch kulturell und gesellschaftlich. Die hässliche Realität springt inzwischen auch jedem außerhalb der politmedialen Elfenbeintürme ins Auge, der die kognitive Dissonanz zwischen Alltag und Verheißung durchschaut hat.


Eine Erfolgsgeschichte: Ehemaliger Flüchtlinge Murat S. arbeitet heute im Universitäts-Klinikum in Freiburg als Chefarzt der Kardiologie



Auch Mohamed A. hat es geschafft. Er entwickelt heute Solaranlagen und bringt so die Energiewende voran.



Rajesh Koothrappali hat es nicht ganz so gut getroffen. Er arbeitet heute als 
staatlich geprüfter Abschmecker in einer Kläranlage in Nordrhein-Westfalen...



Deutsche Presseschau

von Rocco Burggraf

Gestern bei Lanz: Graumelierter Schwätzer zwischen Plaudermaster und Groupie Amann



Hamburg: Da saß der George Clooney der Bundespolitik gestern beim quotenträchtigen Stiefeletten-Lanz und vertraute wie immer auf seine spontane Eloquenz; ein mysteriöses “Charisma”, das ihm sein Gegenüber unter beifälligem Nicken der versammelten, feuchtschlüprigen Row Zero des Hauptstadtjournalismus aus unerfindlichen Gründen über Jahre hinweg attestiert hatte. Dass da nun beim – hoffentlich vorerst letzten – Auftritt nichts außer der sattsam bekannten, salbadernden Larmoyanz mit Fremdschämfaktor zu sehen sein würde, war jedem klar, der seine Sinne noch halbwegs beisammen hat. Es götterdämmert jetzt aber offensichtlich auch dem gründurchwucherten Mainstream, der heute Morgen sichtlich Mühe hat, sein Entsetzen über den nackten Kaiser mit dem frischem “Lehrauftrag in Berkeley” so in den Leitartikeln zu verpacken, dass die eigene Borniertheit nicht allzu deutlich wird.

Man reibt sich die Augen: “Stern”, “Zeit”, “Spiegel” und “Frankfurter Allgemeine” überbieten sich mit Distanzierungen zum sinistren Schwätzer und Hochstapler. Einem Typen, der soeben noch als „Person des politischen Lebens“ (der korrekten juristischen Bezeichnung für ‚Ihre Majestät” also) nahezu inhaltsgleiche Bewertungen in sozialen Netzwerken mit Gefängnisstrafen und satten Strafbefehlen sanktionieren ließ. Erich vom Verfassungsschutz der DDR hatte zu seiner öffentlichen Verabschiedung anno 89 immerhin noch Liebesbekundungen für „alle Menschen“ auf den Lippen; der nun vom Wind of Change verwehte, zutiefst beleidigte Robert mit der milliardenschweren ökonomischen Schleifspur und Millionen Opfern seines „politischen Angebots“ brachte nicht mal das zustande.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Dresden: Durch die Gazetten geistert die aufgeschlitzte Nase von John Rudat. Man fragt sich mit der sinnbildlichen Faust im Cortex, warum nach zehn Jahren des grassierenden Gewaltimports ausgerechnet ein Amerikaner kommen musste, um eine der inzwischen 35.000 Messerattentate pro deutschem Jahr ins Licht der medialen in- und ausländischen Medien zu hieven, und nun sogar ein reflexartig erstmal auf freien Fuß gesetzter Beteiligter auf diplomatischen Druck hin doch noch in Untersuchunshaft landete. Die Antwort dürfte nicht jedem klar sein. Neben der Tatsache, dass in den USA der explodierenden migrantischen Gewalt jetzt entschlossen begegnet wird, und sich amerikanische Staatsbürger der Aufmerksamkeit ihrer gewählten Vertreter überall auf der Welt gewiss sein können, ist Rudat schlicht das perfekte Opfer: Er ist fotogen. Er kann sich gewählt ausdrücken. Er hat sich schützend vor eine Frau gestellt.

Diese Story hat ungleich mehr Potential, als wenn eine x-beliebige Kartoffel „mit Männern in Streit gerät“ und irgendwo zusammenbricht. Beispielsweise blutend in Ludwigshafen. Kennt jemand heute noch irgendjemand den Namen des Zwanzigjährigen, der dort 2022 während einer Zufallsbegegnung mit einem Somalier erst seinen Arm und schließlich sein Leben verlor? Oder den seines Begleiters, dem es nicht besser erging? Auch er starb, weil die traumatisierte Fachkraft mit ihrem Trennungsschmerz einfach nicht wusste, wohin. Seine Freundin hatte ihn wohl verlassen. Die völlig unbeteiligten Opfer waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Natürlich befand sich der in Ludwigshafen wütende Täter, wie die meisten solcher sichtlich unzureichend integrierten Bereicherer, in einer festgestellten psychischen Sondersituation und wurde vom Gericht darum später freigesprochen. Die Tat jedenfalls fand damals außerhalb der sozialen Netzwerke kaum Beachtung. Die Opfer hatten ganz einfach den falschen Pass.

Die Lösung: Entzug des passiven Wahlrechts

Ludwigshafen: Nicht zuletzt aus oben illustrierten Gründen befindet sich Ludwigshafen auf dem besten Weg, zu einer weiteren AfD-Hochburg im Westen zu werden. Es drohte kürzlich sogar ein Oberbürgermeister der Schwefelpartei, doch die amtierende SPD-nahe Bürgermeisterin fand mit Hilfe eines SPD-geführten Innenministeriums und dem unterstellten Verfassungsschutz einen Weg, den Konkurrenzkandidaten kurzerhand in einem einfachen Verwaltungsakt das passive Wahlrecht zu entziehen. Nicht, dass der unzurechnungsfähige Pöbel draußen an der Urne noch auf falsche Gedanken kommt! Der Sündenfall des Wählers war damit präventiv vom Tisch. Auch die angerufenen Richter mochten da nicht widersprechen – und flüchteten sich in den Paragraphendschungel.

Inzwischen hat nach aktuellen Meldungen mit Minden eine weitere ermutigte Stadt nachgezogen: Auch hier saß die aus schlechten Gründen auf 13 Prozent abgerutschte SPD an den Schalthebeln – dieselbe SPD, die ihrem Koalitionspartner CDU mit Uli Grötsch einen Bundes-Polizeibeaufragten aus den eigenen Reihen mit umfassenden Durchgriffsbefugnissen aufzwang.

Meldestellen des Orwell’schen Netzwerks

Der Gewaltentrennungs-Fan Uli hat sich – sicherlich nur ein Zufall – in der Vergangenheit schon mehrfach deutlich dafür ausgesprochen, AfD-nahe Polizeibeamte vom Dienst auszuschließen. Woher er wissen will, welcher Polizist zu welcher Partei gehört, ist schwer zu sagen; bekannt ist das nicht. Aber man ahnt schon, wie es klappen könnte: Es helfen sicher die SPD-Verfassungsschützer, die SPD-nahen Nichtregierungsfreunde und die unzähligen sozial-grün-demokratisch finanzierten Meldestellen des Orwell’schen Netzwerks.

Die SPD war es übrigens auch, die in Gestalt ihrer Ministerin Faeser bekanntlich am letzten Tag ihrer Amtszeit stümperhaft zusammenzimmerte rechtliche “Grundlagen” vorlegen ließ, auf deren Basis jetzt die stärkste politische Kraft Deutschlands fast flächendeckend bespitzelt, unterwandert und verboten werden soll. Dieselbe SPD, die auf Biegen und Brechen versucht, einen AfD-Verbotsbefürworter nach dem anderen im Verfassungsgericht zu platzieren, was im Erfolgsfall ein Daueranrecht eines linksgrünen Parteienkartells auf die Macht im Land sichern würde. Frau Reichinnek hat bereits dringendes Interesse angemeldet. Wie heißt das – unter dem angehenden Sozialdemokraten Merz nun voraussichtlich noch um zehn Prozent aufgestockte – Bundesprogramm der allgemeinen Gleichbehandlungsförderung doch gleich? Richtig: „Demokratie leben!“


Dienstag, 26. August 2025

Angriff auf den Iran - Eine famose Operation

Der israelische Angriff auf den Iran gehört schon jetzt zu den Annalen der Nahost-Geschichte. Bei allem Erfolg hat sich eine Hoffnung der Israelis noch nicht erfüllt.

von Daniel Frick

Israelische F15-Kampfjets fliegen über dem Iran



In der Nacht zum 13. Juni begann die israelische Luftwaffe den bislang wagemutigsten Einsatz in ihrer Geschichte. Mehr als 200 Kampfflugzeuge flogen die mehr als 1.500 Kilometer in den Iran, um dort die Atomanlagen des Mullah-­Regimes zu zerstören. Ein Schlag, den viele Militär­experten für unmöglich gehalten hatten.

Die vierstündige Offensive war der Auftakt zu einer Operation, die zwölf Tage, bis zum 24. Juni, andauern sollte. Das Resultat: Das Atomprogramm des Iran wurde durch die Zerstörung oder Beschädigung der Anlagen und die Tötung mehrerer Atomwissenschaftler um Jahre zurückgeworfen. Israel schaltete zudem Führungsfiguren des iranischen Militärs aus, darunter den Armeechef und den Chef der Revolutionsgarde, und dezimierte die Luftabwehr des Landes. Der jüdische Staat hat damit seine Abschreckung erhöht, der Iran steht gedemütigt da.

Nach Auffassung der Regierung in Jerusalem hätte der Iran binnen eines Jahres über eine Atombombe verfügt. Besonders nach dem Zusammenbruch der iranischen Achse habe die Revolutionsgarde den Bau vorangetrieben, äußerte der israelische Premier Benjamin Netanjahu Mitte Juli im amerikanischen Fernsehen. Hinzu kommt der Ausbau des Raketenprogramms, mit dem der Iran nicht nur Israel, sondern auch Europa bedrohen kann.

Biblische Ausmaße

Bei historischen Ereignissen ist schnell die Rede von „biblischen Ausmaßen“ – selten ist so eine Zuschreibung passender als hier. Schon der Name der Operation, „Volk wie ein Löwe“, ist aus der Bibel abgeleitet. Der Seher Bileam sagte demnach über die Israeliten: „Siehe, das Volk wird aufstehen wie ein junger Löwe und wird sich erheben wie ein Löwe; es wird sich nicht legen, bis es den Raub verzehrt und das Blut der Erschlagenen trinkt“ (4. Mose 23,24).

Inspiration aus der Bibel schöpfte auch ein israelischer Kampfpilot. Nach seinem Einsatz schilderte er, was er während des zweistündigen Fluges in den Iran gedacht habe. Er sagte, zwischen den anfallenden Routineaufgaben habe er immerzu an die persische Königin Ester gedacht. Laut biblischer Überlieferung nahm sie das Todeswagnis auf sich, ungerufen beim König vorzusprechen, um ihre jüdischen Volksgenossen vor der Vernichtung zu bewahren.

Ihr Onkel Mordechai hatte ihr zuvor gesagt: „Wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“ (Ester 4,14).

Der Pilot erklärte, die Worte Mordechais hätten ihm Mut gegeben. Ihm sei klar geworden: „Ich fliege nicht für mich selbst, sondern durch die Kraft und im Namen meiner Familie, meiner Gemeinschaft, meines Volkes, und für Generationen, die sich nach diesen Augenblicken gesehnt haben, in denen das Buch Ester in unseren Tagen neu geschrieben wird. Ein nationaler, historischer Moment von biblischen Ausmaßen.“

Logistischer Aufwand

Von ebensolchen Ausmaßen waren auch die Vorbereitungen darauf. Bereits im Jahr 2008 übte die Luftwaffe unter dem Namen „Glorreicher Spartaner“ zusammen mit ihrem griechischen Gegenstück die Betankung von Flugzeugen, und seither immer wieder. Israel selbst ist zu klein, um dort so eine Übung durchzuführen.

In den Monaten vor der Operation musste Israel die Tüchtigkeit der Luftwaffe sicherstellen. Es kam zu unangekündigten Inspektionen. Für die bereits alternde Flotte von F-15- und F-16-Kampfjets mussten Ersatzteile her, die längst nicht mehr hergestellt werden. Zum Teil fragten die Israelis bei befreundeten Ländern mit falschen Begründungen um Lieferungen an, teilweise kam der 3D-Drucker zum Einsatz.

Die USA waren besonders hilfreich, wie Armeevertreter im Rückblick betonten. Die Luftwaffe erhielt binnen eines Jahres Munition aus Amerika in einer Menge, die üblicherweise über ein Jahrzehnt zur Verfügung gestellt wird. „Im Grunde führten wir zwei Fünf-Jahres-Pläne zur Aufrüstung in weniger als einem Jahr aus“, sagten israelische Militärs. Der Chef der amerikanischen Streitkräfte, Dan Caine, war dabei so kooperativ, dass es selbst die Israelis überraschte. US-Präsident Donald Trump hatte den 56-Jährigen im Februar aus dem Ruhestand geholt. Auch der Befehlshaber des amerikanischen Nahost-­Kommandos (CENTCOM), Michael Kurilla, hat nach Angaben der Israelis erhebliche Beiträge zu der operativen Zusammenarbeit geleistet.

Präziser Schlag: In der Nacht zum 13. Juni griff die Luftwaffe Ziele im Iran an – darunter hochrangige Militärs und Atomwissenschaftler



Listiges Vorgehen

Neben diesen Vorbereitungen bedienten sich Israel und die USA einer Reihe von Täuschungsmanövern, um die iranische Führung vom bevorstehenden Angriff abzulenken. Die finale Entscheidung traf Netanjahu Berichten zufolge am 9. Juni, dem Montag vor dem Angriff in der Nacht zum Freitag. Er ließ zunächst die Öffentlichkeit wissen, dass er für das kommende Wochenende freinehmen werde, da am Montag die Hochzeit seines Sohnes Avner anstehe. Auch in der Familie wusste niemand, dass Netanjahu die Absage der Hochzeit plante.

Tags darauf ließ die US-Regierung die Welt wissen, dass Trump Netanjahu in einem Telefonat angewiesen habe, kein Wort mehr über einen Angriff auf den Iran zu verlieren. Die Iraner sollten glauben, dass Uneinigkeit zwischen Netanjahu und Trump bestehe. Hinzu kommt, dass für das Wochenende die sechste Verhandlungsrunde zum Atomprogramm in Rom vorgesehen war. Noch wenige Stunden vor dem Eröffnungsschlag verkündete Trump, an einer diplomatischen Lösung interessiert zu sein.

Die List war erfolgreich: Das Regime in Teheran rechnete nicht mit einem Angriff. Hochrangige Militärs schliefen in ihren Wohnungen und wurden damit ein leichtes Ziel für die Angriffe. Israel nutzte sein bereits seit den 1990er Jahren errichtetes Spionage- und Infiltrationsnetzwerk. Damit war es dem Auslandsgeheimdienst Mossad gelungen, im Iran eine geheime Drohnenbasis aufzubauen, die am 13. Juni aktiviert wurde und die Luftabwehr des Landes entscheidend beeinträchtigte.

Die Operation lief in der Folge besser als gedacht: Entgegen der Befürchtungen verlor Israel keinen einzigen Piloten. In Israel starben ein Soldat außer Dienst und 29 Zivilisten, darunter vier Mitglieder einer ukrainischen Familie; Sicherheitskreise hatten mit bis zu 1.400 Todesopfern gerechnet. Neben den USA halfen Frankreich, Großbritannien, Jordanien und – inoffiziell – Saudi-Arabien bei der Abwehr der nach offiziellen Angaben 550 Raketen und mehr als tausend Drohnen, die der Iran bei Gegenschlägen, meist des Nachts, in Richtung Israel feuerte. Für die Israelis bedeutete dies psychische Belastung und Schlafmangel.

Foto: Bei iranischen Gegenschlägen kamen in Israel 30 Menschen ums Leben – das Bild zeigt die Verwüstung nach einem Einschlag in einem Wohnhaus in Bat Jam



Atomprogramm zurückgeworfen

Über die Resultate der Operation gab es zunächst unterschiedliche Bewertungen. Mit der Zeit kristallisierte sich jedoch heraus, dass die nuklearen Anreicherungs- und Verwertungsanlagen erhebliche Schäden davongetragen haben. So sei die Anreicherungsanlage Natanz vollkommen zerstört, die Anlage in Fordo stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Schäden in Fordo waren indes nur durch den Einsatz der USA möglich. Bei der „Operation Mitternachtshammer“ flogen am 22. Juni sieben B-2-Bomber von den USA in Richtung Iran und setzten dort 14 bunkerbrechende Bomben gegen die unterirdische Anlage ein, zudem beteiligte sich ein US-U-Boot vor der Küste des Irans an den Angriffen.

Die USA zerstörten auch eine Anlage in Isfahan, die zur weiteren Produktionskette gehört. Die Umwandlung von angereichertem Uran in Metall zählt zu den Schlüsselschritten beim Bau einer Bombe. Der Leiter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, bestätigte die Zerstörung in einer Anhörung im Senat am 26. Juni.

Die Beteiligung der USA an der Operation gegen den Iran dürfte indes nicht völlig uneigennützig sein. Die zur Schau gestellte Entschiedenheit der USA hat vermutlich auch Eindruck auf China gemacht. Die USA sehen China als politischen, wirtschaftlichen und militärischen Hauptrivalen.

Unvollendete Operation

Eine von Israel gewünschte Entwicklung ist bislang jedoch ausgeblieben: Der Sturz des Regimes. Mitunter beteuerte die Regierung zwar, dass dies nicht ihr Ziel gewesen sei. Doch der persische Social-­Media-Kanal des Außenministeriums war unmissverständlich: Am 17. Juni postete das Team eine iranische Flagge, auf der der goldene Löwe – das traditionelle ­iranische Nationalemblem – das Emblem des islamistischen Regimes zertritt. „Die Erhebung der Löwen für den Triumph des Lichtes über die Finsternis“, hieß es dazu – womit auch klar ist, dass der Name „Volk wie ein Löwe“ nicht nur die Israelis, sondern auch die Iraner meinen soll.

Seit der islamistischen Revolution von 1979 – zu deren 40. Jahrestag im Jahr 2019 übrigens Bundespräsident Frank-­Walter Steinmeier dem Regime herzlich ­gratulierte – droht der Iran mit der Vernichtung Israels, des „kleinen Satans“ neben den USA, dem „großen Satan“. Dieser Umstand hatte die Völkerrechtsexperten, die die Legitimität des israelischen Angriffs lautstark in Frage stellten, zuvor nicht auf den Plan gerufen.

Fest steht: Solange das Regime besteht, wird es weiter gegen den jüdischen Staat agieren. Doch vorerst darf sich Israel die Hoffnung machen, dass der Iran weiter an Einfluss verliert. Länder wie der Libanon und Syrien könnten die Lage nutzen, die Bande zum Iran zu kappen. Beide Seiten haben bereits Andeutungen gemacht, offen für einen Frieden mit Israel zu sein. Auch wenn bei Syrien noch Skepsis angebracht ist: Durch einen geschwächten Iran ist die Gelegenheit größer denn je.


Wie das „Klimacamp“ versuchte, Frankfurt judenrein zu machen

von Julian Marius Plutz

Stein des Anstoßes: Gedenkplakat für die von der Hamas festgehaltenen Geiseln



Die Verfolgung der Juden in Frankfurt am Main begann unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazis. Bereits wenige Monate später setzte die NSDAP den Boykott jüdischer Geschäfte, Anwaltskanzleien und Arztpraxen durch und tauschte die vertriebenen und enteigneten jüdischen Kaufleute, Mediziner oder Juristen durch eingesetzte Günstlinge und Schergen von SA und SS aus. Es markierte in der Mainmetropole den Beginn der systematischen Ausgrenzung, die die Nürnberger Gesetze von 1935 dann noch weiter verschärften und die am Ende ihren mörderischen Höhepunkt in den Konzentrationslagern fand. In Frankfurt entschied man sich zunächst für sogenannte „Judenhäuser“, in denen man Juden nach den Novemberpogromen internierte, um sie dann in Richtung der Vernichtungslager zu deportieren.

Einige dieser „Judenhäuser“ fanden sich auch im Frankfurter Westend, genauer gesagt in der Bockenheimer Landstraße. Es ist just der Stadtteil, der in diesen Tagen erneut in den Schlagzeilen geraten ist, weil dort ein sogenanntes “Klimacamp” seine wortwörtlichen Zelte aufgeschlagen hat – offenkundig nahtlos an die Geschichte ihrer Großväter und Urgroßväter von 1933 anknüpft. Die Rede ist vom ISR (“System Change Camp”), eine selbstorganisiertes Zeltlager, das vom 14. bis 26. August 2025 im Grüneburgpark in Frankfurt am Main, Westend, stattfindet. Es dient laut den Veranstaltern als Plattform für “Bildung, Austausch und Vernetzung der Klimabewegung” mit dem vergeblichen Ziel, eine sogenannte “sozial-ökologische Transformation” zu fördern. Das Motto spricht Bände: „Geschichte ist machbar – System Change auch“. Wenn man so will, nahmen die Beteiligten das Motto bislang auch beim Wort.

„Wir wollen doch nur das Lager sehen!“

Am vorgestrigen Samstag wurden im nämlich mitten im Frankfurter Grüneburgpark drei jüdische Aktivisten, darunter Sacha Stawski, mit roter Farbe attackiert, als sie Plakate mit Bildern von Hamas-Geiseln an Bauzäunen anbrachten. Der Angriff erfolgte durch Teilnehmer des Camps, die zuvor die Aktivisten als „Mörder“ beschimpft und bedrängt hatten. In den Tagen vor dem Vorfall wurden wiederholt Plakate, die an die von der Hamas entführten Geiseln erinnern sollten, mutmaßlich von einem Frankfurter Studenten abgerissen. Das muss wohl die „Geschichte“ gewesen sein, die hier „machbar“ gemacht werden soll. Mit Erfolg: Bis zuletzt hingen keine Plakate mehr, um auf die Geiseln, die immer noch in den Tunneln der Hamas, sofern sie überhaupt noch leben, festgehalten werden, hinzuweisen.

Bei einer „Lagerführung“ durch das Camp stellten Teilnehmer der Begehung kritische Fragen bezüglich der Vorfälle am Tag zuvor. Doch statt einer Diskussion bügelte der Führer, der sich als „Biene“ vorstellte, die Diskussion ab: Es wären nur Einzelpersonen gewesen, die sich von den aufgehängten Plakaten “provoziert” gefühlt hätten. Man muss sich das einmal vorstellen: Vor der lokalen Gegenwart eines geschichtsträchtigen Ortes, an dem Juden konzentriert festgehalten wurden, um sie in gleichnamige Lager zu deportieren, lassen es Klimabewegte allenfalls bedingt zu und wollen im Prinzip gar nicht, dass Juden (einer der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt war bei der Begehung sogar persönlich zugegen!) in die Diskussion gehen. „Wir wollen hier das Lager sehen!“, empörte sich eine ältere Dame, ehe die Diskussion beendet wurde, als sie erst begonnen hatte.

Eindeutige Parolen an der “Zeltstadt des Klimawiderstands“



Das “Klimacamp” in Frankfurt markiert einen weiteren Tiefpunkt einer grünen Bewegung, die durchsetzt ist mit judenfeindlichen Narrativen. Ihre Mitstreiter agieren methodisch nicht anders als ihre geistigen Ahnen. Das alles geschieht in einem beliebten Park im Frankfurter Westend, der für mehrere Tage herhalten musste, damit dedizierte Judenfeinde ihre braun-grüne Propaganda verbreiten durften. Unweit des Camps befindet sich die Jüdische Volkshochschule, neben der – wie bei vielen anderen jüdischen Einrichtungen – eine 24-Stunden-Polizeistation für den Erhalt der Bildungsstätte sorgen muss. Vielleicht würde es den Klimaspinnern ja guttun, statt ihr Camp mit feindseligen Aktionen judenrein zu machen, einmal den simplen Banner zu lesen, der die Pforten der dortigen Schule schmückt: „Bring them home now“. Dieses Motto sollte eigentlich der Minimalkonsens eines jeden Menschen sein, der behauptet, das Herz an der richtigen Stelle zu haben.

Was hier bleibt, ist mehr als nur ein fader Beigeschmack. Es ist eher die neuerliche Bestätigung eines Gefühls, dass es vielen Menschen widerstrebt und sie gar nicht in die Lage gebracht werden möchten, aus der Geschichte Rückschlüsse in die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. So etwas wie “Judenhäuser” in der Bockenheimer Landstraße und an anderen Orten in Frankfurt wird es vermutlich nicht mehr geben – doch die Verunmöglichung jüdischen Lebens, getarnt als „Solidarität mit Gaza“ und „Israelkritik“, hat längst den Mainstream und das vermaledeite Juste Milieu erreicht. Die SA von heute scheint grün zu sein, und die neue SS wirkt in ihrer Agitation erschreckend links. Am Ende ist der Effekt gleich: Ein Land, das so stolz auf seine “Erinnerungskultur” ist (als könne man allen Ernstes stolz auf die Shoah sein…!), versucht , sich selbst wieder Stück für Stück judenrein zu machen.