Sonntag, 1. Mai 2022

Wie Annalena lernte, die Bombe zu lieben...

von Mirjam Lübke...

Atomkrieg - allein das Wort macht mir als Kind der Achtziger schon Angst. Damals wurde uns oft vorgerechnet, wie oft man die Weltbevölkerung mit dem vorhandenen Arsenal an Nuklearwaffen auslöschen könnte. Es war weitaus mehr als einmal. Aber selbst bei einem funktionierendem Zivilschutz - den wir in Deutschland seit mindestens 15 Jahren nicht mehr betreiben - wären die Überlebensaussichten gering. Auch dem sichersten Bunker gehen irgendwann die Vorräte aus - dann beginnt der Überlebenskampf untereinander. Und draußen ist eh alles hin. Vielleicht sollte sich Annalena Baerbock mal ein paar Filmklassiker in dieser Richtung ansehen: "The day after", "Wenn der Wind weht" oder, wenn russische Filme noch nicht zu sehr verpönt sind, die "Briefe eines Toten". Einer bedrückender als der andere. 


Damals gab es sogar ein Szenario, das vorsah, erst einmal Deutschland zu opfern und dann noch einmal nachzuverhandeln. Natürlich ging das nicht so einfach, denn atomare Strahlung stoppt nicht an Grenzen - die übrigen europäischen Länder zeigten sich daher wenig begeistert. Eigentlich waren sich alle einig, den Wahnsinn der atomaren Aufrüstung nur deshalb zu betreiben, um einen Krieg zu verhindern, den einfach niemand gewinnen konnte. Leider kamen im Laufe der Zeit auch kleinere Nationen auf die Idee, bei den Großen mitspielen zu wollen. In Pakistan gab man die Parole aus, die Bevölkerung lieber "Gras fressen zu lassen" als auf die Bombe zu verzichten - Atomwaffen muss man sich leisten können. 

Wie man einem Atomkrieg gelassen entgegensehen kann, so wie es Annalena Baerbock äußerte, ist mir vollkommen schleierhaft. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow äußerte sich gestern ähnlich, dabei gehört er einer Generation an, die durchaus noch den kalten Krieg in Erinnerung haben dürfte. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, Putin würde seine Drohung, Nuklearwaffen einzusetzen, ohnehin nicht wahrmachen. Denn auch ihm müsste klar sein, dass es bei einem begrenzten Atomschlag aller Voraussicht nach nicht bleibt. Von dieser Sichtweise gehen aber weder Baerbock noch Ramelow aus. 

Was ist nur in letzter Zeit los? Haben die früheren Kuschelbären-Politiker plötzlich eine Profilneurose entwickelt, die ihnen befiehlt, jede Umsicht über Bord zu werfen? Offensichtlich haben sie bisher nur Schönwetter- und "Weitweitweg"-Pazifismus betrieben und kippen nun ins totale Gegenteil. Es kracht und tötet an allen möglichen Ecken und Enden der Welt - in Libyen, dem Südsudan, im Jemen, Somalia - hinzu kommen noch fortlaufende Drogenkriege, all das erschütterte unsere Pazifisten nicht. Ihre einzige Reaktion: Die Grenzöffnung für jeden, der auch nur annähernd aus der betroffenen Region kam. 

Wehrhaft sind unsere Kuschelbären-Politiker nämlich im eigentlichen Sinne nicht geworden, im Grunde wollen sie nur anderen die Waffen in die Hand drücken. Nach der Devise "viel hilft viel". Deutschland, das sich selbst im Ernstfall nicht mehr gegen einen Angriff von außen verteidigen könnte und es im Inneren nicht fertig bringt, reale Gefahren etwa durch Islamisten zu bekämpfen, will anderen das Kämpfen beibringen. Und es dürfen auch nicht nur Waffen zur Verteidigung gegen Panzer sein, die geliefert werden, sondern gleich Panzer selbst, deren Tiernamen Annalena Baerbock äußerst verwirrend findet. Hat sie sich denn noch nicht einmal ein bisschen beraten lassen, bevor sie Entscheidungen trifft, die weitreichende Konsequenzen für unser Land haben können? 

Diese Leichtfertigkeit ist erschreckend. Gleichzeitig werden die nächsten Umweltprinzipien dem Krieg geopfert: Um möglichst schnell an amerikanisches Flüssiggas zu kommen - aus Fracking! - werden nun auch noch für den Bau der entsprechenden Annahme-Terminals die Umweltschutz-Anforderungen gesenkt. Frieren gegen Putin, Wassersparen gegen Putin, die Umwelt versauen gegen Putin? 

Putin ist - nicht ohne Eigenverschulden - der Schurke der Stunde. Schließlich hat ihn und seine Armee niemand gegen seinen Willen über die ukrainische Grenze gezogen. Die Frage ist daher nicht, warum man Putin nicht unterstützen sollte, sondern warum ausgerechnet bei ihm das links-grüne Gewissen erwacht. Deutschland macht schließlich auch mit China, Saudi-Arabien oder dem Iran weiterhin gute Geschäfte, die ihrerseits ebenfalls keine Freunde von Menschenrechten sind und eigene Stellvertreterkriege führen. Liegt es an der historischen Verflechtung? Das der ukrainische Botschafter, selbst Anhänger des Hitler-Kollaborateurs Bandera, fleißig die Nazi-Keule schwingt, scheint Eindruck zu schinden. Unsere Medien sind ebenfalls fleißig damit beschäftigt, das Asow-Regiment zu entnazifizieren. Wenn die Moral nicht eindeutig auf einer Seite steht, muss man eben ein wenig nachhelfen. 

Man ist nämlich stolz darauf in Berlin, auf der "richtigen" Seite zu stehen, selbst wenn es zu einem dritten Weltkrieg kommt. Das ist wohl das Hauptmotiv des forschen Auftretens. Deshalb geht es Baerbock & Co. längst nicht mehr um militärische oder humanitäre Hilfe, sondern darum, zu den "Guten" zu gehören. Doch wie schon in der Migrationskrise 2015 wird dabei jeder Gedanke, ob wir das Versprochene überhaupt leisten können (und wollen) ganz schnell verdrängt. Man hofft darauf, sich auch diesmal wieder irgendwie durch die Krise lavieren zu können, auch wenn legitime deutsche Interessen dabei auf der Strecke bleiben. Dabei hat die jüngst stattgefundene Ramstein-Konferenz deutlich gezeigt, dass Deutschlands Rolle längst nicht so wichtig genommen wird, wie man es sich in Berlin gern einredet - im Zweifelsfall wird jedes militärische und finanzielle Opfer unseres Landes für die Katz gewesen sein.





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