Donnerstag, 14. Oktober 2021

Einzelfall #1.319 - diesmal Norwegen, diesmal mit Pfeil und Bogen...

von Thomas Heck...

Ein weiterer islamistischer Anschlag hat sich in Norwegen ereignet, bei dem 5 Menschen ermordet und 2 weitere verletzt wurden. Ein 37-jähriger Däne, der zum Islam konvertiert war und mit dem die Polizei wegen mutmaßlicher Radikalisierungstendenzen bereits letztes Jahr Kontakt hatte, wurde von der Polizei festgenommen. Mittlerweile gehen die Behörden von einem Terroranschlag und einem Einzeltäter aus.


Norwegen steht unter Schock. Noch immer sind viele Einzelheiten zu dem brutalen Angriff am Mittwochabend im Süden des Landes unklar. Immerhin zur Identität des dringend Tatverdächtigen konnte die Polizei in der Nacht Details herausgeben.

Bei ihm handele es sich um einen 37-jährigen Dänen, der aber in der südnorwegischen Kleinstadt Kongsberg lebe, teilte die Polizei am frühen Donnerstagmorgen mit. Er sei angeklagt worden. Sein Anwalt sagte dem Fernsehsender NRK, der Mann kooperiere und mache ausführliche Angaben zur Tat. Er war am Mittwochabend festgenommen worden.

Zuvor hatte ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter Mann ab etwa 18.15 Uhr mehrere Menschen angegriffen, fünf Personen getötet und zwei weitere verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er allein gehandelt hat. Die weiteren Hintergründe der Tat blieben vorerst unklar. Auch ein terroristisches Motiv konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden. Kongsberg liegt rund 80 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Oslo.

Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht und liegen auf der Intensivstation. Der örtliche Polizeichef hatte am Abend erklärt, es bestehe keine Lebensgefahr. Eine der beiden verletzten Personen sei ein Polizeibeamter, der aber nicht im Dienst gewesen war.

Mehrere Stadtteile wurden abgesperrt

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Der Täter habe sich über ein größeres Gebiet hinweg bewegt. Der Vorfall fiel auf den Vorabend des Regierungsantritts des neuen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Ob hier ein Zusammenhang besteht, ist ebenfalls ungeklärt.

Mehrere Stadtteile wurden abgeriegelt, wegen des Vorfalls wurde die Polizei vorübergehend bewaffnet. Es handele sich um eine Bereitschaftsmaßnahme – vorläufig gebe es keine Hinweise für eine Änderung der Bedrohungslage im Land. Auch der norwegische Geheimdienst PST wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Noch-Ministerpräsidentin zeigt sich »erschüttert«

Norwegens scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg zeigte sich »erschüttert« von der Tat. »Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen«, sagte Solberg am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo: »Der Täter hat furchtbare Handlungen gegen mehrere Menschen begangen. Das ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinschaft in Kongsberg hart trifft.«

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor gut zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen.

Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.




 

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