Dienstag, 8. Juli 2025

Luftschlag gegen Strand-Café: Hintergründe, Erklärungen, Medienversagen


Ein Verletzter wird auf einem Stuhl aus dem Al Baqa getragen

Stellen wir uns einen Krimi vor, wie Agatha Christie ihn geschrieben hätte. Ein mutmaßliches Verbrechen, ein Ermittler, ein eingeschränkter Personenkreis, ein paar Tote, viele Fragen.
Würden unsere Nachrichtenmedien diesen Krimi schreiben, würden sie sich ausschließlich damit beschäftigen, wie es den Verletzten geht und welche Gesetze womöglich gebrochen wurden. Nichts zum Motiv, nichts zur Tatwaffe, nichts zum Hergang des Verbrechens oder ob es überhaupt eins war.


Gar nichts. Das Buch endet damit.

Ich möchte am Beispiel des Luftschlags auf das Strand-Café zeigen, wie unterschiedlich die Perspektiven sind. Um deutlich zu machen, wie durch Inkompetenz ein falsches Bild des Gazakrieges verkauft wird. Und selbst diejenigen, die sich einfach nur offen informieren wollen, eben nicht informiert werden.
Desinformation.

Daher werde ich, entgegen der Dramaturgie, zunächst erklären, was tatsächlich passiert ist. Und erst danach werde ich darauf eingehen, was wie berichtet wurde.
Ich finde wichtig, es detailliert zu sezieren. Um zu zeigen, was die Medien alles nicht berichten.

Der Luftschlag

Am 30. Juli 2025, dem vergangenen Montag, haben die IDF einen Luftschlag gegen das Al Baqa Café Restaurant am Strand von Gaza-Stadt geflogen. Am helllichten Tag, was für eine solche Operation zunächst ungewöhnlich ist.

Deshalb gingen schnell die ersten Handy Videos online, vor allem auf X.
Nach einigen Stunden tröpfelten die ersten Zahlen von Verletzten und Toten rein. Die Zahlen gingen von 20 bis über 70. Selbstverständlich ohne Kombattanten auszuweisen.

Blick der Badegäste unmittelbar nach dem Luftschlag

Keine dieser Zahlen war unabhängig geprüft. Diese Zahlen waren nicht einmal die offiziellen Zahlen der Hamas bzw. der Palästinenser. Es waren Zahlen, die auf Aussagen ungenannter Mitarbeiter im Gesundheitsdienst beruhten. Die ihrerseits zumeist von der Hamas bezahlt werden.

Aus Erfahrung hatte ich sofort eine ungefähre Vorstellung. Als die ersten Pressefotos in den Stock-Anbietern zu sehen waren, war ich mir sicher. Das war ein zielgenauer Angriff der IDF. Man spricht auch von einem Hochwertziel oder einem Punktziel.
Nicht das Café war Ziel des Angriffs, sondern ein Ziel im oder beim Café. Ein Auto, eine Person. Deshalb auch ein solcher Luftschlag bei Tageslicht. Kriegsvölkerrechtlich ein enormer Unterschied.

Screenshot einer Auswahl bei einem Stock-Anbieter für Pressebilder.

Foto: Screenshot einer Auswahl bei einem Stock-Anbieter für Pressebilder.

Hätten die IDF einfach das Café plattmachen wollen, hätte sie das gekonnt. Sie hätten zwei bis vier 2000-Pfünder in die Gebäude setzen können, und es wäre nicht viel übriggeblieben. Und damit meine ich Mondlandschaft. Umso mehr, weil es nur ein Strand-Café in Leichtbauweise war.

Merksatz: Wenn nur eine einzelne Bombe fällt, hatte diese eine Bombe einen bestimmten Zweck.

Auf den Fotos der Stock-Agenturen war aber zu sehen, dass die gemauerte Fassade noch stand. Dass im Gebäude keine Brandspuren zu erkennen waren, dass alle Schäden von der Wucht und von Splittern herrührten.
Es war zu erkennen, dass ein großer Teil des Komplexes eher einem Zelt geglichen hatte. Stoffdächer hingen herab, Alustangen standen verbogen herum.

Auf einem Foto, das ich gekauft und schon auf Facebook Fanpage und dem X-Account veröffentlicht habe, sah man die Einschlagstelle, den Krater. Das Bild bestätigte ebenfalls meine Einschätzung.

Der Einschlag neben dem Café, ein Mann steht zum Größenvergleich dahinter.

Foto: Der Einschlag - Kaum sechs Meter, kaum mannshoch.

Die Bombe

Am Mittwoch dem 02. 07.2025 berichtete der britische Guardian unter dem Titel „Israelisches Militär verwendete 500-Pfund-Bombe für Schlag gegen Gaza-Café, enthüllen die Splitter“ („Israeli military used 500lb bomb in strike on Gaza cafe, fragments reveal“).

Sceenshot des Guardian-Beitrags

Sceenshot des Guardian-Beitrags

Unter anderem berichtet der Guardian, dass Fragmente durch den Guardian fotografiert worden seien. Eine übliche Aneignung, die genannte Enas Tantesh ist freier Journalistin (18) und war auch schon Gegenstand der Berichterstattung u.a. in: Voice of America (VOA), NZZ, VOA Africa, China National News, North Korea Times (!), afghanistannews, China News und New Delhi News. Kein westlicher, unmittelbarer Mitarbeiter des Guardians hält sich im Gazastreifen auf.

Des Weiteren wird berichtet, dass die Splitter von Bomben-Experten als Reste einer Mk-82 identifiziert worden seien. Wer diese Experten waren, berichtet der Guardian nicht. Es ist dennoch glaubwürdig.
Noch vor diesem eigentlichen Kern der Story werden „Experten des internationalen Rechts“ zitiert - ebenfalls ungenannt - die gesagt hätten, dass der Einsatz einer solchen Bombe fast sicher ein Kriegsverbrechen darstellt. Unabhängig davon, ob man von der Anwesenheit ungeschützter Zivilisten, „darunter Kinder, Frauen und Alte“, gewusst habe.

Diese Aussage ist schlicht Unfug. Abgesehen davon, dass das Recht keinen Unterschied zwischen Männern und „Kindern, Frauen und Alten“ macht. Das ist eine moralische Bewertung, keine juristische.
Das Kriegsvölkerrecht verbietet „exzessive oder unproportionale“ Gewalt gegen Zivilisten. Und um die einschätzen zu können, muss der Entscheidungsträger wissen, was mögliche Kollateralschäden sein könnten.
Wenn das wirklich Experten waren, die mit dem Guardian gesprochen haben, haben sie das sicher nicht so formuliert.

Aus genau diesem Grund ist ein Verfahren gegen die Entscheidungsträger der Bundeswehr bei dem Luftschlag gegen Tanker bei Kundus 2009 eingestellt worden. Weil sie keine genauen Informationen hatten und gute Gründe von Kombattanten auszugehen.
Dabei wurden übrigens zwei (!) fast identische Bomben eingesetzt, wie nun auf das Café.

Dumme und schlaue Bomben

Selbst mit meiner Nacherzählung des Guardians müssen Laien bereits den Eindruck haben, die IDF hätten ohne Rücksicht eine große Bombe in ein ziviles Café gesetzt.
Lassen Sie mich das einordnen.

Die von den ungenannten Experten identifizierte MK-82 (gesprochen „Mark“, was bei Bomben soviel wie „Version“ bedeutet) ist die zweitkleinste „Eisenbombe“, welche Israel und sogar die gesamte NATO überhaupt haben.
Israel selber hat eine kleinere solcher Bomben, die MLGB, und eine ähnliche, die aber andere Spezifikationen aufweist (Fastlight). Die größte dieser Bomben in Israels Arsenal ist achtmal so groß.

Angegeben werden solche Bomben in britischen Pfund. Der Grund dafür ist militärisch, da jedes Flugzeug nur eine bestimmte Last tragen kann, weshalb das Gesamtgewicht entscheidend ist.
Die „500-Pfund-Bombe“ aus der Guardian-Schlagzeile wiegt also eigentlich 230kg und hat einen Gefechtskopf von 89kg. Aber das macht sich nicht gut in Schlagzeilen.

Die Mk-82 ist allerdings eine dumme Bombe.
Es ist eine ungelenkte Freifall-Bombe. Und sowas braucht man eigentlich nur noch für Flächenbombardements. Trotzdem gehört sie bis heute zu den am häufigsten verwendeten Bomben.

Es gibt Nachrüstsätze, vor allem die JDAM.
Mit diesen Nachrüstsätzen werden „Flügel“ an die Bombe angebracht, sowie ein anderer Kopf. Es gibt verschiedene Versionen, je nach Bombe und Rüstsatz. Unter anderem die Paveway I – III, die auch Israel verwendet. Dadurch werden aus den dummen Bomben sehr schlaue Bomben. Denn Sie bekommen eine Laser-Zieleinrichtung.

Gegenüberstellung der Mk-82 Bombe und der Paveway mit der Bombe im Kern.

Grafik: Gegenüberstellung der Mk-82 Bombe und der Paveway mit der Bombe als Basis.

Warum die Experten des Guardian das nicht erwähnt haben, oder ob der verantwortliche Redakteur Jason Burke in Jerusalem das einfach weggelassen hat, wird immer ein Geheimnis bleiben.

Das Kartell

Das Prinzip ist leicht zu verstehen.
Jemand zielt mit einem Laser auf einen Punkt und die Bombe fliegt genau in diesen Punkt. Mit einer enormen Präzision, auch auf fahrende Ziele. Ich habe von Versionen mit einem Radius von höchstens 30cm gelesen. Das ist die Länge eines Schullineals.

In der simpelsten Operation wird ein Trupp Spezialisten geschickt. KRK, Kampfschwimmer, Navy Seals, Delta Force, jeder hat in Filmen diese Namen schon gehört. In Israel wären das beispielsweise die Schajetet 13 oder Brigade Oz.
Diese schleichen sich unentdeckt an ein Ziel an, vielleicht auf zwei Kilometer, zielen mit dem Laser, ein Flugzeug setzt die Bombe ab und die geht genau auf den Laser. Der am Boden natürlich nicht zu sehen ist.

Deutsche Kampfschwimmer tauchen mit den Waffen im Anschlag aus dem Wasser auf.

Foto: Deutsche Kampfschwimmer tauchen mit den Waffen im Anschlag aus dem Wasser auf.

Die Hauptfigur der Reihe Jack Ryan wurde in dem Blockbuster „Das Kartell“ von Harrison Ford gespielt. In diesem Film ist genau ein solcher Einsatz wichtiger Teil der Handlung. Der Film stammt von 1994, ist also über 30 Jahre alt.
Die Buchvorlage „Schattenkrieg“ stammt gar von 1989 und wurde geschrieben von Tom Clancy. Der u.a. auch „Jagd auf Roter Oktober“ verfasste und als erster Journalist auf ein Atom-U-Boot durfte, um ein Sachbuch darüber zu schreiben. (Was ich damals verschlungen habe, eine kleine Sensation.)
In den Köpfen der Nachrichtenredaktionen scheint diese Möglichkeit nach wie vor nicht angekommen zu sein.

DVD Hülle des Films Das Kartell.

Grafik: Das Kartell

Allerdings wäre es natürlich schwierig, ein Team von Kampfschwimmern an einem sonnigen Tag an einem Badestrand auf ein Café zielen zu lassen. Möglich, aber schwierig.
Heutzutage wird so etwas mit Helikoptern, anderen Flugzeugen oder Drohnen gelöst.

Und das erklärt dann nicht nur den kleinen Krater, der von vielen Medien als groß bezeichnet wurde. Sondern es erklärt auch, warum die Bombe offenbar südlich von dem Café eingeschlagen ist und nicht im Hauptgebäude. Das Gebäude unmittelbar nördlich von dem Café, also vom Krater aus auf der anderen Seite, scheint unbeschädigt geblieben zu sein. Ich habe ein aktuelles Sattelitenbild abgeglichen, das ich nicht veröffentlichen darf.
Auf palästinensischen Fotos sieht man nie, was noch intakt ist. Die wissen, was sie zu fotografieren haben.

Das Ziel

Es gibt zwei Hochburgen der Hamas. Auch wenn der Begriff von Medien Inflationär verwendet wird.
Das ist einmal Chan Yunis im Süden, aus dem Yahya Sinwar und seine Brüder - alles wichtige Leute innerhalb der Hamas - stammten. Und das ist Dschabaliya, ein als Flüchtlingslager gegründeter Vorort nördlich von Gaza-Stadt. Dort begann die erste Intifada.

Und das ist der Bereich, der noch vor der Bodenoffensive durch Israel massiv bombardiert wurde. Die Bombardements sind auf Sattelitenbildern deutlich zu erkennen, während andere Viertel nach wie vor intakt erscheinen. Die meisten Bilder der Zerstörung, die in Medien zu sehen waren, stammen aus diesem Viertel.

Nach beiden Orten sind Bataillone der Qassam-Brigaden, der offiziellen Streitkräfte der Hamas, benannt.

Sattelitenbild von Dschabaliya, der Zerstörung ist deutlich zu erkennen. Die Häuserblocks darüber (westlich) sind weitestgehend unzerstört.

Foro: Sattelitenbild von Dschabaliya, der Zerstörung ist deutlich zu erkennen. Die Häuserblocks darüber (westlich) sind weitestgehend unzerstört.

Ayman Atiya Mansour war Kommandeur des Dschabaliya-Bataillons. Und damit auch der Kommandeur der Hamas im gesamten Norden.
Er wurde, zusammen mit seinem Sohn Atiya, im Juni 2023 erschossen. Also vor dem Krieg.

Ayman Mansour in einem Pressebild in Uniform mit einem Strumgewehr, lächelnd in einem typischen Hamas-Bunker.

Die Geschichte ist skurril, könnte aber aus der realitätsnahen Netflix-Serie Fauda stammen.
Mansours Verwandter Eid Muhammad Mansour betätigte sich als Waffenschmuggler für die Hamas. Familiengeschäfte. Er wurde beschuldigt, mit den Israelis zu kooperieren. Daraufhin soll er die beiden erschossen und sich zum Schluss die Waffe an den eigenen Kopf gesetzt haben. Vielleicht wissend, was ihn erwartet.
Das ist zumindest die Version, die das Hamas-Innenministerium veröffentlicht hat. Allerdings sind Kooperation mit den Israelis und Homosexualität standarisierte Beschuldigungen um unliebsame Mitstreiter aus dem Weg zu räumen. Es gibt einige Beispiele.

Bereits am Dienstag, 01.07.2025, also einen Tag nach dem Luftschlag, war aus palästinensischen Kreisen zu hören, dass das Ziel des Luftschlages auf das Café Hisham Ayman Mansour war. Ein anderer Sohn des bisherigen Kommandeurs, der auch aktiv am 10/7 teilgenommen hat. Er soll hochrangiger Kommandeur im Familiengeschäft gewesen sein, vielleicht sogar den Posten seines Vaters übernommen haben.
Inzwischen gilt das als gesichert.

Hisham Mansour (rechts) mit seinem Vater Ayman Atiya Mansour.

Foto: Hisham Mansour (rechts) mit seinem Vater Ayman Atiya Mansour.

Am gleichen Tag grassierte bereits das Gerücht, dass Hisham Mansour in dem Café war, um dort Mitglieder und Affiliierte zu bezahlen. Behalten wir das für einen Moment im Hinterkopf.

Was vermutlich passiert ist

Ich gebe eine alternative Version. Was ich mir so denke, was passiert ist.

Aus verdeckten Quellen hat der für den Gazastreifen zuständige Nachrichtendienst Schin Bet erfahren, dass der Kommandeur der Hamas Hisham Mansour sich frei bewegt. Vielleicht haben Sie ihn „getrackt“, vielleicht durch Kollaborateure zufällig entdeckt, vielleicht wussten sie durch ein abgehörtes Telefonat, dass er sich mit jemandem im Café treffen will.

Eine Beobachtungsdrohne wurde gestartet und das Ziel wurde visuell bestätigt. Die Drohne, sicher nur eine kleine Beobachtungsdrohne, verfolgte das Ziel.
Daraufhin stieg eine weitere Drohne mit einem Laser auf. Beispielsweise ein Heron, wie die Bundeswehr sie auch bestellt hat. Ein kleines Flugzeug, das in großer Höhe sehr langsam fliegen und lange in der Luft bleiben kann.

Eine Heron Drohne, wie die Bundeswehr sie jetzt bekommt.

Foto: Eine Heron Drohne, wie die Bundeswehr sie jetzt bekommt.

Als klar wurde, wo sich das Ziel hinbewegt oder sein würde, wurde ein Flugzeug mit einer lasergelenkten Bombe gestartet. Zur Sicherheit wurde eine Bombe gewählt und keine übliche Panzerabwehrrakete wie die Spike, um das Ziel auch sicher zu erwischen. Vielleicht weil man noch nicht wusste, wohin es sich bewegen würde. In jedem Fall wird es handfeste Gründe für die Verwendung genau dieses Musters gegeben haben.

Hisham Mansour hält an dem Café, parkt vielleicht. Vielleicht trifft er sich im Fahrzeug mit anderen. Vielleicht steigt er aus.
Das Ziel wird bestätigt, der Entscheidungsträger in einem Bunker in Israel gibt Feuer frei, die Drohne, gesteuert von einem Luftwaffenstützpunkt in der Negev, schaltet den Laser auf, das Flugzeug startet die Paveway und so wurde aus Hisham ein Ex-Hisham.

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An einer solchen Operation sind hunderte Menschen beteiligt. Spezialisten, darunter Nachrichtendienstler, Piloten und Drohnenpiloten. Das ist keine lapidare Bombardierung eines bekannten Ziels, das man auf jeder Karte findet. Das hätte man sicher nachts erledigt.

Und plötzlich ergibt sich ein völlig anderes Bild als das, was von den Medien kommuniziert wurde. Keine willkürliche Bombardierung von Zivilisten, sondern das präzise Ausschalten eines Hochwertzieles. Das zu Kollateralschäden geführt hat, weil das Ziel sich unter Zivilisten versteckt hat. Ein Geheimdienst-Thriller von Tom Clancy, kein halbfertiger Krimi von Agatha Christie.

Das ist nur eine Vorstellung. Auch wir haben schon in den 90ern ähnliche Einsätze geübt.
Wieder überlasse ich es den geneigten Lesern zu entscheiden, was sie für wahrscheinlicher halten.
Ich weise aber darauf hin, dass ich bisher keine einzige Information der IDF verwendet habe. Lediglich offene Quellen, die jedem Nachrichtenredakteur auch zur Verfügung stehen.
Die IDF haben sich bisher nicht geäußert.

Verzerrte Narrative

Diese Form der Berichterstattung hat System. Ob bewusst oder nicht, ob absichtlich oder nicht. Meiner Meinung nach eine Mischung aus vielen Gründen, vor allem das System Agenturmedien und Kompetenzlosigkeit. Israelfeindlichkeit und Antisemitismus mögen vereinzelt eine Rolle spielen, letztendlich weiß ich es nicht.
Zwei Beispiele:

Mohammed Deif

Eines der sehr wenigen zeitnahen Fotos, die von Deif bekannt wurden. Mit einem Bündel Dollars in der Hand.

Foto: Eines der sehr wenigen zeitnahen Fotos, die von Deif bekannt wurden. Mit einem Bündel Dollars in der Hand.

Im Juli 2024 wurde Mohammed Deif ausgeknipst.
„Deif“ bedeutet eigentlich „der Gast“. Den Namen hatte Mohammed Masri daher, dass er seit 1995 abgetaucht war. Er hat nomadisch immer wieder für einige Tage bei irgendwelchen Familien Unterschlupf gefunden.

Die Medien berichteten, Israel habe die humanitäre Zone al-Mawasi bombardiert. Das war Kern des Narrativs. Zumal Israel lange gewartet hat, die Eliminierung der Nummer 2 der Hamas zu bestätigen.
Ich konnte den Ort aufgrund einiger Informationen lokalisieren. Es handelte sich um ein durch Mauern umschlossenes Anwesen mit einem kleinen Gebäude im Hinterhof, in dem wohl einer der Tunneleingänge lag, in dem Deif sich versteckte.

Das Gelände lag tatsächlich am Rand von al-Mawasi. Doch selbst wenn es einen völkerrechtlichen Schutzstatus gegeben hatte, erlosch dieser, als Deif sich darunter versteckte.

Bild

Da er und seine Mitstreiter durch Bunkerbrecher getötet wurden, deren Wucht nach oben weggeht, habe ich die angegebenen Opferzahlen schnell für absurd geraten. Ein von Al Jazeera veröffentlichtes Video, auf dem Menschen auf der Hauptverkehrsstraße lagen, halte ich für gestellt.

Fotos: Aus meiner Auswertung, Screenshots des IDF-Videos

Fotos: Aus meiner Auswertung, Screenshots des IDF-Videos

Deshalb haben die IDF auch ein Drohnenvideo der Einschläge veröffentlicht. Anhand dessen ich Bild für Bild zeigen konnte, dass nicht einmal die Zelte in 30 Metern Entfernung auch nur weggeschubst wurden. Geschweige denn, dass auf der besagten Hauptstraße Menschen getötet worden sein können, obwohl die aufgereihten Marktstände noch standen.

Krankenhaus bombardiert

Im Mai dieses Jahres berichteten die Medien, dass das Europäische Krankenhaus bombardiert wurde.
Bekannt wurde das Bild des in einen Bombentrichter abgerutschten Busses.

Tatsächlich konnte ich anhand der Medienbilder nur zwei Einschläge bzw. Angriffspunkte lokalisieren.
Einen vor einem Gebäude und einen außerhalb des Krankenhausgeländes. Beide mittig auf der Straße, vermutlich um keine Gebäude zu zerstören.
Anhand der Bilder war sofort ersichtlich, dass es sich um Bunkerbrecher gehandelt hatte. Es musste also ein Ziel unter dem Krankenhaus anvisiert worden sein.

Alleine auf X haben über 170.000 Nutzer meine Auswertung gesehen. Ich hatte dazu aufgerufen, mir Bilder von beschädigten Krankenhausgebäuden zu schicken oder zu posten. Es kam keines. Die Palästinenser hätten so etwas sicher freudig verteilt.
Das Krankenhaus ist übrigens bis heute im Betrieb.

Eine von mir gefertigtee Grafik war fast deckungsgleich mit der später veröffentlichten Grafik der IDF. Lediglich der mutmaßliche Tunnelverlauf war komplexer.
Als die IDF im Rahmen der Operation „Gideons Chariots“ das Krankenhaus dann einnahm und in den Bunker gelangte, fand sie die Leichen von Mohammed Sinwar und anderen. Der hochrangige Kommandeur und Bruder des bereits getöteten Yahya Sinwar war wohl recht elendig auf seiner Matratze erstickt.

Bild

Grafik: Die Einschläge auf einem Satellitenbild, korrespondierend zu den Pressebildern.

Die Liste solcher verzerrten Berichte ist lang. Sehr lang. Sie geht weit über das Al-Ahli Krankenhaus hinaus. Bei dem weltweit alle Medien von einem israelischen Luftschlag auf das Krankenhaus am 17.10.2023 mit 500 Toten berichtet hatten.

Die nächtliche Pressekonferenz mit aufgereiten Toten, Links der Hamas-Offizier.

Foto: Die nächtliche Pressekonferenz mit aufgereiten Toten, Links der Hamas-Offizier.

Bis sich nur kurze Zeit später herausstellte, dass es sich um eine verirrte Rakete des Islamischen Dschihad in Palästina gehandelt hatte, die auf dem Parkplatz hinter dem Krankenhaus runtergegangen ist. Und damit schwerlich ein Zehntel der Opfer gefordert haben kann, die von der Hamas in einer nächtlichen Pressekonferenz mit Ärzten in aufgebarten Leichen, überwacht durch einen Hamas-Offizier (damals noch in Uniform), verkündet wurden.

Bild

Grafik: Relationen des Einschlags und der Krankenhausgebäude.

Auch das konnte ich durch öffentlich zugängliche Stock-Bilder darlegen. Also hätte jeder Nachrichtenredakteur es auch gekonnt.

  • Ein angebliches bombardiertes Zelt Geflüchteter, dass sich als brennender Unterschlupf herausstellt, in dem massiv und auf Videos hörbar Munition explodiert. (Cook off)

  • Ein Zelt in einem Flüchtlingslager, das weit von Flüchtlingen entfernt stand und in dem sich Hamas-Kommandeure trafen.

  • Eine angeblich bombardierte UNRWA-Schule, in der zielgenau ein Klassenraum, ein mutmaßlicher Kommandopunkt, herausgefräst wurde. Während im angrenzenden Innenhof danach noch die Wäsche sauber auf der Leine hing.

Die Liste ist lang. Sehr lang.

Die taz

Auf X hatte ich eine kleine Maulfechterei mit dem Linguisten Prof. Dr. Vogel.
Es ging um Aussagen, die er traf. Die er durch einen Artikel der taz vom 01.07.2025 stützte, mit dem Titel „Überall um mich herum lagen Leichen“.

Screenshot des Beitrags

Die verantwortliche Redakteurin ist Lisa Schneider. Sie ist bei der taz Redakteurin gleich für ganz Nahost, Westasien und Nordafrika.
In ihrem Werdegang war sie auch für über ein Jahr Volunteer bei Amnesty International.

Co-Redakteurin ist die Gaza-Palästinenserin Malak Tantesh. In der taz hat sie vier Beiträge mit zu verantworten, drei davon mit Lisa Schneider. Sie ist recht umtriebig und verkauft auch Inhalte an den Spiegel, den Guardian und einige andere. Vielleicht auch über Agenturen, so genau weiß man das ja nie.
Alle diese Beiträge sind aus der Rubrik „Stimmenfang in Gaza“, alle berichten über das Leid der Palästinenser. Ich habe keinen Artikel gefunden, in dem sich über Politik oder Militär, geschweige denn über die Hamas geäußert hat.
Im Juni titelt die NZZ einen Beitrag von Tantesh „»Es sind Todesfallen« sagen Palästinenser über die neuen Hilfszentren.“ Natürlich geht es um die GHF.

Und wem der Name nun vertraut vorkommt: Malak Tantesh ist die ein Jahr ältere Schwester von Enas Tantesh, die dem Guardian das Foto der Bombe verkauft hat.

Bild

Screenshot: Die beiden Tanesh-Schwestern auf einem Bild bei Instagram.

Man muss also davon ausgehen, dass Tantesh aus dem Gazastreifen Material liefert und die „westlichen“ Redakteure daraus eine Story stricken, ohne selber vor Ort gewesen zu sein. Was durch die Art des Erzählens verschleiert wird und vielen Leserinnen und Lesern gar nicht so bewusst sein dürfte. Hörensagen.
Ob Tantesh Verbindungen zur Hamas hat… Wer weiß das schon?

In diesem Beitrag der taz fällt u.a. folgender Satz:
„Auch die Journalistin Bayan Abu Sultan, der auf X fast 120.000 Menschen folgen, ist unter den Betroffenen – sie überlebte verletzt.“

Die Frau Sultan ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Die sicher einen eigenen Beitrag wert wäre.

Frau Sultan

Bekannte geworden ist Bayan Abu Sultan vor allem durch ein Foto, das durch viele Medien und vor allem auf Social Media herumging. Es stammt aus der gleichen Reihe wie andere Bilder, weshalb ich mir ebenfalls die Rechte gesichert habe.

Foto: Bayan Abu Sultan unmittelbar nach dem Luftschlag auf das Café

Foto: Bayan Abu Sultan unmittelbar nach dem Luftschlag auf das Café

Frau Sultan hat an einer Uni in Gaza studiert. Massenkommunikation und Medien übrigens. Die von der Hamas geführten Universitäten haben viele solcher angehenden „Journalisten“ produziert.
Von 2019 bis 2021 hat Frau Sultan dann bei JAWWAL gearbeitet, einem Telekommunikationsanbieter. Als „Sales Officer“, was alles sein kann, von einem Manager im Vertrieb bis zu einer Verkäuferin in einem Handy Shop.

Als Journalistin gibt sie an, für AFMN zu arbeiten.
Was tatsächlich etwas Recherche gekostet hat. Denn AFMN ist das Al Fida’l Media Network. Eine winzige Internetseite mit kaum zwei Dutzend Video-Beiträgen. Das ausschließlich mit „Freiwilligen“ arbeitet, also Unbezahlten, und sich selber als „The Resistance Report“ („Der Widerstands-Bericht“) bezeichnet.

Dort hat Sultan eine Handvoll Videos veröffentlicht, u.a. mit der Behauptung, die IDF würden gezielt Behinderte angreifen. Und einem richtungsweisenden Investigativ-Report über das Überleben von Nutzvieh während des Krieges. Vor allem Ziegen.

Amüsant: In einer ihrer Moderationen trägt sie eine Weste mit der Aufschrift „Presse“. Also nicht das international übliche „Press“, sondern wirklich das deutsche „Presse“.

Sultan mit der deustchen Presse-Weste

Screenshot: Sultan mit der deutschen Presse-Weste

Darüber hinaus konnte ich keine Veröffentlichungen der „Journalistin“ Sultan auf anderen Plattformen finden. Außer ihren eigenen.

Auf Instagram berichtet sie in Storys über ihr Leben in Gaza-Stadt. Auf einem Foto posiert sie wie eine Mode-Influencerin neben einem umgedrehten, roten Dreieck. Eine Chiffre für Hamas, die auf Videos so ihre Gegner markiert.

Bild

Screenshot des Bildes auf Instagram

Auf ihrem X-Account postet Sultan auf Englisch und Arabisch. Und es lohnt sich, die arabischen Postings zu übersetzen.
Anlässlich einer Geiselübergabe fragt sie beispielsweise, ob man die Hamas verdamme. Über 100 Nutzer feiern die Hamas in den Kommentaren. In einer Umfrage fragt sie Ende Oktober 2024, ob „wir“ (Palästinenser) mehr unser Land lieben oder die Israelis hassen. Mit einigen Prozentpunkten Vorsprung für den Hass, bei über 1000 Stimmen.

Am 07.10.2023 wünschte sie allen einen glücklichen 7. Oktober. Drei Tage später riet sie dazu, wenn man ermattet sei (vermutlich von den israelischen Luftangriffen) solle man sich nochmal die Videos vom 7. Oktober ansehen.

Sie unterhält übrigens einen zweiten Account, der mit ihrem Namen eher zu finden ist. Dort finden sich jedoch nur sieben Postings. Eine absichtlich eingebaute Hürde.

Screenshot des Postings zu den Videos

Screenshot des Postings zu den Videos.

Das ist die Frau, die die taz-Redakteurin Lisa Schneider als „bekannte Journalistin“ beschreibt. Frau Schneider war wohl nicht willens, einfach mal selber zu suchen und zu scrollen.
Die Realität zeigt wohl eher eine lupenreine Hamas-Influencerin, die Israel die Vernichtung wünscht. Mehrfach offen bekundet.

Und nur als Amuse Gueule nebenbei:
Ich hatte mir den Spaß erlaubt, die Uhr zu suchen, die Sultan auf dem Bild trägt. Fündig wurde ich bei dem Modell Rolex Datejust 31, allerdings mit einem anderen Armband aus der Reihe. Für läppische 13.900 Euro.
Natürlich kann man darüber streiten, ob es sich um ein Plagiat handelt. Aber alleine der Ansatz, dass eine Hamas-Anhängerin und „Journalistin“ in einem Krieg auch nur mit einem Rolex-Imitat herumläuft, lässt tief blicken.

Das Bild von Sultan mit der Uhr im Abgebhot und Kommentaren aus ihrem Account.

Grafik von der Facebook Fanpage und dem X-Account

Es wurden auch Videos von Sultan veröffentlicht, die von einigen so interpretiert wurden, dass sie gerade geschminkt wird, um für die Propaganda als Opfer durch das Café zu laufen. Ich halte es für Aufnahmen, die tatsächlich nach dem Luftschlag aufgenommen wurden. Sultan hat Pflaster auf einem Arm, was beim Schminken keinerlei Sinn ergeben würde. Zudem ist das Blut deutlich sichtbar eingetrocknet.
Blutmenge und Schwere der Verletzung sind nicht immer kongruent.

Screenshot der Postings.

Das Kriegs-Café

Einen letzten Punkt möchte ich kurz ansprechen, der von den Medien vollkommen ignoriert wird. Obwohl er doch so offensichtlich ist.

Medien berichteten häufig, dass das Al Baqa Café und Restaurant ein Treffpunkt von Journalisten war, die das dortige Internet nutzten. Ohne dass auch nur ein einziger Journalist einmal fragt, warum es dort überhaupt ein laufendes Café gibt.

Alle Lebensmittel, bis auf sehr wenige Ausnahmen wie Tomaten, wenige Ziegenmilch-Produkte oder Kräuter, kommen derzeit von außen in den Gazastreifen. Es sind Hilfslieferungen. Geschenke.
Der Gazastreifen hat auch vor dem Krieg nicht genug produziert um sich selber versorgen zu können. Was nichts Außergewöhnliches ist, Großbritannien kann das auch nicht. Die Briten verdienen das Geld über Dienstleistungen und Banken und bestellen sich dann halt Tomaten und Salat in Spanien. Aber der Gazastreifen hat auch das nicht. Er produziert nichts, er exportiert nichts.

Würde man die Gaza-Palästinenser in die Eigenverantwortung entlassen, käme es sicher in kürzester Zeit zu Unruhen. Da sie zwar Shopping Malls gebaut haben, aber sich nicht ernähren können. Ähnliches gilt übrigens für das Westjordanland. Der größte Arbeitgeber ist das Palästinenserhilfswerk UNRWA, eine Hilfsorganisation der UN, keine Firma.

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Spendet jemand, beispielsweise für die Hungerkatastrophen im Jemen oder Sudan, erwartet er zu Recht, dass seine Hilfe auch tatsächlich bei den Hungernden ankommt.
Gut, die Hilfslieferungen der UN sind nur sehr mittelbar von Spenden abhängig, sie werden vor allem durch die Beiträge der Mitgliedsstaaten finanziert. Aber die Hilfslieferungen anderer Organisationen, wie der World Central Kitchen, werden vor allem durch Spenden finanziert. Und durch die Koordination der UN verteilt.

Im Gegensatz zur GHF, die grundsätzlich als „umstritten“ von den Medien geframed wird und nur Lebensmittel in Größen verteilt, die man auch hierzulande in Supermärkten findet, verteilt die UN beispielsweise Mehl und Reis in 50kg-Säcken. Da drängt sich die Frage auf, was jemand, der ausgebombt in einem Zelt in Chan Yunis sitzt, mit einem 50kg-Sack Mehl soll.

Bild

Foto: Junge Männer tragen unbehelligt 50kg-Säcke an einer Ausgabestelle der UN weg, einer mit einer UN-Weste (World Food Programme).

Zudem stand in mehreren Mitteilungen der Hilfsorganisationen zu lesen, dass u.a. Bäckereien beliefert werden. Das kann durchaus Sinn machen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Aber an eben dieser Wirtschaft verdient die Hamas mit. Was schlicht ignoriert und negiert wird.
Den Aufdruck, dass die Lebensmittel nicht zum Verkauf sind, hätte man sich auch sparen können.

Bild

Foto: Ein Junger Mann trägt von einer Ausgabestelle der UN einen 50kg Sack Mehl weg, der beschritftet ist mit “NOT FOR SALE”.

Auf einem älteren Sattelitenbild (01.12.2024) ist auch zu sehen, dass das Al Baqa schon einmal angegriffen wurde. Unbestätigten Informationen nach bereits 2023.

Bild

Foto: Sattelitenbild vom 01.12.2024, das Al Baqa markiert.

Es wurde am 27.07.24 wiedereröffnet. Dafür gibt es sogar Rezensionen. Die erwähnen, dass die obere Etage noch renoviert werde.

Screenshot TikTok zur Wiedereröffnung, 27.07.2024

Und nicht ein einziger Journalist kommt auf die Idee, das zu hinterfragen.

  • Nicht einer denkt darüber nach, warum ein schon einmal angegriffenes Café an der Strandpromenade offenbar genug abwirft, um schnell renoviert und wiedereröffnet zu werden.

  • Nicht einer fragt, warum dort Badegäste unter Sonnenschirmen und beim Planschen im Wasser den Tag genießen, während die UN und andere täglich das Lied der bevorstehenden Hungerkatastrophe singen.

  • Nicht einer fragt, woher das Mehl und der Kaffee stammen, die im Al Baqa angeboten wurden. Und das von Journalisten regelmäßig frequentiert wurden. Die mit genau den Journalisten hierzulande zusammenarbeiten, die das hinterfragen müssten.

Mehr noch, es wird so kommuniziert, als sei da ein Journalisten-Treffpunkt angegriffen worden. Einen Treffpunkt, den es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Bild

Foto: Unmittelbar nach dem Luftangriff. Splitter, die Fassade steht noch. Planschende Badegäste in Sicht.

Noch absurder kann es eigentlich nicht mehr werden.

Ob das Gerücht nun stimmt, dass der getötete Hayam Mansour dort Geld auszahlen wollte, oder nicht: Es wirft einen Schatten. Sowohl auf die Funktionsweise der Gesellschaft im Gazastreifen, als auch auf die Berichterstattung der Journalisten, hüben wie drüben.

Man muss nur die Informationen haben, um sich solche Fragen überhaupt einmal zu stellen. Weshalb es für diejenigen, die sich einfach nur neutral informieren wollen und keine Ahnung von Militär haben, verständlich und verzeihlich ist.
Wenn ich nur eine Art von Pizzalieferanten habe, kann ich auch nicht beurteilen, wie gut oder teuer seine Pizza ist. Es gibt eine Struktur, die im Grunde ein Informationsmonopol ist. Von genau jenen, die danach schreien, Israel solle dort Journalisten in den Gazastreifen lassen. Was die Palästinenser davon halten würden, wird nicht hinterfragt.

Zwei Perspektiven

Keine willkürliche Bombardierung eines Cafés, sondern ein präziser Angriff auf einen Kommandeur der Hamas. Wie sicher jeder mit etwas Kompetenz schon an den ersten Bildern erkennen konnte.

Keine große Bombe, kein großer Krater. Sondern eine lasergelenkte Präzisionswaffe. Die zweitkleinste im Arsenal, die Kollateralschäden minimiert hat.

Keine bekannte Journalistin als Opfer, sondern eine Hamas-Influencerin, die womöglich nicht zufällig vor Ort war.

Keine Auswertung von Experten, sondern Nachfragen durch einen Redakteur, die dann ungenau, verschleiernd und ohne Quellenangabe kommuniziert werden.

Und das ist das, was seit Beginn des Gazakrieges als Nachrichten verkauft werden.


Erschienen auf steady.page


Wenn Hysterie Politik ersetzt

von Boris Reitschuster

Klima-Aktivistin weint, Ex-Vizekanzler tröstet – und der Verstand hat Sendepause


Nicht jeder politische Auftritt ist berichtenswert. Manche wirken wie Realsatire, andere wie Endlosschleifen aus Empörung und Erschöpfung. Doch die ServusTV-Sendung vom vergangenen Donnerstag sprengte diese Kategorien. Sie zeigte in aller Deutlichkeit, was passiert, wenn Emotionen nicht mehr argumentieren, sondern regieren. Und wenn Zweifel nicht mehr erlaubt sind – selbst dann nicht, wenn sie sachlich und ruhig vorgetragen werden.

Eigentlich wollte ich über einzelne Eskapaden des rot-grünen Moralwahnsinns gar nicht mehr schreiben. Zu oft gleichen sie sich, zu vorhersehbar ist der Ablauf: Dramatisierung, Empörung, Gesinnungsapplaus. Aber dieser Abend war anders. Er war eine Blaupause für den Zustand einer ganzen Debatte – und mehr noch: ein Blick in die seelische Verfassung jener, die längst nicht mehr überzeugen wollen, sondern gehorcht werden möchten.

Anja Windl, Aktivistin der „Letzten Generation“, sitzt auf dem Podium, spricht mit zitternder Stimme über Stromausfälle in Italien, Tote in der Hitze, Kipppunkte und den nahenden Zivilisationskollaps. Immer wieder wirkt sie, als stünde sie kurz vor dem Weinen. Nicht affektiert, nicht gespielt – sondern wie ein Kind, dem man gerade erklärt hat, dass morgen die Welt untergeht und niemand etwas dagegen tun will. Man möchte sie in den Arm nehmen und ihr erklären, dass man keine Panik haben muss. Dass man diskutieren kann. Dass es Lösungen gibt. Aber genau das scheint in dieser Runde nicht mehr vorgesehen.

Neben ihr sitzt Werner Kogler, der ehemalige Vizekanzler Österreichs, bis vor wenigen Tagen Chef der Grünen, grauer Bart, väterliches Grinsen. Er widerspricht nicht. Im Gegenteil. Er springt der jungen Frau zur Seite, wenn ihre Argumente ins Wanken geraten. Er verteidigt ihren Ton, ihre Angst, ihre Weltuntergangsrhetorik. Und damit entlarvt er – ungewollt, aber deutlich – worum es hier längst geht: nicht um Wissenschaft. Nicht um Strategien. Sondern um Glauben. Und um Gefolgschaft.

Denn wer die Sendung aufmerksam verfolgt, erkennt schnell, wie sich Argument und Emotionalität hier verschieben. Der Schauspieler Albert Vortell bringt es früh auf den Punkt: Das alles erinnere ihn an Corona. An die kollektive Angst, die sich verselbstständige. An Medienbilder, die plötzlich alles in Blutrot färben – Wetterkarten wie Warnmeldungen, als stünde eine atomare Katastrophe bevor. Vortell schildert seine Kindheitserinnerungen an platzenden Straßenbelag und Wasserknappheit im Italienurlaub – Jahrzehnte vor dem Begriff „Klimakrise“. Seine Botschaft: Die Welt war nie stabil. Aber heute ist sie hysterisch.

Und dann kippt die Debatte endgültig. Windl spricht von „Brandstiftung an ihrer Zukunft“, vom „menschengemachten Vernichtungsprozess“, davon, dass sie keine Kinder bekommen könne, weil ihr das ethisch nicht vertretbar erscheine. Die Stimme zittert, die Hände ballen sich, der Blick irrt hilflos durch die Runde – als suche sie Halt in einem Raum, der keiner mehr ist. Dann steht sie auf, reißt sich das Mikrofon vom Körper und verlässt das Studio.

Kein trotziges Aufbäumen. Kein kalkulierter Skandal. Sondern ein emotionaler Zusammenbruch im Live-Fernsehen. Für einen Moment wirkt es, als habe sie sich nicht nur in der Diskussion verloren, sondern in einer Welt, die keine Rettung mehr zulässt – zumindest nicht in ihrer Vorstellung.

Und dann geschieht das fast noch Bemerkenswertere: Nicht etwa Irritation, nicht Nachdenklichkeit – sondern Schutzinstinkt. Werner Kogler geht in die Offensive. Nicht gegen die Dramaturgie. Nicht gegen das Pathos. Sondern gegen die Kritiker. Er wirft ihnen vor, unsensibel zu sein. Er tadelt ihre Wortwahl, ihre Argumente, ihren Ton. Nicht die Hysterie ist für ihn das Problem – sondern jene, die sie benennen.

Dabei hatten die beiden Herren – Schauspieler Vortell und Energieunternehmer Eisenhuth – in geradezu vorbildlicher Weise diskutiert. Ruhig, sachlich, fundiert. Sie beriefen sich auf Forschung, historische Vergleiche, physikalische Zusammenhänge. Kein Angriff, kein Spott, kein rhetorisches Säbelrasseln. Doch genau das scheint heute nicht mehr gefragt zu sein. Wer ruhig widerspricht, gilt als gefährlich. Wer gelassen bleibt, als gefühllos. Und wer nachfragt, als Ketzer.

Die Ökonomin Heike Lehner versucht mehrfach, rationale Brücken zu bauen. Sie spricht von Kosten-Nutzen-Rechnungen, von Realismus, von den Zielkonflikten zwischen Klima, Geopolitik und Wirtschaft. Doch in einem Diskurs, der längst religiöse Züge trägt, ist Nüchternheit verdächtig. Rationalität klingt da schnell wie Blasphemie.

Besonders entlarvend ist der Moment, als Windl die Auflösung der „Letzten Generation“ erklärt: Man sei wohl zu spät dran. Die Kipppunkte seien vermutlich bereits überschritten. Was bleibt, ist ein Weltuntergangsglaube ohne Rettungsmission – eine Art säkularisierte Endzeitliturgie. Früher nannte man das Aberglaube. Heute heißt es Aktivismus.

Dass ausgerechnet ein ehemaliger Vize-Regierungschef diesen Alarmismus hofiert, ist mehr als nur ein politischer Fehltritt. Es ist das Eingeständnis, dass Emotion mittlerweile stärker wirkt als Analyse. Dass Tränen mehr gelten als Daten. Und dass die Moral der Lautesten die Richtung vorgibt – selbst wenn sie ins Absurde führt.

Noch verstörender wird es, wenn man genau hinhört. Kogler greift die beiden Männer in der Runde – Albert Vortell und Thomas Eisenhuth – direkt an. Sie hätten Windl wie Lehrer„geprüft“, ihr zu viele Fragen gestellt, mit „einem Ton“, der „so nicht gehe“. Doch was war geschehen? Sie hatten Argumente hinterfragt. Korrekt zitiert. Zahlen ins Verhältnis gesetzt. Keine Polemik, kein Sarkasmus, keine Herablassung. Nur Widerspruch. Doch dieser reichte aus, um als unmenschlich zu gelten – während ein emotionaler Zusammenbruch zur moralischen Überlegenheit erklärt wurde.

Am deutlichsten entlarvt sich Kogler mit einem einzigen Satz. Gegen Ende der Sendung sagt er, sichtlich aufgebracht: „Wenn ich gewusst hätte, mit wem ich hier diskutiere, wäre ich gar nicht gekommen.“ Es ist ein Satz, der alles offenlegt: Die Blase. Die Berührungsängste. Die panische Angst vor echter Debatte. Kogler wollte keine Diskussion. Er wollte Zustimmung. Und als die ausblieb, rückte er nicht seine Argumente zurecht – sondern die Gesprächspartner. Wer nicht ins Weltbild passt, ist keine legitime Stimme. Sondern ein Fehler im System.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum immer mehr Menschen sich abwenden. Nicht vom Klima. Sondern von einer Klimapolitik, die wie eine Sekte kommuniziert. Mit Tabus statt Thesen. Mit Bekenntnissen statt Belegen. Und mit einer Führungsriege, die nicht beruhigt, sondern befeuert.

Die Ironie an alledem: Je lauter der Alarm, desto tauber werden viele. Wer den Ernst der Lage begreifen will, braucht keine Heulkrämpfe. Sondern Ehrlichkeit. Und ein Mindestmaß an Selbstbeherrschung.

Was vielleicht am meisten verstört: Dass eine solche Sendung in den großen Medien kaum Resonanz findet. Kein Aufschrei, keine Analyse, kein „Was war da eigentlich los?“ Dabei hätte dieser Abend das Potenzial, eine ganze Epoche zu entlarven: als Zeitalter der Angst, in dem Emotionalität über Erkenntnis triumphiert – und Zweifel zur Blasphemie wird.

Denn Hysterie ist keine Strategie. Und schon gar kein Ersatz für Politik.


Gehören Anschläge auf die Bahn jetzt zum Alltag?

von Peter Grimm

Voraussichtlich für knapp eine Woche ist gerade eine der wichtigsten Bahnlinien Deutschlands durch einen Brandanschlag lahm gelegt, doch in der Medienzunft herrscht nur gedämpftes Interesse. Weil solche Anschläge jetzt auch zum Alltag gehören?


„Verspätungen bis Donnerstag wegen dieses Feuers: Deutschlands wichtigste Bahnstrecke gesperrt“, titelte bild.de am Sonntagabend. In anderen überregionalen Medien gab es am Wochenende und am Montagmorgen ein paar Meldungen über einen folgenreichen Angriff auf den deutschen Bahnverkehr. Der legte einen wichtigen Streckenabschnitt bereits am Freitag lahm. Wer zum Wochenende mit einem Zug auf der ICE-Linie München - Berlin - Hamburg fahren wollte, musste erfahren, dass jeder Zug mit einer Verspätung von ca. 90 Minuten unterwegs war. Nun sind auch große Verspätungen in größerer Zahl bei der Bahn inzwischen leider nichts außergewöhnliches mehr. Nur dass die Bahn bei jedem dieser Züge als Verspätungsgrund „Beeinträchtigung durch Vandalismus“ angab war dann schon auffällig.
 

Doch mehr konnten interessierte Nutzer der Bahnstrecke eine ganze Zeit lang nicht erfahren. Waren hier böswillige Zerstörungswütige oder vielleicht „nur“ rücksichtslose Kabeldiebe am Werk gewesen?

Übers Wochenende schaffte es diese Störung dann doch in die überregionalen Nachrichten und auch die Ursache wurde benannt: Eine Brandstiftung in einer Fußgängerunterführung im oberfränkischen Hirschaid, über die bis dahin nur in lokalen und regionalen Medien berichtet wurde, zunächst auch ohne den Hinweis auf die landesweiten Folgen dieser Brandstiftung auf den Bahnverkehr. Es hieß, der Brandstifter hätte nachts in der Unterführung Heinrichstraße in Hirschaid Paletten und Latten in Brand gesteckt. Die Feuerwehr sei schnell vor Ort gewesen und habe das Feuer löschen können. Doch offenbar hatte dieser Brandanschlag eine hochsensible Stelle im deutschen Bahn-Netz getroffen. Bei Bild hieß es nun:

„Das Feuer hat eine Sperrung der wichtigen ICE-Verbindung zwischen den Millionen-Städten Berlin und München ausgelöst – bis weit in die neue Woche hinein! Auf einer der meistbefahrenen Strecken im deutschen Fernverkehr kommt es deshalb zu erheblichen Verspätungen.

In beiden Fahrtrichtungen beträgt die Verspätung 90 Minuten, teilte die Deutsche Bahn mit. Grund ist die Streckensperrung nach einer Brandstiftung in der Nacht zu Freitag in einer Bahn-Unterführung in Hirschaid (Bayern). Ein Gutachter hat an der betroffenen Brücke massive Schäden festgestellt.“

Während der ICE-Verkehr zeitraubend umgeleitet werden muss, Städte wie Erlangen und Bamberg tagelang nicht angefahren werden können, muss der Regionalverkehr völlig unvorbereitet auf Busse umgestellt werden. Mit dem Anzünden von ein paar Paletten in einer abgelegenen Bahnunterführung konnte also maximaler Schaden angerichtet werden. Das wäre eigentlich ein Grund, zu fragen, wer denn da gezündelt hat? Wussten die oder der Täter, an welch sensiblen Punkt sie da zuschlugen? Oder kommen die massiven Schäden an der betroffenen Brücke gar nicht so sehr durch den Brand, sondern waren nur der letzte Punkt, der den Gutachter zum Handeln zwang? Da halten sich derzeit alle Beteiligten recht bedeckt.

Eine Anschlags-Serie nach einem Muster?

Immerhin gab es in den letzten Jahren immer wieder gezielte und - im Sinne der Täter - ähnlich effektive Brandanschläge auf das Bahnnetz. Einige wurden einem linksextremen Täterkreis zugeordnet, andere blieben unaufgeklärt.

Am 29. Juli 2024 brannte es in zwei Kabelschächten an der Bahnstrecke Bremen - Hamburg. Die Schäden an den Kabeln hatten erhebliche Störungen im Bahnverkehr zur Folge. Betroffen waren sowohl der Fern- als auch der Nahverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg. Weil die Polizei von Anfang an einen politischen Hintergrund nicht ausschloss, ermittelte der Staatsschutz. Einige Tage später tauchte ein linksextremes Bekennerschreiben auf. Der NDR berichtete, dass das Schreiben auf der linksextremistischen Online-Plattform Indymedia veröffentlicht worden sei. Die Deutsche Bahn sei darin als Staatskonzern bezeichnet worden, der „in seiner kapitalistischen Routine“ gestört werden solle. Zudem wäre die Bahn ein militärischer Akteur bei Truppen- und Materialtransporten und maßgeblich an kolonialen und umweltzerstörenden Projekten in mehreren Ländern Lateinamerikas beteiligt.

Am 2. August 2024 berichtete die Berliner Zeitung:

„Nach einem Brandanschlag auf einen Kabelschacht in Berlin-Charlottenburg in der Nacht zum Freitag wird es bis nächste Woche zu Einschränkungen im Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr kommen. ‚Weil mehrere Kabel betroffen sind, werden die Reparaturarbeiten über das Wochenende andauern‘, hatte die Bahn zunächst mitgeteilt. Voraussichtlich bis Anfang der kommenden Woche werde der Zugverkehr noch eingeschränkt sein.“

Weiter hieß es:

„Linksextremisten veröffentlichten am Freitagmittag im Internet ein Schreiben, in dem sie sich zu dem Brandanschlag bekannten. ‚Steht die Bahn still, werden die fein getakteten Abläufe dieses Systems der Ausbeutung und Zerstörung unterbrochen und entschleunigt‘, heißt es darin. Es sei in dieser Woche zu ‚Brandangriffen auf Infrastruktur der Deutschen Bahn‘ in Bremen, Hamburg und Berlin gekommen.“

Wenige Tage später hieß es von Radio Bremen, die Ermittler in Bremen und Berlin würden das Bekennerschreiben zwar als nicht als authentisch einstufen, aber es dennoch für wahrscheinlich halten, dass hinter dem Anschlag linksextremistische Gruppierungen stünden.

Im Februar 2025 gab es in Berlin einen Brandanschlag auf einen Kabelschacht der Deutschen Bahn, der für massive Störungen im Bahnverkehr von Berlin in Richtung Frankfurt (Oder) und Polen sorgte. Auch diesen Brandanschlag hatten linksextreme Aktivisten in einem Bekennerschreiben für sich reklamiert. Demnach hätte sich diese Sabotage nicht nur gegen die Deutsche Bahn, sondern auch gegen Tesla gerichtet. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes in Berlin ermittelt.

Auch im Frühjahr dieses Jahres gab es schon einige Anschläge auf den Bahnverkehr. Am 10. April 2025 meldete der MDR:

„Aufgrund des Kabelbrands war unter anderem die ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt gesperrt worden, weil durch die Störung die Signale auf Rot sprangen und keine Züge mehr in bestimmte Streckenabschnitte einfahren konnten. Sämtliche Züge im Fern- und Regionalverkehr mussten vorübergehend umgeleitet werden. Es kam zu teils stundenlangen Verspätungen und zahlreichen Zugausfällen.

Die Bahn ging von Brandstiftung aus, die Polizei ermittelt.

Neue sensible Angriffspunkte entdeckt?

Am 28. April 2025 hieß es in der Mitteldeutschen Zeitung:

„Am Montagmorgen kam es im Bereich Halle-Silberhöhe zu einem schweren Brandanschlag auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn. Unter einer Bahnbrücke wurde ein Kabelkanal in Brand gesetzt, wodurch die Kabeltechnik erheblich beschädigt wurde. Infolge des Anschlags ist der S-Bahn- und Zugverkehr erheblich gestört.“

Ende Mai 2025 legte ein Brandanschlag auf Signalkabel in Immenhausen bei Kassel das Stellwerk in Obervellmar lahm und damit auch den Fernverkehr zwischen Dortmund und Kassel, also auch ICE, IC und Nachtzüge. Weil ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden konnte, ermittelte der Staatsschutz.

Mit einem gezielten Brandanschlag eine große Wirkung erzielen, das ist das Muster all dieser Anschläge. Allerdings weicht der in Hirschaid in einem Punkt von dem Muster der anderen Anschläge ab. Er richtete sich nicht gegen Signalkabel. Hier gab es die große Wirkung durch die Streckensperrung aufgrund der Befürchtungen hinsichtlich der Stabilität einer Brücke. Also hat dieser mit den anderen nichts zu tun? Hatte dieser Brandstifter den großen „Störungserfolg“ im Bahnnetz gar nicht geplant? Oder haben kundige Bahnattentäter jetzt neben den Signalkabeln auch noch andere sensible Angriffspunkte gefunden, an denen sich mit einem Feuer viel Wirbel machen lässt?

Statt solche Fragen aufzuwerfen wird derzeit immer noch bei jedem Anschlag auf den Bahnbetrieb der Anschein erweckt, als handle es sich um einen Einzelfall. Vielleicht auch, weil die Anschlagsfolgen unter all den häufigen hausgemachten Bahnstörungen kaum noch auffallen.


Samstag, 5. Juli 2025

Die verlorene Bedeutsamkeit der Luisa N.

Luisa Neubauer setzte alles aufs Klima-Thema, für das sich selbst die Grünen kaum noch zu interessieren scheinen.



Sie war das Gesicht der deutschen Klimabewegung – jung, medienwirksam, moralisch unangreifbar. Heute ist sie das Gesicht einer Apokalypse, die weiter auf sich warten lässt. Eine Klima-Ikone mit schwindendem Publikum, eine Apokalyptikerin ohne Apokalypse. Während Greta Thunberg in Gaza scheitert und die Klimawissenschaft zunehmend an der Wirklichkeit zerschellt, steht Luisa Neubauer sinnbildlich für ein Zeitalter der Hypermoral, das seine Deutungshoheit verliert.

In der Figur Luisa Neubauer verbinden sich falsche Wissenschaftsverehrung, technokratische Arroganz und die Tragik eines noch jungen politischen Lebens.

Luisa Neubauer schenkte ihr politisches Leben einer Idee, die schneller altern sollte als sie selbst. Als sie 2014 ihr Abitur machte und für einen Schulaufsatz zum Thema Klimawandel ausgezeichnet wurde, galt der Klimadiskurs noch als Ausdruck von Wissenschaft und Aufklärung – wer daran zweifelte, war ein „Leugner“ und „Wissenschaftsfeind“. Im Jahr 2025 hingegen sind die Zweifel deutlich gewachsen. Nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern in puncto moralischer Integrität.

Greta Thunberg, einst die kindliche Prophetin einer neuen grünen Weltordnung, gilt heute vielen als peinliche Erinnerung an eine moralisierte Hysterie, die man schon damals nicht bedingungslos hätte in Schutz nehmen dürfen. Ihre Reise mit Terrorfreunden nach Gaza endete – filmreif – mit einem Sandwich und der Abschiebung durch die israelische Armee. Bezeichnenderweise wollte Thunberg den von Israel angebotenen Film nicht sehen, der die Massaker der Hamas dokumentierte. Auch Luisa Neubauer füllt längst keine Hallen mehr. Die grüne Aktivistin schafft es zwar noch, einen hartgesottenen Kern um sich zu scharen – in den Mainstream wirkt sie längst nicht mehr so hinein, wie noch vor wenigen Jahren.

2. Juli: Luisa Neubauer (vorn) liest bei einer abendlichen Protestaktion von Fridays for Future gegen die Pläne der Bundesregierung, verstärkt auf fossiles Gas zu setzen.



Luisa Neubauer, Homer Simpson und die ausbleibende Apokalypse

2019 war Neubauer noch das Poster-Girl der deutschen Klimabewegung. Der Stern schrieb damals bewundernd über ihren Auftritt in der abgedunkelten Grugahalle in Essen, wo sie vor den Aktionären des Energieriesen RWE auftrat – ruhig, schwarz gekleidet, mit harten Worten. Sie prophezeite das „größte politische Versagen unserer Zeit“, geißelte die fossile Zerstörung und rief den Managern zu: „Sie alle hier im Raum werden eines Tages nicht sagen können, dass Sie es nicht gewusst haben.“ Manager, Bosse – die politisch korrekte Wirtschaft – klatschte.

2019 fand Neubauer selbst dort Gehör, wo man ihr eigentlich spinnefeind sein müsste.



2025 schreibt der Stern wieder über Luisa Neubauer – diesmal geht es um ein Kleid auf der Berlinale. „Hot, Hotter, Dead“ steht darauf. Ein Interview dreht sich um Klebetattoos, Ironie und Mut zur Mode. Der Diskurs soll nicht verstummen, sagt sie. Aber er klingt nur noch wie der Nachhall eines einstigen Megaphons, das niemand mehr aufdreht. Sie lebt von der Wirkung, nicht von der Reflexion – und wenn beides versagt, bleibt nur noch das Bild. In einer Welt, die sich weigert, unterzugehen, ist sie zur Parodie linksgrüner Politik geworden: durchaus hübsch, doch inhaltlich substanzlos.

Weitsichtiger als die Klimatologie ist bisweilen die Popkultur – etwa die Simpsons, die seit Jahrzehnten mit verblüffender Präzision gesellschaftliche Entwicklungen vorwegnehmen. Auch den Hang zur Apokalypse haben sie früh erkannt: Homer Simpson mit Glocke und Schild – „The End is Near“ („Das Ende ist nah“) – wurde zur Karikatur jenes Predigertyps, das keine Argumente braucht, nur Endzeitstimmung. Heute wirkt Luisa Neubauer wie eine lebendig gewordene Variante dieser Figur. Was unterscheidet die Aktivistin im Kleid mit der Aufschrift „Hot, Hotter, Dead“ eigentlich noch von Homer Simpson? Vielleicht nur, dass Homer keine Talkshow-Einladungen bekommt.

Ideologische Verwechslungsgefahr: Luisa Neubauer (li.), Homer Simpson (re.)



Luisa Neubauers geistige Ideenlosigkeit wird dabei umso sichtbarer, je konkreter sie wird. In ihrem aktuellen Buch fabuliert sie über den Urknall, der sich – man höre und staune – angeblich auf die Sekunde genau berechnen lasse. Jeder Satz, jede Forderung, jede Überzeugung Luisa Neubauers ist gebaut auf Rechenmodellen, Szenarien und statistischen Schätzungen, deren Prämissen sie weder versteht noch hinterfragt. Und die sich – wie die Erfahrung lehrt – mit der Wirklichkeit nicht vertragen.

Denn nicht nur das politische Interesse am Klima schwindet – auch seine wissenschaftliche Aura ist beschädigt. Spätestens seitdem die USA unter wachsendem innenpolitischem Druck faktisch aus der globalen Klimapolitik ausgestiegen sind, hat sich das Thema zunehmend entzaubert. Die letzte UN-Klimakonferenz COP29 in Baku wirkte nur noch wie eine Mischung aus politischer Technokratie und pseudoreligiöser Selbstgewissheit – mit dem Wahrheitsanspruch von Flat-Earth-Theoretikern, die in fensterlosen Räumen ihrer stickigen Sonnen- und Frischluftphobie frönten. Der Klimakult ist keine klassische Ökologie, sondern ihr Gegenteil: Technokratie auf der Höhe der Zeit.

Die UN-Klimakonferenz COP 24 in Aserbaidschan fand jenseits von Sonne und Tageslicht statt. Die Taliban waren mit einer Delegation ebenso präsent wie deutsche Klimaschützer.




Was einst als linke Avantgarde wirkte, gilt zunehmend als esoterisches Relikt. Nicht einmal die Grünen setzten im vergangenen Bundeswahlkampf noch aufs Thema Klima. Das Klima war „kein Thema“, musste selbst die taz, das Sprachrohr akademischer Wohlstandslinker, resignativ feststellen.

Luisa Neubauer aber hatte all ihre politische Energie auf dieses eine Pferd gesetzt – und auf das falsche. Nun zehrt sie von einer Idee, die in die Jahre gekommen ist. Umsatteln kann sie nicht. Ihr Denken ist ebenso unbeweglich wie ihr Thema: groß im Pathos, klein im Verstand.

Dass der Klimadiskurs zum Nischenthema geworden ist, hat auch mit Corona zu tun. Drei Jahre Pandemie haben gezeigt, wie trügerisch mathematische Modellierungen sein können, wenn sie zur Grundlage realer Politik werden. Die epidemiologischen Projektionen, einst Rechtfertigung für Coronamaßnahmen, haben sich an der Realität blamiert – und mit ihnen die Idee einer rechnerisch prognostizierten Zukunft.

Das Vertrauen in „die Wissenschaft“ als unfehlbare Instanz hat Kratzer bekommen – und damit auch die Klimaforschung. Die große Ähnlichkeit beider Disziplinen – ihre Lust am Modell, ihre Unberührtheit von Alltag und Wirklichkeit – wirkt plötzlich entlarvend. Luisa Neubauer, die all ihr Vertrauen in jene Rechenkunst legte, steht heute vor einem Trümmerhaufen aus enttäuschter Autorität. Dass sie sich dabei inhaltlich an die Seite jener stellt, die in Gaza von einem Genozid sprechen – auf Grundlage von Zahlen der Hamas –, ist kein Zufall. Es ist dieselbe Zivilisationsfeindlichkeit, die Klimaapokalyptik, Corona-Autoritarismus und Israelhass miteinander verbindet.

Der Schlaf der Vernunft gebiert schließlich Ungeheuer – beim Klima, bei Corona, in Gaza.

Schläft die Vernunft, wacht oft der Wahn, wie der spanische Künstler Francisco de Goya (1746–1828) einst zum Ausdruck brachte




Luisa Neubauer ist nicht mehr die aufrechte Stimme der Jugend, die das Bürgertum moralisch entwaffnet, sondern eine linke Moralistin unter vielen. „Rechts“ zu sein wirkt für viele Jugendliche inzwischen rebellischer als Neubauers Hochmoral. Jeder Montagsprotest in Bitterfeld versprüht mehr Charme aufmüpfiger Jugend als die Instagram-Posts der Klimastreber. Jedes Kohlekraftwerk in Afrika ist faktisch antirassistischer als Luisa Neubauers neokolonialer Vorschlag, afrikanische Kinder von Wetterenergien abhängig zu machen – von einer Energiewende, die in Deutschland nicht funktioniert. Damit ihnen der Wohlstand verwehrt bleibt, in dem Neubauer groß geworden ist. But to be fair: Dafür kann sie nichts, wohl aber für die mangelnde Nutzung ihrer Geisteskräfte.

Der aufrechte Gang und die Apfelsinenkiste

Luisa Neubauer wurde 1996 in Hamburg geboren, studierte Geografie in Göttingen und trat ab 2018 als deutsches Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung ins öffentliche Bewusstsein. Schnell avancierte sie zur moralischen Instanz einer Generation, die vorgab, im Besitz der letzten Wahrheit zu sein: Das Klima kippt – und wer jetzt nicht handelt, handelt unmoralisch. Ihre Reden waren eindringlich, ihre Talkshow-Auftritte wirkmächtig, ihr Einfluss groß – stets gestützt auf die Gewissheit, dass die Wissenschaft eindeutig sei. Doch wie belastbar war diese Wissenschaft wirklich?

Während Neubauer zur Galionsfigur einer globalen Bewegung wurde, blamierten sich etliche apokalyptische Vorhersagen der Klimamodelle an der Wirklichkeit. Die Arktis wurde nicht eisfrei, der Himalaya schrumpfte nicht im Zeitraffer, und das als Hauptszenario gehandelte Emissionsmodell RCP 8.5 erwies sich als völlig überzogen. Während Neubauer also immer lauter rief, dass das Ende nahe sei, blieb der Klimakollaps ein Phantom. Ihre Biografie verläuft seither spiegelbildlich zur Klimawissenschaft, auf der sie fußt: Beide hatten früh große Aufmerksamkeit, wurden von Medien verklärt – und beide werden heute von der Realität eingeholt.

Erkenntnistheoretisch setzte Luisa Neubauer alles auf eine Karte. Und je mehr den Menschen dämmert, dass der Klimadiskurs genauso fragwürdig ist wie die Virologie, die für stundenlange Maskenpflichten in Schulen in brütender Hitze steht, desto mehr erscheint sie wie eine „Schwurblerin“, die auf einer Apfelsinenkiste den Untergang predigt. Nicht der Untergang der Menschheit droht, sondern der aufrechte Gang des Menschen – allerdings nur für jene, die alles auf die Apokalypse setzten und deshalb nie zu denken begannen. Bis vor Kurzem fragten sich viele erzürnt: Luisa, how dare you? Inzwischen sagen sie sich: Who cares about Luisa?

Luisa Neubauers Bedeutungslosigkeit ist wie die Eisbärenpopulation: Sie wächst.


Was erlaubt sich Katrin Göring-Eckardt eigentlich?

von Michael Münch

Hemmungslose Solidarität mit linksfaschistischen Gewalttätern: Grüne Superheuchlerin Göring-Eckardt mit ihrer Entourage in Ungarn



Der Hammer fällt – und mit ihm das Vertrauen in Moral und Politik: Ein junger Mann wird in Budapest brutal niedergeschlagen – eben mit einem mit einem Hammer. Er trägt schwere Schädelverletzungen davon und ringt im Krankenhaus mit seinem Leben. Die Täterin ist auf Video zu erkennen, in schwarzer Kleidung, mit gezielten Schlägen auf den Kopf des Opfers. Der Fall ist dokumentiert. Es gibt eindeutige Video-Aufnahmen, Zeugenaussagen, Tathergang. Für die Familie und Freunde des Opfers, für die Bürger dieses Landes, ist klar: Wer mit einem Hammer auf den Kopf eines Menschen einschlägt, nimmt billigend in Kauf, dass das Opfer stirbt. Das ist kein Aktivismus, das ist kein politischer Protest – das ist versuchter Mord. Geplant, organisiert, ausgeführt mit dem erklärten Ziel, Menschen, die anderer Meinung sind, zu verletzen, zu vernichten. Und es ist kein Einzelfall. Es war Teil einer ganzen Reihe koordinierter Angriffe, die sich im Februar 2023 in Budapest über mehrere Tage erstreckten: Linksextremisten, organisiert unter dem Deckmantel vermeintlicher “Antifaschisten”, agierten mit Gewalt, wie man sie aus dunkelsten Zeiten kennt.

Und während das Opfer bis heute leidet, während Angehörige um Gerechtigkeit ringen und während das EU-Land Ungarn versucht, mit rechtsstaatlichen Mitteln dieser Gewalt zu begegnen: Da reist eine deutsche Spitzenpolitikerin nach Ungarn – aber nicht, um das Opfer zu besuchen, sondern die Täterin. Katrin Göring-Eckardt, frühere Bundestagsvizepräsidentin und heute Bundestagsabgeordnete der Grünen (trotz nur 3 Prozent erzielten Stimmen in ihrem Wahlkreis), macht sich öffentlich stark für Maja Trux (vormals Simeon Ravi Trux) – eine nunmehrige “Transperson”, die mit diesen Verbrechen als mutmaßliche Täterin in Verbindung gebracht wird und auf Video zu sehen ist, wie sie auf ein am Boden liegendes Opfer einschlägt.

Der Totschläger: Und dann haut er mit dem Hämmerchen...



Moralischer Offenbarungseid

Natürlich, sagen nun Juristen, gilt die Unschuldsvermutung. Das mag formaljuristisch korrekt sein; aber im moralischen Empfinden der Gesellschaft, der Opfer, der Familien, der Öffentlichkeit, ist der Fall längst klar. Denn die Tat ist sichtbar. Trux’s Beteiligung ist dokumentiert. Es braucht eigentlich kein Urteil, um zu erkennen, dass jemand, der mit einem Hammer auf einen Menschen einschlägt, billigend in Kauf nimmt, dass dieser Mensch stirbt. Dass sich eine Spitzenpolitikerin in solchem Fall nicht schämt, Partei zu ergreifen – und nicht für die Opfer, sondern für die Täterin – ist ein moralischer Offenbarungseid. Dass Göring-Eckardt dafür nicht zurücktreten muss, dass kein Kanzler, kein Bundespräsident, kein Fraktionsvorsitzender dieser fatalen “Privatdiplomatie” Einhalt gebietet, ist das eigentliche Drama. Es zeigt: Unsere politische Elite hat den moralischen Kompass verloren.

Denn die Frage ist nicht nur: Wie konnte das geschehen? Sondern: Warum empört sich niemand? Wo bleibt das Wort der Solidarität mit dem Opfer?

Wo bleibt der Aufschrei gegen politische Verklärung brutaler Gewalt? Stattdessen: Schweigen, Wegschauen, Rechtfertigungen. Katrin Göring-Eckardt hat mit ihrem Besuch ein Signal gesendet – aber nicht für Gerechtigkeit, sondern für Gesinnung. Sie hat gezeigt, dass in Teilen der Politik offenbar Täter und Opfer vertauscht werden, je nachdem, ob die Ideologie passt. Und das ist gefährlich, für den Rechtsstaat, für das Vertrauen in Politik, für die Würde der Opfer. Der Hammer traf den Kopf des Opfers; aber nun trifft er auch das Fundament unseres moralischen Verständnisses. Was bleibt, ist die erschütterte Frage: Wie viel politische Verirrung erträgt eine Demokratie, bevor sie daran zerbricht wie ein Schädel unter dem Hammer?


Das "Opfer", dass mit einem Hammer auf den Schädel von Passanten einschlug.



Volle Solidarität von Katrin Göring-Eckhard, Grüne

Freitag, 4. Juli 2025

Pali-Tuch erklärt – Windelköppe für Anfänger

Europäische Demonstranten mit "Pali-Tuch"

Schon die alten Ägypter haben sich, um den Schweiß aufzufangen, bei der Arbeit einfach ein Tuch um den Kopf gewickelt.

Im Zweistromland, dem heute als Ursprung der Zivilisation markierten „echten Garten Eden“ im heutigen Irak, war es über Jahrhunderte, eher Jahrtausende, Gang und Gäbe. Zumindest für Männer, eher Landarbeiter und Fischer.

Woher der Name wirklich stammt, weiß man nicht so genau. Die am weitesten verbreitete Annahme ist aber, dass es aus der irakischen Stadt Kufa stammt, die genau an diesem Zweistromland liegt.
Nachgewiesen ist der Name „Kufiya“ etwa ab der Zeit der Kreuzzüge. Und so wurden alle solche Kopfbedeckungen genannt, auch quietschbunte, die eher an einen turban erinnern.

So etablierte sich im heutigen Irak eine bestimmte Bildsprache, eine Symbolik, für ein ganz bestimmtes Muster.
Das weiße Tuch wird eingerahmt von zwei dicken Balken. Diese sollen die beiden Flüsse Euphrat und Tigris symbolisieren. Zwischen diesen Balken sind wellenartige Strukturen angebracht. Und in der Mitte des Quadrates findet sich das Fischernetz.

Eine klassische Kufiya mit altem Muster.

Foto: Eine klassische Kufiya mit altem Muster.

Wir setzen diese Gegend heute eher mit Wüste gleich. Doch auch die biblische Sintflut hat eindeutig ihren Ursprung im babylonischen Gilgameš-Epos etwa 1800 v. Chr. und wurde auch im sumerischen Atraḫasis-Epos erzählt. Die Gegend ist also weit länger mit Wasser und Fischerei assoziiert, als Noah und seine Arche. Sie war in alten Zeiten auch nachgewiesenermaßen grüner.

Die Araber

Der gesamte Raum wurde in der arabischen Expansion mit aufkommen des Islam ab 622 gewaltsam kolonialisiert. Und diese Kolonialherren bekämpften sich immer wieder untereinander, was zu verschiedenen Dynastien und Hauptstädten führte. Umayyaden (Damaskus), Abbasiden (Bagdad, später Kairo), Großreiche zerfielen und zum Schluss wurde die gesamte Region durch die nicht-arabischen Osmanen (Istanbul) eingenommen. Diese beherrschten ein Reich, das zeitweise größer war als das römische Imperium, für 400 Jahre.
Was den Arabern natürlich nicht gefiel.

Dieses erklärte, spezifische Muster wurde im gesamten arabischen Raum populär. Allerdings mit Abwandlungen.
In Jordanien und Saudi-Arabien wurde es eher in Rot auf Weiß getragen, während der britischen Mandatszeit wurde es sogar Kopfbedeckung der jordanischen und britischen Truppen.
Heute wird das Tuch auch beispielsweise von Jeziden und Kurden getragen, also verfolgten Minderheiten.

Ursprünglich britische Hilfstruppen bei einer Parade zur Einführung des jordanischen Königs 1946.

Foto: Ursprünglich britische Hilfstruppen bei einer Parade zur Einführung des jordanischen Königs 1946.

Das Osmanische Reich wurde im Ersten Weltkrieg besiegt und zerschlagen.
Und einer der wirkmächtigsten Vertreter einer „palästinensischen“ Nation war der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini.
Da er eine arabische Identität in der Region schaffen wollte, propagierte er das „arabische“ Kopftuch. Denn im Osmanischen Reich, das mehr und mehr westlich orientiert war, war der Fes (arab.: Tarbusch) identitätsstiftende Mode.
Während des arabischen Aufstandes gegen Briten und Juden in der Region Palästina 1936–1939, also dem heutigen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten, verbot er sogar in durch Araber eroberten Dörfern das Tragen des türkischen Tarbusch und verlangte, die Männer sollten die Kufiya tragen.

Mohammed Amin al-Husseini

Später lebte al-Husseini auch in Nazi-Berlin, traf Hitler, besichtigte Konzentrationslager, wurde zum SS-Gruppenführer (General) ernannt und stellte auf dem Balkan muslimische SS-Einheiten auf.
Als ein Ende des Krieges absehbar war, flüchtete er nach Ägypten, wo er weiterhin mit vielen Nazis kooperierte, die dort Unterschlupf gefunden hatten.

Husseini mit Hitler im Gespräch.

In dieser Zeit wurde Israel gegründet (1948), was sein Anliegen der Vernichtung der Juden und Erschaffung eines arabischen Staates in der Region Palästina umso dringlicher machte.

In Kairo traf er auch den dort studierenden Ägypter Jassir Arafat, mit dem er über drei Ecken verwandt war. Arafat wurde zu seinem Protegé.
Arafat gründete dann 1959 in Kuweit die Fatah, eine sozialistische, nationalistische Organisation zur Gründung eines arabischen Staates und zur Vertreibung der Juden. Wofür auch Husseini Gelder beschaffte.
Später wurde ein „palästinensischer Nationalrat“ gegründet, der auch gleich die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO gründete.
Zu ihrer Gründung definierte die PLO 1964 erstmals die Araber der Region als alleinige „Palästinenser“. Denn zuvor war das einfach eine lose Herkunftsbezeichnung für alle, die in der Region lebten. Also auch für Juden, Christen, Drusen und Beduinen.

Und Arafat war es, der die schwarz-weiße Kufiya aus dem irakischen Zweistromland endgültig als Identitätsmerkmal für Palästinenser etablierte. Auf Bildmaterial vor 1964 sieht man kaum einmal jemanden so etwas wie eine Kufiya tragen.
Er trug sie bewusst immer genau so, dass der über der rechten Schulter hängende Zipfel ein Dreieck ergab, das die Region Palästina ohne Israel symbolisieren sollte.

Jassir Arafat

Und so hat auch die Deutung der Symbole eine Wandlung erfahren. Wann, ist nicht genau klar.
Auf der nun „palästinensischen“ Kufiya sollen die Balken nicht mehr die beiden Ströme Euphrat und Tigris symbolisieren, sondern Handelsrouten. Was bemerkenswert ist, denn die Weihrauchstraße im arabischen Westen endete dort, der Handel verlief eher nicht durch die Region. Die Wellen wurden leicht geändert und sollen nun Olivenblätter symbolisieren und das eindeutige Fischernetz die Fischerei. Was ebenfalls merkwürdig ist, da die Araber in der Region eher nicht für Fischerei und Schiffshandel bekannt waren.

Die Symbolik des Tuches mit den Olivenblättern.

Mit aufkommen der PLO und dem Narrativ des „Widerstandes“ - wohlgemerkt bevor das Westjordanland und der Gazastreifen von Israel nach einem weiteren Krieg besetzt wurden - wurde das „Pali-Tuch“ in der Folge auch Mode in Europa. Das ebbte wieder ab und nun werden diese Accessoires von der gleichen Klientel, eher Linksaußen bis linksextremistischen Menschen aus dem Studentischen Umfeld, wieder aus der Schublade geholt.

Für sie symbolisiert es den Widerstand und vereinzelt Sozialismus. Ein Symbol gegen „den Westen“, Kapitalismus und Kolonialismus. Obwohl es eigentlich ein Zeichen von Terrorismus, Faschismus. arabische Kolonialisierung und nicht nur kultureller Aneignung, sondern sogar von ganz gezielter Instrumentalisierung ist.

Weshalb ich mir die Freiheit nehme, diese Menschen auch als Windelköppe zu bezeichnen.


Erschienen auf steady.page



Dienstag, 1. Juli 2025

Wild West im alten West-Berlin

Geldtransporter-Überfall am Kudamm – Schüsse auf Polizisten

Kurz nach dem versuchten Überfall: Der Geldtransporter steht vor der Kudamm-Filiale der Deutschen Bank Ecke Giesebrechtstraße am Olivaer Platz



Bislang unbekannte Täter (Remmo-Clan?) haben Dienstagmorgen am Kurfürstendamm versucht, einen Geldtransporter zu überfallen und auszurauben!

Die Einzelheiten des Überfalls, der sich gegen 7.45 Uhr ereignete, sind bislang noch unklar – Fakt ist: In Höhe der Hausnummer 63 vor der Filiale der Deutschen Bank Ecke Giesebrechtstraße sollte der Transporter der Firma „ProSegur“ das Geldinstitut offenbar mit Geld bestücken.

Doch die Täter wurden von der Polizei gestört! Eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife mit Zivilbeamten hat nach Angaben von Polizeisprecher Florian Nath den Überfall mitbekommen. Die Polizisten stoppten und verhinderten durch ihr Eingreifen, dass der Überfall fortgesetzt werden kann.

Um 7.45 Uhr versuchten die Räuber, den Transporter zu überfallen – sie wurden von Zivilpolizisten gestört



Unklar ist, was dann passierte. Allerdings bestätigte Polizeisprecher Nath Zeugenangaben, dass die Täter auf die Polizisten geschossen haben sollen. Nath: „Die Täter sollen Schüsse abgegeben haben und dann in einem Wagen geflüchtet sein.“ Nach B.Z.-Informationen soll es sich um einen „dunklen SUV“ handeln.

Der Wagen mit den verhinderten Geldtransporter-Räubern ist dann Richtung Brandenburgische Straße gefahren.

Schwer bewaffnete Polizisten nach dem versuchten Überfall auf einen Geldtransporter am Kurfürstendamm



Täter flüchteten nach Geldtransporter-Überfall

Die beschossenen Polizisten hätten dann die Verfolgung aufgenommen. Dann muss es zu filmreifen Szenen gekommen sein: Die verfolgende Zivilstreife ist noch einmal von den Tätern beschossen worden. Nach B.Z.-Informationen brachen die Polizisten die Verfolgung dann ab. In Höhe der Regensburger Straße stoppten die Beamten ihren Wagen.

Nach jüngsten Informationen der Polizei wurde ein Geldbote durch Pfefferspray leicht verletzt.