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Strand von Deir Al-Balah, Gazastreifen, 29.08.2025 (Hassan Jedi, Anadolu Press) | |
Seit einigen Tagen berichten viele Medien davon, dass „Genozidforscher“ die Kriterien für einen Völkermord im Gazastreifen erfüllt sehen. | |
Seit dem 01.09.2025 füllen Schlagzeilen die internationalen Medien. | |
Spannend sollte an dieser Stelle bereits sein, dass kein Medium, das ich gelesen habe, den Namen des Verbandes nennt oder eine Primärquelle angibt. | |
Die International Association Of Genocide Scholars | |
Die International Association Of Genocide Scholars, kurz IAGS, ist ein Interessenverband. Kein Forscherverband oder ähnliches. | |
Die Übersetzung stößt auf ein großes Problem. Denn den Begriff „Scholars“ gibt es im Deutschen so nicht. | |
Die IAGS beschreibt sich auf ihrer Homepage selber: | |
„IAGS-Mitglieder sind Akademiker, Menschenrechtsaktivisten, Studenten, Museums- und Gedenkstättenfachleute, politische Entscheidungsträger, Pädagogen, Anthropologen, unabhängige Wissenschaftler, Soziologen, Künstler, Politikwissenschaftler, Ökonomen, Historiker, Völkerrechtler, Psychologen sowie Literatur- und Filmwissenschaftler.“ | |
Dort steht weder etwas von „Forschern“, noch von irgendwelchen Beitrittsqualifikationen. | |
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Die Resolution | |
Es geht um die dreiseitige Resolution „IAGS Resolution on the Situation in Gaza“. | |
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Im Kern heißt es dort: | |
„[Das IAGS] erklärt, dass die Politik und die Aktionen Israels in Gaza der rechtlichen Definition von Völkermord in Artikel II der Konvention der Vereinten Nationen zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (1948) entsprechen“ | |
Tatsächlich wird aber kein Nachweis erbracht. | |
„In Anerkennung der Tatsache, dass der Internationale Gerichtshof in drei einstweiligen Verfügungen im Verfahren Südafrika gegen Israel – Januar, März und Mai 2024 – festgestellt hat, dass es plausibel ist, dass Israel mit seinem Angriff auf Gaza einen Völkermord begeht.“ | |
Doch das hat das Gericht nicht getan. | |
Das Gericht hat aber eben nicht festgestellt, dass Israel einen Völkermord begeht. | |
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Präsidentin Joan Donoghue bei dem Interview genau bei dieser Erklärung. | |
An dieser Stelle ist vielleicht auch interessant, dass die nächste Konferenz der IAGS im Oktober in Südafrika stattfinden soll. | |
Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Papier die Zahlen der Hamas wiedergibt - mit Zwischenstopp UN. Darüber hinaus wird an mindestens einer Stelle tatsächlich Al Jazeera als Quelle angegeben, einmal das pro-palästinensische Middle East Eye und es werden Aussagen israelsicher Politiker aus der Times of Israel zitiert. | |
Die ganze Resolution ist also keineswegs eine wissenschaftliche Aufarbeitung. | |
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Wie viele waren es denn nun? | |
Die Veröffentlichung dieser Resolution wurde wohl innerhalb der IAGS zur Abstimmung gebracht. Das geht ausmehreren Veröffentlichungen hervor. | |
„Von den 500 Mitgliedern nahmen 28 % an der Abstimmung teil und 86% der Abstimmenden unterstützten die Resolution.“ | |
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Die Nachrichtenagentur Reuters „versteckt“ das in dem Snippet „Resolution backed by 86 percent of scholars who voted.“ Also „Resolution wird von 86 Prozent der abstimmenden Scholars unterstützt“. | |
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In einem Monat Laufzeit haben nicht einmal ein Drittel der Mitglieder der IAGS abgestimmt. Und selbst davon haben wiederum nur 86% zugestimmt. Das ergibt einen Anteil von 24%, nicht einmal ein Viertel. | |
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Der Agenturmedienzirkus | |
Es ist wahrscheinlich, dass die Resolution dann von der der IAGS als Pressemitteilung an die Medien, vorzugsweise die Agenturen ging. Das erschließt sich auch aus den Verweisen der veröffentlichenden Medien, die die Meldung dann wiederum Reuters und AP abgekauft haben. | |
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Am 01.09.2025, also bereits am Tag nach dem Beschluss der Resolution, veröffentlich Reuters selber den Beitrag der Niederländerin Stephanie van den Berg. | |
Ich gebe nur einige Überschriften deutschsprachiger Medien wieder. | |
»Weltweit größter Genozid-Forscherverband wirft Israel Völkermord in Gaza vor« | |
»Genozidforscher sehen Kriterien für Völkermord durch Israel in Gaza erfüllt« | |
»Fachleute zu Gaza - Kriterien für Genozid durch Israel erfüllt« | |
»Genozid-Forscher sehen Kriterien für Völkermord in Gaza erfüllt« | |
»Genozid durch Israel? "Das, was in Gaza passiert, ist Völkermord"« | |
»Israels Krieg in Gaza - Forscher sehen einen Genozid« | |
»Es ist ein Völkermord. Wo bleibt der zivile Ungehorsam?« | |
»Wie erkennt man einen Völkermord?« | |
»Gaza-Krieg: Tatbestand Völkermord« | |
»Forscher sehen Kriterien für Völkermord in Gaza erfüllt: „Von verhältnismäßiger Verteidigung kann kaum mehr die Rede sein“« | |
Bemerkenswert, dass viele den Begriff der „Forscher“ übernommen bzw. verwendet haben. | |
Bei Daniel Bax von der taz wurden aus dem zustimmenden Viertel des zusammengewürfelten Haufens ohne Zugangsqualifikation nicht nur „Forscher“, sondern gleich „renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“. |
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Sie verbieten nicht die Hassrede, sondern die Rede, die sie hassen. Den Sozialismus erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert...
Freitag, 5. September 2025
Resolution von Genozid-Forschern: Wie man einen Völkermord macht
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