Sonntag, 21. September 2025

Pro Israel Berichterstattung: Fakt oder Empfinden?



Die Berichterstattung zum Gazakrieg spiegelt fast nur das Narrativ Israels wider. Oder sollte es da ein Bias, eine psychologische Verzerrung geben?

Die IDF, die Israel Defense Forces, veröffentlichen nur eine sehr begrenzte Art von Informationen. Beispielsweise zu Operationen, zu gefundenen Bunkern, zu eliminierten Zielen. Selten etwas zu Gefallenen eigenen Soldaten oder beispielsweise zu den Geiseln.

Manchmal, und das ist auch noch nicht lange so, veröffentlichen bzw. teilen Sie Informationen von COGAT, der zuständigen Stelle für die Hilfslieferungen.

Der Großteil der Informationen sind so genannte „operational Informations“, auf den Einsatz bezogene Informationen.

Die Medien können aus verschiedenen Gründen wenig damit anfangen. Das beginnt damit, dass die allermeisten Journalisten keine Ahnung von Krieg haben und endet damit, dass sich solche Meldungen schlecht verkaufen. Es ist nicht das, was die Menschen in den Nachrichten sehen wollen.

Aus dem Ukrainekrieg sehen wir täglich Aufnahmen von Drohnen, die explodierende Panzer und sterbende Menschen zeigen. Im Gazakrieg gibt es diese Bilder nicht. Auch das hat komplexe Gründe.

Israel muss befürchten, dass seine Soldatinnen und Soldaten in anderen Ländern wergen angeblicher Kriegsverbrechen angeklagt werden. Selbst wenn es wenige gesicherte Informationen gibt, die ein ordentliches Gerichtsverfahren begründen würden. Das ist bereits mehrfach passiert. Weshalb die Gesichter auf offiziellen Fotos fast immer unkenntlich gemacht werden.

Die Palästinenser veröffentlichen solche Bilder nicht, weil sie die asymmetrische Kriegsführung gefährden würden. Kämpfer könnten erkannt werden, Tunnelausgänge entdeckt, Sprengfallen entschärft.

Der Gazakrieg ist ein Krieg ohne Kriegsbilder. Wirkungsbilder, Bilder von Opfern, aber keine Bilder der Gefechte. Was den Eindruck erwecken muss, dass es dort keine Gefechte gibt. Dass die IDF ohne Gegenwehr und nach freiem Ermessen durch den Gazastreifen ziehen und nach Lust und Laune töten.

Ersatzweise stürzen die Nachrichtenmedien sich auf Äußerungen von Politikern. Egal, ob diese nun eine tatsächliche Auswirkung auf den Krieg haben. Oder ob sie überhaupt umgesetzt werden. Der rechtsradikale Smotrich beispielsweise ist Finanzminister und nicht einmal in Netanjahus Partei.

Das bedeutet zwangsläufig, dass fast alles, was wir in den Nachrichtenmedien sehen, aus palästinensischen Quellen kommt. Und da die Islamisten das zu zensieren wissen, auch ihren Narrativen entspricht.

Fragt man eine KI, ob in den vergangenen Tagen israelische Soldaten getötet wurden, wird sie zunächst antworten, dass sie dazu keine zuverlässigen Informationen hat. Erst wenn man detaillierter und spezifischer fragt, wird sie wiedergeben, dass erst vor wenigen Tagen vier Soldaten bei einem Angriff in Rafah getötet wurden.

Kaum ein Medium berichtet, denn wenn die IDF etwas melden, gilt das als unbestätigt.

Egal ob es um Opfer nach einem Raketenangriff geht, ob es Zahlen zu Getöteten sind, ob es Bilder aus dem Gazastreifen sind, all das kommt von palästinensischen Quellen.

Alleine palästinensische Quellen als solche zu bezeichnen stößt häufig auf Ablehnung. Weil es das Narrativ durchbricht, die Hamas sei eine kleine, von der Bevölkerung getrennt zu sehende Gruppe sei. Und nicht ganz Gaza-Palästina. Der palästinensische Dschihad wird ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass auch im Dritten Reich nicht alle Kämpfer unbedingt Mitglieder der Partei waren. Und am 10/7 auch „Zivilisten“ teilgenommen haben.

Die bloße Tatsache, dass die Zahl von Opfern aufgerechnet oder auch nur genannt werden, kann bereits eine Verzerrung sein. Weil es den Drang anspricht, Leid zählbar zu machen, eine vergleichbare Grundlage zur Meinungsbildung zu haben. Die Werte Israels sind zu abstrakt. Denn dass die Palästinenser weit mehr Opfer durch die von ihnen angestrebte Vernichtung Israels verursachen könnten, wird nicht als statthaftes Argument anerkannt. Um die Versorgung Israels hat Israel sich bitteschön selber zu kümmern, um die Versorgung der Palästinenser aber nicht die Palästinenser, sondern die UN und NGOs.

Genauso wenig, wie es freie Journalisten im Gazastreifen gibt, gibt es eine relevante Anzahl von anderen neutralen Personen. Es gibt keine NGOs und auch keine internationalen UN-Mitarbeiter, die tatsächlich unabhängig beispielsweise die Getöteten nach einem Luftangriff zählen. Geschweige denn prüfen, auf was Israel gezielt hat oder wie viele Männer im kriegstauglichen Alter unter den Getöteten sind. Gezeigt werden Kinder, die überwiegende Mehrheit, die auch in den Angaben der Palästinenser zu sehen ist, zeigt man nicht.

Nicht nur die Palästinenser unterscheiden in ihren Statistiken nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten. Da die UN keine anderen Quellen hat, übernimmt sie das Narrativ. Und die Medien übernehmen es von der UN, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen und so weiter. Obwohl all diese Zahlen die gleiche Quelle haben.

Es ist quasi unmöglich ausgewogen zu berichten, die beiden Seiten abzuwägen. Denn wenn eine Seite kaum Informationen gibt und die andere Propaganda ausschüttet, nimmt man halt die Propaganda. Und drückt Augen zu, um diese zu legitimieren. Denn würde man sich an seine eigenen hehren Vorgaben halten, hätte man kaum etwas zu berichten. Das Gesundheitsministerium ist die Hamas. Der Zivilschutz ist die Hamas. Von den Qassam Brigaden liest man nichts, obwohl man noch von mindestens 20.000 Angehörigen ausgeht.

Andrew Fox hat bereits 2024 eine Studie unter dem Titel „Questionable Counting“ veröffentlicht. Darin wurden englischsprachige Berichte größer Medien systematisch untersucht:
  • Nur 15% der Berichte enthielten den Hinweis, dass palästinensischen Zahlen (wenn genannt) Zivilisten und Kombattanten nicht unterscheiden.
  • Nur 1% der Berichte hinterfragte die Zahlen der Hamas kritisch.
  • 20% der Berichte nannten die Zahlen der Hamas ohne Quellenangabe.
  • 4% der Berichte nannten Zahlen Israels (wenn genannt), 100% dieser Berichte gaben die Zahlen der Hamas wieder.
Wenn man fordert, Israel solle Journalisten in den Gazastreifen lassen, muss man sich die Frage gefallen lassen, was das bringen soll.

Die Presse-Lobby fordert dies eigennützig. Denn wie jeder Produzent kann sie so die Produktion ankurbeln. Doch bei jedem anderen muss die Vorstellung dahinterstehen, Israel habe etwas zu verbergen und die gesuchte Wahrheit sei im Sinne der Palästinenser. Andernfalls würde die Frage nicht so leichtfertig ausgeblendet werden, wie lange die Überlebenszeit von „westlichen“, unabhängigen Journalisten unter den Dschihadisten wohl wäre. Es hat auch niemand gefordert, Journalisten in das IS-Kalifat zu lassen. Oder jüngst nach Syrien. Und bezüglich der besetzten Gebiete in der Ukraine ist die Lobby auch erstaunlich ruhig.

Auch nur den Standpunkt zu vertreten, dass ähnlich wie bei Nazi-Deutschland die Opferzahlen der Angreifer vielleicht nicht die höchste Priorität ist, kann einem einen Shitstorm einbringen. Und je nach Formulierung das Risiko einer Anzeige wegen Volksverhetzung darstellen.

Das entscheidende Symptom jeder psychologischen Verzerrung ist, dass man sie selber nicht bemerkt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen