Sonntag, 14. August 2016

Herkunft nur bei Opfern relevant, nicht bei Tätern

von Thomas Heck...


Bei Anschlägen tun sich unsere Qualitätsmedien schwer, über die Herkunft des Täters unter Berufung auf den Pressekodex Auskunft zu geben. Dies führt immer wieder zu Irritationen und Diskussionen, gehört doch gerade die Frage der Herkunft von Attentätern zu den wesentlichen Informationen, die den Bürger als Betroffenen und potentielles Opfer interessiert.

Bei Opfern wird dagegen schnell auf die Tränendrüse gedrückt. So titelt der Focus "22jähriger Flüchtling ertrinkt im Badesee". Ein junger Flüchtling ist am Samstag in einem Badesee in München ertrunken. Nach Angaben von Feuerwehr und Polizei ging der 22-Jährige am Abend im Wasser im Lerchenauer See unter. Zeugen riefen die Rettungskräfte. Wasserwacht, Feuerwehrtaucher und zwei Hubschrauber waren im Einsatz. Nach etwa 20 Minuten fanden die Retter den Mann in etwa vier Metern Tiefe im See und brachten ihn ans Ufer. Wenig später starb er in einer Münchner Klinik. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um die Freunde des Mannes.



Warum wird hier die Herkunft erwähnt? Wozu diese Diversifizierung zwischen der Berichterstattung über Attentäter ohne Nennung der Herkunft und der Berichterstattung über Unfälle mit Nennung der Herkunft? Was wird damit bezweckt. Die Offensichtlichkeit zeigt die Gesinnung von Journalisten und die Intention, Flüchtlinge möglichst als Opfer und nie als Täter darzustellen. Mit Journalismus hat das allerdings wenig zu tun.

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