von Mirjam Lübke

Was man über Juden so alles zu wissen glaubt…
Das auf dem Foto oben Itzhak Rubinstein. Itzhak ist gerade in seinem Sessel vor Erschöpfung eingeschlafen, da die politische Weltlage Juden derzeit ein schwer zu bewältigendes Multitasking-Pensum aufbürdet: Er muss Lobbyarbeit für den Zionismus betreiben, für den Mossad Bomben in Kuweit legen, sich jederzeit bereithalten, um sich für Groß-Israel in Marsch zu setzen und nebenher noch den Talmud studieren, seine arbeitende Frau im Haushalt unterstützen, essen und schlafen. Denn der Mossad zahlt nicht immer pünktlich für seine Leistungen, das kann ich selbst bestätigen: Mein Lohnscheck ist diesmal auch wieder in der Post verlorengegangen. Wenn man dann noch wider Erwarten nicht mit den Rothschilds verwandt ist oder in Jeffrey Epsteins Testament bedacht wurde, wird es knapp zum Monatsende. Wir haben derzeit wieder Personalmangel bei der jüdischen Weltverschwörung, da wird jedem einzelnen viel abverlangt.
Es fällt schwer, nicht sofort laut “Antisemitismus!” zu rufen, wenn man solche oder ähnliche Vorstellungen im Netz liest, die dazu noch mit inbrünstiger Überzeugung vorgebracht werden. Die Beweisführung bewegt sich irgendwo zwischen “das weiß man doch” und “das ist schon seit Jahrtausenden so”. Bedarfsweise sucht man sich passende Zitate (ob echt oder nicht, ist egal) die das Geglaubte scheinbar “beweisen”, sofern das möglich ist – denn, klar, die sinistere jüdische Weltverschwörung operiert natürlich geheim, deshalb liegt es in der Natur der Sache, ihr nichts nachweisen zu können – aber genau das wird dann in der Vorstellung des “Wissenden” zum Nachweis ihrer Böswilligkeit herangezogen. Es herrscht das Bild eines vom Fließband laufenden Einheitsjuden vor, gleichgeschaltet in seinen Ansichten und jederzeit bereit, für eine ominöse Elite notfalls auch in einer Kamikaze-Aktion zu sterben, um einen übergeordneten Plan zu erfüllen. Eine ältere Dame fragte einen jüdischen Arzt aus meinem Bekanntenkreis einmal, ob das Gerücht stimme, die Juden legten ihren Toten einen Hammer in dem Sarg, um im Jenseits noch einmal Jesus ans Kreuz schlagen zu können. Immerhin hatte diese Dame erkannt, wie wenig ihr über Jahre erworbenes “Wissen” ihrer persönlichen Erfahrung übereinstimmte,und nachgefragt. Da trifft einem im ersten Moment erstmal der Schlag und man möchte hemmungslos herumbrüllen, was für ein himmelschreiender Blödsinn das sei; allerdings reißt man sich dann doch zusammen und sagt sich: Da gibt es zumindest den Hauch einer Chance, ins Gespräch zu kommen.
Alles Teil des Plans
Besonders das amerikanische Judentum hat es den “Zionismusexperten” angetan. Denn dort sitzt vorgeblich jene übermächtige Lobby, welche für jedes nur denkbare Unheil auf der Welt zuständig ist und dem Mossad in jeglicher Hinsicht gleichzieht, was ihre Raffinesse angeht. Vom ZDF bis zum Vatikan wird dort alles manipuliert, was sich für Geld kaufen lässt, wobei gerade das ZDF seine Propagandaarbeit für den jüdischen Staat geschickt hinter pro-palästinensischen Fake-News verbirgt. Die Medien sind gar nicht durchgängig auf der Seite der israelischen Politik? Der Israelhasser weiß: Das ist alles Teil des Plans. Nun gibt es in den USA tatsächlich finanzstarke Israel-Lobbyisten, wie etwa die berühmt berüchtigte AIPAC. Das allerdings hat den Nachrichtenwert des sprichwörtlichen Reissacks, der in China vom Fahrrad fällt. Internationale Lobbyarbeit ist gewiss keine israelische Spezialität: In den USA müssen sich internationale Lobbyorganisationen seit einigen Jahren in einem Register eintragen lassen. In der Top 10 taucht Israel noch nicht einmal auf – an der Spitze steht Liberia, dicht gefolgt von China. Offensichtlich gibt es auch eine “liberianische Weltverschwörung” von der bislang niemand etwas wusste – was auch immer ihre Ziele sind. Lobbyskandale gab es auch in Deutschland schon zuhauf, etwa die Aserbeidschan-Connection der CDU oder Annalena Baerbocks Verbindungen zur iranischen CARPO und dem Khomeini-Neffen Ali Tabatabai. Der protzte allerdings mit seinen Beziehungen zum deutschen Außenministerium ein wenig zu sehr herum, was dann sogar Baerbock peinlich wurde.
In den USA mag es also die AIPAC geben, aber es bleibt die Frage: Wen erreicht sie? Das amerikanische Judentum kennt keine Einheitsgemeinden, wie sie in Deutschland noch vielfach üblich sind. Salopp gesagt: Es gibt dort so viele jüdische Unterabteilungen wie es Juden selbst gibt. An beiden Enden dieses Spektrums ist die Bindung an Israel längst nicht so stark, wie sich das der handelsübliche Antisemit gemeinhin vorstellt. Die streng religiöse, allerdings recht kleine Gemeinschaft der Satmarer Chassidim lehnt den Staat Israel mit voller Inbrunst ab, da die Gründung erst nach dem Erscheinen des Messias statthaft sei und von Gott selbst eingeleitet werden müsse. Recht bekannt in Deutschland ist Deborah Feldman, die Autorin des Buches “Unorthodox”: Sie floh aus einer unglücklichen Ehe zu ihrer Mutter in Berlin und wandte sich vom Chassidismus ab. Ein bisschen Satmar steckt aber noch immer in ihr: Sie ist gern gesehene “jüdische Stimme” gegen Israel.
Innere Ablösung vom Zionismus auch bei Reformjuden
Auch im säkularen amerikanischen Judentum gibt es diese Stimmen zuhauf: Man denke nur an Bernie Sanders, der gern mit Palästina-Aktivisten wie Rashida Tlaib zusammenarbeitete. Oder die feministische Ikone Judith Butler, die den 7. Oktober 2023 als “Akt des Widerstandes” feierte, inklusive der durch die Hamas begangenen Vergewaltigungen. George Soros – der an seine jüdische Herkunft nur ungern erinnert wird – unterstützt pro-palästinensische NGOs in Israel, und selbst der verblichene Jeffrey Epstein hielt es eher mit der linken israelischen Opposition. Epstein und Netanyahu standen nie miteinander in Verbindung – Netanyahu rieb vielmehr seinem Konkurrenten Ehud Barak schon 2019 dessen diesbezüglichen Kontakte unter die Nase. Es mag hier zwar auch hier eine Menge Geld fließen – aber nicht immer in die Richtung, die man sich gemeinhin vorstellt. Und innerhalb des Reformjudentums hat ebenfalls eine innere Ablösung vom Zionismus stattgefunden, es ist aber in diesem Falle kein Hass auf Israel, sondern lediglich die Devise “Zion ist, wo Juden leben”. Man spendet mal privat was, fliegt auch mal in den Urlaub nach Israel und pflückt dort im Kibbuz Orangen, aber das Gefühl, in den USA einen sicheren Hafen und eine dauerhafte Heimat gefunden zu haben, überwiegt.
Europäische Juden empfinden – gerade auf Grund des zunehmenden Antisemitismus – dieses Sicherheitsgefühl nicht im selben Ausmaß; wir sind dankbar, im Notfall ein Ausweichquartier zu haben. Sicher ist man dort zwar auch nicht unbedingt, aber man weiß: Hier wird wenigstens alles getan, um jüdisches Leben zu schützen. Deshalb kann man auch über Theorien, der Mossad und die Regierung Netanyahu hätten den Hamas-Überfall 2023 bewusst in Kauf genommen, nur den Kopf schütteln. Ähnliche Theorien gab es auch schon über den Holocaust, der angeblich von “jüdischen Eliten” befördert wurde, um die Staatsgründung Israels voranzutreiben; sie werden immer mal wieder in die Welt gesetzt, um Rechtfertigungen für antisemitische Verbrechen zu generieren. Es kann und darf einfach nicht sein, dass Juden etwas nicht unter Kontrolle haben, vielleicht auch deshalb, weil ihnen die Mittel fehlen, sei es personell oder logistisch. Das heißt nicht, dass es in der israelischen Politik keine Fehlentscheidungen um den 7. Oktober gegeben hätte; alle während der Feiertage verfügbaren Kräfte auf Drängen kleiner Splitterparteien nach Norden oder in Richtung des Westjordanlandes abzuziehen, war eventuell eine solche – doch darin Absicht zu wittern ist schon eine steile These.
Westlicher Schlingerkurs zwischen Postkolonialismus und Islam-Appeasement
Vielleicht hat gerade das Vorgehen der Hamas zum derzeitigen entschlossenen Militärschlag gegen den Iran geführt: Durch Verhandlungen war die israelische Regierung in Sicherheit gewogen worden – und eben das führte dazu, bei bestimmten Gruppierungen jetzt nicht mehr auf fruchtlose Gespräche zu setzen. Da geht einem irgendwann einfach die Puste aus. Der absurdeste Gedanke ist aber wohl, dass Juden bei solchen Opfergängen freiwillig wie eine ferngesteuerte Roboterarmee mitmachen würden. Sein Leben bei der Verteidigung Israels zu riskieren, ist das eine; es resultiert aus dem Willen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Einen Knopf, der dazu führt, dass eine so vielfältige Gemeinschaft wie die der Juden sich widerstandslos auf Geheiß einer ominösen Elite zur Schlachtbank führen lässt, wird man aber kaum finden. Das ist in den letzten Jahren eher zu einer Spezialität des Westens geworden, der einen dauerhaften Schlingerkurs zwischen Postkolonialismus und Islam-Appeasement fährt. Ist dieses Appeasement vielleicht die Wurzel allen Übels? Schließlich ist es einfacher, sich gegen einen kleinen Mittelmeerstaat mit 9 Millionen Bürgern zu stellen als gegen die muslimische Welt, die nicht nur über mehr Land, sondern auch weitaus mehr Menschen verfügt. Da bringt man sich doch lieber rechtzeitig in Sicherheit.
Mancher Leser wird auch diesen Text wieder für eine Ausgeburt zionistischer Propaganda halten – auch wenn der Scheck vom Mossad noch immer nicht im Briefkasten liegt. Tatsächlich wird man von Israelhassern immer wieder gefragt, was man denn für seine Posts bekäme. Die günstigste Einschätzung liegt derzeit bei sieben Euro. Es ist schon seltsam, wenn Antisemiten glauben, dass wir, die doch angeblich so gierig sind, uns für so ein bisschen Geld an den PC setzen würden. Aber als Antisemit muss man eben lernen, Widersprüche aushalten zu können… sonst funktionieren die eigenen Theorien nicht mehr.





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