Donnerstag, 20. November 2025

Der Weimer-Skandal ist in den linken Systemmedien angekommen: Apollo-News hat erstmals die Blase durchstochen!

von Theo-Paul Löwengrub

Schwingt weiter große Worte, als sei nichts gewesen: Dampfplauderer Weimer am Sonntag in der “Presseclub München Matinee”



Die von “Apollo News” aufgedeckte Affäre um die Vermarktung von beziehungträchtigen Treffen mit Spitzenpolitiker für hohe fünfstellige Summen im Rahmen des von der Weimar Media Group ausgerichteten Ludwig-Erhard-Gipfels 2026 hat es endgültig aus der Blase geschafft – und damit das Potenzial, zur ersten handfesten Regierungskrise mit einem untragbar gewordenen Minister zu werden. Inzwischen berichten darüber nahezu sämtliche linken Medien, sei es kritisch oder verteidigend – aber die übliche Taktik (und das Kalkül Weimers) ging diesmal nicht auf, brisante Enthüllungen zu fragwürdigen bis skandalösen Machenschaften einfach als “rechte Kampagne” abzustempeln und damit wirksam aus der Debatte zu halten. War dies bei nahezu allen aufgedeckten Sauereien des linksgrünen Establishments der letzten Jahre – Impfnebenwirkungen, RKI-Files, Aufdeckung der “Correctiv”-Lügen, Habecks Klima-Filz, Baerbocks Visa-NGO-Abgründen und vielem mehr – stets erfolgreich gewesen und hatte vor zwei Monaten sogar noch bei Weimers Plagiats-Affäre funktioniert, schlug der Versuch diesmal gründlich fehl, eine von “Tagesschau”, “Heute”, “Süddeutsche” und “Zeit” zuverlässig von unbequemen Wahrheiten abgeschirmten Mainstream-Öffentlichkeit auch über diesen Skandal unaufgeklärt zu lassen, indem man ihn ins Reich raunender rechter Schwurbeleien rückt.

Dabei hatte Weimer mit seinen Anwälten doch genau das versucht. So hatte er vorgestern erklärt: “Exakt seit meiner Eröffnungsrede der Buchmesse in Frankfurt greifen rechte Portale wie ‚Nius‘ und ‚Apollo News‘ mich an. Mal wird einem meiner ehemaligen Medien Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen, mal wird die Verlagspreisverleihung verunglimpft. Die rechten Netzwerke orchestrieren jedes Mal Kampagnen, und die AfD politisiert es hernach. Es ist politisch ziemlich durchschaubar. Die Rechten setzen gezielte Diffamierung als Waffe der politischen Auseinandersetzung ein. Natürlich sind Minister nicht käuflich. Das sind nicht zutreffende Behauptungen, gegen die juristisch vorgegangen werden wird. Medienanwalt Prof. Christian Schertz ist nun eingeschaltet worden.” Auch gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) sonderte er das übliche peinliche Geschwafel über „rechte Kampagnen“ ab und bezeichnete die eindeutig belegte „Apollo News“-Recherche pauschal als „Lügen“, gegen die er sich juristisch zur Wehr setzen werde.

Dreiste Apologetik

Was die FAZ geritten hat, sich für eine derart dreiste Apologetik herzugeben, ist unklar; “Apollo”-Chef Max Mannhart, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte, sprach von “einem der offensichtlichsten Gefälligkeitsartikel, die ich in meinem Leben jemals gelesen habe”, mit dem Weimer “unsere mit Dokumenten belegte Recherche in der FAZ“ habe “pauschal als ‚Lüge‘ abtun” dürfen, ohne überhaupt nur konkret zu benennen, was daran falsch sein soll. Mannhart bietet auch eine Erklärung für die publizistische Schützenhilfe an: “Der Transparenzhinweis, dass die FAZ ‚Medienpartner‘ der Weimer Media Group beim Frankfurt Finance Summit ist, wird bei dem Artikel leider vergessen.” Auch “Junge Freiheit”-Herausgeber Dieter Stein verwies auf diesen pikanten Zusammenhang.

Noch peinlicher allerdings war eine Mail der Weimer Media Group an das Magazin „Cicero“, das Weimer einst mitgründete, indem im Stil einer moralischen Erpressung die Frage gestellt wurde: „Wollen Sie wieder mit so viel Verve gegen den Gründer Ihres Magazins schreiben?“ Diese völlig kopflosen Reaktionen zeigen, dass ihm die Situation völlig entglitten ist. Weimer zeigt mit solchen Äußerungen, dass er selbst nicht mehr Herr der Lage ist. Julian Reichelt nannte Weimer angesichts der infamen Versuchs, von den Inhalten der Vorwürfe und eine böswillige Kampagne gegen ihn zu unterstellen, einen “dünnhäutigen Verschwörungstheoretiker”. Unverdrossen setzte Weimer dann seine Ankündigung in die Tat um – und ließ die bei in Bedrängnis geratenen Politikern beliebte Berliner Anwaltskanzlei Schertz Bergmann zu Einschüchterungszwecken folgende als “Presseerklärung” getarnte Drohung verbreiten:



Rechtsanwalt Markus Haintz hielt angesichts dieser Flucht nach vorne auf seinem Portal “Haintz Media” mit Kritik nicht hinterm Berg und schrieb dazu: “Zwei notorische Lügner, Hochstapler und Betrüger geben eine Presseerklärung ab. Nehme ich zur Kenntnis.” Die Reaktion des Ehepaars Weimer nannte er “Nebelkerzen des ‚Medienimperiums‘ mit vermeintlich ‚2000 Autoren‘ und ‚9 Millionen‘ Lesern”, und entgegnete auf die Presseerklärung süffisant: “Liebe Kollegen von Schertz Bergmann, Ihr wisst genau, dass die Berichterstattung von Apollo-News zulässig ist. Ein 50 % Gesellschafter, dem zusammen mit seiner Ehefrau ein Unternehmen gehört, das ‚Einfluss auf Entscheidungsträger‘ verkauft, ‚verkauft‘ nun mal Einfluss auf Entscheidungsträger. Dafür muss Herr Weimer nicht Geschäftsführer sein.”

Tatsächlich hat Weimer mit dieser Art des Umgangs mit offensichtlichem schwerem Fehlverhalten damit erst dazu beigetragen, dass der Fall bundesweit viral ging. Inzwischen ist er das Top-Thema auch im gesamten linken Medienlager, wie nur diese kursorische Google-News-Übersicht zeigt:


Inzwischen verdichten sich alle Anzeichen, dass die Tage von Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister – und dessen Exkurs in die Politik – gezählt sein dürften. Die inhaltlich nicht zu widerlegenden Recherchen von “Apollo”-News, denen zufolge dass die von Weimer mitgehaltene und von seiner Ehefrau geführte Weimer Media Group „Kooperationspakete“ an Unternehmen für Summen von 40.000 bis 80.000 Euro verkauft und sie dafür mit Bundesministern zusammenbringt, die am ebenfalls von Weimers Unternehmen veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee teilnehmen, wiegen schwer – zumal das Versprechen an die Käufer, dass sie „Einfluss“ auf politische Entscheidungsträger nehmen können, nicht nur Complianceregeln mit Füßen tritt, sondern justiziabel sein dürfte. Nicht von ungefähr kommt es deshalb auch zu Absetzbewegungen: So hat die bayerische Regierung nun eine Überprüfung ihrer Förderung des Gipfels eingeleitet; aus FDP und AfD kamen Rücktrittsforderungen an Weimer, und nun melden sich auch die linken Parteien zu Wort. „Für Herrn Weimer gilt: Als Regierungsmitglied hat er besondere Verantwortung dafür, dass gar nicht erst der Eindruck einer Käuflichkeit oder Vorteilsnahme entsteht. Ich bin mir sicher, dass der Staatsminister hierzu bald auch eine umfassende und transparente Erklärung abgeben wird“, ließ der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner verlauten.

„Da haben sich Millionäre mit Wolfram Weimer einen Staatssekretär gekauft und mit Friedrich Merz einen Millionär zum Kanzler gemacht“, empörte sich auch Linken-Chef Jan van Aken in der üblichen Klassenkampfmanier, und ergänzte: „In dieser widerlichen Schlangengrube wurde die korrupte Kanzlerschaft von Merz herangezüchtet“. David Schliesing, der medienpolitische Sprecher seiner Fraktion im Bundestag, fragte: „Wann ziehen CDU/CSU und SPD endlich die Reißleine und beenden diese ungehemmte Delegitimierung der Demokratie?“ und empfahl Weimer, sein Amt zumindest niederzulegen, „bis alle Angelegenheiten geprüft sind“. Auch die stellvertretende Fraktionschefin der Linken, Nicole Gohlke, hatte Weimer scharf für den Ludwig-Erhard-Gipfel kritisiert. Für die Linken ist die Angelegenheit besonders delikat, denn ihre Berliner Filiale hatte letzten Monat einen regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen „Apollo News“ gestartet und wollte das Portal aus seinen Redaktionsräumen in Berlin-Treptow vertreiben. Nun bezieht man sich auf eine „Apollo“-Recherche, um Weimers Rücktritt zu fordern.

Knallhartes Kalkül oder gar kriminelle Energie?

Selbst die unvermeidliche Grüne Katrin Göring-Eckardt kritisierte Weimers „Naivität“ und fehlendes Fingerspitzengefühl; das Problem sei nicht, dass es einen Ludwig-Erhard-Gipfel gebe, sondern „dass sich an der Vermarktung und dem Konzept des Gipfels scheinbar nichts geändert hat, nachdem Wolfram Weimer als einer der beiden Anteilseigner des Veranstalters Mitglied der Bundesregierung wurde“, meinte sie. Von Naivität kann indes bei Weimers Geschäftsgebaren keine Rede sein: Vielmehr zeigt es knallhartes Kalkül, manche sprechen gar von krimineller Energie, um eigene Geschäftsinteressen mit seinen politischen Kontakten zu verbinden. Schon dass Weimer jahrelang auf seinem Portal „The European“ unzählige bekannte nationale und internationale Persönlichkeiten als Autoren aufgelistet und so den Eindruck erweckt hatte, diese würden freiwillig und häufig dort publizieren, obwohl die meisten davon gar nichts wussten, hätte eigentlich sein politisches Aus bedeuten müssen: im Stil eines Copy-Paste-Plagiators hatte Weimers Medium öffentlich verfügbare Reden und Texte aufgegriffen, um seiner völlig irrelevanten Postille mit minimalster Reichweite den Ruf eines internationalen Debattenmagazins zu verschaffen. Tatsächlich diente jedoch auch “The European” vor allem als Vehikel zur Bewerbung des Ludwig-Erhard-Gipfels, mit dem Weimer Geld scheffelt.

Diesmal dürfte er mit seiner charmanten Chuzpe jedenfalls nicht mehr davonkommen.


Dienstag, 11. November 2025

Grundlagen: Linksradikaler Antisemitismus – Die vergessene Verknüpfung

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Rainer Langhans (l.) und Dieter Kunzelmann beim „Vietnam-Kongress“ in Berlin, 1968.

Am 9. November habe ich mit einem kurzen Posting auf der Facebook Fanpage an den Brandanschlag von 1969 auf das Jüdische Gemeindehaus Berlin durch Linksradikale erinnert.
Die Reaktionen haben gezeigt, dass das wohl vielen nicht bewusst war, oder sie nicht einmal davon gehört hatten.
Wir sollten reden.

Hinweis: Vor 50 Jahren wurde noch nicht so genau zwischen Linksradikal und Linksextremistisch unterschieden, ebenso wenig wie es die Feinheit der Definition von israelbezogenem Antisemitismus gab. Ich gehe hier ausnahmsweise bewusst schludrig mit den Begriffen um.

Im Januar 1967 gründete sich in West-Berlin die Kommune I.
Will man dies als Starpunkt für annehmen, sollte man jedoch nicht vergessen, dass auch das eine Vorgeschichte hatte. Doch wir wollen es ja kurzhalten.

Das West-Berlin der ausgehenden 1960er war ein Epizentrum des Linken, heute würde man sagen Linksradikalen bis Linksextremen. Die Bewegung kam vor allem aus dem Umfeld der Hochschulen, aus gutbürgerlichem Hause. Die Studentenbewegung bestand vor allem aus bewegten Studenten.
Und wie es auch heute Subkulturen gibt, war es ein kleines Universum, in dem alles zumindest über Ecken miteinander Verknüpft war.

Der Sozialistische Deutsche Studentenbund SDS hatte sich bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Es war eigentlich der Hochschulverband der SPD, radikalisierte sich aber zunehmend. Wodurch sich im Mai 1960 der Sozialdemokratische Hochschulbund von ihm abspaltete.
Das Spektrum von Links wurde breiter.

Eine von vielen Antrieben der Bewegung war, dass mit Kurt Georg Kiesinger ein ehemaliges NSDAP-Mitglied und Mitarbeiter des Auswertigen Amtes Bundeskanzler wurde.

Imperialistische Baby-Killer

Die Radikalisierung kann man nicht verstehen, ohne auch die Weltpolitik zu betrachten.
Zuvor hatte es bereits den Koreakrieg bzw. Indochinakrieg gegeben. Vietnam war geteilt worden, der Norden wurde kommunistisch. Der Anführer Hồ Chí Minh war zwar Kommunist, aber auch Nationalist. Im Süden hatte Ngô Đình Diệm ein westlich orientiertes Regime gefestigt. Und so begann der Norden den Süden anzugreifen.

Nach und nach griffen die USA ein, sie waren von Süd-Vietnam um Hilfe gebeten worden. Zunächst wurde es nur als Polizeieinsatz deklariert, ab 1965 bombardierten die USA erstmals Nordvietnam.
Für die USA war es eigentlich eher ein Tagesordnungspunkt. Ihnen war wichtig, einen Fuß in der Türe des ostasiatischen Festlandes zu behalten. Mit der Guerilla-Kriegsführung hatten die Kommandeure, die noch durch den Zweiten Weltkrieg geprägt waren, nicht gerechnet.
Viele, die in den 1980ern aufgewachsen sind, sind mit Filmen und Serien über den Vietnamkrieg groß geworden: Platoon, Full Metal Jacket, Die durch die Hölle gehen, Apocalypse Now, Rambo.

Natürlich wurde dies in den linksradikalen Kreisen West-Berlins „imperialistisch“ gelesen. Und somit setzte auch die Propaganda ein, zurückkehrende US-amerikanische Soldaten wurden als „Baby-Killer“ verunglimpft. Wer hier Parallelen zum Gazakrieg sieht, sieht sicher nicht ganz falsch.

Ein Schild zeigt "Baby Killer" neben dem Bild von Netanjahu.
Schild auf einem pro-palästinensischen Protest, London, 22.03.2025

Wie erfolgreich die Simplifizierung und die Propaganda war, kann man auch heute noch daran ablesen, dass viele Menschen denken, die USA hätten den Vietnamkrieg angefangen.
Es waren Stellvertreterkriege: Auf der einen Seite die USA, auf der anderen Seite wurde von China und der Sowjetunion unterstützt.

Der König der Könige

Ein weiterer Punkt muss zumindest erwähnt werden.
Während des Zweiten Weltkriegs hatte Mohammad Reza Pahlavi den Thron bestiegen, er war der Schah des Irans.
Ausgerechnet im Oktober 1967 krönte er sich zum Schahanschah, zum Kaiser („König der Könige“).

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Mohammad Reza Pahlavi, der letzte Schah des Iran. 1973

Wenige Monate zuvor hatte er Berlin besucht. Dabei kam es zu grotesken Szenen.
In Deutschland lebende Iraner jubelten ihm zu, Studenten demonstrierten. Die Iraner, viele in dunkle Anzüge gekleidet, überwanden Absperrungen und begannen, mit Latten und Fahnenstangen auf die Studenten einzuprügeln. Die Polizei schaute zu.
Später gab es viele Hinweise, dass diese Iraner vom Geheimdienst organisiert worden und teilweise eingeflogen worden waren. Das waren die „Jubelperser“, mit denen viele sicher aufgewachsen sind, ohne zu wissen, woher das Wort eigentlich stammt.

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2. Juni 1967: Der Schah besucht Berlin, Iraner schlagen auf Demonstranten ein, die Polizei steht daneben oder greift selber Demonstranten an.

1979 wurde der Schah in der Islamischen Revolution gestürzt. Doch damit kamen die Iraner von der Traufe in den Regen. Es entstand das iranische Regime, wie es bis heute noch existiert. Und gegen Israel kämpft.

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Ruhollah Musawi Chomeini (Ayatollah Khomeini) kehrt aus seinem Exil in Frankreich in den Iran zurück. Sein Nachfolger Ali Chamenei ist bis heute oberster Anführer des Iran.

Auch diese Vorkommnisse muss man mit den Augen der damaligen Zeit sehen.
Dieses anhaltende Gefühl des Klassenkampfes führte dazu, dass viele die Welt mehr und mehr in Links und Rechts einteilten. Obwohl diese Begriffe, die für ein demokratisches Spektrum gelten, ungeeignet sind.
Da war schon richtig was los, wenn man abends die Tagesschau guckte. Doch das dicke Ende sollte zumindest in West-Deutschland erst noch kommen.

Der Arabische Aufstand

In der Region Palästina hatte es spätestens seit den 1920ern Massaker an Juden gegeben. (Massaker von Hebron, etc.) Die Muslime beanspruchten das Land für sich. Sozialisiert in einem 400-jährigen, muslimischen Osmanischen Reich. Das auf viele Kalifate und Dynastien gefolgt war.
Wie Europa sich als christliche Hemisphäre sieht, so sieht sich die muslimische Welt als ein geschlossenes Konstrukt. Trotz Jahrhundert der Kriege untereinander, die es ja in Europa ebenso gegeben hatte. Gerade für einen Europäer ist es naiv, ungebildet oder schlicht selbstvergessen, Muslime als homogene Masse zu sehen.

Von 1936 bis 1939 kam es im von den Briten verwalteten Palästina zum Arabischen Aufstand.
Der wird gerne vergessen, verschwiegen, die wenigsten nehmen ihn zur Kenntnis. Vor allem, um israel-feindliche Narrative erzählen zu können. Doch er ist ungemein wichtig. Damals war bereits abzulesen, was später mit Israel passieren würde.
Es kam auch in dieser Zeit zu Massakern an Juden.

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Britische Soldaten treiben eine arabische Menschenmenge während der Aufstände auseinander. Jaffa, 19. – 21. April 1936

Einer der wichtigsten muslimischen Anführer gegen die Briten und die Juden war Mohammed al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem.
Er hatte gute Kontakte zu den Nazis, die seinen Truppen auch Waffen lieferten. Später lebte er einige Jahre in Berlin, wurde zum SS-Gruppenführer (General) ernannt, besichtigte Konzentrationslager und gründete auf dem Balkan muslimische SS-Truppen, die am Holocaust mitwirkten.

Der SS-Gruppenführer, der Palästina erfand
Dieses Posting habe ich bereits am 25. Juni 2024 auf der Facebook Fanpage und X veröffentlicht. Da es bis heute noch häufig geteilt wird, habe ich es editiert und stelle…
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Als der Teilungsplan der UN Gestalt annahm - man darf nicht vergessen, dass die umliegenden arabischen Staaten gerade im Entstehen waren - begann ein Bürgerkrieg in Palästina. Denn den dort lebenden Arabern schwante, dass sie zwischen dem syrischen, jordanischen, irakischen und ägyptischen Staat die Zurückgebliebenen sein würden. Mit einem jüdischen Staat als Nachbarn. Oder, schlimmer noch, in einem jüdischen Staat.

Als am Abend des 14. Mai 1948 das britische Verwaltungsmandat endete und Ben-Gurion die Unabhängigkeit Israels ausrief, griffen in derselben Nacht alle umliegenden arabischen Staaten Israel an. Und verloren.

Sechs Tage bis zum Antisemitismus

Der Gazastreifen wurde von Ägypten besetzt, das Westjordanland von Jordanien.
Zwei Jahrzehnte lang störte sich niemand so recht daran. Außer einige arabische Nationalisten.
1964 wurde die PLO gegründet und definierte „Palästinenser“ nur noch als diejenigen Araber bzw. Muslime, die nicht in Israel lebten.

Im Juni 1967 versammelte Ägypten über 100.000 Soldaten an der Grenze zu Israel, in einer eigentlich entmilitarisierten Zone. Jordanien zog Streitkräfte zusammen. Doch diesmal wusste Israel sich zu wehren. Schnell und radikal.
In einem Präventivschlag flog es Angriffe auf die ägyptischen Truppen. Am nächsten Tag war die ägyptische Luftwaffe am Boden zerstört. Daraufhin griffen auch Jordanien und Syrien Israel an. Unterstützt wurden sie unter anderem durch Saudi-Arabien und der Sowjetunion.

Zwei israelische Panzer in der Wüste, im Hintergrund fünf Rauchsäulen brennender Panzer.
Sechstagekrieg: Israelische Truppen stoßen so schnell in den Sinai vor, dass den ägyptischen nur noch die Flucht bleibt.

Erneut gewann Israel, diesmal nach nur sechs Tagen.
Doch diesmal zog es sich nicht einfach wieder zurück. Vor allem zur eigenen Sicherheit besetzte es das Westjordanland und Ost-Jerusalem (von Jordanien), den Gazastreifen (von Ägypten) und die Golanhöhen (von Syrien), von wo aus es beschossen worden war.

Und nun müssen wir uns vorstellen, welchen Eindruck das zwischen Vietnamkrieg, Kaltem Krieg, Jubelpersern und einem ehemaligen NSDAP-Mitglied als Kanzler in der Studentenbewegung West-Berlins und auf dem platten Land hinterlassen haben muss.

Der Kultur- und Klassenkampf hatte nun auch die Juden vereinnahmt. Der linksradikale Antisemitismus erlebte seine Grundsteinlegung.

Viele Narrative, die anlässlich des Gazakrieges ausgepackt wurden, sind nicht neu. Sie sind über 50 Jahre alt. Israel als „kolonialistisches Projekt“, obwohl „Kolonie“ lediglich eine Empfindung ist und jeder Definition widerspricht. Die Kindermörder, die Imperialisten, die Zionisten. Alles alte Kamellen in neuem Gewand. Heute nicht in Flugblättern, sondern auf dem Handy.
Zionismus ist lediglich die politische Bewegung und Einstellung, den Juden ein eigenes Land einzugestehen. Hier wird es umgedeutet zu einem imperialistischen Projekt.

Der nun folgende Antisemitismus von Linksaußen wurde vergessen.
Frischen wir es auf. Zumindest ein wenig.

Gute Beziehungen nach Palästina

Bekannt aus der West-Berliner Kommune sind vor allem Fritz Teufel und Rainer Langhans. Sie wurden durch die Fernsehprogramme gereicht.
Gegründet wurde sie jedoch maßgeblich durch Dieter Kunzelmann. Der damals bereits ein klarer Antisemit war. (Titelbild, mit Rainer Langhans)

Ab Ende September 1969, nachdem die Kommune I auseinandergegangen war, ging er für einige Wochen nach Jordanien. Wo er sich von der Fatah an Schusswaffen und Brandbomben ausbilden ließ. Die Fatah war quasi der militärische Arm der PLO, der palästinensischen Befreiungsorganisation. Diese war nach dem Sechstagekrieg 1967 nach Jordanien ausgewichen.

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Dieter Kunzelmann, Ina Siepmann (1969); Stiftung Haus der Geschichte | CC BY-SA 2.0

Nach seiner Rückkehr gründete er die Tupamaros West-Berlin. Tupamaros war eine kommunistische Untergrundorganisation in Uruguay. Und ihr Berliner Ableger legte am 9. November 1969 eine Brandbombe im Jüdische Gemeindehaus Berlin. Mit Grüßen aus Palästina, so zu sagen.
Die Bombe ging aufgrund einer veralteten Zündkapsel nicht hoch. Sie hätte leicht die 500 Teilnehmer der Gedenkveranstaltung töten können. Denn der Anschlag war bewusst auf den Jahrestag der Novemberpogrome gelegt.
Im darauffolgenden Jahr wurde Kunzelmann verhaftet, weil er mit einem Molotow-Cocktail einen Anschlag auf die Villa des B.Z.-Chefredakteurs Malte-Till Kogge durchgeführt hatte.

Doch das ist nur ein Bildausschnitt der Verbindung zwischen Antisemitismus, Palästinensern und deutschen Linksradikalen.
Die kurzlebigen Tupamaros aus Berlin waren mit dem eigentlich aus Mittelamerika stammenden Konzept Stadtguerilla das Rollenmodell für die Terrororganisationen Bewegung 2. Juni und RAF.

Die Bewegung 2. Juni benannte sich nach der erwähnten Demonstration mit den Jubelpersern.
Nach dieser Demonstration war der Student Benno Ohnesorg von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden, aus kurzer Distanz in den Hinterkopf. Er wurde freigesprochen.
Erst im Mai 2009 kam heraus, dass Kurras nicht nur Mitglied der SPD, sondern auch der Sozialistischen Einheitspartei der DDR war. Und Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi.

Gerade erst war Georg von Rauch, ein Mitbegründer der Tupamaros, nach langer Flucht von der Polizei erschossen worden. Und so trafen sich im Januar 1972 verschiedene gewaltbereite Linksextremisten in Berlin.
Die Gruppe verübte mehrere Anschläge und ermordete sogar ein eigenes Mitglied.

Mit dieser Gruppe und ehemaligen der Kommune I verbunden waren auch die Gründungsmitglieder der RAF, der Roten Armee Fraktion. Sie ließen sich ebenfalls von Palästinensern in Jordanien ausbilden. Jedoch von der PFLP, der Volksfront zur Befreiung Palästinas. Diese ist, wie auch die Fatah, sozialistisch orientiert, zum Teil leninistisch-marxistisch.

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Das erste Fahndungsplakat der RAF.

Einige Attentate einer langen Liste

Eine kleine Erweiterung darf hier zum Abschluss nicht fehlen.

Nach dem Sechstagekrieg akzeptierten Jordanien und Ägypten, dass Israel das von ihnen besetzte Territorium Gazastreifen und Westjordanland abgenommen hatte.
Das führte zum Jordanischen Bürgerkrieg, bei dem die Palästinenser nun gegen die jordanischen Sicherheitskräfte vorgingen. Er wird auch „Schwarzer September“ genannt.
Viele kampfbereite Palästinenser wichen daraufhin in den Libanon aus. Vom Staat allerdings auch dort nicht gerne gesehen, sie erhalten dort keine Bürgerrechte. Spätestens ab da wurde der palästinensische Terror international.

1972 verübte eine Gruppe Palästinenser während der Olympia in München ein Attentat, die sich Schwarzer September nannte. Sie gehörte eigentlich zur Fatah.
Sie nahmen Teile der israelischen Mannschaft als Geiseln. Es war nicht ihr erster Anschlag. Beispielsweise ermordeten sie im gleichen Jahr zuvor fünf in Deutschland lebende Jordanier.

Bei dem Olympia-Attentat wurde ein deutscher Polizist getötet… und elf Mitglieder der israelischen Mannschaft. Man kann nur schwer wiedergeben, welchen Eindruck dies in Israel hinterlassen haben muss. An dem Abend des gescheiterten Befreiungsversuchs stand Israel still, jeder saß vorm Radio.
Der jüdische Zwergstaat schickt erstmals nach dem Holocaust seine Sportler nach Deutschland. Als Gesandte des Friedens. Und elf von ihnen kehren in Säcken zurück. Ein Trauma.

1976 entführten deutsche Terroristen der „Revolutionäre Zellen“ gemeinsam mit Angehörigen der PFLP ein Flugzeug nach Entebbe in Uganda. Die israelische Spezialeinheit Sajeret Matkal befreite die über 100 Geiseln.
Der Einzige, der bei den heftigen Gefechten getötet wurde, war der Kommandeur: Jonathan „Joni“ Netanjahu. Der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Auch das kann man sich nur schwer vorstellen: 30 Jahre nach dem Holocaust laufen Deutsche durch eine Passagiermaschine und trennen Juden von Nicht-Juden.

1977 wurde die Passagiermaschine Landshut entführt. Dieses Mal nur durch Terroristen der PFLP.
Die RAF hatte zeitgleich den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführt. Ziel für beide war es, die festgenommenen RAF-Terroristen der so genannten ersten Generation freizupressen.
Die Maschine wurde durch die GSG9, die nach dem Olympia-Debakel gegründet worden war, in Mogadischu erfolgreich gestürmt. Hanns Martin Schleyer würde später mit drei Kopfschüssen hingerichtet in einem Kofferraum im französischen Elsass gefunden.
Der Bundeskanzler der SPD Helmut Schmidt hatte abgelehnt, mit Terroristen zu verhandeln.

Der Deutsche Herbst.

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Übergabe der Leichen der entführten Bibas Familie am 20.02.2025. Die Farbcodes der Stirnbänder: Grün: Hamas, islamistisch; Schwarz: dschihadistisch, vmtl. Palästinensischer Dschihad, Verbindungen zum IS; Rot: PFLP, marxistisch-leninistisch; Gelb: Fatah, heute gemäßigt sozialistisch

Es wird Herbst

Der rechtsradikale und nazistische Judenhass ist ein ethnischer. Er hasst Juden, weil es Juden sind.
Der aus den Linksradikalen, den Alt-68ern geborene Judenhass ist ein antizionistischer, ein anti-israelischer. Für sie sind Juden die Verkörperung des kapitalistischen Imperialismus.

Dieser Antisemitismus versteckt sich, verkleidet sich. Er findet harmlos klingende Worte in politischen Reden. Man fordert nicht die Vertreibung von Juden, sondern Freiheit für Palästina. Nicht die Vernichtung Israels, sondern das Recht auf Selbstbestimmung der Palästinenser. Juden sollen nicht aus deutschen Universitäten gejagt werden, weil sie Juden sind, sondern weil sie einen angeblichen Völkermord begehen.
Weshalb dieser Antisemitismus von vielen Juden und Israelis als der weit gefährlichere empfunden wird. Was dann wiederum viele Deutsche nicht verstehen können, da sie die Gefahr eher von rechts sehen. Doch vermutlich ist es für einen Juden gleich, von welcher Seite der Hass kommt. Er schlägt einem eh von vorn ins Gesicht.

Ob man Juden hasst oder nicht, hat wenig mit der Verortung in einem demokratischen Spektrum zu tun. Nur die Gründe unterscheiden sich.
Die Vorstellung, dass nur Rechte etwas gegen Juden hätten, ist naiv. Sie wurde uns anerzogen. Wer lange genug nachts Dokus guckt, weiß alles über Nazis und Haie, aber wenig über den tief verwurzelten Antisemitismus im Linksaußen. Und diejenigen, die damals Kommunen gründeten, an Studentenprotesten teilnahmen und sich politisch links engagierten, haben Geisteswissenschaften studiert und wurden für Jahrzehnte die Lehrer und Journalisten dieser Republik.
Und viele derer, die 1990 angeschlossen wurden, fehlen eh viele Hintergründe. Und zumeist der im Westen tradierte Kompass.

Immer wieder liest man das Argument, Rechts und Links spiele keine Rolle mehr. Das ist falsch. Denn es sind Ankerpunkte auf einer Skala in einer Demokratie. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Sie haben in jeder Demokratie Bestand, sie werden höchstens vom Zeitgeist anders erzählt.
Viele Dinge wurden diesen Verortungen von Links erst später aufgesetzt. Wie beispielsweise Anti-Atom oder Pazifismus. Die linken Straßenkämpfer der Weimarer Republik waren sicher vieles, von Demokraten bis Kommunisten. Aber nicht pazifistisch. Oder vegan.

Nicht das Spektrum hat sich verschoben. Sondern das, was in unserer öffentlichen Lesart hineininterpretiert wird.
Den linksradikalen Antisemitismus gibt es, ebenso wie die Verknüpfung zu den Palästinensern, seit fast sechs Jahrzehnten. Wir sollten langsam anerkennen, dass es ihn gibt. Uns trauen. Es wieder merken. Das er im Linksradikalen so fundamental ist, wie der Nationalismus im Rechtsradikalen.

Wer sich etwas damit beschäftigt, kann nicht anders, als heute viele Parallelen zu sehen.
Man könnte meinen, dass es wieder Herbst wird in Deutschland.


Erschienen auf steady.page


Montag, 10. November 2025

Irrweg „Energiewende“: Wenn man aus Ahnungslosigkeit Strom machen will

von Michael Münch

Deutschlands Energiegeisterfahrt: E.ON-CEO Leonhard Birnbaum platzt ebenfalls der Geduldsfaden



Der nächste große Energieversorger Deutschlands rechnet mit der “Energiewende” gnadenlos ab: Nun hat auch Leonhard Birnbaum, der Chef von E.ON, das getan, was man in Deutschland eigentlich nicht mehr darf: Er hat laut gedacht – und zwar mit Verstand. Das allein ist schon ein Affront gegen den Zeitgeist. Offen spricht Birnbaum aus, was jeder, der einmal eine Stromrechnung gesehen oder eine Glühbirne selbst eingeschraubt hat, längst ahnt:

Unsere “Energiewende” ist keine Wende, sie ist ein Wendekreis – und zwar ein teurer. Sogar ein „extrem teurer“, wie er es nennt. Man habe hier, so Birnbaum, „eine saubere Planwirtschaft aufgesetzt“. Und da liegt das Problem: Sauber ja – aber leider ohne Strom. Wir bauen Solarparks und Windräder, die keiner braucht, weil sie entweder gar keinen oder zuviel Strom produzieren für Netze, die ihn nicht vertragen – und bezahlen dann dafür, dass sie bitte nichts produzieren.

Das ist ungefähr so, als würde man einen Fuhrpark anschaffen und dann Geld dafür zahlen, dass keiner Auto fährt, weil die Straße sonst überlastet wäre.

In der DDR nannte man das noch „Fünfjahresplan“, heute heißt es „Klimaziel 2045“. Birnbaum, der immerhin ein Milliardenunternehmen führt und also zu den Entscheidern gehört, die nackte Zahlen nicht für Diskriminierung hält, spricht von 15 Milliarden Euro, die man sofort sparen könnte, wenn man mit diesem Schwindel aufhört. Doch statt dass man ihm zuzuhört, wird er kritisiert und niedergemacht. Trotz anhebender Wirtschaftskrise und alptraumhaften Schulden muss man sich in Deutschland inzwischen schon rechtfertigen, wenn man Geld einsparen will. Das ist das neue Denken: Wer rechnet, gefährdet den “Fortschritt”.

Pflaster auf einer offenen Fraktur

Der “Industrie-Strompreis”, den die Regierung als große Rettung verkauft, sei nur ein Pflaster auf einer offenen Fraktur, kritisiert der E.ON-Boss. Er kaschiere strukturelle Probleme, statt sie zu lösen – also genau das, was Politik heute am besten kann. Birnbaum hat absolut recht: Wir haben uns in puncto Energieversorgung eine Ökonomie geschaffen, die nur noch funktioniert, solange sie eben nicht funktioniert – und nennt das dann “Fortschritt”.

Und dann sagt der E.ON-Chef auch noch den Satz, der in jeder Volkswirtschaftsvorlesung auf der ersten Seite stehen müsste: „Wenn die Politik 500 Milliarden Euro bekommt und nichts reformiert, sollte man ihr nie wieder Geld geben.“ So klar, so vernünftig – und doch so unverständlich für Berlin.

Denn dort regieren technische Analphabeten im moralischen Missionseifer.

Man glaubt an Wind statt an Wirklichkeit, an Ziele statt an Netze, an Sonne statt an Substanz. Das Ergebnis: Wir produzieren Unmassen Strom, der nicht genutzt werden kann, und machen Schulden, die nicht mehr bezahlt werden können. Und bei alledem hält man sich noch für das klügste Land der Welt, den anderen, die es noch nicht kapiert hätten, moralisch und technisch voraus, in der festen Überzeugung, irgendwann würden sie uns auf diesem Irrweg folgen. Das Gegenteil wäre dabei richtig: Es wäre dringend an der Zeit, den Schalter wieder umzulegen – von Gesinnung auf Vernunft. Denn wenn sogar der Chef von E.ON – also einer, der vom Strom lebt – öffentlich bekennt, dass dieses System kurz vor der Überlastung steht, dann sollte man das nicht als Nestbeschmutzung sehen, sondern als Notruf. Doch sehr wahrscheinlich wird auch dieser Notruf überhört, weil die Realität sich, wie Birnbaum es sarkastisch ausdrückt, „nicht nach unseren Plänen richtet“. In Berlin gelten solche Worte als Defätismus, als Majestätsbeleidigung, als Leugnung. Dort glaubt man weiter fest daran, dass sich die Physik am Ende dem Parteiprogramm beugen wird. Irgendwann wird auch dem letzten dämmern, wie falsch und verhängnisvoll auch dieser nächste deutsche Ausflug ins ideologische Utopia war. Bis es soweit ist, bleibt die “Energiewende” das, was sie schon immer war: Ein gigantisches Experiment von Leuten, die selbst nie ein Experiment bestanden hätten.


Gaga-Reichinnek entdeckt die Opferrolle: Strafanzeige gegen Juraprofessor wegen Foto von Kühlschrank-Tür

von Jochen Sommer

Angezeigter Professor Tom Drygala, 
Linken-Sirene Heidi Reichinnek



Die Linkspartei, die in Sachen Intoleranz, Bevormundung, Verboten und Übergriffigkeit Vorreiterin ist, erweist sich einmal mehr als geradezu neurotisch dünnhäutig, wenn es um harmloseste Kritik oder Ablehnung geht: Die von ihren Anhängern kultisch verehrte Partei-Megäre Heidi Reichinnek zeigte allen Ernstes den Leipziger Jura-Professor Tim Drygala an, der gemeinsam mit Ex-AfD-Chefin Frauke Petry Mitbegründer der konservativen Partei “Team Freiheit“ ist. Vor über einem Jahr hatte er ein Foto seines Kühlschranks gepostet, auf dessen Tür ein Porträt der Linken-Fraktionschefin im Bundestag zu sehen war. Darunter schrieb Drygala: „Weil diese (Tür) schlecht schließt, muss man immer mit der Faust dagegen schlagen, damit sie richtig zu ist. Damit ich das nicht vergesse, habe ich mir jetzt einen kleinen Reminder gebastelt. Funktioniert 1a.“


Die wie alle Sozialisten zutiefst humorlose und restverbitterte Reichinnek konnte darüber natürlich nicht lachen – und tat das, was im Land der Meldestellen und gefühlten Mimosenhaftigkeit normal ist: Sie erstattete Anzeige. Drygalas spaßigen Post bauschte sie dabei bombastisch auf zur angeblich “sexistischen” Metapher, die “Gewalt gegen Frauen” verharmlose: Die „Faust“ als Symbol für den Missbrauch und Reichinnek, was sonst, als Opfer physischer Gewalt; auf diesen Bullshit muss man erst einmal kommen.

Immer zu schrill und zu theatralisch

Nachdem die „Leipziger Volkszeitung“ über den Fall berichtet hatte, folgten weitere Mainstreammedien – und jäh brach eine Welle der Empörung über Drygala herein, der gar nicht wusste, wie ihm geschah. Zahlreiche X-Nutzer forderten arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen den Professor, das mit der Antifa verbandelte linksextreme “Studierenden-Kollektiv Leipzig” drohte mit Aktionen, kündigte Proteste an und verlangte von der Universität, “Schutz für Studentinnen sowie Maßnahmen gegen Diskriminierung” zu schaffen. Die stets zu schrille und zu theatralische Reichinnek selbst goß in diese hysterisierte Stimmung mit den üblichen Phrasen Öl ins Feuer: „Wer Gewalt gegen Frauen zum Witz macht, trägt dazu bei, sie zu legitimieren.“

Die Universität Leipzig hält sich bedeckt; Sprecher Carsten Heckmann erklärte: „Private Äußerungen auf privaten Social-Media-Accounts sind durch die Universität nicht zu verhindern oder zu bewerten.“ Dennoch laufen an der Uni interne Gespräche zur “Diskriminierungsfreiheit”. Drygala selbst weist die abstrusen “Sexismus”-Vorwürfe kategorisch zurück und erklärte, es gehe ganz sicher nicht um Frauen allgemein, sondern allein um die Person Reichinneks: “Diese Frau möchte den Sozialismus in Deutschland wieder einführen.“ Er beruft sich auf Meinungsfreiheit und sieht die Anzeige als Versuch, Andersdenkende einzuschüchtern. Subtil wie treffend twitterte Drygala außerdem über die Anzeigenstellerin: “Laut dem bei mir eingetrudelten polizeilichem Anhörungsbogen ist sie ne Geschädigte. Hmm, könnte sogar stimmen.”




 

Samstag, 8. November 2025

Landen bisexuelle Viertel-Tschechen als Erste im Lager?

von Lukas Mihr
Überall diskriminierte Minderheiten und Opfer von irgendwas…



Der “Südwestrundfunk” (SWR) schlägt Alarm! Eine bisexuelle Forscherin musste aus den USA fliehen, um in Freiburg weiterarbeiten zu dürfen. Das klingt ganz so, als ob die Frau um ihr Leben fürchten müsse, aber ganz so wild ist es dann doch nicht. Fiona Kearns hat in Freiburg eine Stelle als Juniorprofessorin angetreten. Ihren Job in den USA hat sie freiwillig aufgegeben, ganz ohne politische Säuberung. Außerdem habe sie Gewalt befürchtet – oder anders gesagt, sie hat noch keine Gewalt erlebt, denn sonst hätte sie es ja gesagt. Sonderlich logisch klingt es nicht, dass eine bisexuelle Frau in den USA um ihr Leben fürchten muss. Oder haben uns von jenseits des großen Teichs etwa schon gleichlautende Meldungen erreicht?

Im Interview betont Kearns, dass sie nicht wolle, dass man von ihrer Bisexualität erfahre oder davon, dass sie über Infektionskrankheiten forsche. Nun, warum erzählt sie das dann im deutschen Fernsehen (der Beitrag kann per Google ja auch aus den USA angesteuert werden!), und warum gibt sie ihre wissenschaftlichen Publikationen auf ihrem LinkedIn-Profil an? Ganz so bisexuell ist sie dann doch nicht, – denn im Fernsehbeitrag ist auch kurz ihr Ehemann zu sehen. Vermutlich hat sie im Studium ein wenig mit ihren Kommilitoninnen „experimentiert“. Damit wäre sie auch nicht allein, denn in den USA spricht man von Phänomen LAG (“Lesbian until graduation” – lesbisch bis zum Universitätsabschluss). Männer, darunter natürlich auch Trump-Wähler, finden ihre Fantasien von den „wilden College-Girls“ auf einschlägigen Websites jedenfalls bestens erfüllt. Für Kearns dürfte wohl gelten: In den 20ern hat man ein wenig Spaß mit beiden Geschlechtern und in den 30ern findet man dann doch auf einmal die „heteronormative Kernfamilie“ ansprechend.

Überall “diskriminierte Minderheiten”

Was überhaupt soll sexuellen Minderheiten unter Donald Trump eigentlich drohen? In seiner ersten Amtszeit hatte er den Schwulen Richard Grenell auf den Botschafterposten in Berlin geschoben. Und mit der Transfrau Caitlyn Jenner versteht er sich ebenfalls blendend. Jenner gilt übrigens als „transphob“, denn als Bruce Jenner gewann er Medaillen bei den Olympischen Spielen und weiß um die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, weswegen er oder sie sich gegen transsexuelle Männer im Frauensport ausspricht. Vor einigen Monaten outete sich die grüne Bundestagsabgeordnete Anna Lührmann als lesbisch. Wobei sich die Frage stellt, ob Outing überhaupt das richtige Wort ist, denn man sieht ihr – mit Verlaub – die sexuelle Orientierung an. Sie wolle damit ein Zeichen gegen den Rechtsruck im Land setzen. Laut frei erfundenen Medienberichten soll Alice Weidel angesichts des mutigen Outings schon an Rücktritt gedacht haben.

Übrigens verlassen nicht nur bisexuelle “Wissenschaftler_innen”, sondern auch Juden nach dem Wahlsieg Donald Trumps die USA. Das jedenfalls wollte der “Spiegel”uns im vergangenen Jahr weismachen. Dabei gab der Artikel den reißerischen Titel gar nicht her. Denn der Beobachtungszeitraum begann schon vor dem Wahlsieg. Und viele der amerikanischen Juden, die nach Israel auswanderten, taten das, um ihre Heimstätte in Zeiten der Bedrohung durch die Hamas zu stärken.

Krömers Koketterie mit dem arischen Stammbaum

Gieren die „Opfer“ von Rassismus vielleicht nur nach Aufmerksamkeit? Die Kunstfigur Kurt Krömer war seit 2022 nicht mehr im deutschen Fernsehen vertreten, stand 2024 dann auf einmal doch wieder im Licht der Öffentlichkeit. Alexander Bojcan, so sein bürgerlicher Name, gab an, nicht „reinrassig arisch“ zu sein, weil er einen tschechischen Großvater habe. In Anbetracht der jüngst erfolgten “Correctiv”-Story fürchte er nun, remigriert zu werden.

Mein Krömer das tatsächlich ernst? Natürlich nicht. Wenn er wirklich an seine Warnung vor einem “neuen 1933“ glauben würde, würde er wohl kaum seine ausländische Herkunft betonen. Mal abgesehen davon, dass es der Tscheche Petr Bystron in der AfD immerhin bis zum bayerischen Landesvorsitzenden gebracht hat.

Auch der Journalist Jurek Skrobala äußerte sich ganz ähnlich: Seit der “Remigrations-Konferenz” fühle er sich von den 21 Prozent AfD-Wählern unter den Passagieren in der U-Bahn bedroht. Gleichzeitig ärgere er sich, dass er aus Angst eingeknickt sei und seinen Kindern deutsche Namen gegeben habe. Nun, Krzysztof Walczak sitzt trotz seines polnischen Namens nun schon zum zweiten Mal in der Hamburgischen Bürgerschaft –zudem ist er obendrein auch noch schwul! Und auf dem Gelände des Landhauses Adlon lebt auch eine polnische Familie, die dort den Hotelbetrieb stemmt und sich von Martin Sellner & Co. in keiner Weise bedroht fühlt. Immer dann, wenn mal wieder ein neuer Rassismus-Skandal die deutsche Gesellschaft „erschüttert“, melden sich Migranten zu Wort, die ganz offensichtlich nicht gemeint sind, aber eben die Opferkarte ausspielen wollen. Im Bundestagswahlkampf hatte Friedrich Merz gefordert, Terroristen die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Die Philosophieprofessorin Elif Özmen, mutmaßliches al-Qaida-Nichtmitglied, befürchtete, „dass man mir und meinesgleichen in meinem Geburts- und Heimatland niemals eine sichere Heimat bieten wird.“

Selbststilisierung als Opfer

Merz, die Zweite: Kürzlich äußerte sich der Bundeskanzler zum Stadtbild in Deutschland. Gemeint waren damit Männergruppen aus dem arabischen und afrikanischen Raum, die zentrale Plätze in den Innenstädten belagerten, statt einer geregelten Tätigkeit nachzugehen und die Bevölkerung mit ihrem Auftreten einschüchterten. Im “Spiegel” meldete sich daraufhin eine asiatische Frau zu Wort, die ihren vollen Namen nicht nennen wollte, aber ihr Gesicht zeigte (finde den Widerspruch!). Als Projektmanagerin in einer großen Unternehmensberatung war sie natürlich nicht gemeint. Ebenso wenig wie eine Afghanin und eine Iranerin, die vor den Islamisten in ihrer Heimat geflohen waren und nun ebenfalls Deutschland verlassen wollten. Die “taz”-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah hatte im Jahr 2020 Polizisten als „Müll“ bezeichnet. Der damalige Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte an, Strafanzeige stellen zu wollen. Kapitänin Carola Rackete, die zahllose Migranten über das Mittelmeer schleuste, solidarisierte sich in der Debatte mit ihr. Um den angeblichen „strukturellen Rassismus“ in Deutschland zu belegen, sprach sie von einer Kampagne gegen eine „schwarze Journalistin“. Yaghoobifarah ist allerdings halb deutsch und halb iranisch – und rein äußerlich überhaupt nicht als Migrantin erkennbar.

Das hat sie mit Yassin Musharbash – arabischer Vater, deutsche Mutter – gemein. Er sieht als „Undercover-Araber“ einfach komplett deutsch aus. Musharbash bezeichnete sich nach dem erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag als Angehöriger des „Mischvolks“. Er sorge sich um den politischen „Klimawandel“. Durch die 12,6 Prozent der AfD sei Deutschland “um 12,6 Grad Celsius kälter“ geworden. Seit dem Wahlerfolg zähle er auf der Straße die Passanten durch: „Wollen mich wirklich so viele Deutsche hier nicht haben?“ Wie er in der “Zeit” angab, lauscht er häufiger den anti-arabischen Tiraden Berliner Taxifahrer, ohne sich zu beschweren – um sich erst am Ende der Fahrt als erkennen zu geben und dann empört die Zahlung zu verweigern: „Sorry, bin halt Araber!“

Am Ende immer nur weiße Frauen

Eine “Spiegel”-Redakteurin musste gestehen, dass „ich nicht so aufgeklärt bin, wie ich dachte – Erst durch meinen Freund habe ich verstanden, wie rassistisch Weiße sein können“. Das sagt sie aber fast mit einem gewissen Stolz: „Doch an der Seite meines Freundes erlebe ich als weiße Frau Rassismus.“ Viele Linke dürften wohl neidisch sein, dass sie als Weiße eben nie so viele Opferpunkte sammeln können wie Nicht-Weiße. Und worum ging es genau? Ihr vietnamesischer Freund hatte eben ein paar blöde Witze abbekommen und war als „Reiskocher“ bezeichnet worden.

Wenn man aber mangels eines ausländischen Partners kein Co-Betroffener von Fremdenfeindlichkeit sein kann, hilft nur die Flucht nach vorn! Dann muss man eben selbst Rassist werden – aber nur ein kleines bisschen, am besten vom Typ “reuiger Sünder”. Hannes Schrader fragte in der “”Zeit sehr selbstkritisch-beschämt und fast ein klein wenig erschrocken: „Warum liebe ich nur weiße Frauen?“ Und dann: „Beim Wichsen ist mir egal, ob eine Frau Kopftuch trägt, oder nicht.“ Ach halt, sorry, verlesen! Tatsächlich schrieb er „Wischen“ – und meinte damit Tinder. Aber auch wenn er dort noch so fleißig “swiped” – am Ende treffe er dann doch nur weiße Frauen. Aber immerhin: „Auch eine Französin war dabei.“ Wenn er seinen Radius noch um ein Land erweitert, kann er von sich behaupten, Latinas zu daten. Eine Kollegin fand es sogar „mutig“, dass er sein Verhalten reflektiere. Dabei hatte Schrader wohl ganz andere Absichten: „Vielleicht tut es sogar meiner Karriere gut, öffentlich darüber zu schreiben, ob ich mich rassistisch verhalte.“

1933 rückt jedes Jahr aus neue näher denn je

Obwohl 1933 schon lange hinter uns liegt, rückt es doch mit jedem Jahr näher. Reiner Haseloff, der Noch-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, fühlt sich bei den Reden der AfD an den „Sportpalast“, sprich: an Josef Goebbels erinnert. Er befürchte nach der Machtergreifung Ulrich Siegmunds eine „unerträgliche Atmosphäre“ und denke darüber nach, erstmals in seinem Leben in ein anderes Bundesland zu ziehen. Der Trick ist nicht ganz neu: Zahlreiche Prominente hatten 2016 verkündet, die USA zu verlassen, sofern Donald Trump die Wahlen gewinnen sollte. Sie verließen sich wohl auf die Umfragen, die einen Sieg Hillary Clintons prophezeiten. Als dann das Undenkbare eintrat, wollten die zahlreichen Promis es hinterher nur als Scherz verstanden wissen. Jared Hasselhoff hatte es übrigens durchgezogen. Der Bassist der Bloodhound Gang war 2006 aus Unmut über Präsident George W. Bush nach Berlin gezogen. Ob Haseloff wohl wirklich den Hasselhoff macht?

Und wer weiß, ob die zweite Machtergreifung womöglich nur dank Sahra Wagenknecht möglich sein wird? In den deutschen Medien wurde jedenfalls fleißig vor einer Koalition aus AfD und BSW gewarnt. Historisch gibt es zwar Vorläufer für Bündnisse zwischen der extremen Linken und der extremen Rechten – doch die beiden Parteien selbst waren nie so sehr an einer Zusammenarbeit interessiert wie Medien. Na klar: Die AfD allein wird es ohne fremde Hilfe wohl nie über 50 Prozent schaffen. Wer also insgeheim hofft, als Journalist in den Untergrund gehen zu müssen, um dann wie einst Sophie Scholl nur noch regimekritische Flugblätter verteilen zu können, für den ist Wagenknecht geradezu eine messianische Figur.

Überall neue Opferangebote

Ganz ähnlich sah die Berichterstattung des “Spiegel” aus, die 2017 Marine Le Pen kurz vor dem Einzug in den Élysée-Palast sah. Immerhin sei der Front National die stärkste Kraft und stelle mittlerweile schon 1.500 kommunale Mandate und immerhin 11 Bürgermeister. Angesichts von 140.000 kommunalen Mandaten und 35.000 Bürgermeistern landesweit fallen diese Zahlen weniger beeindruckt aus. Und auch als stärkste Kraft konnte der Front National niemals Wahlen gewinnen. Warum? Weil die Franzosen die Brandmauer erfunden haben: In einem Mehrheitswahlrecht knackt man entweder die 50 Prozent – oder man steht mit leeren Händen da. Marine Le Pen hätte es übrigens niemals gewagt, die homöopathischen Erfolge ihrer Partei derart aufzublasen, wie der “Spiegel” es tat, denn anderenfalls wäre sie vor ihrer eigenen Wählerschaft komplett blamiert gewesen.

Überall werden neue Opferangebote gemacht: Im “Spiegel” durften wir vor einiger Zeit lesen, dass es rassistisch sei, wenn man zum „Chinesen“ oder „Italiener“ gehe. Stattdessen solle man lieber den Namen des Restaurants oder Betreibers verwenden, um Stereotypen entgegenzutreten. Doch ob man Opfer sein will oder nicht, ist aber jedem selbst überlassen. Der Nigerianer Andrew Onuegbu hat sein Restaurant in Kiel „Zum Mohrenkopf“ genannt und sagt: „Ich bin als Mohr auf die Welt gekommen und stolz darauf. Menschen müssen sich zu ihrer Hautfarbe bekennen, wir haben sie uns nicht ausgesucht und müssen dazu stehen. Der Mohrenkopf war im Mittelalter eine Auszeichnung für gutes Essen. Dort gingen früher Fürsten essen, an den Eingangstüren gab es damals Mohrenkopfsymbole als Qualitätszeichen, dass dort ein Mohr kocht.“

Auswandern wollen – und es dann doch nicht tun

Weil der örtliche AfD-Kreisverband, der übrigens von einem Afrikaner geleitet wurde, im Restaurant seinen Stammtisch abhielt, sah der Betreiber sich dem linken Zorn ausgesetzt: „Das Problem am ‚Zum Mohrenkopf‘ ist, dass sich Inhaber Andrew E. Onuegbu bewusst dazu entschieden hat, sich der rassistischen Denke anzubiedern, da er sonst ja selbst Opfer sein könnte.“ Der Koch selbst blieb aber gelassen: „Ich möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden. Das ist auch eine Form von Rassismus.“

Roberto Blanco blieb ebenfalls entspannt, als ihn der damalige CSU-Innenminister Joachim Hermann als „wunderbaren Neger“ bezeichnete. In einem Interview erklärte er, das sei doch als Kompliment gemeint. Er konnte auch herzhaft lachen, als ihm Frank Elstner einst scherzhaft androhte, er müsse “zurück in den Busch”. Blanco bekundete auch, gern „Zigeunerschnitzel“ zu essen. Und mit dem Spruch „Willst du einen Negerkuss?“ habe er schon so manche Frau erobert. Das alles war früher, als der Alltag noch nicht von Heuchelei und politischem Jakobinertum durchpolitisiert war, kein Problem und niemand hätte dahinter je Rassismus vermutet. Das können sich Haltungsjournalisten von heute partout nicht vorstellen, auch der Moderator des besagten Interviews nicht: Er hakte bei Blanco immer wieder nach, ob er nicht doch ein Opfer von Rassismus sei – was dieser bei jeder weiteren Nachfrage umso deutlicher verneinte; irgendwann fragte er zurück: : „Soll ich Ihnen das schriftlich geben?“