Mittwoch, 19. August 2020

Für Grüne Baerbock sind alle anderen Nazis...


Gerade sind meine hohen moralischen Grundsätze krachend an der Realität zerschellt. Aus gegebenem Anlass wollte ich eigentlich etwas Hochphilosophisches zum Thema "Häme" schreiben, der Rache des kleinen Mannes (oder der Frau). Dem im Gewand des bissigen Humors versteckten Sadismus des sich heimlich unterlegen Fühlenden.
Dann machte ich Twitter auf und stieß auf diese Meldung über Annalena Baerbock. Zwar hatte ich ihre Anwesenheit bei Markus Lanz registriert, aber ihr Gezappel im Studiosessel machte mich nervös genug, um mir lieber das Gezappel von Doctor Who anzuschauen, der wenigstens sympathisch zappelt. Leider entging mir somit Frau Baerbocks Angstbekenntnis:
"Im Frühjahr wäre in Thüringen fast ein Nazi zum Ministerpräsidenten gewählt worden!"
Im Video standen ihr Angst und Schrecken ins Gesicht geschrieben. Deutschland war - dank Angela Merkels heroischem, mütterlichem Eingriff - gerade noch einmal eine Diktatur erspart geblieben. In Polen und Frankreich konnten sich die Menschen wieder entspannt zurücklehnen, nur Frau Baerbock zitterte noch wie Espenlaub, während Markus Lanz ergriffen ihre Analyse bestätigte.
Man merkt: Ich kann nicht widerstehen und verfalle nun selbst in Sarkasmus. Man möge es mir verzeihen, denn Frau Baerbocks Bewertung ist zu absurd, um sich darüber ernstlich zu empören, entspricht aber andererseits dem grünen Weltbild so sehr, dass es unmöglich ist, einfach darüber hinwegzugehen. Soll man lachen oder weinen? Und wann ging es eigentlich los mit der Inflation des Nazi-Begriffs?
In zwanzig Jahren wird es vielleicht folgende Eltern-Kind-Gespräche geben:
"Mama, wer war Hitler?"
"Ein Nazi, Friederike-Amina."
"Na dann war er ja nicht so schlimm. Unser Lehrer ist auch einer, der wählt die FDP."
Vor ein paar Tagen wütete der "Twitter-Provokateur" Nasir Ahmad, der jüngst den Begriff "Islamisierung" positiv besetzen wollte, ebenfalls wüst herum. Wo islamisiert wird, ist kein Platz für Nazis mehr, davon ist er überzeugt. Und so lange Deutschland mit Nazis angefüllt ist, darf man auch das Land weiter besetzen. Hitler - der den Islam bewunderte - hätte sich verdutzt die Augen gerieben. Der Großmufti von Jerusalem hatte jedenfalls immer ein Plätzchen für ihn frei. Zumal uns Herr Ahmad auch eine Antwort schuldig bleibt, wer denn nun genau ein Nazi ist. Das lässt er lieber offen, dann wirkt die Drohung besser.
Verblasst nun doch die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit? Früher nannten Linke, die etwas auf sich und ihre Bildung hielten, alle Abweichler "Faschisten". Faschistisch war alles, was nicht dem Einstampfen von Individualität und Begabung in Einklang zu bringen war. Das Wort Faschismus hatte darüber hinaus den Vorteil, dass nicht wie im Begriff "Nationalsozialismus" der verräterische Sozialismus mit drin steckte.
Angeblich diente diese penible Trennung der Prävention von Relativierung. Nichts konnte einen Gegner härter treffen als ihm vorzuwerfen, er habe den Nationalsozialismus relativiert. Etwa durch einen Vergleich zum Stalinismus. In Wahrheit ging es natürlich darum, den Sozialismus vor der Entdeckung von Parallelen zu schützen. Als würde man die Pest verharmlosen, wenn man erklärt, keine Cholera bekommen zu wollen.
Aber solche ideologischen Feinheiten interessieren die Baerbocks, Ahmads, Stegners und Cheblis nicht. Feinheiten - oder auch nur eine genaue Definition - würden die Allzweckwaffe nur stumpf machen. Unter dem Oberbegriff wird alles zusammengefasst, was nicht ins eigene Weltbild passt. Und während der klassische Linke penibel darauf achtete, dass ein stalinistisches Arbeitslager nicht mit einem KZ verglichen wurde, ist heute jeder vom vorsichtigen Einwanderungskritiker bis hin zum Völkermörder mit dem gleichen Etikett versehen und muss damit rechnen, bekämpft zu werden.
Nach meinem Empfinden gibt es ein paar klar umrissene Eigenschaften, die jemanden zum Nazi oder Neo-Nazi machen: Häme gegenüber Schwachen, Gewissenlosigkeit gegenüber anderen Völkern, Antisemitismus und Gewaltbereitschaft. In keinem unserer deutschen Parlamente sitzt meines Wissens jemand, auf den das zuträfe. Auch wenn Heiko Maas mit seinem Iran-Deal an Punkt zwei und drei schon einmal geschnuppert hat, aber was genau seine Motive dabei sind, vermag ich nicht mit Sicherheit zu sagen.
Frau Baerbock mag man noch eine gewisse Naivität zugute halten, es ist nicht der erste Begriffsklopper, den sie sich leistet. Man sollte sich dann allerdings fragen, wie es um die intellektuelle Leistungsfähigkeit der grünen Parteiführung bestellt ist. Will man den Baerbocks der Welt tatsächlich die Geschicke der Wähler anvertrauen?
Ein Herr Ahmad hingegen weiß genau, was er tut. Islam-Lobbyisten wie er haben längst die deutsche Geschichte für sich gekapert. Mit dem Slogan "Wir sind die neuen Juden" haben sie die deutschen Juden längst aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt. Und während es heute als Sakrileg gilt, seinem Kind ein Indianerkostüm zu kaufen, ist es offenbar vollkommen in Ordnung, sich mit den im Nationalsozialismus verfolgten Juden gleichzusetzen, um jegliche Kritik an negativen Einwanderungsfolgen zu diskreditieren.
Auch hier hat die Linke fleißig Vorarbeit geleistet. Und so wird auch der jüngste Anschlag in Berlin wohl wieder einmal nur ein Einzelfall gewesen sein.





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