Donnerstag, 9. April 2026

Ox Fanzine: Perspektiven eines Ex-Nachrichtendienstlers

 

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Üblicherweise lehne ich Kooperationen mit größeren Medien inzwischen ab: Interviews, Stellungnahmen, Podcast. In meinen Augen ist das ein Verkauf der Integrität für die geringe Chance Fame abzugreifen. Die nur den Medien nutzt.

Ich wurde aber schon Ende des vergangenen Jahres von Daniel Schubert vom Ox Fanzine angefragt. Der auch echt ehrlich interessiert war. Und nicht nur aus meiner geografischen Ecke, sondern auch aus meinem sozialem Hintergrund kommt.
Also habe ich ein Interview gegeben. Das sich über mehrere Gespräche und Mails erstreckte. Erschienen ist es in der ersten Ausgabe des Ox in diesem Jahr.

Ich habe die Erlaubnis, es nun auch zu veröffentlichen.
Viel zu meinem Werdegang, Hintergrund, Arbeit und ich glaube, meine rheinisch-lakonische Schnauze schimmert auch durch. Einige Bilder habe ich eingebaut, die Ox aus Satzgründen nicht veröffentlichen konnte.

Daniel hat auch kein Frage-Antwort-Spiel daraus gemacht, sondern erzählt. Was ich sehr passend fand und hohes Niveau im Medienzirkus ist.

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Perspektiven eines Ex-Nachrichtendienstlers - JOEY HOFFMANN

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Gezielte Desinformation und einseitige Berichterstattung gehören zum Handwerk kriegerischer Konflikte. Mit dem Krieg in der Ukraine und in Gaza ist diese bislang als Binsenweisheit wahrgenommene Floskel für mich als Mitteleuropäer mehr in meinen alltäglichen Erfahrungsraum gehuscht, sowohl was die geografische als auch die politische Nähe angeht. Und verfolgt man die Punk-relevanten Medien, tun sich auch hier Lager, Echokammern und Grabenkämpfe auf. Waffen für die Ukraine? Auf wessen Seite stehst du im Gaza-Konflikt? Insbesondere beim Thema Israel werden auch im Punkrock die Gräben tiefer und die Einstellungen verbitterter.

Ich versuche, mich vielseitig zu informieren, den Überblick zu behalten. Mache den Spagat von Jungle World und taz bis zur FAZ und NZZ, um doch immer wieder festzustellen, dass neben Brauchbarem auf allen Seiten viel Meinungsmache statt Berichterstattung mitschwingt, Analysen sich inhaltlich ähneln, oft Schnellschüsse sind und später widerlegt werden. Über mehrere Kanäle werde ich dann aufmerksam auf Joey Hoffmann und seine Plattform „U.M.“ (Ungesunder Menschenverstand). Ein politisch links stehender Ex-Soldat, Blogger mit militärischem Sachverstand. Ein Befürworter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und gleichzeitig ein konstruktiver Kritiker desselben. Der aussieht, als ob für ihn die DROPKICK MURPHYS und MOTÖRHEAD nicht fremd sind. Seine politischen Analysen beziehen sich rein auf militärisches Fachwissen. Eine journalistische Informationsquelle, die ich vorher erstens nicht auf dem Schirm und der gegenüber ich zweitens gewisse Berührungsängste hatte. Aber eine, die einen zusätzlichen Blickwinkel und damit einen Mehrwert in meine Nachrichtenroutine bringt.

Ich sprach mit Joey unter anderem über die Emotionalisierung von Nachrichten, das Problem des Agenturjournalismus und unsere eigene Verantwortung als Nachrichtenkonsument:innen.

Der Weg zum Nachrichtendienst

Wie er zur Bundeswehr kam, will ich wissen. Es war die damals noch geltende Wehrpflicht. Joey wird schlicht eigezogen, eine Woche später kommt die Musterung, keinen Monat später steht er im Trainingsanzug in der Kaserne. Die Grundausbildung macht er in einer Einheit nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Dort absolviert er die Grundausbildung. Anschließend lernt Joey Richtschütze auf dem Leopard II. Die Panzer, die inzwischen an die Ukraine gegeben wurden. Die Ausbilder dort kommen noch aus dem Kalten Krieg. „Das war schon eine harte Truppe. Im Krieg wäre die Einheit eine der ersten gewesen“, erinnert er sich.
Joey fängt an, sich über Berufsausbildungen bei der Bundeswehr zu informieren. Bewirbt sich dann für den Werdegang, der mit der zivilen Ausbildung zum Fotografen verbunden ist, besteht die Auswahl und wird vom Heer zu den Marinefliegern versetzt. Da sitzt er dann, Piloten in Anzügen, startende Tornados, und „von irgendwo hörte ich ständig die Titelmusik von ‚Top Gun‘.“ Alles selbst für einen Panzermann sehr beeindruckend. Mit seinem Ausbilder und späteren Teampartner geht es nach einem Begrüßungskaffee in den ‚Bunker‘. Im Bunker tut sich eine andere Welt auf.

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Aus meinem Archiv: Ich mit meiner ersten Schultüte. 1992

Luftbildauswerteanlagen, Leuchttische, Monitore, Fotos von russischen Schiffen und Häfen. Sein Ausbilder steht vor einer meterhohen Karte der Ostsee und erklärt, dass eine seiner Aufgaben als Mannschafter sein würde, mehrmals am Tag die Schiffspositionen zu plotten. Joey fragt, ob die jetzt da wirklich auch die russischen Schiffe plotten würden. Als Antwort zeigt der Ausbilder lapidar auf ein Zeichen, das beispielsweise eine russische Fregatte wäre, die gerade zurückfährt. Und ein anderes Symbol ein polnisches Schnellboot, das Patrouille läuft. Da packt es Joey. Das ist hier nicht zur Übung. Völlig klar ist das spätestens bei der Überprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst MAD.

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Aus meinem Archiv: Der Bereich der ersten Staffel des MFG 2, der Bunker (Mitte links) unsere LKW (Mitte rechts) und man kann erahnen, dass wir zum Rauchen oder Grillen vor der Tür standen.

Die Laufbahn

Fachlicher Teil an der Offiziersschule der Luftwaffe in Bayern, Sprachenschule in Bremerhaven, Unteroffiziersschule bei Kiel. Später auch in anderen Einheiten, bei der NATO in Belgien. Er besucht Lehrgänge, hält Unterricht, brieft Crews.
„Wenn James Bond im Bunker mit M diskutiert und im Hintergrund schlurft einer mit einem Klemmbrett und einem Kaffee durchs Bild, schreibt etwas an eine Tafel und läuft vor sich hin motzend wieder aus dem Bild – das war ich. Vermutlich am Montagmorgen.“
Er macht eine Ausbildung zum Kaufmann und hängt anschließend an die sechs Jahre Dienst noch mal vier dran. Ein Leben lang Soldat zu bleiben, war aber nie sein Plan. Es sei völlig normal, dass man einen Vertrag für mehrere Jahre unterschreibt und dann ausscheidet. Nur die wenigsten werden Berufssoldaten und blieben das bis zur Pensionierung.

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Aus meinem Archiv: Pressebild meines damaligen Gruppenleiters an einer Luftbildauswerteanlage im Bunker.

Joey ist irritiert über meine Frage, ob er je so etwas wie einen „inneren Konflikt“ verspürt habe durch die unterschiedlichen Lebenswelten im Privaten und Beruflichen. Wir beide sind ähnlich alt und ich erinnere mich daran, dass es in meinem Umfeld bei vielen geradezu verpönt war, zum Bund zu gehen. Bei ihm sei das nicht so gewesen. Wirklich politisiert war keiner, da sei er eher die Ausnahme gewesen. Joey ist heute noch passives Parteimitglied bei den Grünen. Wer von seinen Kumpels verweigert hat, habe das schlicht aus Faulheit getan, um einen lauen Job um die Ecke zu bekommen: „Ich vermute, diese Ablehnung gab es mehr in Akademikerkreisen als bei Schweißern und Malern“, resümiert er.

» POLITISCH LINKS HAT FÜR MICH IMMER BEDEUTET, AUTORITÄTEN ZU HINTERFRAGEN. «

Autoritäten

Ich hake nach, dass viele, die sich politisch links orientieren, oft einen gewissen Antiautoritarismus verinnerlicht haben, so dass ihnen zum Beispiel der nötige Gehorsam in der Armee widerstrebt. Joey entgegnet, Antiautoritarismus sei, wie endgültiger Pazifismus, eine Illusion, die vielleicht jungen Menschen sexy erscheine, die rebellieren müssen. Die Lebensrealität grätsche da aber schnell rein. Es gebe ja nicht nur dienstliche Autoritäten, wie Lehrer, Polizisten oder „den Staat“, sondern auch fachliche Autoritäten, wie Trainer im Sportverein, die Professorin oder den Vorarbeiter. Und persönliche Autoritäten wie die Oma, die einfach weise ist. Antiautoritarismus sei selektiv, weil wir bestimmte Autoritäten akzeptieren und lernen, dass es ohne irgendwie auch nicht geht. Keiner versuche zum Beispiel, die Autorität seiner Zahnärztin zu hinterfragen, wenn sie die Spritze in der Hand hat. Der Mensch sei ein Rudeltier. Und Rudeltiere organisieren sich hierarchisch.
„Ich habe vom 14. Lebensjahr an American Football gespielt. Mit Ghetto-Kindern und Gymnasiasten. Jeder hatte eine bestimmte Position, auf die er spezialisiert war. Und hast du deinen Job nicht gemacht, hat das Team verloren. Hast du Scheiße gebaut, hast du 20 Liegestütze gepumpt.“ Was solle beim Militär also anders sein?

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Aus meinem Archiv: Ja, wir hatten schon Laptops.

Politisch links hat für Joey immer bedeutet, Autoritäten zu hinterfragen. Dass Adel oder Diktatoren nicht machen können, was sie wollen, und dass Macht diversifiziert wird. Nicht sie grundsätzlich abzulehnen. „Wenn mein Football-Trainer vom Platz gegangen ist, war er Müllmann. Man hat nicht gelernt, seine Autorität auf dem Platz zu hinterfragen, sondern in Müllmännern mehr zu sehen als nur Müllmänner.“
Joey findet, es sei ein sehr linker Ansatz, den Menschen zu sehen und zu achten für das, was er ist. Nicht für das, was er darstellt. Ein Militärausbilder habe eine dienstliche Funktion. Aber er wolle die Person nicht beherrschen, sondern denjenigen, der vor ihm steht, zu einem Soldaten machen. Was dessen und andere Leben retten könne.

Die Motivation

In die Rolle als MilBlogger ist Joey reingerutscht. Das Militär war eigentlich längst abgehakt. Aufgrund eines Unfalls erlitt er zwei Schlaganfälle. Während der Genesung fängt er zuerst an, über E-Zigaretten zu bloggen, wird Fachjournalist. Nicht als Influencer, sondern im Bereich „Medien, Wissenschaft, Politik“. Er gibt auch großen Medien Interviews oder berät sie für Beiträge. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine fängt Joey ad hoc an, Leuten auf der Facebook-Fanpage zu erklären, was sie da im Fernsehen sehen und wie Krieg funktioniert. Die Ängste der Leute sind groß, viele denken, der Dritte Weltkrieg stehe vor der Türe. „Ich konnte wohl viele beruhigen und habe bis heute ständig dieses Feedback. Krieg ist in unserer Gesellschaft ja nicht nur etwas Fremdes geworden, es ist etwas quasi Undenkbares. Militär ist etwas Unheimliches, Soldaten gelten als dumme, obrigkeitshörige Roboter“, beschreibt Joey die Situation.
Obwohl Krieg auf dem Rest des Planeten immer noch die Realität darstellt, hätten wir uns jahrzehntelang in einer friedlichen Parallelwelt eingerichtet, wofür Deutschland lieber mit Geld als mit Verpflichtungen bezahle. Das habe uns „friedensverwahrlost“ gemacht.
Es kommen immer mehr Fragen von Leuten, die Recherchen nehmen einen immer größeren Teil seiner Arbeit ein. Daher wurde er geradezu genötigt, dafür Geld zu nehmen. Das Projekt „U.M.“ entsteht, eine Facebook-Fanpage, eine Homepage, und inzwischen schreibt Joey auf Steady, wo man kostenpflichtig Mitglied werden kann. Er sieht das als eine Art Community-Projekt und versucht nach wie vor, das meiste ohne Bezahlschranke zu lassen. Eben wegen der Anfänge.

Der Preis für Sicherheit und Wohlstand

Der polarisierende Begriff „Friedensverwahrlosung“ erinnert mich an den Begriff Wohlstandverwahrlosung. Das klingt für mich nach einer Mitschuld von uns allen. Ob das der Preis der Sicherheit und des Wohlstands ist, will ich wissen.
Joey entgegnet, dass wir zwar eine Verantwortung tragen, aber keine Schuld. Schuld sei ein schwieriges Wort. Niemand sei schuld.
Es gebe seit der Antike nicht einen einzigen Tag, an dem weltweit Frieden herrschte. „Aber wir haben in Europa so lange Frieden wie nie zuvor und eine umgekehrte Söldner-Mentalität entwickelt. Krieg betrifft uns nicht. Darum kümmern sich andere. Diejenigen, die so doof waren, zum Militär zu gehen. Soldat zu sein ist zu einem Job geworden, den man sich ja selber aussucht. Als Ursula von der Leyen Verteidigungsministerin wurde, galt ihre erste Sorge Kindergärten in Kasernen, um den Job attraktiver zu machen, nicht Nachwuchs oder Gewehren. Wir hätten uns aus der Verantwortung geschlichen, uns freigekauft. Vor allem Deutschland.“

Wir seien unfähig geworden, Gefahren zu erkennen oder erkennen zu wollen. Hätten der Selbstverteidigung abgeschworen. Das bräche nun in sich zusammen. Die USA seien nicht mehr bereit, die Verantwortung für andere zu tragen. Europäische Politiker hätten es längst erkannt, wüssten aber noch nicht, wie sie es ihren Wählerinnen und Wählern schonend beibringen sollen.
„Wir waren so geil auf das zweite Auto, dass wir uns mit einem russischen Diktator ins Bett gelegt haben. Und sind dann erschrocken, dass das Öl plötzlich teuer wird, weil der das natürlich eingepreist hat, als er die Ukraine überfallen hat.“
Seit Jahren brenne der Nahe Osten lichterloh und wir seien inzwischen so in einer Massenpsychose gefangen, dass wir Islamisten als Freiheitskämpfer sehen und dem alles andere unterordnen. Weil in Israel genau deshalb gerade Rechtsradikale regieren. Und wir nicht zur Kenntnis nehmen, wie viele in Israel die Demokratie verteidigen, indem sie zu Recht auf die Straße gehen. „Ich hoffe, Europa wird früh genug wach“, schließt er dieses Thema ab.

» NIEMAND WILL JEMANDEN WIE MICH IN DER TALKSHOW ODER DER REDAKTION SITZEN HABEN. «

Warum Blogger?

Ob das einfach sein Ding ist oder Redaktionen zu viele Berührungsängste mit dem Fachgebiet Krieg haben, will ich wissen. Es habe nie den Gedanken gegeben, Journalist in einer Redaktion zu werden. Und heute würde Joey es auch nicht mehr wollen, weil er durch seine Arbeit täglich sehe, wie unsachgemäß Medien berichten würden. Dabei geht es ihm nicht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder „böse“ Journalisten, die zu einer Seite tendieren, sondern um Agenturmedien, Nachrichtenmedien und die Mechanismen, nach denen sie funktionieren.
Joey kommuniziert viel mit Journalist:innen. Er beschreibt sie als nette, offene Menschen, die wissen, was läuft. Aber Informationen seien eine Ware. Und es werde produziert, was sich gut verkaufen lässt. Und wenn das ein israelischer Luftschlag gegen ein Krankenhaus ist, bei dem 500 Menschen sterben, dann werde das produziert. Wenn später rauskäme, dass es eine verirrte Rakete des palästinensischen Dschihad auf einem Parkplatz war, die kaum Menschen getroffen haben kann, sei der Medienzirkus längst weitergezogen. Die Chefredaktionen wollten das so, ebenso die Verlage, die Vorstände. Der einzelne Journalist habe damit, abgesehen von Kompetenzlosigkeit, weil er in Ennepetal Politologie und Sozialwissenschaften studiert hat, wenig zu tun. Einige seien tendenziös. Und die würden dann in Talkshows eingeladen oder live zugeschaltet. Weil es sich verkauft. „Niemand will jemanden wie mich in der Talkshow oder der Redaktion sitzen haben“, zieht er als Fazit.

Die Quellen der MilBlogger

Geheime Quellen seien eine Legende, James Bond und Jason Bourne Quatsch, stellt Joey klar. Was Nachrichtendienste zu weit über 90% machen, sei Informationsverarbeitung aus offenen Quellen. Der Begriff dafür ist OSINT, Open Source Intelligence. „Wir hätten in den 1990ern davon geträumt, dass es offen zugängliche Satellitenbilder von der ganzen Welt gibt. Mit Straßennamen und geografischen Daten.“
Big Brother war gestern, die Zukunft habe uns längst überholt. Über Social Media bezahlen wir ja auch noch freudestrahlend mit unseren Daten für die Illusion gesellschaftlicher Relevanz. Was er macht, könnte grundsätzlich auch jede Redaktion leisten, sagt Joey. Mehr sogar, denn die hätten auch die Kapazitäten, einfach mal aktuelle Satellitenbilder zu kaufen. Aber denen fehle die Kompetenz, das Handwerk. Und aus wirtschaftlichen Gründen der Wille.

» MILITÄR IST ETWAS UNHEIMLICHES, SOLDATEN GELTEN ALS DUMME, OBRIGKEITSHÖRIGE ROBOTER. «

Analyse von OSINT-Quellen

Nach einem Beispiel für seine Quellenarbeit gefragt, nennt Joey den Luftschlag gegen das Al-Ahli-Krankenhaus im Oktober 2023 am Anfang des Gaza-Kriegs. Da wurde von der Hamas gemeldet, Israel hätte das Krankenhaus „bombardiert“ und fast 500 Menschen getötet. Diese Meldung haben Medien weltweit übernommen. Joey erscheint das absurd:
„Selbst wenn man Israel für den Satan hält, hätte das in dieser Phase des Krieges militärisch gar keinen Sinn ergeben.“ Ganz ohne die Moral zu bemühen, die in keinem Krieg eine Rolle spielt. So eine Bombe kostet schließlich locker so viel wie ein Eigenheim in Castrop-Rauxel. Und das, um ein paar Kranke aus dem Bett zu schießen? „Es war so absurd, dass ich spontan lachen musste.“

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Aus meinem Archiv: Teil der Auswertung des angeblichen Luftschlages gegen das Al Ahli Krankenhaus.

Schon morgens seien Pressefotos auf Stock-Plattformen angeboten worden, sogenannte „Wirkungsbilder“. Die Bilder hätten aber nicht nur gezeigt, dass die „Bombe“ eine kleine Rakete war, die auf einem Parkplatz runtergekommen ist, sondern dass sie nicht einmal einen Krater hinterlassen hat und nur ein paar Fenster der Gebäude eingedrückt waren. Selbst ein Krankenwagen 30 Meter weiter sei unbeschädigt gewesen. Joey hat sich diese Satellitenbilder angeschaut und das Ganze vermessen.

Detektivgeschichte: Die Bombe auf das Ahli Krankenhaus
Am frühen Abend des 17.10.2023, in den ersten Tagen des Gazakrieges, detonierte etwas auf dem Parkplatz des Al-Ahli Krankenhauses in Gaza-Stadt. Die Hamas meldete einen…
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Die später von den Israel Defense Forces/IDF veröffentlichten Infrarotbilder hätten dann auch gezeigt, dass sich vorm Einschlag kaum jemand dort aufgehalten hat. Vermutlich weil das der Hintereingang war, ein Mitarbeiterparkplatz. Die Zahl von 500 Toten sei also absurd. Zumal das Krankenhaus zu der Zeit nur 80 Betten hatte. Später kam heraus, dass es sich um eine verirrte Rakete des Islamischen Dschihad in Palästina/PIJ gehandelt hatte. „Solches Friendly Fire hat es zu tausenden gegeben.“
Das also bedeutet OSINT: Man nimmt verfügbare Quellen und spielt Sherlock Holmes. Joey legt Wert darauf, seine Quellen immer sehr transparent zu machen. Die Ergebnisse würden jedoch nicht immer allen passen. „Von irgendwem werde ich immer angefeindet. Sowohl von links als auch von rechts.“

Und die Ukraine?

Angesprochen auf ein OSINT-Beispiel aus dem Krieg in der Ukraine, fällt Joey ein Ereignis von September 2024 ein, als zwei Raketen in ein Gebäude im ukrainischen Poltawa einschlugen. Sofort sei die entsprechende Erregung online da gewesen. Joey habe das Gebäude zunächst auf Satellitenbildern gesucht, es „einorientiert“ und „lokalisiert“. Da er dann die Adresse hatte, konnte er schlicht und einfach auf Google Street View nachschauen. Und tatsächlich gab es ein Bild des Eingangs zu dem Gelände. Mit einem großen Schild in Kyrillisch, dass es sich um das „Poltawa Militärinstitut für Kommunikation“ handelte. Ob man Russland nun möge oder nicht, aber so kam er zu dem Schluss, dass das ein legitimes militärisches Ziel gewesen sei. Und dass Russland hier auch nicht den Double-Tap verwendet habe, sondern einfach zeitnah zwei Marschflugkörper abgefeuert habe. Das würde die Bundeswehr nicht anders machen.

Analyse Luftschlag Poltawa: Krankenhaus? Schule? Universität?
Gestern Vormittag schlugen vermutlich zwei Raketen in ein Gebäude in der ukrainischen Stadt Poltawa ein. Von beiden Seiten werden Informationen verbreitet, die nicht…
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Stellenwert von MilBlogger:innen in der Medienlandschaft

Ob MilBlogger:innen in Deutschland einen geringeren Stellenwert haben als in anderen Ländern, möchte ich wissen. Joey betont, dass „MilBlogger“ ein Kunstbegriff ist und es nur sehr wenige davon gibt. Die meisten sehen sich als „Vlogger“ und Streamer. „Mir ist niemand bekannt, der das im deutschsprachigen Raum in meiner Art macht. Ich nenne mich lieber MilBlogger, um Debatten zu vermeiden.“ Per Definition sei er Journalist. Zu bloggen gebe ihm auch die Freiheit, deutlicher seine Meinung kommunizieren zu können. Und das sei der Grund, warum MilBlogger keinen hohen Stellenwert in den Medien haben.
Die Agenturmedien hätten gar nicht die Zeit und Kompetenz zu prüfen, wer von dem Thema wirklich Ahnung hat und wer nicht. Da würden dann lieber Leute wie Erich Vad eingeladen, der am Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine bei Maibritt Illner vor Millionen prognostizierte, in ein paar Tagen wäre die Sache gelaufen. „Geradlinig in den Generalstab, keine Zeit in der Truppe, bei Merkel offenbar rausgeschmissen, ein Hafensänger par excellence.“ Aber bei dem könnten die Medien dann „Ex-General und Merkel-Berater“ in die Bauchbinde schreiben.
Oder der „NATO-General“ Kujat, der seit 20 Jahren in Pension ist und mit seinen russlandfreundlichen Narrativen inzwischen bis zu kleinen YouTubern durchgereicht worden sei: „Halt irgendwo ein Mikro in die Luft und sag ‚Russland‘, und schon erscheint ein Kujat und spricht hinein.“
Die Frage nach mehr Akzeptanz von MilBlogger:innen in Nachbarländern mit einer anderen Militärtradition wie Frankreich oder Großbritannien verneint Joey. Das sei in fast allen NATO-Staaten gleich, mit Ausnahme der USA, wo die Medienlandschaft und die Nachrichtenmedien tendenziöser seien. In Russland hätten MilBlogger vor dem Hintergrund des nationalistischen Putinismus teilweise eigene Sendungen im Staatsfernsehen.

Berührungsängste mit dem Militär in Deutschland

Die Scheu diesem Themenfeld gegenüber läge in Deutschland vor allem an den politisch mehrheitlich links und grün besetzten Redaktionsstuben. Dabei verortet er sich politisch selbst da, das seien schlicht die Fakten. „Linke studieren Journalismus, Ausdruckstanz oder ‚was mit Menschen‘, Rechte studieren Wirtschaft und Jura.“ Es sei einfach das Bewusstsein für das Militär verloren gegangen. Soldaten seien akzeptiert, wenn Sandsäcke für eine Überschwemmung organisiert werden müssen. „Wie soll eine Journalistin, für die das Militär etwas Unheimliches und Fremdes ist, entscheiden, wen sie interviewen oder für einen Podcast einladen soll?“
Das sei auch sein Grund, eigentlich alle Presseanfragen abzulehnen. Weil die Fragen entweder spürbar auf ein gewünschtes Ergebnis abzielen oder schlicht strunzdämlich seien. Zu diesem Gespräch für das Ox sagt er: „Bei euch habe ich eine Ausnahme gemacht, eben weil ihr aus einer ganz anderen Ecke kommt und du mir ehrlich interessiert erschienst.“
Bei seiner Aussage „Militär ist Handwerk“ dächten die allermeisten ganz sicher ans Schießen. Handwerk bedeutet aber auch Strukturen, Taktik und Abläufe. Die Bundeswehr hat auch Ingenieur:innen, Ärzt:innen und Rechtsanwält:innen. Zur Frage des mutmaßlichen Genozids im Gazastreifen würden irgendwelche Soziolog:innen befragt, anstatt mal Jurist:innen zu befragen, die selber gedient haben. „Die können das, was dort passiert, ganz sicher besser beurteilen als ein Professor in den USA oder eine Organisation von ‚Genozid-Forschern‘, bei der jeder Mitglied werden kann.“

Militär als „Handwerk“

Ich frage nach, ob er die International Association of Genocide Scholars/IAGS meint, von der ich auch schon gelesen habe. Dort kann jede:r ohne Prüfung seiner Qualifikation online gegen eine Gebühr eintreten. Offenbar eine unwissenschaftliche, rein ideologische Veranstaltung. Sind denn seiner Erfahrung nach MilBlogger:innen weniger ideologieanfällig als zivile Kriegsberichterstatter:innen und Journalist:innen? Haben sie mehr Distanz zum Geschehen, wenn Militär „Handwerk“ ist?
Das sei seine feste Überzeugung, zumindest in unseren Gefilden, entgegnet Joey. Bei chinesischen, russischen oder nordkoreanischen Journalist:innen sei das sicher anders. Kriegsberichterstatter machten oft einen guten Job. Aber die gebe es ja so gut wie nicht mehr. Aus Redaktionsstuben geführte Agenturmedien wären so bestimmend, dass die Bundeswehr inzwischen Kurse für Journalisten anbietet, damit die wenigstens rudimentär wissen, wie man sich verhält. Er bringt ein Beispiel:
Ein ziviles Haus wird getroffen. Sofort ist die Aufregung groß. Jemand mit etwas „Handwerk“ sehe aber schnell, wie und womit das Haus beschossen wurde. Einem Panzer, einer kleinen Rakete, einer großen Rakete, einer lasergelenkten Bombe. Und daraus ergebe sich dann ein viel weiterer Horizont, weil bestimmte „Wirkmittel“ für bestimmte Zwecke verwendet werden. Man komme ja auch nicht mit einem Messer zu einer Schießerei.

„Handwerk“ entlarvt Propaganda?

Als Anfang Juli 2025 das Café am Strand von Gaza-City getroffen wurde, sei sofort wieder „Stimmung“ auf Social Media und in den sonstigen Medien gewesen. Weil durch die unsachgemäße mediale Formulierung „Café bombardiert“ und die Propaganda der Eindruck entstehen musste, dass Israel dort einfach ein Restaurant beschossen hätte. „Hätte Israel das aber gewollt, hätte es da einfach einen 4.000-Pfünder reingesetzt und das Strandcafé wäre nur noch Strand.“

Luftschlag gegen das Strand-Café: Hintergründe, Erklärungen,…
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Also habe Joey die Informationen ausgewertet und habe zeigen können, dass dort eine lasergelenkte Bombe in einem Präzisionsschlag auf ein dezidiertes Ziel gesteuert wurde. Nämlich auf den Hamas-Kommandeur des Dschabaliya-Bataillons, Hisham Mansour, der den Job von seinem Vater, Ayman Atiya Mansour, übernommen hatte. Der wiederum wurde schon vor dem Krieg von einem Verwandten und Hamas-Mitglied Eid Muhammad Mansour zusammen mit seinem Sohn erschossen. Eine skurrile Geschichte, die aus der Netflix-Serie „Fauda“ stammen könnte.

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Aus meinem Archiv: Hisham Mansour (rechts) mit seinem Vater und vorherigem Kommandeur der Hamas Ayman Atiya Mansour.

„Ich habe erklärt, wie feinteilig eine solche Operation ist, wie viele Menschen daran mitgewirkt haben, dass Mansour wahrscheinlich in dem Café war, um Hamas-Affiliierte bar zu bezahlen, dass deshalb auch zwei ‚Journalisten‘ dort anwesend waren, und und und ...“ Außerdem sei der Treffer neben das Café gegangen. Jemand mit etwas Ahnung sehe das, sehe den Krater, das Ziel, die Tageszeit, und wüsste, was dort los gewesen sei. In der öffentlichen Wahrnehmung werde bleiben: „Café bombardiert“. Joey: „Und wenn die Israelis etwas können, dann ist das beschissene Presse zu produzieren.“

Kann eine Versachlichung vor Fake News schützen?

Joey setzt auf die faktische Versachlichung von Krieg, um diesen zu verstehen. Ich möchte wissen, ob er darin eine Möglichkeit sieht, den Faktor der emotionalen Manipulation der Leser:innen seitens anderer Medien zu minimieren und damit auch Fake News entgegenzuwirken. „Ich bemühe mich. Es ist mein Antrieb, wenigstens ein kleines Sandkorn im Getriebe zu sein. Ich bin nicht illusorisch.“
Der Mensch bevorzuge emotionalisierte Informationen. Das werde auch er nicht ändern. Auch da sei leider wieder Israel ein gutes Beispiel. Vor allem im linken Spektrum habe sich eine mindestens antiisraelische bis antisemitische Haltung längst verfestigt. Das habe bereits mit der Nähe der Studentenbewegung, der APO und der RAF zu den Palästinensern begonnen.

Grundlagen: Linksradikaler Antisemitismus – Die vergessene…
Rainer Langhans (l.) und Dieter Kunzelmann beim „Vietnam-Kongress“ in Berlin, 1968. Am 9. November habe ich mit einem kurzen Posting auf der Facebook Fanpage an den…
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Damals noch tiefrot, die Fatah sei bis heute eher sozialistisch. Und dafür würden ganz viele Dinge ausgeblendet. Zum Beispiel, dass die Hamas im Gazastreifen eindeutig radikalislamistisch ist und sogar einen gewaltsamen Bürgerkrieg gegen die Fatah geführt hat. Es treibe Blüten wie „Queers for Palestine“, die nicht nur im Gazastreifen vom Hochhaus geworfen würden. Jahrzehnte feministischer Bewegung würden auf den Haufen der Geschichte geworfen, nur weil man Israel als „kolonialistisches Projekt“ des „imperialistischen Westens“ ausgemacht haben will.
Das Gleiche gelte auch für Russland. Viele Leute aus dem linken Spektrum argumentierten bis heute pro Russland, obwohl die nationalistische, ultrarechte Partei Jedinaja Rossija, Vereintes Russland, seit 20 Jahren mit absoluter Mehrheit stramm durchregiert, die Medien gleichgeschaltet habe und gezielt Arme, Kriminelle und Angehörige von Minderheiten als Kanonenfutter ins Artilleriefeuer treibe. Der Jemen und der Sudan, wo derzeit mehr Menschen auf der Flucht sind als in Niedersachsen leben, interessierten die Menschen nicht, weil ihr Schwarzweißdenken da nicht mehr funktioniere. Sie wüssten gar nicht, wer da gegen wen kämpft. „Der Kongo ist größer als Mitteleuropa und alle halbe Stunde wird dort ein Kind vergewaltigt. Ein blinder Fleck der Orientierungslosigkeit, weil dort Rebellen und Milizen kämpfen und der IS mitmischt. Gut und Böse zu unterscheiden wird dort schwer. Da geht man doch lieber zu einer Demo, die ein Ende der Waffenlieferungen an Israel fordert.“ Obwohl es gar kein Verständnis dafür gebe, was überhaupt geliefert wird.

Joeys „Community“ auf der Facebook-Fanpage verspotte ihn dauernd als Don Quijote oder Sisyphus. Aber das sei es, was eine Demokratie fordert: inhaltliche, faktische Auseinandersetzung. Natürlich vertrete er seine Meinung, die grundsätzlich viel differenzierter sei, als Schreihälse es ihm unterstellen. „Ich habe Argumente. Aber Fakten sind die Pfeile, die ich im Köcher habe.“

Die Macht(losigkeit) der Nachrichtenkonsument:innen

Menschen lieben also emotionalisierte Nachrichten und beeinflussen dadurch die Nachrichtenauswahl der Redaktionen. Haben wir als Kund:innen es nicht eigentlich durch unsere Klicks selber in der Hand? Was müsste sich Joeys Meinung nach verändern, damit uns das als Nachrichtenkonsument:innen bewusst wird? Nach der Marktlogik müssten die Redaktionen doch darauf reagieren, oder? Dahinter stehe ein psychologischer Mechanismus, erläutert Joey. Er sei nicht resigniert, sondern Realist. Das werde man nie ändern. Ändern könne man etwas an der Kompetenz in den Redaktionen. Aber dafür gebe es keinen wirtschaftlichen Anreiz. Was er viel entscheidender findet und was viele nicht wüssten:

In Deutschland zählt das Agenturprivileg. Die Hisbollah, der Iran oder Russland zum Beispiel bringen eine Meldung. Agenturmedien greifen diese auf und verkaufen sie in die Welt. Und die veröffentlichenden Medien seien juristisch nicht mehr verpflichtet, sie zu prüfen. Sie müssten noch nicht einmal darunter schreiben, dass sie die Meldung nur gekauft haben. Die Lobby habe das so durchgedrückt. Es gebe in Deutschland Plattformen, auf denen das vollautomatisiert passiere: Übersetzung per KI, andere Überschrift, ein Bildredakteur sucht noch etwas Passendes heraus und schon geht es online. Joey: „Eine Analyse hat gezeigt, dass nur 4% der Berichte zu Gaza in großen englischsprachigen Medien israelische Zahlen wiedergaben, aber 100% die Zahlen der radikalislamistischen Hamas. Von denen auch die UN so tut, als seien es ihre vermeintlich unabhängigen Quellen. 20% der Berichte nannten die Zahlen der Hamas sogar ohne Quellenangabe. Nur 15% enthielten den Hinweis, dass bei palästinensischen Zahlen zwischen getöteten Zivilisten und Kombattanten nicht unterschieden wird.“ Und bloß bei 1% der Berichte würden die Zahlen der Hamas kritisch hinterfragt. Nachzulesen sei das bei „Questionable Counting“ von Andrew Fox, einem britischen Hochschuldozenten und Veteran. „Das soll ausgewogene Berichterstattung sein? Oder gar Berichterstattung zugunsten Israels?“

Warum „ungesund“, wenn Fakten gesund sind?

Musiker:innen soll man eigentlich nicht zu ihrem Bandnamen befragen. Bloger:innen auch nicht zu ihrem Blognamen? Ich will trotzdem wissen, warum Joey seine Plattform „Ungesunder Menschenverstand“ nennt? Fakten sind doch gesund. Joey wird philosophisch.
Bei Aristoteles sei der „gesunde Menschenverstand“ die Fähigkeit gewesen, die Wahrnehmung mit einem Gedanken zu verknüpfen. Schmecke man einen Apfel, habe man wohl in einen Apfel gebissen. Diesen Bedeutungsinhalt finden wir auch im lateinischen „sensus communis“, aus dem der englische „common sense“ wurde. Kant habe daraus aber etwas anderes gemacht: Die Fähigkeit, selber denken zu können. Durch Nachdenken zu Schlüssen zu kommen. Heute verstünden wir darunter, dass jeder Mensch eine Art inneren Mechanismus hat, der ihn automatisch zu den richtigen Ergebnissen kommen lässt. Aber die Meinung, das Fürwahrhalten, sei immer davon abhängig, welche und wie viele Informationen wir vorher haben. Psychologen und Juristen wissen, wie fehlerhaft das Hirn arbeitet. Im Bezug auf die mediale Berichterstattung hätten wir aber häufig nicht alle Informationen. Durch das Netz 2.0 würden unsere Informationen gefiltert. Das Netz sei zum Gegenteil dessen geworden, was man sich damals erhofft hatte. Deshalb sei es damals eine spontane Idee gewesen, das Projekt kurz „U.M.“ zu nennen. „Für den, ironisch, ungesunden Menschenverstand, der versucht, Informationen zu bekommen, bevor er sich eine Meinung bildet.“

Ganz ohne Musik geht es nicht

Wir sind ein Musikzine. Ohne Musik geht es daher nicht. Welche seine fünf Lieblings-Antikriegslieder sind, will ich wissen. „Ich bin auch Soldat geworden, da ich, obwohl Krieg zwar scheiße ist, Pazifismus eben nicht für die Lösung halte. Si vis pacem para bellum.“ Joey mag Antikriegslieder.
Bei „Brothers in arms“ von den DIRE STRAITS dürften auch große Männer Pippi in den Augen haben, findet er. „Gimme shelter“ von den ROLLING STONES und Jimi Hendrix’ Version von „All along the watchtower“ zählt er auch dazu. Sein absoluter Spitzenreiter ist „Fortunate son“ von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, weil es genau sein Gefühl der Zeit widerspiegelt. Und einen besonderen Platz hat für ihn „Born in the USA“ von Bruce Springsteen. Trumps Team habe beim ersten Wahlkampf den Song als Einlaufmusik verwendet, wobei anscheinend keiner verstanden habe, was er wirklich bedeutet.

Linke und Punks in Bundeswehrhosen

Zum Abschluss frage ich Joey noch, woher die Liebe von Punks zu Militärklamotten kommt. Das Phänomen erklärt er damit, dass einst in den USA die Rocker aus Veteranen hervorgegangen seien, die teilweise noch ihre alten Armeeklamotten trugen. Daher kämen sicher auch die „Badges“ auf den Kutten. Der Biker auf dem ikonischen Foto der Hollister Riots von 1947 trägt Klamotten, die schon sehr an die Army dieser Zeit erinnerten. An den Vietnam-Protesten hatten ebenfalls Veteranen teilgenommen, die als Zeichen, dass sie selber in der Scheiße saßen, die Jacken und bestimmte Abzeichen weiter getragen haben.
Also was wäre da näherliegend, als sich eine alte Armeeklamotte zu besorgen und ein paar Badges aufzunähen oder ein A auf den Rücken zu sprühen? „Außerdem gab es überall NATO-Shops, in denen man aus Restbeständen eine M65-Feldjacke oder eine Bundeswehrhose für zehn Mark abgreifen konnte.“

Ox ist ein Fanzine.

Bedeutet, es ist von quasi nicht-Journalisten mit Herzblut gemacht. Die als Fachjournalisten meiner Erfahrung nach professioneller und gewissenhafter arbeiten, als viele große Medien.
Das Interview mit mir war ein Double-Feature in einem Heft mit einem Interview mit Mark Beneke, vielen weiteren Interviews, Reviews und und und. Auf unfuckingfassbaren 174 Seiten.

Checkt das! Ihr könnt es im Print in übel beleumundeten Bahnhofsgegenden käuflich erwerben.


Erschienen auf steady.page


Leserinnenfrage: Bombardierung von Beirut

 

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Bevor ich das jetzt auf Social Media poste, kann ich gleich einen Beitrag daraus machen.

„Lieber Herr Hoffmann,
teilen Sie die Einschätzung des Spiegels, dass Gebiete fernab der Hisbollah-Hochburgen und ohne Vorwarnung angegriffen wurden? [Link]“

Ich bekam die Leserfrage eben. Ich möchte das zwischendurch kurz abhaken, weil es mir – um ganz ehrlich zu sein – nur noch auf den Sack geht.
Die Frage beinhaltet bereits einen Bias. Sigar mehrere. Was kein Vorwurf an die Fragende ist! Sie muss es so verstehen. Weil der ganze Artikel, um den es geht, bereits verzerrt und manipulierend ist.

Screenshot des Artikels

„Um 14.30 Uhr kam der Tod aus dem Nichts“
Spiegel online (Bezahlschranke), 09.04.2026, 08.00 Uhr, Christoph Reuter

• Das erste können wir gleich so abhaken.
Luftangriffe erfolgen ohne Vorwarnung.

Wird ein bestimmtes Ziel anvisiert, und das wird vorgewarnt, läuft es weg.
Die IDF haben im Gazastreifen vorgewarnt. Aber nur in ganz bestimmten Situationen. Beispielsweise wenn Infrastruktur der Hamas zerstört werden sollte, was ansonsten in einem so dicht besiedelten Gebiet zu unverhältnismäßig großen zivilen Schäden führen könnte. Oder wenn irgendwo Operationen durchgeführt werden sollten, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Kein Staat der ganzen Welt warnt vor. Das ist eine große Ausnahme der IDF. Es ist eine Zusatzleistung, ein Zeichen, dass die IDF zivile Schäden minimieren wollen. Hier wird plötzlich zum Standard erhoben und indirekt einverlangt, was in der Propaganda vorher nicht einmal zur Kenntnis genommen wurde.
Ich – so ganz persönlich – halte das bereits für Propaganda und schlicht frech. Weil es die Bemühungen der IDF nivelliert.

• Das zweite ist das „fernab der Hisbollah-Hochburgen“.

Aus dem Artikel:
„»Innerhalb von 10 Minuten und gleichzeitig in mehreren Gebieten« habe sie »den bislang größten koordinierten Angriff auf mehr als 100 Kommandozentralen und militärische Einrichtungen der Hisbollah durchgeführt«, teilte Israels Armee auf X mit. […]
Was für Kommandozentralen und Militäreinrichtungen mitten in dicht besiedelten Stadtvierteln das gewesen sein sollen, wo Vermieter dieser Tage schon Angst haben, auch nur eine Wohnung an schiitische Flüchtlinge zu vermieten, wurde nicht erklärt.“

Und weiter erklärt Christoph Reuter:
„Aber die Anklage aus Israel, in den christlichen, sunnitischen, drusischen Vierteln in und um Beirut unterhalte die Hisbollah ihre »Militäreinrichtungen und Kommandozentralen«, ist schlicht absurd.“

Die Aussage ist so unfassbar lächerlich, dass man sich fragen muss, was Herr Reuter beruflich macht. Wahrscheinlich verdient er als studierter Islamwissenschaftler und „fließend Arabisch Sprechender“ sein Geld damit, vor allem durch Syrien zu reisen und das Leid der Menschen zu beklagen, anstatt relevante Informationen zu liefern. Dass er augenscheinlich keine Ahnung von Militär hat, ist bei Medienschaffenden dieser Tage selbstverständlich.

Die südlichen Stadtteile des Einzugsgebietes Beirut sind tradiert in schiitischer Hand. (Haret Hreik, Ghobeiry, Chiyah, Bir Hassan) Deshalb wird der Süden der Großstadt als Hochburg der Hisbollah bezeichnet.
Das ist auch keine neue Behauptung Israels, das haben die sich nicht jetzt ausgedacht. Das ist von der nach Konfessionen getrennten Bevölkerung völlig normal und war es schon während des Bürgerkriegs 1975 bis 1990 so.

Bild
Die Karte der Stadtteile hat mir freundlicherweise die Ki erstellt.
Der Libanon: Ein kleiner Reiseführer
Dieser Beitrag sollte eigentlich als Teil des kommenden Newsletter erscheinen. Er ist aber aufgrund der Komplexität so lang geworden, dass ich mich spontan dazu…
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• Am 27.09.2024 wurde der Chef der Hisbollah Hassan Nasralla in eben einem dieser Bezirke Haret Hreik getötet. In einem großen Bunker, gemeinsam mit der Führungsriege der Hisbollah und Angehörigen der iranischen Revolutionsgarden. Gebaut an der Regierung vorbei in einer Millionenstadt, in der unmittelbaren Nachbarschaft eines Krankenhauses.

• Die genauen Angaben variieren, aber alleine im März 2026 wurden in Beirut u.a. getötet (ohne genauere Prüfung):

  • Reza Khazaei (Offizieller der Quds‑Force)

  • Majid Hosseinikandesar (Leiter der Finanzabteilung der IRGC‑Quds‑Force)

  • Alireza Bi‑Azar (Geheimdienstoffizier der IRGC‑Quds‑Force)

  • Ahmad Rasouli (Geheimdienstoffizier der IRGC‑Quds‑Force)

  • Hossein Ahmadlou („Israel‑Desk“‑Offizier der IRGC‑Quds‑Force)

Und der Islamwissenschaftler Reuter geht allen Ernstes hin und veröffentlicht im Spiegel nach dem Motto: „Das ist doch alles absurd.“

Weitere Verzerrungen:

• Die Debatte um Kommandostrukturen ist so alt wie die erste Meldung der IDF dazu.
Für eine Kommandostruktur braucht man keinen Bunker mit Monitoren, sondern einen Raum mit Telefon und Internet. Die „Kommandostruktur“ oder „Kommandozentrale“ ist ein taktischer Raum, ein Konstrukt, eine militärische Größe, kein real existierender Raum.
Ein Kommandeur mit Laptop und Telefon und einem Funker in einem Zelt ist eine „Kommandozentrale“. Es kann so schwer zu verstehen nicht sein.

• „Bisher 1500 Tote im Land“: Das gleiche Spielchen wie auch bei der Hamas, das gleiche Spielchen wie beim Iran, das gleiche Playbook.
Wie viele Zivilisten? Oder noch besser: Wie viele Kombattanten und legitime Ziele?

Ich habe keine Lust mehr – zumal zwischen Tür und Angel – den ganzen Artikel zu zerlegen.
In meinen Augen das typische Gefasel, das nur an die Zivilisten denkt und Elend verkauft, anstatt zu begreifen, dass es die Propaganda unterstützt. Vielleicht sogar gewollt.

„Man kann es bewundern oder verachten, aber die zutiefst gespaltene libanesische Bevölkerung hat sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, dass ein Kampf einer anderen konfessionellen Miliz mehrere Kilometer weiter nicht unbedingt ihr Kampf ist.“

Und genau das ist das Problem. Dieser failed State unterlässt es seit zwei Jahrzehnten, die Resolution des Sicherheitsrates durchzusetzen. Und die UN ebenso. Mehr noch, die Herrschaft auf dem eigenen Gebiet herzustellen. Normalerweise müsste man den Libanon aus der UN kicken, weil er die Grundbedingungen für einen Staat nicht erfüllt.

Es wird ignoriert, dass die Hisbollah wieder und wieder mit Rückendeckung des Irans Israel angreift, kritisiert wenn Israel sich wert, aber auch keine Alternative genannt, wie Israel sich schützen soll.

„Was für Kommandozentralen und Militäreinrichtungen mitten in dicht besiedelten Stadtvierteln das gewesen sein sollen, wo Vermieter dieser Tage schon Angst haben, auch nur eine Wohnung an schiitische Flüchtlinge zu vermieten, wurde nicht erklärt.“

Das ist Krieg.
Wie ich das jetzt gerade so sehe, haben die Libanesen genau zwei Wahlmöglichkeiten: Entweder sie sind der Feind, dann bekommen sie Bomben auf den Kopf. Oder sie sind Verbündete, dann müssen sie endlich selber etwas gegen die Hisbollah unternehmen.

Aber ich habe echt keinen Bock mehr, mich mit einem solchen manipulativem Scheiß auseinanderzusetzen.
Tschuldigung, schnell so runtergetippt. Wenn ich angefressen klinge, dann ist das so.


Erschienen auf steady.page


Mittwoch, 8. April 2026

Feuerpause mit dem Iran – Brainstorming

 

Bild

Zur Transparenz veröffentliche ich dieses Posting auch hier:

Jeden Tag wird eine neue Sau durchs virtuelle Dorf getrieben. Ich komme nicht einmal dazu, einen halbwegs aktuellen Newsletter fertig zu stellen.

Sei’s drum: Brainstorming zur Feuerpause:

• Der Iran hat die Straße von Hormus geschlossen, dadurch gehen keine Tanker mehr durch. Das bedroht vor allem die Gewinne der Konzerne.
Das ist Trumps größte Sorge.

• Seit Wochen droht Trump dem Iran, zum Schluss immer großschnäuziger.
Vor wenigen Tagen hatte er auf seiner Plattform „Truth Social“ angekündigt, eine „ganze Zivilisation“ endgültig auszulöschen. Das Ultimatum die Straße wieder frei zu geben sollte Dienstag ablaufen. Unklar ist, wann genau. US-Medien schrieben von 20:00h Washingtoner Zeit.

• Zuvor hatte er angekündigt, Dienstag sei „Kraftwerk-Tag“ und „Brücken-Tag“.
Darauf sind wiederum viele vor allem von Links eingestiegen, das sei gegen das Völkerrecht. Das ist falsch.
Brücken sind seit jeher legitime, militärische Ziele. Bei Kraftwerken ist – wie bei allem – die Abwägung von zivilem Schaden und militärischem Nutzen entscheidend. Ein Atomkraftwerk könnte beispielsweise das Wasser verunreinigen, was wiederum viele Zivilisten schädigt. Ein Kraftwerk, das vor allem für militärische Zwecke genutzt wird, kann legitim sein.
Jedes einzelne Ziel müsste im Nachhinein (!) juristisch beurteilt werden. Nicht vorher pauschal auf Social Media.

• Nun melden die Medien eine zweiwöchige Waffenruhe.
Als Quelle wird ein Posting von Trump genannt, das von Truth Social um 00:35h auf X geteilt wurde.

Screenshot des Postings von Trump

• Angeblich hätten der Premierminister Shehbaz Sharif und der Militärchef General Asim Munir Trump darum gebeten. Das sind aber nicht Premier und Militärchef des Irans, sondern Pakistans.
Ich kann dazu keine Bestätigung finden, die einzige Quelle dafür ist Trump.
Sharif hat lediglich gebeten, das Ultimatum um zwei Wochen zu verlängern. Und gesagt, dass die Verhandlungen vorwärts gehen. (X, 07.04.2026 09:17h)
Ab Freitag sollen weitere Verhandlungen in Islamabad, Pakistan, stattfinden. (X, 08.04.2026 01:50h)

• Auf X kann man den Bearbeitungsverlauf der Postings ansehen.
Das erste Posting von Sharif wurde binnen einer Minute zweimal bearbeitet. In der ersten Version steht noch wörtlich das vermutlich irrtümlich kopierte „*Draft - Pakistan’s PM Message on X*“ („Entwurf – Botschaft des pakistanischen Premierministers auf X“). Da Pakistaner wohl eher nicht „Pakistanischer Premier“ in den Titel schreiben würden, wurde ihm dieser Entwurf also so von jemandem vorgelegt, der nicht aus Pakistan stammt.

Screenshot des unbearbeiteten Postings.

• Laut Sharif gelte die Waffenruhe auch für den Libanon. Was deutlich machen würde, wie eng die Hisbollah und der Iran verknüpft sind.
Laut israelischem Premier gilt die Waffenruhe nicht für den Libanon.
Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Iran gar nicht in die Verhandlungen eingebunden war.

• Der iranische Außenminister Seyed Abbas Araghchi veröffentlichte heute Morgen eine Erklärung des Sicherheitsrates auf X (08.04.2026 01:10h, also vor der Erklärung von Sharif) in der steht, die USA hätten um Verhandlungen gebeten.
Weiter stand zu lesen, die USA hätten einem Zehn-Punkte-Plan des Irans zugestimmt, um über einen weiteren 15-Punkte-Plan zu verhandeln.

• Der Iran ist eine Islamische Republik.
Oberster Führer des Staates ist nicht der Präsident (Peseschkian) sondern der Imam Muhammad al-Mahdi. Der oberste Führer – so zu sagen der „Papst“ – ist jetzt Modschtaba Chamenei. Zu der Religiösen Führung gehören die Revolutionsgarden (ca. 190.000 Mann), deren Führer General Ahmad Vahidi ist. Daneben gibt es auch die reguläre Armee (Artesch).
Ohne die Revolutionsgarden bzw. die Zustimmung der Mullahs ist jede Vereinbarung wertlos.

• In einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP hat Trump das als „totalen und vollständigen Sieg für die USA“ bezeichnet: „Hundert Prozent. Ohne jeden Zweifel“, „Das wird perfekt geregelt sein, sonst hätte ich mich nicht darauf eingelassen.“

• „Big Money will be made!“
Donald Trump, Truth Social, 08.04.2026

• Der israelische Oppositionsführer Jair Lapid hat Netanjahu auf X Versagen vorgeworfen. „Israel war nicht einmal in der Nähe des Tisches, als Entscheidungen getroffen wurden, die den Kern unserer nationalen Sicherheit betreffen. […] …Netanyahu ist politisch gescheitert, strategisch gescheitert, er hat keines der Ziele erfüllt, die er selbst gesetzt hat. Es wird Jahre dauern, um die politischen und strategischen Schäden zu reparieren, die Netanyahu aufgrund von Arroganz, Fahrlässigkeit und fehlender strategischer Planung angerichtet hat.“ (X, 08.04.2026 07:02h)

• In den vergangenen 24 Stunden gab es in Israel 450 Luftalarme.

Meine Interpretation nach dem jetzigen Wissenstand (!) ist:

Trump hatte seine Drohungen immer weiter eskaliert. Der Iran ist nicht eingeknickt.
Seine Umfragewerte sind auf dem Tiefststand, bald sind Midterm Wahlen, vor allem Diesel wird immer teurer. Anders als Europa will er aber den Ölkonzernen keinen Riegel vorschieben.

Er musste einen Weg da raus finden, um die Straße von Hormus wieder frei zu bekommen. Das Ultimatum konnte er aber nicht verstreichen lassen. Also hat seine Regierung zur Gesichtswahrung diese Waffenruhe inszeniert. Indem sie auf die Forderungen des Irans soweit eingegangen ist, dass es zu Verhandlungen kommen kann. Die aber weder von Seiten des Irans noch von Seiten der USA irgendetwas bedeuten.
Die Öffentlichkeit wird verharscht, um die Ölkonzerne zu beruhigen.

Man muss die nächsten Tage abwarten, wie es sich in Israel weiter entwickelt.
Derzeit sieht es aber so aus, dass Trump Israel für das Öl unter den Bus geworfen hat.
Die IDF stehen tief im Libanon, wo sie sich auch nicht mal eben zurückziehen können. Dort wird weiter gekämpft werden. Was die Waffenruhe von Seiten des Irans platzen lassen könnte.

Sollte es dazu kommen, dass die USA sich zurückziehen, kann das Netanjahu die Wiederwahl im Oktober kosten.


Erschienen auf steadey.page

Dienstag, 7. April 2026

„Sonne und Wind schicken keine Rechnung…“

von Michael Münch

Der Horror am Zähler – wie’s wohl kommt?



Manche Sätze klingen so verführerisch, dass sie sich selbst zur unumstößlichen Wahrheit erheben. Sie werden so oft wiederholt, bis sie wie ein zartes, poetisches Mantra klingen – ein kleines, grünes Gebet an eine bessere Zukunft. „Sonne und Wind schicken keine Rechnung“ ist so ein Satz. Wie schön das klingt! Wie leicht! Wie befreiend! Und doch lügt dieser Satz mit der Anmut eines Engels, der seine Flügel zu lange im Sonnenschein gebadet hat. Denn nicht Sonne und Wind, aber die Realität schickt die Rechnung natürlich trotzdem. Sie kommt nicht leise mit einem diskreten Briefumschlag, sondern sie donnert sie einem an manchen Tagen mit brachialer Wucht vor die Füße. So wie vorgestern am Ostersonntag, als in Deutschland die Maschinen ruhten, die Straßen leerer wurden und die Nachfrage nach Strom zu einem Flüstern abebbte.

Die Öffentlichkeit mag es nicht mitbekommen haben, doch was hier geschah, war wieder einmal sinnfällig für die ganze “Energiewende”: Plötzlich produzierten Sonne und Wind Strom im Überfluss – doch niemand konnte ihn brauchen. Und aus dem vermeintlichen Geschenk der Natur wurde eine Last, die man entsorgen musste. Die Folge: Wieder einmal kippten die Preise an der Börse ins Negative, bis hinunter auf minus 114 Euro pro Megawattstunde. Strom, der vom Himmel fällt wie ein göttliches Almosen, wurde hier zu einem Ballast, für dessen Entsorgung ins Ausland man bezahlen muss, weil andere ihn nur so überhaupt noch abnehmen. Die Alternative wäre: Ein Zusammenbruch der einheimischen Netze. Man zahlte wieder einmal buchstäblich dafür, dass jemand den Überfluss anderswo verschwinden ließ.

Draufzahlen für ein “Geschenk”

Letztes Jahr kam es zu einem neuen Rekord: an 573 Stunden des Jahres musste Strom zu negativen Preisen abgegeben werden; das waren etwa 25 Prozent mehr als 2024. Die Tendenz hält weiter an – weil Deutschland seine Kapazitäten an Wind- und Solaranlagen weiter ausbaut und diesen Irrsinn weiter fördert. An den Tagen, wo uns durch Bewölkung, mauen Wind oder gar Dunkelflaute kein oder zu wenig Strom aus Wind und Solar “geschenkt”, importieren wir dann fossil erzeugten oder atomaren Strom aus demselben Ausland, das uns ansonsten unsere “grünen“ Überschüsse abkauft. Es ist ein bizarrer Tanz: Die Sonne “schenkt” uns Energie – und am Ende zahlt der Steuerzahler für das Geschenk.

Doch das ist nur der erste Akt der Groteske – auch am Ostersonntag wieder: Während der Markt längst mit schrillen Signalen rief, dass dieser Strom nichts mehr wert war – ja, sogar negative Werte annahm –, da lief das zweite System ungerührt weiter: Das der politisch garantierten Vergütungen nämlich, jene aufgeschaltete Parallelwelt aus Zusagen und Subventionen. Denn die Betreiber kassieren weiter – immer, unabhängig davon, ob ihr Strom gebraucht wird oder nicht, ob er einen Abnehmer im Inland findet oder ob man ihn mit Aufpreis ins Ausland verschenken muss. So tat sich auch am vorgestrigen Feiertag wieder eine doppelte, fast schon surreal anmutende Rechnung auf: 23 Millionen Euro Verlust bei dem verzweifelten Versuch, den Überschuss noch irgendwie zu vermarkten, plus 118 Millionen Euro an fest zugesicherten Einspeisevergütungen für die Betreiber wurden alleine an diesem Ostersonntag fällig. Macht zusammen 141 Millionen Euro. Warum? Weil dieses kranke System genau so konstruiert ist, dass es die Wirklichkeit elegant ignoriert.

Das System ist kaputt

141 Millionen Euro. Für nichts. Für unsichtbare Kilowattstunden, die niemand gerufen hat. Für ein System, das sich selbst widerspricht und dennoch munter weitersummt. Und während diese Zahlen als stummer Vorwurf und Menetekel an der Wand stehen, hält sich der alte Satz erstaunlich tapfer und fast schon trotzig, als wollte er die Wirklichkeit beiseite wischen: „Sonne und Wind schicken keine Rechnung!“ Doch – wie gesehen haben, tun sie genau dass, bloß nicht direkt, sondern über eher verschlungene Pfade. Über steigende Netzentgelte, über immer neue Umlagen, über Strompreise, die jede internationale Wettbewerbsfähigkeit langsam aber sicher beseitigen. Die Rechnung wird den nun auch noch durch Spritpreis-Alptraum und Inflation bis zum Anschlag überlasteten deutschen Verbrauchern ebenso präsentiert wie der Industrie, die längst begonnen hat, ihre Koffer zu packen. Derweil wundert sich der brave Bürger, der doch Solarzellen auf seinem Dach installiert und sein grünes Gewissen streichelt, warum „billige Energie“ mit jedem Jahr teurer wird.

Was an solchen Tagen wie vorgestern sichtbar wird: Hier geht es nicht um ein paar falsch justierte Stellschrauben in einem vermeintlich richtigen, tragfähigen und zukunftsfähigen System. Nein, dies ist kein harmloser technischer Ausreißer und kein vorübergehendes Missgeschick. Das System selbst ist völlig kaputt und zum Zusammenbruch verdammt. “Aber wenn es irgendwann Speichermöglichkeiten gibt, dann…”, trösten sich die Befürworter in ihrer Geisterfahrt. Die gibt es aber auf Jahrzehnte nicht, ganz absehen von der fehlenden Stromtrassen-Infrastruktur. Es ist wahrscheinlicher, dass die Kernfusion als ultimative Lösung aller Energieprobleme der Menschheit technisch bewältigt wird, als dass die Speicherung von Wind- und Solarenergie zum punktgenauen Verbrauch Marktreife erlangt. Deshalb ist das, was hier passiert, eine kriminelle Täuschung. Es ist mehr als nur ein Riss; es ist ein struktureller Grabenbruch.

Leere Verheißung

Wenn unablässig Angebot produziert wird, entkoppelt von der Nachfrage, und das Kosten erzeugt, wo eigentlich Eleganz und Effizienz entstehen sollten, ist das ein Ausdruck von politischem Wahnsinn – und genau das, was die Klima- und Energiepolitik insgesamt bedeutet: Eine Form von Planwirtschaft. Der Ostersonntag ist damit kein Zufall. Er ist ein Lehrstück. Ein Moment kristalliner Klarheit, in dem Theorie und Wirklichkeit einander ungeschminkt gegenüberstehen. Vielleicht liegt ja genau darin die eigentliche Pointe: Der schöne Satz “Sonne und Wind schicken keine Rechnung” war nie als nüchterne Beschreibung der Realität gemeint. Er war immer eine leere Verheißung, ein Schwindel und ein Propagandaversprechen, das sich politisch wunderbar anhörte, solange niemand allzu genau hinschaute und nachdachte.

Jetzt schauen immer mehr hin. Und plötzlich wirkt er nicht mehr wie eine Wahrheit. Sondern wie das, was er in Wahrheit immer schon war: eine der teuersten Illusionen dieses Landes. Immerhin behielt Jürgen Trittin Recht: Die “Energiewende” kostet die Deutschen nicht mehr als eine Kugel Eis. Allerdings nicht im Monat, sondern in der Minute.


Montag, 6. April 2026

Friedrich Merz: "Wohnungsbau wird jetzt Chefsache..."


 

Den Irankrieg ohne Zerstörung erfolgreich beenden: Interessenpoker im Nahen Osten

von Christian Hamann

Stratotanker und Transporter der US-Airforce auf dem Flughafen Lot bei Tel Aviv



Nicht zufällig war der Nahe Osten die Wiege der Zivilisation, denn hier überschneiden sich die Einflussgebiete dreier Kontinente. Diese Zivilisation hat Ackerbau, Stadtkulturen und technischen Fortschritt hervorgebracht. Die Kehrseite bestand in einer verschärften Rivalität zwischen den Menschen. In den Auseinandersetzungen um Territorien haben sich historisch zwei höchst bedenkliche Erscheinungen durchgesetzt, die autokratische Herrschaft und ein brutaler Militarismus. Autokratische, nicht von den einfachen Bürgern kontrollierte Macht tendiert zur Steigerung und zum Gebrauch gewaltsamer Mittel. Die Geschichte war dementsprechend von unsolidarischen Herrschern geprägt, die ihre Untertanen für die Expansion ihrer Einflussgebiete in den Krieg schickten.

Die Autokratie hat im Nahen Osten nicht nur ihre Wurzeln. Sie hat dort auch bis heute Steigerungen erfahren, die insbesondere die Mentalität der Herrschenden betreffen. Abweichungen zwischen politischer Fassade und Wirklichkeit sind inzwischen weltweit Standard, zum Beispiel zwischen vorgetäuschter Verhandlungsbereitschaft und tatsächlicher Ablehnung jeder einvernehmlichen Lösung. Auch die Diskrepanz zwischen gespielter Solidarität und tatsächlichem Gebrauch von “Freunden” als Werkzeug ist universell verbreitet. Letzteres Phänomen tritt regelmäßig bei strategischen Allianzen zwischen ideologischen Rivalen gegen einen gemeinsamen Feind auf.

Machtgerangel der Autokraten

Doch der Nahostkonflikt hat zu all diesen gewissermaßen “normalen” Unaufrichtigkeiten noch eine Steigerung hervorgebracht. Diese hat ihre psychologischen Wurzeln in der jahrtausendealten Opferung von Soldaten im Machtgerangel der Autokraten. Nunmehr werden eigene Zivilisten geopfert – ebenfalls im Interesse der Machterweiterung. Obwohl der Mechanismus erkennbar effizient funktioniert, halten die Mainstream-Medien die Augen geschlossen und damit auch die der westlichen Bürger. Es geht um einen Islamisierungsmotor, der dadurch in Gang gehalten wird, dass Moslems in Kriegen und Bürgerkriegen leiden. Dieses Leiden bringt erstens Flüchtlingsströme in Bewegung und löst zweitens in den europäischen Ländern die Bereitschaft aus, diese Menschen aufzunehmen.

Natürlich können Terroristen und Islamisten nur im vertrauten Kreis über den Gebrauch dieses Mechanismus als vorsätzliche Strategie reden, denn er funktioniert nur bei verbreiteter Unkenntnis. Die tatsächliche Wirkungsweise des Islamisierungsmotors führt zu der Einsicht, dass die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge in westlichen Ländern insgesamt das Gegenteil einer Linderung von Gewalt und Not zur Folge hat. Denn diese Hilfsbereitschaft verleitet skrupellose Terroristen und Dschihadisten dazu, solche Gewalt gegen Moslems zu provozieren. Dies bewies Hamas-Führer Yahya Sinwar mit dem von ihm geplanten Massaker vom 7. Oktober 2023: Nachdem Israel mit der vermeintlich abschreckenden, aber militärisch weitgehend sinnlosen Zerstörung Gazas den Islamisten einen maximalen Gefallen getan hatte, schrieb er 2024 seine Komplizen in Katar: „We have Israel right where we want them.“ – Wir haben Israel genau da, wo wir es haben wollen.

Begrenzte ideologische Gemeinsamkeiten des islamischen Lagers

Die Teheraner Machthaber zeigen dieselbe verantwortungslose Denkweise: Aus rationaler iranischer Sicht sind die Attacken, die seit Beginn des Krieges am 28. Februar 2026 geführt werden, selbstmörderisch. Aber schon seit 1979 besteht die Führung des Landes aus einem autokratischen Islamistenzirkel, für den das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung bedenkenlos der weltweiten Ausbreitung und Radikalisierung des Islam geopfert wird. Diesen Fanatikern kann man daher nicht mit einer Zerstörung drohen, unter der Zivilisten leiden. Das jetzt nur moderat angegriffene Saudi-Arabien hatte vor 2001 noch den Terrorismus unterstützt; Seither bemüht sich die Regierung, diese Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Saudi-Arabien, Katar und Kuwait sind für den Westen trotz äußerlicher Freundschaft nur strategische Verbündete; die ideologischen Gemeinsamkeiten sind begrenzt. Katar unterstützt sogar die Muslimbruderschaft bei ihren Bemühungen, den radikalen Islam im Westen zu verbreiten. Als einziges Land der Region stellen sich die Vereinigten Arabischen Emirate ausdrücklich gegen die Bruderschaft und vertreten stattdessen einen gemäßigten Islam. Diese ideologische Kompatibilität mit dem Westen erklärt, weshalb die Vereinigten Arabischen Emirate als tatsächlicher Feind des Islamistenregimes in Teheran die mit Abstand schwersten iranischen Angriffe erlitten hat.

Trügerische Fassaden

Eine Verschleppung des Krieges würde sehr wahrscheinlich die Türkei involvieren. Sie ist die einzige Militärmacht der Region, die zu einer erfolgreichen Bodeninvasion des Iran befähigt wäre. Dieses Engagement würde neue Interessen ins Spiel bringen. Trotz der von Erdogan bekundeten Nähe zu Islamisten wird türkische Politik seit rund 100 Jahren von dem ehernen Grundsatz des Kemalismus bestimmt, dass die Nation Vorrang vor der Religion hat. Für die türkische Nation bedeutet das Schutz ihrer Interessen, während die der iranischen der Islamistenideologie des Regimes geopfert werden.

Die trügerischen Fassaden der vorwiegend autokratischen Regierungen im Nahen Osten geben demokratischen Europäern keinen Grund zur Überheblichkeit, denn nach den beiden Weltkriegen hätte es wohl kaum jene regelrechte Serie höchst kontraproduktiver Militärinterventionen von Vietnam bis Afghanistan gegeben, wenn die westlichen Nationen von ihren Politikern authentisch demokratisch repräsentiert worden wären. Militarismus gehört zur Autokratie – nicht zur Demokratie! Gerade jetzt, im Irankrieg, ist es daher allerhöchste Zeit, aus den vergangenen Fehlern zu lernen und nicht weiterhin zwei gleichermaßen suizidalen Irrwegen zu folgen: Der eine, eher von Linken vertretene, ist der eines wachsweichen Appeasement gegenüber Islamisten. Der andere besteht in einem harten militärischen Eingreifen, das Zivilisten Leid bringt und den Zielen derselben Islamisten ebenso in die Hände spielt. Eine Erfolgsstrategie basiert auf ideologischem Druck auf den Islamismus und speziell das Teheraner Regime. Davon an dieser Stelle in Kürze mehr.


Sonntag, 5. April 2026

Alabali und die 40 Räuber: 1 Milliarde deutsches Steuergeld pro Jahr für Gesundheitssyteme im Ausland

von Dirk Schmitz

Entwicklungsministerin Alabali Radovan: Beauftragte für planetare Umverteilung deutscher Steuergelder 



Sowas ist nur im Post-Merkel-Schland möglich: Eine SPD-Bio-Irakerin mit deutschem Beutepass führt als Ausplünderungsministernde das Bundesentwicklungsministerium, formell Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Während deutsche Kliniken kein Geld mehr haben und reihenweise verrecken, und die Beitragszahler und Steuerzahler immer mehr Beiträge und Lasten tragen müssen für immer weniger Gegenleistungen, verschenkt Reem Alabali Radovan – nach offizieller BMZ-Strategie – im Schnitt rund 1 Milliarde Euro jährlich für die „globale Gesundheit“. Dabei liegen einzelne Krankenhausprojekte im Ausland nachweisbar im Millionen- bis zweistelligen Millionenbereich.

Die freche Ausplünderung des deutschen Steuerzahlers durch das Ministerium der Ex-Asylantin umfasst laut aktueller Haushaltsbegründung Programme zur Finanzierung fremder Gesundheitssysteme in mehr als 120 Ländern. Das BMZ schreibt in seiner „Gesundheitsstrategie“, dass die deutsche Official Development Assistance Official Development Assistance (ODA), so der hochtrabende OECD-Fachterminus für das, was hierzulande schnöde “Entwicklungshilfe” heißt, im Bereich Gesundheit im Durchschnitt bei etwa 1 Milliarde Euro pro Jahr lag.

Ausplünderung des eigenen Volkes

Im Pandemiejahr 2020 war dieser Posten gar auf rund 3 Milliarden Euro gestiegen. Darunter war auch eine kleine Spende an das Land, dem die Familie der zwar in Moskau geborenen, dann aber nach kurzem Nordirak-Zwischenaufenthalt im Nordirak in Mecklenburg-Vorpommern “angekommenen” Ministerin eigentlich entstammt: Dem Irak. Dort finanzierte Deutschland laut Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2020 den Bau von vier Krankenhäusern zunächst mit 15 Millionen Euro, für das Baharka Hospital in Erbil in der heutigen Autonomen Region Kurdistan nennt die KfW eine deutsche Finanzierung von 2,3 Millionen US-Dollar allein nur für Arbeiten und Ausstattung.

Schon der Großvater dieser Schwester von Alibabas 40 Räubern war Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei des Irak – und verfolgte in dieser Eigenschaft Ausplünderungsstrategien gegen das Volk. In Deutschland führt seine Enkelin diese Tradition als BMZ-Chefin würdig fort und verteilt deutsches Geld fröhlich in alle Welt.


Samstag, 4. April 2026

Schönwetter-Feminismus bei „Wildwasser“: Wenn Toleranz blind macht

von Mirjam Lübke

Endstufe des linkswoken Wahnsinns: Opfer migrantischer Sexualübergriffe bleiben sich selbst überlassen – Hauptsache, die armen Täter werden nicht noch zusätzlich diskriminiert, etwa durch Strafverfolgung



Der Verein “Wildwasser e.V.” trat einst in den Achtzigern in Berlin mit dem Ziel an, Mädchen und Frauen im Kampf gegen sexuellen Missbrauch beizustehen. Auch heute bietet der Verein Selbsthilfegruppen und Notfallhotlines an – sowie die Empfehlung, in akuten Fällen den Polizeinotruf zu kontaktieren. Darüber hinaus werden Präventionsprogramme angeboten, welche Vertrauenspersonen im Umgang mit sexueller Gewalt schulen sollen, um Betroffene zu schützen und aus ihrer Bedrohungslage herauszuholen. So weit, so gut – denn die Zahl der Übergriffe auf Frauen und Mädchen wächst stetig an, da wird jeder Beistand gebraucht. “Wildwasser Berlin” mischte sich nun edoch auch in die Debatte um den Neuköllner Jugendclub ein, in welchem Mädchen monatelang sexuell bedrängt wurden, ohne dass die Betreuer einschritten – zumindest nicht genug, um die Übergriffe zu beenden. Bekanntlich unternahm auch die Bezirksverwaltung nichts, obwohl Berichte von Mädchen vorlagen, die gegen ihren Willen berührt oder geküsst wurden, von der wiederholten Vergewaltigung eines Mädchens ganz zu schweigen. Doch auch “Wildwasser” beginnt sich plötzlich seltsam zu winden, wenn es um Verantwortlichkeiten oder den Umgang mit den Übergriffen geht. Obwohl das Kind längst in den Brunnen gefallen ist, weist der Verein weiterhin auf die Wichtigkeit von Präventionsarbeit hin. Das ist nicht ganz unberechtigt, denn auch diese ist im Jugendclub wohl unterblieben. Ein angesetzter Kurs für die Mitarbeiter wurde immer wieder verschoben. Ob er etwas gebracht hätte?

“Wildwasser” druckst seltsam herum und schiebt den Opferschutz vor, wenn es darum geht, sexuelle Übergriffe zur Anzeige zu bringen: Der Verein bezweifelt nun den Sinn von Strafanzeigen bei Sexualdelikten generell – denn das könne die Mädchen noch mehr unter Druck setzen; die gerichtliche Verurteilungsrate in Berlin sei ohnehin gering und der Prozess für die Opfer “traumatisierend”. Da ist natürlich etwas dran – aber nicht so, wie “Wildwasser“ es meint: Tatsächlich ist in diesem Land nicht auszuschließen, dass auch die migrantischen Täter (oder ihre Familien) die Mädchen privat unter Druck setzen und unter Drohungen davon abbringen wollen, gegen sie auszusagen. Vor Gericht wird die Verteidigung zudem alles unternehmen, um ihre Mandanten aus der Schusslinie zu nehmen und die Opfer als unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

“Rassistische Instrumentalisierung” von Missbrauch?

Natürlich ist das entmutigend – aber es ist der Job der Täteranwälte. Nun könnte man erwarten, “Wildwasser” würde sich an die Seite der betroffenen Mädchen stellen, psychologische Hilfe anbieten oder einfach ein offenes Ohr. Als Vertreterinnen der Opfer sollte auch die Frage auf dem Plan stehen, warum so viele Täter freigesprochen werden – liebt die “Zivilgesellschaft” denn nicht sonst die Fahndung nach “diskriminierenden Strukturen”? “Wildwasser” hätte gerade in Zeiten der Ulmen-Fernandes-“Krise” auch einfordern können, Mädchen, die in Jugendzentren belästigt werden, ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen wie prominenten Damen, die nun zuhauf ihren “virtuellen Missbrauch” beklagen (was bekanntlich mit den Interessen des Justizministeriums übereingeht, die Internet-Zensur auszuweiten). Das alles könnte man von einer Organisation erwarten, die für sich in Anspruch nimmt, an der Seite von Frauen und Mädchen zu stehen. Aber dann lässt “Wildwasser” die Katze aus dem Sack: Genau so wie die anwesenden Sozialarbeiter, die in ihren Aufgaben so kläglich versagt haben, beklagt auch der Verein die “rassistische Instrumentalisierung” der Missbrauchsfälle. Das wirkt sich – wie so häufig – außerordentlich dämpfend auf das Engagement für Frauenrechte aus. Auch wenn die Opfer, wie die Täter auch, selbst einen Migrationshintergrund hatten. Das vergewaltigte Mädchen kam aus einer kurdischen Familie.

Im Rahmen einer kollektivistischen Opferideologie greift dann allerdings die linke Grundregel, den Schutz der Gesamtgruppe (“Migranten”) über den Schutz für betroffene Mädchen zu stellen. Es ist die bekannte Opferhierarchie, die im Westen mittlerweile zum Alltag geworden ist. Der kulturelle Hintergrund der Täter spiele keine Rolle, behauptet “Wildwasser” denn auch aus dem Stegreif, – als sei dies eine unwiderlegbare wissenschaftliche Doktrin. Wir kennen das Argument, auch unter Deutschen gäbe es schließlich sexuellen Missbrauch, ursächlich seien in Wahrheit nicht die Herkunft, sonderm die “patriarchalen Strukturen”, welche jeden Mann zum potentiellen Täter machen. Da werden mal eben so alle pädagogischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte über den Haufen geworfen, ohne auch nur ansatzweise die Widersprüche zu bemerken, in welche sich die Migrationsdebatte somit immer wieder verwickelt: Das “Umfeld”, die Familie oder auch “die Gesellschaft” werden immer wieder gern herangezogen, wenn jemand zum Täter wird, das gilt in der Szene sogar für bestimmte deutsche Täter.

Wo “ungläubige” Mädchen zu Freiwild werden

Doch bei Migranten gilt die Milieutherorie auf einmal nicht mehr; hier sollen muslimischer Antisemitismus, die überproportional häufige Beteiligung von Migranten aus diesem Kulturkreis an Sexualstraftaten oder auch das aggressive Verhalten vieler muslimischer Schüler gegenüber ihren Klassenkameraden ausschließlich die reaktive Folge von “Diskriminierung” und “Rassismus” sein. Folgt man dieser Auffassung, so reagieren Migranten aus dem muslimisch-arabischen Kulturkreis seltsam selektiv auf äußere Einflüsse – nur aus solche nämlich, die vom “Westen” ausgehen. Kultur, Herkunft und Religion sollen dann dagegen keine Rolle spielen – dagegen sind die jungen Männer also quasi resistent, oder wie dürfen wir das verstehen? Von wegen: Immerhin geben junge Muslime in Deutschland mehrheitlich an, die Scharia über das deutsche Gesetz zu stellen – ein religiöses Gesetzeswerk also, das es erlaubt, “ungehorsame” Ehefrauen körperlich zu züchtigen, und das etwa siegreichen Kriegern die Frauen und Mädchen der unterlegenen Kriegspartei als Beute zuspricht. Nicht alle, aber viele muslimische Familien legen an ihre Töchter weitaus höhere Sittlichkeitsvorschriften als an Söhne an – westlich geprägte Mädchen gelten per se als unanständig und daher als sozusagen frei verfügbar.

Während viele aktuell gerade linke Männer öffentlich selbst an den Pranger stellen und einfach dafür schämen, dass sie Männer sind, ist die stets angeprangerte “toxische Männlichkeit” gerade dort reichlich vorhanden, wo man als toleranter, weltoffener Mensch nicht hinschauen darf. Das hält auch manche deutschen Männer nicht von Sexualstraftaten ab – aber unsere Gesellschaft hält diese Männer nicht für tolle Hechte, wie es unausgesprochen oder latent in vielen muslimischen Familien der Fall ist. Alle Fortschritte, die im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung im Westen gemacht wurden, landen jedoch rasch in der Mülltonne, wenn der migrantische Opferstatus grundsätzlich als höherer Wert angesehen wird als der Schutz von Mädchen und Frauen, und Kritik an den “Werten” der Scharia-Kultur pauschal kriminalisiert wird.

Tolerante Kuscheligkeit bis zum Untergang

Das erklärt aber noch nicht, warum die Sozialarbeiter des Berliner Jugendclubs – und auch die Damen von “Wildwasser” – sich nicht in diesen konkreten Fällen an die Seite der Mädchen gestellt haben. Niemand hat von ihnen verlangt, verbindliche Erklärungen zur Migrations- und Integrationspolitik abzugeben; niemand hat allgemeine Stellungnahmen über das Macho-Verhalten der von ihnen betreuten männlichen Jugendlichen erwartet. Ein rechtzeitiges Eingreifen hätte eventuell verhindert, dass es innerhalb der Einrichtung zu sexuellen Übergriffen wie mehrfachen Vergewaltigungen gekommen wäre, die bei den Behörden angezeigt werden mussten. Die Sozialarbeiter jedoch haben offensichtlich sehr lange weggeschaut, sexualisierte Berührungen bewusst ignoriert und vor allem die Beschwerden der Mädchen nicht ernst genommen. Dabei ist es sogar vollkommen gleichgültig, welche Nationalität die respektlosen Jugendlichen hatten – man hätte ihnen lediglich beizeiten sehr deutlich klarmachen müssen, wie wenig man bereit ist, ein solches Verhalten zu dulden: Hausverbote erteilen. Die Täter zusammenrufen und ihnen eine Standpauke halten, die sich gewaschen hat und ihnen vor Augen führt, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben wird. Aber vor allem, dass ein Jugendclub kein Spielplatz für ihr Macho-Verhalten ist. Wahrscheinlich – das kann ich nur vermuten – sind Mädchen auch bereits fortgeblieben, weil sie nicht mehr in den Club gehen wollten. Auch das hätte auffallen müssen.

Stattdessen wieder einmal: “Tolerante” Kuscheligkeit und die nach außen gelebte Illusion, es sei alles in bester Ordnung; exakt das also, was wir von unzähligen Schulen in Deutschland ebenfalls schon zur Genüge kennen. Wenn Frauenorganisationen wie “Wildwasser” dann ebenfalls kneifen, wenn es um klare Worte geht, müssen wir uns nicht wundern, dass aus übergriffigen Jugendlichen irgendwann übergriffige Männer werden, die – sofern das überhaupt möglich ist – noch größeren Schaden anrichten. Und zu allem Überdruss stehen uns auch noch Gesetze ins Haus, die uns erschweren sollen, uns darüber öffentlich auszutauschen und uns zu vernetzen. Wir tolerieren uns wieder einmal bis in den Abgrund.


Demokratieverachtung pur: CDU und SPD planen Verfassungsänderung in Rheinland-Pfalz, damit AfD keine U-Ausschüsse einsetzen kann

von Wilma Fricken

Der abgewählte SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer und sein designierter CDU-Nachfolger Gordin Schnieder führen die Koalitionsverhandlungen – und wollen die Opposition entmachten 



Rheinland-Pfalz hat sich bereits unter den Landtagswahlen am 22. März abgewählten Ampelregierung zu einer Art Pionier-Bundesland der antidemokratischen Oppositionsverfolgung entwickelt. Der Ausschluss des AfD-Kandidaten Joachim Paul bei der Ludwigshafener Oberbürgermeisterwahl sowie die nachfolgenden Versuche, AfD-Kandidaten von Wahlen auszuschließen, wie auch die angedrohten Repressalien gegen AfD-Anhänger im Staatsdienst, gingen teils deutlich über das hinaus, was sich andere Landesregierungen bislang trauten. Auch deshalb erreichte die AfD bei der Wahl vorvergangenen Sonntag ihr im Westen bislang stärkstes Ergebnis von 19,5 Prozent.

Nun setzt die brandmauerbedingt schon vor der Wahl gesetzte künftige Landesregierung aus CDU und SPD diesen Kurs der Demokratieverachtung offen fort – und plant den nächsten Anschlag auf Oppositionsrechte: Beide Parteien streben nach Medienberichten offenbar eine gezielte Verfassungsänderung an, um die Kontrollrechte der AfD als stärkster Oppositionsfraktion einzuschränken. Weil die künftig mit 24 Abgeordneten als größte Oppositionskraft im Mainzer Landtag vertretene AfD nun nämlich das nach geltender Landesverfassung erforderliche Quorum von einem Fünftel der Abgeordneten erfüllt, um eigenständig Untersuchungsausschüsse einzuberufen, wollen ihr die künftigen Regierungs-Kartellparteien dieses mächtiges Instrument parlamentarischer Kontrolle entziehen. Mit ihrer Zweidrittelmehrheit erwägen CDU und SPD nun allen Ernstes eine Verfassungsänderung, die das Quorum für Untersuchungsausschüsse auf 25 Prozent anhebt – ähnlich wie im Bundestag.

Wählerwille mit Füßen getreten

Mit diesem linken Kunstgriff könnte die AfD aus eigener Kraft keine Untersuchungsausschüsse mehr einsetzen und bräuchte dazu die Unterstützung anderer Fraktionen – die es wiederum brandmauerbedingt nicht geben wird. Das “schärfste Schwert der Opposition” wäre damit stumpf gemacht, “UnsereDemokratie™” könnte in bewährter Manie weiter ihre bürgerfeindliche Politik fortsetzen und vor allem Verfehlungen der Vergangenheit, parlamentarisch unaufgearbeitet lassen. Betroffen wären von diesem weiteren Putsch gegen die Opposition vor allem jene Themen, die die AfD im Wahlkampf angekündigt hat – die Aufklärung der Coronapolitik und der affärenumwitterte roten Filz aus 35 Jahren SPD-geführten Landesregierung (einschließlich kriminell gewährter Sonderurlaube samt Weiterbeförderung von Staatssekretären)

Das “Freilich-Magazin” erkennt hier richterweise zutreffend ein eiskaltes und reines Machtkalkül der etablierten Parteien: CDU und SPD fürchten die konsequente Oppositionsarbeit der AfD und wollen deren Möglichkeiten zur Kontrolle der Regierung daher gezielt beschneiden, was ein Angriff auf demokratische Grundprinzipien darstellt: Denn in einer echten Demokratie muss die Opposition zwingend das Recht haben, die Regierung zu kontrollieren – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung. Die geplante Änderung dient nichts anderem als einer systematischen Entmachtung der AfD, da das eigentlich angestrebte Parteiverbot in weite Ferne gerückt und sich als nicht gerichtlich duchsetzbar erwiesen hat. Der Wille jedes fünften rheinland-pfälzischen Wähler wird dabei jedoch nicht minder mit Füßen getreten.

Perfider Plan wird zum Bumerang werden

CDU und SPD untergraben Demokratie und Transparenz, um sich vor unbequemer Kontrolle zu schützen, und versuchen mit zunehmendem Wegschmelzen ihrer Wählerschaft, gemeinsam ihre Macht institutionell zu zementieren. Die Folgen der geplanten Verfassungsänderung reichen weit über die Erschwernis von Untersuchungsausschüssen hinaus; sie beträfe darüber hinaus potenziell auch weitere geschützten Oppositionsprivilegien wie Enqueterechte – und würde die parlamentarische Arbeit der AfD ganz erheblich.

Die Strategie, statt einer überfälligen inhaltlichen Auseinandersetzung, einem parlamentarisch zwingend vorgesehen Dialog zwischen allen gewählten Parteien und konstruktiver Kompromissfindung weiter auf die demokratieverachtende Brandmauer zu setzen und nun sogar die Beschneidung von Minderheitenrechten durchzupeitschen, wird allerdings zum Bumerang werden: Die Wähler wissen genau, was hier vor sich geht und mit welcher Kaltschnäuzigkeit eine Wagenburg bröckelnder Kartellparteien die Konkurrenz auszusperren versucht. Neben einem weiteren Vertrauensverlust in die Demokratie und einer Steigerung der Politikverdrossenheit wird sich diese miese Aktion umso mehr bei kommenden Wahlen zugunsten der AfD auswirken – nicht nur in Rheinland-Pfalz.


Marcel Fratzscher, der Comical Ali der Voodoo-Ökonomie

von Michael "Die Stahlfeder" Werner

Liegt nicht nur notorisch, sondern garantiert falsch: DIW-Chef Marcel Fratzscher



Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ist der Comical Ali der Voodoo-Ökonomie: Er ist eine vom Regime fürstlich bezahlte Sprechpuppe und soll das pseudo-akademische Fundament legen für den ideologischen Dreck, der dieses Land wirtschaftlich komplett zerstört. Vor genau zehn Jahren, als Merkels Flüchtlingsmärchen noch auf Hochtouren lief, gab Fratzscher seine berüchtigte Expertise zur Rentenfrage der Zukunft ab und prophezeite: “Die Flüchtlinge werden die Renten der Babyboomer zahlen.”

Es ist allerdings nicht so, dass man immer erst zehn Jahre warten muss, bis sich Fratzschers Aussagen als kompletter Bullshit erweisen. Jeder Mensch mit einem Intelligenzquotienten oberhalb Zimmertemperatur und drei korrekt verdrahteten Synapsen, der unfallfrei durch die Grundschulmathematik gekommen ist, kann Fratzschers Aussagen bereits widerlegen, sobald sie gerade seinen Mund verlassen haben, noch bevor sie also irgendjemand gehört hat.

Irgendwie nützlich

Denn alles – wirklich alles – was dieser Systemstiefellecker in den letzten Jahren verlautbart hat, hat sich als blühender Blödsinn erwiesen – und vielfach sogar als das genaue Gegenteil dessen, was dann tatsächlich eintrat, von der Beschäftigungsentwicklung über die Wachstumsprognosen bis hin zu seinen epic fails bei der Inflationsentwicklung.

Dennoch finde ich Fratzscher irgendwie nützlich: Denn immer, wenn ich aus irgendwelchen Gründen bei einem gerade sehr aktuellen und akuten Thema, das mich ehrlich gesagt nicht allzu brennend interessiert, mitreden will oder soll, ohne mich näher in die Materie zu vertiefen, gucke ich einfach, was Fratzscher dazu sagt, und behaupte dann einfach das glatte Gegenteil – mit dem wohligen Gefühl der Sicherheit, damit auf garantiert und jeden Fall richtig zu liegen.