von Thomas Heck
Gestern konnte der staunenden Normal-Bürger Geopolitik live erleben. Und das ohne die störende Einordnung durch Elmar Theveßen, Ulf Röller oder anderer "Experten" bei ARD und ZDF. Nie zuvor wurde einem Staatschef einer anderen Nation öffentlich dermaßen die Leviten gelesen, wie Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj. Und nur einer konnte jene welcher sein, der dies coram publico hätte abziehen können: Donald John Trump, der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und sein Vizepräsident James David Vance.
Was war passiert? Nach Sichtweise der Tagesschau hatte es das hat es noch nie gegeben: Ein US-Präsident beschimpft im Oval Office vor laufenden Fernsehkameras den Präsidenten eines anderen Landes und wirft ihn im Anschluss aus dem Weißen Haus.
"Sie riskieren den dritten Weltkrieg. Und was Sie tun, ist sehr respektlos gegenüber diesem Land", hatte Donald Trump auf dem Höhepunkt des Streits gerufen. "Ihr Land ist in großen Schwierigkeiten", rief Trump weiter, ließ Wolodymyr Selenskyj nicht mehr zu Wort kommen und fügte hinzu, die Ukraine könne diesen Krieg nicht gewinnen.
Bei Tagesschau und Heute-Journal wurde selektiv berichtet, wie üblich mit der Intention, den ungeliebten US-Präsidenten ins schlechte Licht zu rücken. Wer sich die ganze Pressekonferenz ansieht, erkennt: Selenskyj hatte gestern versucht, Trump öffentlich bloßzustellen, was ein großer Fehler war. Er zeigte ihm Bilder verwundeter ukrainischer Soldaten, um den moralischen Druck zu erhöhen. Hinter verschlossenen Türen wäre das in Ordnung gewesen. Selenskyj aber tat es vor der versammelten Presse, weil er diese gegen Trump aufbringen wollte. Der ukrainische Präsident hat aber offenbar nicht begriffen, dass die Zeiten der links-woken Medienlogik vorbei sind, in denen sich selbst konservative Staatschefs den medialen Empörungswellen beugten.
Schauen Sie sich ganz unten die gesamte Pressekonferenz an. Für mich kommt die Eskalation nach 40 Minuten und geht eindeutig on Selenskyj aus, inklusive ukrainischer Entgleisung in Richtung JD Vance. Der ukranischen Botschafterin in Washington entgleisten ob des diplomatischen Fauxpas ihres Chefs sämtliche Gesichtszüge. Und dann geht es gar nicht mehr um die Frage, wer recht hat, sondern auch um den Punkt, wie man sich als Gast im Oval Office zu benehmen hat. Mit Joe Biden hätte Silenskyj vielleicht noch so reden können. Bei Trump und JD Vance eben nicht.

Selenskyj hätte einen Deal für die Seltenen Erden haben können. Ein Deal, der der Ukraine nicht nur auf dauerhaft die nötige militärische Unterstützung der USA hätte finanzieren können. Der Deal hätte auch gegenüber Putin manifestieren können, welche Interessen die USA in der Ukraine haben und weitere territoriale Begehrlichkeiten Russland gedämpft.
Doch er wollte mehr, wie er bei der Pressekonferenz immer wieder betonte: Mit Russland könne man keinen Waffenstillstand verhandeln, ohne Sicherheitsgarantien zu bekommen, weil Putin sich an Abkommen in der Vergangenheit nicht gehalten habe. Und die kostenfreie Milliardenunterstützung aus Europa hatte vielleicht auch weitere Begehrlichkeiten geweckt.
Trump ist kein Präsident, der Sicherheitsgarantien gibt für den hypothetischen Fall, dass Putin angreift. Ein Dealmaker wie Trump räumt nicht schon indirekt im Deal dem Gegenüber die Möglichkeit ein, sich nicht an den Deal zu halten. Man kann das für falsch halten, aber immerhin ist Trump der einzige Politiker auf der ganzen Welt, der zurzeit in der Lage ist, in Kontakt mit Putin und mit Selenskyj zu treten und Verhandlungen zu führen.
Viele stören sich jetzt daran, dass Selenskyj von Trump und von einem Journalisten auf seine Kleidung angesprochen wurde. Dass Selenskyj seit dem Krieg nie Anzug trug, sondern immer nur seine militärischen olivfarbenen Outfits, war Teil seiner Inszenierung, die lange Zeit vor allem in Europa gut ankam. Auf den dazugehörigen Presskonferenzen wurden immer dieselben Worthülsen gesagt ("Wir stehen an der Seite der Ukraine", "Es darf nicht über die Köpfe der Ukraine hinweg entschieden werden") und dann neue Waffenlieferungen verkündet. Es war schon immer und in zunehmendem Maße eine Show, die dabei half, einen Krieg zu perpetuieren, den die Ukraine leider niemals wird gewinnen können.
Nun hat sich der Wind gedreht. Die Amerikaner haben einen Präsidenten gewählt, von dem sie sich erhoffen, dass er den Ukraine-Krieg beendet. Schon aus Respekt vor dem Wählerwillen der Amerikaner müsste Selenkyj das akzeptieren und könnte sich auf die neue Regierung einschwingen. Zum Beispiel, indem er den Deal über Seltene Erden unterzeichnet hätte, der die USA in seinem eigenen Land verankert und das Sicherheitsinteresse beider Länder synchronisiert hätte. Dass Selenskyj diese Chance wahrscheinlich vertan hat, lässt sich vor allem vor seinem eigenen Volk schwer rechtfertigen.
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