Sonntag, 26. Oktober 2025

Wie sich deutsche Nahostwissenschaftler gegen den jüdischen Staat stellen

von Kevin Culina

International sind Boykott-Aufrufe gegen Israel in den Nahostwissenschaften mittlerweile Standard. Nun wird der Vorstand eines großen deutschen Forscher-Verbands von Anti-Israel-Aktivisten übernommen. Jüdische Wissenschaftler beklagen ein zunehmend antisemitisches Klima.

In der deutschen Nahostwissenschaft vollzieht sich eine Wende zum politischen Aktivismus – und gegen Israel. Der neue Vorstand der rund 1300 Mitglieder starken Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient (Davo) wendet sich laut Programmschrift gegen eigene „koloniale Denkmuster“, will den „Orientalismus überwinden“ und dem wichtigsten Verband des Bereichs einen neuen Namen geben. Wissenschaft dürfe nicht neutral sein, schreibt die seit September amtierende Vorsitzende Christine Binzel, Professorin für Volkswirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen. Man stelle sich „gegen Genozid und Völkermord, Kolonialismus und Rassismus“ und wolle „sichtbare Solidarität mit Palästina“ zeigen.

Ökonomie-Professorin Christine Binzel, 
antisemitische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient



Was das bedeuten könnte, zeigen Binzels politische Einlassungen. Die Ökonomin fordert einen akademischen Boykott Israels. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dortigen Institutionen, die sich „mitschuldig“ an Verbrechen wie „Besatzung, Apartheid und Genozid in Palästina“ gemacht hätten, müsse beendet werden, heißt es in der auch von ihr unterzeichneten europäischen Uppsala Declaration aus dem September dieses Jahres.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung forderte Binzel im Juni die „sofortige Überprüfung aller diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel“. Mit dem Gaza-Krieg unterstütze Deutschland die „Vernichtung und Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung“ und damit „eines der größten Verbrechen unserer Zeit“. Neben Binzel trat Hanna Kienzler, Professorin für Global Health am King’s College London und ebenfalls im Davo-Vorstand, als Mit-Initiatorin auf.

Die antiisraelische Ausrichtung ist international bereits manifestiert. Der US-Dachverband Middle East Studies Association (Mesa) schloss sich 2022 der BDS-Bewegung an, die den jüdischen Staat durch Boykott isolieren will. 2019 beschloss auch die British Society for Middle Eastern Studies (Brismes) einen Boykott. Im selben Jahr verurteilte allerdings der Bundestag die „Argumentationsmuster und Methoden“ der BDS-Kampagne als antisemitisch.

Die neue Davo-Vize Hanna Al-Taher schreibt über den Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023: „Gleitschirme über dem Grenzzaun von Gaza. Ein Bulldozer durchbricht den Grenzzaun, der Gaza umgibt. Die Symbolkraft dieser Bilder ist enorm: Ausbruch, Rückkehr, Freiheit.“ Ein Bulldozer, so die Politologin von der TU Dresden, der zuvor palästinensische Häuser zerstörte, habe den Grenzzaun niedergerissen: „In diesem kurzen Moment wird eine Vorstellung möglich: Befreiung.“ Dies gelte „unabhängig davon, wie man strategisch, militärisch oder politisch zu der von verschiedenen Gruppen ausgeführten Operation steht“.

Zur Erinnerung: Am 7. Oktober wurden rund 1200 Israelis ermordet, Tausende verletzt, gequält, vergewaltigt. Al-Taher schreibt: „Die Tatsache, dass der 7. Oktober nicht nur für Tod steht, sondern auch mit Freiheit verbunden ist, lässt sich nicht einfach ignorieren, auch wenn die deutsche Staatsräson eine solche Interpretation nicht zulassen kann.“

Aus der Davo kommt vereinzelt Widerspruch. Ein Islamwissenschaftler, der aus Furcht vor beruflichen Konsequenzen anonym bleiben möchte, kritisiert eine „monothematische“ Ausrichtung. Eine Position für Palästina sei zwar Konsens, sagt er und verweist auf die rund 60.000 getöteten Palästinenser im Gaza-Krieg. Der Vorstand erkläre allerdings nicht, wem „Solidarität“ gelte: „Für das Land, die Menschen in Palästina, dortige Organisationen – oder die palästinensischen Unterdrücker der Palästinenser?“ Ein Israel-Boykott sei falsch, er treffe auch regierungskritische und arabische Israelis.

„Transformation in ideologische Echokammer“

Johannes Becke, Professor für Israel-Studien an der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg und selbst Davo-Mitglied, wirbt für eine enge Kooperation von Islamwissenschaften und seiner Disziplin nach dem 7. Oktober. „Mit der Transformation der Davo in eine ideologische Echokammer, die von BDS-Unterstützern geführt wird, ist ein solches Gespräch dort nicht mehr möglich“, sagt der Forscher. „Die Forschung zu den arabisch-israelischen Beziehungen, bei der nicht die eine oder die andere Seite im Voraus als politischer Feind markiert wird, muss sich damit andere Räume suchen – außerhalb der Davo.“

Auch das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender äußert Kritik: „Aussagen, die den 7. Oktober ästhetisieren, relativieren oder in ein ‚Befreiungs‘-Narrativ überführen, verkehren Täter und Opfer, negieren das Leid der Betroffenen und reproduzieren antisemitische Deutungsmuster“, sagt Leiterin Julia Bernstein, Professorin für Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Statt „Romantisierung“ müsse das terroristische Massaker verurteilt werden.

Der akademische Boykott Israels untergrabe Wissenschaftsfreiheit und Glaubwürdigkeit der Forschung. „Für jüdische und israelische Forschende in Deutschland führt eine solche Ausrichtung zu Ausgrenzungserfahrungen, Selbstzensur, Einladungs- und Kooperationsverlusten, erhöhtem Sicherheitsdruck und realen Karriereeinbußen“, sagt Bernstein. Hinzu komme die psychische Belastung durch zunehmende Bedrohungen.

Der Zentralrat der Juden hält Boykott-Aufrufe gegen Israel in der Wissenschaft für einen „Ausdruck von Geschichtsvergessenheit“. Ein Sprecher sagt: „Es sind nicht deutsche Professoren, die ihre Vorlesungen wegen Raketenalarm unterbrechen müssen. In Israel ist dies an der Tagesordnung.“ Der Davo komme eine besondere Verantwortung zu, „die Ideale und Potenziale der Wissenschaft zu fördern: den Austausch, die Verständigung über Länder- und kulturelle Grenzen hinaus sowie das gegenseitige Verständnis“. Mit Boykottaufrufen werde „jegliche konstruktive Arbeit torpediert“.

Verbandschefin Binzel betont auf Anfrage, dass es bei der Uppsala Declaration und ihrem offenen Brief um Kooperationen mit israelischen Institutionen gehe, nicht um einzelne Wissenschaftler. „Beides steht in keinem Zusammenhang mit meiner Funktion als Vorsitzende der Davo und ist durch die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit geschützt.“ Stellvertreterin Al-Taher verweist nur auf das Vorstandsprogramm, dem zufolge die Arbeitsgemeinschaft ein Ort für „kritische, interdisziplinäre, internationale und engagierte Wissenschaft“ sein soll.


Samstag, 25. Oktober 2025

»Rache, Völkermord, Apartheid, Aushungern«: Die vielen Missverständnisse über Israel

Bei einem Vortrag in Berlin dekonstruierte der Nahost-Korrespondent von Mena-Watch, Ben Segenreich, Zerrbilder über Israel in internationalen Medien. Damit leistet er einen Beitrag zur Entdämonisierung des Landes.

Geneviève Hesse

Mit Israel sei es »wie verhext«, steht in der Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und des Mideast Freedom Forum. Über kaum ein anderes Land werde so viel berichtet, analysiert, kommentiert – und doch bleibe das Bild stark verzerrt. Je mehr über Israel geredet und geschrieben werde, desto mehr häuften sich Missverständnisse an, die sich in den Köpfen festsetzen. »Rache, Völkermord, Apartheid, Aushungern« seien die »Horrorbilder«, die der österreichisch-israelische Journalist Ben Segenreich im Zuge seines Vortrags hinterfragt.

Als langjähriger, ständiger Korrespondent in Israel für den ORF und die Zeitungen Der Standard und Die Welt kennt Segenreich den Alltag von Journalisten ganz genau: Es habe nicht nur mit gezielter Desinformation von Gegnern Israels zu tun, wenn obsessiv und verzerrt über das Land berichtet wird, es liegt auch an Zeitmangel und Zeitdruck, die zu Oberflächlichkeit und Schlampigkeit führen. Aus Gewohnheit würden Redaktionen nach wie vor ohne viel nachzudenken berichten, und zwar auch deswegen, weil es so erwartet wird.

Der Glaube, etwas verstanden zu haben, schaffe außerdem ein Glücksgefühl, das man gerne wiederhole, auch wenn es nicht wahr ist. Hinzu käme, dass Israel eine sehr komplizierte Materie ist, die an sich allein Anlass zu Missverständnissen gebe.

Das Missverständnis der »Rache«

Seine Anstöße zum Nachdenken eröffnet Segenreich mit dem Begriff »Rache«. Auch nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 wurde der Krieg in den Medien oft als »Vergeltungsangriff« oder »willkürliche Rache gegen die Zivilbevölkerung« dargestellt. Dabei, so Segenreich, seien die Ziele der israelischen Offensive strategisch klar gewesen: Einerseits zu verhindern, dass ein solcher Angriff je wieder möglich wird, andererseits, die Geiseln zu befreien.

Besonders irritierend sei der häufige Rückgriff auf die Bibel und das Talionsprinzip »Auge um Auge, Zahn um Zahn«. Ein Zitat, das als Beleg für jüdische Rachsucht herhalten müsse, obwohl es im Ursprung das Gegenteil meint, nämlich Gerechtigkeit. »Diese Bibelstelle aus dem, was den Christen Altes Testament heißt, ist die Mutter aller Missverständnisse«, so Segenreich. Selbst Jesus habe sie in seiner Bergpredigt falsch interpretiert, als er sie erwähnte und durch das christliche Bild ersetzte, die andere Wange hinzuhalten, anstatt zurückzuschlagen. So sei die Vorstellung entstanden, Juden seien rachsüchtig – ein Gedanke, der bis in die heutigen Schlagzeilen hineinwirke.

Nicht »Netanjahus Krieg«

Ein weiteres Beispiel von Zerrbildern über Israel sei die Formel vom »Krieg Netanjahus«. Sie suggeriere, es handele sich um ein persönliches Projekt des israelischen Premierministers. In Wahrheit sei der Krieg, so Segenreich, von der gesamten israelischen Gesellschaft getragen worden. Auch oppositionelle Politiker und Friedensaktivisten hätten sich zunächst hinter die Regierung gestellt. Junge Israelis, die verreist waren, seien nach dem 7. Oktober 2023 sofort nach Israel zurückgeflogen – nicht, weil sie besonders martialisch und patriotisch gewesen seien, sondern weil sie die eigene Familie, das eigene Haus und die eigene Großmutter verteidigen wollten.

Erst im zweiten Kriegsjahr habe sich die Stimmung geändert. Laut Umfragen befürworteten 55 bis 70 Prozent der Israelis, den Krieg zu beenden. Mit den medial verbreiteten Straßenbildern dieser Proteste gegen Netanjahu sei aber auch das nächste Missverständnis entstanden. Denn es ging bei den Demonstrationen nicht um die Kritik des israelischen Kriegs im Gazastreifen, sondern um die Notwendigkeit, auf die Forderungen der Hamas einzugehen, damit noch lebende Geiseln aus dem Gazastreifen entlassen werden.

Ein Zerrbild in den internationalen Medien sei auch die Wiederholung, Benjamin Netanjahu setze den Krieg nur aus parteipolitischem Kalkül fort und nehme deswegen den Tod von israelischen Soldaten und große Gefahren für die Geiseln in Kauf. So ein gravierender Vorwurf sei in keiner Weise zu belegen, meint Segenreich, weswegen Journalisten sich mit dieser Aussage besser zurückhalten sollten.

Angriffe gegen »Zivilisten«

Auch sei die Vorstellung, israelische Medien würden über das Elend im Gazastreifen nicht berichten, falsch. Gerade israelische Medien seien »unerhört lebendig, präsent, kritisch und aggressiv«, würden jede militärische und politische Entscheidung hinterfragen und die eigene Regierung in einem Stil angreifen, wie dies in Europa nicht üblich sei.

Die Bilder der furchtbaren Bedingungen im Gazastreifen seien in Israel also sehr wohl bekannt. Allerdings würde jedes Land im Krieg im ersten Teil der Nachrichten verständlicherweise über eigene Themen berichten: seine Toten und Verletzte, seine wirtschaftlichen Probleme, seine Traumata und Krisen. Abgesehen davon sind die Israelis für diese Situation nicht verantwortlich. Israel habe es sich nicht ausgesucht, in einem dicht besiedelten, urbanen Gebiet zu kämpfen, in dem die Hamas sich in Tunnels oder in Krankenhäusern und Schulen unter der eigenen Bevölkerung versteckt.

Die Hamas habe die zivile Infrastruktur benutzt, seien es Notstromaggregate oder Ambulanzfahrzeuge, um Terroristen zu transportieren, betont Segenreich. »Warum hätte Israel Schüler und Schülerinnen, Ärztinnen und Patienten angreifen wollen?«, fragt er. Nach dem Kriegsrecht dürften zivile Einrichtungen wie Schulen, Kirchen oder Wohnhäuser nur dann angegriffen werden, wenn sie vom Feind für militärische Zwecke genutzt werden – und genau das habe die Hamas systematisch getan.

Auch der Begriff »Vertreibung« sei irreführend. Diesen benutze man für Menschen, die man loswerden wolle. Israel habe Zivilisten im Gazastreifen zur Flucht aufgefordert, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen und nicht, um sie loszuwerden. Das Ziel sei gewesen, dass sie kein Schutzschild der Hamas mehr sind. Segenreich erinnert an frühere Kriege anderswo: Auch die irakischen Städte Falludscha und Mossul seien jeweils 2004 und 2016 evakuiert worden, um Kämpfe zu ermöglichen – und damals habe niemand von Vertreibung gesprochen.

Ben Segenreich mit Carola Deutsch und Jochen Feilcke von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin
Ben Segenreich mit Carola Deutsch und Jochen Feilcke von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin (©Geneviéve Hesse)

Mythos vom »Aushungern«

Kaum ein Vorwurf sei so schwerwiegend wie der des »Aushungerns«. Doch auch hier widerspricht Segenreich entschieden. Eine vollständige Gaza-Blockade habe es nur von März bis Mai 2025 gegeben, als die Vorratslage als gesichert galt. Ansonsten seien täglich 100 bis 300 Lastwagen mit je zwanzig Tonnen Hilfsgütern in den Gazastreifen gelangt. Das Völkerrecht, so Segenreich, verpflichte eine Kriegspartei nur dann Hilfsgüter durchzulassen, wenn der Gegner sie nicht militärisch missbrauche – was die Hamas nachweislich getan hat.

Die Terrororganisation hat Hilfsgüter abgefangen, verkauft und mit den Einnahmen ihre Kämpfer entlohnt. Gleichzeitig hätten internationale Medien über steigende Lebensmittelpreise auf Märkten berichtet, ohne zu erwähnen, dass die Waren als humanitäre Hilfe eigentlich kostenlos verteilt werden sollten. Israels Strategie sei gewesen, die Hamas zu umgehen, nicht die Bevölkerung auszuhungern.

Als Beispiel für Doppelstandards im Umgang mit Israel fragt Segenreich rhetorisch nach einem Krieg, bei dem die eine Partei der anderen Hilfe zukommen lässt: »Liefern die Russen etwas an die Ukraine – oder umgekehrt? Hat England Nazi-Deutschland geholfen?«

Immerhin sei es vier neuen Verteilungszentren im südlichen Gazastreifen zeitweise gelungen, bis zu eine Million Mahlzeiten am Tag zu verteilen, auch wenn Segenreich die damit verbundene Stiftung als »problematisch« bezeichnet. Ein Monopolstreit der UNWRA – »Schrägstrich Hamas«, fügt Segenreich hinzu –, habe zur absurden Situation geführt, dass das Hilfswerk der Vereinten Nationen vollbeladene Lastwagen auf der Gaza-Seite der Grenze nicht abholen ließ, weil sie die Hilfsgüter nicht verteilen wollte, wenn neben ihr auch eine der UNO nicht angegliederte Institution im Gazastreifen tätig ist.

Unüberprüfbare Zahlen

Besonders kritisch sieht Ben Segenreich den Umgang mit den Opferzahlen. Die einzige Quelle sei das Gesundheitsministerium von Gaza, das von der Hamas geführt wird. »Wer ist aber der Gesundheitsminister oder die Gesundheitsministerin?«, fragt Segenreich ironisch. Wie die Zahlen erhoben würden, wisse niemand genau. In die Statistik flössen Krankenhausdaten, Medienberichte, die nicht besonders wissenschaftlich seien, und Eigenmeldungen ein. Eine unabhängige Kontrolle gibt es nicht.

Die kolportierte Zahl der 67.000 Toten enthalte Kämpfer und Zivilisten zugleich. Diese fehlende Unterscheidung sei das größte Problem, weil es suggeriere, alle Toten seien Zivilisten gewesen. Auch werden die Todesursachen nicht präzisiert. Es müssten nicht immer israelische Raketen schuld sein. Manche Opfer seien eines natürlichen Todes gestorben, andere durch explodierende Munitionslager oder fehlgeleitete Raketen der Hamas. Vielleicht wohnten sie in Häusern, die von der Hamas militärisch besetzt waren. Oder sie starben gar nach ihrer Teilnahme am Massaker vom 7. Oktober 2023 in den Kämpfen auf israelischem Gebiet, bevor die Armee wieder die Kontrolle hatte.

Es gebe eigentlich keine verlässliche Zahl der Toten im Gazastreifen, so Segenreich, weswegen Journalisten die umherschwirrenden Angaben auch nicht als Tatsachen publizieren dürften.

Ein »Völkermord«?

Unter den herrschenden Bedingungen von einem »Völkermord« zu sprechen, sei »lachhaft, wenn es nicht so ernst und bitter und böse wäre«. Ein Völkermord setze die Absicht voraus, eine Gruppe als solche ganz oder teilweise vernichten zu wollen. Dazu Segenreich kategorisch: »Es kann keine Rede davon sein, dass Israel Palästinenser als Volk zerstören will«; es wolle nur die Hamas als dominierende Kraft im Gazastreifen beseitigen und die letzten, toten Geiseln rückerstattet haben.

Der Nahost-Korrespondent beruft sich auf den »gesunden Menschenverstand«. Bei einem Völkermord habe die verfolgte Gruppe keinen Ausweg. Sie könne sich nicht ergeben und »stopp« sagen. Das kenne man von den Völkermorden der Türken in Armenien und der Nationalsozialisten an den Juden, Roma und Sinti oder aus Ruanda im Fall der Tutsi.

Segenreich verweist auch auf ein anderes Argument: Als Israel den Gazastreifen von 1967 bis 2005 besetzt hielt, stieg die dortige Bevölkerung von 400.000 auf 1,3 Millionen Menschen an. »Ich kenne keinen Völkermord, bei dem sich die Zahl der Verfolgten verdreifacht hat.«

Auch die vielzitierte Umfrage vom letzten September, nach der 86 Prozent der Genozidforscher Israel einen Völkermord attestierten, nennt er »völligen Zirkus und Unfug«. Die infrage stehende Organisation, die International Association of Genocide Scholars, sei vorher kaum bekannt gewesen und danach sofort wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Nur 28 Prozent ihrer 600 Mitglieder haben online abgestimmt. Mitglied könne praktisch jeder werden, der ein Formular online ausfülle und einen Mitgliedsbeitrag zahle.

Die Macht der Schlagwörter

Ben Segenreichs Fazit ist ernüchternd und macht nachdenklich: Wird Israel immer wieder mit Schlagwörtern wie »Genozid«, »Apartheid« oder »Aushungern« in einem Atemzug genannt, gibt Segenreich zu bedenken, bleibt immer etwas davon hängen, auch ohne Beweise für die erhobenen Anschuldigungen, denn »es funktioniert wie Werbung«. Worte prägen die Wahrnehmung und schleifen sich ein. Der Nahost-Konflikt sei schlimm genug, er wäre aber »etwas leichter«, gebe es nicht zusätzlich all diese vielen Missverständnisse.

Dass eine ungenaue und tendenziöse Berichterstattung den internationalen Antisemitismus befeuert, erwähnt Segenreich nicht. – Wahrscheinlich, weil sich seine Zuhörer dessen sehr bewusst sind, wie die wohlwollenden Fragen im Anschluss zeigen.

Erschienen auf Mena Watch

Freitag, 24. Oktober 2025

Ob Klingbeil da mitmacht? Dobrindt kürzt Förderung für linksextreme Amadeu-Antonio-Stiftung drastisch

von Alexander Schwarz

Ihr propagandistisches Zersetzungs- und Zerstörungswerk wird auch nach ihrem Ausscheiden aus der Amadeo-Antonio-Stiftung in ihrem Sinne weitergeführt: Anetta Kahane



Wenn es ausnahmsweise etwas Gutes über diese Bundesregierung zu berichten gibt, dann dass die öffentliche finanzielle Förderung für die linksradikale Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS) nun zumindest stark zusammengestrichen wird. Das von vom linksgrünen CDU-U-Boot Karin Prien geführte Familienministerin zahlt in der laufenden Förderperiode des unsäglichen linken Programms „Demokratie leben“ zwar immer noch 622.917 Euro für das Projekt „KompRex – Kompetent in der Rechtsextremismusprävention“ und 250.000 Euro für „Good Gaming Support“ an die AAS; das Innenministerium von Alexander Dobrindt hat die noch unter seiner ultralinken Vorgängerin Nancy Faeser im Jahr 2024 bewilligte Fördersumme seines Ressorts von 527.403 Euro auf magere 13.696 Euro für dieses Jahr zusammengestrichen. Auch wenn es sich dabei um eine symbolpolitische Schaufenstermaßnahme handeln dürfte, da die Zahlungen für linke NGOs unter der linksten Regierung aller Zeiten Friedrichs Merz‘ insgesamt weiter erhöht werden, ist dies eine überfällige Maßnahme.

In der AAS geht deswegen die nackte Panik um. „2025 ist ein Schicksalsjahr der Demokratie in Deutschland, in Europa und den USA“, schwadroniert der dreiköpfige Vorstand im Vorwort zum aktuellen Jahresbericht pathetisch. „Bei den Bundestagswahlen wurden die Rechtsextremen zweitstärkste Kraft, und gleich am ersten Tag nach der Wahl trat die Unionsfraktion mit ihrer Kleinen Anfrage ‚Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen‘ eine Misstrauenskampagne gegen gemeinnützige Organisationen los, unter anderem gegen die Amadeu Antonio Stiftung. Umso wichtiger ist es, jenseits von staatlicher Förderung handlungsfähig zu sein und Partei für die Zivilgesellschaft ergreifen zu können.“

Auskömmliches Schmarotzerleben

Vorstand Lars Repp legte an gleicher Stelle nach und wurde noch deutlicher: „Die politische Debatte über die ‚Neutralität‘ von zivilgesellschaftlichen Organisationen birgt Risiken für Fördermittel. Rechtsextreme versuchen gezielt, demokratische Projekte finanziell unter Druck zu setzen. Da sie sehr erfolgreich darin sind, ihre Themen zu platzieren, wollen und müssen wir kommunikativ sehr viel schneller werden. Dazu kommt, dass einige langjährige Förderprogramme nicht verlängert werden oder ihr Fortbestehen unsicher ist“, klagte er. Man möchte ergänzen: Hoffentlich – und vor allem Letzteres wäre definitiv zu wünschen.

Man spürt also, dass den linksextremen Agitatoren so langsam die Felle davonschwimmen und das Geschäftsmodell, sich von links geführten Ministerien Steuergeld zuschanzen zu lassen, um auf Kosten der Allgemeinheit ein mehr als auskömmliches Schmarotzerleben zu führen, dass man damit verbringt, überall „Nazis“, „Faschisten“, „Rechtsradikale“ et cetera zu wittern und diese an den Pranger zu stellen, an ein Ende zu gelangen droht. Natürlich bleibt es ein himmelschreiender Skandal, dass diese von einer Stasi-Informantin gegründete Organisation überhaupt staatliche Gelder erhielt und noch immer erhält, und das auch noch in einem solchen Ausmaß. Aber immerhin fährt Dobrindt die Fördersumme massiv zurück und bei der AAS wird das Nazi-Geschrei immer lauter, weil man spürt, dass die Unterstützung bröckelt. Allerdings besteht hier eine gewisse Restunsicherheit – da jederzeit damit zu rechnen ist, dass der eigentliche Strippenzieher in dieser Regierung, Schattenkanzler Lars Klingbeil, ein Machtwort spricht und Merz samt Dobrindt wieder zur Ordnung ruft, um die AAS-Förderung doch noch zu retten.


Lässt der „Spiegel“ seine Artikel von KI schreiben?

von Olli Garch

Der „Spiegel“ und die etwas andere Wahrheit



Tiefer kann man nicht sinken: Durch eine peinliche, aber ebenso aufschlussreiche wie verräterische Panne hat das längst zur linken Kampfpostille herabgesunkene einstige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” unfreiwillig offenbart, dass seine Redakteure bei der Erstellung ihrer Texte offenbar Künstliche Intelligenz (KI) verwenden – jedenfalls in einem Ausmaß, das seinen Lesern nicht bekannt war und das das Blatt diesen bislang vorenthielt. Unter einem gestrigen Online-Artikel über einen Führungswechsel in der Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn fand sich der – offenbar von ChatGPT oder Grok erstellte – KI-Hinweis, den hunderttausende bequeme Schüler, Faulerenzerjournalisten und zum eigenständigen Schreiben umbefähigte Sprachkrüppel aus ihrer eigenen heimlichen Nutzung der KI in dieser oder ähnlicher Form schon auswendig kennen: „Wenn du magst, passe ich Ton und Detailtiefe (z.B. nüchterner Nachrichtenstil vs.magaziniger) oder markiere dir die konkreten Änderungen im Vergleich zum Original.” Diese Formulierung findet sich oft am Ende von KI-erzeugten Texten; das jeweilige Tool bietet damit eine stilistische Abänderung oder sonstige Modifikation des erstellen “Textprodukts” an.


Das Mindeste, was von denen, die sich dieses hochumstrittenen Hilfsmittels befleißigen, erwarten kann, wäre, dass dieser KI-Infotext gelöscht wird (wie auch die Fragestellung und zugehörige Prompt-Begriffe oder die KI-erzeugten Hinweise auf ausgewertete Quellen) und man sich wenigstens die Mühe macht, die maschinelle Fremdleistung als solche unkenntlich zu machen. Dass man in diesem Fall offensichtlich vergaß, die KI-Ergänzung zu entfernen, zeugt nicht nur von einem fragwürdigem Mangel an Sorgfalt beim “Spiegel”, sondern drängt den Verdacht förmlich auf, dass sich der „Spiegel“ auch weitere Texte von KI schreiben oder zumindest überarbeiten lässt.

Nachdem der Fehler aufflog und der Spott im Netz vorab ging, beeilte sich die ertappte “Spiegel”-Redaktion prompt um Löschung des verfänglichen Textbausteins – und lieferte ihren Lesern stattdessen folgende Anmerkung: „Eine frühere Version dieser Meldung enthielt wegen eines produktionstechnischen Fehlers den Hinweis eines KI-Tools, das wir gelegentlich zur Überprüfung unserer eigenen Texte einsetzen. Entgegen unseren Standards ist die Meldung veröffentlicht worden, bevor sie gründlich von einem Menschen gegengelesen wurde. Wir haben das nachgeholt und den Hinweis des KI-Tools gestrichen.“ Das klingt zwar nett und für Laien plausibel, erscheint aber wenig glaubhaft: Denn für gewöhnlich kommt ein solcher Hinweis nur, wenn man sich von der KI einen Text hat komplett schreiben oder eine existierende Quelle von KI hat umformulieren lassen – aber nicht, wenn man die KI zur bloßen Textkorrektur einsetzt. Wieso außerdem ausgerechnet der “Spiegel”-Verlag mit seinen rund 1.300 Vollzeitstellen bei der – im Vergleich zu Textverfassen, Dokumentation und Recherche relativ anspruchslosen – Aufgabe des Korrekturlesens auf KI setzen sollte, erschließt sich zudem logisch nicht. Lektoren sind billiger als Redakteure.

“Originalität, nicht Durchschnittlichkeit”

Besonders blamabel: Erst letztes Jahre hatte Ole Reißmann, der KI-Chef des Magazins, noch großspurig verkündet, bei “Spiegel” stehe man “für Originalität, nicht für Durchschnittlichkeit, für Exzellenz, nicht für Flüchtigkeitsfehler“. Insbesondere Chat-GPT-Anfragen würden oft zu falschen Angaben, Lügen oder zum „Halluzinieren“ der KI führen. Aus den Nachteilen generativer KI versuche man daher, „das Gegenteil herauszuholen“. Die Defizite populärer KI-Anwendungen sehe er kritisch, so Reißmann. „Die Maschine atmet einmal alles ein, danach weiß sie nichts mehr Neues“, sagte er. Lediglich beim „Faktencheck“ setze man KI ein, um die Arbeit der hauseigenen Dokumentationsabteilung in Teilen zu entlasten. Außerdem lasse man durch ein eigenes KI-Tool untersuchen, wie viele Frauen und Männer in früheren Texten vorkämen – als eine Art „Gender-Check“, um die Redaktionen zu “sensibilisieren”. Reißmann damals: „Wir nutzen KI, um unsere eigenen Vorurteile zu entdecken.“.


Freitag, 17. Oktober 2025

Diskussionshilfe: Vier Fragen zu den „Ureinwohnern“ Palästinas

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Wann immer Ihnen jemand erzählt, die Palästinenser seien die indigenen oder autochthonen Bewohner der Region Palästina (Israel und palästinensische Autonomiegebiete), stellen Sie vier einfache Fragen:

Wenn die Palästinenser die „Ureinwohner“ der Region Palästina sind, warum
+ haben die Palästinenser keinen eigenen Namen für sich?
+ werden die heutigen Palästinenser erst seit 50 Jahren Palästinenser genannt?
+ kommt bei keinem DNA-Test „Palästinenser“ raus?
+ gab es nie einen „palästinensischen Staat“?

Der Name

Der Name „Syria Palaestina“ wurde der Region vom römischen Kaiser Hadrian nach dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand 135 n. Chr. gegeben, nachdem die Juden endgültig aus Jerusalem vertrieben wurden.

„Syria“ bezieht sich auf die Assyrer, die die Region zur Zeit der Entstehung der Bibel besetzt hatten. „Palaestina“ bezieht sich auf die Philister, die Teil der Seevölker waren und um die Regiond es heutigen Gazastreifens siedelten. (David und Goliath) Das waren jedoch keine Araber, sondern kamen aus dem griechisch-mykenischen Raum.
Die Erinnerung an die Juden sollte dadurch ausgelöscht werden, dass die Region nach ihren beiden alten Feinden benannt wurde.

Dieser Name wurde dann unter allen Herrschern (Oströmisches Reich, Araber, Iraker, Europäische Kreuzfahrer, Ägypter, Türken) einfach beibehalten. Denn in der ganzen Region lebte immer ein multi-kulturelles Gemisch aus Angehörigen anderer Völker und Ethnien: Griechen, Ägypter, Türken, Syrer, und so weiter.

So gemischt, dass unter den Türken - das Osmansiche Reich beherrschte die Region bis zum Ersten Weltkrieg für 400 Jahre und damit am längsten - und später unter der britischen Verwaltung nur zwischen Konfessionen unterschieden wurde. (Muslime, Juden, Christen)

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Das Osmanische Reich: Palästina ist nicht einmal eingezeichnet. Es war nur ein Verwaltungsdistrikt.

Deshalb gab es keinen Eigennamen für diejenigen, die sich heute Palästinenser nennen. Sie haben keine Bezeichnung für sich. Weil sie nie eine gemeinsame Gruppe waren, die eine Eigenbezeichnung entwickelt hätte, wie Franzosen oder Deutsche. Sie benutzten einfach den Namen der Region, obwohl sie „Palästinenser“ nicht einmal aussprechen können. Sie sagen „Falestine“, denn im Arabischen gibt es kein P.

Im Koran wird die Region nur einmal als „al-muqaddasa“ genannt, das heilige Land. Damit ist aber gemeint, dass es für die Juden heilig war. Al-Quds (Jerusalem) wird gar nicht erwähnt. Und al-Aqsa bedeutet lediglich „der weit entfernte Ort“, „die Fernste“. Sie wird auch nur ein einziges Mal erwähnt, obwohl dort die Himmelfahrt Mohammeds stattgefunden haben soll. Erst nach der Eroberung und dem Bau der Moschee (!) wurde es so ausgelegt, dass mit dem „fernen Ort“ Jerusalem gemeint war.

Die Bezeichnung

„Palästinenser“ wurden über Jahrhunderte alle genannt, die in der Region leben. So wie man „Münchner“ oder „Rheinländer“ sagt. Unabhängig von Konfession oder Ethnie. Auch griechische, orthodoxe Christen, Juden oder muslimische Beduine wurden Palästinenser genannt.

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Kaum zu unterscheiden: Juden in Palästina, ca. 1900

Nachdem Israel aber gegründet wurde, wollte man eine Bezeichnung haben für diejenigen Muslime (es sind nicht alles Araber), die nun gegen Israel kämpften. Aber der Gazastreifen war zunächst durch Ägypten besetzt und das Westjordanland durch Jordanien.

Als die PLO 1964 gegründet wurde, definierte sie einfach alle übriggebliebenen Muslime, die nicht in Israel lebten (heute etwa 20% der israelischen Bevölkerung) als die neuen „Palästinenser“. Und da es keine andere Bezeichnung gab, wurde diese dann schnell weltweit übernommen.
Als meine Eltern heirateten, gab es noch gar keine Palästinenser im heutigen Sinne. Und Palästina war nur die Region.

Der DNA-Test

Und weil die Palästinenser keine Ethnie sind oder tradierte, einheitliche Bevölkerung sind, kommt bei DNA-Tests auch nie „Palästinenser“ heraus. Sondern Jordanier, Ägypter, Syrer, und so weiter.
Die wenigsten sind tatsächlich Araber, sie wurden lediglich arabisiert.

Darauf weisen viele der gebräuchlichsten Familiennamen in den palästinensischen Autonomiegebieten hin: Einer der häufigsten Namen ist Al‑Masri („der Ägypter“ oder „aus Ägypten“), Al-Halabi (aus Aleppo, Syrien), Al‑Baghdadi (Bagdad, Irak), Al‑Yamani (Jemen), Al‑Mughrabi (Marokko), Munbasi oder Majdalawi (Majdal, Syrien) und so weiter.

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Familie im heutigen Westjordanland, um 1900. Die Tracht der Frauen weist starke jordanische und syrische Einflüsse auf.

Das wird sich auch nicht so schnell „auswachsen“, denn da zumeist innerhalb der Großfamilien geheiratet wird, wird dieses Erbe noch viele Generationen in der DNA nachweisbar sein.

Palästinenser, die im Ausland leben, sind sich dessen häufig nicht bewusst und posten dann wütende TikTok-Videos, die Juden hätten die DNA-Tests manipuliert.

Der Staat Palästina

Und das erklärt auch, warum es nie einen Staat Palästina gegeben hat.
Den heutigen Palästinensern, den Nachkommen dieses Multi-Kulti-Gesellschaft, hat die Region als Staat nie gehört. Es sind die Überbleibsel von vielen Jahrhunderten.

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Griechisch-orthodoxe Priester in Jerusalem, um 1900

Privat gehörte vielen Land. Natürlich. Aber das hätten sie behalten können, hätten sie nicht die Juden und Israel wieder und wieder angegriffen. Oder wären geflohen, weil die arabischen Führer ihnen sagten, nach einigen Wochen sei der Krieg vorbei und die Juden wieder vertrieben.

Viele haben ihr in ihren Augen wertloses Land auch einfach an Juden verkauft. So viel, dass Mohammed Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem und spätere SS-Gruppenführer, es verbot.
Etwa 20% der heutigen Israelis sind Muslime, also ebenfalls „Palästinenser“. Sie sind einfach geblieben, wo sie waren. In der Knesset sitzt auch eine arabische Partei (Raʿam) und derzeit sitzt auch ein „Palästinenser“ als Richter am höchsten Gericht.

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Frau eines Beduinen-Stammes im heutigen Israel, um 1900.

Mehr noch: Ab 1900 stieg die Zahl der einwandernden Muslime im gleichen Maße an, wie die Zahl der Juden. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wanderten viele überhaupt erst in die Region ein, die Zahl verdoppelte sich. Um 1900 lebten ind er ganzen Region etwa so viele Menschen, wie heute in Tel Aviv.
Das bedeutet, als 1948 Israel gegründet wurde, war etwa die Hälfte der Muslime selber in die Region eingewandert, oder ihre Eltern.

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Anstieg der Bevölkerung in der Region ab 1890. Nach dem Ersten Weltkrieg nimmt die Zuwanderung rasant zu.

Palästinenser sind „die Übriggebliebenen“. Und so werden sie auch in der arabischen Welt gesehen. Was sich viele „im Westen“ nicht klar machen.

Die Ägypter blicken auf eine Geschichte von Jahrtausenden und auf die Palästinenser herab, die „echten“ Araber halten sie für Araber höchstens zweiter Klasse (nett formuliert), die Iraker haben eine sehr differenzierte Beziehung, und so weiter.
Hinzu kommt, dass die „Palästinenser“ sich untereinander nicht leiden können. Immer wieder kommt es zu Gefechten, beispielsweise zwischen Clans im Gazastreifen oder Muslimen und „palästinensischen“ Christen im Westjordanland.

Besser gesichert als die Grenze zu Israel: Die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen.

Ein „neues Volk“, keine Ureinwohner

Die meisten „Westler“ projizieren ihr Verständnis von Staat, Ethnie und Volk einfach auf eine Gesellschaft, die im Kern völlig anders funktioniert.

Das bedeutet nicht, dass die Palästinenser kein Volk sind. Wenn eine Gruppe sich als Volk sieht und definiert, ist es ein Volk. Punkt.

Aber die Palästinenser sind keine Ethnie.
Und sie haben keine Geschichte. Die Region ja, diejenigen, die sich heute „Palästinenser“ nennen, nicht. Selbst die Kufiya, das „Palästinenser-Tuch“, ist eigentlich irakisch und nicht palästinensisch.
Und somit können sie auch nicht die „Ureinwohner“ der Region sein. Geschweige denn Anspruch auf das Gebiet des heutigen Israel erheben.

Deshalb mein Tipp, wenn Sie an jemanden geraten, der das behauptet:
Stellen Sie ihm einfach diese vier Fragen. Vor allem, wenn es ein Europäer ist.
Sie werden überrascht sein, wie wenig Ahnung die Allermeisten haben, wie schnell sie ins Schwimmen geraten oder wie schnell sie auf Whataboutism ausweichen.


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