Freitag, 16. Juni 2017

Im nordkoreanischen Knast ins Koma...

von Thomas Heck...

Wer nach Nordkorea reist, lebt mitunter gefährlich. Selbst Scherze und als Witz gemeinte Handlungen können Festnahmen, schwere Bestrafungen und körperliche Schäden hervorrufen. Westliches Rechtsverständnis kann nicht einfach auf Nordkorea übertragen werden. Wie schwach muss ein Regime sein, wenn es sich derart unmenschlich verhält.



17 Monate lang war er in einem nordkoreanischen Arbeitslager: Der heute 22 Jahre alte Student Otto Warmbier reiste 2015 als Tourist durch Asien. In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang war er auf der Durchreise, einen Tag später wollte er in Hongkong ein Auslandssemester beginnen. Doch stattdessen wurde er festgenommen. Der Grund: In einem Hotel soll er ein Plakat von der Wand genommen haben, um es als Mitbringsel mitzunehmen. Das Regime warf ihm Straftaten gegen nordkoreanischen Staat vor, der Amerikaner wurde zu 15 Jahren Straflager in Nordkorea verurteilt.


Am Dienstag wurde er nach 17 Monaten Haft freigelassen worden und in die USA gebracht. Er ist nicht bei Bewusstsein. Zwei Tage nach seiner Freilassung diagnostizierten US-Ärzte bei dem 22-Jährigen großflächige Schäden am Hirngewebe. Der Student befinde sich in einem Zustand „reaktionsloser Wachheit“, sagten die Ärzte. Er könne seine Augen öffnen und blinzeln. Es gebe aber keinerlei Anzeichen dafür, dass er auf Sprache oder Aufforderungen reagiere.



"Vom Regime misshandelt und terrorisiert"

Die Eltern hatten erst vor einer Woche erfahren, dass ihr Sohn seit fast 15 Monaten im Koma liegt. Die Begründung der nordkoreanischen Seite, er sei an Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, halten sie für nicht glaubwürdig. 

Sein Vater sagte nach der Freilassung: „Wir möchten, dass die Welt erfährt, wie wir und unser Sohn von dem verächtlichen Regime misshandelt und terrorisiert wurden.“ Geheimdienstberichte sollen darauf hinweisen, dass Warmbier in nordkoreanischer Gefangenschaft wiederholt geschlagen wurde.



Drei US-Bürger in Nordkorea in Haft

Der Freilassung vorausgegangen waren intensive diplomatische Bemühungen von US-Außenminister Rex Tillerson und dem schwedischen Außenministerium, das die Interessen der USA in Nordkorea vertritt. In Nordkorea waren in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer festgenommen, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach Gegenleistungen ausländischer Regierungen freigelassen worden. Häufig versucht Pjöngjang, die Gefangenen als Faustpfand in Verhandlungen einzusetzen. Derzeit sitzen drei weitere US-Bürger in Nordkorea in Haft.

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