Dienstag, 17. Oktober 2017

Queer bei der Bundeswehr...

von Thomas Heck...

Bei der Bundeswehr ist alles möglich. Von Frau zu Mann und von Mann zu Frau. Hetero-, homo-, bi-, transsexuell. Nur beim Kämpfen und bei der Truppenstärke hapert es noch etwas. Nun eine Transsexuelle, die Kommandeurin geworden ist. Bleibt zu hoffe, dass ihr das Kommando verliehen wurde, weil sie für den Posten am geeignetsten war und nicht die Quote zugeschlagen hat oder Verteidigungsministerin Ursula von Leyen was für die Presse suchte und fand. Der FOCUS jedenfalls nahm das Geschehen willfähig auf.  Ich wünsche Frau Oberstleutnant alles Gute und die nötige Fortune für dieses Kommando.

Oberstleutnant Anastasia Biefang versteckt sich nicht. Bei einer Körpergröße von 1,87 Metern würde ihr das auch nicht gelingen. Nach Jahren als Referentin im Verteidigungsministerium wird sie neue Kommandeurin des Bundeswehr-Informationstechnikbataillons 381 in Storkow bei Berlin - und damit verantwortlich für 750 Soldaten.

„Das Schöne an dieser Aufgabe ist, dass ich wieder mit Menschen direkt zu tun habe“, sagt die gebürtige Krefelderin. Sie hat ihre Karriere bei der Bundeswehr vor 23 Jahren begonnen - damals noch als Mann, als Sohn eines lang gedienten Soldaten.

Grundwehrdienst, Offizierslehrgang, Pädagogikstudium und eine Generalstabsausbildung sind die Eckpunkte ihrer militärischen Laufbahn. Dabei hat sich Biefang immer mehr als Frau gefühlt denn als Mann, berichtet sie. In ihrer Rolle als Ehemann und Soldat habe sie jahrelang das Weibliche unterdrückt, obwohl es ihr damit zunehmend auch körperlich schlecht ging.

Vor zwei Jahren erzählte Biefang ihrem Umfeld, was in ihr vorging, obwohl ihr Freunde mit Blick auf die Karriere abgeraten hatten. „Ich war unglücklich, wollte so nicht weiter leben. Das war mir an diesem Punkt wichtiger“, sagt die 43-Jährige.

Nicht die erste Transsexuelle in der Bundeswehr

Mut machte Biefang, dass sie nicht die erste Transsexuelle in der Bundeswehr war. Sie habe nicht erwartet, dass sie von Vorgesetzten sofort als Frau akzeptiert werde, doch die hätten ihr den Weg leichtgemacht, sagt Biefang.

„Ich werde von der Bundeswehr nicht versteckt, in meiner neuen Position ginge das ja auch gar nicht“, sagt die Kommandeurin. Sie wolle ihre Geschichte auch nicht ständig zum Thema machen. „Doch wenn ich darauf angesprochen werde, stehe ich Rede und Antwort.“

Biefang erzählt von ihrem mühsamen Weg zur Frau, von der Hormontherapie, der Trennung von ihrer Ehefrau, den schmerzhaften Operationen. „Ich will zeigen: Wenn Arbeitgeber und Betroffener, also beide Seiten dazu bereit sind, lässt sich so ein Prozess durchaus managen“, sagt sie. Einen anderen Beruf könne sie sich nicht vorstellen.


Von den männlichen Soldaten akzeptiert

Ihre Offenheit kommt an ihrem neuen Arbeitsplatz an, zu dem die Wahlberlinerin täglich pendelt. Die Storkower Presseoffizierin Fränzi Pietke freut sich über die weibliche Verstärkung. „Wir haben hier einen Frauenanteil von nur fünf Prozent.“ Wer vor den teils körperlich anspruchsvollen Aufgaben als Frau nicht zurückschrecke, werde auch von den männlichen Soldaten akzeptiert, sagt Pietke.

Für Biefang ist nicht nur ihre Position neu, sondern auch das Themenfeld des Informationstechnikbataillons 381. „Wir sind quasi die Telekom der Bundeswehr“, erklärt der bisherige Kommandeur, Oberstleutnant Thorsten Niemann, der ihr den Staffelstab am 18. Oktober offiziell übergibt.

Der größte Teil des Personals bestehe aus IT-Spezialisten, die die mobilen Datenverbindungen bei Einsätzen und Übungen der Bundeswehr im In- und Ausland herstellen.

„Außentermine“ in der Stadt Storkow

Biefang werde es aber nicht nur mit Computer-versierten Soldaten zu tun haben, macht Oberstleutnant Niemann deutlich. „Wir haben mit der Stadt Storkow Ende 2014 eine Patenschaft abgeschlossen, um offiziell die Verbundenheit mit dem Standort zu dokumentieren“, erzählt er.

Biefang ist gespannt auf die Region und die Storkower und freut sich bereits auf die „Außentermine“, wie sie sagt. Die erste Veranstaltung mit der Stadt unter ihrer Führung soll es anlässlich des öffentlichen Gelöbnisses von Rekruten am 2. November auf dem Marktplatz geben.

Über den Wolken muss die finanzielle Freiheit wohl grenzenlos sein...

von Thomas Heck...

Während der Diskussion um die Insolvenz von Air Berlin sah man in den Medien häufiger den Chef  der Fluggesellschaft Thomas Winkelmann. Ich wunderte mich von Anbeginn über seine lockere Art, über die Insolvenz zu reden, fragte mich, wie es mir an seiner Stelle gehen würde. Da geht es um Geld, da geht es um die Sorgen um die Mitarbeiter, für die man ja auch Verantwortung trägt. Doch bei Winkelmann ist nichts davon zu erkennen. Ein eiskalter Geschäftsmann vielleicht? Mitnichten.


Denn während die Gläubiger von Air Berlin nach dem Insolvenzantrag um ihr Geld bangen müssen, die Masse der Belegschaft sich noch sorgen muss, was danach kommt, hat der Chef vorgesorgt. Zur Absicherung der Verpflichtungen aus seinem bis Januar 2021 laufenden Vertrag gibt es eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro. Darauf hat der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Michael Kunert, am Mittwoch hingewiesen. 

Winkelmann hat laut dem jüngsten Geschäftsbericht für den Fall einer ordentlichen Kündigung Anspruch auf sein vertragliches Grundgehalt. Es liegt bei 950.000 Euro im Jahr und kann sich durch Boni verdoppeln. 

Die Bundesregierung unterstützt Air Berlin mit einem 150 Millionen Euro schweren Kredit. Sie will dafür sorgen, dass die chronisch defizitäre Fluggesellschaft die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Das Geld soll bis Ende November reichen.

Kanzlerin Merkel geht fest davon aus, dass der Millionenkredit der Regierung zurückgezahlt wird. "Wir können mit großer, großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Steuerzahler das nicht bezahlen muss", sagte Merkel in einem Interview mit vier YouTubern. 

Thomas Winkelmann ist ein weiteres Beispiel einer Managergeneration, die sich mit einem dichten Gestrüpp an Verträgen für jeglichen Fall finanziell abgesichert hat. Vollkasko-Manager, die von den Belegschaften Lohn-, Gehaltseinbußen und Flexibilität einfordern, bei Bedarf Personal entlassen, aber die eigenen Existenz großzügig absichern. Manager, die beweisen, dass sie ihr Geld nicht wert sind.

Montag, 16. Oktober 2017

Fortschritt versus Stillstand

von Thomas Heck...

Österreich und Niedersachsen haben gewählt, wie es unterschiedlicher nicht hätte sein können. Während Österreich einen Sebastian Kurz zum Bundeskanzler gewählt hat, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, der das Thema Zuwanderung auf seine Agenda setzte, ohne rechte Klischees zu bedienen, dabei jung, dynamisch und vor allem glaub- und vertrauenswürdig rüberkommt und es dabei noch schafft, ohne das übliche Geschwafel seine Vorstellung von richtiger Politik eloquent zu formulieren, hat Deutschland in der Bundestagswahl eine müde und abgewirtschaftete Kanzlerin bestätigt, deren politisches Konzept mit "Wir schaffen das" und "Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen sollen" zusammengefasst werden kann. 

Dass die Union trotz des Gestammels über die Obergrenze von 200.000 illegalen Einwanderern, die keine Obergrenze ist und dessen Parameter niemand ernsthaft versteht, in der Niedersachsen-Wahl nur moderat verloren hat, bleibt eines der Mysterien des deutschen Wählerwillens, der sehenden Auges weiter auf Merkel und somit auf den Untergang wählt.  Größer kann der Kontrast zwischen zwei Staatsmännern nicht sein. Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.


Merkel, die Führerin der freien Welt... Dynamik pur... Schon Donald Trump hielt unserer Kanzlerin einen Spiegel vor, zeigte ihr ihre eigenen Unzulänglichkeiten auf, zeigte, wie man auch als Politiker halten kann, was man im Wahlkampf verspricht. Sebastian Kurz verstärkt das negative Bild vom Merkel noch durch seine Jugend. Zeit zum Abtritt, Frau Merkel.



Sonntag, 15. Oktober 2017

Wahl in Niedersachsen... Merkels Götterdämmerung?

von Thomas Heck...

Die heutige Niedersachsenwahl könnte sich für Frau Merkel als entscheidender und fataler erweisen als die Bundestagswahl, denn wenn die CDU wieder ein historisch schlechtes Ergebnis einfährt, steht die Kanzlerin selbst zur Disposition.


Das habe ich ja schon zur Bundestagswahl prognostiziert, doch Todgeweihte leben länger, was im Falle unserer Kanzlerin im Besonderen zu gelten scheint. Das Problem ist das Fehlen einer innerparteilichen Opposition, wurde diese doch die letzten Jahre offensichtlich erfolgreich von Merkel aus dem inneren Zirkel der Macht entfernt. Machtpolitisch verständlich führt es dennoch zu der Informationsblase, in der sich Merkel heute befindet, wo ihr keiner mehr hinter vorgehaltener Hand zu signalisieren scheint, dass Ihr "Weiter so" nicht nur schädlich für die Partei, sondern auch schädlich für unsere Land ist.


Es ist die gleiche Informationsblase, in der sich die DDR-Führung des Jahres 1989 befand, die die Signale der Straße nicht hören wollten, bis die Freiheit sich den Weg bahnte. Damals wurden die Demonstranten als Staatsfeinde diffamiert, heute als besorgte Bürger, Neu-Rechte, Fremdenfeinde oder einfach als Nazis, obwohl wir von Wählerschichten reden, die vor 4 Jahren noch die Union, SPD, Grüne oder Linkspartei wählten oder Nichtwähler waren und heute der AfD zugeneigt sind. 


Die Gretchenfrage ist, inwiefern sich das Ergebnis der Bundestagswahl auf das Wählerverhalten bei der heutigen Landtagswahl auswirken wird. Wird Merkels Verhalten nach der Wahl mit Ihrem "Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht hatte" dazu führen, dass die Union noch mehr Wähler an die AfD verlieren wird? Oder werden davon eher die SPD und die Grünen profitieren? 

Ich wage die Prognose, dass die Union stark verlieren wird, während die SPD moderat zulegen wird. SPD und Grüne werden weiter regieren können, die AfD wird mit einem Ergebnis von 10 + x % in den Landtag einziehen, mit größeren Überraschungen ist wohl nicht zu rechnen. FDP werden wieder im Landtag vertreten sein, die Linkspartei wird an der 5%-Hürde scheitern.

Bleibt die Frage, wie Merkel aus dem zu erwartenden Desaster hervorgehen wird. Wenn eine Götterdämmerung zu erwarten ist, werden wir heute den Auftakt dazu sehen. Es wäre an der Zeit.

Hertha BSC... da klappt nur der Kniefall...

von Thomas Heck...

Deutschland ist stark darin, Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen Rechts, gegen Rassismus. Gestern setzte Hertha BSC ein Zeichen. Doch für was eigentlich?


Vor dem Anpfiff der Samstagspartie gegen Schalke im Olympiastadion knieten sowohl die Spieler von Hertha BSC auf dem Rasen als auch Reservespieler, Trainer und Betreuer vor der Trainerbank. Der Verein teilte die Bilder auf Twitter unter dem Hashtag #TakeAKnee, der seit mehreren Monaten die Überschrift für den Protest amerikanischer Profisportler ist.

"Hertha BSC steht für Vielfalt, Toleranz und Verantwortung! Für ein Berlin, dass auch in Zukunft weltoffen ist!", twitterte der Verein dazu. Manager Michael Preetz sagte: "Wir leben in Zeiten, in denen sich auch Fußballvereine positionieren müssen. Hertha ist seit jeher gegen Diskriminierung."

In den USA entstand vor etwa einem Jahr eine Protestbewegung gegen Rassenungleichheit, bei dem Footballspieler bei der Nationalhymne vor dem Spiel auf einem Knie niederknieten, anstatt wie sonst zu stehen. 

Präsident Trump forderte vor kurzem, protestierende Athleten des Stadions zu verweisen oder gar zu entlassen. Der Protest hat sich mittlerweile auf andere Sportarten ausgebreitet. In der Fußball-Bundesliga war der Protest bisher nicht angekommen.

Schön, wenn sich ein mittelmäßiger Hauptstadtverein auf diese Zeichen versteht. Noch besser wäre es, wenn Hertha BSC ein Zeichen auf dem Platz gesetzt hätte. Gestern verloren die Herthaner gegen Schalke mit 0:2. Da war das Aufstehen nach dem Kniefall wohl etwas zu anstrengend.