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Donnerstag, 12. März 2026

Warum Deutschland einen Flugzeugträger braucht


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Heute Morgen wurde auf X die Frage aufgeworfen, was gegen ein oder zwei deutsche Flugzeugträger spricht. Und weil das Posting aus den unerfindlichen Gründen der X-Logik grade steil geht, wurde es auch in meine Timeline gespült.

Sie erschien mir aber ergebnisoffen und durchaus humorfähig, nicht AfD-mäßig um endlich wieder jemand sein zu können. Weshalb ich das gerne beantworte. Und den Ersteller gar nicht exposen will. (Außerdem folgt er meiner Seite, es kann kein schlechter Mensch sein.)

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Da wir alle wissen, dass ich als MilBlogger natürlich kriegsgeil sein muss, und überdies ehemaliger Marineflieger und Nachrichtenmann bin, bin ich in der Blase der deutschen MilBlogger und OSINT-Opossums natürlich prädestiniert und elitär versiert, diese Frage zu beantworten.

Es kann natürlich auch sein, dass mein Hirn nach fast einer Woche Covid und inzwischen psychotische Zustände annehmender Langeweile fieberbesoffen Spielmannslaune hat und ich mich damit einfach nur davon ablenke, dass mein Ausatmen sich anhört, als würde der dicke Nachbar schwitzend einen schweren Umzugskarton durch das Treppenhaus schieben, oder eine spanische Truhe mit Leiche drin oder sowas, und ich weiß wie lang dieser Satz ist weil ich ihn angefangen habe ohne zu wissen wie er enden soll und ich lass das jetzt so und außerdem kann man Schwitzen nicht hören.

Aus reinem Waffenstolz würde ich mich einmal im Jahr mit einem Klappstuhl vor den Flugzeugträger setzen, mit hochgekrempelten Ärmeln stolz mein Marineflieger-Tattoo präsentieren und mir mit Bier aus der Kühlbox manierlich die Peitsche durchs Gesicht ziehen.
Nicht, dass ich einen Grund für Bier bräuchte. Aber ich finde die Idee sexy.

Allerdings sei hier von vorn herein klargestellt, dass Deutschland einen Flugzeugträger besitzt. Scheiß langsam, aber der Größte der Welt: Sylt.
Da war zu meiner Zeit auch die Marinefliegerlehrgruppe, weshalb das Fliegerlied immer „Westerland“ von den Ärzten war.

Starten wir also das Projekt „Wir bauen einen Flugzeugträger (oder zwei)“.

Schwimmen muss das Teil

Zunächst brauchen wir eine Werft, die das Ding baut.

Da würden sich die Naval Yards oder ThyssenKrupp in Kiel anbieten. Dann wäre unser Flugzeugträger aber in der Ostsee. Und das Ding ist platt wie ein Ententeich. Taktisch wäre er da auch so sinnvoll wie ein zweites Arschloch. Als hätten wir einen kugelsicheren Maibach mit Echtlederausstattung und Zigarrenhalter, der auf einem Flughafen Mallozze-Vollklatsche-Touris zu den Flugzeugen shuttelt.
Unsere schwimmende Stadt müsste also erstmal um Dänemark herum geschleppt werden.

Es bliebe also nur die Meyer Werft in Papenburg, dann müssten wir halt die Ems für ein halbes Jahr dicht machen. Die werden begeistert sein, von Kreuzschiffe auf Flugzeugträger umzusteigen. Wie damals Loriot: Von Panzerwagen auf Marzipankartoffeln. Und die Mitarbeiter erst, die alle durch den MAD überprüft werden.

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Die Meyer Werft bei Papenburg

Dann hätten wir das Problem des Antriebs.
Man könnte einfach Gasturbinen und Diesel nehmen, wie die Briten und Italiener. So ein Teil verbraucht bei normalem Marsch bummelig 8000 Liter pro Stunde, bei Einsatzgeschwindigkeit dürften es auch mal 12.000 Liter werden. Kann man so machen. Ich habe nur das Gefühl, dass das in Zeiten, in denen man sich von Erdöl-produzierenden Ländern unabhängig machen will, irgendwie nicht mehrheitsfähig wäre.

Hey, wir sind Deutschland. Wir können beim nächsten Krieg nicht einfach mit einem 300 Meter langen Dacia vorfahren. Da muss schon Musik drin sein.
Also nehmen wir natürlich Atomantrieb.
Jetzt haben wir dummerweise aber auch alle Atomkraftwerke abgeschafft und haben gar keine Erfahrung mit Atomantrieb für Schiffe. Ich habe ja auch keine Ahnung, wie man sowas baut, aber irgendwie das Gefühl, das kann man nicht einfach googeln.

Ignorieren wir das. Wir müssen eh noch so viel ignorieren, da ist das Problem mit dem Atomantrieb auch nur ein Furz im Orkan.
Wir bekommen das Ding soweit gebaut, durch die Ems und nach Wilhelmshaven geschleppt. Denn das ist der einzige Hafen, der bleibt. Es sei denn, wir baggern die halbe Nordseeküste um. Nehmen wir lieber, was eh da ist.
Natürlich nicht im Stützpunkt am Heppenser Groden, der wäre insgesamt zu klein und irgendwo muss unsere bisherige Marine, die da stationiert ist, ja auch hin.

Wir nehmen den JadeWeserPort. Am Containerterminal werden weniger Tonnen umgeschlagen, als im Hamburger Hafen. Also kann der weg. Wenn Deutschland einen neuen Tiefseehafen will, sollen sie sich doch einen buddeln. Die Narren.

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JadeWeserPort... Zukünftige Heimat der deutschen Flugzeugträger.

Das Ding wird zum Stützpunkt umgebaut, die Grünfläche plattiert, schon ist der Lachs geschuppt. Und wenn irgendwelche Umweltgruppen ankommen und rumjammern, weil im Umland irgendeine weltweit einzigartige, halbamphibische, deutschsprachige Krustentierpopulation vorkommt, werden diese Hodenkobolde neben die Klimaclowns geklebt.

Dann haben wir erstmal einen Rumpf und einen Parkplatz, aber nach unseren Erfahrungen mit Flughäfen und Elbphilharmonien geht das sicher ratzifatzi.
Dann kann ich meinen Klappstuhl aufstellen, meinen Hutbürgerhut aufsetzen und „Schlaaand“ schreien, bis ich rotzevoll vom Hocker kippe.

Schon einmal Zeit, ihm einen Namen zu geben.
US-Schiffe haben das Kürzel USS, britische das Kürzel HMS (Her Majesty’s Ship) und iranische IRIS (Islamic Republic of Iran Ship). Deutsche Schiffe haben eigentlich kein Kürzel. Nicht einmal das!
Gängig wäre FGS für Federal German Ship.

Nennen wir unser Projekt also die FGS Breckerfeld.
Weil wir wissen, dass man sich der Romantik, Mondänität und des Kosmopolitismus von westfälischen Ortsnamen nur schwer entziehen kann.

Die Flieger

Dann brauchen wir noch Flugzeuge.
Wir haben natürlich noch Marineflieger. Meine Party People. Die bestehen aber aus Helikoptern für den Bordeinsatz und Seefernaufklärern. U-Boot-Jagd können wir, richtig gut sogar, weil das durch Kattegat und Skagerrak unsere von der NATO zugedachte Rolle in der Verteidigung ist.

Das Problem ist, dass wir friedensbesoffen die ganze Sparte der Marineflieger-Kampfjets eingestampft haben. Es gibt sie nicht mehr. Und natürlich auch die spezielle und erweiterte Ausbildung der Piloten nicht mehr. Weil Deutschland der Meinung war, ohne Sowjetunion wird das nicht mehr gebraucht und das Geld sei anderweitig besser aufgehoben. Friedensdividende nennt man das wohl. Unser neuer Freund Putin und so, wir erinnern uns. …was aus dem wohl geworden ist? Wladimir „Judo-Waldi“ Wladimirowitsch, der alte Spaltenküsser.

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Marine Tornado, gute alte Zeit.

Nehmen wir für den Anfang nur die Grundausstattung.
Zunächst brauchen wir Jagdbomber. Irgendwas, was dem Feind eine große Traglast auf den Kopf werfen kann. Und von Radars möglichst nicht gesehen wird.
Da könnten wir unsere alten Tornados nehmen. Die können viel schleppen und können aufklären.
Da ist aber das Problem, dass die nicht nur in hohen Ehren ergraut sind. Sondern dass die einmal von einem Flugzeugträger starten können. Einmal. Wenn wir das Ding doppelt so lang bauen, können sie auch wieder landen.

Wir haben aber eh gerade F-35 bestellt. Das ist gut, die sind im Iran auch gerade im Einsatz.
Bestellen wir halt noch welche. In einer anderen Version, aber ansonsten haben wir ja schon alles, oder bekommen es eh. Tankstutzen und Ersatzräder und so.
Ich würde sagen, wir brauchen so 20 Stück. Flieger, nicht Ersatzräder.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die noch mehr für den Luftkampf ausgelegt sind, also eigentlich Jäger. So reine Typen gibt es nicht mehr, aber halt so die Richtung.
Der Eurofighter Typhoon ist mehr so der Porsche 992, der Tornado der Mercedes Diesel Kombi mit Dachgepäckträger und Anhängerkupplung. Wir brauchen Porsche.
Und wenn die Autos jetzt nicht passen, hört auf mit Klugscheißern, ich habe keine Ahnung von Autos. Mein zweites Auto war ein Merser Diesel mit Agrarhaken, mein erstes ein Leopard II. Eat my dust.

Nehmen wir also mal zehn Typhoon dabei. Die sind primär dafür da, die FGS Breckerfeld vor feindlichen Flugzeugen, Marschflugkörpern und Drohnen zu schützen.

Dann brauchen wir Flugzeuge, die elektronische Kampfführung können. Die können unter anderem feindliche Radars bekämpfen, auch die Radars von Flugabwehrsystemen, die uns angreifen.
Da hätten wir die ECR Tornados, mit dem gleichen Problem. Aber es sollen eh gerade 15 Typhoon der Luftwaffe umgerüstet werden. Also bestellen wir doch gleich noch fünf mehr.

Als Amarena-Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre natürlich schick, wenn wir auch Fernaufklärung machen könnten. Damit wir früh genug wissen, was da so auf uns zukommt. Im wahrsten Sinne.
Das sind diese Maschinen mit der riesigen Untertasse oben drauf. Auch sowas haben wir, aber eben nicht für Träger. Die US-amerikanischen E‑2D Hawkeye werden seit 1960 bis heute produziert. Wir werden die nehmen müssen. Einfach weil es kein europäisches System gibt, dass von einem Träger aus operieren kann. Aber da würden auch zwei reichen.

Damit werden die deutschen Marineflieger zu neuem Glanz auferstehen. Nehmt das, ihr Pazifistenpudel!

Soldaten wie Sand am Meer

Jetzt brauchen wir Besatzung und Bodenpersonal.
Wir bekommen bis jetzt schon nicht genug Leute. Und haben Politiker, die sich nicht so recht trauen, da irgendwas mit der Wehrpflicht zu machen. Was aber eh egal ist. Denn da die FGS Breckerfeld jederzeit auch außerhalb eines Verteidigungsfalles einsetzbar sein muss, auf unbestimmte Zeit, mit hoher Geheimhaltung und kommunikativem Shut Down, müssten es eh Zeitsoldaten sein.

Wir launchen einfach einen Image-Film, wie damals Top Gun. Natürlich den alten. Niemand hat den neuen gesehen.
Niemand.
Mit 60 dürfte Tom Cruise bei den Marinefliegern nicht einmal die Räder ölen. Muss doch keiner sehen sowas. Geriatrie Geschwader.

„Breckerfeld – Im Sturm von Gefahr und Liebe“.
(98% der Entscheidungsträger von Verwertungsgesellschaften und RTL-Redakteuren bestätigen, dass Filme in Deutschland solche Untertitel brauchen.)
100 Millionen Grundinvestition, der Rest über Productplacement. Ihr werdet sehen: Peanuts.

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Der Film zum Flugzeugträger: Hauptrolle Matthias Schweighöfer, Moritz Bleibtreu als der, der in der Mitte des Films stirbt, Christoph Waltz als Admiral und Diddi Hallervorden als geistig zerrütteter Alt-68er, der nicht will, dass seine Tochter einen Soldaten datet. (Gespielt von irgendeiner Perle, die bereit ist mal sieben Sekunden ihre Nippel zu zeigen, um auch die zu bedienen, die das mit den Porno-Internetseiten noch nicht verstanden haben.) Soundtrack irgendwas mit Castrop-Rauxeler Gangster Rap.

Damit bekommen wir die Besatzung locker zusammen. Die Laufen uns die Bude ein. 3300 Mann Besatzung und 2500 Mann fliegerisches Personal.
Und an Land nochmal 2000, das können dann zur Hälfte auch Wehrpflichtige sein. Planung und Nachschub lassen wir jetzt mal weg. Nur die, die dann da stationiert sind, wo wir in Wilhelmshaven die Krustentiere ausgerottet haben.
Ich bin sicher, Wilhelmshaven wird sich über den Zuzug von knapp 8000 Mann plus Lieferverkehr richtig freuen. Die örtliche Gastronomie auf jeden Fall.

Kurz überschlagen

Und da liegt sie dann, der stolz der deutschen Marine. Ein zum Schiff geschmiedeter, neuer deutscher Nationalstolz. Weil Deutsche ja sonst nix haben, um stolz sein zu können. Zumindest glauben das wohl einige.
Überschlagen wir es kurz.

Die Breckerfeld selber macht, bei planmäßigem Lauf des Baus, 12 Milliarden.
Bei 20 F-35C (Trägervariante) kommen etwa zwei Milliarden drauf.
Die Typhoon sind etwas teurer, die ELOKA Version sicher noch etwas. Aber sagen wir, wir machen einen guten Deal, dann sind wir mit 2,7 Milliarden dabei.
Bau der Kaserne, Ausbildungszentren (dezentralisiert und disloziert), Beschaffung eines Fuhrparks… Komm, wir sind unter uns, runden wir auf insgesamt 20 Milliarden ab.
Schnäppchen.

Dann müssten wir uns noch über die Kampfgruppe, die Carrier Strike Group, unterhalten.
Dazu gehören Luftabwehrzerstörer - im Schnitt drei bis vier – und mindestens ein Jagd-U-Boot.
Gut, letzteres können wir wirklich, unsere sind die besten weltweit.

Wir haben gar keine Zerstörer. Aber recht ansehnliche Fregatten. Das geht auch.
Wir haben gerade sechs Fregatten der F126 im Zulauf, erste 2028. Bestellen wir gleich drei mehr, ist dann günstiger. Sollten allerdings spezialisierter sein, aber das sind Details. Gehen wir von einer Milliarde pro Stück aus, sind das läppische vier Milliarden.
Die Brauchen zwar auch wieder Personal, aber… Image-Film!

Habe ich erwähnt, dass der Einsatz einer solchen Carrier Strike Group ohne Waffen täglich über eine Million Euro kostet?

Wenn alles läuft, haben wir den Puff 2035 besenrein schlüsselfertig.
Ich denke, ich werde mir schon einmal einen Klappstuhl bestellen. Personalisiert und mit Marineflieger-Logo. Noch besser: Gleich morgen arbeite ich an der Gründungssatzung der Marinefliegerkameradschaft Breckerfeld-Ultras „Mit allen Wassern gewaschen, mit Alkohol gereinigt“ e. V.
Memo an mich: Städtepartnerschaft.

Mal wenigstens halb ernst

Kommen wir runter von dem Trip. So schön er auch ist. Sonst träume ich noch davon. …falls der dicke Nachbar endlich mal aufhört die Kartons durchs Treppenhaus zu schieben und ich schlafen kann.

Ich erkläre mal, warum das ein typischer, laienhafter Gedanke ist. Und warum er – aus militärischer Sicht zu Ende gedacht – völlig nutzlos ist.
Es ist so ein bisschen, wie Leute von „Langstreckenraketen“ sprechen und nicht wissen, dass sie damit „atomare Interkontinentalraketen für des Inferno“ sagen.

Und Stammleserinnen und -leser werden einschätzen können, dass ich ja wirklich doch eher „rustikal“ unterwegs bin. Nicht rechts oder nationalistisch, nur militärisch klar und ziemlich empathielos. Moral stört nur beim Geschäft.

Wofür braucht man eigentlich Flugzeugträger?
Ernsthaft jetzt. Wofür?

Israel fliegt derzeit ständige Angriffe gegen den Iran. Die haben keinen Flugzeugträger.
Die israelische Luftwaffe ist etwas größer als die deutsche. Das hat aber taktische und strategische Gründe, aufgrund der Situation Israels und vor allem des Irans. Also Dinge, die weit vor Netanjahu schon begonnen haben.
Insgesamt sind die IDF (Israel Defense Forces) sogar kleiner als die Bundeswehr.

Das bedeutet, Israel kämpft gerade gegen einen Feind, der über 1000km weit weg ist und – je nach Flugroute – zwei bis drei Länder entfernt ist. Die können das. Die sind gut.
Israel könnte aber niemals den Iran einnehmen, ebenso wie Deutschland niemals Russland einnehmen könnte.

Um das zu können, muss man die berühmten „Boots on the ground“ bekommen. Und man muss eine Luftüberlegenheit herstellen. Was Israel und die USA im Iran nur deshalb so schnell konnten, weil der Iran im Grunde eine überaltete Schrott-Luftwaffe hat. Aus Gründen.

Einen Flugzeugträger braucht man, um direkter aus der Luft auf einen Gegner einwirken zu können.
Das geht aber auch über Lufttanker. Und Landeplätze. Die die USA gerade am Persischen Golf ja auch haben. Nur mit dem Flugzeugträger alleine ginge das auch nicht so einfach.

Russland hat einen einzigen Flugzeugträger. Und der verrottet seit Jahren in einer Werft. Ich musste den noch lernen, man kann mich auch nachts um drei besoffen wecken und ich kann „Admiral flota Sowjetskowo Sojusa Kusnezow“ sagen.

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Die Kuznetzow auf Reede, etwa 2019.

Politiker, Pazifisten und andere Randexistenzen unterscheiden gerne zwischen „Offensivwaffen“ und „Defensivwaffen“. Was Unfug ist. Mit fast allem, mit dem man abwehren kann, kann man auch angreifen. Zumindest auf taktischer Ebene.
Wenn die Zuschreibung als „Offensivwaffe“ aber auf irgendetwas zutrifft, dann auf Flugzeugträger. Und auf SSGN, aber das ist ein anderes Thema.

Die USA haben sogar einen guten Grund dafür, so viele Flugzeugträger zu haben. Völlig egal, ob man Imperien oder Trump kacke findet.
Sie können etwa 12 solcher Carrier Strike Groups auf die Beine stellen. Von denen gerade einmal eine vorm Iran im Einsatz ist (USS Abraham Lincoln) und eine zweite gerade im Zulauf (USS Gerald R. Ford).

Wenn man sich die Weltkarte anschaut, sind die USA ziemlich isoliert.
Mögliche Gegner sind Russland und China. Und die sind weit weg. Und waren es auch schon, als sie USA nach dem zweiten Weltkrieg angefangen haben, sich diese teuren Flugzeugträger draufzuschaffen.
Und nur deshalb – und wegen der Tiefseehäfen – haben sie eine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur, diese Träger immer wieder zu erneuern. Never change a running system.
Für uns ist Russland aber ganz nah. Und China geht uns nichts an.

Dass Großbritannien zwei Flugzeugträger und nuklear bewaffnete U-Boote hat, ist auch ersichtlich. Denn UK gehört zu den „Five Eyes“ (FVEY), also Australien, Kanada, Neuseeland und USA. Auch das ist historisch gewachsen.
Wir vergessen gerne, dass es nach wie vor ein Commonwealth gibt. Nicht mehr die Kolonien, sondern heute freiwillige und stolze Ableger des historischen Commonwealth. Canada ist britischer, als es amerikanisch ist. Ebenso Neuseeland. Und wenn man einen Australier sprechen hört, denkt man, das sei eine überzeichnete Parodie eines Briten. Barbados, Trinidad und Tobago, Dominica und wie sie alle heißen, alles Aushilfsbriten.

Und die sind natürlich alle mehr oder weniger mit Großbritannien verbündet. Und deshalb macht es für Großbritannien auch Sinn, sich zwei Flugzeugträger anzuschaffen.
Aber genau damit haben sie sich verrannt. Der zweite, die HMS Prince of Wales, hat nicht einmal Flugzeuge. Kein Scherz. Da sollen, wenn denn geliefert und bezahlt, 12 F-35 drauf. Zwölf. Auf einem haushaltsüblichem sind mindestens 30, eher 40 Flugzeuge.

Sinn und Zweck lassen bei Frankreich schon stark nach, aber wenigstens ist die Charles de Gaulle der einzige atomgetriebene Flugzeugträger außerhalb der USA weltweit. Aber jetzt wollen die noch einen zweiten, größeren bauen. Und ich persönlich habe das Gefühl, der Franzose sollte dringend einmal mit seinem Therapeuten über Kompensation sprechen.

Bei Italien habe ich gar keine Ahnung mehr, was und warum die sowas brauchen. Liebe für Sprache, Küche, Kultur und Geschichte, Kudos gehen raus. Aber… Ragazzi, ma che fai? Wofür? Die drei kürzesten Bücher der Welt sind „Englische Küche“, „2000 Jahre deutscher Humor“ und „Italienische Heldensagen“. Mal unter uns, habt ihr mal eure Militärgeschichte des letzten Jahrhunderts nachgeschlagen?

Es wurde auch in dem Thread der auslösenden Frage gesagt, dass Italien ja jetzt seinen Flugzeugträger schickt.
…ja, vor Zypern. Quasi umme Ecke. Nicht vor den Iran. Um gegen Drohnen der Hisbollah zu schützen. Das könnten zwei Moderne Flugabwehrfregatten auch.

Soll ich jetzt noch auf den indischen Flugzeugträger eingehen? Oder die thailändische HTMS Chakri Naruebet, die nur noch Helikopter hat? Oder den japanischen, bei denen das als Inselstaat gegenüber China wieder halbwegs Sinn macht?

Wozu genau jetzt?

Also fragen wir uns doch einmal, für welchen Fall genau Deutschland einen Flugzeugträger brauchen sollte. Entschuldigung… die die FGS Breckerfeld. Oder gar einen zweiten, die FGS Ennepetal nicht zu vergessen.

In der Ostsee sind die Dinger strategisch völlig wertlos. (Das Bild mit dem zweiten Arschloch habe ich schon gebracht, oder?) Moskau und Sankt Petersburg können wir eh erreichen. Bei Riga kurz rechts abbiegen, am McDonalds und Douglas vorbei, hinterm Aldi links, die Taurus oder HARM absetzen und ab nach Hause, bevor Pavel „Blyat“ sagen kann.

Wir bräuchten Flugzeugträger, wenn wir beispielsweise Verbündete irgendwo weit weg unterstützen wollten. Weit weg.
Selbst wenn wir Israel unterstützen wollten, könnten wir das von Israel aus. Oder von der Türkei. Die ja immer noch NATO-Partner ist. …ok, mehr so der verschrobene, bucklige Onkel mit über die Halbglatze gekämmten Haaren, den keiner mag, der auf jeder Familienfeier besoffen die promiskuitive Cousine befummelt. Aber Familie kann man sich halt nicht aussuchen.

Wen?
Wenn Trump auf die glorreiche Idee kommt Mauritius einzunehmen, wie er gehört hat, dass es da wertvolle Briefmarken gibt, und es in Trumpnistria oder Donaldistan umbenennen will? (An dieser Stelle werden mindestens fünf Leser aussteigen um „Mauritius Briefmarken“ zu googeln.)

Ich kann mir kein einziges Szenario vorstellen, wofür wir Flugzeugträger bräuchten. Nicht einmal bei Kanada, weil wir da nämlich eh Basen haben bzw. gern gesehener Gast sind. Und mal ehrlich: wer will Kanada? Freundliche Menschen die genetisch unfähig sind zu lügen, Dudelsäcke haben und Wald. Viel Wald.

Flugzeugträger bräuchten wir, um auf dicke Hose zu machen und endlich mal wieder richtig schön deutsch und stolz sein zu können. Vor allem deutsch. Aber auch stolz. Mehr so untenrum.
Wenn die CDU sowas durchbringt, kann die AfD sich gleich auflösen.

Nochmal: Ich bin militärisch in meinen Ansichten wirklich ein harter, konservativer Hund. Aber eben nicht rechts oder nationalistisch. Alles schön mit Sinn, Verstand, Verbündeten, Freunden und zur Verteidigung.
Ich verzichte gerne auf meinen Klappstuhl.

Ach scheiß drauf. Ich bin krank. Ich bestell mir jetzt so einen Klappstuhl.
Und dann geh ich beim Nachbarn nachfragen, warum der seit fünf Tagen umzieht.

Wer es bis hierher geschafft hat, wird mir die Überschrift verzeihen. Honey Trap für die Dauerempörten und AfD-Wähler, die sich Zuspruch erhofft haben. Schafft Euch ein Rückgrat an. Ist billiger als die FGS Breckerfeld.

Folgen Sie mir auch weiter für bierernste militärische Analysen.


Erschienen auf steady.page


Donnerstag, 19. Januar 2023

Haben Sie frische Heuschrecke bestellt?

von Thomas Heck...

Letztens wurde noch das Insektensterben als mediale Sau durchs Dorf getrieben, wenn vom Insektensterben als ein Armageddon biblischen Ausmaßes beschrieben wurde. Die krabbelnde Viecher konnten sich sicher sein, dass sie in den Grünen und exemplarisch dafür stehend Katrin Göring-Eckhard ihren Fürsprecher gefunden hatten, den KGE ist zwar nicht gut zu Vögeln, befürwortet sie doch die großen Vogelschreddermaschinen vulgo Windräder, sondern gut zu allen Tieren, denn jede Biene, jeder Schmetterling weiß, sie konnten auf die Grünen setzen. Wohlgemerkt, konnten. Denn jetzt geht es auch den Krabblern an den Kragen. Auf Geheiß der EU können diese in allen Varianten verspeist werden. Bis zu Soylent Green ist denn gar nicht mehr so weit weg. 



von Mirjam Lübke...

Das große Krabbeln hat begonnen - dank der EU. Gesund soll es sein und überdies die Welt vor Klimawandel und Hunger bewahren. Denn die gemeine Grille leidet nicht wie das Hausrind an lästigen Blähungen, zumindest ist nichts derartiges bekannt und produziert weder CO2 noch Methan. Zum Dank geht es ihr jetzt an den Kragen, denn genügsam ist sie auch noch, man kann sie getrost in kleinen Kästen heranziehen, ohne den Zorn von Tierschützern zu erregen. Alles, was mehr als vier Beine hat, sollte nun dringend einem Lobby-Verband beitreten, sonst wird es getrocknet, geröstet und pulverisiert. Und landet zukünftig als Frühstücksbrötchen auf unserem Tisch. Oder als leckerer Proteinriegel mit Nüssen und Cranberries in der Sporttasche.


Angeblich ist Insektenmehl geschmacklich nicht von Vollkornmehl zu unterscheiden, wenn man nicht weiß, was man da verzehrt. Das hat sich auch ein Startup-Unternehmen zunutze gemacht, das gemeinsam mit der Universität Sigmaringen Pasta und Pizza aus Grillenmehl herstellt. Gerade forscht man an der Automatisierung der Insektenzucht in großen Farmen, um sich an der Weltrettung zu beteiligen. Der Gedanke, man könnte uns das Krabblermehl unbemerkt verabreichen - weil man es schließlich nicht schmeckt - beunruhigt mich nun allerdings doch. Immerhin soll es - den Allergikern sei Dank - eine Kennzeichnungspflicht geben. Es empfiehlt sich zukünftig, nicht mehr ohne Lesebrille in den Supermarkt zu gehen, sonst landen die possierlichen, romantisch zirpenden Tierchen doch noch auf dem Teller. Man kann nur hoffen, dass der Trend nicht lange anhält, weil man sonst bald nichts mehr anderes in den Regalen vorfindet. Und wer hat schon Lust, stets die gesamte Zutatenliste auf Herz und Nieren zu prüfen?
 
Zugegebenermaßen findet sich auch jetzt schon allerhand wenig Vertrauenswürdiges darin: Stabilisatoren, Farbstoffe - Cochenillerot wird übrigens aus Schildläusen gewonnen - und allerlei Emulgatoren. Warum also ausgerechnet gegen Insekten im Essen protestieren? Sonst fragt man schließlich auch nicht genau nach, was man konsumiert, wenn es einem nur schmeckt. Aber gegen den Verzehr von Insekten haben wir nun einmal einen natürlichen, durch unsere Kultur bedingten Ekel entwickelt. Wird das Projekt dann noch zum Zweck einer Weltrettungsideologie angepriesen, so kann einem das schon auf den Magen schlagen und den Jubel unglaubwürdig klingen lassen. Das ähnelt dem Tiramisu aus Magerquark, welches einem im Diätkurs als furchtbar lecker angepriesen wird: Es mag zwar einigermaßen essbar und besser für die Linie sein, aber richtiges Tiramisu schmeckt einfach befriedigender. So wie auch aus dem besten Knäckebrot kein Rosinenstuten wird.
 
Insekten statt Fleisch oder auch Mehl, das reiht sich nahtlos in die Dauerpredigt vom Konsumverzicht ein, der seltsamerweise immer von jenen gehalten wird, die es sich leisten können, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Ab und an werden diese Menschen auch dabei erwischt, wie sie sündigen, aber eine gute Ausrede kommt ihnen immer über die Lippen. Die Folgen des Klimawandels für die Seychellen können sie sich eben nur vor Ort vergegenwärtigen - wir Normalsterblichen müssen uns mit ihrem Bericht begnügen. Nach Klimaprotesten sieht der Veranstaltungsort aus wie ein Schlachtfeld, aber wehe, der Nachbar wirft einmal eine Flasche in den falschen Container. Auch habe ich so eine Ahnung, dass auf den Buffets in Brüssel und Davos keine Insekten-Pasta serviert wird, höchstens ein paar Happen zum Probieren vor laufenden Kameras.
 
Tatsächlich werden in Ostasien geröstete Heuschrecken als Imbiss am Straßenrand verkauft, sie sollen nussig schmecken. Aber ob das nicht auch nur aus der Not geboren ist? Juden etwa ist der Verzehr von Insekten verboten, allerdings gibt es davon in der Bibel eine Ausnahme: Eine Heuschreckenart, die im Mittelmeerraum besonders häufig vorkam und schon einmal die Felder leerfraß. Da blieb einem nichts anderes übrig, als diese Heuschrecken zu essen, wenn man überleben wollte. Begeisterung scheint das nicht hervorgerufen zu haben, denn Einzug in die jüdische Küche hielt die Heuschrecke nicht. Das verrät aber auch den Grund, warum wir Insekten als Nahrungsmittel ekelhaft finden, wir kennen sie vor allem als Störenfriede, die über Obst oder uns selbst herfallen. Auch der Mehlwurm, der heute in Bratlingen landet, wird in der Küche nicht gern gesehen. Eine Ausnahme davon bilden Schmetterlinge und die nützlichen Bienen, aber diese würde auch niemand essen wollen.
 
Uns wird also wieder einmal etwas aufs Auge gedrückt, was wir eigentlich gar nicht wollen, in der Hoffnung, wir würden es eines Tages als normal empfinden. Wer Insekten als Nahrungsmittel akzeptabel findet, konnte bereits seit ein paar Jahren entsprechende Produkte im Handel finden, aber das reichte der EU wohl nicht aus. Dass sich hier "zufällig" die Interessen der EU mit denen des WEF überlappen, ist sicherlich eine "Verschwörungstheorie", auch wenn das WEF die Idee seit Jahren propagiert, zumindest für das "einfache Volk". Leider, so fürchte ich, wird zumindest ein Teil davon freudig seine Grillenbrötchen essen, wenn man ihm nur lange genug einredet, damit etwas Gutes zu tun und den Planeten zu retten. Ich bin gespannt auf die ersten Werbespots.




Dienstag, 17. Januar 2023

Palim, Palim... wir haben einen Verteidigungsminister

von Thomas Heck...

Eine schlaflose Nacht liegt hinter mir. Alpträume, die mich schweißgebadet aufschrecken ließen. In meinen schlimmsten Träumen wanderten übelste Gestalten durch den Bendler-Block in Berlin: Lars Klingbeil, Hubertus Heil, Sawsan Chebli, Katarina Barley, Eva Högl. Wobei letztere vielleicht gar nicht eine so schlechte Wahl gewesen wäre. Als aktuelle Wehrbeauftragte engagiert und gut angesehen in der Truppe wäre zumindest die Einarbeitungszeit schnell erledigt gewesen. Doch eine vierte Frau in Folge hätte die Truppe wohl eher mit Exekution der Inhaberin der Kommando- und Befehlswelt denn mit Kadavergehorsam geahndet. 


Nun ist es Boris Pistorius geworden. Der Nazi-Jäger, der auf dem ersten Blick eher wie Armin Laschet aussieht (Hat jemand beide eigentlich schon mal im gleichen Raum gesehen?). Die Truppe wird dennoch nicht zu beneiden sein, erfuhr Pistorius selber erst einen zuvor, dass er der Auserwählte sein soll. 

Unter Pistorius wird die Bundeswehr ziemlich sicher Nazi-frei bleiben und vermutlich nicht einsatzbereiter. Dennoch ist er unter den Blinden der SPD sicher der Einäugige. Denn Pistorius hat schon mal Wehrdienst geleistet. Ein Novum für die Bundesverteidigungsminister. Niemand seit 10 Jahren hatte auch nur einen Tag Wehrdienst geleistet. SPD-Parteichef Lars Klingbeil war angeblich auch ganz vorne im Rennen mit dabei. Dem Kriegsdienstverweigerer attestierte die Journaille schon eine Qualifikation, weil der Vater Berufsoffizier war. Die Niedersachsen werden trotzdem froh sein, den amtierenden SPD-Innenminister Boris Pistorius los zu sein. Und. In Sachen Parität bleibt festzustellen, dass in der Regierung Scholz bislang nur Frauen zurückgetreten sind. George Restle verortete sofort ein Disparität in der Regierung. Wegen Frauenmangel. 

Der designierte Minister Pistorius mit Amtsvorgängerin Lambrecht...


Aber auch in Krisenzeiten gilt die 100-Tage-Regel. Pistorius hat eine Chance verdient. Hoffentlich verkackt er es nicht. Im Interesse der Bundeswehr und damit letztlich im Interesse von uns allen wünsche wir ihm und der Truppe die notwendige Fortune. Na, dann siegt mal schön...



Sonntag, 15. Januar 2023

Der Mönch von Lützerath...

Was von Lützerath bleiben wird, ist der die Polizei verarschende Mönch... 

Ein schwacher Staat, der sich nicht einmal mehr traut, bestehendes Recht durchzusetzen. Wenn er sich nicht einmal mehr gegen ein paar Klimakinder durchsetzen kann, wie gegen den arabischen Familien-Clan, wie gegen messerschwingende und marodierende Migranten?



 

Freitag, 25. November 2022

Klima-Terrorist Benjamin F., 25 Jahre alt

Benjamin F., 25 Jahre...

Dumm und stinkend vor Faulheit.



Was für schräge Vögel gibt es denn da noch? Zum Beispiel den hier. Vermutlich ist es dann doch besser, wenn wir einfach aussterben... but wait, ist das nicht Helge Lindh??? Nein, Penelope Frank aus Heidelberg, 32 Jahre alt, Sexworker, aber beim Aussehen eigentlich nur als ALG2-Aufstocker möglich.


Es macht auch Escort-Service und ist eine geschätzte Begleitung für einen angenehmen Abend bei gepflegter Konversation. Die Eloquenz ist dagegen noch etwas verbesserungswürdig...



 

Sonntag, 6. November 2022

Wenn deutscher Journalismus selbst den Ratten zu peinlich wird...

von Mirjam Lübke...

Als Ratte wäre ich empört, von einem Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks derart instrumentalisiert zu werden. Einer Ratte wäre es ziemlich wesensfremd, ihre Artgenossen derart schäbig zu behandeln, wie es die Kommentatoren praktizieren, die Andersdenkende als "Ratten" bezeichnen und "sie in ihre Löcher zurückprügeln" wollen. Da hat jemand "die Grenzen des Sagbaren" kräftig ausgedehnt und probiert, ob er damit durchkommt. Nach wütenden Reaktionen aus der Leserschaft ruderte Nils Dampz inzwischen zurück, natürlich war er - wie könnte es anders sein - nur missverstanden worden. Im gerechten Zorn auf die Schlechtigkeit der Welt kann es schon einmal passieren, dass sich die Finger selbständig machen und böse Sätze in die Tastatur hämmern.



Ob Blinddarm oder Ratte, da spuckt das Unterbewusstsein allerlei Vergleiche aus, die direkt aus "Goebbels Handbuch der effektiven Entmenschlichung" stammen könnten. Um es mit Broder zu sagen: Man merkt, wie "es in den Journalisten denkt". Und nein, die Reue ist nicht glaubwürdig, denn es ist ein Unterschied, ob jemandem in einer hitzigen Diskussion etwas herausplatzt, was ihm anschließend leid tut, oder etwas Geschriebenes veröffentlicht wird. Herr Dampz wird kaum die Befugnis haben, das eigenverantwortlich ins Netz zu stellen, es muss zumindest ein Redakteur zugestimmt haben. Das hat nichts "Spontanes", sondern ist durchdacht.
 
Da glaubt man, die deutsche Medienlandschaft befände sich fest im Griff der eigenen Leute - dann kommt plötzlich ein Milliardär des Weges und kauft einen der eigenen Spielplätze für ein Taschengeld von 44 Milliarden Dollar. Das wäre noch nichts, worüber "die Guten" sich aufregen würden. Stehen die Milliardäre auf ihrer Seite, dann nimmt man gern eine Spende an, um im Gegenzug bei der Verbreitung gewünschter Botschaften an einem Strang zu ziehen. Wir erinnern uns an die großzügigen Spenden der "Bill & Melinda Gates-Stiftung" an den Spiegel. Trotz aller Kapitalismuskritik haftete diesem Geld offenbar nichts Böses an. Elon Musk jedoch kündigte das genaue Gegenteil an: Twitter soll fortan ein Ort der freien Diskussion sein, aus dem einen Denunziation nicht mehr ohne weiteres vertreiben kann. Sogar der Teufel in Menschengestalt, Donald Trump, hat seinen Account wiederbekommen - eine grauenvolle Vorstellung für die meisten deutschen Journalisten! Nun wird Elon Musk, obwohl er brav Elektroautos herstellt, selbst zum Dämon stilisiert, er ist unwiderruflich in Ungnade gefallen.

Wir haben uns als Andersdenkende schon ein ziemlich dickes Fell zugelegt, was Beschimpfungen aller Art anbelangt. Wenn wir die sozialen Medien betreten, müssen wir zumindest virtuell wie ein Eishockey-Spieler abgepolstert sein, um nicht unter die Räder zu geraten. Die "Reductio ad Hitlerum" ist fester Bestandteil der Beschimpfungen, alles außer Fanta und Dominosteinen zur Weihnachtsfeier ist rechter Umtriebe verdächtig. Sollte Goebbels einmal gesagt haben "In Sibirien ist es kalt wie im Kühlschrank" wird fortan auch dieses Küchengerät unter Naziverdacht fallen und "an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte erinnern". Und vor diesem Hintergrund wollen uns Nils Dampz und der SWR weismachen, sie hätten nicht gewusst, bei wem sich Vergleiche mit "Ungeziefer" besonderer Beliebtheit erfreuten? Zumal die Zielsetzung die gleiche ist: Die Hemmschwelle, gegen eine Gruppe von Menschen vorzugehen, soll gesenkt werden. Da haben die Sprachsensibelchen plötzlich keinerlei Hemmungen mehr.
 
In der dystopischen Science-Fiction-Serie "Black Mirror" gibt es eine Folge, die Soldaten auf "Kakerlaken-Jagd" zeigt, zombieähnliche Wesen, die regelmäßig die Lebensmittellager der letzten Menschen überfallen. Man merkt schon zu diesem Zeitpunkt, dass hier etwas nicht ins übliche Bild passt - Zombies, die Getreide klauen? Ein Landwirt, der einigen "Kakerlaken" im Keller Unterschlupf gewährt hat, wird brutal verhaftet, sein Hof abgebrannt. Im Laufe der Handlung wird deutlich, dass es sich bei den "Kakerlaken" um Menschen handelt, welche die Weltregierung loswerden will, um "genetische Defekte" auszulöschen. Da man fürchtete, die an der Aktion beteiligten Soldaten könnten Skrupel haben, vor allem Kinder zu töten, pflanzte man ihnen ein Implantat ein, welches sie ihre Opfer tatsächlich als Monster sehen lässt, die nur aggressive Laute ausstoßen. Die "Kakerlaken" finden einen Weg, das Implantat zu sabotieren, worauf ein Soldat die Wahrheit erkennt und rebelliert. Das System stellt ihn daraufhin vor die Wahl: Entweder lässt er sein Implantat reparieren und sein Gedächtnis löschen, oder er wird den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, wobei ihm in Endlosschleife vorgespielt wird, wen er wirklich getötet hat: Ältere und kranke Menschen, auch ein Kind.
 
Science-Fiction ist ein gutes Mittel um aufzuzeigen, wohin totalitäre Methoden in letzter Konsequenz führen können - und gerade die dystopischen Geschichten finden selten ein gutes Ende. Da kommt kein Retter, der die Dinge wieder ins Lot bringt. Es wird deutlich, dass man etwas unternehmen muss, bevor die Dinge soweit kippen, dass sie nicht mehr rückgängig zu machen sind.
 
Ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen, wie sich die Lage bei Twitter entwickeln werden. Vielleicht nutzt Musk seine Macht als "Alleinherrscher" der Plattform tatsächlich für eine eigene Form der Zensur. Oder er verliert das Interesse und wendet sich wieder seiner Mission zu, die Menschheit auf den Mars zu bringen (was ich hoffentlich noch erleben werde). Der Kurznachrichtendienst ist auch für die Medien ein Gradmesser geworden, um die Stimmung im Land einzuschätzen. Wir wissen, dass auch die öffentlich-rechtlichen Sender ein feines Näschen dafür besitzen, wann es Zeit ist, der Mehrheitsmeinung ein wenig entgegenzukommen - es kann also nur von Nutzen sein, wenn Twitter hier mehr Vielfalt darstellt. Ob sich ein Journalist dann noch traut, alles rechts von ihm als "Ratten" zu bezeichnen, ist fraglich. Sein Denken wird er aber mit Sicherheit nicht ablegen - und es im Zweifelsfall in den Dienst seiner Herren stellen.




Ein Tag im Leben der Annalena B.

von Claudio Casula...

„Ich will die Krisen dieser Welt lösen“, hatte sie einmal der WELT gesagt. Am besten den Nahen Osten für immer befrieden, zehn Millionen Ukrainer retten und Putins Kapitulationserklärung entgegennehmen. Fragte sich nur, was sie dann den Rest der Woche machen sollte.


Die Sonne ging auf über Mogadischu. Irgendwo in der Ferne heulte ein Schakal. Annalena wachte auf, bevor der Wecker piepen konnte, gähnte und machte sich schnurstracks auf den Weg ins Bad. Somalia. Sie hatte sich schon gefragt, warum ein Land nach Weinkellnern benannt wurde. Die tranken hier doch nicht mal was! Aber so lernte sie dazu, jeden Tag, seit sie die Leitung des Auswärtigen Amtes übernommen hatte. Sie besuchte aller Herrinnen Länder, sagte großzügig deutsche Hilfsgelder zu, wo immer sie aus dem Flugzeug stieg. Nur einmal hatte Christian sie etwas verärgert gefragt, ob es „noch gehe“, weil sie Dubai, Katar und Abu Dhabi jeweils eine Milliarde Dollar versprechen wollte. Gerade noch mal gutgegangen.

Ich lerne halt noch, dachte Annalena. Training on the Job, gewissermaßen. Wie auch immer, ihre Beliebtheitswerte waren gigantisch. Während Robbi sich das Wirtschaftsministerium ans Bein gebunden hatte und nun bis Oberkante Unterlippe in der Scheiße steckte. Gut, dass der Knilch, äh, Kelch an mir vorbeigegangen ist, murmelte Annalena vor sich hin. Da war es wieder, ihr verdammtes Problem. Die Salben, nein, Silben, sie vertauschte sie immer wieder, die Zunge war jedesmal schneller als der Gyros, äh, Gyrus temporalis superior, der Aufbau der Wörter mit Vor- und Nachsilben ergab immer wieder Kraut und Rüben, sie war sozusagen antisemantisch unterwegs. „Fressefreiheit“, „Polen und Molen“, „Ostkokaine“, „gefanserte Parzeuge“ und hundert andere unfreiwillige Neologismen waren ihr bereits unterlaufen, oje, oje. Diese Astlöcher im Internat lauerten natürlich nur auf ihre sprachlichen Aussätzi-, na, Aussetzer und schnitten die Verhaspler immer wieder genießvoll im Video zusammen, um sich daran zu ergatzen.

Ganz ruhig, Annalena. Die Ministerin holte einmal tief Luft. So, jetzt ging es wieder. Nach der Morgentoilette inspizierte sie den Kleiderschrank. Modetechnisch war sie so trittsicher wie auf dem duplomatischen Baguette, die Presse war ganz hin und weg von ihren Outfits. Tja, sie lief eben nicht herum wie der Trampel aus der Uckermark mit den ausgebeulten Beinkleidern, den bunten Sakkos und den abgelatschten Flachtretern. Heute kam wohl ein farbenfrohes Kleid infrage, knielang, die Süddeutsche würde begeistert sein von ihrem Auftritt. Annalena ging den Terminkalender durch: Nach dem Frohsteck Treffen mit dem Primarminister, Besuch eines UN-Kindergärtens und eines Frauenprojektils, das war sie der von ihr propagierten feministischen Außenpolilitik schuldig!
Rechtspopolisten und Putenknechte

Von wegen „Trampolina“! Sie, Annalena Charlotte Alma, hatte es zur ersten deutschen Außenministerin gebracht, Patzer hin oder her. Grundlasthuhn war gestern, Kobold vorgestern, „Das Netz ist der Speicher“ so lange her, schon gar nicht mehr wahr. Der mehrmals frisierte Lebenslauf und ein paar andere Fehlerchen hatten sie trotz des medialen Grückenwinds die Kanzlerschaft gekostet, aber in Olafs Haut wollte sie jetzt eh nicht stecken. Dann war da noch die Sache mit den Plagiaten, ihr Buch hatte sie vom Markt zurückziehen müssen. Peinlich war das gewesen. Aber jetzt so gut wie vergessen, der Wikipedia-Eintrag war da sehr wohlwollend. In ihrem Ressort lief es überraschend gut, sie kam ganz schön herum in der Welt. In Australien hatte sie sogar mal einen Tasmanischen Täufling in freier Wildbahn gesehen.

Fauxpas waren ihr bisher nur wenige unterlaufen. Mit Schaudern dachte Annalena an den Besuch in diesem feinen Restaurant in Damaskus, als sie beim Somalier ganz arglos nach einem Golan-Wein gefragt hatte. Wenn Blicke töten könnten... Aber sonst hatte sie alles ganz gut im Griff. Dass die Rechtspopolisten und Putenknechte ihr eine bellizistische Außenpolitik vorwarfen, damit konnte sie leben. Pazifismus war auch nicht mehr, was er mal war, damals, als das Schewegewara-Poster noch in ihrem Zimmer hing.

Sie musste nur aufpassen, sich noch besser vorbereiten. Da war die Sache mit dem Meeresspiegelanstieg, den sie mal auf sieben Meter bis zum Jahr 2100 vorausgesagt hatte. Gut, das war leicht übertrieben. Vor der Abreise nach Palau hatte sie dann gesagt, der Meeresspiegel drohe die Inseln zu verschlucken, später aber bei Wikipedia gelesen, dass die Riffe dort nach Absinken des Meeresspargels durch Eiszeiten sowie furtgesetzte Kontinenzalbewegungen in den letzten 4.000 Jahren um etwa zwei Meter angehoben worden waren. Egal, ein bisschen Alarmismus geht immer, dachte Annalena auf dem Weg zum Premier.

Psychosomalische Kopfschmerzen

Danach telefonierte sie mit Daniel und den Kindern. Sie sah sie nur noch selten, seit sie permanent um den Globus tingelte. Dabei hatte sie doch nach Verkündung ihrer Kanzlerkandidatur erzählt, dann werde sie eben manchmal nicht erreichbar sein, weil sie nun mal auch Mutter sei. Und jetzt war sie kaum zu Hause. Was soll’s, das nahm man ihr in ihren Kreisen nicht krumm. Annalena rieb sich die Stirn. Wieder diese Kopfschmerzen. Sicher psychosomalisch, dachte die grüne Spitzenfrau. Sie musste mal gucken, was sie den Kindern von dieser Reise mitbringen konnte. Ein Shoppingparadies war das hier ja nicht gerade. Vielleicht hatten die Frauen in diesem Projekt ja einen Tipp für sie. Aber die schienen hier sowieso ganz andere Probleme zu haben, Klimawindel und so, Dürre, Hunger.

„Ich will die Krisen dieser Welt lösen“, hatte sie einmal der WELT gesagt. Am besten den Nahen Osten für immer befrieden, zehn Millionen Ukrainer retten und Putins Kapitulationserklärung entgegennehmen. Fragte sich nur, was sie dann den Rest der Woche machen sollte. Sie traute sich richtig was zu, wollte kotzen, nicht keckern. Wozu war sie denn sonst aus dem Völkerrecht gekommen? Ebend! Sie wollte wirklich etwas verenden. Gemeinsum mit ihren Schwestern im Geiste, die sie im Ministerium untergebracht hatte, dank Absenkung der Test-Standards. Sie hatte die entsprechenden Anforderungsprofile für die ausgeschriebenen Positionen anpassen lassen, der fiese Allgemeinwissenstest und der Psychotest entfielen nunmehr. Wissen ist Macht. Wir wissen nichts. Macht nichts. Mit diesem Spruch war sie aufgewachsen, das war ihr Credo, seit sie beschlossen hatte, Politikerin zu werden. Sollte Robert doch seine Fünfjahrespläne machen, sie würde weiter das ganz große Rad drehen.

Noch heute Abend würde es weitergehen nach Dschibuti, wieder so ein Land, wo man üppige Hilfsgelder verschenken konnte. Das Füllhorn flog immer im Gepäckraum mit, wenn Annalena unterwegs war. In solchen Ländern gab es keinen Stress wie in Russland, sie musste nur zuhören, Interesse zeigen, ein paar Milliönchen offerieren und schon konnte sie sich über lauter Artikel freuen, die sie abfeierten wie Lady Diana. Das war ein Leben! Alles richtig gemacht, dachte Annalena.

Vor der Fahrt zum Airport genehmigte sie sich in Hochstimmung ein Piccolöchen aus der Minibar. Sie lächelte und hob das Glas. Cheers, Robert! Du arme Sau.